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Popkultur

Zum 75. von Roky Erickson: Der psychedelische Pionier

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Roky Erickson
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Eigentlich müsste Roky Erickson in einem Atemzug mit Syd Barrett, Brian Jones und Jimi Hendrix genannt werden. Stattdessen überschatten psychische Probleme und Drogenmissbrauch eine der außergewöhnlichsten Karrieren der Rock’n’Roll-Geschichte. Am 15. Juli 2022 wäre der Frontmann der 13th Floor Elevators 75 Jahre alt geworden: Würdigung eines oftmals übersehenen Vorreiters.

von Björn Springorum

Wer 1947 in Texas geboren wird, hat es als Teenager deutlich weniger leicht als Gleichaltrige in, sagen wir, San Francisco. Das Aufkommen der Gegenkultur wird auch vom jungen Roky Erickson mit Begeisterung und Aufregung verfolgt. Während die Mutter selbst Gitarrenstunden nimmt, um ihrem Sohn das Spielen beizubringen, ist der Vater weniger unterstützend: Er schneidet seinem Sohn die Haare gegen dessen Willen extra kurz.

Erickson schlägt auf seine Weise zurück und schmeißt die Schule kurz vor seinem Abschluss. Schon 1965 gründet er The 13th Floor Elevators – gemeinsam mit seinem Kumpel Tommy Hall, dem wahrscheinlich bekanntesten Electric-Jug-Spieler der Welt. Damit ist ein Tonkrug gemeint, in den man mit gespitzten Lippen hineinbläst. Das ist eigentlich fast alles, was man über die 13th Floor Elevators wissen muss. Fast, denn Hall gilt als derjenige, der den Terminus Psychedelic Rock erfindet und ihn gleich mal auf Visitenkarten drucken lässt. Somit gibt er unwissentlich all dem einen Namen gab, was ab der zweiten Hälfte der Sechziger vornehmlich in den USA und Großbritannien aus Rauch und Spiegeln entsteht.

Steigt Janis Joplin ein?

Auch in Texas tut sich was. The 13th Floor Elevators, komplettiert von Stacy Sutherland, macht sich in der Umgebung von Dallas schnell einen Namen. Sogar Janis Joplin, bekanntlich selbst Texanerin, denkt eine Weile darüber nach, der Band beizutreten, doch Chet Helms, der Vater des Summer Of Love, überredet sie dazu, nach San Francisco zu kommen. Der Rest ist Geschichte.

Also machen die 13th Floor Elevators als Trio weiter. Ihr Debüt The Psychedelic Sounds Of The 13th Floor Elevators erscheint im Oktober 1966. Aufgenommen im Sumet Sound Studio in Dallas unter der Leitung von Labelboss Lena Rogers, gilt das Werk heute als früher Referenzpunkt der psychedelischen Rockmusik. Es erscheint nur wenige Wochen nach Revolver von den Beatles und noch vor dem Debüt von Pink Floyd. Unwissentlich haben hier drei Texaner den Soundtrack für das geschrieben, was in wenigen Monaten drüben in San Francisco den Summer Of Love untermalen soll – ein kauziges, vernebeltes, verschrobenes und teilweise drückend hartes Album, aufgenommen unter dem Einfluss von LSD und gekrönt von einer der großen Hymnen der Gegenkultur, You’re Gonna Miss Me.

Mit nur 22 Jahren ist Schluss

Eigentlich hätte die Karriere der Band danach Fahrt aufnehmen können. Sollen. Doch es kommt anders. 1967 erscheint noch der Nachfolger Easter Everywhere. Es ist ihr Geniestreich, ein Klassiker des Psychedelic Rock, spirituell und transzendent, heute verehrt und damals mehr oder weniger übersehen. Wenig später dann, 1968 auf der Weltausstellung in San Antiono, verfällt Erickson auf der Bühne plötzlich in unverständliches Gebrabbel. Die Diagnose: Paranoide Schizophrenie. Mit 22 stirbt wenige Jahre zuvor sein Held Buddy Holly, mit 22 kommt Erickson in die Psychiatrie.

Das ist in den Sechzigern in Texas kein Spaß. Er bekommt gegen seinen Willen eine Elektroschocktherapie, pure Folter, wird 1969 entlassen. Doch das Leben meint es nicht gut mit ihm: Im selben Jahr wird er festgenommen, weil er im Besitz eines einzelnen Joints ist. Ihm drohen zehn Jahre Gefängnis. Erickson plädiert auf Wahnsinn, kommt deswegen nicht in den Knast und wieder in die Geschlossene. Damals wahrscheinlich auch nicht viel besser. Mehrfach flieht er, mehrfach wird er geschnappt. Die Folge: Mehr Elektroschocks und das Medikament Thorazin, das seine Kreativität erheblich einschränkt.

Roky, das Alien

Als er 1972 entlassen wird, ist er nicht mehr derselbe. Die 13th Floor Elevators gibt es nicht mehr, stattdessen spielt er in seiner neuen Band Bleib Alien Hard Rock mit Horror-Thematik. Er entgleitet Freunden und Familie, zieht sich zurück, entwickelt Wahnvorstellungen und eine ganz eigene Mythologie. 1982 behauptet er, ein Marsianer habe sich in seinem Körper eingenistet. Wenig später bezeichnet er sich selbst als Alien und will damit vor Gericht erreichen, dass Anschuldigungen gegen ihn fallen gelassen werden, weil irdische Gesetze ja wohl kaum für außerirdische Lebensformen gelten können. Die alte Geschichte von Genie und Wahnsinn hatte selten einen derart tragischen Helden.

„Rokys Geschichte ist der Abstieg in Dantes Inferno“, so bringt es Ericksons Freund Bill Bentley von Warner Bros. Records auf den Punkt. „Nie sah ich solche Genialität begleitet von einem derart tiefen Fall. Alles, was hätte schief gehen können, ging schief für ihn.“ Was bleibt, ist ein bizarres, tragisches, schwieriges Leben, in dem er es immer wieder mit Comebacks versucht. 2010 erscheint ein entrücktes Soloalbum, 2015 steht er sogar noch mal mit 13th Floor Elevators auf der Bühne, längst verehrt als psychedelischer Gründervater.

Am 31. Mai 2019 stirbt Roky Erickson in Austin, Texas. Bis heute ist keine Todesursache bekannt. Wahnsinniges Genie oder genialer Wahnsinniger – Roky Erickson hat in wenigen Jahren musikalische Pionierarbeit geleistet und von The Grateful Dead über ZZ Top bis hin zu Led Zeppelin so ziemlich alles beeinflusst, was danach groß wurde.

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LSD, Musik und ein Bär: Die unglaubliche Geschichte des Owsley Stanley

Popkultur

Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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