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Popkultur

10 Country-Empfehlungen für den Einstieg

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Orville Peck
Foto: Erika Goldring/FilmMagic/Getty Images

Unsere letzten „10 Empfehlungen“ standen ganz im Zeichen des Southern Rock. Heute graben wir noch ein wenig tiefer und werfen einen Blick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Country.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige unserer Country-Empfehlungen anhören:

Cowboyhüte, Lederstiefel, Wandergitarren: All das gehört ohne Frage zur Countrymusik. Doch dahinter steckt noch so viel mehr. Ob heile Welt, Sozialkritik, großes Glück oder persönliche Abgründe: Im Country finden gerne mal die elementaren Fragen des Lebens statt. Werfen wir einen Blick auf die „Volksmusik“ der USA.

1. Johnny Cash

Johnny Cash zählt zwar nicht zur Top Ten der kommerziell erfolgreichsten Countrymusiker*innen, sicher aber zu den einflussreichsten und bekanntesten Künstler*innen des Genres. So widmet er sich jahrelang der unbequemeren Seite der Richtung und prangert Missstände in den Vereinigten Staaten an. Damit feiert er große Erfolge, stürzt aber auch in tiefe Löcher. Immer wieder kämpft er mit Drogenproblemen. Empfehlenswert sind sowohl seine Klassiker als auch die American Recordings, die er ab Mai 1993 mit Produzent Rick Rubin aufnimmt. Am 12. September 2003 stirbt Cash an den Folgen einer schweren Diabetes.


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Anspieltipps: Folsom Prison Blues, I Walk The Line, Man In Black, The Man Comes Around, God’s Gonna Cut You Down

2. Willie Nelson

Man muss nicht jeden Gag bringen, aber diesen Kalauer können wir uns nicht verkneifen: Willie Nelson ist inzwischen beinahe so alt wie die Countrymusik selbst. 1933 kommt er zur Welt, seit 1956 gehört der Texaner zum Inventar der Szene. Mehr als 90 Studioalben veröffentlicht er bisher, Songs wie Always On My Mind und On The Road Again kennt wirklich jeder. Inhaltlich zählt Nelson zur Outlaw-Bewegung, denn mit dem generischen Sound aus Nashville kann er nichts anfangen. Neben seiner Tätigkeit als Country-Koriphäe setzt er sich für die Nutzung von Biokraftstoffen sowie für die Legalisierung von Marihuana ein.

Anspieltipps: Always On My Mind, Mammas Don’t Let Your Babies Grow Up To Be Cowboys, Blue Eyes Crying In The Rain, On The Road Again, We Are The Cowboys

3. Hank Williams Sr., Jr. und III

In der Familie Williams war und ist Country-mäßig einiges los. Hank Williams Sr. lebt von 1923 bis 1953, ihm verdanken wir unsterbliche Klassiker wie Hey, Good Lookin’ und I’m So Lonesome I Could Cry. 1949 kommt sein Sohn Hank Williams Jr. zur Welt, der deutlich rockigere Töne anschlägt als der Herr Papa, nicht zuletzt, um sich von dem großen Erwartungsdruck zu distanzieren, den die Berühmtheit des Seniors erzeugt. Am 12. Dezember 1972 bekommt die Familie noch einmal Zuwachs. Hank Williams III veröffentlicht zunächst ein traditionelles Country-Album, bewegt sich dann aber ebenfalls schnell in rockigere und sogar Punk-Gefilde.

Anspieltipps: Hey, Good Lookin’ (Hank Williams), I’m So Lonesome I Could Cry (Hank Williams), A Country Boy Can Survive (Hank Williams Jr.), Country Heroes (Hank Williams III), Mississippi Mud (Hank Williams III)

4. Dolly Parton

Mehr als 3.000 Songs schreibt Dolly Parton im Lauf ihrer jahrzehntelangen Karriere, 25 davon erreichen Platz eins der Country-Charts. Schon mit 13 veröffentlicht sie ihre erste Single Puppy Love, später sammelt sie Gold, Platin und Auszeichnungen in Massen. Als Schauspielerin kassiert sie ebenfalls zahlreiche Preisnominierungen. Und überhaupt: Es scheint nichts zu geben, was sie nicht kann. Singen, schreiben, Instrumente spielen, produzieren, Geschäfte abschließen, schauspielern oder ihre soziale Arbeit: Dolly Parton weiß, wie der Hase im Showbusiness läuft. Kein Wunder, dass sie auch mit inzwischen 74 Jahren noch auf der Bühne steht.

Anspieltipps: 9 To 5, Jolene, Islands In The Stream, Here You Come Again, I Will Always Love You

5. Waylon Jennings

Genau wie Willie Nelson, zählt Waylon Jennings zu den Mitbegründern der Outlaw-Bewegung, die sich auf die traditionellen Facetten der Countrymusik konzentriert. Seine erste Aufnahmesession organisiert niemand geringeres als Buddy Holly, der Jennings auch als Bassisten anstellt. Als Holly bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, hat Jennings Glück, denn er fliegt aus eigener Entscheidung nicht mit. Man kennt ihn nicht nur für seine Songs, sondern auch für seine Beteiligung an der Supergroup The Highwaymen, zu der neben Jennings auch Johnny Cash, Willie Nelson und Kris Kristofferson zählen. Am 13. Februar 2002 stirbt er an den Folgen einer Diabetes.

