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Popkultur

So wirkt sich das Coronavirus auf die Live-Branche aus

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Konzertpublikum
Foto: Getty Images

KISS, SXSW, Pearl Jam, Guns N’Roses, Coachella: Tourneen und Festivals fallen derzeit wie die Fliegen. Dennoch: Was jetzt besonders angebracht ist, sind Besonnenheit und Empathie. Nicht uns Musikfans trifft diese Krise. Sondern vor allem Bands und Veranstalter*innen.

von Björn Springorum

Wir sind weder Ärzt*innen noch Wissenschaftler*innen und schon gar keine Virolog*innen. Also überlassen wir professionelle Einschätzungen und Szenarien lieber denen, die wirklich etwas davon verstehen. Wir sind aber auch keine Fatalist*innen, also sparen wir uns auch übertriebene Panik. Dennoch bemerken natürlich auch wir, wie die Auswirkungen des Virus immer weiter um sich greifen. Vor allem auf dem Gebiet, in dem wir uns am besten auskennen: der Musik.

Seit Tagen und Wochen erreichen uns Meldungen über abgesagte Konzerte und Tourneen. Kurzer Abriss: KISS sagen ihre „Meet & Greets“ während der Abschiedstournee ab, das Hipster-Paradies Coachella wird verschoben, SXSW gar ganz abgesagt, auch Pearl Jam streichen ihre Tour komplett. Es ist davon auszugehen, dass jetzt täglich einige weitere folgen werden – insbesondere jetzt, da auch in einigen deutschen Städten alle Veranstaltungen ab 1000 Besucher*innen abgesagt werden müssen.

Es trifft die kleinen Veranstalter*innen

Vorverkaufsstellen und Ticketanbieter meldeten schon vor einigen Tagen einen Einbruch beim Verkauf von Konzertkarten. Kein Wunder, wenn man sich anschaut, was gerade in der Bundesliga passiert. Da werden wohl schon sehr bald sämtliche Partien als Geisterspiele ausgetragen. Klar, das ist auf dem Musiksektor relativ sinnbefreit. Was haben Iron Maiden schon davon, wenn sie vor einem leeren Stadion spielen?

Das ist natürlich ärgerlich für all diejenigen, die bereits Tickets gekauft und sich auf ein Konzert gefreut haben. Hier ist jedoch ein wenig Empathie gefragt, denn vor allem ist diese Situation kritisch für Veranstalter*innen, Booker*innen und Promoter*innen. Die haben für Festivals und Tourneen bereits ordentlich in die Tasche gegriffen, um Marketing, Plakatierung und sonstiges zu finanzieren. Und drohen nun, auf den Kosten sitzenzubleiben.

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Dasselbe gilt für Bands, die nicht unbedingt die Größenordnung Metallica haben. Die meisten von ihnen können nur von ihrer Musik leben, weil sie oft und regelmäßig auf Tournee gehen. Abgesagte Touren sind für sie dasselbe wie wenn uns die Chefin mitteilt, wir müssten auf die nächsten paar Monatsgehälter erst mal verzichten. Doof nur, dass wir gerade eine Wohnung gekauft haben. Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft formuliert es sogar noch drastischer: Sollten Veranstaltungen über mehrere Wochen hinweg abgesagt werden, rechnet man mit dem Kollaps vor allem der kleinen und unabhängigen Veranstalter*innen. Die Margen seien einfach zu klein, um so etwas zu überstehen.

Einfach mal ein Live-Album hören

In Hamburg, Berlin und München könnte das schon bald passierem: Alles ab 1000 Besucher*innen ist bis auf Weiteres abgesagt. Das heißt aber auch, dass Konzertbesucher*innen, die schon im Besitz eines Tickets sind, Anspruch auf Erstattung haben. Sofern die Veranstaltung nicht verlegt wird. Das sollten wir ohne Murren hinnehmen. Denn auch wenn wir weit davon entfernt sind, in blanke Panik zu verfallen und Toilettenpapier zu horten als stünde uns der Durchfall des Jahrtausends bevor, so ist die Absage größerer Events sinnvoll und wichtig.

Nicht unbedingt für die Jungen, die Gesunden. Sondern für alle die, die es nicht sind. Kurzes Gedankenspiel dazu: Bei strömendem Regen würde sich doch auch niemand in den Biergarten setzen, nur weil Juli ist und er eigentlich geöffnet sein müsste. Ein wenig mehr reflektieren, ein wenig mehr an seine Mitmenschen denken, ist im Grunde nie verkehrt. Jetzt ist es sogar noch ein bisschen wichtiger. Zusammen übersteht man so etwas immer besser – und kann mit Rückkehr der Normalität vielleicht endlich mal wieder so richtig wertschätzen, welch ein Luxus es ist, so viele verschiedene Konzerte besuchen zu können. Und bis es so weit ist: Einfach mal wieder eine alte Liveplatte rauskramen und zuhause genießen.

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