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Popkultur

Der Boss schwitzt nicht: Das erste Mal mit Bruce Springsteen (Live in Berlin)

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Quelle, Bild: Screenshot YouTube

Am 19. Juni machten Bruce Springsteen und seine E Street Band auf ihrer The River-Welttournee Halt in Berlin. Unser nicht mehr ganz so junger Autor beschreibt sein erstes Springsteen-Konzert und wie es sich anfühlt, den Boss so langsam zu verstehen.


Wir haben die Setlist des Bruce Springsteen Konzerts Song für Song als Playlist nachgebaut – jetzt hier anhören, während du den Artikel liest:


 

„Tja, irgendwann landen sie alle beim Boss“, sagte mir vor kurzem ein Kollege. Ohne zu zögern hatte ich hochpreisige Karten für Bruce Springsteen im Olympiastadion Berlin gekauft. Warum, das war mir auch nicht ganz klar. Und wie musste ich den Kommentar meines Kollegen verstehen? War das ein Todesurteil für meinen Musikgeschmack und meine Jugend? Oder ist Bruce Springsteen tatsächlich etwas, das man erst irgendwann verstehen kann? Eine Sache der Erfahrung?

Gestern war es so weit. Ich pilgerte mit zehntausenden Menschen zum Boss ins Stadion und es sollte ein grandioser Abend werden. Alle Erwartungen, die ich niemals hatte, wurden erfüllt. In den letzten Tagen habe ich oft The River gehört, das Album aus dem Jahr 1980, dem Bruce Springsteen mit seiner aktuellen Tour die Ehre erweist. Es gilt oft als seine beste Platte – ein Doppelalbum, das alle Facetten dieser überlebensgroßen Rock-Ikone in 20 Songs zusammenbringt. Die lauten und die leisen Momente, die jubelnden und die nachdenklichen, klassisches Rock&Roll-Material, Seeleninnenleben und Geschichten aus Springsteens Amerika. Über 30 Jahre, aber wie Springsteen selbst schwebt das alles über der Zeitrechnung. Der Inbegriff eines Klassikers.


 Bruce Springsteen eröffnet das Konzert mit ‘Adam Raised A Cain’:


 

The River war das erste Springsteen-Album, das bei mir gezündet hat vor einigen Jahren. Ein erster Versuch mit Born To Run vor etwa 10 Jahren ging in die Hose. Dieser Springsteen-Klassiker war mir zu klassisch. Alles zu langweilig, zu gleich, zu viel Saxophon-Piano-Rock fürs Radio. Aber so ist der Boss eben, heute weiß ich das. Die Songs auf The River waren aber der passende Schlüssel, um diesen Typen interessant zu finden. Natürlich hätte ich gerne den Springsteen von damals gesehen. Diesen smarten, melancholischen Typen auf dem The River-Cover, oder den Burschen, der auf dem ikonischen Born In The USA mit Jeans und weißem T-Shirt wie Coca-Cola-Boy und Marlboro-Man in Personalunion wirkt. Popkultur-Sehnsüchte. Aber ist nicht. Bruce Springsteen ist 67 Jahre alt und sieht natürlich heute anders aus. Man muss ja froh sein, dass der Herr in diesem Alter überhaupt noch eine Welttournee stemmen kann. Ich bin also eingestellt darauf, dass dieser Abend mit meinen unrealistischen Erwartungen bricht. Aber der echte Bruce Springsteen, der mich vielleicht gar nicht so sehr interessiert wie seine junge Variante, wird das alles regeln: Alter und Jahre, das sind doch nur ein paar Zahlen.

Noch nie war ich auf einem Springsteen-Konzert, noch nie auf einem Stadion-Gig dieser Größe. Ich bin jetzt 30. Guter Zeitpunkt, oder? Bruce Springsteen ist tatsächlich eine Sache der älteren Generationen, um es mal vorsichtig zu sagen. Das soll kein Qualitätsurteil sein, aber gibt es wirklich viele Leute Anfang 20, die den Boss hören? Nicht dass ich wüsste. Man kann es ihnen nicht verübeln, immerhin gibt es doch so viel neue und interessante Musik zu hören. Da bleibt nicht viel Zeit übrig, nicht mal für den Boss. Der Weg zum Olympiastadion macht das deutlich: Eine Teenie-Veranstaltung wird das garantiert nicht. Aber es sieht nach einem grundsympathischen Publikum aus. Es könnte auch ein Fußball-Spiel stattfinden, so wie die buntgemischte Menge in ihren Fan-Shirts Richtung Stadion wandern, entspannt und gutgelaunt und aufgeregt. Es ist bestimmt nicht ihr erstes Mal mit dem Boss, so wie für mich. Irgendwie fühle ich mich wohl, aber das liegt auch an der Flasche Sekt, die jetzt leer ist. Eine gute Mischung.



