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Popkultur

Die musikalische DNA von Bob Marley

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Wer Reggae sagt, meint in den meisten Fällen Bob Marley. Kaum jemand hat in der Musikgeschichte ein ganzes Genre dermaßen dominiert wie der Jamaikaner. Das ist einerseits schade, weil Reggae noch viel mehr zu bieten hat als die Musik des Rastafaris. Es ist zugleich jedoch nur die logische Konsequenz seines Schaffens. Gemeinsam mit den Wailers war Marley dabei, als der neue Sound in Jamaika seinen Anfang fand und trug ihn in die Welt hinaus.

Leicht hatte er es dabei nicht immer, denn außerhalb seines eigenen Landes wurde der Offbeat-basierte Sound nur zögerlich aufgenommen. Marley wurde stattdessen zu einer internationalen Ikone des Undergrounds und der Gegenkultur. Seine Musik war ein hoffnungsvoller Protest gegen das Übel in der Welt. Doch Reggae entstand nicht im luftleeren Raum und auch Marley konnte auf eine ganze Reihe von wegweisenden Musikern zurückblicken, die ihn entweder inspirierten oder auf seiner Reise unterstützten. Ein Blick auf seine musikalische DNA verrät uns, wer.


Hör dir hier Bob Marley musikalische DNA als Playlist an während du weiterliest:


1. The Drifters – This Magic Moment

Schon früh begann sich der junge Marley für Musik zu interessieren. „Wie alles angefangen hat, weiß ich nicht“, gab er in einem Interview zu. „Aber ich weiß, dass meine Mutter Sängerin war. Meine Mutter ist sehr spirituell, wie eine Gospel-Sängerin. Sie schreibt Songs. Ich habe zuallererst sie singen gehört und fing so an, Musik zu lieben.“

Mit Neville „Bunny“ Livingston fand er einen Freund, der genauso musikversessen war wie er selbst. Gierig sogen die beiden Teenager jeden neuen Sound auf. Bunny bastelte sich aus Kupferdrähten, einer Sardinenbüchse und einem Bambusrohr eine Gitarre, mit der die beiden ihre ersten Songs spielten. Wo ein Wille ist, da ist schließlich auch ein Weg! Neben Calypso, Ska und Rhythm and Blues stand die Musik der Vokalgruppe The Drifters hoch in Marleys Kurs. „Mein größter Einfluss waren die Drifters – Magic Moment, Please Stay, sowas. Also dachte ich mir, ich sollte eine Gruppe zusammentrollen.“


2. Fats Domino – Be My Guest

Gesagt, getan. Zuerst versuchte sich Marley mit seinen Kollegen noch am Ska-Stil, der sich in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren in Jamaika ausprägte. Mit dem Ska schuf sich Jamaika ein ganz eigenes Musikgenre, das regionale Stile wie Mento und Calypso mit dem Rhythm and Blues-Sound des schwarzen Amerikas vereinte. Insbesondere die Musik von New Orleans-Musikern wie Fats Domino war beliebt. Songs wie Be My Guest bildeten mit ihren synkopierten Gitarrenakkorden die Blaupause für die unwiderstehlichen Ska-Grooves.

Im Rhythm and Blues fand die jamaikanische Bevölkerung eine Musik, die viel eher zu ihnen sprach als der weiße Rock eines Elvis Presley. Über Transistorradios und die ersten Soundsystems verbreitete er sich über die ganze Insel, bis irgendwann jede noch so obskure Platte totgespielt war. Mit dem Aufkommen von Ska fand die Unabhängigkeitserklärung Jamaikas im Jahr 1962 ihren perfekten Soundtrack: Die Stimmung war ausgelassen, eine neue kulturelle Identität begann sich zu bilden.


3. Skatalities – Freedom Sounds (Live)

Songs wie Freedom Sounds von den Skatalities drückten den Spirit dieser Zeit am besten aus. Die Skatalities gehören zu einer der bekanntesten Gruppen der ersten Ska-Welle und rekrutierten ihre Mitglieder aus der regionalen Musikszene. Als veritable Supergroup waren sie sich aber keineswegs zu schade, um mit einem Haufen unerfahrenen Burschen ins Studio zu gehen, um deren erste Single mit dem Titel Simmer Down aufzunehmen.

