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Popkultur

Bob Marley – Ein jamaikanisches Heldenepos

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Bob Marley & The Wailers in Voorburg, Holland 1976. Foto: Gijsbert Hanekroot/Redferns/Getty Images

Wenn es so etwas wie Ikonen in der Popmusik gibt, dann hat folgender Musiker diese Bezeichnung wahrlich verdient: Bob Marley. Marley war Poet, herausragender Musiker, gläubiger Rastafari, politischer Utopist und friedlicher Revolutionär. Er brachte den Reggae in die westliche Welt und setzte sich für die Rechte der afrikanischen Diaspora ein.


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Tragisch war sein Leben, trotz des großen Erfolges: Bob Marley starb an einem schweren Krebsleiden, im selben Jahr wie John Lennon und Bill Haley. Er wurde nur 36 Jahre alt, hinterließ jedoch ein musikalisches Erbe, das in die Geschichte einging. Marley hat den Reggae salonfähig gemacht und viele Künstler eiferten ihm nach, mit Songs wie Blondies The Tide Is High, Paul Simons Mother And Child Reunion und sicher nicht zuletzt Stevie Wonders Master Blaster. Auch in Deutschland hat sich eine wichtige Reggaeszene auf Bob Marleys Spuren etabliert.

Hört hier die größten Hits von Bob Marley

 Das Ghetto in Trenchtown und die Gründung von The Wailers

Bob-Marley-TrenchtownRobert „Bob“ Nesta Marley wird am 6. Februar 1945 im ländlichen Nine Miles auf Jamaika geboren. Seine Mutter ist die damals erst 17-jährige Cedella Booker, sein Vater der 60-jährige britische Offizier Norval Sinclair Marley. Schon ihre Hochzeit ist aufgrund ihrer unterschiedlichen Hautfarben ein Skandal. Schon als Kind erfährt Robert Ablehnung aufgrund seiner Abstammung, auch im eigenen Dorf. Kein Wunder also, dass das Thema Rassismus für ihn eine ganz persönliche Bedeutung bekommt.
Als Bob 12 ist verlässt sein Vater die Familie und er zieht mit seiner Mutter in die jamaikanische Hauptstadt Kingston. Das Leben im Ghetto Trenchtown hält nichts Gutes für den jungen Bob bereit, die prekären Verhältnisse versperren den meisten eine glückliche Zukunft. Fussball und Musik sind es, die ihn schon immer faszinierten, vor allem die Songs von Ray Charles und Fats Domingo haben es ihm angetan. Und da kommt der Lichtblick: Zusammen mit seinem besten Freund Neville „Bunny“ Livingston, später als Bunny Wailers bekannt, kommt er schon früh mit örtlichen Musikproduzenten in Kontakt, die sein Potenzial erkennen. „Robert Marley saw a way out: his guitar“, hat Bunny später über seinen Freund gesagt.
Die eigene Bandgründung lässt nicht lange auf sich warten. Der dritte im Bunde ist Peter Tosh, zusammen gründen sie 1963 The Wailing Rudeboys, die später als The Wailers für Furore sorgen. Ihre erste Single Simmer Down wird ein erster kleiner Erfolg (Platz 1 der JBS-Radiocharts!). Jedoch zeigt sich auch schnell, dass Bobs Vorstellungen mit denen der Musikproduzenten nicht recht zusammengehen wollen: Seine Texte sind ihnen zu sozialkritisch, zu wenig kommerziell. Geld verdienen die Wailers auch nicht mit ihrer Musik, die damals noch stark von Ska-Einflüssen geprägt war, dem vorherrschenden Genre in Kingston.

