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Popkultur

Die musikalische DNA von Herbert Grönemeyer

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Viele kennen ihn nur als den Typen auf Parkplatzsuche oder den Mann, der einiges über Männer erzählen kann und es tief im Westen viel besser findet, als man so glaubt. Für andere aber ist Herbert Grönemeyer einer der sensibelsten und poetischsten deutschen Sänger der letzten vierzig Jahre, dessen unverwechselbarer Gesangsstil ihn ohne weiteres von der Konkurrenz abhebt. Der Mensch ist schließlich Mensch, und Grönemeyer ist Grönemeyer. Was ihn aber erst zu Grönemeyer gemacht hat, erfahren wir mit Blick auf die musikalische DNA des Ausnahmesängers, der nicht nur schauspielerisches Talent, sondern stets auch ein Faible für ganz spezielle Sounds an den Tag gelegt hat. Vor allem aber ist Grönemeyer eine Ausnahmefigur, die mit Songs wie »Der Weg« tief in sich blicken ließ. Musik, sagte er  einmal, bringe die Seele zum Klingen. Seine tönt etwas lauter als die meisten anderen.


Hört euch hier die musikalische DNA von Herbert Grönemeyer in einer Playlist an:


Caterina Valente und Silvio Francesco – Steig in das Traumboot der Liebe

Bitte alle mitsingen: Bochum, ich komm aus… Göttingen respektive Clausthal-Zellerfeld!? In der Stadt mit dem schmucken Doppelnamen lebten Grönemeyers Eltern – selbst Fans von exzessiver Namensgebung, wie uns Herbert Arthur Wiglev Clamor sicher bestätigen wird – zu Zeiten seiner Geburt. Seine Mutter brachte ihn aber in der niedersächsischen Studentenstadt zur Welt. Zu dieser Zeit dudelte »Steig in das Traumboot der Liebe« von Club Indonesia in den Radios rauf und runter, vielleicht ein Omen: Nicht nur mit Flugzeugen im Bauch, sondern auch mit Booten sollte der kleine – nochmal zum Mitschreiben – Herbert Arthur Wiglev Clamor schließlich im Laufe seiner Karriere einige Erfahrungen machen. Nach Bochum übrigens zog die Familie, als der Filius ein Jahr alt war. Besser spät als nie!


 Kurt Weill – Ballade vom angenehmen Leben (Dreigroschenoper)

Apropos Das Boot, apropos Schauspielerei: Nachdem Grönemeyer bereits mit Claude-Oliver Rudolph die Schulbank drückte, verdienten sich die beiden am Schauspielhaus Bochum ihre ersten Groschen. Während Rudolph auf der Bühne stand, machte es sich Grönemeyer hinter dem Piano bequem. In der Schule übrigens musste der gestandene (Film-)Übeltäter Rudolph dem Kumpanen in Sachen Theater noch unter die Arme greifen: »Wir sollten im Abi den Vergleich zwischen aristotelischem Theater und epischem Theater nach Brecht aufzeigen«, erinnerte sich Rudolph in einem Interview. »Ich glaube, dass Herbert bis dato noch nie etwas von Aristoteles gehört hatte, da er sich nur für Fußball und Popmusik interessierte.« Brecht immerhin wird spätestens im Schauspielhaus auf dem Plan gestanden haben, und welcher Theaterpianist kommt schon um die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und der Musik Kurt Weills aus? Im Schauspielhaus wird übrigens noch heute ein Singspiel mit dem Titel »Bochum« aufgeführt. Keine Frage, wer dafür seine Lieder beigesteuert hat.


The Beatles – With A Little Help From My Friends

Grönemeyers Bühnenkarriere, die ihm schließlich auch seinen musikalischen Werdegang ermöglichte, begann mit einem geradezu prophetischen Stück: Der Korrepetitor und Komponist debütiert im Musical John, Paul, George, Ringo… and Bert. Das lose auf der Geschichte der Fab Four basierende Stück von Willy Russell beinhaltete folgerichtig einige ihrer Songs, unter anderem auch With A Little Help From My Friends. Unter die Arme greifen brauchte Grönemeyer allerdings schon bald niemand mehr: Seine Alben Mensch aus dem Jahr 2002 und seine fünfte Platte 4630 Bochum verkauften sich in Deutschland noch häufiger als das meistverkaufte Album der Beatles, die Compilation 1962-1966. Wer kann schon behaupten, den Beatles ein Schnippchen geschlagen zu haben? Zwischenzeitlich brachte ihn Karriere aber häufiger an der Schnittstelle von Musik und Schauspiel auf die Bühne, unter anderem war er in der Oper Die Fledermaus auf der Bühne zu sehen.


