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Popkultur

Die musikalische DNA von Thin Lizzy

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Wenn über Rockmusik gesprochen wird, dreht sich meistens alles um den großen transatlantischen Austausch zwischen den USA und England. An Irland wird jedoch selten gedacht, obwohl der kleine Inselstaat mit einer der besten Rockbands aller Zeiten aufwarten kann. Ihr denkt an U2, richtig? Wir nicht! Stattdessen aber an Thin Lizzy. Genau, denn nichts gegen Bono und Konsorten, aber auch Thin Lizzy haben neben Whiskey In The Jar und The Boys Are Back In Town noch eine ganze Menge mehr zu bieten.


Hör dir hier die musikalische DNA von Thin Lizzy als Playlist an während du weiter liest:

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Thin Lizzy waren für mehr als nur zwei offenkundige Hits gut. Ihr kreativer Mastermind Phil Lynott schrieb Lyrics, welche die literarische Tradition seines Heimatlandes in treibende Rocksongs übertrugen. Nicht umsonst veröffentlichte der 1986 verstorbene Musiker nebenher auch Gedichte! Nach ein paar schweren letzten Jahren, die von mangelndem Erfolg und Besetzungsproblemen geprägt waren, löste er seine Band 1983 auf, um sich als Solomusiker zu versuchen. Die eigentliche Magie seiner Band konnte er dabei allerdings nur selten wieder aufleben lassen, denn Thin Lizzy waren einzigartig.

Die Geschichte Thin Lizzys liest sich ernüchternd. Wie viel mehr wäre möglich gewesen, hätte die Band die internationale Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdiente? Wir werden es nie wissen. Uns bleibt aber die Musik, die wir immer wieder aufs Neue entdecken können. Was ihren Sound so besonders machte, das erfahren wir mit Blick auf die musikalische DNA der Band.


1. The Dubliners – Whiskey In The Jar

Ob wir wollen oder nicht, um Whiskey In The Jar kommen wir nicht herum. Das irische Volkslied über den betrogenen Ehemann wurde erstmals 1967 weltbekannt, als die Folk-Band Dubliners ihre Interpretation veröffentlichte, die in der nachfolgenden Zeit zu ihrem Signature Song wurde. Fünf Jahre später folgte Thin Lizzys Version. Der Song war eigentlich von der Band nicht als Single vorgesehen und wurde von ihrer Plattenfirma Decca ohne Einwilligung veröffentlicht. Obwohl er als Scherz gemeint war, schlug er ein wie eine Bombe. Nach drei eher mäßig erfolgreichen Jahren hatte die Band das Erfolgserlebnis mehr als nötig, doch fühlten sie sich falsch von dem Stück repräsentiert: So klangen sie doch eigentlich gar nicht, lautete der Tenor.

Das stimmt natürlich: Whiskey In The Jar war mit seinem folkloristischen Einschlag für Thin Lizzy-Verhältnisse recht poppig. Ihre Vision von Rockmusik war weitaus härter als das. Zumindest aber das Traditionsbewusstsein für das Liedgut ihrer Heimat und nicht zuletzt Lynotts intensive Auseinandersetzung mit irischer Erzählkunst fanden darin ihren Ausdruck. So unschön es auch ist, dass seine Band immer wieder auf ihr leichtfüßiges Cover des Trinkliedes reduziert wurde: Es passt durchaus gut in das Gesamtbild.


2. Them – It’s All Over Now, Baby Blue

Wichtiger aber noch waren natürlich andere. Der Nordire Van Morrison beispielsweise. Thin Lizzy-Gitarrist Eric Bell wurde in Belfast geboren und verdiente sich dort in der örtlichen Rockszene seine ersten Sporen. Währenddessen spielte er auch bei Them mit, Morrisons damaliger Band. Rekrutiert wurde er von Morrison persönlich an seinem Arbeitsplatz in einem Musikaliengeschäft.

Bell beschreibt seine Zeit in der Band des kauzigen Rockstars als eine schwierige, aber auch lehrreiche. Kurz vor Beginn seines ersten Konzerts mit Them drehte sich Morrison auf der Bühne zu seiner Truppe um und warf die gesamte Setliste über den Haufen: „Wir fangen einfach mit einem Blues in B-Dur an!“ Anstrengend, aber eine gute Lektion für den angehenden Gitarristen. Bei Thin Lizzy hatte er es schließlich auch nicht immer leicht. 1973 verließ er die Band.


