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Popkultur

Ziggy Marley im Interview über seinen Vater Bob Marley: „Die Leute denken, er wäre perfekt gewesen“

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Foto: David Corio/Redferns/Getty Images

2020 wäre Bob Marley 75 Jahre alt geworden. Wir sprachen anlässlich des Jubiläums mit seinem Sohn Ziggy Marley, selbst mehrfacher Grammy-Preisträger, über seinen Vater.

 von Markus Brandstetter

#BobMarley75

#BobMarley75 – Unter diesem Motto und Hashtag gedenkt die Musikwelt in diesem Jahr dem 1981 verstorbenen Musiker. Hinter der überlebensgroßen Legende Bob Marley steckt vieles: Ein gläubiger Rastafari, ein politischer Mensch und Revolutionär, ein Politaktivist, ein grandioser Songschreiber und Musiker – und nicht zuletzt ein zwölffacher Familienvater. Viele von Marleys Kinder traten in seine Fußstapfen und wurden selbst Musiker – allen voran der 1968 geborene Ziggy Marley, der gemeinsam mit seinem Bruder Stephen und der Familienband The Melody Makers ab den 1980er-Jahren und später als Solokünstler große Erfolge feiern konnte. Im Telefoninterview sprach Ziggy Marley mit uns über den Privatmenschen und Vater Bob Marley.

Mr. Marley, war Ihnen als Kind schon bewusst, wie bekannt Ihr Vater ist?

Er war damals noch nicht die Legende, die er heute ist – zumindest in der Wahrnehmung der Menschen. Natürlich, die Leute hatten ihn schon damals wegen seiner Musik geliebt. Er konnte aber ganz normal in der Gegend herumlaufen. Es gab keine schreienden Fans, die ihn verfolgt hätten. Es war ein sehr einfaches Leben als Musiker, das er damals führte.

Also empfanden Sie seinen Status damals als normal?

Für uns war er damals einfach nicht so überlebensgroß, wie er das mit der Zeit wurde. Er war damals natürlich schon ein populärer Musiker, ein revolutionärer Musiker. Es war für uns vielmehr so, dass wir einen Revolutionär als Vater hatten – und weniger einen weltberühmten Musiker.

Wie war Bob Marley als Privatperson – und wie als Vater?

Nun, als Privatperson: Er liebte es, Fußball zu spielen. Er liebte es, zu lachen. Er trieb gerne Sport – und mochte es, Spiele zu spielen. Er hing gerne mit seinen Freunden ab. Als Vater war er diszipliniert und verlangte dasselbe von uns. Es war ihm wichtig, dass wir eine gute Ausbildung erhielten.

Sie sind seit langem selbst erfolgreich im Musikgeschäft und mehrfacher Grammy-Gewinner. Hat Ihr Vater Sie ermutigt, professioneller Musiker zu werden?

Nein, das nicht wirklich. Aber er hat uns als Kinder ins Studio mitgenommen und mit uns einen Song aufgenommen. Wir haben ihm oft bei der Arbeit zugesehen. Ich glaube, man kann aber schon sagen, dass unserer Familie die Musik im Blut lag.

Sie waren als Kind dabei, als Ihr Vater mit den Wailers im Studio arbeitete. Woran erinnern Sie sich dabei am meisten?

Wissen Sie, wir waren einfach Kinder, die im Studio rumhingen und Dinge taten, die Kinder eben so machen. So, wie das heute auch bei meinen Kindern der Fall ist, wenn sie im Studio dabei sind.

Sang Bob mit Ihnen?

Ja, manchmal, wenn er mit einer Gitarre im Raum saß und an Musik arbeitete, kamen wir rein, umzingelten ihn und dann sangen wir alle gemeinsam.

Würden Sie sagen, dass er ein strenger Vater war?

Nein, nicht auf eine negative Art und Weise. Er verlangte eben Disziplin von uns. Er wollte, dass wir Manieren haben, dass wir die Älteren respektieren. Aber das Wort „streng“ klingt so nach Züchtigung, das gab es niemals.

