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Popkultur

Die musikalische DNA von Huey Lewis

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Rockstars sind im Allgemeinen nicht dafür bekannt, bodenständig und bescheiden zu sein. Im Gegenteil: Sie dürfen es überhaupt nicht sein – sonst wären sie ja keine Rockstars! Oder? Nun ja, Hugh Anthony Cregg III ist ein spezieller Fall. Wer? Na, Huey Lewis natürlich. Hä, wer? Na, der mit The Power of Love! Nein, nein – nicht der Frankie Goes To Hollywood-Song. Erinnert ihr euch denn nicht an Zurück in die Zukunft? Oder an die Szene aus American Psycho, in der Patrick Bateman sein nächstes Opfer mit einer Analyse von Huey Lewis & The News einlullt, bevor er ihn zu den Tönen von Hip To Be Square mit einer Axt hinrichtet? Na, ist der Groschen gefallen? Wer sich nicht an Huey Lewis & The News erinnert, hat die achtziger Jahre entweder nicht erlebt oder kann sich nur nicht erinnern – bei diesem Jahrzehnt durchaus verzeihlich.


Hört euch hier einen Vorgeschmack der musikalischen DNA von Huey Lewis an:

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Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Falls ihr euch nun nach seinem Befinden fragt: Huey Lewis geht es nach wie vor spitze und er weint nicht vergangenen Tagen hinterher. „Immerhin konnten wir unsere 15 Minuten Ruhm eine echte Viertelstunde lang genießen“, erklärte er gegenüber dem Rolling Stone in Anspielung auf den ikonischen Ausspruch des Künstlers Andy Warhol. „Heutzutage bekommt niemand mehr 15 Minuten. Es sind höchstens dreieinhalb oder so.“ Da spricht jemand, der seine Zeit im Rampenlicht voll ausgekostet hat und sich nicht grämt, weil er seitdem eher durchschnittlichen kommerziellen Erfolg für sich verbuchen konnte. Immerhin: In den achtziger Jahren war leidenschaftliche Mundharmonika-Spieler der größte Rockstar der Welt und prägte den Sound eines ganzen Jahrzehnts. Darauf lässt es sich schon mal bequem ausruhen, oder? Zudem er weiterhin an Musik feilt, vor allem für gefeierte Filmsoundtracks. Bodenständig, bescheiden und fleißig – das ist Huey Lewis.

Wo wir schon beim Film sind – legendär ist eine Szene aus American Psycho, in welcher der Psychopath Patrick Bateman über Huey und seine News referiert. „Er ist mit Elvis Costello verglichen worden“, erzählt Bateman darin Paul Allen, kurz bevor er dessen Blut durch die Gegend spritzen lässt. Stimmt das denn? Werfen wir mal einen Blick auf die musikalische DNA von Huey Lewis, um herauszufinden, welche Musik ihn wirklich beeinflusst hat!


1. Louis Armstrong – Ain’t Misbehavin’

À propos American Psycho: Huey Lewis hat sich über die Interpretation des Stücks durch den Romanautor Bret Easton Ellis sehr gefreut. Denn allgemein wird Hip To Be Square gerne missverstanden und als Lob auf die Spießigkeit interpretiert. Dabei wurde dem kleinen Hugh doch die Gegenkultur geradezu in die Wiege gelegt. Er wächst als Kind einer Künstlerin auf, die gerne Grateful Dead hört und sich im Dunstkreis der Hippies und der literarischen Beatnik-Bewegung herumtreibt. Der Vater hingegen ist ein Jazz-Fan und steckt auch den Filius mit seiner Leidenschaft an – wie auch später in dessen erster erfolgreichen Band Clover zu hören ist.

Noch bis heute betrachtet Huey Lewis die dreißiger und vierziger Jahre als den Höhepunkt der Populärmusik. „Von da an ging es bergab“, meinte er einmal resigniert in einem Interview. Was aber sein Jazz-Favorit ist? Natürlich Satch Plays Fats von Louis Armstrong, das allerdings im Jahr 1955 erstveröffentlicht wurde und auf dem Armstrong Stücke des Jazz-Pianisten Fats Weller wie beispielsweise Ain’t Misbehavin‘ neu interpretierte. „Die Platte spielt außerhalb jeder Wertung“, schwärmte der 1950 geborene Rocker über die Armstrong-LP, die er in jedem Fall auf die einsame Insel mitnehmen würde.


