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Popkultur

LSD, Musik und ein Bär: Die unglaubliche Geschichte des Owsley Stanley

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Owsley Stanley
Foto: Alvan Meyerowitz/Michael Ochs Archives/Getty Images

Er war der LSD-Messias der späten Sechziger, erfand den Sound von The Grateful Dead und versorgte den halben Popkultur-Adel mit lysergischen Träumen: Owsley „Bear“ Stanley, der Erfinder der Sechziger wie wir sie kennen.

von Björn Springorum

Owsley Stanleys Großvater, ein strenger Herr ohne Haare namens Augustus Owsley Stanley I, diente vor über 100 Jahren als Gouverneur von Kentucky und war ein entschiedener Gegner der Prohibition. Dass sein Enkel eine Handvoll Jahrzehnte später einer der ersten Menschen werden würde, der LSD in Massenmengen produzieren würde, hätte er sich zwar wahrscheinlich nicht vorstellen können; ein gewisser Lebensweg scheint bei dieser Familie aber vorgezeichnet.

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Vom Tänzer zum ersten Trip

Obwohl: Anfangs sieht es aber auch für Owsley Stanley selbst nicht danach aus, dass er eines Tages zum LSD-Papst werden würde, zu einer der prägenden Figuren der Gegenkultur Kaliforniens. Nach lustlosen Anfängen im Ingenieurswesen schreibt er sich 1956 bei der US Air Force ein, wo er erst an Raketentests arbeitet und sich später mit Radioübertragung auseinandersetzt. 1958 scheidet er aus, sieht ein Stück des Bolshoi Ballett und ist spontan ergriffen. Er studiert Ballett, verdient sich als Tänzer etwas dazu. 1963 dann ein erneuter Sinneswandel: Er schreibt sich an der Berkley-Universität ein. Und besiegelt damit sein Schicksal: Kaliforniens Hochschulen sind damals ein Tummelplatz für Chemiker und experimentierfreudige Beatniks an der Schwelle zum Hippietum.

The Grateful Dead: Das irre, wirre Leben des Jerry Garcia

Owsley Stanley ist mittendrin. Nach nur einem Semester schmeißt er hin und kocht sich im Badezimmer seines Häuschens am Campus erstmals eine gewisse Menge LSD. Nichts ungewöhnliches damals, illegal wird LSD in Kalifornien erst 1966. Die Polizei hält das 1965 dennoch nicht ab, sein Labor hochzunehmen. Doch weil sie statt dem vermuteten Amphetamin nur LSD finden, müssen sie ihm seine Gerätschaften sogar wieder zurückgeben, mit denen er munter weiter lysergische Träume kocht. Nie jedoch aus kommerziellen Gründen, wie er mal sagte: „Ich wollte einfach nur wissen, was ich nahm. Und es ist nun mal schwierig, kleine Mengen davon herzustellen.“

Stanley hat sie Sechziger erfunden

Think big: Über sein Labor in Berkeley bezieht er 500 Gramm Lysergsäure, zieht nach Los Angeles und legt im Walter-White-Stil los: Bis Mai 1965 hat er 300.000 LSD-Trips produziert, der sauberste und beste Stoff der Epoche, jeweils mit der ordentlichen Dosis von 270 Mikrogramm. Damit kehrt er in die Bay Area von San Francisco zurück – und wird empfangen wie ein neuer Gott. Schnell wird Stanley zum Hauptversorger von Autor Ken Kesey („Einer flog übers Kuckucksnest“) und seinen Merry Pranksters, der Hippie-Kommune, der auch The Grateful Dead und andere prominente Figuren der Gegenkultur angehören. Stanley, so ist man sich bald einig, hat die späten Sechziger erfunden.

