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Popkultur

Die musikalische DNA von Thin Lizzy

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Wenn über Rockmusik gesprochen wird, dreht sich meistens alles um den großen transatlantischen Austausch zwischen den USA und England. An Irland wird jedoch selten gedacht, obwohl der kleine Inselstaat mit einer der besten Rockbands aller Zeiten aufwarten kann. Ihr denkt an U2, richtig? Wir nicht! Stattdessen aber an Thin Lizzy. Genau, denn nichts gegen Bono und Konsorten, aber auch Thin Lizzy haben neben Whiskey In The Jar und The Boys Are Back In Town noch eine ganze Menge mehr zu bieten.


Hör dir hier die musikalische DNA von Thin Lizzy als Playlist an während du weiter liest:


Thin Lizzy waren für mehr als nur zwei offenkundige Hits gut. Ihr kreativer Mastermind Phil Lynott schrieb Lyrics, welche die literarische Tradition seines Heimatlandes in treibende Rocksongs übertrugen. Nicht umsonst veröffentlichte der 1986 verstorbene Musiker nebenher auch Gedichte! Nach ein paar schweren letzten Jahren, die von mangelndem Erfolg und Besetzungsproblemen geprägt waren, löste er seine Band 1983 auf, um sich als Solomusiker zu versuchen. Die eigentliche Magie seiner Band konnte er dabei allerdings nur selten wieder aufleben lassen, denn Thin Lizzy waren einzigartig.

Die Geschichte Thin Lizzys liest sich ernüchternd. Wie viel mehr wäre möglich gewesen, hätte die Band die internationale Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdiente? Wir werden es nie wissen. Uns bleibt aber die Musik, die wir immer wieder aufs Neue entdecken können. Was ihren Sound so besonders machte, das erfahren wir mit Blick auf die musikalische DNA der Band.


1. The Dubliners – Whiskey In The Jar

Ob wir wollen oder nicht, um Whiskey In The Jar kommen wir nicht herum. Das irische Volkslied über den betrogenen Ehemann wurde erstmals 1967 weltbekannt, als die Folk-Band Dubliners ihre Interpretation veröffentlichte, die in der nachfolgenden Zeit zu ihrem Signature Song wurde. Fünf Jahre später folgte Thin Lizzys Version. Der Song war eigentlich von der Band nicht als Single vorgesehen und wurde von ihrer Plattenfirma Decca ohne Einwilligung veröffentlicht. Obwohl er als Scherz gemeint war, schlug er ein wie eine Bombe. Nach drei eher mäßig erfolgreichen Jahren hatte die Band das Erfolgserlebnis mehr als nötig, doch fühlten sie sich falsch von dem Stück repräsentiert: So klangen sie doch eigentlich gar nicht, lautete der Tenor.

Das stimmt natürlich: Whiskey In The Jar war mit seinem folkloristischen Einschlag für Thin Lizzy-Verhältnisse recht poppig. Ihre Vision von Rockmusik war weitaus härter als das. Zumindest aber das Traditionsbewusstsein für das Liedgut ihrer Heimat und nicht zuletzt Lynotts intensive Auseinandersetzung mit irischer Erzählkunst fanden darin ihren Ausdruck. So unschön es auch ist, dass seine Band immer wieder auf ihr leichtfüßiges Cover des Trinkliedes reduziert wurde: Es passt durchaus gut in das Gesamtbild.


2. Them – It’s All Over Now, Baby Blue

Wichtiger aber noch waren natürlich andere. Der Nordire Van Morrison beispielsweise. Thin Lizzy-Gitarrist Eric Bell wurde in Belfast geboren und verdiente sich dort in der örtlichen Rockszene seine ersten Sporen. Währenddessen spielte er auch bei Them mit, Morrisons damaliger Band. Rekrutiert wurde er von Morrison persönlich an seinem Arbeitsplatz in einem Musikaliengeschäft.

Bell beschreibt seine Zeit in der Band des kauzigen Rockstars als eine schwierige, aber auch lehrreiche. Kurz vor Beginn seines ersten Konzerts mit Them drehte sich Morrison auf der Bühne zu seiner Truppe um und warf die gesamte Setliste über den Haufen: „Wir fangen einfach mit einem Blues in B-Dur an!“ Anstrengend, aber eine gute Lektion für den angehenden Gitarristen. Bei Thin Lizzy hatte er es schließlich auch nicht immer leicht. 1973 verließ er die Band.