Randy Newman – Marie

In Randy Newman fand Grönemeyer einen Freund auf Lebenszeit. Nicht aber dessen Hit You’ve Got A Friend In Me, sondern Newmans einfühlsame Klavierballade »Marie« coverte er einst. Der 1974 erschienene Song ist eine rührende Liebeserklärung, wie sie Grönemeyer selbst so oft für seine verstorbene erste Frau komponierte. Insbesondere die Wahl des Klaviers als Instrument und Newmans ungewöhnliche Stimme haben es Grönemeyer angetan. Er selbst tourt schließlich gerne mal nur mit einem Flügel und seiner markanten Stimme durch die Welt. An seiner Seite dabei immer die Musik Newmans, seinem großen Idol.


Klaus Doldinger’s Passport – Blue Tattoo

Unverkennbar ist die heroische Titelmelodie des Films Das Boot, mit welchem Grönemeyer der Durchbruch als Schauspieler gelungen wäre – wenn ihm seine Musikkarriere nicht dazwischen gekommen wäre! Komponist des Films war Klaus Doldinger, mit dem Grönemeyer mehr als nur ein Soundtrack verbindet. Doldinger war etwa mit seiner Band Passport eine zentrale Figur der deutschen Jazz-Szene und schaffte in den siebziger und achtziger Jahren eine Synthese aus Jazz und Rock, die auch in den Rhythmen und dem betont handgemachten Ansatz von Grönemeyers Songs widerhallt. Auch wenn ein Song wie »Blue Tattoo«, der im selben Jahr wie Das Boot erschien, ohne Worte auskommt. Seinen charakteristischen Gesang hat Grönemeyer letztlich an anderen geschärft.


Ideal – Irre

Auch hatte Grönemeyer die Lektionen aus dem Sound der frühen Neuen Deutschen Welle mit ihren Epizentren in Düsseldorf, Hamburg und Berlin gelernt. Ideal kamen aus der geteilten Bundeshauptstadt und klangen mit ihrem Highspeed-Punk ziemlich »Irre«! Annette Humpes Gesang stach durch sein kreischendes Kieksen hervor, vor allem aber ging die Leidenschaft der Sängerin durch Mark und Bein. Wichtig war bei Ideal nicht stilistische Perfektion, sondern der hemmungslose Ausdruck. Herbert Grönemeyer sollte wenig später in seiner Musik beides im grauen Bochum vereinen können.


Joy Division – She’s Lost Control

Ebenfalls auf Grönland erschienen Platten der britischen Post-Punk-Band Gang Of Four. Mit England hat Grönemeyer ein ganz besonderes Verhältnis. 1998 zog er mit seiner Familie nach London, wo er seitdem den Großteil des Jahres verbringt und ein eigenes Studio unterhält. »In England ist Pop, anders als in Deutschland, eine Art kultureller Grundton«, schwärmte er. »Da wirst du zwangsverpflichtet, dich der Musik zu stellen.« Insbesondere der dringliche Post-Punk-Sound scheint es ihm angetan zu haben: Als Produzent des Films Control über die Band Joy Division und ihren Sänger Ian Curtis ließ er es sich nicht nehmen, eine kurze Nebenrolle zu spielen. Mit dem Regisseur des Films, dem legendären Fotografen Anton Corbijn, seines Zeichens Dokumentar der virilen Post-Punk- und New Wave-Szene der späten Siebziger und frühen Achtziger, pflegt Grönemeyer ein enges Verhältnis. Zu seinen Filmen The American und A Most Wanted Man trug er ebenfalls Musik bei und zeigt sich für Corbijn immer mal wieder auf der Leinwand.