2. Nick Lowe – I Knew The Bride (When She Used To Rock’n’Roll)

In so einem Elternhaus wird natürlich kein Konformist großgezogen. Huey Lewis lernt sein Handwerk auf den Straßen der USA und von Europa, schlägt sich mit seinem Mundharmonikaspiel durch die Welt. In Spanien kann er sich auf einem Trip mit seinen Künsten genug Geld erspielen, um sich den Flieger zurück in die Heimat zu leisten. Ziemlich beeindruckend für einen vagabundierenden Musiker, oder? Nach Europa soll es ihn auch später mit seiner Band Clover ziehen, nachdem Nick Lowe die Band in Los Angeles bei einem Konzert erlebt und nach Großbritannien einlädt. Doch das Timing ist miserabel: Im UK wird der folkige Pub Rock-Sound 1976 vom Punk überschattet, die Chance scheint vertan.

„Johnny Rotten spuckte einem NME-Reporter ins Gesicht und alles war vorüber“, fasste Huey die Geschichte zusammen. „Nick Lowe sollte unsere Platte produzieren, und dann kamen Elvis Costello und Wreckless Eric und schließlich The Damned. Sie starteten Stiff Records, heuerten den Produzenten John ‚Mutt‘ Lange an und sagten: ‚Lass es uns in Amerika versuchen!‘“ Die Freundschaft zwischen Lewis und Lowe beschädigte das aber nicht. Auch als Musiker übrigens verstanden die beiden sich stets prächtig, wie auch das The News-Cover von I Knew The Bride (When She Used To Rock’n’Roll) beweist. Der Lowe-Sound beeinflusste den von Huey Lewis maßgeblich, wie zu hören ist. Obwohl dieser selbst meinte, dem Stück ein „ganz schönes Techno-Feeling verpasst“ zu haben.


3. Elvis Costello – Mystery Dance

À propos Elvis Costello, à propos England: So ganz untätig reisten Clover nicht aus dem Königreich ab. Als sie dort landeten, brach zwar die Punk-Epidemie aus, doch Stiff Records heute Clover für einen anderen Job an. Elvis Costello wollte nämlich seine Karriere starten. „Sie brauchten eine Band für Elvis und haben ihn deshalb mit uns zusammengesteckt“, erinnerte sich Huey. „Ich entsinne mich an die erste Probe mit den Jungs. Alle sagten zu mir: ‚Die Lyrics von dem Typen sind klasse. Glaub uns, der bringt‘s!‘“ Damit hatten sie schließlich auch nicht unrecht, denn Costello sollte einer der größten Rockexporte aus dem UK werden!

Huey selbst war bei den Aufnahmen nicht dabei. „Alex, der Lead-Sänger von Clover, und ich nahmen zwei Wochen Urlaub und fuhren nach Amsterdam“, schmunzelte er in einem Radio-Interview. Wer nicht gebraucht wird, kann sich eben den schönen Dingen im Leben widmen. Was sie dort gemacht haben? „Viele Filme geschaut“, scherzte Huey. Alles klar… So oder so: Obwohl sich das Gerücht hartnäckig hält, so ist auf Costellos My Aim Is True-Album keine Mundharmonika von Huey zu hören. „Aber die Mundharmonika, die nicht auf der Platte zu hören ist – die habe ich gespielt“, frotzelte ein gut aufgelegter Huey im selben Interview. Na dann…


4. Thin Lizzy – Baby Drives Me Crazy

Die Musik Costellos sollte eine Konstante in Hueys Karriere bleiben, wie nicht allein die ikonische Passage aus American Psycho beweist. Mit einer anderen Band verband ihn allerdings noch viel mehr. Auch sie lernte er allerdings in seiner Zeit bei Clover kennen: Thin Lizzy waren die irische Hardrock-Band ihrer Zeit und hatten mit Phil Lynott einen der wohl besten Frontmänner im ganzen Business. Und tatsächlich: Auf einigen Thin Lizzy-Platten ist das markante Mundharmonikaspiel Hueys zu hören, darunter auch das legendäre Live and Dangerous-Album. Im Song Baby Drives Me Crazy liefert Huey ein himmlisches Solo ab.