Wenige Minuten nach 19 Uhr geht es los in der sonnigen Arena. Die vielen Zuschauer auf den Sitzplätzen der Tribünen wirken ein bisschen bedauerlich, denn die Distanzen sind schon gewaltig. Ohne die Videoleinwände wäre es schwierig, die Mitglieder der E-Street-Band und ihren Anführer einzeln auszumachen. Während der ersten Songs herrscht keine schlechte Laune, doch auf den Rängen sieht es eher verhalten aus. Es braucht noch einen der großen Songs, um alle Leute auf Betriebstemperatur zu bringen. Hungry Heart übernimmt das, nachdem der Boss schon elf Nummern abgeliefert hat. Am Ende werden es dreimal so viele sein. Spätestens jetzt wird dieser Abend ein einziges Fest, bei dem jeder ohne Hemmungen mitmacht. Hingabe, überall. Woran es auf jeden Fall nicht mangelt, ist Lautstärke. Im Nachhinein wird, wie eigentlich bei jedem Konzert, der Sound bemängelt werden, die Nuancen der Band seien in diesem lauten Breitwand-Rock-Brei völlig untergegangen. Damit haben die erfahrenen Fans sicher recht, aber mir sind solche Feinheiten entgangen: Ich war gebannt von diesem perfekt ablaufenden Musikspektakel, von den glücklich mitklatschenden Muttis, den ganz versunken tanzenden Jeansjacken-Rentner, diesen Songs, die schon seit vielen Jahrzehnten perfekt funktionieren. Und natürlich von diesem Typen da oben. 67, blendend weißes Lächeln, durchtrainiert, extrem sympathisch. Ein Strahlemann, dem man aber nicht böse sein kann. Auch nach drei Stunden vollem Körpereinsatz hat Bruce Springsteen keine Anzeichen von Schweiß in seinem gesunden Gesicht stehen. Die perfekte Täuschung oder der Beweis, das Rock&Roll auch ein Jungbrunnen sein kann? Der Boss läuft hunderte Meter Fans ab und schüttelt Hände, holt sich einen Jungen aus dem Publikum auf die Schultern, macht ein Tänzchen mit einem Fan, und seine Stimme ist in jeder Sekunde völlig unverwüstlich.


 

Ein von annæ (@brevtel) gepostetes Foto am


 

Irgendwann fällt mir auf, dass bei dieser The River-Tour überraschend wenig Songs von ebenjenem Album kommen. Es scheint einfach nur ein Best-Of-Konzert zu werden, aber das soll mir als Anfänger ganz recht sein. So bleibt auch Zeit für Lieblingssongs wie I’m On Fire, dieses herrlich zarte, unrockige Lied, bei dem ich fast eine Träne wegdrücken muss. Damit hätte ich nicht gerechnet, dass solche intimen Momente möglich sind, während tausende Menschen im Chor singen, mit man ansonsten eher wenige Berührungspunkte im Leben hat. Eine große Erkenntnis dieses Abends muss ich hier noch eingestehen: Liebe Fans, verzeiht es mir, aber ich wusste nicht, dass Bruce Springsteen damals den Song Because The Night geschrieben und Patti Smith überlassen hat. Große Nummer von einer großen Musikerin, aber dieser Überraschungsmoment ist unbezahlbar.

Weitere Erkenntnisse: Ja, er ist definitiv der Boss, das Augenzwinkern darf man trotzdem nicht vergessen. Ja, am Ende landen vielleicht wirklich alle beim Boss. Hier ist man gut aufgehoben. Geglückte Experimente machen glücklich. Bin ich jetzt tatsächlich ein Fan geworden? Ironisch natürlich, Augenzwinkern. Aber auch von ganzem Herzen. I’m on fire.