Neu! – Hallogallo

Tatsächlich prägten einige deutsche Bands den Stil des Musikpoetens. Neu! gingen den Neue Deutsche Welle-Punks zeitlich voraus, schienen mit ihrer Musik zugleich jedoch den Sound der nahenden Zukunft einzufangen. »Spezifisch deutsch ist dieses mechanisch-ingenieurhafte Element«, sagte auch Grönemeyer in einem Interview, »das vom Krautrock über die Neue Deutsche Welle bis zu Techno führt.« Selbst begeisterter Fan von den Drum’n’Bass-Sounds der neunziger Jahre, treffen sich bei Neu! Debütalbum aus dem Jahr 1972 seine Leidenschaften für Handgemachtes und kantige Rhythmen. Vor allem beim 10minütigen Hallogallo. Die zackige Schlagzeugfigur des Stücks wurde im Nachhinein als »Motorik«-Beat bekannt, die Gitarrenspuren liefen unter der Aufsicht von Produzenten-Legende Conny Plank zum Teil rückwärts. Kommerziellen Erfolg hatte die Band damit keinen, prägte aber Generationen von Musikern – wie auch Herbert Grönemeyer, der ihr Debüt neben vielen anderen Platten von Krautrock Legenden auf seinem Label Grönland neu auflegte.

Joy Division – She’s Lost Control

Ebenfalls auf Grönland erschienen Platten der britischen Post-Punk-Band Gang Of Four. Mit England hat Grönemeyer ein ganz besonderes Verhältnis. 1998 zog er mit seiner Familie nach London, wo er seitdem den Großteil des Jahres verbringt und ein eigenes Studio unterhält. »In England ist Pop, anders als in Deutschland, eine Art kultureller Grundton«, schwärmte er. »Da wirst du zwangsverpflichtet, dich der Musik zu stellen.« Insbesondere der dringliche Post-Punk-Sound scheint es ihm angetan zu haben: Als Produzent des Films Control über die Band Joy Division und ihren Sänger Ian Curtis ließ er es sich nicht nehmen, eine kurze Nebenrolle zu spielen. Mit dem Regisseur des Films, dem legendären Fotografen Anton Corbijn, seines Zeichens Dokumentar der virilen Post-Punk- und New Wave-Szene der späten Siebziger und frühen Achtziger, pflegt Grönemeyer ein enges Verhältnis. Zu seinen Filmen The American und A Most Wanted Man trug er ebenfalls Musik bei und zeigt sich für Corbijn immer mal wieder auf der Leinwand.


Band Aid – Do They Know It’s Christmas Time?

Grönemeyer ist nicht nur leidenschaftlicher Musikfan und Schauspieler, sondern versteht sich in seiner Rolle als öffentliche Persönlichkeit auch als Politmensch. Schon Mitte der achtziger begann er im Rahmen von Songs wie Tanzen oder Lächeln die Regierung der Bundesrepublik zu kritisieren, zeigte Solidarität für die Kohlekumpels des Ruhrpotts und positionierte sich zudem in der Tradition seines Idols Bob Geldorfs mit karitativen Projekten. 1985 organisierte er das Projekt Band für Afrika, eine direkte Anspielung auf Band Aid, mit dem Geldorf im Vorjahr Do They Know It’s Christmas Time? veröffentlicht hatte. Auch Make Poverty History übertrug er unter dem Namen Deine Stimme gegen Armut nach Deutschland. So ist Grönemeyer eben auch: Ein Verfechter der Gerechtigkeit. Dass ihn der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider mal als seinen Lieblingsmusiker nannte, brachte ihn verständlicher Weise zur Weißglut.


Anohni – Drone Bomb Me

Ähnlich politisch eindeutig positioniert sich auch Anohni, die unter ihrem vormaligen Pseudonym Antony im Jahr 2008 mit Grönemeyer für den gemeinsamen Song Will I Ever Learn vor das Mikro trat. Es war eine Zusammentreffen zweier absoluter Ausnahmestimmen, Gänsehaut garantiert. Das Album I Walk führte Grönemeyers Ausflüge in die englische Sprache fort, die ihm zur zweiten Heimat wurde. Seine Lyrics sind aber nicht die einzigen, die zart-poetisch einerseits und doch von kraftvoller Dringlichkeit andererseits sind. Als Anohni im Jahr 2016 unter neuem Namen wiederkehrte, tat sie es mit einem Knall. Die Vorab-Single Drone Bomb Me beeindruckte nicht nur mit einer atemberaubenden Performance Naomi Campbells im Video zum Song, sondern auch mit gleichermaßen einfühlsamen wie wütenden Tönen. Ein perfekt inszenierter und doch eigenwilliger Pop-Song – Herbert Grönemeyer wird ihn sicher mögen.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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