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Popkultur

Bombay Bicycle Club im Interview: „Wir wussten das alles gar nicht mehr zu schätzen“

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Bombay Bicycle Club
Foto: Josh Shinner

Die Mitglieder von Bombay Bicycle Club waren noch nicht einmal mit der Schule fertig, als sie ihre ersten Auftritte spielten. Der Indie-Rock der vier Jungs aus London begeisterte bald national und international, nach dem gefeierten Debütalbum I Had The Blues But I Shook Them Loose wurde jedes Release erfolgreicher, jede Tour größer. Und dann war Schluss.

von Christina Wenig

Nach einer umfangreichen Tournee zum 2014er Album So Long, See You Tomorrow und zehn Jahren als Band kündigte die mittlerweile recht ausgebrannte Band 2016 eine Pause auf unbestimmte Zeit an – die nun vorbei ist. Mit dem neuen Album Everything Else Has Gone Wrong melden sich Bombay Bicycle Club mit neuer Energie und einem neuen Selbstverständnis zurück. Sänger/Gitarrist Jack Steadman und Gitarrist Jamie MacColl sprachen mit uns über ihre dringend gebrauchte Auszeit, das Erwachsenwerden in einer Band und die Notwendigkeit von Optimismus.

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Bombay Bicycle Club
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Jack und Jamie, wie fühlt es sich an, fast sechs Jahre nach eurem letzten Album wieder hier zu sitzen und Interviews zu geben?

Jamie: Ich habe wirklich Spaß! Vor fünf Jahren hätten wir wahrscheinlich gedacht „Nicht schon wieder“, aber nun freuen wir uns, in Berlin, Paris oder wo auch immer sein zu können. Deswegen haben wir auch diese Pause eingelegt: Damit wir solche Erfahrungen nicht mehr als selbstverständlich ansehen.

Ihr hattet euren Fans offiziell ja lediglich eine Pause angekündigt, aber wie ihr kürzlich verraten habt, war die Band insgeheim quasi schon aufgelöst…

Jamie: Ja, wir haben all unsere Instrumente verkauft – und dann nicht mal zwei Monate später angefangen, über einen Neustart der Band zu sprechen.

Jack: Der zehnte Jahrestag unseres Debütalbums näherte sich und wir dachten darüber nach, aus diesem Anlass ein paar Shows zu spielen. Aber es fühlte sich komisch an, nur für diese Auftritte zurückzukommen – sowas machen nur alte Bands und wir sind ja noch verhältnismäßig jung. (lacht) Also entwickelte sich die Diskussion in Richtung neuer Musik. Das war alles noch sehr unsicher, weil wir natürlich nicht wussten, ob wir einfach so ein neues Album hinbekommen würden. Aber ich habe langsam wieder angefangen zu schreiben, was nach all dieser Zeit wirklich toll war. Nachdem Eat, Sleep, Wake dann vor etwa einem Jahr entstanden war, ging alles ganz schnell. Eins führte zum anderen.

Eure Jahre als Band waren bis zur Pause sehr intensiv: Vier Alben in nur fünf Jahren, ständiges Touren, alles wurde immer größer. Wie ging es euch, als ihr 2015 dann den Stecker gezogen habt?

Jack: Ich war total aufgeregt, etwas Neues zu machen. Wir haben alle neue Wege eingeschlagen. Ich habe ein Solo-Album mit Musik aufgenommen, die ich nie mit der Band hätte machen können, Jamie ist zur Uni gegangen…

Jamie: Ich kann mich noch erinnern, dass ich direkt am Tag nach unserem letzten großen Gig in London unfassbar krank wurde. Ich war einfach total erschöpft von dem Jahr, das wir hinter uns hatten. Das war alles sehr ungesund, weil wir so viel wie möglich in kürzester Zeit machen wollten. Sowas wollen wir jetzt vermeiden, denn das ist nicht besonders nachhaltig. Ich glaube, wir hatten damals alle nicht mehr wirklich Spaß an der ganzen Sache. Wie schon gesagt, wir wussten das alles gar nicht mehr zu schätzen.

Als Teil solch einer beschäftigten Band erwachsen zu werden, ist sicherlich nicht einfach. Seht ihr Everything Else Has Gone Wrong auch als Resultat eines persönlichen Reifungsprozesses?