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Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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Popkultur

10 Songs von Little Richard, die man kennen sollte

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Little Richard
Foto: Getty Images

„Wop bop a loo bop a lop bom bom“! Wenn diese Laute ertönen, wissen wir alle: Gleich legt Little Richard los, der Architekt des Rock’n’Roll, der Miterfinder dessen, was wir alle so sehr lieben. Die folgenden zehn Songs geben einen Einblick in die jahrzehntelange Karriere des virtuosen Künstlers.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Little Richard anhören:

Zur Welt kam Little Richard am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia. Sein bürgerlicher Name: Richard Wayne Penniman. Als Schwarzer, homosexueller Mann, dürfte er es im Süden der USA mehr als nur schwer gehabt haben. Umso beeindruckender ist sein Lebenswerk, das aus unsterblichen Songs wie Tutti Frutti, Long Tall Sally, Good Golly, Miss Molly, Lucille und Rip It Up besteht. (Mehr dazu gleich.) Elvis Presley, Paul McCartney, Mick Jagger, Elton John, John Fogerty, Bob Dylan: Sie alle schauten und schauen zu ihm auf. Immerhin 87 Jahre wurde Little Richard alt. Am 9. Mai 2020 verstarb er in Tullahoma, Tennessee an den Folgen einer Knochenkrebserkrankung. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt uns zum Glück erhalten.

1. Tutti Frutti (1955)

Little Richards größter Hit entsteht quasi aus Wut. Bei Aufnahme-Sessions im September 1955 regt sich der Künstler nämlich darüber auf, dass sich die animalische Energie seiner Live-Auftritte nicht so recht auf Band bannen lässt, also setzt er sich verärgert ans Piano. „Wop bop a loo bop a lop bom bom“, ruft er und haut wütend in die Tasten. Produzent Robert Blackwell möchte das Stück sofort aufnehmen.

2. Long Tall Sally (1956)

Was ein gut gepflegtes Adressbuch alles bewirken kann. Damit sie die Krankenhausrechnungen für ihre Tante Mary bezahlen kann, entwickelt Radio-DJ Honey Chile in den Fünfzigern die Grundidee für den Song Long Tall Sally und bietet das Stück Little Richards Produzent Robert Blackwell an. Der arbeitet die Komposition mit Richard weiter aus — und ein Hit war geboren!

3. Slippin’ And Slidin’ (1956)

Buddy Holly, die Beatles, Otis Redding, Shakin’ Stevens: Sie alle haben diesen Song gecovert oder zumindest öffentlichkeitswirksam zum Besten gegeben. Entstanden ist die Nummer im Februar 1956; ursprünglich diente sie als B-Seite für Long Tall Sally. Doch Slippin’ And Slidin’ markiert einen von Little Richards größten Hits, der bis heute auf zahlreichen Rock’n’Roll-Playlisten zu finden ist.

4. Rip It Up (1956)

„Well, it’s Saturday night, and I just got paid“ — Mit diesen Worten beginnt der nächste von Richards wichtigsten Songs. Zugegeben, allzu viel Tiefgang hat die Nummer nicht. Es geht im Wesentlichen darum, an einem Samstagabend zu feiern, sein Geld zu verjubeln und Mädels aufzureißen. Es handelt sich allerdings um einen Rock’n’Roll-Klassiker, der auch von Elvis Presley gecovert wurde.

5. Ready Teddy (1956)

Das gleiche gilt für Ready Teddy, der im Sommer 1956 auf der B-Seite von Rip It Up zu finden war. „I’m ready ready ready to rock’n’roll“, verkündet Richard in dem Song. Als hätten wir je daran gezweifelt! Einen seiner größten Auftritte hatte das Stück am 9. September 1956, als Elvis Presley Ready Teddy für 60 Millionen Fernsehzuschauer*innen in der Ed Sullivan Show zum Besten gab.

6. Lucille (1957)

Lucille ist nicht nur der Name von B.B. Kings Gitarre, sondern auch der Titel eines der größten Hits von Little Richard. Komponiert wurde das Stück von ihm selbst und einem Herrn namens Albert Collins, bei dem es sich allerdings nicht um den gleichnamigen Bluesgitarristen handelt. 1994 dichtete Richard den Song von Lucille in Rosita um und besang damit die gleichnamige Figur in der Sesamstraße.

