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Popkultur

„Uprising Live“: So umwerfend war die letzte Tournee vor Bob Marleys Tod

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Bob Marley
Foto: Mike Prior/Redferns/Getty Images

Im Sommer des Jahres 1980 lief Bob Marley noch einmal zu absoluter Topform auf. Er hatte gerade erst sein achtes Album für Island Records vorgelegt – das kämpferisch-spirituelle Uprising.

von Ian McCann

Hier könnt ihr Uprising hören:

Drauf und dran, sich auch selbst ein weiteres Mal zu erheben und nach Europa aufzubrechen, um dort riesige Shows zu spielen, war der Erfolg gewissermaßen vorprogrammiert: Seine Band, The Wailers, war perfekt eingespielt, die Gesangsgruppe The I-Threes erledigte jedes Mal den Rest, inspiriert vom charismatischen Bandleader Bob Marley. Jahrelange Tourerfahrungen hatten sie zusammengeschweißt und unschlagbar gemacht.

Die Sorgen wegtanzen

Tatsächlich gelang es Bob Marley immer wieder, das Publikum zu verwandeln: Manchmal genügte es schon, dass die Menschen seine Dreadlocks am Bühnenrand erblickten – und schon war alles Alltägliche, waren alle Sorgen und Probleme vergessen. Stattdessen hieß es Tanzen.

Uprising Live! fängt die einzigartige Energie und die euphorische Stimmung von Bob Marleys letzter Tour ein. Dazu ist der späte Livemitschnitt von einem gewissen Pathos durchzogen. Schließlich kämpfte Marley an dem Punkt schon eine ganze Weile mit dem bösartigen Melanom, seinem Todfeind: dem Hautkrebs. Selbst wenn er gewusst hat, dass seine Tage gezählt waren, ließ er es kein bisschen durchblicken. Bis zuletzt war selbst engen Freunden und Verwandten gar nicht klar, wie schlimm es wirklich um seine Gesundheit stand. Die Uprising-Tour war für Bob letztlich einfach eine weitere Gelegenheit, „seinen Job zu machen“ – die Message der Rastafari in die Welt zu tragen, sich für Gleichheit und mehr Gerechtigkeit auf der Welt einzusetzen. Er sollte erst damit aufhören, als sein Herz aufhörte zu schlagen. Und so war auch auf dieser letzten großen Tour seine Message nicht zu überhören: Die Auftritte waren elektrisierend und sind bis heute unvergessen.


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Bob Marley
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Ein musikalisches Festmahl

Aufgenommen in der Dortmunder Westfalenhalle am 13. Juni 1980, bringt Uprising Live! eindrucksvoll auf den Punkt, was die Konzerte von Bob Marley & The Wailers so einzigartig machte, was da eigentlich genau passierte. Das dazugehörige Uprising-Album war erst drei Tage zuvor erschienen, und nun waren all jene versammelt, die an Bob glaubten und diese Magie live miterleben wollten. Sie sollten bekommen, wonach sie verlangten: Auf die Klassiker mussten sie schon mal nicht verzichten, etwa auf die Kombination von War und No More Trouble, auf das dezent tanzbare Work oder die rebellische Hymne Get Up, Stand Up.

Dazu gab’s die Hits: Could You Be Loved, so leichtfüßig und entspannt. Später dann Jamming, und danach das immer noch bewegende No Woman, No Cry. Passend zur Stimmung des Abends beginnt das Album mit vier Stücken von The I-Threes: Precious World, Slave Queen, Steppin’ Out of Babylon und That’s The Way Jah Planned It. In einem anderen Kontext wären diese vier Stücke selbst schon die Highlights; hier jedoch sind sie nur der Auftakt, der erste Gang zum musikalischen Festmahl.

Am fesselndsten klingt der Redemption Song, Marleys große Ballade und sein Abschiedstitel, was auch daran liegt, dass das Arrangement vollkommen anders gestrickt ist als bei der Albumversion: Mit Conga-Begleitung an der Akustikgitarre, verwandelt die Reggae-Ikone den Meilenstein zunächst in eine reine A-capella-Nummer. Während seine Zeilen über das vergiftete Erbe der Sklaverei so noch deutlicher zu hören sind, stimmt die Band erst gegen Ende ein – und am wichtigsten daran: Das alles fühlt sich nie wie eine Show an. Nichts daran wirkt inszeniert oder gekünstelt. Stattdessen hört man einfach Bob Marley, der das zum Ausdruck bringt, was gesagt werden muss.

