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Popkultur

Die musikalische DNA von Iggy Pop

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»Musik ist Leben und das Leben ist kein Business!«, schmetterte James Newell Osterberg Jr., besser bekannt als Iggy Pop, dem versammelten Publikum entgegen, als er 2010 für seine Band The Stooges die Auszeichnung für eine Aufnahme in die Rock’n’Roll Hallf Of Fame annahm. Viel Geschäftssinn hat Pop Zeit seiner Jahrzehnte in der Musikindustrie nie an den Tag gelegt, dafür aber fehlendes Kalkül mit hitziger, menschlicher Leidenschaft wettgemacht. Gegen Oberbekleidung ist er immer noch allergisch und auch die Schwerkraft kann ihm wenig ausmachen, wenn er erstmal auf der Bühne steht. Doch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch musikalisch war Iggy Pops Karriere eine Achterbahnfahrt. Beständig aber blieb Pop in seinem Erneuerungswillen, der sich auch in der breiten Palette von Einflüssen zeigt, die mit Blick auf seine musikalische DNA zu sehen sind!


Höre dir hier die musikalische DNA von Iggy Pop in einer Playlist an und lies weiter:


1. Bo Diddley – Mona

Der Weg ins Rampenlicht ist lang und aller Anfang klein. Für James Osterberg begann alles in High School-Bands und das etwa nicht hinter dem Mikrofon am Bühnenrand, sondern hinter der Schießbude. Als Drummer spielte er etwa bei den Iguanas, deren Karriere als Band sich recht bescheiden gestaltete. Osterberg hatte die Gruppe im Jahr 1963 mit seinem Kumpel Jim McLaughlin in seiner Heimat, Ann Arbor in Michigan, gegründet und schon bald konnten sie in der regionalen Szene einige Erfolge erzielen. Sogar eine Handvoll Songs nahm die Band auf, unter ihnen mit Again & Again die erste bekannte Eigenkomposition des Mannes, der später als Iggy Pop Geschichte schreiben sollte. Ein rumpeliger Song mit gebrüllten Versen – eine Blaupause für den explosiven Sound der Stooges! Ihren eigenen Vorbildern zollte die Band allerdings ebenso Tribut: Unter den wenigen Veröffentlichungen war auch eine Coverversion des Bo Diddley-Klassikers »Mona«. Und nicht nur seine ersten Erfolge, sondern auch einen neuen Namen nahm der junge Osterberg mit: Aus dem Iguanas-Mitglied wurde Iggy!


2. Johnny & The Hurricanes – Red River Rock

Vom Rock’n’Roll sollte sich der junge Jim aber noch früher anstecken lassen. 1960 zog der damals 13jährige mit dem Kapital von einem US-Dollar zur nächsten Mall und kaufte sich das Album Red River Rock von Johnny & The Hurricanes. Darauf gebracht hatte ihn sein Kumpel McLaughlin, Fortbildung erhielt der junge Rock-Fan durch das örtliche Radio, wo er mit neuer Musik versorgt wurde. »Du konntest die Beatles, die Stones, die Ronnettes, die Wailers, Booker T, frühen Motown, Jackie Wilson, die Kinks und anderen guten Kram auf dem Detroiter Sender CKLW hören«, erinnerte er sich einmal. »Aber du musstest echt geduldig sein und viel Scheiß über dich ergehen lassen, wie etwa Peter and Gordon, Freddie and the Dreamers, Leslie Gore, Frankie Avalon. Erst dann konntest du hören, was du wirklich mochtest.« Immerhin: Abneigungen zu haben, schärft den eigenen Geschmack! Und Pops wurde nicht allein dann Johnny & The Hurricanes sogar messerscharf.