Künstler*innen und Aussteiger*innen, Akademiker*innen und Weltverbesser*innen sehen in Owsley Stanley einen neuen Papst der lysergischen Wahrheit, ihren Garant für Transzendenz und Bewusstseinserweiterung. Und sie sind damit nicht allein: Wie Tom Wolfe in seinem genialen Buch The Electric Kool-Aid Acid Test schreibt, wird das Stanley-LSD schnell zum neuen Standard an der Ostküste und befeuert die Acid Test-Partys von Kesey mit grenzenlosen Vorräten an LSD. Bei diesen Partys, die Jefferson Airplane in A Song For All Seasons besingen, kommt Stanley auch in Kontakt mit The Grateful Dead, die damals noch als Warlocks unterwegs sind. Schon Anfang 1966 ist Stanley mehr Mythos als Mensch, dass sich auch manch einer aus dem Umfeld von The Grateful Dead fragt, ob es den Typen, der sich praktisch nur von Fleisch ernährt und sein Steak auch mal püriert schlürft, wirklich gibt.

Der Chronist der Gegenkultur

Und wie es ihn gibt: Stanley kocht und kocht und kocht, hat mittlerweile auch einen Assistenten und produziert immer größere Mengen von dem bewusstseinserweiternden Stoff. Obwohl er viel LSD umsonst verteilt macht er eine Menge Kohle als monopolistischer Lieferant. Die steckt er vor allem in die Karriere von The Grateful Dead, die er als Versuchskaninchen für seine entflammte Tontechnik-Passion nutzt. Er nennt sich fortan Bear, wird ihr Soundmann und baut ihnen immer wildere, größere PA-Systeme. Er ist entschieden an der Entwicklung ihrer Wall Of Sound beteiligt und wird der Schöpfer der damals größten tragbaren Soundanlage. Seiner Sound-Manie ist es zu verdanken, dass wir bis heute tonnenweise Mitschnitte von Proben und Konzerten der Grateful Dead haben – mehr als von jeder anderen Band dieser Zeit. Ganz nebenbei schneidet er Auftritte von Jefferson Airplane, Janis Joplin, Big Brother And The Holding Company, Santana, Miles Davis, Jimi Hendrix oder Johnny Cash mit. Stanley, der unfreiwillige Chronist der Gegenkultur.

Warum er es ausgerechnet auf The Grateful Dead abgesehen hat, fragte sich sogar Jerry Garcia selbst. Doch trotz aller Schwierigkeiten, die ein unfassbarer Charakter wie Stanley mit sich bringt, nimmt er die Unterstützung des Audio-Maestros nur zu gerne an. Längst ist Stanley eine lebende Legende. Mehr und mehr Künstler*innen werden auf ihn aufmerksam, wollen ran an ihn und seinen Stoff. Es gibt da nur ein Problem: Mittlerweile ist LSD illegal, die Herstellung gefährlicher und der Verkauf riskanter. Den Akademiker-Drogenguru Timothy Leary hält das nicht ab, 1967 seine berühmte Turn on, tune in, drop out-Rede zu halten und auch die Beatles sehen es mal gar nicht ein, auf das Zeug zu verzichten, das sie ja gerade erst für sich und ihre Kunst entdeckt haben.

John Lennon wird zum Jünger

Auf Owsley Stanley ist aber natürlich Verlass. Und wie sollte es auch anders sein, zu einer Zeit, in der der Name Owsley längst zum Synonym für die Droge geworden war. Erst mixt er eine spezielle Dosis für das Monterey Pop Festival 1967, was das selige Grinsen von Jimi Hendrix auf den Bildern erklärt, dann versorgt er die Fab Four zu den Dreharbeiten zu Magical Mystery Tour mit LSD, womit sich ein Kreis schließt: McCartney lieh sich die Idee zum Film bei den Merry Pranksters, die 1964 mit ihrem bunt bemalten Bus Furthur chaotisch durch die USA tuckerten. Insbesondere John Lennon verfällt der schillernden Figur, wird zu seinem Jünger und versucht ihn zu bequatschen, ihm seine gesamten Vorräte zu überlassen. Ob Stanley dem eingewilligt hat, ist zu bezweifeln. Stattdessen spendiert er den Beatles die Idee für ihr Abbey-Road-Cover, gestand Lennon mal in einem Interview.