3. Deep Purple – Fireball

Während Bell von Morrison einige wichtige Lektionen über das Leben auf der Bühne lernte, schaute sich Lynott von ihm einige Songwriterkniffe ab. Sein prosaischer Stil steht aber auf den ersten Blick in Kontrast zu den harten Songs der Band. Im Laufe ihrer Karriere flirtete die Band mehr als heftig mit dem aufkommenden Heavy Metal-Sound, wie ihn Anfang der siebziger Jahre Bands wie Black Sabbath bekannt gemacht hatten.

Ein maßgeblicher Einfluss waren Deep Purple, die eine perfekte Synthese aus hartem und doch anspruchsvollem Rock vorgemacht hatten. 1972 nahmen die Thin Lizzy-Mitglieder Lynott, Bell und Brian Downey gemeinsam mit zwei anderen Musikern sogar ein ganzes Coveralbum mit Deep Purple-Stücken auf. Reine Leidenschaft? Keineswegs! Die Band brauchte das Geld, das ihnen für die Platte angeboten wurde. Um sich nicht zu sehr verbiegen zu müssen, brachten sie die LP unter einem anderen Namen heraus: Funky Junction. Ein Glück, dass die Band nur kurz darauf finanziell auf eigenen Beinen stehen konnte…


4. Jimi Hendrix – Hey Joe

Phil Lynott war zu seiner Zeit eine echte Ausnahmefigur, und das nicht allein in künstlerischer Hinsicht. Ein schwarzer Ire, der harte Rockmusik machte – das erregte Aufmerksamkeit. Nicht wenige sahen in dem Bassisten eine Art Antwort auf Jimi Hendrix, der seinerseits die Inspiration für Lynott lieferte. Sogar eine Verfilmung von Hendrix’ Leben mit Lynott in der Hauptrolle war gerüchteweise geplant.

1980 nahm Lynott gemeinsam mit dem Original-Line-Up seiner Band eine musikalische Huldigung seines Idols auf. Ihr Song For Jimmy war als einmalige Kollaboration geplant, die zum zehnten Todestag des Gitarristen als Geste der Dankbarkeit gemeint war. Ironischer Weise sollte Lynott dem Idol nur wenige Jahre später unter ähnlichen Bedingungen folgen. Der Rock’n’Roll-Lifestyle, vor dessen Konsequenzen Bell 1973 geflohen war, forderte seinen ganz eigenen Tribut.


5. Wishbone Ash – The King Will Come

Hendrix war Lynott und seine Band ebenso als Freigeist wie als Gitarrist ein Vorbild. Für ihren eigenen unverwechselbaren Gitarrenstil standen jedoch andere Pate. Neben Lynyrd Skynyrd und den Allman Brothers in den USA sowie Fleetwood Mac und Wishbone Ash gehörten sie zu den Pionieren des „dual-lead guitar style“, bei der zwei Gitarristen im Duett spielen. Seitdem Jeff Beck und Jimmy Page auf diese Weise bei den Yardbirds zusammengespielt hatten, erfreute sich das Stilmittel Anfang der siebziger Jahre großer Beliebtheit.

Mit ihren ersten Alben wie Argus übten Wishbone Ash einen deutlichen Einfluss auf Thin Lizzy aus, die bald darauf selbst begannen, ihre Gitarristen in Einklang zu bringen. Mehr noch als Wishbone Ash nutzten Thin Lizzy das Stilmittel für einen Hardrock-Sound, der später in der New Wave Of British Heavy Metal wieder aufgenommen wurde. Harmonie traf auf Härte, das Markenzeichen der irischen Band war geboren.


6. Bob Dylan – Desolation Row

Die Einflüsse Thin Lizzys kamen aber nicht allein aus dem Rockbereich und beschränkten sich bei weitem nicht auf ihre irische Heimat und Großbritannien. Neben Jimi Hendrix war auch Bob Dylan ein maßgeblicher Einfluss für insbesondere Phil Lynott. „Als ich anfing, Songs zu schreiben, schien diese großartige Sache zu passieren, dass Musik ihren Höhepunkt erreichte“, sagte er in einem Interview. „Die Beatles machten bessere und bessere Alben. Van Morrison war auf seinem Höhepunkt. Und Dylan genauso, er schien einfach keine Fehler zu machen. Es kam mir so vor als würde verdammt jeder seinen Höhepunkt erreichen.“

Lynott spürte den Druck, der damit einherging. Und irgendwann die Erleichterung, als selbst seine Helden scheiterten. „Und dann kam eine Zeit, in der mir die Theorie kam, dass du aus Fehlern lernen und nicht immer nur besser und besser werden kannst“, fuhr er fort. „Da wurde mir klar, dass ich nie Desolation Row schreiben würde, zwölf Strophen und jede davon killer. Es würde Songs geben, die ich verhaue. Ich wollte mich verbessern, aber ich verstand auch, dass ich dazu öffentlich Fehler machen musste.“ Eine Einsicht, die von innerer Größe zeugt.


