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Red Hot Chili Peppers liefern erfolgreichste Rockplatte seit Januar 2021

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Foto: Anna Webber/Red Hot Chili Peppers

Unlimited Love von den Red Hot Chili Peppers ist in vielen Ländern direkt auf der Pole Position der Charts eingestiegen. In den USA ist es sogar das erfolgreichste Rock-Album seit Januar 2021 – und das, obwohl John Frusciante „das beste Zeug“ für den Nachfolger aufgehoben hat.

von Björn Springorum

Die Stimmung scheint gut im Lager der Red Hot Chili Peppers. Gerade erst haben sie ihr mit großer Spannung erwartetes neues Album Unlimited Love veröffentlicht. Und können sich schon eine gute Woche später ordentlich freuen: Nicht nur, dass die erste Platte mit John Frusciante seit Stadium Arcadium in Deutschland, Großbritannien und den USA direkt auf die Nummer Eins der Charts kletterte; in den USA ist das zwölfte Album der Band aus Los Angeles zudem die erfolgreichste Rock-Platte seit Januar 2021.

Allein in der ersten Woche konnten sie dort 97.500 Platten absetzen. Das übertraf zuletzt Sir Paul McCartney, der im Januar 2021 von McCartney III noch ein paar Exemplare mehr unter die Leute bringen konnte. Dennoch ein Triumph und ein wohlverdienter Erfolg für die Band, die augenscheinlich wieder zu alter Form, Stärke und Harmonie zurückgefunden hat.

48 neue Songs: so viele wie nie

Das Erstaunliche: Laut Rückkehrer John Frusciante hat sich die Band ganz bewusst „das beste Zeug“ für den Nachfolger aufgehoben, wie er in einem neuen Interview preisgegeben hat. Ganze 48 Songs sollen die Red Hot Chili Peppers diesmal geschrieben haben, bevor sie ins Studio gingen – so viele wie nie zuvor. „Ich wollte schon bei 20 Songs aufhören, weil ich der Meinung war, das reicht“, erzählt er bei Total Guitar. „Doch eines führte zum anderen und irgendjemand brachte mich immer wieder dazu, noch mehr Songs anzuschleppen. […] Einige der besten Sachen haben wir uns für den Nachfolger aufgehoben. Klar, das sich mich schon jetzt darauf freue!“

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass die Pause bis zum nächsten Album nicht wieder sechs Jahre lang wird. Erst mal geht es aber natürlich mit Unlimited Love auf Welttournee – und sind im Juli auch in Deutschland zu Gast.

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Red Hot Chili Peppers: 10 Dinge, die uns beim Hören von „Unlimited Love“ in den Sinn gekommen sind

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Zeitsprung: Am 8.10.1948 wird der legendäre Punkrock-Gitarrist Johnny Ramone geboren .

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.10.1948.

von Christof Leim und Tom Küppers

Heutzutage werden die Ramones als essenzielle Wegbereiter angesehen, ohne die die Geschichte der Rockmusik anders verlaufen wäre. Die Reduktion auf das Wesentliche spiegelt sich nicht bloß in ihren Kompositionen wider, sondern auch im brachialen Sound ihres Gitarristen Johnny Ramone. Bevor die Ramones als Kulturgut anerkannt wurden, musste allerdings erst ein ganzes Bandleben vergehen.


Die größten Hits der Ramones. Muss man kennen. Hier reinhören.

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Johnny Ramone wird am 8. Oktober 1948 in Queens, New York als Einzelkind geboren und auf den Namen John William Cummings getauft. Sein Vater hat vom Militär eine Vorliebe für Disziplin mit nach Hause gebracht, die die Erziehung seines Sohnes prägt. Wenn bei TV-Sportübertragungen die Nationalhymne gespielt wird, hat man gefälligst aufzustehen, und auch sonst lässt der alte Cummings keine Ausreden zu. Einmal bricht sich der kleine Johnny einen Zeh, was für den Vater noch lange nicht als Grund gilt, das anstehende Baseball-Spiel abzusagen: „Was soll das heißen, du bist verletzt? Habe ich etwa ein Baby großgezogen? Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht einen Tag auf der Arbeit gefehlt!“, lautet die knallharte Ansage, wie Johnny sich in der Biografie On The Road With The Ramones erinnert. In der neunten Klasse entscheidet sich der Junge schließlich für den Besuch einer Militärschule. „Offizier werden und früh in den Ruhestand gehen. Ich dachte, das klingt nach einem guten Lebensentwurf“.