3. Deep Purple – Fireball

Während Bell von Morrison einige wichtige Lektionen über das Leben auf der Bühne lernte, schaute sich Lynott von ihm einige Songwriterkniffe ab. Sein prosaischer Stil steht aber auf den ersten Blick in Kontrast zu den harten Songs der Band. Im Laufe ihrer Karriere flirtete die Band mehr als heftig mit dem aufkommenden Heavy Metal-Sound, wie ihn Anfang der siebziger Jahre Bands wie Black Sabbath bekannt gemacht hatten.

Ein maßgeblicher Einfluss waren Deep Purple, die eine perfekte Synthese aus hartem und doch anspruchsvollem Rock vorgemacht hatten. 1972 nahmen die Thin Lizzy-Mitglieder Lynott, Bell und Brian Downey gemeinsam mit zwei anderen Musikern sogar ein ganzes Coveralbum mit Deep Purple-Stücken auf. Reine Leidenschaft? Keineswegs! Die Band brauchte das Geld, das ihnen für die Platte angeboten wurde. Um sich nicht zu sehr verbiegen zu müssen, brachten sie die LP unter einem anderen Namen heraus: Funky Junction. Ein Glück, dass die Band nur kurz darauf finanziell auf eigenen Beinen stehen konnte…


4. Jimi Hendrix – Hey Joe

Phil Lynott war zu seiner Zeit eine echte Ausnahmefigur, und das nicht allein in künstlerischer Hinsicht. Ein schwarzer Ire, der harte Rockmusik machte – das erregte Aufmerksamkeit. Nicht wenige sahen in dem Bassisten eine Art Antwort auf Jimi Hendrix, der seinerseits die Inspiration für Lynott lieferte. Sogar eine Verfilmung von Hendrix’ Leben mit Lynott in der Hauptrolle war gerüchteweise geplant.

1980 nahm Lynott gemeinsam mit dem Original-Line-Up seiner Band eine musikalische Huldigung seines Idols auf. Ihr Song For Jimmy war als einmalige Kollaboration geplant, die zum zehnten Todestag des Gitarristen als Geste der Dankbarkeit gemeint war. Ironischer Weise sollte Lynott dem Idol nur wenige Jahre später unter ähnlichen Bedingungen folgen. Der Rock’n’Roll-Lifestyle, vor dessen Konsequenzen Bell 1973 geflohen war, forderte seinen ganz eigenen Tribut.


5. Wishbone Ash – The King Will Come

Hendrix war Lynott und seine Band ebenso als Freigeist wie als Gitarrist ein Vorbild. Für ihren eigenen unverwechselbaren Gitarrenstil standen jedoch andere Pate. Neben Lynyrd Skynyrd und den Allman Brothers in den USA sowie Fleetwood Mac und Wishbone Ash gehörten sie zu den Pionieren des „dual-lead guitar style“, bei der zwei Gitarristen im Duett spielen. Seitdem Jeff Beck und Jimmy Page auf diese Weise bei den Yardbirds zusammengespielt hatten, erfreute sich das Stilmittel Anfang der siebziger Jahre großer Beliebtheit.

Mit ihren ersten Alben wie Argus übten Wishbone Ash einen deutlichen Einfluss auf Thin Lizzy aus, die bald darauf selbst begannen, ihre Gitarristen in Einklang zu bringen. Mehr noch als Wishbone Ash nutzten Thin Lizzy das Stilmittel für einen Hardrock-Sound, der später in der New Wave Of British Heavy Metal wieder aufgenommen wurde. Harmonie traf auf Härte, das Markenzeichen der irischen Band war geboren.


6. Bob Dylan – Desolation Row

Die Einflüsse Thin Lizzys kamen aber nicht allein aus dem Rockbereich und beschränkten sich bei weitem nicht auf ihre irische Heimat und Großbritannien. Neben Jimi Hendrix war auch Bob Dylan ein maßgeblicher Einfluss für insbesondere Phil Lynott. „Als ich anfing, Songs zu schreiben, schien diese großartige Sache zu passieren, dass Musik ihren Höhepunkt erreichte“, sagte er in einem Interview. „Die Beatles machten bessere und bessere Alben. Van Morrison war auf seinem Höhepunkt. Und Dylan genauso, er schien einfach keine Fehler zu machen. Es kam mir so vor als würde verdammt jeder seinen Höhepunkt erreichen.“

Lynott spürte den Druck, der damit einherging. Und irgendwann die Erleichterung, als selbst seine Helden scheiterten. „Und dann kam eine Zeit, in der mir die Theorie kam, dass du aus Fehlern lernen und nicht immer nur besser und besser werden kannst“, fuhr er fort. „Da wurde mir klar, dass ich nie Desolation Row schreiben würde, zwölf Strophen und jede davon killer. Es würde Songs geben, die ich verhaue. Ich wollte mich verbessern, aber ich verstand auch, dass ich dazu öffentlich Fehler machen musste.“ Eine Einsicht, die von innerer Größe zeugt.