7. Bob Seger – Rosalie (Live)

Ein weiterer Einfluss aus den USA kam aus dem sogenannten Heartland Rock, zu dem neben Bruce Springsteen auch Bob Seger gezählt wurde. 1975 machten sich Thin Lizzy in die USA auf, um dort ihre erste Tour im Vorprogramm von Bachman-Turner Overdrive und eben jenem Bob Seger zu absolvieren. Im selben Jahr veröffentlichten sie mit Fighting ein Album, das erstmals ihren charakteristischen Dual-Guitar-Sound in den Vordergrund stellte und das Fundament für ihren kommerziellen Erfolg auf internationaler Ebene legte.

Das Album öffnet mit einer Coverversion von Segers Song Rosalie über die CKLW-Programmdirektorin Rosalie Trombley, die bei der Musikauswahl für ihre Radiostation ein sagenhaftes Gespür für zukünftige Hits an den Tag legte. Das konnte ja nur ein gutes Omen sein! Ironischer Weise spielte Trombley die Seger-Version nie auf CKLW. Vielleicht ein Trost für den Heartland Rocker: Auf Thin Lizzy-Konzerten war das Stück stattdessen ein fester Teil der Setlist.


8. Sex Pistols – Anarchy In The UK

Der Heartland Rock von Seger und Springsteen stand für eine sozialkritische Sicht auf die Dinge ein, die Lynott ungemein zusagte. Er selbst widmete sich in seinen Texten eindrücklichen Alltagsbetrachtungen. Er hatte aber auch nichts gegen die dezidierte Rotzigkeit der Punk-Bewegung einzuwenden, wie sich Ende der siebziger Jahre zeigte. Als Mitglied der Band The Greedy Bastards spielte er mit Paul Cook und Steve Jones von den Sex Pistols zusammen!

Hatte Lynott noch von Dylan gelernt, dass er als Musiker vor der versammelten Öffentlichkeit Fehler begehen musste, so schien das genau das gesamte Programm der spontanen Supergroup zu sein. Lynott beschrieb die erste Show der Band in London im Jahr 1978 als ungemein chaotisches Zusammentreffen. Immerhin aber verschuf er sich und seiner Hauptband so Respekt in Punk-Kreisen. Nicht selbstverständlich zu diesen Zeiten, als der „Dinosaurier-Rock“ der siebziger Jahre langsam unterzugehen schien.


9. Boomtown Rats – Rat Trap

Nach dem Punk kam die New Wave. Thin Lizzy überlebten die ersten Jahre der Achtziger nur mit einigem Ach und extrem viel Krach, bevor die Band sich auflöste. Das Publikum wollte einen neuen Sound und das ständig rotierende Besetzungskarussell um Lynott konnte ihnen diesen nicht geben. In Irland wurden die Boomtown Rats zu den neuen Lokalhelden. Eine Konkurrenz zwischen den beiden existierte allerdings nicht, ganz im Gegenteil.

Schon bei den Greedy Bastards hatten zeitweise zwei Rats-Mitglieder mitgemischt, Bob Geldorf und Pete Briquette. Mit Thin Lizzy allerdings stand lediglich Geldorf auf der Bühne und der Anlass war kein so freudvoller: Vier Monate nach Lynotts Tod trafen die Originalmitglieder auf dem von Geldorf organisiertem Self Aid-Konzert zusammen, um dem verstorbenen Freund und Partner ein letztes Ständchen zu singen.


10. Metallica – Whiskey In The Jar

Welcher Song im Mai 1986 angestimmt wurde? Natürlich Whiskey In The Jar. Die zuerst als Witz gemeinte Interpretation der Band hatte in den 14 Jahren zuvor ein denkwürdiges Eigenleben entwickelt. Noch heute gehört das Stück in das Repertoire vieler Rockbands und das in erster Linie wegen der bekannten Thin Lizzy-Version.

Als Metallica ihre Version des Stücks veröffentlichten, zollten sie damit auch explizit den irischen Kollegen Tribut. Kirk Hammett verriet sogar in einem Interview, dass das Eröffnungslick des Master Of Puppets-Solos auf einem Lick basierte, das der Thin Lizzy-Gitarrist Gary Moore häufig auf Konzerten spielte. Auch der Song The Unforgiven vom schwarzen Album der Band sei von Thin Lizzy beeinflusst, gab Hammett zu Protokoll. Wie so viele Hardrock- und Metal-Bands verdanken Metallica Thin Lizzy einiges und sind dankbar für die Musik, welche ihnen die stets unterschätzte Band geschenkt hat.


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Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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