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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.2.1945 wird Bob Marley, der König des Reggae, geboren.

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Bob Marley

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.2.1945.

von Peter Hesse und Christof Leim 

Bob Marley ist für den Reggae das, was Lemmy für die Rockmusik ist: eine Ikone, an der keiner vorbeikommt. Lest in unserem Geburtstagsrückblick, warum er auf BMWs stand, auf welcher Position er am besten Fußball spielte und natürlich von stilprägender Musik…

Hier könnt ihr euch viele Bob-Marley-Klassiker anhören:

Als Robert Nesta Marley wird er am 6. Februar 1945 in dem Dorf Nine Miles im karibischen Inselstaat Jamaika im Haus seines Großvaters geboren. Und schon hier beginnt der erste Mythos: Manche Zeitzeugen sagen, der König des Reggae sei erst am 6. April zur Welt gekommen, andere behaupten, er sei bereits 1944 in Rhoden Hall im Norden der Karibikinsel geboren worden. Auch seine Eltern könnten nicht unterschiedlicher sein: Die dunkelhäutige Mutter, Cedella Marley Booker, ist bei der Geburt gerade volljährig, der Vater, Norval Sinclair Marley, arbeitet als Hauptmann der britischen Armee und ist bereits 60 Jahre alt. Als die beiden heiraten, gleicht das einem Skandal, Captain Marley wird sogar unehrenhaft aus der Armee entlassen. Über seinen Vater äußert sich Bob Marley später kaum; vermutlich dauerte dessen Beziehung zu seiner Mutter nur kurz.

BMW steht für Bob Marley & The Wailers

Anfangs betreibt die Familie ein Kolonialwarengeschäft und kommt damit nur mühsam über die Runden. Im Alter von 16 Jahren bricht Bob die Schule ab, auf Wunsch seiner Mutter wird er Mechaniker. Doch auch die Arbeit in einer Fahrrad-Reparaturwerkstatt kann ihn nicht begeistern, stattdessen verwirklicht er seinen Traum, Musiker zu werden. Reggae gilt als Protestmusik in den Armenvierteln und Tagelöhner-Favelas von Jamaika. Von dieser Szene fühlt sich Marley magisch angezogen – und gründet zusammen mit Peter Tosh 1964 die erste Version von Bob Marley & The Wailers. Aus dem Bandkürzel „BMW“ folgert Marley die Konsequenz, zeitlebens nur Autos der bayrischen Motorenwerke zu fahren. Richtig: Viel Humor hatte Marley auch.

Zu seinen bekanntesten Songs zählen Buffalo Soldier, No Woman, No Cry, Could You Be Loved? – und der sogar von Johnny Cash und Joe Strummer (The Clash) im Duett gecoverte Redemption Song. Bob Marley gilt als erster Superstar der Dritten Welt, seine Alben schießen mit siebenstelligen Auflagenzahlen durch die Decke. Marley, der sich ausdrücklich von der restriktiven Politik in seiner Heimat Jamaika distanziert, steigt Mitte der Siebziger Jahre zum spirituellen Anführer der Rastafari-Bewegung auf. Er ist es, der die Popularität des Reggae wie eine Lokomotive anschiebt, gleichzeitig klingen die Eckdaten seines Lebens oftmals wie eine Mischung aus Fantasy-Geschichte und Märchen. Offiziell anerkannt hat Marley zwölf Kinder, sieben davon zeugte er während der Ehe mit seiner Frau Rita Marley. Kolportiert wird aber, dass Marley insgesamt 46-facher Vater sein soll…

Ein Sänger für die Freiheit

Besonders tragisch wird es im Dezember 1976 wenige Tage vor einem Friedenskonzert unter dem Banner „Smile Jamaica“. Mit diesem Festival will die Reggae-Community ein Zeichen gegen die politische Gewalt auf Jamaika setzen. Kurz dringen mehrere bewaffnete Gangster in das Haus von Bob Marley ein und schießen den Musiker sowie seine Frau und seinen Manager an. Der Hintergrund dieses Überfalls kann in der Folgezeit nie richtig aufgeklärt werden. Trotzdem Verletzungen an Brust und Arm kann Marley bei dem Konzert auftreten und spielt mit seiner Band ein 90-minütiges Set. Auf der Bühne verkündet er: „Ich singe nicht über Politik – ich singe über die Freiheit!“

