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Popkultur

15 Alben, die 2021 geprägt haben

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ABBA
Foto: Ludvig Andersson

2021 mag ein seltsames Jahr gewesen sein, in puncto Releases tat sich aber so einiges. Dabei standen einige Großereignisse auf dem Programm, die Fans und Plattenindustrie gleichermaßen freuten — von einem neuen ABBA-Album bis hin zu Verkaufsschlagern wie Adele. Wir werfen einen Blick darauf, was 2021 so passierte.

 von Markus Brandstetter

1. Lana Del Rey — Chemtrails Over The Country Club

Mit Chemtrails Over The Country Club perfektionierte Lana Del Rey im Grunde das, was bisher schon erfolgreich machte: Fieberhaft-hypnotische Pop-Songs über endlose Sommer mit einem stets düsteren Twist. Gegenüber der BBC erklärte die Musikerin, bei Chemtrails Over The Country Club habe sie zwar genau gewusst, wo sie hin wollte — sie war sich jedoch nicht sicher, ob sie dort auch tatsächlich hinkommen würde. Wo sie tatsächlich hinwollte, wissen wir nicht —  Chemtrails Over The Country Club ist jedenfalls ein tolles Album geworden.

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2. Adele – 30

Die weibliche Pop-Elite krempelte 2021 das Business ordentlich um – gut so. Während Taylor Swift ihrem Ex-Manager Scooter Braun mit der Veröffentlichung von „Red — Taylors Version“ ordentlich eins auswischte und dafür Solidarität von überall erfuhr, schaffte Adele mal eben so nebenbei den Shuffle-Knopf auf Spotify ab. Bei Oprah war sie auch — und da war noch was, ach ja: ein neues Album namens 30. Wer Adele bis dahin nicht mochte, wird seine Meinung auch bei 30 nicht geändert haben, alle anderen bekamen großes Gefühl, große Balladen und die Plattenindustrie endlich mal wieder einen Megaseller.

3. ABBA – Voyage

Apropós Megaseller: Nach fast 40 Jahren veröffentlichten ABBA ein neues Album. In den Wochen davor herrschte überall ABBA-Mania — man konnte der Reunion von Benny, Frida, Agnetha und Björn gar nicht wirklich entkommen. Voyage ist ein sentimentales Wiedersehen mit alten Freunden — die Arrangements tragen dick auf, die Refrains sitzen. Das verkaufte sich weltweit wie geschnitten Brot — und sorgte auch in Deutschland für Rekorde. Unsere Rezension dazu gibt es hier.

4. Paul McCartney – McCartney III Imagined

Zum dritten Mal in seiner Karriere ging Paul McCartney ins Studio und spielte ein ganzes Album alleine ein. Nach McCartney und McCArtney II folgte nun also McCartney III — aufgenommen in seinem Homestudio. Man hörte der Platte den Spaß, den „Macca“ bei den Aufnahmen hatte, deutlich an. Der vielleicht lebende größte Songschreiber spielt sich locker durch verschiedene Stile, greift alte und neue Ideen auf — und versprüht dabei einen erfrischenden Optimismus. Das Album erschien im Dezember 2020 — 2021 legte er mit McCartney III Imagined nach, bei dem sich bekannte Künstler den Stücken des Albums annehmen, covern oder remixen. Die Gästeliste wurde von McCartney selbst kuratiert und umfasst unter anderem Phoebe Bridgers, Beck, Ed O’ Brien, St. Vincent oder Anderson .Paak.

5. Billie Eilish — Happier Than Ever

Sorry, Adele: Der größte Pop-Superstar war dieses Jahr aber wahrscheinlich Billie Eilish. Die schaffte zwar keinen armen Spotify-Button ab, veröffentlichte in Kollabo mit Bruder und Produzent Finneas O’ Connel ihr neues Werk Happier Than Ever. War wieder mal ein großer Coup und Billie Eilish völlig zurecht überall.