Jack: Auf jeden Fall. Wir wussten gar nicht, wer wir außerhalb dieser Blase waren, in der wir gelebt haben. Das war ja nicht das echte Leben. Du gehst auf Tour und alle kümmern sich um dich, als wärst du ein Baby: Du kriegst gesagt, wann du wo sein musst und musst nicht wirklich nachdenken. Da fragt man sich schon, wie man sich in der echten Welt als normaler Mensch, ganz auf sich allein gestellt, schlagen würde.

Jamie: Ich hatte Schwierigkeiten damit, meine persönliche Identität von der Band abzukapseln. Ich war sehr davon definiert, ein Teil von Bombay Bicycle Club zu sein, was nicht sonderlich gesund ist. Viele unserer Songs handelten ja auch vom Teenager-Dasein, sodass ich mich irgendwann gefragt habe „Werde ich nun ewig in diesem Kreislauf gefangen sein, älter zu werden, aber immer noch die Songs zu singen, die wir mit 15 geschrieben haben?“ Das fühlte sich echt merkwürdig an. Außerdem ist es schwierig, Songs darüber zu schreiben, permanent auf Tour zu sein. Das ist ein Thema, mit dem sich 99,9 Prozent der Menschen überhaupt nicht identifizieren können. Eines der besten Ergebnisse unserer Pause ist also, dass Jack neue Songs schreiben konnte, die mehr zu unserem jetzigen Leben passen und zu denen man leichter eine Verbindung herstellen kann.

Man kann den Albumtitel leicht als Statement des Versagens lesen, tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall.

Jack: Genau, es soll optimistisch und hoffnungsvoll sein. Wenn man sonst nichts mehr hat, hat man immer noch die Musik. Das wäre mein letzter Zufluchtsort, wenn die Welt den Bach runtergeht. Aber auch auf einer weniger dramatischen Ebene: Wenn man einen schlechten Tag hat oder von dem aktuellen politischen Klima frustriert ist, kann man einfach nach Hause gehen, Kopfhörer aufsetzen und Musik hören. Es ist eine Form von Eskapismus.

Wo du das politische Klima schon ansprichst: Gerade gibt es nicht besonders viele hoffnungsvolle Alben. War es schwierig für dich, diese Mentalität beim Schreiben zu erhalten? Oder blendest du die Außenwelt einfach ganz aus?

Jack: Das tue ich wirklich, nicht nur gedanklich: Wir haben den Großteil des Albums in einer sehr abgeschiedenen, ruhigen Ecke des Landes mit Blick aufs Meer geschrieben – sehr stressfrei. Ich halt es für wichtig, einen Rückzugsort zu haben, an dem noch Freude herrscht.

Jamie: Gerade gibt es sehr viel Musik, die die aktuelle Politik-Landschaft kommentiert. Das ist natürlich wichtig, aber ich denke nicht, dass alle Musik das tun muss. Für mich hat auch solche Musik einen Wert, die eine Flucht aus der Realität ermöglicht und eine positive Message hat. Die Band Idles macht das zum Beispiel sehr gut: Das ist Protestmusik, der aber ein gewisser Optimismus zugrunde liegt. Wir wollen auf jeden Fall eine positive Einstellung gegenüber der Zukunft der Welt bewahren. Irgendjemand muss es ja tun. (lacht)

Wie hat es sich auf die Arbeiten am neuen Album ausgewirkt, mehrere Jahre Abstand zu euren bisherigen Releases zu haben?

Jack: Wenn so viel Zeit vergeht, verspürt man weniger Druck durch die Außenwelt. Hätten wir dieses Album direkt nach dem letzten geschrieben, wären wir viel angespannter gewesen, denn das war unser bis dato erfolgreichstes und wir hätten uns darüber den Kopf zerbrochen, ob das neue da mithalten kann. Über sowas sollte man beim Schreiben nie nachdenken. Wir hatten das Gefühl, wieder ganz neu von vorne anfangen zu können und alle Freiheiten zu haben, weswegen wir zum Beispiel mit einem Produzenten gearbeitet haben, der uns etwas aus unserer Komfortzone gedrängt hat.