Wer diese Burschen waren? Nun, sie nannten sich die Wailers und wurden von Peter Tosh, Bunny Wailer und einem gewissen Bob Marley angeführt. Mit dem Song wollte die junge Band die „rude boys“ in den Ghettos Jamaikas dazu auffordern, ihr gewalttätiges Treiben zu überdenken. Ob’s geholfen hat? So oder so hätte Marley wohl kaum einen passenderen Einstieg feiern können. Mit den Skatalities im Rücken und der Vision einer friedlicheren Welt startete er seine Karriere auf dem richtigen Fuß. Nur musikalisch sollte er sich noch etwas umorientieren.


4. Toots & The Maytals – Do The Reggay

„Reggae begann mit Fats Domino“, soll Marley einmal gesagt haben. Tatsächlich lässt sich eine direkte Verbindungslinie vom Sound des Rhythm and Blues aus New Orleans über den Ska-Hype hin zur Entstehung des Genres ziehen. Wie aber genau entstand der Reggae? Musikhistoriker sind sich uneinig, verbrieft sind allerdings die Wurzeln des Genres im Ska und dem Rocksteady sowie die erste populäre Nennung in einem Song von Toots & The Maytals.

Do The Reggay erschien 1969 und brachte bereits alle Zutaten mit, die den Sound für Jahrzehnte prägen sollten. Reggae ging die Dinge ruhiger an als die frenetischen Ska-Rhythmen und ließ die grellen Bläser weg. Stattdessen traten Gitarre und gelegentlich auch Orgeln in den Vordergrund. Der Gospel-inspirierte Sound von Toots & The Maytals wird Marley auch an die Songs erinnert haben, die ihm seine Mutter als Kind vorgesungen hatte. Er jedenfalls war absolut begeistert vom Reggae und ging schon bald mit den Wailers und dem Produzenten Leslie Kong ins Studio, um seine neue musikalische Vision dort umzusetzen.


5. Eric Clapton – I Shot The Sheriff

Das Wort „Reggae“ wird in Europa und den USA auch gerne mal als Sammelbegriff für sämtliche jamaikanische Musik verwendet und selbst gefuchste Musiknerds wären vermutlich aufgeschmissen, wenn sie spontan den Unterschied zwischen Calypso und Mento erklären sollten. Nein, Reggae hat es nach wie vor nicht leicht und auch der internationale Siegeszug des Genres dank Marley selbst musste hart erkämpft werden.

Auf seinem Weg kam Marley von unerwarteter Seite Hilfe zu. Was fand so ein bleicher Brite wie Eric Clapton bitte am Reggae-Sound? Vielleicht mochte die „Slowhand“ ja den entspannten Grundton des Genres. So oder so markiert seine Coverversion von I Shot The Sheriff einen Schlüsselmoment in der Geschichte des Genres und somit der Karriere Marleys: Clapton eröffnete beiden ein völlig neues Publikum, das danach vermehrt zum Original griff. Es scheint ganz so, als hätte Marleys friedliebende Message ihm ein paar Karmapunkte eingespielt.


6. The Impressions featuring Curtis Mayfield – People Get Ready

Nach der Auflösung der Wailers im Jahr 1974 war Marley an einem Scheidepunkt angekommen. Der irrsinnige Erfolg des Clapton-Covers schien eine Fügung des Schicksals zu sein: Marley zog nach England. Dort nahm er die Alben Exodus und Kaya auf, die ihm ganze vier Hits bescherten. Der vielleicht nachhaltig bekannteste davon ist sicherlich One Love. Den Song hatten die Wailers bereits 1965 aufgenommen und dabei glatt unterschlagen, wer große Teile des Songs ursprünglich geschrieben hatte: Curtis Mayfield, Mastermind der Band The Impressions.

