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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.10.1960 erblickt Bob Mould von Hüsker Dü das Licht der Welt.

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Bob Mould 2012 auf der Bühne - Foto: Christie Goodwin/Redferns via Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.10.1960.

von Frank Thießies und Christof Leim

In einem mehr dem Punk zugeneigten Paralleluniversum hätten Hüsker Dü die lärmige Alternative zu R.E.M. und damit Superstars sein können. Aber auch jenseits solcher Gedankenspiele sind die Verdienste von Sänger, Gitarrist und Songschreiber Bob Mould für den Alternative Rock sowie die Genese des Grunge unbestreitbar, ob mit Hüsker Dü, Sugar oder als Solokünstler.

Hier könnt ihr das Album Blue Hearts von 2020 hören:

Am 16. Oktober 1960 in Malone im Staat New York geboren, zieht es den jungen Bob Mould im Studentenalter nach St. Paul, Minnesota. Dort macht der Ramones- und Sixties-Pop-Fan Ende der Siebziger die Bekanntschaft von Schlagzeuger/Sänger Grant Hart sowie Bassist Greg Norton. Gemeinsam gründen die drei die Band Hüsker Dü. (Hinter dem Namen steckt eine Anspielung auf ein in den USA seit den Fünfzigern verkauftes Memory-Brett-Spiel namens Hūsker Dū?.)

Hardcore-Punk und weicher Kern

Die Gruppe beginnt als Hardcore-Punk-Band und verfeinert ihren Stil über den Verlauf von sechs Alben, indem sie laute Gitarrenwände mit einem Feingespür für Melodien fusioniert. Und auch wenn Hüsker Dü zum Ende ihrer Karriere sogar bei einer der großen Plattenfirmen landen, bleibt dem Trio der kommerzielle Durchbruch verwehrt. Was nicht heißt, dass ihr musikalisches Genie verkannt wird: Im Zuge des aufkommenden Alternative Rock-Booms Anfang der Neunziger wird die Pionier-Stellung der Band von prominenten Bewunderern wie den Pixies oder Nirvana vehement unterstrichen. 

Dass Gitarrist, Sänger und Songschreiber Mould mit dem ebenfalls singenden und Schlagzeuger Hart in einer ewigen kreativen Konkurrenzbeziehung steht, ist ebenfalls kein Geheimnis. Harts Heroinsucht und Moulds Amphetaminkonsum tun schließlich ihr Übriges: Im Januar 1988 ist die Bandauflösung unausweichlich. 

Zuckerschock

Nach dem Ende von Hüsker Dü widmet sich Mould auf seinem Solodebüt Workbook (1989) zunächst feingliedrigen folkloristischen Tönen, bevor er auf Black Sheets Of Rain im Folgejahr wieder andere Saiten aufzieht und erneut härtere Noise-Wände errichtet. Zusammen mit dem Bassisten David Barbe und dem Schlagzeuger Malcolm Travis begibt sich der Sänger anschließend auf Powertrio-Pfade und ruft die Band Sugar ins Leben. 

Deren 1992er-Debüt Copper Blue fällt – im Jahre eins nach Nirvanas Nevermind und dem damit just angebrochenen Alternative-Rock-Zeitalter – auf fruchtbaren Boden und gerät für die Band zu einem größeren Erfolg. Doch jener ist nicht von langer Dauer. Schon dem Nachfolger wird weniger Aufmerksamkeit gewährt, womit File Under: Easy Listening das zweite und auch schon wieder letzte Sugar-Studioalbum wird. 

Herr der Ringer

Mould nimmt daraufhin erneut seine Karriere als Solokünstler auf, jedoch nicht ohne Ende der Neunziger noch einen ungewöhnlichen Job-Exkurs zu machen: Seine Verschnaufpause von der Musikindustrie nutzt der begeisterte Wrestling-Fan, um 1999 eine Anstellung als Drehbuchautor bei der Wrestling-Promotion Gesellschaft World Championship Wrestling (WCW) anzunehmen. „Das war ein harter Job”, kommentiert er in einem Interview 2008 seine kurze Tätigkeit als Dramaturg für Ringer-Geschichten und die richtigen Catcher-Phrasen. „Es war wie jeden Abend eine Broadway-Show zu schreiben, nur dass es eben keine Saisonpause gibt.“ 

Entsprechend konzentriert sich der Musiker Anfang des neuen Jahrtausends lieber wieder auf das Komponieren von Songs. Ein Umzug nach New York lässt Mould zum einen lockerer mit seiner seit den Neunzigern öffentlich gemachten Homosexualität umgehen. Zum anderen führt ihn der Tapetenwechsel stärker an elektronische Musik heran. Diese neuen Einflüsse verarbeitet er 2002 auf dem Album Modulate und auf dem unter dem Pseudonym LoudBomb veröffentlichten Album Long Playing Grooves

Zusammen mit Richard Morel bildet er darüber hinaus das DJ-Teams Blowoff. Ein Benefizkonzert für den Soul-Asylum-Bassisten Karl Mueller 2004 indes wird zum (leisen) Hoffnungsschimmer für alle Hüsker-Dü-Fans:  Während seines Auftritts bittet Mould den alten Weggefährten Grant Hart zu sich auf die Bühne und intoniert mit ihm zwei Songs ihrer ehemaligen Band. Es bleibt jedoch bei dieser einmaligen Aktion. Dem 2017 verstorbenen Hart gedenken Mould sowie Norton am 30. März 2019 bei einer Show zum 40-jährigen Jubiläum des ersten Hüsker Dü-Gigs allerdings noch einmal gebührend mit jeweils einem dargebotenem Stück aus Harts Feder.

Politische Wut

Zwischendurch schreibt Mould noch seine Memoiren und betitelt sie passend als See A Little Light: The Trail Of Rage And Melody. Zudem kann der umtriebige Musiker, der zuletzt für ein paar Jahre in Berlin wohnte und inzwischen in San Francisco residiert, auf 14 Soloalben zurückblicken, wobei die Blue Hearts von 2020 eine Protestplatte im klassischen Punk-Duktus darstellt. 

Für jemanden wie Bob Mould, der sich als homosexueller Heranwachsender in den USA der Achtziger bereits den Repressionen der Reagan-Ära ausgesetzt sah, muss das aktuelle politische Klima in seinem Heimatland jedenfalls wie ein dramatisches Déjà-vu anmuten. Grund genug für den Sechzigjährigen, seinem Ärger mit einem explosiven Gemisch aus Punk, Grunge und natürlich auch einer Portion Pop noch mal richtig Luft zu machen. (Fast) genauso wie damals. Wir gratulieren.

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