Reicht locker für ein Leben. Und geht natürlich nicht gut: 1967 wandert Stanley erstmals in den Bau. 1970 kommt er wieder raus, um dann gleich noch mal zwei Jahre einzufahren, weil das Verfahren von damals neu aufgerollt wird. LSD produziert er nach seiner Entlassung nie wieder. Langweilig wird einem wie ihm aber auch nicht: Er stellt Schmuck her, der bald schon ähnlich gefragt ist wie einst sein LSD, und baut ein derart feines Marihuana an, das sogar die damalige First Daughter Chelsea Clinton begeistert. Ob das der Papa wusste?

1982 emigriert er nach Australien, wird 1996 australischer Staatsbürger. Seine rein fleischlastige Ernährung zieht er selbst nach einem Herzanfall weiter durch. Der habe ja aber eher was mit dem giftigen Brokkoli zu tun, den er als Kind essen musste, sagte er mal. 2011 kommt er bei einem Autounfall ums Leben. Und hinterlässt ein Vermächtnis, von dem die meisten Rockstars nur träumen können.

Der Pop wird lysergisch: Wie LSD die Meisterwerke der Musikgeschichte geformt hat

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Popkultur

„Watertown“: Frank Sinatras sträflich vernachlässigtes Meisterwerk

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Frank Sinatra
Foto: Silver Screen Collection/Getty Images

My Way, New York, New York, Somethin‘ Stupid: Frank Sinatras Karriere besteht überwiegend aus mondänen, glitzernden, unschuldigen Songs für Casinos und die Cocktail Hour. Das triste, von Verlust zerfressene Konzeptalbum Watertown sticht eindeutig heraus. Wir ehren dieses missverstandene, gefloppte und selbst von Sinatra verstoßene Meisterwerk.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Watertown hören:

Der klassische Sinatra

Lässig geschnippter Finger, in der anderen Hand einen Scotch, tadelloser Anzug und Hut: So kennen Frank Sinatra die meisten. Es gibt aber noch einen anderen Sinatra. Nein, nicht der, der tiefer in manch mafiöse Angelegenheit verstrickt war als das sein Heldenstatus eigentlich zulassen dürfte. Sondern der melancholische Sinatra, der Crooner der gebrochenen Herzen, der von Verbitterung erzählt und von Verlust, von Beziehungen und Menschen, die auseinanderbrechen.

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Sein größter Flop

Besonders offenbart wird das auf dem Album Watertown, das vor genau 50 Jahren erscheint. Es floppt ganz fürchterlich, ist sogar das einzige seiner sogenannten Hauptalben, das es nicht einmal in die Billboard Top 100 der USA schafft. Gerade mal 30.000 Platten kann Sinatra im Erscheinungsjahr absetzen. Sein Versuch, den Sinkflug seiner Karriere mit einem weiteren Konzeptalbum aufzuhalten, wenn möglich sogar umzukehren, scheitert.


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Frank Sinatra
Watertown
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Dass es Ende der Sechziger überhaupt so schlecht um seine Karriere steht, mutet an wie ein böser Traum. Erst 1966 veröffentlicht er Strangers In The Night, die Nummer, die ihm neben Grammys auch die Nummer eins in den USA und Großbritannien einbringt. Somethin‘ Stupid mit Tochter Nancy folgt 1967, My Way 1969. Bis diese von Sinatra selbst verabscheute Nummer ein Erfolg wird, dauert es aber. Und in der Zwischenzeit purzeln seine Albumverkäufe ins Bodenlose. Also, denkt sich Ol‘ Blue Eyes, ist es nach 30 Karrierejahren mit Höhen und Tiefen mal wieder an der Zeit, etwas anderes zu versuchen. Er stimmt zu, mit Bob Gaudio und Frankie Valli von den Four Seasons sowie dem Singer-Songwriter Jake Holmes (der übrigens Dazed And Confused geschrieben hat, das sich Led Zeppelin dann „ausgeliehen“ haben) ein Konzeptalbum namens Watertown aufzunehmen. Es ist bis heute das ambitionierteste und bewegendste Stück Musik, an dem Sinatra je beteiligt war.