„Phil war der beste Rock-Performer, den ich je gesehen habe“, erinnerte sich Huey in einem Interview an den tragisch verstorbenen Kollegen. „Er war außerdem eine wundervoll großzügige Person und ein guter Freund. Er hat so viele der heutigen Rock-Musiker beeinflusst. Er sollte in der Rock and Roll Hall of Fame sein!“ Besonders an Lynott gefiel Huey immer die Bühnenpräsenz des Kumpels, den er selbst als „Mentoren“ bezeichnete. Mit Kopfschütteln erinnert er sich an das erste gemeinsame Konzert von Clover und Thin Lizzy: Er und seine Kollegen warteten nervös hinter dem Vorhang, draußen schrie die Crowd begierig nach den Iren. „Und dann geht der Vorhang auf und voilà: ‚Ladies und Gentlemen – Clover!‘“, lachte er.


5. Bob Dylan – Hard Travellin‘

Die Zeiten in Europa haben Huey in jeder erdenklichen Hinsicht geprägt, sein eigener Sound aber bezieht sich klar aus der US-amerikanischen Tradition seiner Heimat. Dort wurde der Blues im Mississippi-Delta geboren und vom schwitzigen Rhythm and Blues der Südstaaten aufgepäppelt, bis ihn Elvis Presley und andere dem weißen Mainstream beibrachten. Doch die USA haben musikalisch natürlich noch mehr zu bieten und Huey wird euch jederzeit den Einfluss von Country-Legenden oder dem Folk-Barden Bob Dylan auf sein Schaffen bestätigen. Auch wenn das Verhältnis zum kauzigen Robert Allen Zimmermann sich nicht immer einfach gestaltete.

Besonders denkwürdig scheinen Huey heute noch die Aufnahmen zur Charity-Single We Are The World. „Ich erinnere mich dran, in einer Pause mit Willie Nelson über Golf gesprochen zu haben. Dylan kam rüber und meinte: ‚Ihr Kerle sprecht über Golf? GOLF? Das ist ungeheuerlich!‘“, lachte Huey. „Ich meinte nur: Nein, Bob. Nashville Skyline war ungeheuerlich. Golf ist Golf.“ Dennoch schickte ihm Dylan eines Tages ein Stück – doch Huey nahm es nie auf! „Es war ziemlich gut“, kopfschüttelte er zerknirscht. „Wenn es um Bob Dylan geht, fange ich zu zittern an.“ Besonders viel Ehrfurcht hat er vor dem Arbeitseifer des Hard Travellin‘-Sängers. „Auf der Bühne zu stehen ist das Schönste auf der Welt für ihn und deshalb macht er das alles.“


6. Isaac Hayes – Soulsville

Neben Jazz, Rock und seinen Vorläufern sowie Country und Folk hat Huey noch eine ausgewiesene Schwäche für den Soul. Lieber noch als den sanften, samtigen Trademark-Klang der Motown-Platten scheint ihm der Rock-verwurzelte Stax-Sound zu sein. Zwar erinnert er sich ebenso gern daran, mit seinen Idolen Stevie Wonder und Bruce Springsteen auf der Bühne gestanden zu haben, sein Herz pochte aber noch für den Rhythm and Blues. „Als wir im Kindesalter ins Filmore gegangen sind, habe ich mir nicht Jefferson Airplane angeschaut, sondern Muddy Waters.“ James Cotton, Otis Redding – sein Herz schlug immer schon für eine bestimmte Art von Blues, Rock und Soul, wie sie vor allem in Memphis gebraut wurde.

Am deutlichsten wird das mit Blick auf Soulsville, auf dem Huey 2010 dem Label Stax eine ganze Tribute-Platte widmete. Neben der Musik von Solomon Burke oder Isaac Hayes, von dem sich die Platte ihren Titel lieh, war Huey auch stets von den sozialpolitischen Implikationen des Stax-Imprints begeistert. „Schau dir Booker T. und die MGs an – zwei Schwarze und zwei Weiße. Deren Gesichter konntest du damals nicht aufs Cover packen“, erzählte er eifrig. „Wenn du über diese integrativen Musik-Sessions im Süden während der Fünfziger und Sechziger nachdenkst, damals war die Gesellschaft ja noch segregiert… Jetzt haben wir eine integrierte Gesellschaft – aber segregierte Musik!“