Immer Vollgas: Johnny Ramone 1977. Credit: Michael Markos. Credit: Michael Markos

Zwei Jahre später wechselt er jedoch zurück in den normalen Schulbetrieb. Mittlerweile haben die Beatles und die Stones den Rock’n’Roll nach Amerika gebracht, Johnny lässt sich die Haare wachsen und weiß nach dem Abschluss nichts mit sich anzufangen. Im Alter von 19 Jahren durchlebt er eine kurze, aber heftige Drogenphase, beklaut Mitschüler sowie ältere Menschen und landet deswegen mehrfach im Knast. Mit 20 beschließt er, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, und sucht sich einen Job. Doch die Sache mit der Musik lässt Johnny nicht los. Seine erstes Konzerterlebnis hatte er 1964 mit den Stones, in den folgenden Jahren entgeht ihm keine größere Show. Egal, ob Hendrix, Alice Cooper, MC5 oder die Stooges nach New York kommen – Johnny ist dabei. 1972 lernt er Dee Dee Ramone kennen, der ihn überredet, sich eine Gitarre zu kaufen und mit ihm eine Band zu gründen. Aus der gehen schließlich die Ramones hervor. Hier ein ganz früher Mitschnitt:



Prinzipiell sind die Ramones der Gegenentwurf zu den seinerzeit angesagten Klängen. „Wir haben unsere Band gegründet, weil uns alles gelangweilt hat, was man zu hören bekam“, fasst Sänger Joey Ramone zusammen. „Endlose Jams, lange Gitarrensoli – uns fehlte Musik, wie sie früher einmal war.“ Ein paar Akkorde, einfache Songs mit noch einfacheren Refrains und eingängigen Textphrasen in bis dato unerhörtem Tempo und Sound – das ist das Rezept, dem die Ramones bis zu ihrem Ende folgen werden. Johnny erweist sich nicht als der beste Songschreiber und überlässt diese Aufgabe Joey und besonders Dee Dee, der für einige der größten Perlen im Katalog verantwortlich ist. Doch der Gitarrist bringt im Gegenzug die vom Vater geerbte Disziplin ein. Er sieht Konzerte als „Jobs“, besteht auf Pünktlichkeit und strengen Busregeln. Was unterm Strich dafür sorgt, dass die Ramones 22 Jahre permanent auf Achse sind, was sich in sagenhaften 2263 Auftritten, 14 Studioalben und einem Kultfilm manifestiert.

Die Ramones in voller Fahrt 1976 in Toronto. Credit: Plismo

Damit legen die Ramones den Grundstein für das, was wir Punkrock nennen. Ihr Einflussauf die Welt der Krachmusik lässt sich nicht groß genug einschätzen, unzählige Rocker weltweit nehmen wegen der Ramones Gitarren in die Hand und lärmen los. Das liegt vor allem am Stil von Johnny: Drei Akkorde reichen, konsequent von oben angeschlagen, kein Firlefanz, kein Soli, dafür immer volles Brett und Vollgas. Songs wie Blitzkrieg Bop, I Wanna Be Sedated und Sheena Is A Punk Rocker werden zu Initialzündungen und unsterblichen Hymnen.



Unter den gegebenen Umständen grenzt die Langlebigkeit der Band nahezu an ein Wunder, denn Johnny und sein Sänger Joey reiben sich konstant aneinander. Der eine pflegt einen disziplinierten Lebensstil und bekennt: „Seit Nixon gegen Kennedy angetreten ist, wähle ich die Republikaner.“ Der andere entwickelt sich zum liberalen Freigeist, leidet an ODC und trinkt zu viel. Der endgültige Bruch in ihrer persönlichen Beziehung passiert Anfang der Achtziger, als Johnny Joey dessen Freundin Linda ausspannt und später heiratet. The KKK Took My Baby Away thematisiert diese Spannungen nicht gerade subtil. In den folgenden Jahren reden Johnny und Joey, die als einzige von Anfang bis Ende zur Band gehören, de facto nicht mehr miteinander. Das ändert sich auch nicht, als Joey 2001 auf dem Sterbebett liegt.

Eheleute Johnny und Linda Ramone in trauter Zweisamkeit. Credit: Azula Mitchell

1983 wird Johnny dann vor seiner Haustür zusammengeschlagen. Er erleidet eine Schädelfraktur und überlebt nur dank einer Notoperation am Gehirn. Offiziell wird dieses Thema nie wieder angesprochen, doch die Wahl von Too Tough To Die (1984) als Titel für das nächste Album sagt schon genug.



