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Popkultur

Der Boss schwitzt nicht: Das erste Mal mit Bruce Springsteen (Live in Berlin)

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Quelle, Bild: Screenshot YouTube

Am 19. Juni machten Bruce Springsteen und seine E Street Band auf ihrer The River-Welttournee Halt in Berlin. Unser nicht mehr ganz so junger Autor beschreibt sein erstes Springsteen-Konzert und wie es sich anfühlt, den Boss so langsam zu verstehen.


Wir haben die Setlist des Bruce Springsteen Konzerts Song für Song als Playlist nachgebaut – jetzt hier anhören, während du den Artikel liest:


 

„Tja, irgendwann landen sie alle beim Boss“, sagte mir vor kurzem ein Kollege. Ohne zu zögern hatte ich hochpreisige Karten für Bruce Springsteen im Olympiastadion Berlin gekauft. Warum, das war mir auch nicht ganz klar. Und wie musste ich den Kommentar meines Kollegen verstehen? War das ein Todesurteil für meinen Musikgeschmack und meine Jugend? Oder ist Bruce Springsteen tatsächlich etwas, das man erst irgendwann verstehen kann? Eine Sache der Erfahrung?

Gestern war es so weit. Ich pilgerte mit zehntausenden Menschen zum Boss ins Stadion und es sollte ein grandioser Abend werden. Alle Erwartungen, die ich niemals hatte, wurden erfüllt. In den letzten Tagen habe ich oft The River gehört, das Album aus dem Jahr 1980, dem Bruce Springsteen mit seiner aktuellen Tour die Ehre erweist. Es gilt oft als seine beste Platte – ein Doppelalbum, das alle Facetten dieser überlebensgroßen Rock-Ikone in 20 Songs zusammenbringt. Die lauten und die leisen Momente, die jubelnden und die nachdenklichen, klassisches Rock&Roll-Material, Seeleninnenleben und Geschichten aus Springsteens Amerika. Über 30 Jahre, aber wie Springsteen selbst schwebt das alles über der Zeitrechnung. Der Inbegriff eines Klassikers.


 Bruce Springsteen eröffnet das Konzert mit ‘Adam Raised A Cain’:


 

The River war das erste Springsteen-Album, das bei mir gezündet hat vor einigen Jahren. Ein erster Versuch mit Born To Run vor etwa 10 Jahren ging in die Hose. Dieser Springsteen-Klassiker war mir zu klassisch. Alles zu langweilig, zu gleich, zu viel Saxophon-Piano-Rock fürs Radio. Aber so ist der Boss eben, heute weiß ich das. Die Songs auf The River waren aber der passende Schlüssel, um diesen Typen interessant zu finden. Natürlich hätte ich gerne den Springsteen von damals gesehen. Diesen smarten, melancholischen Typen auf dem The River-Cover, oder den Burschen, der auf dem ikonischen Born In The USA mit Jeans und weißem T-Shirt wie Coca-Cola-Boy und Marlboro-Man in Personalunion wirkt. Popkultur-Sehnsüchte. Aber ist nicht. Bruce Springsteen ist 67 Jahre alt und sieht natürlich heute anders aus. Man muss ja froh sein, dass der Herr in diesem Alter überhaupt noch eine Welttournee stemmen kann. Ich bin also eingestellt darauf, dass dieser Abend mit meinen unrealistischen Erwartungen bricht. Aber der echte Bruce Springsteen, der mich vielleicht gar nicht so sehr interessiert wie seine junge Variante, wird das alles regeln: Alter und Jahre, das sind doch nur ein paar Zahlen.

Noch nie war ich auf einem Springsteen-Konzert, noch nie auf einem Stadion-Gig dieser Größe. Ich bin jetzt 30. Guter Zeitpunkt, oder? Bruce Springsteen ist tatsächlich eine Sache der älteren Generationen, um es mal vorsichtig zu sagen. Das soll kein Qualitätsurteil sein, aber gibt es wirklich viele Leute Anfang 20, die den Boss hören? Nicht dass ich wüsste. Man kann es ihnen nicht verübeln, immerhin gibt es doch so viel neue und interessante Musik zu hören. Da bleibt nicht viel Zeit übrig, nicht mal für den Boss. Der Weg zum Olympiastadion macht das deutlich: Eine Teenie-Veranstaltung wird das garantiert nicht. Aber es sieht nach einem grundsympathischen Publikum aus. Es könnte auch ein Fußball-Spiel stattfinden, so wie die buntgemischte Menge in ihren Fan-Shirts Richtung Stadion wandern, entspannt und gutgelaunt und aufgeregt. Es ist bestimmt nicht ihr erstes Mal mit dem Boss, so wie für mich. Irgendwie fühle ich mich wohl, aber das liegt auch an der Flasche Sekt, die jetzt leer ist. Eine gute Mischung.