Marleys Schwanengesang

Dortmund war die elfte Station von insgesamt 34 Shows, die Marley in jenem Sommer in Europa spielen sollte. Kein Spaziergang also. Im darauffolgenden Herbst, am 16. September, traten Bob Marley & The Wailers dann in Boston auf – womit eigentlich die nächste lange Konzertserie durch die USA beginnen sollte. Doch beim Joggen im Central Park brach Marley schließlich zusammen, nachdem er kurz zuvor noch zwei Shows im Madison Square Garden gespielt hatte. Danach schaffte er nur noch einen einzigen Auftritt: in Pittsburgh, am 23. September 1980. Die Tage, die ihm danach noch bleiben sollten, verbrachte er abseits der Bühne und kämpfte allein gegen den Krebs, der am 11. Mai 1981 siegen und ihn das Leben kosten sollte. Marley war gerade mal 36.

Es liegt nahe, die Uprising-Tour als Schwanengesang und letztes großes Aufbäumen zu betrachten, aber er selbst sah es nicht so. Er verstand sich als rastloser Botschafter der Rastafari-Religion und glaubte gar nicht an die Existenz des Todes. Auch wusste er, dass sein Werk weiterleben würde: Bis heute ist die Zahl seiner Anhänger*innen riesig, es sind Millionen, die nach wie vor an Bob Marley glauben, weil er komplexe Zusammenhänge und Gefühle so ausdrücken konnte, dass wirklich jede und jeder sie versteht. Der Zuspruch, der auf Uprising Live! zu hören und zu spüren ist, lebt auch vier Jahrzehnte nach dem Dortmund-Konzert weiter.

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Popkultur

Review: „The End, So Far“ verschafft Slipknot neun neue Leben

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Slipknot
Foto: Venla Shalin/Getty Images

Das verflixte siebte Studioalbum wird bei Slipknot zur Wasserscheide: Nach zuletzt eher homöopathischen Änderungen im brachialen Soundbild stellen Corey Taylor und seine Maskencrew mit The End, So Far die Weichen für die Zukunft. Ihre beste Platte ist es nicht. Aber zweifellos eine beeindruckende.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch The End, So Far anhören:

Das Ende naht. Vielleicht nicht für Slipknot als Band. Aber definitiv für die Strukturen, in denen sich die Seelenstripper aus Iowa bisher bewegten: The End, So Far ist das letzte Album der Band für ihr Label Roadrunner und trägt das Ende der 25-jährigen Partnerschaft bereits im Titel.

Den Fans dürfte das egal sein. Für Slipknot geht dennoch eine Ära zu Ende. Und anstatt ein halbgares neues Album oder gar eine Best-Of auf den Markt zu werfen, um aus dem Vertrag zu kommen, geht man richtig in die Vollen. The End, So Far ist zwar nicht das brutalste, das heftigste, das härteste Album, das Slipknot jemals gemacht haben; das muss es aber auch gar nicht sein, dafür warne schließlich Iowa und Co. Zuständig.

Synthies, Chöre, klarer Gesang

Die siebte Platte porträtiert eine Band, die älter geworden ist. Und das endlich auch selbst anerkennt. Man umkreist solangsam die 50, da muss man nicht mehr so tun, als sei man 28. Deutlich wird das sofort: Der Opener Adderall ist der vielleicht untypischste Slipknot-Song aller Zeiten: Getrieben von flirrenden Synthies, Chören und durchgehend klarem Gesang, erinnert die Nummer eher an David Bowie oder an Tool.

Slipknot achten sorgfältig und gewissenhaft auf Dynamik, auf Songreihenfolge und Stimmungsbilder. Sie sind eine Albumband, groß geworden in Zeiten, in denen man Platten noch ganz hörte. Dem werden sie auch mit The End, So Far gerecht. Mehr denn je breiten Slipknot ihre irisierenden Flügel aus, decken so viele musikalische Gefilde ab wie nie zuvor. Klar ist die Platte auch brutal, in einem Song wie H377 sogar so durchgehend, kompromisslos und nervenzerfetzend knallhart wie auf ihrem tollwütigen Exorzismus Slipknot. Überwiegend steht jedoch eine Balance zwischen abgründiger Härte und trostspendenden Momenten auf der Agenda.