Ansonsten gilt Johnny Ramone als harter Knochen und nicht immer angenehmer Zeitgenosse. Manchmal fällt sogar explizit das Wort „Arschloch“. Zeitzeugen wie der Iggy Pop-Manager John Giddings berichten, Johnnys Ansichten seien „konservativer als die von Attila dem Hunnen“. Ronald Reagan erklärt er zum „besten Präsidenten, den ich Zeit meines Lebens erleben durfte“. Als sich Reagan 1985 mit der Bitburg-Kontroverse in die Nesseln setzt, widmen ihm die Ramones mit Bonzo Goes To Bitburg eine eigene Single. Die muss auf Johnnys vehementes Drängen für die Albumversion in My Brain Is Hanging Upside Down (Bonzo Goes to Bitburg) umgetauft werden. (Der Text bleibt unangetastet.)



1996 löst sich die Band auf, Johnny lebt mittlerweile in Los Angeles. Als die Ramones 2002 in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen werden, bedankt sich der Gitarrist beim damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Am 15. September 2004 schließlich verstirbt Johnny Ramones im Alter von 55 Jahren in seinem Haus an Prostatakrebs. Mittlerweile sind aller vier Originalmitglieder der Ramones wieder auf der anderen Seite vereint.

Johnnys letzte Ruhestätte. Credit: Matt RF Webb


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Zeitsprung: Am 9.9.1975 gehen Paul McCartney & Wings auf ihre erste Welttournee.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.9.1975.

von Timon Menge und Christof Leim

Selbst einem Ex-Beatle fliegt nicht alles zu: Paul McCartney & Wings leiden zunächst unter Startschwierigkeiten. Am 9. September 1975 hebt die Band jedoch ab und geht erstmals auf Welttournee – fast zehn Jahre nach McCartneys letzter Show mit den Beatles.

Hört hier in den Konzertmitschnitt Wings Over America rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Paul McCartney & Wings, zunächst schlicht Wings, sind das erfolgreichste Projekt eines Ex-Beatles. Zu Beginn der Bandgeschichte sieht es allerdings erstmal nicht danach aus, denn das Debüt Wild Life kassiert 1971 schlechte Kritiken und erreicht nur Platz zehn der US-Charts. „Nur“ Platz zehn? Sowas ist natürlich relativ zu verstehen, denn wir haben es hier mit einem ehemaligen Mitglied der größten Band aller Zeiten zu tun. Für Kaliber wie McCartney wirkt ein zehnter Platz so befriedigend wie kalter Kaffee aus einer Rolling-Stones-Tasse.

Langsam rantasten

Die Wings, zu denen auch McCartneys Ehefrau Linda als Keyboarderin gehört, bleiben zu Beginn ihrer Laufbahn zunächst in der Komfortzone und spielen einige Shows in britischen Universitäten. Wenig später tourt die Band durch Europa, dann wieder durch Großbritannien. Der große Sprung in die USA und den Rest der Welt bleibt aus, und McCartneys geschäftliches Umfeld wird ob der ausbleibenden Erfolge nervös.

Als Reaktion darauf erscheint das Album Red Rose Speedway 1973 nicht mehr einfach unter dem Namen Wings. Die Plattenfirma erhofft sich durch die Nennung des berühmten Bassisten bessere Verkaufszahlen und tauft die Band in Paul McCartney & Wings um. Zu Recht, wie es scheint: Schon mit ihrem zweiten Album erreicht die Gruppe den ersten Platz der US-Charts. So einfach kann’s gehen. Anschließend stellen sich weitere Erfolge ein: Im Juni 1973 steuern Paul McCartney & Wings den Titelsong zum James-Bond-Film Live And Let Die bei und erhalten dafür sogar eine Oscar-Nominierung. Im Dezember 1973 erscheint Band On The Run, die bis dahin erfolgreichste Veröffentlichung. Venus And Mars (1975) läutet im Anschluss die goldene Phase von Paul McCartney & Wings ein, denn das vierte Album markiert den Startschuss für die erste „richtige“ Weltreise.

Endlich geht’s los

Die Wings Over America World Tour beginnt am 9. September 1975 und umfasst 65 Konzerte in den größten Hallen Nordamerikas, Europas und Australiens. Bis 21. Oktober 1976 spielen die Wings dabei vor etwa einer Million Fans. Die meisten Shows werden professionell mitgeschnitten, woraus das Dreifach-Livealbum Wings Over America entsteht. Die Abende in Seattle, New York und Los Angeles werden sogar gefilmt und 1980 unter dem Namen Rockshow veröffentlicht. Nur der Abstecher nach Japan fällt ins Wasser, weil den dortigen Behörden eine Verhaftung McCartneys wegen Marihuana-Besitzes in Schweden 1972 missfällt.

