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Popkultur

10 Country-Empfehlungen für den Einstieg

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Orville Peck
Foto: Erika Goldring/FilmMagic/Getty Images

Unsere letzten „10 Empfehlungen“ standen ganz im Zeichen des Southern Rock. Heute graben wir noch ein wenig tiefer und werfen einen Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Country.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige unserer Country-Empfehlungen anhören:

Cowboyhüte, Lederstiefel, Wandergitarren: All das gehört ohne Frage zur Countrymusik. Doch dahinter steckt noch so viel mehr. Ob heile Welt, Sozialkritik, großes Glück oder persönliche Abgründe: Im Country finden gerne mal die elementaren Fragen des Lebens statt. Werfen wir einen Blick auf die „Volksmusik“ der USA.

1. Johnny Cash

Johnny Cash zählt zwar nicht zur Top Ten der kommerziell erfolgreichsten Countrymusiker*innen, sicher aber zu den einflussreichsten und bekanntesten Künstler*innen des Genres. So widmet er sich jahrelang der unbequemeren Seite der Richtung und prangert Missstände in den Vereinigten Staaten an. Damit feiert er große Erfolge, stürzt aber auch in tiefe Löcher. Immer wieder kämpft er mit Drogenproblemen. Empfehlenswert sind sowohl seine Klassiker als auch die American Recordings, die er ab Mai 1993 mit Produzent Rick Rubin aufnimmt. Am 12. September 2003 stirbt Cash an den Folgen einer schweren Diabetes.


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Johnny Cash
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Anspieltipps: Folsom Prison Blues, I Walk The Line, Man In Black, The Man Comes Around, God’s Gonna Cut You Down

2. Willie Nelson

Man muss nicht jeden Gag bringen, aber diesen Kalauer können wir uns nicht verkneifen: Willie Nelson ist inzwischen beinahe so alt wie die Countrymusik selbst. 1933 kommt er zur Welt, seit 1956 gehört der Texaner zum Inventar der Szene. Mehr als 90 Studioalben veröffentlicht er bisher, Songs wie Always On My Mind und On The Road Again kennt wirklich jeder. Inhaltlich zählt Nelson zur Outlaw-Bewegung, denn mit dem generischen Sound aus Nashville kann er nichts anfangen. Neben seiner Tätigkeit als Country-Koriphäe setzt er sich für die Nutzung von Biokraftstoffen sowie für die Legalisierung von Marihuana ein.

Anspieltipps: Always On My Mind, Mammas Don’t Let Your Babies Grow Up To Be Cowboys, Blue Eyes Crying In The Rain, On The Road Again, We Are The Cowboys

3. Hank Williams Sr., Jr. und III

In der Familie Williams war und ist Country-mäßig einiges los. Hank Williams Sr. lebt von 1923 bis 1953, ihm verdanken wir unsterbliche Klassiker wie Hey, Good Lookin’ und I’m So Lonesome I Could Cry. 1949 kommt sein Sohn Hank Williams Jr. zur Welt, der deutlich rockigere Töne anschlägt als der Herr Papa, nicht zuletzt, um sich von dem großen Erwartungsdruck zu distanzieren, den die Berühmtheit des Seniors erzeugt. Am 12. Dezember 1972 bekommt die Familie noch einmal Zuwachs. Hank Williams III veröffentlicht zunächst ein traditionelles Country-Album, bewegt sich dann aber ebenfalls schnell in rockigere und sogar Punk-Gefilde.

Anspieltipps: Hey, Good Lookin’ (Hank Williams), I’m So Lonesome I Could Cry (Hank Williams), A Country Boy Can Survive (Hank Williams Jr.), Country Heroes (Hank Williams III), Mississippi Mud (Hank Williams III)

4. Dolly Parton

Mehr als 3.000 Songs schreibt Dolly Parton im Lauf ihrer jahrzehntelangen Karriere, 25 davon erreichen Platz eins der Country-Charts. Schon mit 13 veröffentlicht sie ihre erste Single Puppy Love, später sammelt sie Gold, Platin und Auszeichnungen in Massen. Als Schauspielerin kassiert sie ebenfalls zahlreiche Preisnominierungen. Und überhaupt: Es scheint nichts zu geben, was sie nicht kann. Singen, schreiben, Instrumente spielen, produzieren, Geschäfte abschließen, schauspielern oder ihre soziale Arbeit: Dolly Parton weiß, wie der Hase im Showbusiness läuft. Kein Wunder, dass sie auch mit inzwischen 74 Jahren noch auf der Bühne steht.