7. Steely Dan – Hey Nineteen

Es überrascht kaum, dass der Sohn einer Hippie-Mutter, der schon in jungem Alter viel von der Welt sah, nichts von Rassismus hält. Allgemein ist der Jazz-Fan kein Freund von irgendwelchen Reinheitsgeboten, wie sich auch in seiner Musik zeigte. Mit den News brachte er Rock-Musik auf ein neues Level, weil er nicht davor zurückschreckte, neue Mittel einzusetzen. „Unser Stil war, etwas Altes zu nehmen und was Neues draus zu machen“, sagte er lakonisch. Was das bedeutete? „Dass es unsere Idee war, moderne Technologie als Kuchen zu nehmen und Saxofon und Stimme darüber zu streichen, als wäre es Zuckerguss.“ So, so!

Ausschlaggebend war die legendäre Fusion-Band Steely Dan, die mit gutem Beispiel voranging. „Damals gab es kein Internet, keine Jam-Band-Szene. Das Kurzwellenradio war komplett durchprogrammiert und es gab keinen direkten Weg zum Erfolg“, rekapitulierte Huey die Anfangstage seiner Band. Als die Band aber an den Aufnahmen zu Sports saß, hörten sie das 1980 veröffentlichte Steely Dan-Stück Hey Nineteen. „Sie haben es mit einer LinnDrum aufgenommen“, erinnerte er sich. Er erinnert sich aber nicht ganz korrekt: Die Drummachine wurde erst 1982 eingeführt, Steely Dan hatten einen Tontechniker dazu engagiert, ihnen eine eigene Maschine – genannt „Wendel“ – maßzuschneidern. Wie dem aber auch sei: Mit dem Einzug von elektronischen Mitteln in die Rock-Welt brach ein neues Zeitalter an.


8. Ernest Gold – Theme From Exodus

Ja, die Zeiten ändern sich und das nicht immer unbedingt zum Besseren. Das musste Huey am eigenen Leib erfahren, denn seine 15 Minuten Ruhm waren nach dem Erfolg seines Überalbums Sports bald wieder herum. Gut, dass er sich schon zu Anfangszeiten ein zweites Karrierestandbein aufbaut. Exodisco lautete der Titel einer recht ungewöhnlichen Cover-Version vom Exodus Film-Theme, den ursprünglich Ernest Gold geschrieben hatte. Gemeinsam mit den News machte Huey 1979 eine fast fünfminütige Disco-Nummer aus dem ikonischen Stück, damals noch unter dem Namen American Express.

Das Interesse für Film-Soundtracks sollte sich im Laufe der Jahre verstärken und bald schon saß Huey selbst hinter den Reglern und war natürlich – siehe Zurück in die Zukunft – in einer Reihe von Filmen und Fernsehserien zu sehen. Exodisco landete ihm nicht nur einen Plattenvertrag mit Phonogram, sondern stand auch am Anfang seiner umfassenden Arbeit als Filmkomponist (für etwa Pineapple Express) beziehungsweise als Musiker, dessen Stücke in ikonischen Filmen eine zentrale Rolle spielen (beispielsweise Big).


9. Smokey Robinson – Cruisin’

Nicht nur auf dem Soundtrack, sondern auch in den Credits einiger Filme ist Hueys Name zu lesen gewesen. So auch im Streifen Traumpaare, der eine eher kuriose Geschichte erzählt. Huey ist darin als ein abgehalfterter Karaoke-Sänger zu sehen, der bei der Beerdigung seiner Ex-Frau eine junge Dame kennenlernt. Schnell stellt sich raus, dass es sich bei der mysteriösen Liv um seine Tochter handelt, von der er bis zu diesem Zeitpunkt gar nichts wusste. Was läge also näher, gemeinsam an einem Karaoke-Wettbewerb teilzunehmen? Genau: Eine ganze Menge. Aber so verworren ist die Story des Films eben…

Kruder Plot hin oder her, im Film überrascht die sonst nur als Schauspielerin bekannte Paltrow im großen Finale des Wettbewerbs mit einer tollen Singstimme. Die Chemie zwischen den beiden scheint zwar nicht unbedingt zu stimmen, das allerdings mag auch an den Lyrics liegen: „This is not a one-night-stand…“ heißt es beispielsweise in Cruisin‘. Ist das wirklich der richtige Song für ein Vater-Tochter-Duett? Sei’s drum. Das Original, einer der größten Smokey Robinson-Hits für Motowns Tamla-Sublabel, hatte immer zwei gefunden, die den Sound des Stücks perfekt einfangen konnten.