7. Keep A-Knockin’ (1957)

Auch mit seiner erfolgreichen Single Keep A-Knockin’ trat Little Richard im Fernsehen auf, diesmal in der der Familien-Sitcom Full House. Inhaltlich beschäftigt sich die Nummer je nach Version mit einem Liebhaber, der vor verschlossener Tür steht — entweder, weil schon jemand anderes zu Besuch ist, oder, weil er sich daneben benommen hat. Ob es sich um einen autobiografischen Song handelt, können wir nur erahnen.

8. Good Golly, Miss Molly (1958)

Den Ausruf Good Golly, Miss Molly hörte Little Richard zum ersten Mal bei Jimmy Pennick, einem DJ aus den Südstaaten. Das Intro für den gleichnamigen Song entlieh Richard laut eigener Aussage dem Stück Rocket 88 von Ike Turner. „Ich mochte das Stück immer schon“, erzählte er mal in einem Interview. „Und ich habe das Riff oft für meine Konzerte benutzt. Als wir eine Einleitung gesucht haben, passte das einfach.“

9. Get Down With It (1967)

Diesen Song kennt ihr möglicherweise vor allem von den britischen Glam-Rockern Slade. Doch Noddy Holder und Co. entdeckten das Stück bloß, weil Little Richard es vor ihnen gecovert hatte. „Jahrelang , bis zum Ende unserer Karriere, war das der Song, mit dem wir unsere Sets vor den Zugaben beendeten“, erzählt Holder in einem aktuellen Interview mit Classic Rock. Die Vorarbeit dafür leistete Little Richard.

10. Mockingbird Sally (1972)

Bei Mockingbird Sally handelt es sich weder um das bekannteste, noch um das wichtigste Lied von Little Richard. Doch die Nummer ist vor allem eins: ein richtig guter Rock’n’Roll-Song. 1972 veröffentlicht, gehört das Stück schon zum Spätwerk des Künstlers. Begeisterung im Mainstream konnte Richard zu jener Zeit kaum noch entfachen. Doch seine Bedeutung für die Musikgeschichte kann gar nicht überschätzt werden.

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Zeitsprung: Am 14.9.1955 nimmt Little Richard „Tutti Frutti“ auf.

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Zeitsprung: Ab 5.12.1981 definieren Black Flag mit „Damaged“ das Hardcore-Genre.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.12.1981.

von Peter Hesse und Christof Leim

Am 5. Dezember 1981 lassen Black Flag mit neuem Sänger Henry Rollins ihr ungestümes Debütalbum Damaged auf die Welt los. In der Folgezeit werden die kalifornischen Krachmacher zu wichtigen Vertretern des Punk Rock, auch weil sie die Idee des DIY, des „Do-It-Yourself“, wie wenige beherzigen und umsetzen. Ihr Sound ist ebenso frisch: Hardcore nennt sich diese Variante, weil sie den Punk Rock noch aggressiver, schneller und ungestümer spielen. Die Szene steht applaudierend daneben und beklatscht die Scheibe als Meilenstein.

Hier könnt ihr euch Damaged von Black Flag anhören:

Punk ist nicht nur Punk, weil man bunte Haare hat. Der Masterplan dahinter umfasst mehr. Henry Rollins, Black-Flag-Frontmann von 1981 bis 1986, erklärt das in einer Radiosendung so: „Du bist gegen das Establishment? Gründe eine Band! Du kannst kein Instrument spielen? Schaff dir das drauf! Du hast kein Label, keinen Grafiker und niemanden, der Konzerte bucht? Auch das kannst du dir mit Fleiß und in kompletter Eigenregie draufschaffen.“

Vielseitige Inspirationen

Mit dieser Do-It-Yourself-Maxime – „Sei dein eigener ideologischer Macher!“ – fühlt sich Bandchef Greg Ginn als Gitarrist, Songwriter und Texter sehr wohl. Zunächst heißt seine Truppe noch Panic, die ersten professionellen Gehversuche als Black Flag datieren auf den Spätsommer 1978. Geprobt wird in einer Garage in Hermosa Beach, einem kleinen Kaff im Süden von Kalifornien. Privat schwört Ginn auf Black Sabbath und die Scorpions, im weiteren Verlauf der Achtziger lässt er sich von der Freejazz-Avantgarde eines Glenn Branca oder dem Jazzrock des Mahavishnu Orchestra inspirieren. 