Jamie: Ich sehe dieses Album fast schon als eine Art Reaktion auf seinen Vorgänger. So Long, See You Tomorrow war sehr massiv produziert, vielschichtig und so voller Ideen, dass es zeitweise schon fast zu viel wurde. Mittlerweile sind wir etwas entspannter und okay damit, dass nicht jeder Song mit einem Mega-Refrain endet oder so. Dadurch ist das Album vermutlich etwas simpler geworden. Neben der Tatsache, dass Jack jetzt mit Mr. Jukes ein neues Ventil hat, ist eine wichtige Veränderung natürlich auch, dass unser Bassist Ed erstmals ein paar Songs beigesteuert hat, nachdem er sein Solo-Projekt Toothless gestartet hat.

Euer Produzent war John Congleton, der von Blondie bis Marilyn Manson schon mit zahlreichen Mega-Stars gearbeitet hat. Anders als ihr hat er eine sehr intuitive Arbeitsweise: Ihr habt kürzlich verraten, dass er euch kaum Retakes erlaubt hat. Wie war es für euch, diese Kontrolle abzugeben?

Jack: Mir fiel das anfangs wirklich schwer, weil ich das genaue Gegenteil von ihm bin. Ich würde hundert Takes von einem Part einspielen, damit alles absolut perfekt ist. Aber ich bin froh, dass wir diese Erfahrung mit ihm gemacht haben, ich mag seine Arbeitsweise und habe viel gelernt. John zwingt dich dazu einzusehen, dass das Publikum vermutlich weitaus weniger auf Perfektionismus achtet als du selbst und man sich nicht wegen jeder Kleinigkeit den Kopf zerbrechen muss.

Jamie: Für Jack war es vermutlich einfach schon sehr entspannend, dieses Mal nicht selbst zu produzieren. Wir sind alle offener und selbstbewusster geworden. Ich persönlich bin mittlerweile nicht mehr allzu besorgt um meinen Beitrag zur Musik, weil ich ein Leben außerhalb der Band gefunden habe. Mein Selbstwert ist nicht mehr so abhängig von Bombay Bicycle Club.

Jamie, in einem Interview hast du verraten, dass im September nicht einmal die Hälfte der Songs fertig waren. Das heißt, dass dieses Album in einer sehr kurzen Zeitspanne entstanden ist.

Jamie: Ich habe meinen Master-Abschluss im Juli gemacht, im August habe ich geheiratet und erst danach haben wir wirklich mit den Aufnahmen angefangen. Wir haben elf Songs in zwölf Tagen eingespielt – dafür hätten wir früher zwölf Wochen gebraucht. John hat definitiv gut gegen unsere Zwangsneurose angekämpft, alles endlos zu diskutieren. Er meint nur „Letztendlich ist das echt nicht so wichtig“. (lacht) Man könnte sich von dieser Einstellung ein bisschen angegriffen fühlen, aber letztendlich ist sie gut, denn er hat verstanden, dass das eigene Leben nicht damit steht und fällt, wie ein Album ankommt.

Dieser kurze Abstand zwischen den Aufnahmen und der Veröffentlichung schafft auch eine gewisse Unmittelbarkeit, oder? Ihr müsst jetzt nicht noch monatelang auf den fertigen Songs sitzen.

Jack: Ja, diese Zwischenphase ist echt nervig, weil man einfach nur will, dass die Leute es endlich hören können.

Jamie: Unmittelbarkeit ist ein gutes Wort dafür, weil es das Gefühl dieses Albums widerspiegelt – eben weil es, anders als die Vorgänger, nicht so vielschichtig und detailversessen, sondern eher schlicht und emotional ist. Vielleicht hat sich der Arbeitsprozess also auf das Endergebnis ausgewirkt.

Macht ihr jetzt schon Pläne für eure Zukunft?

Jamie: Wir haben darüber noch gar nicht wirklich geredet, mal schauen. Mich würde es überraschen, wenn alles wieder so laufen würde wie früher – Album nach Album nach Album, ohne Pause. Dann würden wir glaube ich schnell wieder an den gleichen Punkt gelangen wie vor sechs Jahren. Ich denke, dass keiner von uns nur diese eine Sache für den Rest seines Lebens tun will. Jack wird verschiedene Arten von Musik machen, Ed wird mehr Solo-Sachen aufnehmen, Suren wird mit anderen Künstler*innen arbeiten und ich werde mich außerhalb der Musik beschäftigen. Das halte ich für gesund, weil es darauf hinausläuft, die eigene Identität nicht von Bombay Bicycle Club verschlingen zu lassen. Letztendlich ist das hoffentlich der nachhaltigere Weg, diese Band aufrechtzuerhalten.

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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