7. Bob Seger – Rosalie (Live)

Ein weiterer Einfluss aus den USA kam aus dem sogenannten Heartland Rock, zu dem neben Bruce Springsteen auch Bob Seger gezählt wurde. 1975 machten sich Thin Lizzy in die USA auf, um dort ihre erste Tour im Vorprogramm von Bachman-Turner Overdrive und eben jenem Bob Seger zu absolvieren. Im selben Jahr veröffentlichten sie mit Fighting ein Album, das erstmals ihren charakteristischen Dual-Guitar-Sound in den Vordergrund stellte und das Fundament für ihren kommerziellen Erfolg auf internationaler Ebene legte.

Das Album öffnet mit einer Coverversion von Segers Song Rosalie über die CKLW-Programmdirektorin Rosalie Trombley, die bei der Musikauswahl für ihre Radiostation ein sagenhaftes Gespür für zukünftige Hits an den Tag legte. Das konnte ja nur ein gutes Omen sein! Ironischer Weise spielte Trombley die Seger-Version nie auf CKLW. Vielleicht ein Trost für den Heartland Rocker: Auf Thin Lizzy-Konzerten war das Stück stattdessen ein fester Teil der Setlist.


8. Sex Pistols – Anarchy In The UK

Der Heartland Rock von Seger und Springsteen stand für eine sozialkritische Sicht auf die Dinge ein, die Lynott ungemein zusagte. Er selbst widmete sich in seinen Texten eindrücklichen Alltagsbetrachtungen. Er hatte aber auch nichts gegen die dezidierte Rotzigkeit der Punk-Bewegung einzuwenden, wie sich Ende der siebziger Jahre zeigte. Als Mitglied der Band The Greedy Bastards spielte er mit Paul Cook und Steve Jones von den Sex Pistols zusammen!

Hatte Lynott noch von Dylan gelernt, dass er als Musiker vor der versammelten Öffentlichkeit Fehler begehen musste, so schien das genau das gesamte Programm der spontanen Supergroup zu sein. Lynott beschrieb die erste Show der Band in London im Jahr 1978 als ungemein chaotisches Zusammentreffen. Immerhin aber verschuf er sich und seiner Hauptband so Respekt in Punk-Kreisen. Nicht selbstverständlich zu diesen Zeiten, als der „Dinosaurier-Rock“ der siebziger Jahre langsam unterzugehen schien.


9. Boomtown Rats – Rat Trap

Nach dem Punk kam die New Wave. Thin Lizzy überlebten die ersten Jahre der Achtziger nur mit einigem Ach und extrem viel Krach, bevor die Band sich auflöste. Das Publikum wollte einen neuen Sound und das ständig rotierende Besetzungskarussell um Lynott konnte ihnen diesen nicht geben. In Irland wurden die Boomtown Rats zu den neuen Lokalhelden. Eine Konkurrenz zwischen den beiden existierte allerdings nicht, ganz im Gegenteil.

Schon bei den Greedy Bastards hatten zeitweise zwei Rats-Mitglieder mitgemischt, Bob Geldorf und Pete Briquette. Mit Thin Lizzy allerdings stand lediglich Geldorf auf der Bühne und der Anlass war kein so freudvoller: Vier Monate nach Lynotts Tod trafen die Originalmitglieder auf dem von Geldorf organisiertem Self Aid-Konzert zusammen, um dem verstorbenen Freund und Partner ein letztes Ständchen zu singen.


10. Metallica – Whiskey In The Jar

Welcher Song im Mai 1986 angestimmt wurde? Natürlich Whiskey In The Jar. Die zuerst als Witz gemeinte Interpretation der Band hatte in den 14 Jahren zuvor ein denkwürdiges Eigenleben entwickelt. Noch heute gehört das Stück in das Repertoire vieler Rockbands und das in erster Linie wegen der bekannten Thin Lizzy-Version.