One Love ist nicht das einzige Stück, das sich die Wailers bei den Impressions geliehen hatten. Dass die Wailers sich bei der in fünfziger und sechziger Jahren extrem erfolgreichen Vokalgruppe bedienten, lag auf der Hand. Einerseits vereinte die Band den Sound von Gruppen wie den Drifters mit sanften Ryhthm and Blues-Grooves, wie sie dem Ska nahe standen. Andererseits gehörte Mayfield der schwarzen Bürgerrechtsbewegung an und legte somit eine ganz ähnliche Einstellung an den Tag wie Marley und seine Kollegen. Immerhin übrigens holte Marley sein Versäumnis später nach: Die Version auf Exodus nennt Mayfield als Co-Songwriter.


7. James Brown – Say It Loud – I’m Black and I’m Proud

Mayfield wurde nach dem Ende der Impressions als einer der Pioniere des neuen Soul-Genres als Solo-Künstler weltweit bekannt. Nicht nur sein Einfluss aber reichte bis nach Jamaika, auch der „Soul Brother No. 1“ James Brown war bei den Wailers beliebt, wie auch ihren frühen Aufnahmen anzuhören ist. „Oh, das ist, was wir damals alle gehört haben“, sagte Marleys Witwe Rita in einem Interview.

„Es war unser täglich Brot in dem Sinne als dass wir dachten, dass wir eines Tages in allen diesen Radiostationen gespielt würden und glaubten, dass unsere Musik eines Tages in Amerika gespielt würde. Das war in den frühen Sechzigern unser Traum. Bob Marley und die Wailers hörten Curtis Mayfield und die Impressions, und James Brown. Jede Nacht hörten sie sich diese Typen an und versuchten, genauso zu klingen.“ Mehr noch war Brown wie Mayfield auch eine wichtige politische Bezugsperson. Im Song Black Progress zitiert Marley nicht ohne Grund die ikonische Zeile „We rather die on our feet than keep livin’ on our knees“ aus dessen Say It Loud – I’m Black And I’m Proud.


8. Miles Davis – Blue In Green

Obwohl sich Marley überwiegend mit dezidiert schwarzen Musikstilen auseinandersetzte, machte sein Wirken auch nicht vor weißen Musikern Halt. „Bob Marley war der Angelpunkt meines Interesses für schwarze amerikanische Musik und Jazz“, gab etwa Sting zu Protokoll. Jazz ist ein gutes Stichwort, denn auch für das Genre interessiert sich Marley nachhaltig. Dabei ging es ihm nicht nur um den beschwingten Big Band-Sound früherer Zeiten, sondern auch zeitgenössische Interpretationen des traditionsreichen Genres.

So richtig leicht fiel es dem Jamaikaner aber keinesfalls, sich mit Jazz anzufreunden. „Ich konnte es einfach nicht verstehen“, schmunzelte er in einem Interview. „Nach einer Weile aber kapierte ich, worum es ging und ließ mir von Joe Higgs und Seeco Patterson einiges beibringen. Ich habe Ganja geraucht und dann begriff ich Jazz. Ich habe versucht, mich in eine Stimmung zu versetzen, in welcher der Mond blau schimmert, und wollte die Gefühle nachvollziehen, die in Jazz ihren Ausdruck finden.“ Ob dabei auch Miles Davis auf dem Plattenteller rotierte? Ein Song wie Blue In Green scheint allein dem Titel nach schließlich perfekt für eine melancholische Räuchersession auf der heimischen Couch geeignet…


9. Mulatu Astatke – Yèkèrmo Sèw

Im Laufe seiner Karriere setzte sich Marley auch zunehmend mit der Musik des afrikanischen Kontinents auseinander, den er selbst als Wiege der Menschheit betrachtete. Sein Sehnsuchtsland war Äthiopien, wo Mulatu Astatke in den siebziger Jahren den sogenannten Ethio-Jazz etablierte. Astatke hatte in Großbritannien und den USA studiert und dort auch sein musikalisches Handwerk gelernt, schuf aber einen ganz eigenen Sound, der die Klänge seines Heimatlands miteinbezog.