Grunge-Gefühle

Slipknot wissen längst, wie man Dynamik ausschöpft und präzise einsetzt. Die tosenden, grollenden Abriss-Monumente wirken wenn überhaupt, dann noch heftiger als auf früheren, eher durchgebolzten Werken. Melancholische, schwebende Momente wie die Alternative-Rock-Nummer De Sade zeigen zwischendrin aber eben immer wieder, dass man Dämonen und mentalen Horror auch ohne durchgehendes Metal-Inferno verhandeln kann. Hölle, bei Acidic kommen sogar Grunge-Gefühle auf!

Das Vermächtnis der Toten

Einen mehr als ordentlichen Job macht der neue Percussionist und Drummer Jay Weinberg. Er versucht gar nicht erst, in die XXL-Fußstapfen von Joey Jordison zu trommeln, füllt sein dynamisches, tightes Spiel aber dennoch mit mancher Referenz an den 2021 verstorbenen Drummer – voller Respekt und Demut. Es ist der sensible und richtige Weg, die tragische Geschichte einer Band zu verhandeln und weiterzutragen: Nach Paul Gray ist Joey Jordison schon das zweite Mitglied, das Slipknot zu Grabe tragen mussten.

Das Vermächtnis der Toten lebt auch auf The End, So Far fort. Ein Album voller Schatten, gespenstischer Melodien und gurgelnder Härte. Nicht alle Songs sind Treffer, manche verlieren sich in Post-Rock-Wolkengebilden und unpassenden Ausbrüchen. Unterm Strich bleibt aber eine knappe Stunde eindrucksvolles Flexen von einer Band, die ungebrochen vor Evolution, Kreativität und Aufbruchstimmung steht. Und endgültig keine Lust mehr hat, Konventionen zu pflegen oder Erwartungen zu erfüllen.

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Slipknot: Von Masken-Weirdos zu globalen Superstars

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Popkultur

30 Jahre „Küssen verboten“: Als die Prinzen zu Königen wurden

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Die Prinzen
Foto: Hulton Archive/Getty Images

Sie gründen sich noch zu DDR-Zeiten und werden gleich nach der Wende zu gesamtdeutschen Popstars: Vor 30 Jahren verkünden die Prinzen mehrstimmig: Küssen verboten! Ohrwurm in drei, zwei eins…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch das Küssen verboten anhören:

Alles beginnt im Knabenchor. Mehr oder weniger alle späteren Mitglieder der Prinzen singen sich erst mal in ostdeutschen Chören die Seele aus dem Leib – Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk sowie Henri Schmidt etwa im weltweiten Leipziger Thomanerchor. Was man eben so macht in der DDR. Daraus entsteht eine erste Band mit dem unglücklichen Namen Die Herzbuben. Der Versuch: Mit A-capella-Stücken erfolgreich werden.

Annette Humpe greift ein. Zum Glück

Das klappt zwar ganz gut, aber das große Problem ist: Immer wieder verlieren Die Herzbuben Mitglieder, weil sie sich aus der DDR absetzen. Es dauert also noch bis nach der Wende, bevor die Geschichte endlich Fahrt aufnehmen kann. Zu verdanken ist das übrigens Annette Humpe, die mit Ideal große Erfolge feiern konnte und mit Blaue Augen einen gewaltigen Hit komponiert hatte. Sie wird auf die Band aufmerksam, erkennt das Potential und verfrachtet sie im November 1990 zu Anselm Kluge für erste Aufnahmen in dessen Studio. Ihr ist auch zu verdanken, dass man den Namen Die Herzbuben ablegt und sich auf Die Prinzen einigt. Mit den Wildeckern wollte man dann auch nicht unbedingt verwechselt werden.

Danach geht es schnell: Schon die erste Single Gabi und Klaus wird 1991 zum Erfolg, das Debüt Das Leben ist grausam kann sich mehr als eine Million Mal verkaufen und bringt sie auf Tour mit Udo Lindenberg. Danach soll natürlich schnell ein Nachfolger her. Deutschland ist nach David Hasselhoffs Niedersingen der Mauer wiedervereint und dürstet nach deutschsprachiger Popmusik, die Prinzen sind als ostdeutsche Band in den alten und neuen Bundesländern der absolute Verkaufsschlager.