Als Metallica ihre Version des Stücks veröffentlichten, zollten sie damit auch explizit den irischen Kollegen Tribut. Kirk Hammett verriet sogar in einem Interview, dass das Eröffnungslick des Master Of Puppets-Solos auf einem Lick basierte, das der Thin Lizzy-Gitarrist Gary Moore häufig auf Konzerten spielte. Auch der Song The Unforgiven vom schwarzen Album der Band sei von Thin Lizzy beeinflusst, gab Hammett zu Protokoll. Wie so viele Hardrock- und Metal-Bands verdanken Metallica Thin Lizzy einiges und sind dankbar für die Musik, welche ihnen die stets unterschätzte Band geschenkt hat.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.1959 erscheint „Kind Of Blue“ von Miles Davis.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.1959.


von Timon Menge und Christof Leim

Kind Of Blue gehört zu den schlichtesten Aufnahmen der Musikgeschichte, aber auch zu den wichtigsten und schönsten. Am 2. März und am 22. April 1959 spielen Miles Davis und seine sechs Mitmusiker die Platte ein, am 17. August 1959 erscheint sie. Werfen wir zum Geburtstag einen Blick auf das Jahrhundertwerk des Jazz.

Hier könnt ihr euch Kind Of Blue anhören:

Ende des Jahres 1958 gehören Miles Davis und seine Bandmitglieder zu den gefragtesten Jazzmusikern New Yorks. Die Gruppe spielt einerseits Klassiker des Bebop, andererseits ein Repertoire von Popsongs. Wie im Jazz üblich, reichern die Künstler ihre Nummern mit Improvisationen an, die zu den Akkordfolgen der Stücke passen. Wie viele andere Musiker stört sich allerdings auch Davis zunehmend an den engen Grenzen der Richtung — und schlägt einen anderen Weg ein.

Diese fünf Musiker wurden erst etwas später berühmt

Die Aufnahmen zu Kind Of Blue finden an zwei Tagen in den 30th Street Studios in New York City statt. Am 2. März 1959 spielen Davis und seine Band, zu der auch Jazzlegende John Coltrane gehört, die Songs So What, Freddie Freeloader und Blue In Green ein. All Blues und Flamenco Sketches folgen am 22. April. Entgegen der landläufigen Meinung, das Album sei während nur eines einzigen Versuchs entstanden, befindet sich wahrheitsgemäß kein einziger sogenannter „First Take“ auf der Platte.

Vor den Sessions haben Davis’ Mitmusiker beinahe keine Gelegenheit zum Üben. Sie wissen noch nicht einmal so genau, was sie überhaupt einspielen sollen. In den Liner Notes kann man nachlesen, dass der Bandleader im Vorfeld gerade einmal grobe Skizzen mit einigen Tonleitern und Melodieabläufen verteilt. Als sich die Instrumentalisten im Studio einfinden, gibt Davis ihnen eine kurze Einweisung zu den einzelnen Songs, und die Aufnahme eines der wohl wichtigsten Jazzalben aller Zeiten beginnt. 

An dieser Stelle in das weite Feld der Kirchentonarten, Halbtonschritte und Modi einzusteigen, würde den Rahmen sprengen. Halten wir daher Folgendes fest: Mit Kind Of Blue entfernen sich Davis und seine Mitmusiker von den seinerzeit üblichen Dur-/Moll-Tonleitern und greifen auf eine wesentlich umfangreichere Trickkiste zurück. Dadurch schaffen sie nicht nur deutlich mehr Abwechslung, was die grundlegenden Songstrukturen betrifft, sondern vor allem jede Menge Raum für vielfältige Improvisation.

Bis heute behält Kind Of Blue seinen Legendenstatus. Ob im Jazz, in der Klassik oder im Pop: Die meisten Experten teilen die Meinung, dass Miles Davis mit seinem größten Erfolg die Musikwelt umgekrempelt hat. Mehr als sechs Millionen Mal geht das Werk über die Ladentheke, in den USA genießt das Album vierfachen Platinstatus, ein sagenhafter, fast pop-esquer Maßstab.

Miles Davis 1984 – Foto: David Gahr /Getty Images

Zeitsprung: Am 8.11.1985 spielt Miles Davis den Bösen bei „Miami Vice“.

 

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Popkultur

Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records((LINK)) unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TBC darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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Zeitsprung: Am 16.8.1994 gedenkt Neil Young Kurt Cobain.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.8.1994.

von Thilo Hornschild und Christof Leim

Es muss ein beklemmendes Gefühl sein, in einem Abschiedsbrief zitiert zu werden. Vor allem, wenn ihn Kurt Cobain geschrieben hat, die wohl wichtigste amerikanische Pop-Ikone der Neunziger. Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber von Nirvana nimmt sich am 5. April 1994 das Leben – und fügt seiner letzten Botschaft eine Zeile aus Neil Youngs Stück Hey Hey, My My hinzu: „It’s better to burn out than to fade away“. Dieses tragische Ereignis fällt zeitlich in die Produktion von Youngs zwanzigstem Album Sleeps With Angels und beeinflusst den Kurs der Platte maßgeblich.