Anspieltipps: 9 To 5, Jolene, Islands In The Stream, Here You Come Again, I Will Always Love You

5. Waylon Jennings

Genau wie Willie Nelson, zählt Waylon Jennings zu den Mitbegründern der Outlaw-Bewegung, die sich auf die traditionellen Facetten der Countrymusik konzentriert. Seine erste Aufnahmesession organisiert niemand geringeres als Buddy Holly, der Jennings auch als Bassisten anstellt. Als Holly bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, hat Jennings Glück, denn er fliegt aus eigener Entscheidung nicht mit. Man kennt ihn nicht nur für seine Songs, sondern auch für seine Beteiligung an der Supergroup The Highwaymen, zu der neben Jennings auch Johnny Cash, Willie Nelson und Kris Kristofferson zählen. Am 13. Februar 2002 stirbt er an den Folgen einer Diabetes.

Anspieltipps: Good Hearted Woman, Are You Sure Hank Done It In This Way, I’m A Ramblin’ Man, American Remains, Luckenbach, Texas (Back To The Basics Of Love)

6. Merle Haggard

Die Country-Karriere von Merle Haggard beginnt nach seiner Entlassung aus dem Staatsgefängnis San Quentin, in dem auch Johnny Cash und Metallica bereits zu Gast waren, wenn auch „nur“ als Musiker. Haggard muss dort einsitzen, weil er versucht, eine Raststatte zu überfallen. Seine Songs beschäftigen sich mit den Sorgen der Arbeiter*innen der Vereinigten Staaten. Politisch nimmt er eine Position ein, die dem Zeitgeist widerspricht und kann mit der allgegenwärtigen Kritik am Vietnamkrieg nicht viel anfangen. Am 6. April 2016 erliegt er an seinem 79. Geburtstag den Komplikationen in Folge einer Lungenentzündung.

Anspieltipps: I Think I’ll Just Stay Here And Drink, The Fightin’ Side Of Me, Mama Tried, Okie From Muskogee, Are The Good Times Really Over (I Wish A Buck Was Still Silver)

7. Loretta Lynn

Seit inzwischen 60 Jahren steht Loretta Lynn auf der Bühne. 24 Mal landet sie auf Platz eins der Single-Charts, elf Mal auf der Pole Position der Albumhitparade. Selbst mit 88 Jahren tourt sie noch, tritt auf Festivals auf und veröffentlicht neue Alben. Das Gitarrenspiel bringt sie sich in jüngeren Jahren selbst bei. In ihren Texten thematisiert sie die Probleme von Frauen aus der Arbeiterklasse, zum Beispiel mit untreuen Ehemännern. Immer wieder beschäftigt sie sich mit Tabuthemen ihrer Zeit, wie zum Beispiel der Verhütung durch die Antibabypille. Dadurch landet sie auf den roten Listen vieler Countrysender, entwickelt sich aber trotzdem zu einer Gigantin des Genres.

Anspieltipps: Louisiana Woman, Mississippi Man, Coal Miner’s Daughter, Don’t Come Home A-Drinkin’ (With Lovin’ On Your Mind), You Ain’t Woman Enough, Fist City

8. Orville Peck

Wer genau sich hinter dem Pseudonym Orville Peck verbirgt, bleibt bis heute ein großes Geheimnis. Auf der Bühne trägt der Kanadier eine Lone-Ranger-Maske aus Leder, sein Gesicht zeigt er in der Öffentlichkeit nicht. Muss er auch gar nicht, denn was er musikalisch so von sich gibt, reicht völlig: Mit einer Stimme, die sich irgendwo zwischen denen von Elvis Presley, Johnny Cash und Roy Orbison bewegt, trägt Peck seit 2017 tiefgründige, melodische Songs vor. Die Instrumente auf seinem Debütalbum Pony (2019) spielt er weitgehend selbst ein. Noch dieses Jahr soll sein zweites Werk Show Pony erscheinen, auf dem auch Shania Twain zu hören sein wird. Peck bekennt sich offen zu seiner Homosexualität, was in der Countrywelt leider bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist.