6. Helge Schneider – The Last Jazz, Vol. II

Mit dem zweiten Teil von The Last Jazz — der erste erschien 1987 — meldete sich  Helge Schneider aus dem Lockdown. Der nervte ihn zunehmend (wen nicht), also beschloss der Multiinstrumentalist mal wieder eine Platte zu machen, auf der er  alles selbst einspielt. Dass Schneider ein großartiger Instrumentalist ist, ist bekannt — auf diesem Album tobt er sich auch als Komponist ordentlich aus. Jazz, Filmmusik, nicht so viel Klamauk wie sonst: Großartig!

7. Marianne Faithfull (with Warren Ellis) – She Walks In Beauty

Marianne Faithfull rezitiert mit ihrer charismatischen Stimme romantische Poesie, Nick-Cave-Intimus Warren Ellis sorgt für die musikalische Umrahmung: She Walks In Beauty setzt dabei auf dichte Atmosphäre und sanfte Synths. Für Faithfull und Ellis hörbar ein Herzensprojekt.

8. Nick Cave – Carnage

Ellis war aber nicht nur mit Marianne Faithfull aktiv, auch mit seinem Freund Nick Cave gab es 2021 einen Release.  „Carnage ist eine brutale, aber schöne Platte, eingebettet in eine gemeinschaftliche Katastrophe“, beschrieb Cage auf eine Fan-Frage hin das Album. Carnage ist Caves Lockdown-Album, das diesen zwar nicht thematisiert — aber durchaus düster und apokalyptisch daherkommt.

9. Arlo Parks – Collapsed in Sunbeams

Collapsed in sunbeams / Stretched out open to beauty however brief or violent“:  mit einem gleichnamigen Gedicht beginnt Collapsed In Sunbeams. Auf dieses Album hat die Musikwelt gewartet — schließlich hatte die britische Musikerin mit zwei EPs die Erwartungen schon ordentlich angeheizt. Collapsed In Sunbeams löst das Versprechen definitiv ein: Musik zwischen Soul, Pop und Poesie — atmosphärisch, entspannt, eingängig. Sie selbst sieht sich zwischen der Poetin Sylvia Plath, Erykah Badu und Radiohead verortet — mit dieser Selbsteinschätzung kann man durchaus was anfangen.

10. Die Ärzte – Dunkel

Zuerst viele Jahre kein neues Album — und dann gleich zwei in Folge. Nachdem Die Ärzte 2020 mit Hell bei ihren Fans für Begeisterung sorgten, legten Bela, Farin und Rod im Folgejahr mit Dunkel noch einmal nach. Darauf zeigen sich die Berliner gewohnt experimentierfreudig und mit ihrem Signature-Humor. Besonders nach dem vielerorts als mittelmäßig empfundenen Longplayer auch und der, nennen wir es mal Bandflaute freuten sich Ärzte-Fans wie Bolle über Output der Band … auf die Live-Shows müssen wir aufgrund der aktuellen Covid-Situation allerdings noch warten.

11. Tori Amos – Ocean To Ocean

Die ersten zwei Lockdowns schaukelte Tori Amos noch ganz gut, aber beim dritten durchlebte sie eine Krise. Die resultierte nicht nur durch die Corona-Situation sondern auch durch den generellen Zustand der Welt. Normalerweise wäre sie gereist um die Dinge zu verarbeiten, aber das ging zu dieser Zeit eben nicht. Eine neue Situation für eine Arbeit mit dem eigenen Innenleben — daraus entstand ihr Album Ocean To Ocean, ein abwechslungsreiches Klavier-Singer/Songwriter-Album mit dichten, oft orchestralen Arrangements. Ein Album, das sich musikalisch nicht wirklich von ihrem sonstigen Schaffen abhebt — aber ein schöner nächster Schritt für Amos darstellt.

12. Paul Stanley’s Soul Station – Now And Then

Gott hat uns nicht nur den Rock’n’Roll gegeben, sondern auch den Soul — um mal einen Kiss-Klassiker zu bemühen. „Lange bevor ich jemals die großen britischen Bands hörte, wuchs ich mit Philly Soul, Motown und vielem mehr auf. Ich hatte das Glück, unter anderem Otis Redding und Solomon Burke zu erleben. Diese Musik und ihre Geschichten gaben mir Kraft und Hoffnung auch in schweren Tagen“, erzählte Stanley selbst über seine Leidenschaft für Soul-Musik. „Die großen Klassiker dieser Ära sind für die meisten eine magische Medizin, und ich fühlte mich zu dieser Ära zurückgezogen, weil ich glaube, dass wir sie alle gebrauchen können.“ Mit Now And Then veröffentlichte er im März 2021 sein lange erwartetes Solo-Album (bestehend aus Covers und Eigenkompositionen)— und das hatte es durchaus in sich. Imposant ist Stanley nicht nur bei KISS, sondern auch solo… aber eben anders imposant.

