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Popkultur

Die musikalische DNA von Led Zeppelin

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Es gab Rockbands, die den Rock’n’Roll-Lifestyle ernst genommen und voll ausgekostet haben. Und es gab Led Zeppelin. Led Zeppelin haben den Rock’n’Roll-Lifestyle überhaupt erst erfunden. Sicherlich haben sie dabei auch seine Schattenseiten zu spüren bekommen. Wäre die Rockwelt nicht ein besserer Ort, wenn John Bonham immer noch die Sticks schwingen würde? Dass die Band nach dem Tod ihres Schlagzeugers das Handtuch warf, ist ihnen hoch anzurechnen. Denn obwohl sich wohl kaum ein würdiger Ersatz hätte finden lassen, so wäre es für Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones wohl ein Leichtes gewesen, weiterzumachen und fette Schecks mit nach Hause zu nehmen. Das aber wollten sie nicht. Denn das gehört zum Rock’n’Roll-Lifestyle ebenso dazu wie zerstörte Hotelzimmer: Prinzipien.


Hör dir hier die musikalische DNA von Led Zeppelin als Playlist an und lies weiter:

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Neben einem ausgeprägten Zerstörungsdrang und eisernen Grundsätzen war es vor allem die gemeinsame Vision, die Led Zeppelin zu einer der oder besser noch der wichtigsten Rockbands aller Zeiten machte. Sie revolutionierten Rockmusik, das Albumformat und die Musikbranche im Ganzen. Ihr Einfluss auf die Musikwelt ist schlicht nicht zu ermessen. Aber Led Zeppelin hatten auch ihre Vorbilder und nicht selten wurde ihnen vorgeworfen, bei anderen gemopst zu haben. Dazed And Confused, sogar Stairway To Heaven sollen angeblich auf den Kompositionen anderer basieren. Was an diesen jeweiligen Vorwürfen dran ist, wird am besten im Gerichtssaal geklärt. Wir schauen uns dennoch mal an, welche musikalischen Stifterfiguren die vier Erfinder des Rock’n’Roll-Lifestyles hatten.


1. John Mayall and the Bluesbreakers – I’m Your Witchdoctor

Bevor Led Zeppelin zur größten Band ihrer Zeit wurden, ackerten sich ihre Mitglieder in der britischen Blues Rock-Szene ab. In den sechziger Jahren feierten die Rolling Stones bereits internationale Erfolge, die lokale Szene wurde von Bands wie den Yardbirds getragen, bei denen auch Jimmy Page bis zur Auflösung der Band im Jahr 1968 am Bass aushalf. Das Ende der Yardbirds bedeutete zwar das Aus für eine hoffnungsvolle Supergroup, doch zugleich den Anfang für Led Zeppelin. Auch der Yardbirds-Gitarrist Eric Clapton sollte eine beispiellose Karriere hinlegen.

Zuerst heuerte Clapton bei John Mayall und seinen Bluesbreakers an. Neben Alex Korner gilt Mayall als der Vorreiter der britischen Blues-Szene und wird sogar als „Vater der weißen Blues“ geführt. Dass er damit seine Spuren bei den jungen Wilden von Led Zeppelin hinterließ, steht also außer Frage. Noch heute zollt ihm etwa Robert Plant mit Live-Coverversionen von Songs wie I’m Your Witchdoctor Tribut, einem fantastischen Hybrid aus Blues und dem Psychedelik-Sound, der sich in den Swinging Sixties parallel entwickelte. Beides sollte seine Spuren bei Led Zeppelin hinterlassen.


2. Howlin’ Wolf – Killing Floor

Der Blues schlich sich langsam, aber stetig in England ein. Neben regionalen Talenten wie Mayall und Korner waren es vor allem die schwarzen Helden aus den USA, welche den größten Einfluss auf Led Zeppelin ausübten. Der „King Of The Electric Blues“ Muddy Waters beispielswiese oder Skip James spielten eine Interpretation des Genres, die sich eindeutig in den ersten beiden Led Zep-Alben niederschlug: Zugleich roh und doch versiert klang Waters’ elektrifizierte Interpretation der Delta Blues-Tradition. Genau das Richtige für die junge Band, die ihrem Lifestyle echtes musikalisches Können nebenan stellten.