Vom Ska zum Reggae – Bob Marley und die Rastafari-Bewegung

1966 heiratet Bob Marley die kubanische Musikerin Rita Anderson, die wie er in Trenchtown lebt. Nur einen Tag nach der Hochzeit reist er in die USA, um Geld für das junge Eheglück und seine Musikkarriere zu verdienen. Zurück in Kingston weht ihm dann ein neuer Musikstil entgegen: Der Rocksteady hat den Ska mehr oder weniger abgelöst, der Beat ist langsamer geworden, weniger aggressiv und erhitzt, und gibt mehr Platz für Melodie und komplexen Rhythmus – der Reggae ist geboren! Ein Musikstil, der die Anliegen der unterdrückten schwarzen Bevölkerung auf Jamaika hörbar macht. Die Wailers springen auf den neuen Trend auf und trennen sich endgültig von ihrem Produzenten Coxone Dodd, der sie nur als Ska-Kombo weiter unterstützen will.
In dieser Zeit interessiert sich Bob immer mehr für die Ansichten der Rastafari-Bewegung, die sich in den 60er Jahren auf Jamaika verbreitet: Was von vielen als pseudo-religiöse Alternativbewegung wahrgenommen wird, die vor allem auf übermäßigem Marihuana-Konsum und einer Durchhänger-Mentalität aufbaut, ist aber weitaus mehr und hat ein wirkliches Anliegen. Sie ist eine Lebensphilosophie, die für Freiheit und Gleichheit unter den Völkern einsteht und vor allem der unterdrückten afrikanischen Bevölkerung ihre Stimme wieder geben will. Die Musik der Rastafari ist der Reggae, der laut ihnen wie keine andere Musik die Kraft besitzt, ihre Spiritualität zu vermitteln. Bob ist fasziniert von diesem Glauben an Gleichheit unter den Menschen und wird ein treuer Anhänger.

Ein Neuanfang auf Island Records – Catch A Fire, Burnin’ & Natty Dread

The Wailers
Anfang der 1970er entscheidet Bob sich dazu, mit seiner Band nach London zu gehen, um ihrer Musikkarriere neuen Wind zu geben. Sie unterschreiben einem Vertrag beim Londoner Label CBS Records, dass sie jedoch nur kurze Zeit später wieder abschießt und sie praktisch auf die Straße setzt. Kurze Zeit später lernen sie aber den Produzenten Chris Blackwell kennen, Inhaber von Island Records und Reggae Liebhaber. Er zahlt der Band einen Vorschuss von schlappen 4.000 Dollar, um auf Jamaika ihr erstes Album Catch A Fire aufzunehmen. Blackwell beweist damit eine unglaublich gute Intuition zu einer Zeit, in der die meisten Produzenten auf Rockmusik setzen. Das weltweit veröffentlichte Debüt macht die Wailers zwar noch nicht zu Stars, Blackwell hat aber genug Kontakte im Musikbusiness, um es zu einem großen Kritikererfolg werden zu lassen: In der BBC One Heavy Rotation läuft es rauf und runter und Musikkritiker feiern es als neue Sensation mit großen Potenzial. Die Single Stir It Up tut wie ihr befohlen und mischt die internationale Musikbranche ziemlich auf.

Aber jetzt hatten die Wailers Blut geleckt: Es ist also doch was zu holen mit ihrer Musik, mit der es bisher so holprig voran ging! Noch im selben Jahr erscheint die Platte Burnin, inklusive der Hits Get Up Stand Up und I Shot The Sheriff, mit dem Eric Clapton ein Jahr später an die Spitze der US-Singlecharts stürmt und den Reggae in die Popmusik überführt. Obwohl Bunny Wailers und Peter Tosh die Band nach diesem Album verlassen, folgt Album Nummer drei ein Jahr später auf dem Fuße. Mit Natty Dread erblickt auch die Reggae Hymne No Woman, No Cry das Licht der Welt. Übrigens sind die Lyrics auf Patois (jamaikanisches Kreolisch) verfasst und in keinster Weise frauenfeindlich. Auf Englisch bedeutet es so viel wie: No, woman, don’t cry, ist also ganz offensichtlich tröstlich gemeint. Natty Dread ist ein politisches und soziales Statement mit deutlichen Rastafari-Anklängen und gleichzeitig eine Ode an die Heimat.

Bob Marley und die Politik – Das Smile Jamaica Concert

Konzert Rastafari

Bob Marley ist ein politischer Mensch, seine Songs haben utopisches Potenzial, es geht ihm um die Verbreitung des Friedens und die Befreiung aller Menschen aus politischer Unterdrückung. Innerhalb der Politik seines Landes schlägt er sich allerdings auf keine Seite, auch nicht im Wahlkampf 1976, dem Jahr in dem auch das neue Album Rastaman Vibration erscheint. Einige Zugeständnisse macht er allerdings, als er zusagt, auf dem Smile Jamaica Concert in Kingston zu performen, das von der politischen Linken organisiert wird. Dann passiert das Unerklärliche: Zwei Tage vor dem Konzert werden Bob, Rita und sein Manager in Marleys Haus in Kingston überfallen, auf sie wird geschossen. Sie scheinen allesamt Schutzengel zu haben, denn sie werden nur leicht verletzt. Der Anschlag muss aus politischen Gründe passiert sein. Obwohl man es kaum glauben mag, findet das Konzert am geplanten Datum statt und Bob steht ganze 90 Minuten auf der Bühne: Ein knallhartes Statement gegen politisch motivierte Gewalt. Er verachtete die Art und Weise wie Politiker ihre Machtpositionen schamlos ausnutzten, trotzdem schmückten diese sich nach seinem Tod gern mit seiner freiheitlichen Botschaft. Dabei hatten sie seine oberste Forderung nie befolgt: Die unbedingte Gleichheit zwischen Schwarz und Weiß.