13. Kanye West – Donda

Auch an Donda von Kanye West kam man dieses Jahr nicht vorbei. Musikalisch vielleicht schon — aber die Hype-Maschinerie spielte Ye (wie er jetzt offiziell heißt) gekonnt wie immer. Verschobene Release-Dates, Listening-Parties in der Arena, Kim Kardashian im Brautkleid, Marilyn Manson auf der Bühne, Gottesdienste: Kanye West setzte uns mal wieder dem typischen Ye-Wahnsinn aus. Irgendwann erschien Donda dann tatsächlich — dabei handelt es sich wieder mal um ein größenwahnsinniges Werk, das wieder etwas weniger skizzenhaft und beiläufig wirkt als Kanyes letztes Album Jesus Is King.

14. The Killers – Pressure Machine

Am 13. August 2021 gab’s auch mal wieder was neues aus Las Vegas: The Killers veröffentlichten Pressure Machine. Darauf geht Brandon Flowers zurück zu seinen Anfängen. Der große Bombast-Rock bleibt aus, dafür gibt’s Balladen, Orchestrales, Akustikgitarren und tolle Songs. Auf Pressure Machine zeigt Flowers mal wieder seine Stärken als Songwriter — schade nur, dass das Duett Dustland mit Bruce Springsteen (eine Neuaufnahme von Dustland Fairytale) nur eine One-off-Single war und nicht auf Pressure Machine gepackt wurde. Schön dafür das Duett Runaway Horses mit Phoebe Bridgers!

15. Ringo Starr – Zoom In und Change The World

Gut, eigentlich veröffentlichte Ringo Starr dieses Jahr kein Album, sondern zwei EPs — aber wir wollen mal nicht so sein. Dabei machte Ringo einmal mehr mit namhaften Musikern gemeinsame Sache — auf Change The World unter anderem mit Linda Perry, Trombone Shorty und den Toto-Mitgliedern Steve Lukather und Joseph Williams. Wie auch sein Beatles-Kollege Paul auf McCartney III im Vorjahr tobte sich Ringo hier ordentlich aus — von Pop, Rock bis Reggae. Peace!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.12.1993 stirbt der einzigartige Frank Zappa.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.12.1993.

von Timon Menge und Christof Leim

Was Frank Zappa in den 52 Jahren seines zu kurzen Lebens auf die Beine gestellt hat, lässt sich kaum begreifen. Mehr als 60 Platten veröffentlicht das Musikgenie vor seinem Tod, über 40 weitere Alben erscheinen posthum. Heute blicken wir auf sein höchst kreatives Leben zurück.

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Hört hier in die besten Zappa-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.


Am 21. Dezember 1940 kommt Zappa in Baltimore, Maryland zur Welt und wächst in einem multikulturellen Mehrgenerationenhaushalt auf. So stammen die Vorfahren seiner Mutter Rosemarie aus Italien und Frankreich, sein Vater Francis Vincent siedelt aus Italien in die USA über und bringt zudem griechische sowie arabische Wurzeln mit. Die italienische Sprache lernt Frank Zappa vor allem Dank seiner Großeltern, die mit der Familie zusammenleben; außerdem hat er drei jüngere Geschwister.

Sein Vater arbeitet in der Rüstungsindustrie, weshalb die Familie oft umziehen muss. Nach einigen Jahren in Florida heuert er in einer Firma für Chemiewaffen in der alten Heimat Baltimore an. Weil der Betrieb in der Nähe des Wohnhauses unter anderem Senfgas lagert, bunkern die Zappas sicherheitshalber Gasmasken — ein Umstand, der den zukünftigen Musiker Frank tief beeindruckt. Immer wieder nimmt er in seinen Songs Bezug auf Keime, biologische Kampfmittel und die Rüstungsindustrie im Allgemeinen.