10. Ray Parker Jr. – Ghostbusters

Womit wir gleich beim Thema wären: Das tat jemand anderes auch mit I Want A New Drug von Huey Lewis & The News, was dem aber so gar nicht schmeichelte. 1984 zog er sogar vors Gericht, um Ray Parker Jr. zur Verantwortung zu ziehen. Der Name sagt euch nichts? Aber doch, klar! Erneut müsst ihr euer Achtziger-Wissen aktivieren. Woran nämlich denkt ihr, wenn wir „Who you gonna call?“ rufen? Richtig, Ghostbusters! Laut Huey hatte ihn der Kollege dreist für den legendären Theme-Song des Blockbusters beklaut.

Die beiden konnten sich außergerichtlich einigen, doch der Streit war noch lange nicht beigelegt: 2001 verklagte nunmehr Parker Lewis dafür, in einer Behind the Music-Episode über den Prozess gesprochen zu haben, obwohl er eigentlich eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnet hatte. Uff! Noch bis heute ist Huey sichtlich genervt, wenn er darauf angesprochen wird. Mehr konnte er sich für Weird al Yankovics grandiose Coverversion I Want A New Duck erwärmen – und metzelte den Kollegen doch mit einer Axt nieder. Nein, nicht im echten Leben, sondern nur für einen Videoclip, in welchem die beiden die legendäre Szene aus American Psycho persiflierten. Typisch Huey: bescheiden, bodenständig, selbstironisch – nicht viele Rockstars können das von sich behaupten!


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Popkultur

Zum 79. Geburtstag von Jimi Hendrix: Erneuerer, Mythos, unerreichtes Genie

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Jimi Hendrix
Foto: Svenska Dagbladet/AFP via Getty Images

Er prägte das E-Gitarrenspiel wie wenige andere, revolutionierte in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, die Rockmusik und ist noch immer die Messlatte für alles. Heute wäre James Marshall „Jimi“ Hendrix 79 Jahre alt geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor allgegenwärtig.

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von Markus Brandstetter

Jimi Hendrix schaffte in der Gitarrenwelt das, was nach ihm wohl nur Eddie Van Halen gelang: diesen alles erschütternden Moment, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Bei beiden gibt es hunderte, tausende ähnliche Geschichten prominenter Musiker und Musikerinnen, die von regelrechten Erweckungserlebnissen erzählen. Geschichten von dem Moment, in dem sie Hendrix im Fernsehen gesehen haben, gleichermaßen begeistert und fassungslos darüber, wie er spielte, wie ungewöhnlich, radikal und — je nach Song – auch wunderschön das klang. Es gab vor Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen und es gab nach Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen. Aber es gibt eben auch eine Zeitrechnung: die der Gitarre VOR Hendrix und Gitarre NACH Hendrix. Es ist das, was viele unserer Gitarrenheld*innen auch über den Moment berichten, an dem sie zum ersten Mal Eddie Van Halen gesehen oder gehört haben: Es war danach einfach alles anders und kein Stein blieb auf dem anderen.

Ynwgie Malmsteen über Hendrix: „Er hat alles auf den Kopf gestellt”

Aber was machte diese unglaubliche Anziehungskraft aus? Yngwie Malmsteen erzählte 2019 gegenüber dem deutschen Magazin Gitarre und Bass, es sei zunächst Hendrix’ Image gewesen, das ihn fasziniert habe, mit der Musik habe er sich erst später beschäftigt. „Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt“, erzählte Malmsteen dem Magazin, und fuhr fort: „Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.“