Anspieltipps: Good Hearted Woman, Are You Sure Hank Done It In This Way, I’m A Ramblin’ Man, American Remains, Luckenbach, Texas (Back To The Basics Of Love)

6. Merle Haggard

Die Country-Karriere von Merle Haggard beginnt nach seiner Entlassung aus dem Staatsgefängnis San Quentin, in dem auch Johnny Cash und Metallica bereits zu Gast waren, wenn auch „nur“ als Musiker. Haggard muss dort einsitzen, weil er versucht, eine Raststatte zu überfallen. Seine Songs beschäftigen sich mit den Sorgen der Arbeiter*innen der Vereinigten Staaten. Politisch nimmt er eine Position ein, die dem Zeitgeist widerspricht und kann mit der allgegenwärtigen Kritik am Vietnamkrieg nicht viel anfangen. Am 6. April 2016 erliegt er an seinem 79. Geburtstag den Komplikationen in Folge einer Lungenentzündung.

Anspieltipps: I Think I’ll Just Stay Here And Drink, The Fightin’ Side Of Me, Mama Tried, Okie From Muskogee, Are The Good Times Really Over (I Wish A Buck Was Still Silver)

7. Loretta Lynn

Seit inzwischen 60 Jahren steht Loretta Lynn auf der Bühne. 24 Mal landet sie auf Platz eins der Single-Charts, elf Mal auf der Pole Position der Albumhitparade. Selbst mit 88 Jahren tourt sie noch, tritt auf Festivals auf und veröffentlicht neue Alben. Das Gitarrenspiel bringt sie sich in jüngeren Jahren selbst bei. In ihren Texten thematisiert sie die Probleme von Frauen aus der Arbeiterklasse, zum Beispiel mit untreuen Ehemännern. Immer wieder beschäftigt sie sich mit Tabuthemen ihrer Zeit, wie zum Beispiel der Verhütung durch die Antibabypille. Dadurch landet sie auf den roten Listen vieler Countrysender, entwickelt sich aber trotzdem zu einer Gigantin des Genres.

Anspieltipps: Louisiana Woman, Mississippi Man, Coal Miner’s Daughter, Don’t Come Home A-Drinkin’ (With Lovin’ On Your Mind), You Ain’t Woman Enough, Fist City

8. Orville Peck

Wer genau sich hinter dem Pseudonym Orville Peck verbirgt, bleibt bis heute ein großes Geheimnis. Auf der Bühne trägt der Kanadier eine Lone-Ranger-Maske aus Leder, sein Gesicht zeigt er in der Öffentlichkeit nicht. Muss er auch gar nicht, denn was er musikalisch so von sich gibt, reicht völlig: Mit einer Stimme, die sich irgendwo zwischen denen von Elvis Presley, Johnny Cash und Roy Orbison bewegt, trägt Peck seit 2017 tiefgründige, melodische Songs vor. Die Instrumente auf seinem Debütalbum Pony (2019) spielt er weitgehend selbst ein. Noch dieses Jahr soll sein zweites Werk Show Pony erscheinen, auf dem auch Shania Twain zu hören sein wird. Peck bekennt sich offen zu seiner Homosexualität, was in der Countrywelt leider bei weitem keine Selbstverständlichkeit ist.

Anspieltipps: Dead Of Night, Turn To Hate, Summertime, Queen Of The Rodeo, Winds Change

9. Colter Wall

Mit seinen gerade einmal 25 Jahren hat Colter Wall aus Kanada schon einiges auf die Beine gestellt. 2017 erscheint sein Debüt Colter Wall, nur ein Jahr später legt er die Songs Of The Plains nach. Das Gitarrenspiel lernt er mit den Songs von Bands wie AC/DC, Black Sabbath und Led Zeppelin. Anschließend entdeckt er den Blues für sich, von dort aus landet er beim Folk. Mit 15 oder 16 hört er Don’t Think Twice, It’s All Right von Bob Dylan und beschließt, dass er nicht nur Gitarre spielen, sondern auch Songs schreiben möchte. Und das kann er verdammt gut, zum Beispiel bei rustikalen Stücken wie Sleeping On The Blacktop und Thirteen Silver Dollars.

Anspieltipps: Sleeping On The Blacktop, The Devils Wears A Suit And Tie, Caroline, KateMcCannon, Thirteen Silver Dollars

10. Sarah Shook & The Disarmers

Auch Sarah Shook zählt zu den jüngeren Vertreter*innen des Country. 1985 in Rochester, New York geboren und in North Carolina aufgewachsen, verknüpft die Nachwuchskünstlerin das Genre mit einer Menge Punk und würzt ihre Musik mit einer dicken Prise Outlaw-Attitüde. Ob energiegeladene Songs wie Damned If I Do, Damned If I Don’t sowie Keep The Home Fires Burnin’ oder melancholischere Töne wie Fuck Up: Shook und ihre Disarmers verstehen es auf grandiose Weise, dem Country eine Frischzellenkur zu verpassen. Politisch engagiert sie sich vor allem in der LBGT-Szene; sich selbst bezeichnet sie als genderqueer und bisexuell.

Anspieltipps: Fuck Up, Good As Gold, Nothin’ Feels Right But Doin’ Wrong Anymore, Damned If I Do, Damned If I Don’t, Keep The Home Fires Burnin’

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