Für einen Rastafari wie Marley hatte Äthiopien einen besonderen Stellenwert: In seinem Glauben handelt es sich dabei um das Heilige Land. 1978 besuchte er es erstmals in seinem Leben, zu einer Zeit also, als Astatke gerade mit dem Ethio-Jazz einen neuen Sound schmiedete, der nicht unähnlich dem Reggae der schwarzen Diaspora eine Stimme verlieh. Die Alltagsrealität im Heiligen Land sah aber düsterer aus, als die wortlose Musik Astatke klang: Ein Bürgerkrieg tobte, als Marley dort die Rastafari-Community im Städtchen Shashemene besuchte. Es hat seiner Faszination keinen Abbruch getan und 2005 orderte seine Witwe sogar eine Umbettung seiner leiblichen Überreste nach Äthiopien an.


10. Lee “Scratch” Perry & The Upsetters – Enter The Dragon

Marley starb jung und doch ist sein Erbe größer als das mancher anderer Stars seiner Zeit. Obwohl er auf immer das Gesicht des Reggae-Sounds bleiben wird, so waren seine Einflüsse doch ebenso vielseitig wie sein eigenes Schaffen. Als Reggae-Pionier hat er auch an der Entstehung von anderen Sounds seinen Anteil gehabt. Als Produzenten wie King Tubby und Lee „Scratch“ Perry den Sound des Genres im Studio auf seine Bass- und Rhythmuselemente eindampften und somit den Dub schufen, war Marley live dabei.

Dub revolutionierte die Musikgeschichte, indem es noch vor den großen Krautrock-Produzenten wie Conny Plank das Studio zum eigentlichen Instrument erhob. Dub-Musik war explizit für die Benutzung auf den mobile Soundsystemen in Jamaika gedacht, wo die Platten für ein tanzwilliges Publikum aufgelegt wurden. Mit Lee „Scratch“ Perry und seiner Band Upsetters hatte Marley selbst für eine kurze Zeit zusammengearbeitet und blieb ihm bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden. Gemeinsam nahmen sie in Perrys legendärem Black Ark-Studio im Jahr 1978 ein paar Demos auf, zu denen Perry auch eigens ein paar Dub-Versionen bastelte. Zwei musikalische Visionen, harmonisch miteinander vereint.


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Popkultur

Interview mit In Flames: „Sobald man ein paar Alben veröffentlicht hat, ist plötzlich alles voller Regeln“

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In Flames

Mit Foregone liefern In Flames das Album, auf das alle seit Reroute To Remain gewartet haben: Ein großes Melodic-Death-Metal-Album, das mehr als nur ein bisschen auf die legendären Neunziger schielt. Warum das nichts mit Nostalgie zu tun hat, wie die Schweden Fortschritt dosieren und was er gern an seinem 50. Geburtstag machen würde, verrät uns Sänger und Kappenträger Anders Fridén im Interview.

von Björn Springorum

Ihr habt schon vor Veröffentlichung des neuen Albums eine lange Europatournee gespielt. Was man so gehört hat, kam die ja wahnsinnig gut an. Wie war es, wieder unterwegs zu sein?

Ich weiß nicht, was, aber wir scheinen gerade irgendwas richtig zu machen. (lacht) Der Band geht es sehr gut und wir alle haben es genossen, endlich mal wieder eine richtige Tour zu spielen. Es war viel zu lang her.

Die Stimmung in In Flames ist derzeit also bestens?

Unsere Band verteilt sich ja mittlerweile auf Schweden und die USA, also waren wir wegen der Pandemie ewig nicht zusammen im selben Raum. Das war nicht einfach, hat unserer Beziehung aber gut getan. Wir konnten alle mal einen Schritt zurücktreten und in aller Ruhe betrachten, was wir uns da eigentlich aufgebaut haben. Als Band machst du ja nie Pause, du machst einfach immer so weiter, bis du ein wenig aus den Augen verlierst, was für ein gewaltiges Privileg das alles ist. Alle sind jetzt wieder so dermaßen hungrig auf die Band, alle ziehen an einem Strang. Außerdem sind alle in absoluter Topform. So eine hohe Qualität hatten wir bei In Flames noch nie.