Wenige Minuten nach 19 Uhr geht es los in der sonnigen Arena. Die vielen Zuschauer auf den Sitzplätzen der Tribünen wirken ein bisschen bedauerlich, denn die Distanzen sind schon gewaltig. Ohne die Videoleinwände wäre es schwierig, die Mitglieder der E-Street-Band und ihren Anführer einzeln auszumachen. Während der ersten Songs herrscht keine schlechte Laune, doch auf den Rängen sieht es eher verhalten aus. Es braucht noch einen der großen Songs, um alle Leute auf Betriebstemperatur zu bringen. Hungry Heart übernimmt das, nachdem der Boss schon elf Nummern abgeliefert hat. Am Ende werden es dreimal so viele sein. Spätestens jetzt wird dieser Abend ein einziges Fest, bei dem jeder ohne Hemmungen mitmacht. Hingabe, überall. Woran es auf jeden Fall nicht mangelt, ist Lautstärke. Im Nachhinein wird, wie eigentlich bei jedem Konzert, der Sound bemängelt werden, die Nuancen der Band seien in diesem lauten Breitwand-Rock-Brei völlig untergegangen. Damit haben die erfahrenen Fans sicher recht, aber mir sind solche Feinheiten entgangen: Ich war gebannt von diesem perfekt ablaufenden Musikspektakel, von den glücklich mitklatschenden Muttis, den ganz versunken tanzenden Jeansjacken-Rentner, diesen Songs, die schon seit vielen Jahrzehnten perfekt funktionieren. Und natürlich von diesem Typen da oben. 67, blendend weißes Lächeln, durchtrainiert, extrem sympathisch. Ein Strahlemann, dem man aber nicht böse sein kann. Auch nach drei Stunden vollem Körpereinsatz hat Bruce Springsteen keine Anzeichen von Schweiß in seinem gesunden Gesicht stehen. Die perfekte Täuschung oder der Beweis, das Rock&Roll auch ein Jungbrunnen sein kann? Der Boss läuft hunderte Meter Fans ab und schüttelt Hände, holt sich einen Jungen aus dem Publikum auf die Schultern, macht ein Tänzchen mit einem Fan, und seine Stimme ist in jeder Sekunde völlig unverwüstlich.


 

Ein von annæ (@brevtel) gepostetes Foto am


 

Irgendwann fällt mir auf, dass bei dieser The River-Tour überraschend wenig Songs von ebenjenem Album kommen. Es scheint einfach nur ein Best-Of-Konzert zu werden, aber das soll mir als Anfänger ganz recht sein. So bleibt auch Zeit für Lieblingssongs wie I’m On Fire, dieses herrlich zarte, unrockige Lied, bei dem ich fast eine Träne wegdrücken muss. Damit hätte ich nicht gerechnet, dass solche intimen Momente möglich sind, während tausende Menschen im Chor singen, mit man ansonsten eher wenige Berührungspunkte im Leben hat. Eine große Erkenntnis dieses Abends muss ich hier noch eingestehen: Liebe Fans, verzeiht es mir, aber ich wusste nicht, dass Bruce Springsteen damals den Song Because The Night geschrieben und Patti Smith überlassen hat. Große Nummer von einer großen Musikerin, aber dieser Überraschungsmoment ist unbezahlbar.

Weitere Erkenntnisse: Ja, er ist definitiv der Boss, das Augenzwinkern darf man trotzdem nicht vergessen. Ja, am Ende landen vielleicht wirklich alle beim Boss. Hier ist man gut aufgehoben. Geglückte Experimente machen glücklich. Bin ich jetzt tatsächlich ein Fan geworden? Ironisch natürlich, Augenzwinkern. Aber auch von ganzem Herzen. I’m on fire.

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Zeitsprung: Am 19.8.1939 kommt Ginger Baker zur Welt.

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Zoran Veselinovic/Wiki Commons

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.8.1939.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, kaum einer beweist das so eindrucksvoll wie „Ginger“ Baker. Als Jahrhunderttalent revolutioniert er bei Cream und Blind Faith das Schlagzeugspiel und terrorisiert den Rock. Unterhaltsam ist das allemal, also werfen wir zum Geburtstag des trommelnden Derwisch einen Blick auf sein bewegtes Leben!

Hört hier das Debüt von Cream: 

Starten wir ganz am Anfang, denn geboren wird Peter Edward „Ginger“ Baker in Londons Arbeitermilieu. In seiner Jugend interessiert ihn die Musik zunächst in Form des Klavier- und Trompetenspiels, zudem sieht er sich mit Freunden gern Jazz-Shows an. Der eigentliche Karriere-Traum: Radrennfahrer. Als er im Teenageralter einen Unfall baut, zerlegt es den heißgeliebten Drahtesel. Um an Geld zu kommen, schlägt ein Freund ihm vor, er solle sich doch hinter ein Schlagzeug setzen. Da zählt Ginger 15 Jahre. Baker merkt hierzu später amüsiert an, dass wohl alle vor ihm wussten, dass ein Drummer in ihm steckt. Da es ihm immer noch an Budget fehlt, arbeitet er zunächst mit einem Kinderschlagzeug und moduliert es mit Zeltplanen und Keksdosen, um beim Vorspiel überhaupt ein Instrument vorweisen zu können. Er bekommt den Job.