Steve Vai: Hendrix war „elektrischer Zucker“

Eine weitere Gitarrenlegende, die von Hendrix maßgeblich geprägt wurde, ist Steve Vai. Der erklärte 2010 gegenüber Music Radar: „Es war wie elektrischer Zucker, um einen Ausdruck von Tom Waits zu gebrauchen. Ich war etwa 12 Jahre alt und lag mit Kopfhörern da und hörte mir Jimi an, wie er The Star Spangled Banner und Purple Haze spielte, wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht, wie er aussah, ich wusste gar nichts über ihn. Ich wusste nur, was auch immer er tat, wie auch immer er diese Klänge erzeugte, es war unglaublich. Ich war so aufgeregt und dachte: Wann immer dieser Typ in die Stadt kommt, um zu spielen, muss ich ihn sehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er gestorben war.“

„Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute“

Auch für Vai bestand die Magie von Hendrix gleichermaßen in Hendrix’ Musik als auch seiner Person: „Irgendwann bekam ich ein Exemplar von Are You Experienced, und das war eine Offenbarung für mich. Die Songs waren zugänglich, sie waren schön, und Jimi hatte etwas, das extrem cool war. Coolness ist etwas, das aus deinem Inneren kommen muss. Es ist ein Selbstvertrauen, das man hat. Jimi hatte genug Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute.“

Hendrix’ Spiel

Es gibt unzählige Faktoren und Elemente, die Hendrix’ Spiel und Stil so einzigartig machten. Ein Teil der Magie bestand schon allein darin, wie Hendrix seine Gitarre zähmte. Das Set-up: ein Marshall-Stack, jede Menge Verzerrung und Rückkopplung, die alles andere als geräuscharmen Single-Coil-Tonabnehmer seiner Stratocaster — auch körperlich machte Hendrix beim Spielen den Eindruck, als würde er gerade einen wilden Mustang zureiten. Den er aber stets vollständig unter Kontrolle hatte.

Und dann war da Hendrix’ unvergleiche Fähigkeit, Rhythmus und Melodie miteinander verbinden, Akkordfolgen zu zerlegen, kleine Verzierungen und Licks einzubauen, seinen Gesang damit zu akzentuieren. Man hört das bei Stücken wie Little Wing, Bold As Love, Castles Made Of Sand oder The Wind Cries Mary — immer dann, wenn Hendrix runter vom Verzerrer ging. Er verschmolz in seinem Spiel mühelos verschiedene Stile, und ganz wichtig: Er schrieb auch phänomenale Stücke. Alles was er brauchte, war ein Trio und trotzdem klang seine Musik so voll wie ein Orchester.

Hendrix steht auch wie kein anderer für eine historische Phase der Gegenkultur, für den Bruch mit Erwartungen. Er war gleichermaßen Aushängeschild wie auch Erneuerer. Er schuf nicht nur ikonische Sounds, sondern auch ikonische Bilder — Woodstock, brennende Gitarre in Monterey. Hendrix war nicht nur Genie, sondern auch Projektionsfläche und Mythos. Eines steht wohl außer Frage: Ohne ihn wäre die Gitarre nicht da, wo sie heute ist.

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Der Tod des Hippie-Traums: Die letzten Tage von Jimi Hendrix

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Popkultur

Synths, Pathos & SM: „Non-Stop Erotic Cabaret“ von Soft Cell wird 40

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Soft Cell
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Happy Birthday, Non-Stop Erotic Cabaret: Das wegweisende Album des englischen Synth-Pop-Duos Soft Cell wird 40 Jahre alt.

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von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Non-Stop Erotic Cabaret hören:

Manchmal passieren die besten Dinge mit limitierten Mitteln — anders gesagt: Meniger Möglichkeiten fördern in so mancher Situation die Kreativität. Als Soft Cell 1980 ins Studio gingen, hatten sie weder ein Riesenbudget noch die Mittel für eigenes State-of-the-Art-Equipment.

Wobei: Ein Instrument, das Sänger Marc Almond und Instrumentalist Dave Ball nutzten, war durchaus sündteuer: Dabei handelte es sich um ein NED Synclavier, eine Art früher digitaler Synthesizer, der von der New England Digital Corporation of Norwich produziert wurde. Der Synth, der in den 1980er- und 1990er-Jahren auf etlichen Produktionen zu hören war, kostete damals 120.000 Pfund — gehörte allerdings nicht der Band, sondern dem Produzenten Mike Thorne. Ansonsten war das technische Set-up eher überschaubar, als Herzstück fungierte eine ReVox Bandmaschine, dazu nutze die Band einen Drumcomputer von Roland und einen Synth-Bass von Korg. Damit schufen Soft Cell einen wegweisenden Sound.