Wie hast du die Pandemie überstanden?

Habe ich das? (lacht) Ja, wahrscheinlich schon. Es ging. Ich fühlte mich merkwürdig ruhig, als alles losging. Erstmals in meinem Leben gab es da ein Ereignis, das alle auf der Welt im gleichen Maße betraf. Ich fühlte mich allen anderen Menschen verbunden, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Das änderte sich dann auch bei mir irgendwann in Richtung Frustration, aber zumindest die erste Phase war durchaus inspirierend.

„Ich weiß, dass wir die Hoffnung nie verlieren sollten“

Deine Texte waren ja immer sehr introspektiv und persönlich. Hat die Pandemie sie universaler gemacht?

Die Texte sind persönlich wie immer, richtig. Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann sind sie tatsächlich mehr nach außen gerichtet. Ich beobachte mein Umfeld mehr.

Foregone sprüht nicht gerade vor Optimismus und Zuversicht. Wo findest du noch Hoffnung?

In meinem ersten Kaffee am Morgen? (grinst) Ansonsten ist es schwierig, das gebe ich zu. Ich sollte wahrscheinlich einfach aufhören, die Nachrichten zu lesen. Sicher, Hoffnung gibt es irgendwie immer, aber manchmal scheint es alles immer nur noch schlimmer zu werden. Es ist nicht einfach und sagt sich so leicht, aber ich weiß, dass wir die Hoffnung nie verlieren sollten. Für unser eigenes Seelenheil.

Foregone wurde aus Frustration und Angst geboren“

Auf der letzten Tour habt ihr die Songs der neuen Platte direkt mit sehr alten Songs gepaart. Zufall?

Ich finde, dass die neuen Songs sehr gut zu den eher älteren Sachen aus unserem Kanon passen. Irgendwas an ihnen transportiert diese Stimmung der Neunziger.

Hat das mit Nostalgie zu tun?

Ich weiß schon, dass einige der neuen Songs nach unseren ganz frühen Alben klingen, aber wir sehen das anders. Ich bin kein nostalgischer Mensch, ich schaue eigentlich nie zurück. Diese Elemente waren immer da und kommen jetzt einfach wieder ein wenig mehr zum Vorschein, denke ich. Foregone wurde aus Frustration und Angst geboren, diese beiden abgefuckten letzten Jahre sind in dieses Album geflossen.

„Man hört einem Song an, dass es ein In-Flames-Song ist“

Dann war es also keine bewusste Wurzelkunde?

Nein. Mit In Flames haben wir im Grunde nur ein Ziel: Wir wollen besser werden. Bessere Songwriter, bessere Musiker, bessere Menschen. Es ist ja nun mal so: Wir schreiben Songs, mit denen wir für immer leben müssen. Also haben wir keine andere Wahl als alles zu geben. Wer uns nicht mehr mag, kann einfach aufhören, uns zu hören, aber ich muss hinter diesen Songs stehen und sie Nacht für Nacht spielen.

Es kommt also nicht vor, dass ihr im Proberaum mal sagt: „Cooles Riff, klingt aber zu sehr nach Cloud Connected“?

Wir haben unseren Sound, von dem können und wollen wir uns auch gar nicht lösen. Manchmal klingt ein Riff also nach The Jester Race, manchmal nach Reroute To Remain. Man könnte natürlich auch sagen: Manchmal klingen In Flames nach In Flames (lacht). Wir versuchen, uns nicht zu wiederholen, aber auch unsere Gitarren haben nur diese Anzahl an Noten…

Und wie dosiert ihr dann Fortschritt?