Die meisten Kinder rebellieren gegen ihre Eltern. Gab es das bei Ihnen auch?

Ja, es gab schon solche Momente – aber wir sahen das nicht als Rebellion. Es gab einen Moment, an den ich mich besonders erinnere. Er wollte, dass ich Dreadlocks habe so wie er. Und ich entgegnete, man könne auch in seinem Herzen Dreadlocks haben. Das hat ihn damals sehr aufgeregt. Er wollte, dass ich genauso bin wie er.

Hat er Politik und Religion mit Ihnen besprochen?

Nein. Wir haben ihm als Kinder zwar immer dabei zugehört, wie er mit anderen Leuten über diese Themen gesprochen hat. Mit uns hat er das aber nie diskutiert.

Wie glauben Sie, würde er die Welt heute beurteilen?

Da kann ich selbst nur mutmaßen. Ich denke, er wäre sehr verwirrt darüber, warum es heute immer noch nicht so ist, dass weiße und schwarze Menschen in Frieden und Liebe miteinander auskommen. Ich glaube, er würde diese Botschaft heute immer weitertragen – und er würde sich viel für wohltätige Zwecke einsetzen. Er war ein Mann, der Menschen sehr liebte. Ich denke, er würde heute vielen Menschen helfen.

Jetzt mal abgesehen von Reggae – mit welcher Musik sind Sie aufgewachsen?

Wir hörten Gospelmusik, aber auch US-amerikanische Musik wie The Jackson Five, Nat King Cole, James Brown, Sam Cooke. Oder Sachen wie Glen Campbell, Kenny Rogers – es gab da eine Menge verschiedener Musik.

Wurden Sie auch von Ihrer Mutter Rita Marley musikalisch geprägt?

Meine Mutter – und noch mehr meine Großtante – waren sogar sehr einflussreich. Sie müssen verstehen, mein Vater war ein sehr beschäftigter Mann, wir lebten die meiste Zeit nur mit meiner Mutter.

Haben Sie als Kind ihren Vater oft vermisst?

Ach, wir haben damals nicht viel darüber nachgedacht. Wir waren nicht sentimental. Das war eben unser Leben, wir kannten das gar nicht anders. Aber wenn er nach Jamaika zurückkam, dann haben wir viel Zeit mit ihm verbracht. Wenn er nicht auf Tour war, war er für uns da.

Bei all der Legendenbildung: Gibt es immer noch Missverständnisse oder falsche Vorstellungen von Bob Marley?

Die Leute denken, er wäre perfekt gewesen. Kein Mensch ist perfekt. Viele glauben außerdem, er sei Vegetarier gewesen – das war er nie.

Was würden Sie sagen ist das Wichtigste, das er Ihnen mit auf den Weg gegeben hat?

Da gibt es viele Dinge, aber das Wichtigste, was er uns mitgegeben hat ist, dass man Disziplin haben muss, hart arbeiten soll – und dass es wichtig ist, anderen Menschen zu helfen.

Sie sind lange im Musikgeschäft – ist es manchmal eine Bürde, der Sohn von Bob Marley zu sein?

Manchmal denke ich das, und oft empfinde ich das wiederum überhaupt nicht so. Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Bevor mir diese Frage zum ersten Mal gestellt wurde, hatte ich nie darüber nachgedacht. (lacht). Mich beeinträchtigt es nicht – vielleicht macht es mich sogar stärker. Ich möchte dann nur noch mehr ich selbst sein.

Haben Sie ein Lieblingsalbum?

Mein Lieblingsalbum ist Survival. Diese Platte kam raus, als ich in der Highschool war und sie gab mir eine Vorstellung von afrikanischer Identität, von Revolution, von einer ganz bestimmten Art zu denken.

Und Ihr Lieblingssong?

Redemption Song, ein sehr emotionales Lied.

Zeitsprung: Am 6.2.1945 wird Bob Marley, der König des Reggae, geboren.

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