Kleinstadtleben statt Großstadtflair

Darauf erzählt Holmes die Geschichte eines mittelalten Kleinstadtmannes und seiner zwei Söhne, die von dessen Ehefrau im Städtchen Watertown im Bundesstaat New York sitzengelassen werden, weil sie ihr Heil (und ihre neue Liebe) in New York City finden will. Das allein ist schon mal eine ziemlich ungewöhnliche Ausgangssituation. Sonst ist Sinatra doch immer der erste, der vom Glamour und Schein der Großstadt singt, der die Stadt preist, die niemals schläft. Jetzt wird New York City ausgerechnet zum schicksalhaften Symbol einer abgestorbenen Liebe.

Man muss kein Prophet sein, um zu begreifen, dass das allein vom Thema her schwierig ist für all die Leute, die Sinatra von seinen langen Residences in Las Vegas kennen, die vielleicht sogar schon an seinen Lippen hingen, als in den Vierzigern die Sinatramania ausbrach. Jetzt singt Sinatra aus Sicht eines gebrochenen, durchschnittlichen Mannes, der in briefartigen Selbstgesprächen versucht, das Geschehene zu verstehen. Vergeblich. Selten drückte Sinatras Gesang so viel Empathie aus, so viel Mitgefühl. Fast scheint es, als könne er sich in der Person des Erzählers mehr wiederfinden als in all den anderen Figuren, die er in den langen Dekaden davor besang.

Sinatra kann auch den morbiden Poeten

Die Musik tut ihr Übriges, um Watertown zur großen Ausnahme zu machen: Getragen, dramatisch, nie pompös oder ausladend. Eher trostlos, karg, durchzogen von tief empfundener Verzweiflung, von Drama und zerschlagenen Versprechen. Und wenn es doch mal ein wenig heller und optimistischer zugeht, ist das nur ein Ablenkungsmanöver. Das Leben, es schlägt danach einfach umso härter zu. Wenn Sinatra in Duktus und Haltung jemals jenen morbiden Poeten wie Nick Cave oder Lou Reed nahekommt, dann mit Watertown, diesem Album, das fast schon zynisch mit A Love Story untertitelt ist. Am Ende keimt die Hoffnung auf: Sie schreibt ihm, dass sie zu ihm zurückkehrt. Am Bahnhof wartet er, wartet und wartet. Vergeblich. Sie kommt nicht. Und er bleibt allein.

Sinatra selbst hat Zeit seines Lebens eine schwierige Beziehung zu diesem Album. Schade, er klang eigentlich nie wieder so echt und greifbar wie auf Watertown. Danach setzt er seine Karriere fort, als wäre dieses Konzeptalbum nie passiert: Mit dem Album Ol‘ Blue Eyes Is Back und jeder Menge Auftritte in der falschen Glitzerwelt von Las Vegas.

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Ol’ Blue Eyes: 100 Fakten über Frank Sinatra

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Zeitsprung: Am 28.5.2007 gehen The Police zum ersten Mal seit 23 Jahren auf Tour.

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The Police

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.5.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

The Police hatten immer wieder mit Reibereien zu kämpfen, vor allem zwischen Frontmann Sting und Gitarrist Andy Summers. 1984 nimmt der Streit Überhand, im März des Jahres spielt die Gruppe ihr letztes Konzert. Erst im Frühling 2007, also ganze 23 Jahre später, stehen die Musiker wieder gemeinsam auf der Bühne.

