------------

Popkultur

Zehn Songs, die jeder Fan von Bon Jovi kennen muss

Published on

Foto: Skip Bolen/Getty Images

Happy Birthday, Jon Bon Jovi! Am 2. März 2020 wird der Rock-Beau 58 Jahre alt. Aus diesem Grund widmen wir uns heute zehn Songs seiner Band, um die man als Fan definitiv nicht umher kommt.

 von Markus Brandstetter

Urgestein des Rocks

Seit fast vier Jahrzehnten sind Bon Jovi nun schon im Geschäft. Auch wenn die Besetzung mittlerweile eine etwas andere ist als zu Zeiten von New Jersey, Keep The Faith & Co.: Bon Jovi sind immer noch auf den großen Bühnen der Welt zuhause. Am 15. Mai 2020 erscheint mit Bon Jovi 2020 das 20. Studioalbum der Band. Grund genug, sich wieder einmal quer durch das Oeuvre der Band zu hören und zehn besondere Stücke herauszupicken.


Jetzt in unserem Shop erhältlich:

Bon Jovi - 2020
Bon Jovi
2020
LP, CD

HIER BESTELLEN


Runaway (1981)

1981 veröffentlichten Bon Jovi mit Runaway ihre Debütsingle. Allerdings bestand die Band damals noch aus John und einer Reihe von Sessionmusikern. Am Bass: Ein gewisser Hugh MacDonald, der 1994 nach dem Rauswurf von Alec John Such den Bass bei den Rockern aus New Jersey übernehmen sollte. Auch beim Keyboarder des Stücks handelt es sich um einen bekannten Namen: Die Arbeit an den Tasten übernahm Roy Bittan, seines Zeichens Mitglied von Bruce Springsteens E Street Band. Aufgenommen wurde das Stück in den Power Station Studios in Manhattan, deren Mitbesitzer Jons Cousin Tony Bongiovi war und wo Jon arbeitete. Die Single wurde zu einem Radiohit in der New-York-Gegend – und so stellte Jon ein erstes Bon-Jovi-Lineup auf die Beine. Drei Jahre später eröffnete der Song das selbstbetitelte Debütalbum der Band.

You Give Love A Bad Name (1986)

Eigentlich hatte Songschreiber Desmond Child den Song, aus dem später You Give Love A Bad Name wurde, für Bonnie Tyler geschrieben. Diese veröffentlichte ihn 1983 unter dem Titel If You Were A Woman (And I Was A Man) auf ihrem Album Faster Than The Speed Of Light/Secret Dreams. Weil aus dem Song aber nicht der Hit wurde, den sich Child erhofft hatte, schrieb er das Stück gemeinsam mit Bon Jovi und Sambora um. Es wurde 1986 auf dem Longplayer Slippery When Wet veröffentlicht. Für Bon Jovi wurde das Stück zum Riesenerfolg: Mit You Give Love A Bad Name konnte die Band ihren ersten Spitzenplatz in den US-Charts feiern. 

Zum Vergleich das Stück If You Were A Woman (And I Was A Man) von Bonnie Tyler:

Livin’ On A Prayer (1986)

Der Erfolg von Slippery When Wet endete aber nicht mit You Give Love A Bad Name – denn als zweite Single veröffentlichten Bon Jovi ihren möglicherweise besten Song überhaupt. Livin’ On A Prayer wurde erneut vom Songwriting-Team Child/Bon Jovi/Sambora verfasst. Alles am Stück hat großen Wiedererkennungswert: Der Talkbox-Effekt von Richie Sambora, sein Gitarrensolo, die Strophen und allen voran der überdimensionale Chorus.

