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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.11.2010 bestellt Bob Dylan 178 Pizzas. Oder doch nicht?

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Bob Dylan 2009: Sieht er hungrig aus? - Foto: Sony/BMG

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.11.2010.

Mit dieser Anekdote verabschiedet sich unsere „Zeitsprung“-Kolumne für’s Erste – nach drei Jahren und 1058 Geschichten. Danke für’s Lesen.

von Christof Leim

Rock’n’Roll macht hungrig: Vielleicht wundert sich deshalb niemand, als jemand aus Bob Dylans riesiger Crew nach einem Konzert 178 Pizzas bestellt. Die werden tatsächlich in einer Nachtaktion zubereitet…

Hier könnt ihr das damals aktuelle Dylan-Album Together Through Life hören:

2010 befindet sich Bob Dylan wieder bzw. immer noch auf seiner Never Ending Tour (ein Begriff, den Meister übrigens selbst gar nicht leiden kann). Nach mehreren Monaten durch Japan, Europa und Nordamerika rollte der Tross kurz vor Ende in das Kleinstädtchen Amherst in Massachusetts. Dort spielt der Barde am 19. November 2010 im knapp 10.000 Fans fassenden William D. Mullins Memorial Center. 

Die Crew hat Hunger!

Später in der Nacht erscheint ein Mann bei Antonio’s Pizza in der North Pleasant Street. Er trägt einen Pass der Dylan-Tour und bestellt178 extragroße Gourmet-Pizzas für die Crew, die für die Show geschuftet hat und am nächsten Tag schon wieder in der nächsten Stadt aufbauen muss. Er verspricht, später zurückzukommen und beim Transport zu helfen.

178 Stück – das ist eine Menge! Wenn man so viele Pizzakartons aufeinanderstapelt, kommt ein Turm von fast fünfeinhalb Meter Höhe raus. Aber für Dylan wird ja auch eine große Mannschaft arbeiten, nicht wahr? Das Team von Antonio’s macht sich also an die Arbeit und knetet, belegt und backt – bis morgens um halb sechs.

Das gute Essen

Nur: Der Mann taucht nicht wieder auf. Niemand sammelt die Mahlzeiten ein. Bei Antonio’s ist man ratlos – und verärgert. Einen Teil der Backwerke können sie noch an Tafeln, Bedürftige und Hungrige abgeben, der Rest muss weggeworfen werden. Und vermutlich schwant den Verantwortlichen da so langsam, dass da von Anfang etwas nicht stimmte…

Rasch stellt sich heraus, dass niemand vom Dylan-Tourtross die Bestellung aufgeben hat, ebensowenig jemand von der Veranstaltungsfirma. Dort stellt man auch klar, dass weder die Menge noch das Procedere bei Aftershow-Verpflegung üblich sind. Das hätte man sich vielleicht denken können, denn selbst großen Shows mit viel Personal dürften nicht solche Massen an Spätspeise nötig sein. 

Lieber mal nachfragen

Vor allem aber verzichteten die Verantwortlichen bei Antonio’s auf eine sonst übliche Anzahlung im guten Glauben, der „offiziell“ auftretende Besteller gehöre tatsächlich zum Folk’n’Roll-Zirkus. „Wir waren wohl zu vertrauensselig“, gesteht ein Sprecher später und gibt auch zu, dass man ein bisschen mit dem berühmten Kunden angeben wollte. Sollte vielleicht nicht passieren, kann aber. Nur wer zahlt die Zeche? Die beläuft sich mit Lieferung nämlich auf 3.900 Dollar. Ohne Trinkgeld.

Glücklicherweise lief während dieses nicht ganz so harmlosen Streiches irgendwo ein Überwachungskamera, mit deren Hilfe der Übeltäter identifiziert und ausgiebig gemacht werden kann. (Die Website eater.com zeigt sogar einen Screenshot, sagt aber nichts über dessen Echtheit.) Der Anwalt des Großbestellers versichert später, dass sein Klient – ein Mann aus New Jersey ohne Vorstrafen – sich für die Aktion schäme und für die Kosten aufkommen wird. Wie der Kollege allerdings auf die beknackte Idee gekommen ist, nachts einfach mal 178 Fladen zu bestellen, bleibt ebenso ein Geheimnis wie die Antwort auf die Frage, ob Dylan und seine Crew nicht vielleicht in der Nacht tatsächlich Hunger hatten…

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Zeitsprung: Am 2.8.1969 besucht Bob Dylan ein misslungenes Klassentreffen.

 

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