Anspieltipps: Dead Of Night, Turn To Hate, Summertime, Queen Of The Rodeo, Winds Change

9. Colter Wall

Mit seinen gerade einmal 25 Jahren hat Colter Wall aus Kanada schon einiges auf die Beine gestellt. 2017 erscheint sein Debüt Colter Wall, nur ein Jahr später legt er die Songs Of The Plains nach. Das Gitarrenspiel lernt er mit den Songs von Bands wie AC/DC, Black Sabbath und Led Zeppelin. Anschließend entdeckt er den Blues für sich, von dort aus landet er beim Folk. Mit 15 oder 16 hört er Don’t Think Twice, It’s All Right von Bob Dylan und beschließt, dass er nicht nur Gitarre spielen, sondern auch Songs schreiben möchte. Und das kann er verdammt gut, zum Beispiel bei rustikalen Stücken wie Sleeping On The Blacktop und Thirteen Silver Dollars.

Anspieltipps: Sleeping On The Blacktop, The Devils Wears A Suit And Tie, Caroline, KateMcCannon, Thirteen Silver Dollars

10. Sarah Shook & The Disarmers

Auch Sarah Shook zählt zu den jüngeren Vertreter*innen des Country. 1985 in Rochester, New York geboren und in North Carolina aufgewachsen, verknüpft die Nachwuchskünstlerin das Genre mit einer Menge Punk und würzt ihre Musik mit einer dicken Prise Outlaw-Attitüde. Ob energiegeladene Songs wie Damned If I Do, Damned If I Don’t sowie Keep The Home Fires Burnin’ oder melancholischere Töne wie Fuck Up: Shook und ihre Disarmers verstehen es auf grandiose Weise, dem Country eine Frischzellenkur zu verpassen. Politisch engagiert sie sich vor allem in der LBGT-Szene; sich selbst bezeichnet sie als genderqueer und bisexuell.

Anspieltipps: Fuck Up, Good As Gold, Nothin’ Feels Right But Doin’ Wrong Anymore, Damned If I Do, Damned If I Don’t, Keep The Home Fires Burnin’

Creedence Clearwater Revival: Wie vier Jungs aus Kalifornien zu Country-Rock-Stars wurden

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.11.1974 wird es ungewöhnlich ernst auf „Slade In Flame“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.11.1974.


von Timon Menge und Christof Leim

Als Slade die Arbeit an ihrem fünften Album aufnehmen, gehört ihnen die Welt. Na gut, Großbritannien. Gleich zwei Nummer-eins-Platten haben die Glam-Rocker dort hinter sich. Nun möchten sie vom Thron aus neue Wege einschlagen und beginnen mit der Arbeit an einem Film inklusive Soundtrack. Doch mit dem Ergebnis Slade In Flame stoßen sie ihre Fans gehörig vor den Kopf.

Hier könnt ihr euch Slade In Flame anhören: 

1974 befinden sich Slade auf dem Zenit ihrer Karriere. Mit Slayed? (1972) und Old New Borrowed And Blue (1974) haben die britischen Glam-Rocker zwei mehr als starke Alben im Rücken, nun soll nachgelegt werden. Wiederholen möchte sich die Gruppe nicht, sondern lieber etwas neues ausprobieren. Und genau deshalb entsteht das ambitionierte Film- und Soundtrackprojekt Slade In Flame.

Schluss mit Lustigsein

Der Vorschlag, sich mal an einem Film zu versuchen, kommt von Manager Chas Chandler. Slade finden die Idee super, möchten sich aber von ihrem fröhlichen Image entfernen. Stattdessen portraitieren die Musiker im Film den Aufstieg und Fall einer Gruppe namens „Flame“. Der Clou: Das Drehbuch basiert auf wahren Begebenheiten, die entweder Slade selbst oder Bands aus ihrem Umfeld in den Wirren des Musikgeschäfts tatsächlich passiert sind.