Wanted Dead Or Alive (1986/1987)

Dass Bon Jovi auch Akustik-Balladen mit Wild-West-Flair schreiben können, hat die Band mehrfach bewiesen. Als Paradestück hätte hier neben Wanted Dead Or Alive auch das Stück Blaze Of Glory herhalten können – dies ist allerdings ein Jon-Bon-Jovi-Solostück von dessen ersten Soloalbum und zählt deshalb nicht. Das zweite perfekte Beispiel für dieses Genre ist Wanted Dead Or Alive, die dritte Single von Slippery When Wet. „I’m a cowboy, on a steel horse I ride / And I’m wanted / dead or alive“, singt Bon Jovi. Dazu spielt Richie Sambora auf seiner zwölfsaitigen Ovation–Akustikgitarre, für das Solo greift er dann aber doch wieder zur Elektrischen (zumindest im Video ein Modell von Hamer).

Born To Be My Baby (1988)

1988 veröffentlichten Bon Jovi das Album New Jersey – und machten da weiter, wo sie zwei Jahre zuvor mit Slippery When Wet aufgehört hatten. Dabei warf das Album mehrere Top-1-Singles ab. Das Stück Born To Be My Baby zählte nicht dazu – der Song erreichte nur Platz drei der Billboard Charts. Geht es nach dem Produzenten Bruce Fairbairn, ist das von Bon Jovi gewählte Arrangement des Stücks daran schuld: „Auch Born To Be My Baby  hätte ein Nummer-1-Hit werden können. Der Song war eigentlich gedacht als ein etwas ruhigerer Folk-Rock-Titel, eine Hymne im Stil von Bruce Springsteen. Aber die Jungs haben das Tempo viel zu schnell genommen und einen Kracher wie Livin’ On A Prayer daraus gemacht. Damit war ich absolut nicht einverstanden“, zitierte „SWR3“ den Produzenten vor einigen Jahren. Trotzdem ist Born To Be My Baby ein wichtiges Bon-Jovi-Stück, das auch von der Thematik und vom Ethos Parallelen zu Livin’ On A Prayer besitzt: „Rainy night and we worked all day We both got jobs ’cause there’s bills to pay / We got something they can’t take away / Our love, our lives“, heißt es in der ersten Strophe – ehe Bon Jovi zum großen Refrain ansetzen.

Bed Of Roses (1992/1993)

Nach New Jersey veröffentlichten Bon Jovi einige Jahre keinen Longplayer. In der Zwischenzeit verfolgten Jon Bon Jovi und Richie Sambora Solokarrieren – 1992 war es dann aber doch wieder soweit. Mit dem Longplayer Keep The Faith meldete sich die Band zurück. Der Hairspray-Rock war nun auch optisch gewichen – denn Bon Jovi zeigte sich erstmals ohne seine charakteristische Mähne der frühen Tage. Hier zeigten Bon Jovi Mut zur Ballade – und zum ganz großen Pathos: Bed Of Roses ist ein epochaler Schmachtfetzen, eine nahezu perfekte Ballade, die 1993 als Single veröffentlicht wurde.

I’ll Sleep When I’m Dead (1992)

Auf Keep The Faith ging es aber nicht nur balladesk zu – denn auch wenn das Rock-Element etwas in den Hintergrund trat, war es durchaus vorhanden. Ein Beweis dafür ist das eingängige I’ll Sleep When I’m Dead – für das Bon Jovi erneut mit Desmond Child zusammenarbeitete.

Always (1994)

„This Romeo is bleeding / But you can’t see his blood“: Auf ihrem Best-Of-Album Cross Road zeigten Bon Jovi mit Always eine bis dahin unveröffentlichte Powerballade im Geiste von Bed Of Roses. Den Song hatte Jon Bon Jovi eigentlich für den Soundtrack des Films Romeo Is Bleeding geschrieben – das Angebot dann aber doch zurückgezogen, weil ihm der Film bei einem Screening nicht gefallen hatte. Beinahe wäre der Song in Vergessenheit geraten – hätte ihn der legendäre A&R John Kalodner nicht wiedergefunden und damit Bon Jovi einen weiteren Charterfolg beschert.