Anfang der Sechziger folgt dann Unterricht beim legendären britischen Jazzer Phil Seamen, der ihm die erste Dosis Heroin spritzt, aber auch die Grundlage für den Part des jungen Schlagwerkers in der Graham Bond Organisation schafft. Dort ist er ab 1963 aktiv, mit dabei sind der Namensgeber, Dick Heckstall-Smith am Saxophon, John McLaughlin an der Gitarre und Jack Bruce am Bass. Er trägt Stücke wie Camels and Elephants bei, die Band tritt außerdem zwei Jahre nach ihrer Gründung im Film Gonks Go Beat auf, welcher katastrophale Kritiken erhält. 

Innerhalb der Gruppe gerät Baker immer wieder mit Bruce aneinander, den er schließlich feuert und mit einem Messer bedroht, um seiner Entscheidung Nachdruck zu verleihen. Ausgerechnet Bonds Drogenproblem geht ihm jedoch so sehr auf den Nerv, dass er sich nach neuen Möglichkeiten umsieht. Als „Ginger“ 1966 nach einem Konzert seinen geschätzten Musikerkollegen Eric Clapton heimfährt, erzählt er ihm von seiner Suche; Clapton, der sich an der Gitarre bei John Mayall & The Bluesbreakers kreativ unterfordert fühlt, schlägt ohne langes Zögern ein. Einzige Bedingung: Baker soll ausgerechnet Jack Bruce für den Bass anfordern. Der Rotschopf steuert laut Clapton beinahe das Auto in den Graben. Da die drei Musiker als „Crème de la Crème“ der Blues-Szene bekannt sind, nennt sich das Trio kurzerhand Cream und das Debütalbum Fresh Cream. Baker entwickelt auf dem Track Toad Elemente aus Camels And Elephants weiter und nimmt damit eines der ersten Drum-Soli überhaupt auf.

Nach drei weiteren Alben macht Cream jedoch schon 1969 wieder Schluss, die Spannungen zwischen Bruce und Baker sind unüberwindbar. Zwei Abschlusskonzerte in der Royal Albert Hall in London sind zwar kommerziell erfolgreich, bilden jedoch qualitativ keinen würdigen Abgang für die Ausnahmemusiker, die mehr gegeneinander als miteinander arbeiten. Mit Clapton versucht sich Baker noch einmal an einer Supergroup, gründet mit ihm, Steve Winwood von Traffic und Richard Grech Blind Faith. Erneut lässt die Begeisterung schnell nach, ein Muster, das sich bei Baker auch in Bezug auf seine diversen Ehen und Kinder durchzieht.

In den Siebzigern treibt es den Mann dann nach Nigeria, wo er mit viel Mühe ein Aufnahmestudio einrichtet, das unter anderem Paul McCartney und seinen Wings als Arbeitsplatz dient. Baker nimmt Material mit dem afrikanischen Multiinstrumentalisten und Menschenrechtler Fela Kuti auf und gründet die Baker Gurvitz Army, die drei Alben lang durchhält. 1980 zieht sich der Schlagzeugpionier zurück, um endlich seine Heroinsucht zu überwinden, spielt dann bei Hawkwind und geht Ende der Dekade nach Los Angeles, um auch noch Hollywood zu bezwingen. Stattdessen gibt’s in den Neunzigern doch wieder mehr Musik; zunächst mit Masters of Reality, dann wider besseres Wissen mit Jack Bruce bei BBM und im eigenen Projekt The Ginger Baker Trio. 

Eines verliert Baker bei den regelmäßigen Ortswechseln nicht: seinen Ruf als Dämon des Rock’n’Roll. Ob es nun an langjährigen Drogen- und Alkoholproblemen oder schlicht der Persönlichkeit liegt: Der Drummer macht Kollegen, Presse und Publikum gleichermaßen Angst, und zwar so sehr, dass seine Übellaunigkeit 2012 in der Dokumentation Beware Of Mr. Baker festgehalten wird, die auf einem Rolling Stone-Artikel basiert. Ob man’s glaubt oder nicht: Baker haut selbst während der Dreharbeiten einem Crewmitglied auf die Nase. 

Nicht gerade zimperlich: Das deutsche Cover zur Dokumentation „Beware Of Mr. Baker“.

Beim Polo bemüht er sich um einen Ausgleich, mit Cream findet er seinen Frieden allerdings nicht. Eine Reunion schrammt 2005 laut Clapton nur knapp an einem blutigen Ende vorbei. Seit 1999 treibt er in Südafrika sein Unwesen, leidet aber zusehends an starken gesundheitlichen Problemen. Baker verstirbt schließlich am 6. Oktober 2019 mit 80 Jahren im englischen Canterbury. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt: Baker gilt als einer der einflussreichsten Schlagzeuger aller Zeiten, als Vorbild sämtlicher Heavy-Metal-Drummer und Pionier des Rock.

Zeitsprung: Am 26.11.1968 spielen Cream ein enttäuschendes Abschiedskonzert.

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Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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