Was vor Non-Stop Erotic Cabaret passierte

Monate bevor Non-Stop Erotic Cabaret erschien, veröffentlichte die Band ihre erste Single des kommenden Albums – den Song Tainted Love, ein 1965 erschienener, im Original von Gloria Jones gesungen und von Ed Cobb geschriebener und produzierter Song.

Zuvor hatte die Band bereits eine EP namens Mutant Moments veröffentlicht, für deren Aufnahme sie sich 2.000 Pfund von Dave Balls Mutter geliehen hatten. Dadurch waren Labels auf die Band aufmerksam geworden — unter anderem Some Bizarre Records, wo das Debütalbum erschien. Soft Cell hatten mit Memorabilia einen kleineren Hit in den Clubs landen können, der Ruhm ließ aber noch auf sich warten. Bis die Coverversion von Tainted Love erschien und zu einem großen Erfolg wurde, mit dem so keiner gerechnet hatte. Die Nummer ging in etlichen Ländern auf Platz eins der Charts, zwei weitere Top-5-Singles folgten mit den Stücken Bedsitter und Say Hello, Wave Goodbye.

Skandal mit SM-Video

Auch wenn Tainted Love vom Popularitätsfaktor musikalisch alles andere in den Schatten stellte — ein weiterer Song sorgte auch für jede Menge Gesprächsstoff: Das Video von Sex Dwarf wurde in Großbritannien aufgrund seiner expliziten SM-Szenen zum regelrechten Skandal. Das Video wurde zurückgezogen, Almond erklärte später sogar, es zu bereuen.

Es waren die Gegensätze zwischen den beiden Bandmitgliedern — Almonds Liebe zu Pathos und Dramatik, die Reibefläche zwischen den beiden Charakteren, die Soft Cell damals so gut funktionieren ließen. Sex, Club, Dekadenz, Rausch: Das waren die Eckpfeiler, die die Band auch wenige Jahre später implodieren ließen (1984 war Schluss — die erste Reunion folgte 2001).

Was Soft Cell heute über Non-Stop Erotic Cabaret sagen

40 Jahre ist Non-Stop Erotic Cabaret also alt — Dave Ball selbst zeigt sich positiv angetan davon, wie gut die Platte gealtert ist. „Was mich überrascht, ist, wie frisch Non-Stop Erotic Cabaret heute noch klingt. Ich nehme an, das liegt daran,dass wir beide 40 Jahre jünger waren, daher klingt Marcs Stimme jugendlicher und nicht so poliert wie heute. Mein Synthesizer-Spiel und meine Arrangements waren einfacher, obwohl ich immer versucht habe, bei meinem minimalistischen Stil zu bleiben“, zitiert ihn das Magazin Northern Life.

Almond ist ganz der Meinung seines Kollegen: „Wenn ich mich zurücklehne und darüber nachdenke, ist es schwer zu glauben, dass eine kleine Sammlung von Songs ein so langes Leben hatte, dass die Leute sie immer noch hören und genießen. Ich bin erstaunt, wie aktuell es immer noch klingt. Und textlich ist es immer noch relevant. Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre es 40 Jahre alt, aber der Gedanke, dass es so ist, macht mir ein bisschen Angst!“

Mit Non-Stop Erotic Cabaret leisteten Soft Cell jedenfalls Pionierarbeit — die sie heute selbst ordentlich feiern: Vor kurzem stand die wieder formierte Band in Glasgow und Manchester auf der Bühne — 2022 soll mit Happiness Not Included ein neues Album erscheinen.

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10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

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Zeitsprung: Am 27.11.1987 erscheint „Live…In The Raw“ von W.A.S.P.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1987.

von Christof Leim

Ja, in den Achtzigern konnte man noch schocken: Damals sind W.A.S.P. die bösen Buben, weil sie „Blut“ aus Schädeln trinken und rohes Fleisch in die Menge werfen. Das ist für junge Metalheads natürlich cool, also verkaufen sich die ersten drei Alben ganz gut. Am 27. November 1987 erscheint das erste Livealbum der Truppe.