Seine Begeisterung für Musik entdeckt Zappa schon während der High School. Zunächst faszinieren ihn moderne klassische Komponisten wie Edgard Varèse, Igor Stravinsky und Anton Webern. Zeitgleich findet er Gefallen an R&B- und Doo-Wop-Musik. In seiner Schulzeit komponiert er klassische Stücke und spielt in einer R&B-Band, zunächst als Schlagzeuger, dann als Gitarrist. Später erlernt er ein Instrument nach dem anderen und stellt jeden noch so ambitionierten Durchschnittsmusiker in den Schatten. So beherrscht Zappa auch Bass, Klavier und Percussion. Mit acht Armen hätte er also als ganze Band auftreten können.



1966 veröffentlichen Zappa und die Mothers Of Invention ihr Debüt Freak Out!. Das bahnbrechende Album setzt zwar auf klassische Rock’n’Roll-Songstrukturen, vermischt sie jedoch mit allerhand Verrücktheiten wie Improvisationen und Klangcollagen. Sogar Paul McCartney verrät in einem Interview, dass Freak Out! das legendäre Beatles-Opus Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band durchaus beeinflusst habe.



Die Mothers (wie die Band meist verkürzt genannt wird) lösen sich 1969 vorübergehend auf, im gleichen Jahr erscheint das erste Soloalbum Hot Rats. Und damit geht es erst los: Wollten wir sämtliche Werk aufzählen und kommentieren, müssten wir uns alle den Nachmittag frei nehmen. Zappa komponiert anscheinend durchgehend und findet immer neue Ausdrucksformen im musikalischen Bermudadreieck aus Rock, Jazz, freier Improvisation, Klassik und allerlei experimentellen Stilen – Fusion im reinsten Sinne. Die bissigen Sozialkommentare und satirischen, fast komödiantischen Texte wirken mitunter wie ein Gegensatz zum unfassbar hohen musikalischen Anspruch seiner Kompositionen. Zappa hat sogar indirekt mit der Entstehung des ikonischsten Riffs im harten Rock zu tun: Als als bei einem Schweizer Konzert der Mothers Of Invention ein Feuer ausbricht und Rauch über den Genfer See zieht, inspiriert das Deep Purple zu Smoke On The Water. (Die ganze Geschichte steht hier.)


Zwei der über 100 Alben, die Frank Zappa zu Lebzeiten und posthum veröffentlicht hat


Mit Apostrophe schafft er es 1974 sogar in die US-Top Ten, auch Over-Nite Sensation (1973) und Zoot Allures (1976) gehören zu den Standardwerken. Seinen größten Hit landet Zappa 1979 vor allem in Europa mit Bobby Brown (Goes Down). Der Song erscheint auf seinem 26. Album Sheik Yerbouti und handelt von einem wohlhabenden, frauenfeindlichen Studenten namens Bobby Brown, dem „süßesten Jungen der Stadt“. Der Text beschreibt Bobby, den Archetypen des amerikanischen Traums, dessen Weltbild gehörig ins Wanken gerät, als er sich auf ein sexuelles Verhältnis mit der lesbischen Frau „Freddie“ einlässt. Er zweifelt daraufhin an seiner Heterosexualität und verwandelt sich in einen schwulen Mann, der sein Geld mit Radiowerbung verdient. Kein Wunder, dass die US-amerikanischen Radiosender den Song nicht spielen wollten. Lustigerweise läuft das Stück in Ländern, in denen Englisch nur als Fremdsprache gesprochen wird, viel öfter.



Während seiner Karriere fühlt sich Zappa weder im Untergrund noch im Mainstream wohl. Statt sich fremden Regeln zu unterwerfen, schreibt er lieber seine eigenen, ob musikalisch, persönlich, geschäftlich oder politisch. Nicht selten liegt er im Streit mit Labels und anderen Geschäftspartnern. Seine Werke zeichnen sich nicht nur durch Klangexperimente, Improvisation und hohen Anspruch aus, sondern auch durch satirische Darstellungen der US-amerikanischen Kultur. Das Online-Portal AllMusic verleiht ihm sogar den Titel „Vater des Comedy Rock“. Seine Arbeit polarisiert durchaus: Während die Einen ihn für seine umfangreichen Kompositionen bewundern, werfen die Anderen ihm vor, seine Musik besitze keinen emotionalen Tiefgang und zu klinisch klängen die durchkonstruierten Arrangements.