Auch Olli Dittrich mischt mit

Ihr Rezept – A-capella-Gesang trifft Pop mit teils hintersinnigen, teils albernen Texten – trifft den unbeschwerten Zeitgeist, der nach all dem Drama einfach mal eine gute Zeit haben will. Nur ein Jahr nach dem Erstling sind Die Prinzen mit Küssen verboten zurück. Diesmal produziert Annette Humpe gleich das komplette Album und hilft der Band beim Texten, zusätzliche Unterstützung bei den Lyrics kommt von Comedian Olli Dittrich – so etwa der Text zu Kleines Herz.

Aufgenommen wird im Frühjahr 1992 in den Boogie Park Studios im Hamburg, am 28. September erscheint das zweite Album der Prinzen. Und wird ein ähnlich großer Erfolg: Es verkauft sich über 800.000 Mal, was damals drei Goldene Schallplatten bedeutet. Neben dem großen Erfolg der Single Küssen verboten ist es vor allem der von Sebastian Krumbiegel verfasste Song Bombe, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Anders als die humorigen, leichten Songs der Leipziger postieren sich Die Prinzen mit fast schon punkiger Attitüde klar gegen Rechtsextremismus.

Gegen rechte Gewalt

Gemeinsam mit Annette Humpe spielen sie Bombe live beim „Heute die! Morgen du!“-Festivals gegen rechte Gewalt in Frankfurt vor 150.000 Zuschauern. Als der Song im Februar 1993 als Single erscheint, gehen viele besorgte Eltern auf die Barrikaden. So viel Sex und Kritik ist man von den Prinzen nicht gewohnt. Dem Erfolg schadet es nicht. Im Gegenteil: Die große Tournee zu Küssen verboten wird zum Durchmarsch, zu den fast 60 Konzerten in den größten Hallen des Landes kommen über 200.000 Besucher.

In nur zwei Jahren sind Die Prinzen von einer ostdeutschen A-Capella-Seltsamkeit zu einer der größten Popbands des Landes geworden. Wieder vergeht nur ein Jahr, bis sie diese Erfolgsgeschichte mit Alles nur geklaut fortsetzen werden. Nicht übel für so ein paar Typen aus dem Knabenchor…

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Zeitsprung: Am 31.10.1965 probt die DDR-Jugend den Beat-Aufstand.

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Popkultur

25 Jahre „Bittersweet Symphony“: Wie The Verve dank den Stones zu Rockstars werden

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The Verve
Titelfoto: Gie Knaeps/Getty Images

Vor 25 Jahren veröffentlichen The Verve ihren internationalen Durchbruch Urban Hymns. Der definierende Britpop-Übersong Bittersweet Symphony macht die Band zu Weltstars. Und ist zugleich der Anfang vom Ende.

von Björn Springorum

1997 sind The Verve eigentlich schon durch. Drogen, Klagen, Zwist, das volle Programm. Sieben Jahre gibt es die Band um Sänger und Berufshedonist Richard Ashcroft schon, mit A Storm In Heaven (1993) und A Northern Soul (1995) bringt man es zu moderaten Erfolgen. Vor allem die Kritiker lieben den psychedelischen, kaskadierenden Rock der Musiker aus Manchester, 1993 tingeln sie mit einer damals unbekannten Band durch kleinere Clubs. Ihr Name: Oasis.

„Amerika hätte uns fast umgebracht“

Doch während die bald darauf abheben, kommen The Verve nicht so recht vom Fleck. Leben wie echte Rockstars tun die Mitglieder dennoch: 1994 sind The Verve erstmals in den USA unterwegs, reisen auch zum Lollapalooza. Die Tour wird zum Desaster: Am 11. Juli schüttet sich Ashcroft derart einen hinter die Binde, dass er fast wegen Dehydrierung das Zeitliche segnet, während Schlagzeuger Peter Salisbury ein Hotelzimmer in Kansas zerlegt. „Amerika begann als Abenteuer und hätte uns fast umgebracht“, so fasst Richard Ashcroft es mal recht ehrlich zusammen.

Schon 1995 löst Ashcroft die Band kurzzeitig auf, reformiert sie aber dann doch noch mal. Wahrscheinlich hat sein enger Kumpel Noel Gallagher bei einem gemeinsamen Trip nach New York City da ein Wörtchen mitzureden gehabt. The Verve werfen 1997 also noch mal alles in die Waagschale, geben der Sache mit dem Weltruhm eine letzte Chance – und nehmen ihr drittes Album Urban Hymns auf.