Slade 1974 von links nach rechts: Noddy Holder, Dave Hill, Don Powell und Jim Lea – Pic: Jorgen Angel/Redferns/Getty Images.

Um den Streifen entsprechend zu untermalen, setzen sich die beiden Hauptsongschreiber Noddy Holder (Gesang) und Jim Lea (Bass) direkt an den entsprechenden Soundtrack. Dafür wagen sie sich an neue Stile und orientieren sich stärker an den Sechzigern als üblich. Das passt, denn in jenem Jahrzehnt spielt auch der Film. Obwohl Slade auf Slade In Flame nicht unbedingt klingen wie sie selbst, erscheint der Soundtrack zunächst als fünftes Album der Gruppe.

Ist das jetzt zu düster?

Bereits die erste Single Far Far Away landet auf Platz zwei der UK-Charts. Mit dem Album gelingt anschließend Platz sechs. Kaum zu glauben, doch für Slade bedeutet das zu jener Zeit einen Misserfolg: Mit Slayed? und Old New Borrowed And Blue schaffte die Gruppe den Sprung auf die Pole Position der Hitparade.

Im Januar 1975 flimmert dann auch der dazugehörige Film über die britischen Leinwände. Der stößt damals auf gemischte Gefühle. Mit so viel Ernsthaftigkeit hatte niemand gerechnet, denn während der düsteren britischen Siebziger gelten Slade eher als Spaßmacher der Nation. Den Blick in tiefe Abgründe erwartet man von Noddy Holder und Co. nun wirklich nicht.

Nach Veröffentlichung des Films sinken die Verkaufszahlen der Glam-Rocker in den Keller. Der britische Komponist, Produzent, Jazzpianist und Autor Chris Ingham bringt es in den Liner-Notes zu Slade In Flame auf den Punkt: „Großbritanniens Liebesaffäre mit Slade endete mit Flame.“ Alben veröffentlicht die Gruppe zwar weiterhin, doch die großen Erfolge bleiben ab Mitte der Siebziger aus.

Zeitsprung: Am 15.2.1974 erscheint „Old New Borrowed And Blue“.

 

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Popkultur

Matt Cameron wird 60: 10 Dinge, die du über die Grunge-Legende noch nicht wusstest

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Matt Cameron
Foto: Lloyd Bishop/NBCU Photo Bank/NBCUniversal via Getty Images

Matt Cameron als Grunge-Legende zu bezeichnen, wäre einerseits eine Untertreibung, würde den wandlungsfähigen Musiker aber auch zu sehr auf ein Genre festnageln. Liest man aber die Namen jener Bands, bei denen er Mitglied ist oder war, stellt man schnell fest: Mehr Seattle-Legendenstatus geht schwer… und das, obwohl er gar nicht aus Seattle kommt. Er spielte bei Soundgarden, er war bei Temple Of The Dog und er ist immer noch Mitglied bei Pearl Jam. Cameron ist nicht nur Drummer, sondern auch Songschreiber und Multiinstrumentalist. Zu seinem 60. Geburtstag werfen wir einen Blick auf 10 Fakten aus seinem Leben.

von Markus Brandstetter

1. Er spielte in der 1978 erschienenen Horrorkomödie Attack of the Killer Tomatoes (deutscher Titel: Angriff der Killertomaten mit).

Im Film sang er sogar einen Song — und zwar das Stück Puberty Love. Cameron war damals 16 Jahre alt.

2. Er spielte als Teenager in einer KISS-Coverband.

Die hieß ebenfalls Kiss (kleingedruckt stand unter dem Namen „imitation“). Das Management der echten KISS fand das weniger lustig — und drohte der Gruppe mit einer Klage. Die Band löste sich daraufhin auf.

3. Sein Spitzname war Foo.

Das hat aber nichts mit den Foo Fighters zu tun — sondern mit seinem Bruder Pete, der seinen Namen Matthew als „Ma Foo“ aussprach. So nannte sich der Drummer früher Foo Cameron.