In die Verzweiflung treibt Zappa vor allem Musikjournalisten. So lassen sich seine Veröffentlichungen schwer einsortieren, denn sie unterscheiden sich nicht nur untereinander stark; selbst auf ein und derselben Platte verarbeitet der Meisterkomponist die unterschiedlichsten Einflüsse und Stile. Des Weiteren gilt der Musiker als schwieriger Interviewpartner, wie zum Beispiel hier  nachgelesen werden kann.



Eine ganz eigene Einstellung vertritt Zappa zum Thema Drogen. Während die meisten Musiker diesbezüglich nicht als Kostverächter in Erscheinung treten, lehnt er den Konsum ab. Marihuana probiert er aus, kann sich aber nicht mit der Wirkung anfreunden. Seine Musiker lässt er allerdings an der langen Leine. Zwar wünscht er, dass die Bühne drogenfrei bleibt, doch was danach passiert, gehe ihn nichts an. Trotz (oder gerade wegen) seiner Abneigung engagiert sich Zappa für die Legalisierung und die Kontrolle von Drogen. Völlig lasterfrei bleibt er allerdings nicht: Der Musiker raucht wie ein Schlot und trinkt vermutlich mehr Kaffee als Wasser. Statt Drogen wird Sex zum großen Thema auf den Touren während der Siebziger, was sich immer wieder in den Texten niederschlägt und für Ärger mit Moralwächtern wie dem berüchtigten PMRC sorgt.


In seinen späten Jahren wendet sich Frank Zappa verstärkt der modernen Klassik zu und arbeitet viel mit dem Synclavier, einem frühen elektronischen Synthesizer, der jedwede musikalische Figur atomuhrgenau spielen kann, selbst wenn des Meisters Hirn sich mal wieder die wirrsten Takte aus Primzahlen ausgedacht hat.

Leider wird 1990 Prostatakrebs festgestellt, an dem der Ausnahmemusiker am 4. Dezember 1993 im Beisein seiner Ehefrau Gail und der vier Kinder verstirbt. Er wurde 52 Jahre alt. Am folgenden Tag wird er in Los Angeles in einem anonymen Grab beigesetzt, am 6. Dezember verkündet seine Familie: „Komponist Frank Zappa ist zu seiner letzten Tour aufgebrochen.“

Bis heute nimmt der Musiker Einfluss auf die Rock- und Popmusik, auch wenn sich sein kommerzieller Erfolg weitestgehend auf Europa und Asien beschränkt. In Nordamerika bleibt der große Durchbruch bis zum Schluss aus. Erst 1995, also zwei Jahre nach seinem Tod, wird er in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. 1997 bedenkt man ihn posthum mit dem „Grammy Lifetime Achievement Award“. Auch die Musikpresse überschlägt sich mit Lob: Im Rolling Stone belegt er etwa Platz 71 der „100 besten Musiker aller Zeiten“. Verdient. Gäbe es eine Rangliste der eigenwilligsten und eigenständigsten Künstler, stände er wohl ganz oben…


Zeitsprung: Am 14.3.1986 wird Frank Zappa zum Drogendealer – bei „Miami Vice“.

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Popkultur

55 Jahre „Buffalo Springfield“: Stephen Stills und Neil Young zaubern zum ersten Mal gemeinsam

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Buffalo Springfield
Foto: GAB Archive/Redferns/Getty Images

Stephen Stills scheint heute so ziemlich der einzige zu sein, der sich nicht völlig mit dem Grantler Neil Young überworfen hat. Vor 55 Jahren beschnuppern sich die beiden künftigen Ikonen erstmals musikalisch – und veröffentlichen mit dem ersten Album von Buffalo Springfield gleich einen zukünftigen Klassiker.

von Björn Springorum

Mitte der Sechziger sprießen überall in den Vereinigten Staaten vielversprechende neue Bands aus dem Boden. Aus traditionellen Folk/Country-Mechanismen und dem jüngst übers Land geschwappten Gospel der British Invasion entsteht das neue Genre Folk Rock, aus der Taufe gehoben von den großen Geburtshelfern der amerikanischen Rockgeschichte, den Byrds und Buffalo Springfield.