Someday I’ll Be Saturday Night (1994)

Auch das zweite neue Stück von Cross Road ist bemerkenswert. Es handelt von prekären Lebenssituationen, große Träumen. Diesmal heißen die Hauptcharaktere Jim und Billie-Jean – und haben es nicht leicht: Er hat keinen Job und schläft in seinem Auto, sie wurde von ihrem Vater misshandelt und arbeitet auf der Straße: „My name is Billie-Jean, my love was bought and sold / I’m only sixteen, I feel a hundred years old / My foster daddy went, took my innocence away / The street life ain’t much better, but at least I get paid.” Ganz schön starker Tobak für eine salonfähige Akustik-Ballade – die trotz allem Optimismus und den Willen zum Aufbruch versprüht: „Hey, man I’m alive I’m takin’ each day and night at a time / Yeah I’m down, but I know I’ll get by / Hey hey hey hey, man gotta live my life / I’m gonna pick up all the pieces and what’s left of my pride / I’m feelin’ like a Monday, but someday I’ll be Saturday night”.

It’s My Life (2000)

Mit dem Song It’s My Life starteten Bon Jovi gleich mit einem großen Hit ins neue Jahrtausend. Der Beginn erinnert mit seiner düsteren Stimmung und Richie Samboras Talkbox einmal mehr an Livin’ On A Prayer – und auch der Refrain ist imposant. Für It’s My Life holte sich die Band Verstärkung von einem der erfolgreichsten Songschreiber der letzten Jahrzehnte – Max Martin kennt man auch von seinen Arbeiten mit Britney Spears, Pink, Katy Perry sowie Backstreet Boys und *NSYNC. Man kann It’s My Life viel vorwerfen – es platt oder allzu konstruiert nennen, aber eines ist das Stück auf alle Fälle: eines der eingängigsten Bon-Jovi-Stücke überhaupt.

Aus dem Stand legendär: Zehn der besten Debüts aller Zeiten

Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

Published on

Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 9.8.1994 lassen Machine Head ihr Debüt „Burn My Eyes“ los.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.8.1994.

von Christof Leim

Ein wuchtiger Einstand: Mit ihrem Debüt Burn My Eyes legen Machine Head am 9. August 1994 eine Groove-Metal-Granate hin, die der harten Musik der Neunziger mit fettesten Riffs und quietschenden Obertönen einen Stempel aufdrückt. Dies ist die Geschichte eines Metal-Klassikers.

Hier könnt ihr euch das Brett geben:

Blicken wir zurück ins Jahr 1994: Klassischer Metal befindet sich schon ein Weilchen auf dem Rückzug, der haarige Hard Rock sowieso. Grunge und Crossover sind mit Macht über die Welt der Krachmusik hereingebrochen, die Geschmäcker haben sich geändert. Thrash Metal bewegt sich in Richtung Underground (abgesehen von Metallica) oder ist so groß geworden, dass stilistische Strömungen keine Rolle mehr spielen (vor allem Metallica). Metal insgesamt wird als Genre „kleiner“ und auch extremer, denn Schwarzmetall und Todesblei gewinnen an Zulauf. Rap-Metal-Bands wie Body Count (Debüt März 1992), Rage Against The Machine (Debüt November 1992) sowie Clawfinger (1993) oder Stuck Mojo (1995) und auch Nu-Metaller wie Korn (1994) setzen ebenfalls deutliche Akzente. 

Ein Bindeglied zwischen dem „alten“, klassischen Geballer (ie. Thrash) und der neuen Zeit heißt: Groove. Diesbezüglich haben Pantera schon 1990 mit Cowboys From Hell und vor allem 1992 mit Vulgar Display Of Power gezeigt, wo der Barthel den Mosh holt. Ganz vorne dabei in dieser Welle schwimmt ab 1994 eine kalifornische Band namens Machine Head mit ihrem brachialen Debüt Burn My Eyes. Damals kommt kein europäischer Luftgitarrist in der Disko ohne das obertonquietschende Riffbrett Davidian aus.