Led Zeppelin kombinierten ihre Leidenschaft für den Blues aber mit durchaus anderen Stilen und ungehörten Elementen, als sie 1969 debütierten. Kein Wunder, mochten sie doch die musikalischen Grenzgänger selbst am liebsten. Howlin’ Wolf stand für einen spannenden Blues-Stil, der sich vor allem von Country beeinflusst zeigte. Zwei Genres, wie sie unterschiedlicher eigentlich kaum sein konnten, fanden in seinen Songs zueinander. Seinen Song Killing Floor bauten Led Zep auf ihrer ersten US-Tour in ihre Setlist ein und entwickelten daraus ein anderes Stück, das auf ihrer zweiten LP zu hören war: The Lemon Song zitiert allein die erste Zeile des Howlin’ Wolf-Stücks Wort für Wort. Ein harmloses und kurzes Versatzstück, das vor Gericht landete.


3. Blind Willie Johnson – It’s Nobody’s Fault But Mine

Howlin’ Wolf, dessen Plattenfirma die britische Band verklagt hatte, erhielt einen Scheck im Wert von rund 45 000 Dollar und einen Songwriting-Credit. Ein fairer Preis? Schwer zu sagen. Anderen jedenfalls war dasselbe nicht vergönnt. Gleich mehrmals holten sich Led Zeppelin ihre Inspiration vom Gospel-Blues-Künstler Blind Willie Johnson. Der allerdings konnte nicht so einfach vor Gericht ziehen: Auf Stücke wie It’s Nobody’s Fault But Mine, das Led Zeppelin 1976 auf Presence coverten, und Jesus Make Up My Dying Bed, das die vier auf In My Time Of Dying verarbeiteten, hatte er selbst keinen urheberrechtlichen Anspruch.

Natürlich wäre es also falsch zu sagen, dass Led Zep bei Blind Willie Johnson geklaut haben, hat dieser letztlich selbst nur Traditionals neu interpretiert. Aber sein unnachahmlicher Stil prägte die Band wie sonst kaum ein anderer Blues-Künstler. Da hilft es auch nichts, wenn Jimmy Page einen anderen Musiker, Josh White, als Inspiration für In My Time Of Dying anführte. Dass sie aber ihr ganz eigenes Ding draus gemacht haben, steht indes genauso fest. Nobody’s Fault But Mine beispielsweise klingt kaum noch mehr nach der Aufnahme Johnsons. Und war es letztlich nicht stets der Zweck des Blues, dass seine Lieder von allen überall gesungen werden sollen?


4. Robert Johnson – Traveling Riverside Blues

Denn wenn es um den Blues geht, kann höchstens vielleicht Robert Johnson Originalität für sich beanspruchen. Der früh verstorbene King Of The Delta Blues schrieb das Gros der Stücke, die heutzutage als Blues-Standards gelten. Ohne seine Stücke hätte es Blues und also auch Rhythm and Blues beziehungsweise Rockmusik schlicht nicht gegeben, oder zumindest nicht in dieser Form. Die Rolling Stones mopsten bei ihm und auch Led Zeppelin arbeiteten sich an seinem musikalischen Erbe ab. Anders als die Stones gaben sie ihm aber für Traveling Riverside Blues einen Credit, als sie ihn 1990 als Bonustrack einem umfassenden Box Set beilegten.

Led Zeppelin hatten ihre Lektion offenkundig gelernt. Besser spät als nie! Im Lemon Song – ja, der schon wieder! – hatten sie von Johnson zuvor die anrüchige Zeile „squeeze me till the juice runs down my leg“ übernommen. Okay, natürlich: Das Werk des 1938 verstorbenen Künstlers war ebenso gemeinfrei wie die Traditionals, die sein Namensvetter den vier britischen Hitzköpfen beibrachte. Aber dennoch zeigte allein die Coverversion des Traveling Riverside Blues, dass es auch anders geht. Ehre, wem Ehre gebührt! Und wenn irgendjemandem Ehre gebührt, dann doch wohl Robert Johnson.