Paul McCartney mit Gitarrist Jimmy McCulloch

Die Setlist besteht zu großen Teilen aus Material von den letzten drei Wings-Alben, bietet aber zur Überraschung vieler Fans und entgegen anderslautender Aussagen des Chefs sogar Beatles-Nummern, darunter Yesterday, Lady Madonna und The Long And Winding Road. Zur Mannschaftsaufstellung gehören neben Paul & Linda noch die Gitarristen Denny Laine und Jimmy McCulloch sowie der Drummer Joe English, dazu eine vierköpfige Bläsersektion. Damit die Wings nicht als reine McCartney-Veranstaltung begriffen werden, übernehmen die Kollegen für etliche Songs sogar die Lead-Vocals.

Haben Grund für gute Laune: Paul McCartney & Wings 1975

Die Kinder kommen mit

Die gesamte Produktion füllt fünf fette Trucks, eine kleine Operation ist das Ganze also nicht. Um ihrer jungen Familie während der 31 Termine in den USA etwas Reisestress zu ersparen, mieten die McCartneys Häuser in New York City, Dallas, Chicago und Los Angeles. Von dort reisen sie dann mit einem Charterflugzeug zu den einzelnen Shows. Man kann es nachvollziehen: Die kleine Stella ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier Jahre alt, Mary sechs, Heather zwölf. Bei einer der Shows in L.A. erscheint sogar Ringo Starr auf der Bühne und überreicht einen Blumenstrauß.

Noch während der Tour bringt die Truppe im März 1976 das Album Wings At The Speed Of Sound auf den Markt, das ebenso wie Venus And Mars und das Livealbum Wings Over America Platz eins der US-Charts erreicht. Man könnte sagen: Jetzt läuft’s.

Header Credit: Jim Summaria

Zeitsprung: Am 15.10.1995 wird Lisa Simpson Vegetarierin – dank Paul McCartney.

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Zeitsprung: Am 6.9.1943 kommt Roger Waters von Pink Floyd zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.9.1943.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit Pink Floyd hat er die Rockmusik auf ein neues Level gehoben. Als Solokünstler ist er heute noch aktiv, musikalisch wie politisch: Roger Waters. Am 6. September 1943 kommt er im englischen Great Bookham in Surrey zur Welt. Wir blicken auf sein nicht immer einfaches Leben und auf sein Schaffen als Musiker zurück.

Hört hier in Is This The Life We Really Want? rein:


Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Der kleine Roger ist noch kein halbes Jahr alt, als er seinen Vater an den Zweiten Weltkrieg verliert. Dabei war Eric Fletcher Waters zunächst überzeugter Pazifist, änderte seine Einstellung jedoch während des Krieges. So fällt er im Februar 1944 in Italien, als er die deutsche Wehrmacht bekämpft. Das Aufwachsen ohne Vater beschäftigt Roger Waters bis ins hohe Erwachsenenalter und wird zum Gegenstand vieler seiner Songs.

Es geht los

Im Jahr 1964 lernt Waters dann Nick Mason und Richard „Rick“ Wright kennen. Gemeinsam gründen sie die Band Sigma 6, mit der sie zunächst aktuelle Blues- und Beatsongs nachspielen. 1965 tritt Waters’ Schulfreund Syd Barrett der Gruppe bei und benennt sie in The Pink Floyd Sound um, angelehnt an die Bluesmusiker Pink Anderson und Floyd Council. Später wird daraus The Pink Floyd, 1968 schließlich Pink Floyd. (Richtig so: Warum kompliziert, wenn’s auch einfach geht.) Im April des gleichen Jahres trennen sich die Briten wieder von Barrett, der unter Drogensucht und psychischen Problemen leidet (mehr dazu hier). An seine Stelle tritt David Gilmour, den Barrett und Waters aus ihrer Schulzeit kennen. Nach Barretts Austritt entwickelt sich Bassist Waters zum kreativen und konzeptionellen Kopf sowie Haupttexter der Band, und Pink Floyd nehmen Fahrt auf.