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Hier könnt ihr euch das Livealbum der Tour anhören:

Mitte der Achtziger befinden sich The Police auf ihrem kommerziellen Zenit. Die Gruppe spielt erfolgreich in aller Welt, es hagelt Platinauszeichnungen und Grammys. Doch hinter den Kulissen steht es gar nicht gut um die New-Wave-Helden. Vor allem Frontmann Sting und Gitarrist Andy Summers bekommen sich ständig in die Haare. Mit der Zeit werden die Streitigkeiten immer übler, bis sie während der Aufnahmen zu Synchronicity (1983) ihren Höhepunkt erreichen. Anschließend folgt zwar noch eine Tour, doch die Show am 4. März 1984 in Melbourne markiert das vorläufige Ende der Bühnenkarriere von The Police). Im Sommer 1986 bäumen sich die Musiker noch einmal auf und möchten ein neues Album aufnehmen. Doch erneut stellen sich Konflikte in den Weg. Lediglich die Single Don’t Stand So Close To Me ’86 geht aus den Sessions hervor, danach ist Schluss — vorerst.

Am 24. Januar 2007, mehr als 20 Jahre später, verkündet der kanadische Radiosender Rock101, dass sich The Police in Vancouver aufhalten und für eine anstehende Tour proben. Nur wenige Wochen später spielt die Gruppe bei der 49. Grammy-Verleihung in Los Angeles. Es folgt ein Pressegig im legendären Whisky-A-Go-Go, bei dem Sting und Co. offiziell bekanntgeben, dass sie tatsächlich eine gemeinsame Konzertreise planen. Die Tickets erweisen sich als ganz heiße Ware, teilweise sind die angekündigten Shows innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Vor allem in Großbritannien, wo man die Gruppe noch länger nicht gesehen hat, schlagen die Fans zu.

Kritik von Copeland

Am 27. Mai spielen The Police in Vancouver zunächst eine Show für 4.000 Mitglieder ihres Fanclubs; einen Tag später folgt der offizielle Tourstart, ebenfalls in der kanadischen Metropole. Die Presse zeigt sich begeistert, doch Schlagzeuger Stewart Copeland erwartet mehr von sich und seinen zwei Kollegen. So nennt er Sting ein „launisches Weichei“ und vermutet, dass sich Gitarrist Summers „in Idaho“ aufgehalten habe, als es ihm und Sting nicht gelungen sei, im Takt zu bleiben. Es ist kein Geheimnis, dass Copeland als Quatschkopf der Gruppe gilt und seine Worte manchmal äußerst ungewöhnlich wählt. Tatsächlich erklärt er später: „Das war ernstgemeinte Kritik. Wenn man sich die Aussagen im Kontext anschaut, sind sie gar nicht so giftig.“

Bis zum 7. August 2008 bleiben The Police „on the road“ und schließen mit einer fulminanten Show in New York City ab. Mit mehr als 360 Millionen US-Dollar Umsatz zählt die Tour zu den erfolgreichsten aller Zeiten — eine Resonanz, mit der auch die Musiker in diesem Umfang nicht rechnen konnten. Etwa drei Monate später folgt das Livealbum Certifiable: Live In Buenos Aires. Eine neue Studioplatte bleibt bis heute außer Sicht…

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Zeitsprung: Am 2.11.1978 veröffentlichen The Police ihr Debüt „Outlandos d’Amour”.

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Popkultur

ABBA Voyage: So war die Premiere der Hologramm-Megashow

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ABBA Voyage
Foto: Johann Persson

Am 26. Mai 2022 feierte in der Londoner ABBA-Arena die lange erwartete Hologramm-Show ABBA: Voyage ihre Premiere.

Fünf Jahre lang hatte man an jener Show gearbeitet, die neue Maßstäbe in puncto Technik und Konzerterlebnis setzen soll. Gemeinsam mit der vfx-Firma Industrial Light & Magic erarbeiteten ABBA und Team ein Showspektakel, für das im Londoner Queen Elizabeth Olympic Park eine eigene Arena errichtet wurde.