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Hier könnt ihr das Debüt von Buffalo Springfield hören:

Es beginnt in Kanada

Letztere sind die kurzlebige Band, die neben For What It’s Worth vor allem für das geschichtsträchtige erste Zusammentreffen von Stephen Stills und Neil Young bekannt ist. Die beiden lernen sich 1965 im kanadischen Thunder Bay kennen, wo sie in einem Schuppen namens Fourth Dimension auftreten. Young mit The Squires, Stills mit The Company. Beide verstehen sich, beide verlieren sich danach wieder aus den Augen und verfolgen wenig erfolgreich andere Pläne.

Im Leichenwagen nach LA

Irgendwann erinnert sich Young an seine Begegnung mit Stills, kauft sich gemeinsam mit dem kanadischen Musiker Bruce Palmer einen Leichenwagen und fährt damit kurzerhand nach Los Angeles, um ihn zu suchen. Das muss man sich mal vorstellen: Neil Young hat keine Ahnung, wo Stephen Stills genau lebt. Er fährt einfach in die Millionenstadt und sucht ihn in den Clubs und Cafés! Wenig überraschend bleibt diese wirre Suche ergebnislos, dürfte aber sicherlich einige gute Anekdoten produziert haben.

Doch jetzt kommt’s: Am 6. April 1966 beschließen die beiden hochgradig frustriert, die Stadt der Engel zu verlassen und Richtung Norden nach San Francisco zu fahren. Als sie auf dem Sunset Boulevard im Verkehr stecken, fährt auf der Gegenfahrbahn allen Ernstes Stephen Stills an ihnen vorbei, entdeckt sie, schafft es irgendwie zu wenden und ermöglicht ihr unfassbar unrealistisches Wiedersehen. Geschichten wie die schreiben nur die Sechziger.

Auf Tour mit den Byrds

Danach geht alles ganz schnell: Gerade mal fünf Tage nach ihrer zufälligen Reunion geben sie ihr Live-Debüt als Buffalo Springfield im Troubadour in West Hollywood – und ein paar Tage darauf gehen sie auch schon als Support für die Byrds auf Tour. Manche Dinge, so scheint es, müssen einfach geschehen. Und wenn auch nur, um die ehernen Götter des Rock’n’Roll nicht zu erzürnen.

Auch der Rest der kurzen, aber berauschenden Buffalo-Springfield-Geschichte liest sich wie eine Hippie-Fabel: Die Byrds besorgen der jungen Band eine Audition im Whisky a Go Go, kurz darauf sind Buffalo Springfield auch schon die Hausband des legendären Ladens. Die Labels reißen sich schon bald um die Band, Gelder werden locker gemacht und zwischen Juli und September 1966 in die Aufnahmen zum Debüt Buffalo Springfield in den Gold Star Studios gesteckt.

Unruhen auf dem Sunset Strip

So wirklich zünden will das Album zunächst nicht, als es am 5. Dezember 1966 erscheint. Das darf man nach all dem Buzz und den Vorschusslorbeeren der vergangenen Monate durchaus als Enttäuschung werten. Dann spielt Buffalo Springfield ein kulturelles Sperrfeuer in die Karten, das Los Angeles im November und Dezember 1966 in Brand setzt: Die sogenannten Sunset Strip Curfew Riots bringen junge Menschen der Gegenkultur auf die Straße, um gegen Sperrstunden, Aufenthaltsverbote und den drohenden Abriss des Clubs Pandora’s Box zu demonstrieren. Die Stimmung ist aufgeheizt, erstmals wird die Kluft zwischen der Gegenkultur und dem alten Amerika deutlich.

Stephen Stills nimmt die Unruhen als Inspiration für For What It’s Worth, den bekanntesten Buffalo-Springfield-Song. Die Band spielt ihn an Thanksgiving erstmals live im Whisky und nimmt ihn am Erscheinungstag ihres Debüts auf. Im März des Folgejahres war das Protestlied ein Top-Ten-Hit und wird als Opener auf eine Neuauflage von Buffalo Springfield gepackt. Die Nummer Baby Don’t Scold Me wird einfach runtergeschmissen. Auch irgendwie eine Schande, oder?