Hier könnt ihr euch Sleeps With Angels anhören:

 

Musikalisch gerät das Werk recht vielseitig: Vom ätherischen Jam bis zum One-Chord-Rocker zelebriert Young eine klassische Crazy-Horse-Platte. Nebenbei spielt er hier übrigens zum ersten und einzigen Mal Blockflöte. Thematisch fasst er sich allerdings enger, es geht immer wieder um Tod, Selbstmord und Waffen. Interessanterweise lebt Cobain bei der Entstehung der meisten Stücke noch.

Neil Young Anfang der Neunziger – Foto: Greg Allen

Dann erreicht Young die Schocknachricht: „Als er gestorben ist und diesen Brief hinterlassen hat“, berichtet der damals 49-jährige Musiker, „hat mich das tief berührt.“ Tatsächlich stand die Albumproduktion schon kurz vor dem Abschluss, doch dann fliegt Young – während eines Prominenten-Golfturniers – ein Song zu, mit dem er Cobains unzeitiges Ableben zu verarbeiten versucht. Er notiert ihn auf einem Streichholzheftchen: 

He wasn’t worried / At least he wasn’t alone (too late)

He sleeps with angels (too soon) / He’s always on someone’s mind

He sleeps with angels (too late) / He sleeps with angels (too soon)

Am 25. April 1994 nimmt Young den Song in den Complex Studios in Hollywood auf. In typischer Crazy-Horse-Manier entsteht ein wüster Jam von 21 Minuten Länge, der schlussendlich auf 2:44 Min heruntergebrochen und zum Titeltrack des Albums erkoren wird.

Natürlich konnte der kanadische Rocker nicht übersehen, dass mit Cobain etwas nicht stimmte. Neben der öffentlichen Drogensucht, chronischen Magenschmerzen, einem rigiden Tourplan und einer ziemlich exzentrischen Gattin litt der Nirvana-Kopf unter schweren Depressionen, die Songtiteln wie I Hate Myself And I Want To Die eine erschreckende Note verleihen. Wie Young in seiner Autobiografie Waging Heavy Peace verrät, hatte er versucht, Cobain eine andere Perspektive zu vermitteln, ihm den Druck zu nehmen und geraten, nur zu spielen, wenn ihm danach war. (In diesem Interview spricht er darüber.)

Generell zementiert Young auf Sleeps With Angels, der siebten Platte mit den treuen Begleitern von Crazy Horse, seine Patenschaft über die Grunge-Bewegung. Denn Neil Young ist immer schon ein Querdenker gewesen, ein Künstler, der kompromisslos auf seine innere Stimme vertraute. Diese Haltung lässt ihn bei den jungen Musikern gut aussehen; er steht für Integrität und kreativ-dreckiges Gitarrenspiel. 

Sleeps With Angels bildet hier keine Ausnahme und hält alles parat, was man von Neil Young hören möchte. Dazu gehören auch Eigensinnigkeiten wie Tatsache, dass Train Of Love und Western Hero zwar unterschiedliche Texte haben, aber musikalisch völlig identisch ausfallen. Daneben wabert sich das wunderbare Change Your Mind eine Viertelstunde lang meditativ durch hallschwangere Sphären, Piece Of Crap kommt tatsächlich punkig daher und könnte von den Minutemen oder den Meat Puppets stammen.

Es mutet schon bizarr an, dass eine veritable Laurel-Canyon-Hippie-Legende wie Young die Punk-Bewegung mit offenen Armen empfängt, hätte er doch in gewisser Weise durchaus ihr Feindbild verkörpern können. Doch Neil Young schlägt immer einen Haken, wenn es ihm zu eng wird, und zieht hellwach sein eigenes Ding durch. Und es scheint, als wolle er auch nach Sleeps With Angels weiter aufarbeiten, dass er Kurt Cobain nicht helfen konnte: 1995 geht er mit Pearl Jam ins Studio, um Mirrorball einzuspielen. Damit hat der sture Genre-Hopper nun auch noch ein reines Grunge-Album in seiner ohnehin schon eklektischen Diskografie. Sleeps With Angels mag man als Vorstufe davon verstehen.

Depressiv? Hier bekommst du Hilfe: Wenn du selbst depressiv bist oder Selbstmordgedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Beratern, die dir Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Zeitsprung: Am 14.5.1969 erscheint „Everybody Knows This Is Nowhere“ von Neil Young.

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