4. Er war zur selben Zeit aktives Mitglied bei Soundgarden und Pearl Jam.

Nämlich, als Soundgarden 2010 eine Reunion feierten. Bei Soundgarden spielte er übrigens ab 1986 und ist auf allen Alben der Band zu hören. Zu Pearl Jam stieß er 1998, als diese einen Satz für Schlagzeuger Jack Irons suchte. Im Jahr davor hatten sich Soundgarden aufgelöst. „Ich bekam aus heiterem Himmel einen Anruf von Mr. Ed Ved, Stoney und Kelly (Curtis, Pearl Jam’s Manager). Ich wurde überfallen. Es war wirklich sehr kurzfristig. Er rief an und fragte: ‚Hey, was machst du diesen Sommer?’“. Kurze Zeit später wurde Cameron fixes Mitglied von Pearl Jam.

5. Er gehörte zur ersten Live-Besetzung von Queen Of The Stone Age.

Als sich die legendären Wüstenrocker Kyuss auflösten, gründete Bandchef Josh Homme 1996 die Band Queens Of The Stone Age. Weil der ursprüngliche Drummer Victor Indrizzo nur ein Jahr dabei blieb, brauchte die Band für ihre ersten Konzerte einen Drummer. Wer’s wurde, könnt ihr euch denken: Cameron trat 1997 mit ihnen auf.

6. Eddie Vedder bezeichnet ihn als besten Schlagzeuger der Welt.

Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder spricht in höchsten Tönen über Matt. „Matt Cameron schreibt Songs, und wir rennen los, um Tritthocker zu finden, um sein Niveau zu erreichen, … was für ihn selbstverständlich ist, lässt uns mit gesenktem Kopf zurück, wie die verwirrten Hunde, die wir sind, … bis wir es schließlich verstehen. Haben wir schon erwähnt, dass er der beste Schlagzeuger der Welt ist?“, schreibt Eddie Vedder in den Linder Notes zu Lost Dogs.

7. Er schrieb zahlreiche Songs für Pearl Jam und Soundgarden. 

Bei vielen Songs ist er als Co-Autor gelistet, einige Stücke stammen zur Gänze aus seiner Feder. Die Liste ist lang, einige Beispiele sind aber Jesus Christ Pose und New Damage vom Soundgarden-Album Badmotorfinger, das er mitschrieb — oder Drawing Flies vom selben Longplayer, bei dem die Musik zur Gänze von ihm stammte. Auch bei Pearl Jam gehen manche Songs auf sein Konto — etwa Get Right von Riot Act oder Into The Moonlight von Lost Dogs, bei denen er sowohl die Musik als auch den Text schrieb.

8. Er mag auch Jazz und Prog.

Das zeigt sich in Camerons Nebenprojekten, wie der (längst wieder aufgelösten) Gruppe Tone Dogs. Anspieltipp: deren Album Ankety Low Day aus dem Jahr 1990.

9. Er arbeitete mit Nickelback-Frontmann Chad Kroeger

Ihr erinnert euch sicher noch an den Song Hero von Nickelback-Chef Chad Kroeger und Ex-Saliva-Frontmann Josie Scott — den Soundtrack des 2002 erschienenen Films Spider-Man. Am Schlagzeug: unser Geburtstagskind. 

10. Seinen größten Hit nahm er gleich doppelt auf.

Er spielte zwölf Jahre nach der Veröffentlichung des Soundgarden-Hits Black Hole Sun noch einmal ein — für Rocklegende Peter Frampton und dessen Album Fingerprints im Jahr 2006… und zwar als Instrumentalversion.

Ihr wollt mehr über Matt Cameron erfahren?

Sein wahrscheinlich bestes Interview gab er vor kurzem übrigens YouTuber Rick Beato. Das knapp 55-minütige Video bietet großartige Anekdoten über Camerons Karriere und geht musikalisch ziemlich ins Detail.