The New Bad Kids On The Metal Block: Machine Head 1994 – Pic: Jesse Fischer/Promo

Machine Head entstehen bereits 1991, genauer am 12. Oktober: Da spielen Metallica in Oakland und inspirieren die Kumpels Robb Flynn und Adam Duce, mit einer eigenen Band richtig durchzustarten. Musikalischer Neuling ist der Gitarrist und Sänger Flynn nicht: Bereits als Schüler spielt er bei den Bay-Area-Thrashern Forbidden (als die noch Forbidden Evil hießen) und schreibt sogar ein paar Songs für deren Debüt, etwa das legendäre Chalice Of Blood. Bevor die Platte rauskommt, zieht der Mann aber schon weiter zu Vio-Lence. Da spielt sein zukünftiger Machine-Head-Kollege Phil Demmel. (Ja, Thrash Metal ist ein Dorf.) Als die mit einer lokalen Gang aneinandergeraten (denn Oakland ist eben kein Dorf), verlässt Flynn die Truppe wieder und muss sich sogar eine Weile verstecken.

Metallica & Gang-Kriminalität geben die Initialzündung: Machine-Head-Boss Robb Flynn – Pic: Mick Hutson/Redferns

Den Namen Machine Head für seine neue Band findet Flynn vor allem „cool“, mit dem gleichnamigen Deep-Purple-Album hat seine Wahl nichts zu tun. Adam Duce spielt den Bass, als Leadgitarrist wird Logan Mader engagiert, ein Herr namens Tony Costanza trommelt. Im Schlafzimmer eines Kumpels entsteht ein Demo, das der Band einen Plattenvertrag mit Roadrunner Records beschert. So schnell kann’s gehen. Die Aufnahmen passieren im kalifornischen Berkeley, doch schon nach kurzer Zeit verlässt Costanza die Band und wird durch Chris Kontos ersetzt. Nebenan spielen gerade Rancid Let’s Go ein, Green Day Dookie und Tesla Bust A Nut. Mit ersteren hängen unsere Helden regelmäßig rum, letzteren klauen sie ständig die Süßigkeiten.

Musikalisch bieten Machine Head vor allem auf „Maximum Fett“ getrimmten Metal mit viel Groove – runtergestimmt, breit, stark, wuchtig. Vor allem aber können die vier Musiker nicht nur rüde rumpeln, sondern spielen arschtight und tricksen so konsequent mit natürlichen Obertönen (Flageoletts) herum, dass diese zu ihrem Markenzeichen werden. Als Einfluss steckt hier viel kalifornischer Thrash drin (Metallica, Exodus, Slayer), großzügig angereichert mit punkigem Geboller der Marke Suicidal Tendencies, Biohazard oder Cro-Mags, dazu ein bisschen Industrial und eben Groove satt. Flynns gebellte Vocals beziehen viel Inspiration vom Hardcore, rhythmisch sogar ein bisschen vom Hip-Hop, was 1994 im Metal aber „erlaubt“ und nicht so ungewöhnlich ist. Diese Mischung klingt schon sehr „bad ass“, auch und insbesondere textlich, was ziemlich genau das Leben widerspiegelt, dass die Brüder damals führen – Drogen, Gewalt, Gangs, der ganze Quatsch. Die lyrische Sozialkritik fällt deutlich aus.

Los geht die Sause mit Davidian, der ersten Single und dem bis heute bekanntesten Song der Band mit dem herrlich brüllbaren Chorus „Let freedom ring with a shotgun blast!“ Textlich geht es um die Belagerung der Branch Davidians-Sekte in Waco, Texas, bei der 82 Menschen ums Leben kamen. Old bietet ebenfalls ein unverschämt grooviges Brutalo-Riff, zu dem man (wir sind fast sicher) fahrende Autos umtreten kann. Wir empfehlen als Beleg den Konzertmitschnitt von Hellalive (2003). Old wurde als zweite Single auserwählt und verschaffte der Band einen 43. Platz in den britischen Charts. 