5. The Who – My Generation

Der Blues ist zweifelsohne das wichtigste Element in der Musik Led Zeppelins. Auf ihm basiert alles. Led Zep wären aber nicht Led Zep gewesen, wenn sie den Sound des Mississippi-Deltas nicht mit vielen anderen Zutaten zu einer einzigartigen Mischung verrührt hätten. Die Einflüsse kamen auch von Bands aus dem erweiterten Umfeld der britischen Blues Rock-Szene. Wusstet ihr, dass Jimmy Page und John Paul Jones 1966 gemeinsam mit dem Yardbirds-Gitarristen Jeff Beck und Keith Moon sowie John Entwistle von The Who das Studio enterten? Die Aufnahme zu Beck’s Bolero lief dermaßen gut, dass die Idee nahelag, eine Supergroup zu gründen.

Fast also hätte es Led Zeppelin nicht gegeben. Zumindest nicht unter diesem Namen. Irgendjemand – der Legende nach Keith Moon – scherzte, die Band würde untergehen „wie ein Ballon aus Blei”. Aus dem Ballon wurde eine Zeppelin und aus Led Zeppelin eine Band, die The Who mehr als das Wasser reichen konnte. Die rohe Energie der Kollegen war für Led Zep stets ebenso vorbildlich wie ihr Hang zu großen Erzählbögen. Was das Album als Format alles bieten konnte, das lernten sie bei The Who. Nur gingen sie damit keineswegs unter. Ganz im Gegenteil! Aber so gerne sich Fans darüber streiten, welche der beiden Bands die bessere sei: Beide haben Rockmusik zu dem gemacht, was sie heutzutage ist.


6. Bert Jensch – Black Water Side

Neben der aufrührerischen Energie des Who-Sounds waren noch ganz andere Musiker für den klassischen Led Zep-Stil wichtig. Pages größte Inspiration war ausgerechnet ein Folk-Musiker, der Schotte Bert Jansch. Wer Jensch’ Black Water Side hört, wird sich sofort an einen Led Zeppelin-Song mit einem sehr ähnlichen Titel erinnern: das Instrumental Black Mountain Side vom Debütalbum der Band. Jansch hatte das Stück 1966 veröffentlicht, als er in London lebte und an der Speerspitze des britischen Folk-Revivals stand.

Janschs Gitarrenspiel war selbst für ein so traditionsreiches Genre wie Folk innovativ. Die offene Stimmung seines Instruments gab ihm viel Freiraum, durch Hinzunahme von zusätzlichen Noten gab er seinen Akkorden einen besonderen Klang und sein zum Teil aggressiver Anschlag sorgte für viel Dynamik. Sein eigenwilliger Stil machte ihn zu einem der einflussreichsten Folk-Musiker der sechziger Jahre und inspirierte eine Reihe von Rockmusikern, darunter auch Neil Young. Dass Page seine Komposition nahezu unverändert übernahm, machte ihn zu Recht wütend. Vor Gericht zog er aber nicht, weil er es sich schlicht nicht leisten konnte.


7. Elvis Presley – Love Me

Andere Led Zep-Mitglieder gingen respektvoller mit ihren Helden um. Robert Plant war seit früh an vom King Of Rock fasziniert. „Als Kind habe ich mich in der Weihnachtszeit hinter den Vorhängen versteckt und versucht, Elvis zu sein“, erinnerte er sich. „Da war ein bestimmtes Ambiente zwischen den Vorhängen und der Terrassentür, da herrschte für so einen Zehnjährigen ein toller Sound…“ Keine Frage, die Bühne faszinierte Plant schon immer. Auf ihr hatte er seine wohl wichtigsten Momente, der vielleicht schönste seiner Karriere aber fand dahinter statt.

Als Page gemeinsam mit Plant während der Siebziger ein Konzert Presleys besuchte, konnte er sich einen Traum erfüllen und sein Idol nach dem Gig im Backstagebereich treffen. Die drei verstanden sich auf Anhieb. „Ich erzählte ihm, dass ich besonders seine stimmungsvollen Songs wie das Country-Stück Love Me liebe. Als wir uns verabschiedet hatten und ich gerade den Korridor entlang lief, kam er durch den Türrahmen geplatzt und fing an, diesen Song für mich zu singen: ‚Treat me like a fool…‘“ Die beiden machten einen kleinen Wettbewerb draus und sangen einander Stücke des Kings vor. Was für ein Moment das gewesen sein muss!