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10 Grunge-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.11.1978 veröffentlichen die Blues Brothers ihr Debütalbum.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.11.1978.

von Max Röbel und Christof Leim

Es ist eines dieser Alben, die man auch dann kennt, wenn man sie noch nie richtig gehört hat. Am 28. November 1978 erscheint das Debütalbum der Blues Brothers und wird aus dem Stand zum Klassiker. Als Jake und Elwood Blues landen die Comedians Dan Aykroyd und John Belushi mit Briefcase Full Of Blues einen Welthit.

Hier könnt ihr euch Briefcase Full Of Blues anhören:

Wie aus Bienen Brüder werden: 1976 hatten sich Aykroyd und Belushi in New York am Set der noch jungen Comedy-Show Saturday Night Live (damals noch unter dem Namen NBC’s Saturday Night) kennengelernt. Als Geburtsstunde der Blues Brothers gilt ein SNL-Sketch aus diesem Jahr, in dem die späteren Weltstars im Bienenkostüm den Slim-Harpo-Klassiker I’m A King Bee darbieten. Wenn man sich die alte Aufzeichnung anschaut, wird trotz alberner Aufmachung schnell klar, dass es dem Komikerduo mitnichten bloß um müde Witze geht. Ganz im Gegenteil: Die Bluesbrüder machen ernst. Ein schweißbenetzter John Belushi schreit sich am Mikrofon die Seele aus dem Leib, während Dan im Hintergrund wie besessen die Harp bearbeitet – zwar nicht virtuos, aber mit Innbrunst.

John Belushi und Dan Aykroyd 1976 als Blues-Bienen bei „Saturday Night Live“

Entfachte Liebe zum Blues

Wie in der schreibenden Zunft üblich, trifft sich die Belegschaft im Anschluss an die Aufzeichnungen regelmäßig in einer einschlägigen Kneipe ein paar Blocks weiter. Die mit R&B-Klassikern beladene Jukebox des von Aykroyd angemieteten Etablissements zeigt Wirkung, ebenso die eilig angeschaffte Grundausstattung an Verstärkern und Instrumenten. Als Belushi, der spätere “Jake Blues”, 1977 bei Dreharbeiten auch noch den Soulsänger und Mundharmonikaspieler Curtis Salgado kennenlernt und der ihm einen Stapel Bluesplatten leiht, ist es endgültig um ihn geschehen. O-Ton: „Das hat mein Leben verändert. Als weißer Junge aus der Vorstadt ging man einfach nicht in die Viertel, wo der Blues war. Disco mochte ich nicht, und Rock wurde mir langweilig. Wie viele Rod-Stewart-Alben kann schon man kaufen?” SNL-Bandleader Howard Shore (richtig gelesen, der von Herr der Ringe) schlägt kurzerhand vor, die beiden Nachwuchsmusiker mögen sich doch einfach “The Blues Brothers” nennen –  und so kommt es dann auch.

Mit der Hilfe von SNL-Pianist Paul Shaffer stellen Aykroyd und Belushi eine Allstar-Truppe zusammen, die sich gewaschen hat. Neben Lou Marini und Tom Malone, die damals ebenfalls zur Hausband von Saturday Night Live gehören, engagieren die Blues Brothers mit Gitarrist Steve Cropper, Bassist Donald Dunn und Drummer Willie Hall drei Stax-Records-Veteranen, die zu diesem Zeitpunkt bereits mit Booker T., Elvis, Isaac Hayes und Otis Redding zusammengearbeitet hatten. An der Leadgitarre gewinnt das Allstar-Projekt mit Matt “Guitar” Murphy (Howlin’ Wolf, Etta James, Buddy Guy) ein echtes Mississippi-Original. Komplettiert wird das Line-up von Saxofonist Tom Scott und Trompeter Alan Rubin.

Auf die Bühne

Die nunmehr unter den Namen Jake und Elwood Blues firmierenden Frontmänner der Truppe tragen fortan Wayfarer-Sonnenbrillen (wie der immercoole John Lee Hooker) und gehen ausschließlich im Cab-Calloway-Gedächtnisanzug auf die Bühne. Zunächst probiert sich die Band weiterhin bei Saturday Night Live aus, zum ersten Mal am 22. April 1978. Bald gehört das Projekt zum festen Repertoire der Sendung und erfreut sich größter Beliebtheit erfreut. Am 9. September 1978 spielen die Blues Brothers dann eine Show als Opener für Steve Martin im Universal Amphitheater in Los Angeles. Bei diesem Konzert wird Briefcase Full Of Blues mitgeschnitten.