Gute Frage. Es ist uns wichtig, uns immer weiterzuentwickeln. Aber wir wollen nie so weit gehen, dass man uns nicht mehr erkennt. Ich denke, das haben wir geschafft. Sicher gab es Änderungen und eine Menge Evolution, aber man darf nicht vergessen, dass wir mittlerweile sehr viele Jahre, sehr viele Tourneen und sehr viele Biere hinter uns haben. Doch unser Sound ist sofort erkennbar. Man hört einem Song an, dass es ein In-Flames-Song ist. Das liegt sicherlich an meiner Stimme, aber auch an der Art und Weise, wie wir Songs schreiben. Das können nur wir so.

„Jede neue Band ist voller Naivität und Aufbruchstimmung“

Wie ist Foregone entstanden?

Wir schreiben weder, wenn wir auf Tour sind, noch alleine für uns. Björn [Gelotte] und ich müssen im selben Raum sein, sonst gibt es keine Magie. Wir zehren voneinander, beflügeln uns gegenseitig. Was sich nie ändern wird: Wir schreiben Alben, keine Singles. Da werden wir für immer alte Schule bleiben.

Du wirst im März 50. Was macht das Älterwerden mit dir?

Es bringt mehr Ruhe. Privat wie musikalisch. Jede neue Band ist voller Naivität und Aufbruchstimmung. Und das ist ja auch das Schöne daran. Deswegen fand ich mein Zuhause in der Heavy-Metal-Szene: Es gab keine Regeln. Doch sobald man dann ein paar Alben veröffentlicht hat, ist plötzlich alles voller Regeln. Fremde sagen dir, was du tun darfst und was nicht und du wirst plötzlich unsicher und weißt nicht mehr, wo du stehst. Das ändert sich mit dem Älterwerden zum Glück wieder. Du wirst dein eigener Kompass und hörst auf deine innere Stimme. Ich mache das seit 1989, da bleibt schon bisschen was hängen.

Was darf man als Band nie verlieren?

Die Leidenschaft. Ich will auf die Bühne geben und das Gefühl haben, dass es auf der ganzen Welt nichts Besseres gibt. Wenn das mal nicht mehr da ist, höre ich auf. Warum sollte ich das sonst auf mich nehmen? Ich war 2022 fast pausenlos auf der ganzen Welt unterwegs…

Was wünschst du dir zum 50. Geburtstag?

Ein Urlaub auf einer einsamen Insel mit meiner Familie, weit weg von euch allen. (lacht)

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Zeitsprung: Am 3.9.2002 wagen In Flames etwas mit „Reroute To Remain“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.2.2013 verliert Axl Rose den Prozess gegen „Guitar Hero III“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.2.2013.

von Christof Leim

2010 verklagte W. Axl Rose die Firma Activision, die das Computerspiel Guitar Hero III auf den Markt gebracht hatte, in dem auch Guns N’ Roses vorkommen. Der Sänger störte sich vor allem daran, dass beim Song Welcome To The Jungle Gitarrist Slash als spielbare Figur auftaucht. Nicht nur das: Sein alter Kollege ziert sogar die Verpackung. Mit seiner Beschwerde kommt Axl allerdings nicht durch…

Hört euch hier die Klassiker von Guns N’ Roses an und lest weiter:

Den Deal damals hatte Axl als Herrscher über das Guns-N’-Roses-Imperium abgesegnet. Dabei vereinbarte er mit der Firma, dass auf keinen Fall sein (damals) ungeliebter Ex-Kollege Slash zu sehen sein darf. Dass zudem einige Songs von dessen neuer Combo Velvet Revolver in der Bonussektion gespielt werden können, störte den Rotschopf ebenso. Nach Meinung von Axl habe die Firma ihn trotz entsprechender Versprechen damit schlicht hintergangen und sei vertragsbrüchig. Als Schadenersatzsumme warf seine anwaltliche Vertretung eine praktische runde Summe in den Ring: 20 Millionen Dollar.

Tauchen beide in Guitar Hero III auf: W. Axl Rose und Slash. Das geht gegen die Abmachung, fand Axl. Credit Foto rechts: Stefan Brending / via Wikimedia Commons.