8. Charles Mingus – Better Git It In Your Soul

Wie in beinahe jeden Rockband stahlen auch bei Led Zeppelin der Sänger und der Gitarrist allen anderen das Spotlight. Doch was wäre diese Band ohne die donnernden, zum Teil hochkomplexen Basslines von John Paul Jones gewesen? Der hatte das Musizieren von klein auf gelernt, seine Eltern waren im Varieté aktiv. Der Vater wollte seinen Filius dazu treiben, Saxofonunterricht zu nehmen, doch der hatte andere Pläne. „Als er rausfand, dass ich Bass spielen konnte, sagte er: ‚Na gut, gute Bassisten sind schwer zu kriegen.‘“, erinnerte sich Jones mit einem Schmunzeln.

Was ihn inspirierte? Schwierig zu sagen, meint Jones selbst. „Als Bassist wurde ich von wenigen Leuten beeinflusst, denn erst in den mittleren bis späten Sechzigern war der Bass auf Platten richtig zu hören“, gab er zu Protokoll. Wenn schon, so betonte er, dann kamen seine Vorbilder aus dem Jazz: Ray Brown, Scott LeFaro und den großen Charles Mingus nannte er. Der temperamentvolle Mingus gilt als der vielleicht wichtigste Jazz-Bassist überhaupt, seine Alben wie Mingus Ah Um zu den essentiellen Klassikern des Genres. Die fiebrigen Läufe des Meisterbassisten strotzen nur so vor einer Energie, wie sie Jones bei Led Zeppelin kultivierte. Warum er aber nicht Jazz-Musiker geworden ist? „Ich konnte die Musiker nicht ausstehen“, gab er augenzwinkernd zu. „Also musste ich zum Rock’n’Roll zurück.“


9. Gene Krupa – Drum Boogie

Nicht nur einen fantastischen Bassisten, sondern auch den vielleicht besten Rockdrummer der Welt konnte Led Zeppelin vorweisen. John Bonhams tragischer Tod war ein schwerer Schlag für die Musikwelt: Niemand hat zuvor oder danach mit einer solchen Leichtigkeit das Kit regiert. Sein Gefühl für satte Grooves, sein Umgang mit der Bassdrum, seine schiere Geschwindigkeit allein machten ihn zu einer absoluten Ausnahmefigur. Auch Bonham aber fing mal klein an, und zwar ganz klein: Gerade acht Jahre alt war er, als er mit seinem Vater gemeinsam im Kino das Biopic The Benny Goodman Story sah. Nicht aber der Klarinettist und Bandleader Goodman hatte es dem Knirps danach angetan, sondern der Schlagzeuger Gene Krupa.

Bonham bezeichnete Krupa als „Gott“ zwischen all seinen Vorbildern, die vom Cream-Drummer Ginger Baker hin zu Jazz-Drummer wie Art Blakey und Max Roach reichten. „In den alten Big Band-Zeiten war der Schlagzeuger ein Hintergrundmusiker und nichts weiter. Gene Krupa war der erste Schlagzeuger, der wirklich wahrgenommen wurde“, schwärmte Bonham in einem Interview. „Er kam in den Vordergrund und spielter die Drums lauter als jemals jemand anderes zuvor. Und viel besser.“ Nachdem Ginger Baker für einen ähnlichen Paradigmenwechsel in der Rockmusik gesorgt hatte, war der Weg auch für Bonham frei, der das Erbe seiner beiden Idole in neue Höhen heben konnte. Was ein Jammer, dass er schon so früh von uns ging.


10. Sun Kil Moon – I Watched The Film The Song Remains The Same

Es ist allein schon unmöglich zu schätzen, welchen Einfluss Led Zeppelin auf die Rockwelt und darüber hinaus hatten. Was sie erfanden, war nicht allein Musik, sondern ein Lebensstil. Millionen von GitarrenschülerInnen haben sich an Stairway To Heaven versucht und welche Schülerband hat sich nicht an Communication Breakdown versucht? Nein, es ist unmöglich, mit Sicherheit zu sagen, wie sich die musikalische DNA der Band über ihr verfrühtes Ende hinweg durch die Musikgeschichte fortgeschrieben hat.