Danach geht alles mehr oder weniger schnell den Los Angeles River runter. Die Band verstrickt sich in Drogeneskapaden, wird mehrfach hochgenommen, Mitglieder werden festgenommen, Neil Young bleibt immer öfter von Auftritten oder Proben fern. Selbst als Buffalo Springfield 1967 beim Monterey Pop Festival auftreten, ist er nicht dabei. Seine Parts übernimmt ein gewisser David Crosby, was den Grundstein für die nächste legendäre Band legt, die bald nach dem unrühmlichen Ende von Buffalo Springfield im Sommer 1968 entsteht. Doch auch diese Geschichte ist eine, die vom Märchen allzu bald zum Albtraum wird…

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Zeitsprung: Am 26.10.1999 erscheint „Looking Forward” von Crosby, Stills, Nash & Young.

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Popkultur

Vor 50 Jahren sorgt ein Brand für die Mutter aller Hard-Rock-Riffs

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Deep Purple
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 4. Dezember 1971 steigt Rauch auf am Ostufer des Genfers Sees. Der Brand bei einem Frank-Zappa-Konzert inspiriert Deep Purple zum wichtigsten Riff der Hard-Rock-Geschichte.

von Björn Springorum

Es ist die Urmutter, die Ursuppe, der Urknall: Das Riff von Smoke On The Water ist der Nukleus, aus dem in der Folge alles Hard-Rock-Leben entspringt. Mit Deep Purple verlässt die harte Musikwelt das Wasser, um sich neue Lebensräume an Land und in der Luft zu erobern – prähistorisch gesprochen. Alles beginnt vor 50 Jahren, als sich Deep Purple für Albumaufnahmen ins mondäne Kurstädtchen Montreux direkt am Ufer des Genfer Sees zurückziehen.

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Unterwegs mit dem Studio der Stones

Erst Ende Oktober 1971 waren Deep Purple von der kräftezehrenden, exzessiven In Rock World Tour zurückgekehrt, die sie über 15 Monate und mit 157 Shows durch die USA, Europa und Australien geführt hatte. Zwischendrin hatten sie Fireball aufgenommen, ihre fünfte Platte, die im September 1971 erscheint. Um sich für den Nachfolger nicht direkt wieder wochenlang in ein Studio verkriechen zu müssen, klingelt die Band bei den Stones an, borgt sich deren in einem alten Truck untergebrachtes Mobile Studio und setzt nach Montreux am Ostufer des Genfer Sees über.

Dort, im 1881 eröffneten Montreux Casino, wollen sie ihr nächstes Album aufnehmen und gleichzeitig eine Menge Steuern sparen, weil sie im Ausland arbeiten. Sie kommen am 3. Dezember 1971 an, einen Tag vor dem letzten Konzert, bevor sich das Casino in den Winterschlaf begibt und Deep Purple in aller Ruhe die Amps auf 11 stellen können ohne die Jetons von einem der Blackjack-Tische zu fegen. Zum feierlichen Saisonfinale steht Frank Zappa mit seinen Mothers Of Invention auf dem Programm.

„Fire!“

Nach einer guten Stunde spielen die Mothers Of Invention gerade King Kong, als irgendein Vollidiot mit einer Signalpistole gegen die Rattandecke schießt. Zunächst passiert gar nichts, doch irgendwann bricht Feuer aus, Frank Zappa ruft „Fire!“, der Saal wird evakuiert. Dass damals keine Massenpanik ausbricht, ist aus heutiger Sicht ein Wunder. Augenzeugen berichten, dass das Feuer anfangs keineswegs bedrohlich aussah und das Publikum das Casino ohne Hast verlassen kann. Erst wenig später, als der Brand auf weitere Gebäudeteile übergreift und alles wie ein Feuerwerk in die Luft geht, wird die Tragweite des Unglücks deutlich.

Wie durch ein Wunder wird kaum jemand ernstlich verletzt. Dafür brennt das Casino bis auf die Grundmauern ab, verschluckt Zappas gesamtes Equipment und setzt fast noch das rollende Studio der Stones in Brand, das neben dem Casino parkt und auf seinen ersten Einsatz am darauffolgenden Tag wartet.