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Nachdem Ende 2021 mit Voyage ABBAs erstes Album seit knapp vierzig Jahren erschienen war, ging am 26. Mai also die seit langem angekündigte Premiere über die Bühne. Dafür absolvierten Agnetha Fältskog, Björn  Ulvaeus, Benny  Andersson und Annifrid Lyngstad ihren ersten gemeinsamen Auftritt seit langem. Die Begeisterung war groß — und die Show offensichtlich ein voller Erfolg.

In der VIP-Riege waren die vier ABBA-Mitglieder in bester Gesellschaft: das schwedische Königspaar Carl Gustaf und Silvia besuchte die Show ebenso wie Promis aus Politik und Musik, darunter Kylie Minogue. Alle wollten ABBA sehen — oder besser: ihre Avatare, denn anstatt der mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommenen Mitglieder standen ihre jungen, digital aufwändig erstellten „ABBAtare“ an ihrer Stelle auf der Bühne. Nur am Ende der Show ließen sich dann die vier Musiklegenden überreden, ganz analog auf die Bühne zu kommen und sich den Begeisterungsstürmen des Publikums zu stellen.

 

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95 Minuten dauerte ABBA Voyage, für das ABBA mit den Produzenten Svana Gisla und Ludvig Andersson sowie dem Regisseur Baillie Wailsh verantwortlich zusammenarbeiteten. Natürlich kam längst nicht alles vom digitalen Band — denn die ABBAtare wurden von einer zehnköpfigen Band begleitet. Auch die Choreographie von Wayne McGregor sowie das Design (hier waren Dolce & Gabbana, Manish Arora, Erevos Aether und Michael Schmidt verantwortlich), konnte sich sehen lassen.

Wie aufwändig die Produktion war, möchten wir hier mal anhand folgender Zahlen verdeutlichen: Es brauchte eine Milliarde Rechenstunden, um die Avatare zu erstellen, die mit 160 Kameras gefilmt wurden. 1.000 ILM-Expert*innen arbeiteten in vier verschiedenen Studios auf der ganzen Welt an der Show, die mit 291 Lautsprechern einen Verschleiß von 870.000 Watt Audio-Amplification hat. Für die gute Sicht sorgen 500 bewegliche Scheinwerfer — das übrige tut ein Screen mit 65 Millionen Pixel. Man sieht: Hier wurde geklotzt, nicht gekleckert.

ABBA Voyage

Die “ABBAtare” in Kostümen von Dolce & Gabbana. (Foto: ABBA Voyage D&G)

ABBA-Mitglied Björn Ulvaeus erklärte dazu im Vorfeld: „Was mir gefällt, ist die Tatsache, dass wir nicht nur die Grenzen der digitalen Welt verschieben, sondern auch versuchen, die physische und die digitale Welt auf eine Art und Weise zu integrieren, die eindringlich ist.  Man befindet sich in einer Arena mit 3.000 anderen Menschen, Menschen aus Fleisch und Blut.  Und das ist durch nichts zu übertreffen.“


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In puncto Setlist boten ABBA einen Mix aus alten Hits und neuen Songs:

  1. The Visitors
  2. Hole in Your Soul
  3. SOS
  4. Knowing Me, Knowing You
  5. Chiquitita
  6. Fernando
  7. Mamma Mia
  8. Does Your Mother Know
  9. Eagle
  10. Lay All Your Love on Me
  11. Summer Night City
  12. Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)
  13. Voulez-Vous
  14. When All Is Said and Done
  15. Don’t Shut Me Down
  16. I Still Have Faith in You
  17. Waterloo
  18. Dancing Queen
  19. Thank You for the Music
  20. The Winner Takes It All

Natürlich, bei 20 Songs und einem solchen Backkatalog an Hits fehlte die eine oder andere wichtige Nummer.

Ob Hologramm-Konzerte nun tatsächlich die Zukunft des Entertainments sind oder nicht: ABBA gelang mit ABBA: Voyage ein großer, international viel beachteter Wurf, den die Fans in den kommenden Monaten in London selbst erleben können. Tickets gibt es hier.

ABBA-Comeback: Was hat die Band seither eigentlich getrieben?

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