Eine der schönsten Ehrerweisungen an eine der lautesten Bands ihrer Tage kam in den letzten Jahren ausgerechnet von einem ansonsten recht stillen Songwriter. Mark Kozelek ist als zynischer Hitzkopf bekommt, seine Songs unter dem Pseudonym Sun Kil Moon sind aber für gewöhnlich ruhig und getragen. Auf seinem vielleicht besten Album Benji erzählt der US-Amerikaner im rund zehnminütigen Stück I Watched The Film The Song Remains The Same, wie er die legendäre Live-Aufnahme als Kind im Mitternachtstheater sah und sich komplett in Bild und Musik verlor. Die frei strömenden Lyrics des Stücks enden schließlich bei Kozeleks eigener Karriere. Er dankt seinen Wegbegleitern „for helping me along in this beautiful musical world I was meant to be in”. Am Anfang aber standen auch für ihn Jimmy Page, Robert Plant, John Baul Jones und John Bonham.


Header Bild von tony morelli via Flickr [CC BY-SA 2.0].

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Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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Zeitsprung: Am 24.5.1974 erscheint „Diamond Dogs“ von David Bowie.

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Diamond Dogs

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit seinem achten Studioalbum Diamond Dogs hat David Bowie am 24. Mai 1974 eine seiner wechselhaftesten, aber auch interessantesten Platten veröffentlicht. Als eine der Vorlagen dient der berühmte Roman 1984 von George Orwell. Ein paar Kompromisse musste Bowie allerdings eingehen.

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Hört hier Diamond Dogs:


Als David Bowie Anfang 1974 zu seinem achten Wurf ansetzt, liegt die Beerdigung seiner wohl bekanntesten Kunstfigur Ziggy Stardust gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Für Diamond Dogs kramt der britische Musiker den Charakter schon wieder hervor, wenn auch unter dem Namen Halloween Jack. Zumindest sind optische Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte beginnt allerdings bei einer der berühmtesten Dystopien aller Zeiten.



Heute wissen wir: George Orwells Jahrhundertwerk 1984 wurde von der Realität in vielerlei Hinsicht nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Zu Beginn der Siebziger treibt David Bowie eine Begeisterung für den gesellschaftskritischen Roman um, sogar auf die Bühne möchte er das Buch bringen. Weil er nicht die nötigen Rechte dazu erhält, setzt er auf einen alternativen Plan und will das fremde Material mit seinen eigenen Vorstellungen einer postapokalyptischen Welt verschmelzen. Das Ergebnis: Songtitel wie 1984 oder Big Brother. Später mischt er die Ideen dann doch mit thematisch weiter gefassten Entwürfen, wodurch sich das Album zu einer komplexen und bunt gemischten Sache entwickelt.

Bowie während der Tour zu Diamond Dogs im Juni 1974 – Pic: Promo/MainMan

Auf der Plattenhülle sieht man Bowie als Fantasiewesen, zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Hund. Nach Erscheinen löst diese Zeichnung des belgischen Malers Guy Peellaert eine Kontroverse aus, denn öffnet man das komplette Cover, kommen in der Urfassung die Genitalien des Geschöpfes zum Vorschein. Das geht natürlich nicht, also wird das Album schnell wieder vom Markt genommen und die entsprechende Stelle übermalt. Heute wechseln Originalexemplare für mehrere Tausend Euro den Besitzer.



Musikalisch orientiert sich die Platte teilweise am Glam der vorherigen Kompositionen Bowies. Mit Songs wie Rock ‘n‘ Roll With Me, 1984 oder Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (Reprise) liefert der Ausnahmekünstler allerdings auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre. Für letzteres Lied bedient er sich erstmals der Cut-Up-Technik, die vor allem von Autor Williams S. Burroughs bekannt gemacht wurde. Bei dieser Methode werden Texte in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen — ein Vorgehen, das Bowie weitere 25 Jahre begleiten soll und viele seiner Songs prägt.



Mit Diamond Dogs schafft Bowie gerade rechtzeitig den schrittweisen Absprung vom Glam Rock, der in den Jahren danach zu einer Talfahrt ansetzt, von der er sich nicht mehr erholt. Laut eigener Aussage handelt es sich bei Diamond Dogs um noch deutlich mehr, nämlich ein „sehr politisches Album. Mein Protest. Es entspricht mir mehr als all meine bisherigen.“ In den britischen und in den kanadischen Charts erreicht die Scheibe Platz eins, in den USA Platz fünf — zu jener Zeit Bowies Bestwert.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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