Zu seinen bekanntesten Werken mit Pink Floyd zählt das Konzeptalbum The Wall (1979) sowie der dazugehörige Film und die aufwändige Liveshow. Die Geschichte erzählt von Pink, einem jungen, erfolgreichen Musiker, der eine imaginäre Mauer um sich errichtet, weil er unter seiner Helikoptermutter, der Abwesenheit seines im Krieg verstorbenen Vaters, Schulproblemen in der Kindheit und schwierigen Liebesbeziehungen leidet. Man muss kein Psychologe sein, um die autobiografischen Züge der Handlung zu erkennen.

Es gibt Streit

Mitte der Achtziger häufen sich die kreativen Differenzen zwischen Waters und seinen Kollegen, bis der Bassist die Band 1985 schließlich verlässt. In der Folgezeit kommt es zur juristischen Auseinandersetzung darüber, wer den Bandnamen für sich beanspruchen darf. Waters unterliegt. Später erreichen die Musiker eine außergerichtliche Einigung, die unter anderem vorsieht, dass er die Aufführungsrechte an The Wall behalten darf. Davon macht der Brite am 21. Juli 1990 im großen Stil Gebrauch und stellt anlässlich des Mauerfalls eine Show auf die Beine, die 250.000 Besucher zum Potsdamer Platz in Berlin lockt. Das Konzert The Wall – Live In Berlin wird weltweit per Satellit übertragen.

Unter eigenem Namen veröffentlicht Waters mehrere Alben, beginnend mit The Pros And Cons Of Hitch Hiking (1984) und Radio K.A.O.S. (1987). Der große kommerzielle Erfolg bleibt aus, doch Kritik und Fans nehmen das weitere Schaffen meist positiv auf. 1992 erscheint Amused To Death, eine große Abrechnung mit modernen Massenmedien und politischer Unterdrückung, die auf dem gleichnamigen Buch von Neil Postman basiert. Nicht nur Medien und Politik bekommen ihr Fett weg, sondern auch der Musicalmacher Andrew Lloyd Webber, dem Waters vorwirft, dass seine Shows nicht zum Nachdenken anregen, sondern bloß die Massen ruhigstellen sollen. Er greift den Nachrichtensender CNN an, die US-Regierung unter George W. Bush sowie die Niederschlagung der Demokratiebewegung in China. Es ist Waters’ letztes Studioalbum für 15 Jahre.

Ein bisschen Reunion schon

1994 lehnt er es ab, mit Pink Floyd auf die Bühne zurückzukehren. Seine ehemaligen Bandkollegen schlagen ihm vor, Dark Side Of The Moon in voller Länge aufzuführen. Das Konzeptalbum von 1973 gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aller Zeiten, wie ihr in diesem Zeitsprung nachlesen könnt. Im Jahr 1999 startet Waters die In The Flesh-Tour, die drei Jahre dauert, Solostücke und Pink-Floyd-Songs umfasst und überraschend erfolgreich ist. Am 2. Juli 2005 gibt es dann doch eine Reunion: Nach 24 Jahren steht Waters wieder mit Pink Floyd auf der Bühne — beim Live 8-Konzert in London, organisiert von Bob Geldof. 2006 besinnt sich Waters auf alte Erfolge und spielt im Rahmen einer Welttour, die sich über zwei Jahre erstreckt, Dark Side Of The Moon mit seiner eigenen Band komplett. 2010 startet er die Wall Live-Tour, die zur erfolgreichsten Konzertreise aller Zeiten eines Solokünstlers wird.

Roger Waters vs. The Wall 2010. Pic: GabeMc

Für Aufregung und Antisemitismusvorwürfe sorgt Waters mit seiner Haltung zu Israel und seiner Nähe zur Polit-Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions), die durchaus umstritten ist, wie man im Tagesschau-Faktenfinder nachlesen kann. Als Reaktion auf die öffentliche Kritik veröffentlicht Waters am 1. August 2013 dieses Statement auf Facebook. Darin beruft er sich auf seine künstlerische Freiheit, auf seine jüdischen Freunde und Verwandten sowie auf den Kampf seines Vaters gegen den Nationalsozialismus.

Waters war viermal verheiratet und hat drei Kinder. Er bezeichnet sich Atheist. Nach zahlreichen Jahren „on the road“ erschien 2017 sein jüngstes Album Is This The Life We Really Want?. Roger Waters hat im Laufe seiner Karriere den Progressive Rock geprägt wie kaum ein anderer Musiker und eine ganze Generation beeinflusst — künstlerisch, gesellschaftlich und ästhetisch. Happy Birthday!

Weiter musikalisch aktiv: Roger Waters, hier 2008 in London. Pic: Eddie Berman

Zeitsprung: Am 3.12.1976 fliegt Pink Floyd ein Schwein weg

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