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König Fußball

Neben der Musik begeistert sich Bob Marley für Fußball und spielt mit großer Freude selbst. Wenn er in London weilt, beispielsweise während der Studioaufnahmen zum Album Exodus im Frühjahr 1977, bolzt er sogar manchmal in kleinen Vereinen mit. Der Dreadlock-Träger gilt als trickreicher Mittelfeldspieler mit durchaus hohem Spielniveau, llerdings zieht er sich im Zuge eines PR-Spiels gegen eine Journalistenauswahl in Paris im Juni 1977 eine Fußverletzung zu, die er nicht richtig behandeln lässt, auch weil die laufende Europatour einen straffen Zeitplan vorlegt. Fußball bleibt aber immer gegenwärtig: Am 13. Juni 1980 zum Beispiel gastieren Bob Marley & The Wailers in Dortmund und spielen in der Westfalenhalle einen Gig, der vom WDR-Rockpalast aufgezeichnet wird.

Der Soundcheck wird an diesem Tag extra früh angesetzt, damit Marley beim gegenüberliegenden Westfalenstadion noch eine persönliche Führung in der Fußballstätte von Borussia Dortmund bekommt. Marley referiert bei diesen Gelegenheiten oft und gerne über das trickreiche Spiel mit dem runden Leder: „Mir gefällt am Fußball, dass man seiner Phantasie freien Lauf lassen kann. Für mich hat der Fußball seine Berechtigung in dem Gefühl von Freiheit und Kreativität, das er hervorruft. Keine Kraft der Welt könnte mich daran hindern, ein Spiel zu machen!“

Die teuflische Krankheit Krebs 

Im Herbst 1980 sollen die Marley-Musiker gemeinsam mit den Commodores und Lionel Richie durch die USA touren. Da bricht eine Hiobsbotschaft über den 35-Jährigen herein: Genau an der schlecht verheilten Stelle der Fußballverletzung wird ein Krebs-Melanom diagnostiziert. Die Tour startet trotzdem, doch nach zwei Auftritten im renommierten Madison Square Garden am 19. und 20. September bricht Marley beim Joggen zusammen. Die Metastasen haben sich weitergebildet, mittlerweile sind Leber, Lunge und sogar das Gehirn betroffen. Sein letztes Konzert spielt er am 23. September 1980 in Pittsburgh – dessen Mitschnitt später auch als Doppelalbum mit dem Titel Live Forever veröffentlicht wird.

Bob MarleyUS-amerikanische Ärzteteams stellen Marley eine düstere Prognose zum Status Quo seiner Krankheit aus, also wendet er sich in seiner Not an den Krebsspezialisten Dr. Josef Issels, der im bayerischen Rottach-Egern am Tegernsee die Ringberg-Klinik für hoffnungslose Krebsfälle betreibt – und die Hilfesuchenden hier mit einem vielversprechenden Therapiekonzept versorgt. Durch die Chemotherapie verliert Marley seine Dreadlocks, was für den bekennenden Rastafari eine große Katastrophe darstellt. Allerdings scheint die Behandlung zunächst positiv zu verlaufen. Im März 1981 stabilisiert sich Marleys Zustand zunächst, doch binnen weniger Wochen folgt ein dramatischer Einbruch. Am 8. Mai 1981 beschließt der König des Reggae, zum Sterben nach Jamaika heimzukehren. Er sollte es nicht mehr schaffen.

Trauerfeier auf den Straßen von Jamaika

Auf dem Rückweg in die Karibik kollabiert er bereits auf dem Flughafen in München-Riem. Nach einer Zwischenlandung in Miami am Morgen des 11. Mai ist er für einen Weiterflug zu schwach, also wird er in eine Klinik gebracht, wo er kurz vor Mittag Ortszeit verstirbt. Seine letzten Worte lauten: „Geld kann Leben nicht kaufen.“

Im Rahmen einer nationalen Trauerfeier wird Bob Marley in einem Sarg zusammen mit seiner roten Gibson, einem Marihuanazweig, einem Ring und einer Bibel in sein Heimatdorf Nine Miles gebracht und in einem Mausoleum beigesetzt. Hunderttausende nehmen auf den Straßen von Jamaika an dieser Trauerfeier teil. Auch wenn der König des Reggae vor vielen Jahren verstorben ist – seine Songs werden bis heute gespielt. Sein Werk ist im besten Sinne unsterblich, und daran erinnert auch sein heutiger Ehrentag. Rest in peace.

„Redemption Song“: Die Entstehungsgeschichte von Bob Marleys zeitloser Akustikhymne

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