Die Klage wird abgewiesen

Doch daraus wird nichts: Am 8. Februar 2013, wird die Klage mit Schwung abgewiesen. Hauptgrund: Das Spiel war schon 2007 erschienen, aber Team Axl hat sich drei Jahre Zeit mit der Klageerhebung gelassen – zu lange. Und das, obwohl der Agent des Künstlers schon viel früher eine Beschwerdemail an Activision geschrieben hatte. Rose hatte aber einen guten Grund zu warten, denn die Firma hatte ihm ein eigenes Spiel angeboten. Da wartet man doch gerne. Über die juristischen Details streiten sich in der Folge diverse Anwaltskanzleien.

Ganz schön viel Theater um Daddelei und Rockbands, könnte man meinen. Allerdings geht es um viel Geld und, vielleicht wichtiger, Außenwirkung. Immerhin ist Axl Rose damals mit einer ganz neuen Gunners-Besetzung unterwegs. Glücklicherweise hat sich das aber erledigt: Heute sind er und Slash wieder Freunde und touren höchst erfolgreich um die Welt. Ist auch besser so.

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Zeitsprung: Am 21.7.1985 spielen Guns N’ Roses auf einer Universitätsparty.

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Popkultur

Prince, Madonna und die Rolling Stones: Die besten Super-Bowl-Halbzeitshows aller Zeiten

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Prince
Foto: Jonathan Daniel/Getty Images

Ein Auftritt im Rahmen der Super-Bowl-Halbzeitshow gleicht einem popkulturellen Ritterschlag, nirgendwo ist das TV-Publikum größer. Vielen Sternchen wurde diese Ehre in den vergangenen Jahrzehnten bereits zuteil. Von U2 bis hin zu den Rolling Stones: Diese zehn Halbzeitshows finden wir besonders gelungen.

von Timon Menge

10. The Blues Brothers, ZZ Top, James Brown (1997)

Wenn der Super Bowl in einer Blues-Metropole wie New Orleans stattfindet, muss natürlich auch eine Blues-orientierte Halbzeitshow her. Mit Everybody Needs Somebody To Love und Soul Man gaben die Blues Brothers am 26. Januar 1997 zwar vor allem Soul-Klassiker zum Besten, genau wie James Brown im Anschluss; doch spätestens ZZ Top versorgten das Publikum mit reichlich Bluesrock. Eine coole Sonnenbrillen-Party zwischen zwei Halbzeiten!

9. U2 (2002)

Den Iren U2 wurde am 3. Februar 2002 eine ganz besondere Verantwortung zuteil. Die Terroranschläge von 11. September 2001 lagen noch kein halbes Jahr zurück, da sollten Bono und Co. bei der größten Unterhaltungsveranstaltung der Welt auftreten – übrigens erneut in New Orleans. Doch U2 wurden ihrem Auftrag gerecht, lieferten ein hervorragendes Set ab und gedachten auf einer riesigen Leinwand all jenen, die am 11. September ums Leben gekommen waren.

8. The Rolling Stones (2006)

Auf eine große Bombast-Show verzichteten die Rolling Stones bei ihrem Auftritt am 5. Februar 2006 in Detroit. Doch ganz ehrlich: Wenn Mick Jagger und seine jahrzehntelangen Weggefährten eine Bühne betreten, braucht es keine Schnörkel und kein Chichi. In wenigen Minuten rockten sich die Stones durch große Hits wie Start Me Up und (I Cant Get No) Satisfaction. Einen Luxus gönnten sich die Briten dann allerdings doch: eine Bühne in Form einer riesigen roten Zunge.

7. Katy Perry (2015)

Zugegeben, für hartgesottene Rocker*innen klingt der Sound von Katy Perry etwas ungewohnt. Doch mindestens zwei Dinge kann ihr keiner nehmen: hervorragende Popsongs und einen mehr als nur gelungenen Auftritt am 1. Februar 2015. In Sachen Show macht den größten Pop-Sternchen einfach niemand etwas vor, wie wir auch im weiteren Verlauf unserer Liste feststellen werden. Als Gäste durfte Perry Hip-Hop-Legende Missy Elliott und Gitarrengott Lenny Kravitz begrüßen.

6. Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar & 50 Cent (2022)

Diese Halbzeitshow ist noch nicht lange her, setzte am 13. Februar 2022 aber völlig neue Standards. Zum ersten Mal in der Geschichte des Super Bowl durfte sich die Hip-Hop-Welt nach Herzenslust präsentieren. Das Line-up des Abends liest sich wie ein Who‘s who: Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar … Sie alle waren dabei und setzten dem Sprechgesang ein etwa 15-minütiges Popkultur-Denkmal. Als Gaststars tauchten 50 Cent und Anderson .Paak auf.

5. Madonna (2012)

Wenn die „Queen Of Pop“ eine Halbzeitshow gestaltet, darf man einiges erwarten. Und wie so oft wurde Madonna den Erwartungen am 5. Februar 2012 vollständig gerecht. Als griechische Göttin verkleidet, ließ sie sich von ihren Spartaner-Tänzern über die Bühne tragen und manifestierte ihren Status als größte Popkünstlerin aller Zeiten. Unterstützung erhielt sie unter anderem von Cee Lo Green, Nicki Minaj, M.I.A. und LMFAO. Den Abschluss der Show markierte ein Gospelchor, mit dem Madonna Like A Prayer zum Beten … äh … zum Besten gab.

4. Lady Gaga (2017)

Als die Verantwortlichen der NFL den Vertrag mit Lady Gaga unterzeichneten, dürften ihnen durchaus ein paar Schweißperlen auf der Stirn gestanden haben. Schließlich kann man bei der exzentrischen Künstlerin nie so genau wissen, mit welchen Show-Einlagen sie ihr Publikum überrascht. (Wir erinnern uns an das Rindfleischkleid von 2010.) Bei der Super-Bowl-Halbzeitshow am 5. Februar 2017 ging die Musikerin allerdings auf Nummer sicher und legte einen unfassbaren Auftritt hin. Die Performance ihrer LGBTQ-Hymne Born This Way ließ sich Gaga trotzdem nicht nehmen.

3. Michael Jackson (1993)

Zu den Eigenheiten der Super-Bowl-Halbzeitshow zählt unter anderem der enge Zeitplan. Selten stehen für die Performance mehr als 15 Minuten zur Verfügung; meist wird jede Sekunde davon genutzt. Michael Jackson ging das Ganze im Januar 1993 ein wenig anders an. Länger als eine Minute blieb er vor seiner fulminanten Show still auf der Bühne stehen, als sei er eine Statue – und wurde dafür auch noch bejubelt. Das sagt einiges über seinen damaligen Stand des „King Of Pop“ aus.

2. Beyoncé & Destiny’s Child (2013)

Die Super-Bowl-Halbzeitshow 2013 war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, dass mit Beyoncé eine der hochkarätigsten Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts das Programm gestaltete. Nein, es kam auch zur lange erwarteten Reunion von Destiny’s Child, denn Kelly Rowland und Michelle Williams waren ebenfalls mit von der Partie. An jenem Abend dürften Beyoncé und ihre Kolleginnen viele Frauen und Mädchen sehr glücklich gemacht haben. Im Anschluss an ihren Auftritt fiel allerdings für mehr als eine halbe Stunde der Strom aus.

1. Prince (2007)

Der Auftritt von Prince im Rahmen der 41. Super-Bowl-Halbzeitshow ist nichts anderes als eine Lehrstunde in Sachen Rockstar-Perfektion. Scheinbar mühelos fegte der gerade einmal 1,57 Meter große Musiker am 4. Februar 2007 über die Bühne in Form seines Logos. Keine Sekunde verging, ohne dass er das Publikum fest im Griff hatte. Prince und eine Blaskapelle? Oh ja. Prince spielt Purple Rain im Regen? Absolut. Ein Abend für die Geschichtsbücher!

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„California Love“: Die musikalischen Höhepunkte der Super-Bowl-Halbzeitshow

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