Seine ablehnende Haltung gegenüber Religionen beschreit der Frontmann in Death Church, dem ersten Song, der für Burn My Eyes fertiggestellt und nach eigenen Aussagen massiv vom Album Street Cleaner der Industrial-Brechstangen Godflesh beeinflusst wurde. I’m Your God Now thematisiert die Macht der Drogen, was inhaltlich nicht aus der Luft gegriffen ist: Die Vertragsunterzeichnung am 10. Oktober 1993 feierte Robb Flynn mit Heroin, was er nur knapp überlebte. Das kurze Real Eyes, Realize, Real Lies bleibt weitestgehend ohne Gesang, wir hören aber Nachrichtenschnipsel über die Los Angeles Riots von 1992. Weitere Songs heißen A Thousand Lies, None But My Own, The Rage To Overcome und Block – alles garantiert kein Kuschelrock.

Logan Mader und Robb Flynn – Pic: Mick Hutson/Redferns

Das kommt an und wirbelt wie ein ziemlich brutaler, aber frischer Wind durch die Metal-Welt: Burn My Eyes schafft Platz 25 in Großbritannien, 35 in Deutschland und Top 50 in einigen anderen Ländern; auch in Australien rennt die Band offene Türen ein. Das Rock Hard-Magazin nennt Flynn den „König von Europa“, in Nordamerika allerdings geht erst viel später wirklich etwas. 400.000 Mal wird die Platte in die Läden gestellt und erweist sich als erfolgreichstes Debüt in der Geschichte von Roadrunner, zumindest bis 1999 der (offizielle) Slipknot-Erstling erscheint.

Machine Head touren daraufhin wie bescheuert und bestreiten etwa 1994 das Vorprogramm für ihre Helden Slayer in den USA und Europa. Als sie im nächsten Jahr auf den alten Kontinent zurückkehren, füllen sie die gleichen Hallen bereits als Headliner. Eine Konzertreise in den USA mit Stuck Mojo hingegen erhält wegen maximal dreistelliger Zuschauerzahlen den Spitznamen „Disastour“. Auch den europäischen Festivalzyklus bespielt das Quartett ausführlich, doch Chris Kontos will nicht mit, wird vorübergehend durch Walter Ryan ersetzt und fliegt wenig später raus. Für ihn kommt Dave McClain von Sacred Reich. 

Nach dem Tourzyklus zu Burn My Eyes, der sich über mehrere Jahre erstreckt, machen sich Machine Head an die Arbeit an den Nachfolger The More Things Change (1997). Auf den folgenden beiden Alben (The Burning Red, 1999 und Supercharger, 2001) biegen die Herren dann stilistisch mal hierhin, mal dahin ab und bringen Rap-Vocals, Nu-Metal-Riffs und komische Frisuren ins Spiel, ordentlich auf die Zwölf gibt es immer. Erst Through The Ashes Of Empires stellt den Kurs 2003 wieder auf Metal. The Blackening von 2009 wird sogar als das Master Of Puppets der Neuzeit bezeichnet, aber das sind alles andere Geschichten.

Zum 25. Jubiläum des Albums schließlich kommt es zu einer Dreiviertel-Reunion des Burn My Eyes-Lineups. Man könnte sagen, dass Bandchef Robb Flynn die Ungunst der Stunde ergreift, denn im September 2018 steigen Drummer McClain und Leadgitarrist Phil Demmel (seit 2003 dabei) aus, Bassist Adam Duce war schon 2013 gefeuert worden. Flynn und Duces Nachfolger Jared McEachern kündigen an, den Geburtstag mit einer Tour zu feiern, bei der die Scheibe in voller Länge gespielt werden soll. Mit dabei: Logan Mader und Chris Kontos. 