Pläne gehen in Rauch auf

All das sehen Deep Purple von der Bar ihres Hotels aus. Und sind Augenzeugen, wie ihre geplanten Aufnahmen in Rauch aufgehen. Gleich am nächsten Tag macht sich die Band auf die Suche nach einer neuen Location, wo sie mit ihrem mobilen Studio in aller Ruhe lärmen können. Eine erste Interimswahl, ein Theater namens The Pavillon, wird kurzzeitig ihr neues Zuhause, doch als sich mehr und mehr Nachbarn über den Lärm beschweren und sich die Polizei gewaltsam Zutritt zum Theater verschafft, müssen sie die Zelte auch schon wieder abbrechen. Bezeichnenderweise entsteht hier genau ein Song, der es später auch auf Machine Head schafft: die Urversion von Smoke On The Water.

Mit der Hilfe von Claude Nobs, dem Leiter des Montreux Jazz Festival, findet die Band Zuflucht im Hôtel des Alpes-Grand Hôtel, das bereits die Schotten für den Winter dicht gemacht hat. Dort, in den leeren Fluren und Bankettsälen, finden Deep Purple ein Szenario vor, das sich Stephen King einige Jahre später für The Shining ausdenken wird: Ein riesiges und leeres Hotel, geschlossen für den Winter. Zwei Unterschiede zu Kings Meisterwerk gibt es dann aber doch: Hier entsteht ein Hard-Rock-Klasiker und kein psychotischer Roman. Und die Band verliert während ihres Aufenthalts nicht den Verstand.

The Shining lässt grüßen

Obwohl: Leicht sind die Aufnahmen in dem riesigen Hotel am Rande von Montreux nicht. Um nach einem Take das mobile Studio der Stones zu erreichen, das eingeschneit vor dem Eingang parkt, müssen sie durch diverse Zimmer und über Balkone klettern, weil der Korridor zum Ausgang mit Equipment und klangabschirmenden Matrazen vollgestopft ist. „Sobald wir uns einmal dorthin durchgekämpft und uns den Take angehört hatten, nickten wir es ab, selbst wenn wir wussten, dass es kein perfekter Take war. Niemand von uns wollte sich das alles noch mal antun“, so beschreibt Ritchie Blackmore später die Aufnahmen.

Das führt zu einem rohen, unpolierten Sound, der eher an ihre Live-Shows erinnert als an die Aufnahmen zu In Rock oder Fireball. Ironischerweise bekommt die Band also genau das Resultat, das sie sich von den Aufnahmen im Casino erhofft hat. Aus dem namenlosen Stück, das noch im Theater geschrieben wurde, wird im Hotel nach und nach Smoke On The Water, benannt nach einem Traum von Bassist Roger Glover und daraufhin von Sänger Ian Gillan in eine historische Bestandsaufnahme der Ereignisse des 4. Dezember 1971 verwandelt.

Geklaut bei Beethoven

Das wirklich geniale an dem Song ist aber natürlich die glorreiche Simplizität des Riffs. Wie Ritchie Blackmore unumwunden zugibt, ist es ein Rip-Off von Beethovens Fünfter: „Ich schulde ihm eine Menge Geld“, bemerkte er mal trocken dazu. Eben weil der Song so einfach gestrickt ist (und im erweiterten Freundeskreis der Band nicht mal besonders gut ankam), gesteht ihm die Band keine sonderlich großen kommerziellen Aussichten zu. Erst als dritte Single von Machine Head wird er im Mai 1973 veröffentlicht – über ein Jahr nach dem Album. Und entwickelt sich im Sommer plötzlich zum Übersong, zum Radiohit, zur Hymne, die man ab sofort ganz automatisch mit dieser Band in Verbindung bringt.

Wie so oft bei den ganz großen Erfolgen einer Band gilt auch hier: Smoke On The Water ist nicht der beste Song der Band. Er ist aber wie eine Zeitkapsel, ein historisches Dokument. Und genau deswegen von unschätzbarem Wert.

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10 Rocksongs aus den Siebzigern, die man nach den ersten Tönen erkennt

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