Anfänglich begegnen die Medien der aufstrebenden Supergroup noch mit Skepsis. Vielerorts fragt man sich, wie ernst es die beiden Komiker mit der Musik wirklich meinen. Manch einer fühlt sich von der Band mit der erfundenen Biografie und den Akrobatikeinlagen sogar auf den Arm genommen. Doch zunehmend lösen sich die Zweifel in Luft auf. Wie es scheint, lieben Aykroyd, Belushi und Co. einfach ihren Job. Hinzukommt, dass die Truppe durchweg aus Spitzenmusikern besteht. “Am Ende war es eine der besten Ansammlungen von Bluesmusikern, die ich je gesehen habe”, resümiert Gitarrist Steve Cropper 2014.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Auch an persönlichem Engagement mangelt es den Blues Brothers nicht. Als der Vorschuss des Labels aufgebraucht ist, steuern Belushi und Aykroyd 50.000 US-Dollar aus eigener Kasse bei, um die Produktionskosten des Albums zu decken. Der Einsatz zahlt sich aus: Briefcase Full Of Blues landet unglaublicherweise auf Platz eins der Billboard Charts und knackt sogar zweimal die Platinmarke. Prompt greift in den USA das Blues-Brothers-Fieber um sich. 

Die Blues Brothers live 1978 – Pic: Richard McCaffrey/ Michael Ochs Archive/ Getty Images

Zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres Albumdebüts erscheint der gleichnamige Kultfilm, in dem Jake und Elwood “die Band wieder zusammenbringen müssen”, um mithilfe eines Benefizkonzert das nötige Kleingeld für die Grundsteuerrechnung ihres ehemaligen Waisenheims zu erspielen. Neben einem immensen Budget für demolierte Polizeiwagen, antifaschistischem Widerstand im Straßenverkehr und der ikonischen Fahrstuhlszene glänzt der Film mit zahlreichen Gastauftritten bekannter Musiker und Musikerinnen, etwa Aretha Franklin, Ray Charles und Cab Calloway).

Gerechte Lizenzen

Daran, dass die Blues Brothers faktisch eine Coverband sind, scheint sich kaum jemand zu stören. Im Gegenteil: Mit ihrem sprudeligen Livesound setzt das Projekt einen willkommenen Kontrastpunkt zu den zunehmend synthlastigen Pop-Releases der späten Siebziger. Doch es gibt eine weitere Gruppe, die von dem Phänomen Blues Brothers profitiert. Vor der Veröffentlichung von Briefcase Full Of Blues, schlägt die Plattenfirma Atlantic zunächst vor, den ursprünglichen Songschreibern fünfzig Prozent der Lizenzeinnahmen anzubieten. John Belushi und Aykroyd bestehen jedoch darauf, die Tantiemen in Gänze an die Urheber gehen zu lassen. Lediglich die Abgaben für ihre Live-Auftritte behalten sich die Blues Brothers vor. “Uns hätte ein Anteil an der Musik gehören können, aber wir haben keinen genommen. Das gehört sich nicht”, kommentiert Dan Aykroyd später im Interview.

Die Geste kommt an. Dank des Erfolgs der Neuauflagen erhalten Bluesveteranen wie Floyd Dixon, von dem Hey, Bartender stammt, auf einmal Schecks in bisher ungekannter Höhe. Einige Jahre nach John Belushis Tod an einer Überdosis 1982 trifft Harp-Spieler und Blues-Brothers-Inspiration Curtis Salgado den Songwriter beim Chicago Blues Festival. Man unterhält sich über die Band und kommt auf den unverhofften Geldsegen zu sprechen . Auf die Frage, was er mit dem Geld angestellt habe, antwortet Dixon: “Ich habe alles auf Pferderennen verwettet. Ich hatte eine wundervolle Zeit, Mann.“

Zeitsprung: Am 22.4.1978 treten die Blues Brothers zum ersten Mal auf.

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