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Popkultur

Cowboystiefel statt Glitzer-Fummel: Barry Gibbs Weg zum Country

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Barry Gibb

Der letzte Bee Gee erfüllt sich mit Greenfields: The Gibb Brothers’ Songbook, Vol. 1 einen langgehegten Traum und interpretiert seine größten Hits im Nashville-Stil neu. Die hochkarätige Gästeliste von Dolly Parton bis Sheryl Crow sichert das Gelingen des gewagten Unterfangens.

von Björn Springorum

Hört hier Greenfields von Barry Gibb:

Als die Gibbs-Sippe 1958 von England nach Australien auswandert, ist Barry Gibb kaum zwölf Jahre alt. Damals entdeckt er Bluegrass für sich, eine Musik, die den fünften Kontinent zu dieser Zeit dominiert. Die Countrymusik lässt ihn nie wieder los. Nicht als er mit seinen Brüdern zur größten Disco-Band der Welt wird, nicht als man die Bee Gees vergessen hat und er Songs für Conway Twitty und Dolly Parton schreibt, um die Achtziger zu überstehen.

Jetzt, als letzter Bee Gee, ist endlich die Bahn frei, um sich voll und ganz dem Country zu ergeben. Seit Jahrzehnten lebt Barry Gibb in den Staaten, seit Jahrzehnten wächst da dieser diffuse Plan heran, irgendwann endlich mal eine Country-Platte zu machen. Sein Sohn Stephen Gibb weiß das natürlich, bringt ihn auf kontemporäre Country-Größen wie Jason Isbell oder Brandi Carlile. Der Bee Gee ist vollkommen von den Socken dieser neuen Country-Barden und stellt fest: Hinter vielen dieser Alben steckt Produzent und Grammy-Gewinner Dave Cobb.

Ab da war alles klar: Sir Barry Gibb unterzeichnet bei Capitol Records, sichert sich den gefragten Produzenten – und macht sich an die Arbeit an dem, was jetzt als Greenfields: The Gibb Brothers’ Songbook, Vol. 1 vorliegt – eine Country-Interpretation der größten Bee-Gees-Hits, realisiert mit Gastauftritten von Brandi Carlile, Dolly Parton, Gillian Welch, Jason Isbell, Jay Buchanan, Keith Urban, Miranda Lambert, Olivia Newton-John und Sheryl Crow.

Kein romantisierendes Alterswerk

Seine Daseinsberechtigung hat dieses Album natürlich allein schon aufgrund der schönen Tatsache, dass Barry Gibb wahrscheinlich seit 50 Jahren und selbst nach über 200 Millionen verkauften Tonträgern von einer solchen Platte träumt. Insbesondere die namhafte Unterstützung sorgt jedoch dafür, dass das Album kein romantisierendes Alterswerk eines 74 Jahre alten Musikers ist, der jetzt eben doch noch mal die Cowboystiefel anziehen und seine verlorene Jugend finden will. Allein Gibbs Neuinterpretation von Words Of A Fool, diesem nie veröffentlichten Song von 1986, wird durch das Duett mit Jason Isbell zu einem lakonischen Meisterwerk, wie gemacht für die offene Straße.


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„Ich wünschte, wir hätten es gemeinsam einspielen können…“

Manchmal werden Melodrama und Kitsch vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen. Das ist okay, das gehört natürlich irgendwie auch zu den Bee Gees. Wichtiger ist der offensichtliche Spaß, den Gibb mit diesem Spätwerk hatte. „Vom ersten Moment an, als wir die RCA Studios in Nashville betreten haben – jenen Ort also, wo so viel Magisches passiert ist, wo Elvis, Willie, Waylon, Roy, die Everly Brothers und so viele andere Legenden ihre Meilensteine aufgenommen haben –, nahm dieses Album eine Art Eigenleben an“, sagt der letzte Bee Gee. „Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich mit Dave daran arbeiten durfte – und mit all den wunderbaren Gästen, die zu uns ins Studio gekommen sind und mitgemacht haben. Jede und jeder von ihnen hat mich so sehr inspiriert, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Und tief in meinem Innersten weiß ich, wie sehr Maurice und Robin dieses Album geliebt hätten – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich wünschte, wir hätten es gemeinsam einspielen können… aber andererseits denke ich: In gewisser Weise haben wir das.“

Dass er sich ausgerechnet für Words die Nashville-Queen Dolly Parton ausgesucht hat, ist natürlich kein Zufall. Einer der größten Bee-Gees-Hits, im Duett gesungen mit einem der größten Country-Stars aller Zeiten, das muss ihm erst mal jemand nachmachen. Bemerkenswert ist auch How Can You Mend A Broken Heart, in dem Sheryl Crow eine wunderbar intime, zurückhaltende Performance hinlegt. Es stimmt eben doch: Ein guter Song funktioniert in jedem Genre.

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