Nach dem Anschlag kehren Bob und Rita ihrer Heimat den Rücken und ziehen nach London, wo das 1977 das Album Exodus erscheint, das den Zenith in Marleys Karriere beschreibt. Er ist nun weltweit ein gefeierter Musiker. Die Songs Jamming, Three Little Birds und One Love kann heute jeder mitsummen.

Die Uprising-Tour und Bob Marleys Tod

Bob Marley Bett Fußball

1977 wird Bob Marley Krebs diagnostiziert, den er aufgrund seiner religiösen Überzeugungen nicht behandeln lässt. Stattdessen nimmt er ein weiteres Album namens Uprising auf, der bekannte Redemption Song, so heißt es, handelt von der Auseinandersetzung mit seinem eigenen Tod. Obwohl es ihm gesundheitlich immer schlechter geht, startet Marley seine geplante Welttournee. Europa schafft er ganz. Die US-Tour muss abgebrochen werden, weil er zu schwach ist um weiter aufzutreten. Nicht einmal sein letzter Wunsch, in Jamaika zu sterben, kann erfüllt werden und so stirbt Bob Marley auf dem Weg in seine Heimat in Miami. Er wird in seinem Geburtsort Nine Miles bestattet, zusammen mit seiner Lieblingsgitarre, einer roten Fender Stratocaster.

„Good friends we have, good friends we’ve lost / Along the way / In this great future, you can’t forget your past / So dry your tears, I say.”

„Uprising Live“: So umwerfend war die letzte Tournee vor Bob Marleys Tod

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 19.8.1939 kommt Ginger Baker zur Welt.

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Zoran Veselinovic/Wiki Commons

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.8.1939.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, kaum einer beweist das so eindrucksvoll wie „Ginger“ Baker. Als Jahrhunderttalent revolutioniert er bei Cream und Blind Faith das Schlagzeugspiel und terrorisiert den Rock. Unterhaltsam ist das allemal, also werfen wir zum Geburtstag des trommelnden Derwisch einen Blick auf sein bewegtes Leben!

Hört hier das Debüt von Cream: 

Starten wir ganz am Anfang, denn geboren wird Peter Edward „Ginger“ Baker in Londons Arbeitermilieu. In seiner Jugend interessiert ihn die Musik zunächst in Form des Klavier- und Trompetenspiels, zudem sieht er sich mit Freunden gern Jazz-Shows an. Der eigentliche Karriere-Traum: Radrennfahrer. Als er im Teenageralter einen Unfall baut, zerlegt es den heißgeliebten Drahtesel. Um an Geld zu kommen, schlägt ein Freund ihm vor, er solle sich doch hinter ein Schlagzeug setzen. Da zählt Ginger 15 Jahre. Baker merkt hierzu später amüsiert an, dass wohl alle vor ihm wussten, dass ein Drummer in ihm steckt. Da es ihm immer noch an Budget fehlt, arbeitet er zunächst mit einem Kinderschlagzeug und moduliert es mit Zeltplanen und Keksdosen, um beim Vorspiel überhaupt ein Instrument vorweisen zu können. Er bekommt den Job.

Anfang der Sechziger folgt dann Unterricht beim legendären britischen Jazzer Phil Seamen, der ihm die erste Dosis Heroin spritzt, aber auch die Grundlage für den Part des jungen Schlagwerkers in der Graham Bond Organisation schafft. Dort ist er ab 1963 aktiv, mit dabei sind der Namensgeber, Dick Heckstall-Smith am Saxophon, John McLaughlin an der Gitarre und Jack Bruce am Bass. Er trägt Stücke wie Camels and Elephants bei, die Band tritt außerdem zwei Jahre nach ihrer Gründung im Film Gonks Go Beat auf, welcher katastrophale Kritiken erhält. 