Black Flag 1983 in London – Pic: Erica Echenberg/GettyImages.

Doch als musikalische Ziehväter gelten in der frühen Black-Flag-Phase vor allem die Stooges und die Ramones. „Wir haben nicht so viel in Genres gedacht“, erinnert sich Ginn. Mit dem ersten Sänger Keith Morris besucht er 1976 ein Konzert der Ramones in Los Angeles. „Nachdem wir sie gesehen hatten, war ich mir sicher: Wenn die das können, dann können wir das auch.“ 

Dreckig und ungestüm

Drei EPs bringen Black Flag von 1979 bis 1981 unter die Leute, Ende 1981 steht dann das Line-up für die erste vollständige Langspielplatte. Dabei sind: Greg Ginn (Leadgitarre), Dez Cadena (Rhythmusgitarre), Chuck Dukowski (Bass) und Robo (Schlagzeug), am Gesang ein Neuzugang namens Henry Rollins, heute unter anderem als Solokünstler, Autor und Spoken-Word-Held bekannt.

Diese Mannschaft nimmt mit dem ungestümen Selbstvertrauen der frühen Jugend in den Unicorn Studios am Santa Monica Boulevard in West-Hollywood das erste Album auf: Damaged. Die Stimmung in der Band ist gut in dieser Zeit; die fünf Mitglieder leben während der Arbeiten wie eine Punk-Rock-Kommune in einem anderen Teil des Studiogebäudes, wo sie auch die Songs einstudieren.

Die Lösung zur Tragödie

Als Markenzeichen des Black-Flag-Debüts erweist sich im betont brachialen Wall-Of-Sound-Klang vor allem der Gitarrenton von Greg Ginn. Seine Riffs und Soli klingen auf Stücken wie Gimmie Gimmie Gimmie oder What I See immer wie eine Mischung aus Distortion-Orgie, Autounfall und Blitzeinschlag. Dieses dreckige Grundriffing wird später im Death und Black Metal noch oft zitiert werden.

Die Texte bei Stücken wie Six Pack, Thirsty & Miserable oder TV Party drehen sich dabei um Alltagsbeschreibungen; im Song Depression singt Rollins gegen die bösen Geister in seinem Kopf an. Sein Selbstverständnis als Songschreiber beschreibt er so: „Iggy Pop sagte mal, dass Rock’n’Roll die Lösung für die menschliche Tragödie sein soll und dass Bands verzweifelt versuchen, dieses Problem zu lösen. Das habe ich auch irgendwie probiert.“ Seine Sensibilität stilisiert er mit vielen Kraftausdrücken,  – die Live-Konzerte werden zu ungestümen Brachialdarbietungen. 

Vom Untergrund in die Legendengalerie

Das Album erscheint am 5. Dezember 1981 über SST Records, das Ginn erneut in bester DIY-Manier neben Black Flag gegründet hatte. Hier erscheinen auch die ersten Lärmereien von Anti-Mainstream-Bands wie Minutemen, Hüsker Dü, Meat Puppets, Soundgarden, Sonic Youth und Dinosaur Jr. Damaged markiert damals nach ein paar Singles und EPs die erst siebte Veröffentlichung auf Label.

Anfangs beschränkt sich die Wirkung der Platte erwartungsgemäß auf die Punk-Szene und den Untergrund. Doch im Laufe der Jahre wird Damaged in der Punk-Weltgemeinde zusehends als Genreklassiker verehrt. Der Rolling Stone etwa schreibt: „Black Flag haben den L.A.-Hardcore definiert mit den brutalen Gitarren und dem angepissten Geschrei von Henry Rollins, insbesondere auf TV Party und Rise Above. Heute noch hören Punks diese Platte, und heute noch finden Eltern das fürchterlich.“ So muss es sein.

Zeitsprung: Am 30.11.2003 bekommt Joey Ramone seine eigene Straßenecke in New York.

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