Machine Head gehören heutzutage zu den großen Bands im Metal, ordentlich etabliert in der zweiten Reihe hinter den Altvorderen Metallica, Iron Maiden, Slayer et al. Man kann sie ansehen als eine der Kapellen, die den Metal der Achtziger, vor allem den Thrash, in die Neunziger und Neuzeit überführt haben. Das liegt vor allem an Burn My Eyes, mit dem Machine Head schon beim ersten Versuch deutliche Spuren hinterlassen können – und headbangenden Gitarristen weltweit ein paar coole Tricks nähergebracht haben. 

10 Thrash-Metal-Empfehlungen für den Einstieg

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 8.8.2004 ist bei der Dave Matthews Band die K**ke am Dampfen.

Published on

WMG

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.8.2004.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Sommer 2004 tourt die Dave Matthews Band durch die USA. Als die Gruppe in Chicago gastiert, schicken die Musiker ihren Fahrer Stefan Wohl alleine Richtung Hotel. Der kommt auf die Idee, das Busklo über dem Chicago River zu entleeren. Nur fährt unter der Brücke gerade ein Ausflugsschiff…

Hier könnt ihr euch Busted Stuff von der Dave Matthews Band anhören: 

Die Polizei von Chicago staunt nicht schlecht, als sie es am 8. August 2004 mit dem Tourbus der Dave Matthews Band zu tun bekommt. Schlagen sich die Gesetzeshüter im Bezug auf Rockbands üblicherweise mit den typischen „Berufskrankheiten“ wie Drogendelikten oder leichter Körperverletzung herum, hat sich der Fahrer der amerikanischen Jam-Rocker an jenem Tag einen ganz besonderen Fauxpas geleistet, der mehr als 100 Leuten einen echt beschissenen Tag beschert. Leider im Wortsinn… 

Zur Tatzeit befinden sich Dave Matthews und seine Musiker nicht im Bus, Fahrer Stefan Wohl ist alleine unterwegs. Als er sich dazu entscheidet, das Busklo über dem Fluss zu leeren, hat er nicht im Blick, dass gerade das Ausflugsschiff Chicago’s Little Lady unter der Kinzie Street Bridge entlangfährt. Mit voller Wucht erwischt die Ladung die über 100 Touristen.

Für die Betroffenen gibt es auf dem engen Gefährt keine Möglichkeit, dem Sturzbach aus 400 Kilo Fäkalien auszuweichen. Später beschreiben die Passagiere die Masse als „Regen aus faulig riechendem, braungelbem Schlamm“. Als Folge erkranken einige von ihnen, andere müssen mindestens ihre Kleidung entsorgen. „Keiner der Touristen leidet an irgendwelchen Folgeschäden“, stellt Staatsanwalt Robert Egan 2005 im Tribune klar.

Dave Matthews selbst zeigt sich umgehend engagiert und spendet jeweils 50.000 US-Dollar an die Friends Of The Chicago River und den Chicago Park District. „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen, um all unsere Fragen bezüglich des Zwischenfalls zu beantworten“, erklärt die Band in einem Statement. „Wir möchten jetzt nur, dass der Heilungsprozess beginnen kann.“

Fahrer Stefan Wohl streitet seine Tat zunächst ab. Erst als er mit den Aufnahme einer Überwachungskamera konfrontiert wird, räumt er ein, die Ladung von der Brücke abgeworfen zu haben. Anschließend wird er zu 18 Monaten Bewährung verurteilt, muss 150 Sozialstunden leisten und eine Strafe von 10.000 US-Dollar zahlen. Die Stadt behält den Vorfall als „Poopgate“ in Erinnerung. 

Zeitsprung: Am 4.6.1997 treibt der Leichnam von Jeff Buckley im Mississippi.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]