Innerhalb der Gruppe gerät Baker immer wieder mit Bruce aneinander, den er schließlich feuert und mit einem Messer bedroht, um seiner Entscheidung Nachdruck zu verleihen. Ausgerechnet Bonds Drogenproblem geht ihm jedoch so sehr auf den Nerv, dass er sich nach neuen Möglichkeiten umsieht. Als „Ginger“ 1966 nach einem Konzert seinen geschätzten Musikerkollegen Eric Clapton heimfährt, erzählt er ihm von seiner Suche; Clapton, der sich an der Gitarre bei John Mayall & The Bluesbreakers kreativ unterfordert fühlt, schlägt ohne langes Zögern ein. Einzige Bedingung: Baker soll ausgerechnet Jack Bruce für den Bass anfordern. Der Rotschopf steuert laut Clapton beinahe das Auto in den Graben. Da die drei Musiker als „Crème de la Crème“ der Blues-Szene bekannt sind, nennt sich das Trio kurzerhand Cream und das Debütalbum Fresh Cream. Baker entwickelt auf dem Track Toad Elemente aus Camels And Elephants weiter und nimmt damit eines der ersten Drum-Soli überhaupt auf.

Nach drei weiteren Alben macht Cream jedoch schon 1969 wieder Schluss, die Spannungen zwischen Bruce und Baker sind unüberwindbar. Zwei Abschlusskonzerte in der Royal Albert Hall in London sind zwar kommerziell erfolgreich, bilden jedoch qualitativ keinen würdigen Abgang für die Ausnahmemusiker, die mehr gegeneinander als miteinander arbeiten. Mit Clapton versucht sich Baker noch einmal an einer Supergroup, gründet mit ihm, Steve Winwood von Traffic und Richard Grech Blind Faith. Erneut lässt die Begeisterung schnell nach, ein Muster, das sich bei Baker auch in Bezug auf seine diversen Ehen und Kinder durchzieht.

In den Siebzigern treibt es den Mann dann nach Nigeria, wo er mit viel Mühe ein Aufnahmestudio einrichtet, das unter anderem Paul McCartney und seinen Wings als Arbeitsplatz dient. Baker nimmt Material mit dem afrikanischen Multiinstrumentalisten und Menschenrechtler Fela Kuti auf und gründet die Baker Gurvitz Army, die drei Alben lang durchhält. 1980 zieht sich der Schlagzeugpionier zurück, um endlich seine Heroinsucht zu überwinden, spielt dann bei Hawkwind und geht Ende der Dekade nach Los Angeles, um auch noch Hollywood zu bezwingen. Stattdessen gibt’s in den Neunzigern doch wieder mehr Musik; zunächst mit Masters of Reality, dann wider besseres Wissen mit Jack Bruce bei BBM und im eigenen Projekt The Ginger Baker Trio. 

Eines verliert Baker bei den regelmäßigen Ortswechseln nicht: seinen Ruf als Dämon des Rock’n’Roll. Ob es nun an langjährigen Drogen- und Alkoholproblemen oder schlicht der Persönlichkeit liegt: Der Drummer macht Kollegen, Presse und Publikum gleichermaßen Angst, und zwar so sehr, dass seine Übellaunigkeit 2012 in der Dokumentation Beware Of Mr. Baker festgehalten wird, die auf einem Rolling Stone-Artikel basiert. Ob man’s glaubt oder nicht: Baker haut selbst während der Dreharbeiten einem Crewmitglied auf die Nase. 

Nicht gerade zimperlich: Das deutsche Cover zur Dokumentation „Beware Of Mr. Baker“.

Beim Polo bemüht er sich um einen Ausgleich, mit Cream findet er seinen Frieden allerdings nicht. Eine Reunion schrammt 2005 laut Clapton nur knapp an einem blutigen Ende vorbei. Seit 1999 treibt er in Südafrika sein Unwesen, leidet aber zusehends an starken gesundheitlichen Problemen. Baker verstirbt schließlich am 6. Oktober 2019 mit 80 Jahren im englischen Canterbury. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt: Baker gilt als einer der einflussreichsten Schlagzeuger aller Zeiten, als Vorbild sämtlicher Heavy-Metal-Drummer und Pionier des Rock.

Zeitsprung: Am 26.11.1968 spielen Cream ein enttäuschendes Abschiedskonzert.

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Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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