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Hört hier in Live…In The Raw rein:


Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.


1987 touren W.A.S.P. zu ihrer dritten Platte Inside The Electric Circus. Zwar haben sie ihre aufsehenerregende Bühnenshow da schon reduziert und machen kurz gesagt nicht mehr so viel Sauerei, aber bei den Konzerten gibt es weiter genug zu gucken. Die Bühne sieht wie ein Zirkuszelt aus, und die Pyrotechnik darf ordentlich rumballern. Frontmann Blackie Lawless trägt sogar eine Funkenkanone im Schritt. Die geht bei einer Show in Dublin auch mal nach hinten los, und zwar im Wortsinn, aber das ist eine andere – und für Blackie sehr schmerzhafte – Geschichte, wie er in diesem amüsanten Interview mit der Washington Post berichtet. Alles in allem bieten W.A.S.P. also herrlichen, nicht immer ganz ernst zu nehmenden Heavy Metal-Spaß, über den sich Eltern aufregen. Bestens.

Die bösen Männer im Metal der Achtziger: Blackie Lawless von W.A.S.P. Credit: Erin Combs/Getty Images

Um das für die Nachwelt festzuhalten, lässt die Band die letzten Konzerte ihrer US-Headliner-Tour aufzeichnen, insbesondere die Show am 10. März 1987 in der Long Beach Arena in Kalifornien. Das Ergebnis heißt Live…In The Raw und erscheint am 27. November 1987. Darauf hauen Blackie Lawless und seine Mannen ihre frühen Hits in ziemlich flotten Versionen raus. Von Wild Child über L.O.V.E. Machine bis zu I Wanna Be Somebody ist hier alles dabei.



Die Aufnahmen klingen etwas künstlich, was die Vermutung nahe legt, dass an diesem Livealbum nicht alles live ist. Insbesondere Passagen, in denen Blackie zu sich selbst Backing-Vocals zu singen scheint, machen doch stutzig. Vielleicht hat aber auch einer der anderen Kollegen eine ähnliche Stimme und trifft jeden Ton, man weiß es nicht. Letztendlich kann das der geneigten Fanschar notfalls auch egal sein, denn das Album macht Spaß.



Außerdem gibt es drei neue Songs, zwei davon in Liveversionen: Einer davon heißt The Manimal (sic!) und thematisiert die philosophischen Implikationen der hormonell bedingten zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Oder kurz: Es geht ums Poppen. Insbesondere im Hard Rock der Achtziger stellt das nun gar keine Besonderheit dar, aber den Titel finden wir doch besonders, nun ja, hübsch.

Damals hat die Band Streit mit einer Organisation namens P.M.R.C., die böse Inhalte in der Musik verbieten will und davon ausgeht, dass der Bandname W.A.S.P. für „We Are Sexual Perverts“ steht. Diesem Verein verdankt die Welt zum Beispiel die berüchtigten „Parental Advisory“-Aufkleber. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier nachlesen.) Für jene Leute hat „Schwarzie Gesetzlos“ extra ein weiteres neues Lied mit dem Titel Harder Faster geschrieben, über das sie sich ordentlich aufregen können. Ganz am Ende der Platte findet sich schließlich noch ein Studiotrack: Scream Until You Like It (noch ein geiler Titel!), der in der Horrorkomödie Ghoulies II Verwendung findet.



Mit Live…In The Raw halten W.A.S.P. den überdrehten, aber nicht allzu ernst zu nehmenden Wahnsinn ihrer Shows stilecht fest und fangen den Geist der Ära auf unterhaltsame Weise ein. Das reicht für Platz 77 in den US-Charts. Nach der Veröffentlichung verabschiedet sich allerdings Drummer Steve Riley in Richtung L.A. Guns.

Im Rückblick stellt die Scheibe eine Zäsur zwischen den alten, krassen W.A.S.P. und den reiferen, ambitionierteren Tönen der nächsten Jahre dar. Dass Blackie mal intelligente sozialkritische Kommentare ablassen und gefeierte Konzeptalben wie The Crimson Idol (1992) veröffentlichen würde, lag 1987 nicht gerade auf der Hand.


Zeitsprung: Ab 13.5.1985 will das PMRC vor schlimmen Songtexten warnen.

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