Die Rolling Stones öffnen die Tür zum Ruhm

Was damals niemand weiß: Bis Mai 1997 entsteht in Londons Olympic Studios eines der besten und wichtigsten Alben der englischen Rockgeschichte. Ein Klassiker des Britpop, eine sagenhaft gute, musikalische und eingängige Scheibe, die die psychedelischen Wurzeln der Band in einigen Stücken deutlich durchschimmern lässt, in anderen Songs einen neuen Zeitgeist heraufbeschwört.

Herzstück, Nukleus und Fundament des Albums ist sein Opener: Bittersweet Symphony ist die Hymne des Britpop, ein urenglisches, fabelhaftes Stück Musik, mit dem The Verve über Nacht unsterblich werden sollen. Inspiration fand Komponist Ashcroft bei der Orchesterversion des Rolling-Stones-Songs The Last Time vom Andrew Oldham Orchestra. Allen Klein, der Rechteinhaber, gibt das Sample nicht frei, am Ende müssen The Verve die Credits und Einnahmen des Songs abgeben. Allerdings nicht für immer.

Eine neue Hymne

Geschenkt. Als Bitter Sweet Symphony im Sommer 1997 in England einschlägt, kann sich dem Charme des Songs niemand entziehen. In ganz London erschallt der Song, aus Plattenläden, Autoradios, Boutiquen und Cafés. Cool Britannia hat eine neue Nationalhymne. Und es ist zur Abwechslung mal nicht das Werk von Oasis oder Blur.

Am 29. September 1997 folgt dann Urban Hymns. Und endlich klappt auch das mit dem Ruhm. The Verve gehen durch die Decke, sind die neuen Posterboys des Britpop, die hedonistischen Heilsbringer in einer Post-Oasis-Welt. Aus ihrem psychedelischen Fundament haben The Verve ein zeitloses Alternative-Rock-Manifest geschnitzt, das sich mit vielen Songs zwischen fünf und sieben Minuten Länge immer noch angenehm nonkonform, aber zugleich wunderbar eingängig und berauschend gibt. Über zehn Millionen Mal verkauft sich das Album weltweit, in England muss es sich nur knapp Oasis’ (What’s The Story) Morning Glory als „bestes britisches Album der letzten 30 Jahre“ geschlagen geben.

Insbesondere Bitter Sweet Symphony will einfach nicht aus der kollektiven Wahrnehmung verschwinden: Der Pomp And Circumstance-Klassiker wird in einer Autowerbung oder im Soundtrack von Eiskalte Engel eingesetzt, hat ein cooles, urbanes Musikvideo mitten aus London und wird quasi aus dem Stand zur Hymne einer ganzen Generation. Wenige andere Songs definieren eine Ära, ein Genre so sehr wie dieser hier. Da dürfte selbst Noel Gallagher sehr, sehr neidisch auf seinen mate gewesen sein.

Der Aufstieg und der Untergang

Im Verlauf des Jahres stößt Urban Hymns dann sogar noch Be Here Now von Oasis von der Nummer Eins der UK-Charts und erobert noch vor Jahresende die USA. Mit der zweiten Mega-Single The Drugs Don’t Work im Gepäck geht die Band auf Tour, räumt bei den Brit Awards zwei Preise ab und landet im März 1998 auf dem Cover des Rolling Stone.

Der Hype um The Verve ist da gerade mal ein halbes Jahr alt. Und wird der Band schon zu viel: Bassist Simon Jones bricht auf der Bühne zusammen, am 7. Juni 1998 prügeln sich Richard Ashcroft und Gitarrist Nick McGabe nach einer Show in Düsseldorf. Das Resultat: McGabe hat eine gebrochene Hand, Ashcroft einen ausgerenkten Kiefer. Der Gitarrist verlässt die Band, die Band macht erst mal mit Ersatz weiter, während sich die Gerüchte um ein Ende der Band mehren.

Eine weitere US-Tour wird zum Fiasko: Die Band steht neben sich, die Konzerte werden in kleinere Hallen verlegt, der Support-Act Massive Attack steigt aus. Am 29. August 1998 spielen The Verve ihren letzte Gig in Irland. Und lösen sich einige Monate offiziell auf. Die Sache mit dem Ruhm, sie war am Ende doch zu viel.

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Vor 25 Jahren veröffentlichen The Verve ihren internationalen Durchbruch “Urban Hymns” – darauf der Britpop-Übersong “Bittersweet Symphony”.

Die musikalische DNA von The Verve

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