3. Them – Gloria

Eine Offenbarung bedeuteten für den jungen Teenager die Band Them. Im Jahr 1963 als Trio gegründet, wurde aus Them ein Jahr später ein Quartett, als ein ganz besonderer Musiker hinzustieß: Der junge Van Morrison wagte mit der Band seine ersten Schritte und verfeinerte mit seinem charakteristischen Gesang den Sound der Band, die auf der anderen Seite des Ozeans auch von Osterberg entdeckt wurde. »Ich schätze mal, dass ich von Them zuerst ‘Gloria’ gehört habe«, erinnerte er sich. »Als ich das Album kaufte, war es die amerikanische Version und zwar dasselbe Album, dafür aber mit einem hässlichen orangenen Cover, auf dem nicht mehr als Them stand. Jetzt habe ich eine Kopie des Originals auf Vinyl. Es haut mich immer noch um. Ich habe wieder und wieder und wieder und wieder Mystic Eyes und One Two Brown Eyes gehört. Die zwei Stücke haben meine Idee davon, wie The Stooges sein könnten, total beeinflusst.«


4. The Doors  – Light My Fire

Der Sound war da, es fehlte zur Pop-Revolution also nur noch die aufregende Stage-Persona! Inspiration für sein rabiates Bühnenverhalten fand Iggy Pop nicht bei Van Morrison, obwohl ihn auch der bei einem Konzert um das Jahr 1970 herum schwer beeindruckte. »Er wirkte sehr streng und seine Bandmitglieder standen kränklich im Hintergrund. Er war echt cool! Das Beste, was er machte: Er hob einen Stuhl mit einer Hand hoch und ließ ihn über seinem Kopf rotieren während er schrie!« Gut drei Jahre vorher aber sah Iggy an der Universität von Michigan einen anderen Morrison, Jim mit Vornamen, der ihn als Frontmann von The Doors in seinen Bann zog. »Sie hatten gerade Light My Fire veröffentlicht und das Album ging gut ab«, erzählte Pop. »Und da ist dieser Typ auf Acid, ganz in Leder gekleidet und mit gelocktem, geöltem Haar. Die Bühne war winzig und ziemlich niedrig, es wurde sehr schnell konfrontativ. Das war echt interessant.« Vor allem aber bleibt ein Gedanke zurück: »Das war so ein ‘Hey, ich kann das auch!’-Ding«. Es wurde ein ‘Hey, er kann’s noch wilder!’-Ding. Das Feuer war entfacht.


5. David Bowie – Station To Station

Kein Wunder also, dass zwischen all der Wildheit die Zeiten auch mal nicht so gut für Pop standen und er sich hin und wieder verbrannte. Immer aber an seiner Seite: David Bowie, der den Musiker nicht nur von Anfang an förderte und mit seinem Arbeitsethos beeindruckte, sondern der auch später Pops Mitbewohner werden sollte. »Er hat mich wiedererweckt«, gab ein sichtlich mitgenommener Pop zu Protokoll, als ihn im Januar 2016 die Nachricht von Bowies Tod ereilte. »Er hat keine Mühen gescheut, mir ein bisschen gutes Karma zukommen zu lassen.« Viele hätten sich Anfang der siebziger Jahre für Pop interessiert, erinnerte sich Pop weiter, nur einer aber sei ihm selbst ähnlich genug gewesen: Bowie. Für das Magazin Stereogum listete er im August 2016 seine Lieblingssongs des verstorbenen Freundes auf. Nicht die großen Hits, sondern seine ganz persönlichen Favoriten. Sound And Vision etwa wurde auf Low veröffentlicht, das zeitgleich mit Pops legendärer LP The Idiot erschien, an der die  beiden zusammen gearbeitet hatten. Kein Wunder also, dass Pop das Stück von einem von Bowies radikalsten Alben in guter Erinnerung behielt.


6. Ryuichi Sakamoto – Merry Christmas Mr. Lawrence

Nicht allein mit The Idiot – zum Teil von Fjodor Dostojewskijs gleichnamigem Roman beeinflusst – suchte Pop seine Inspiration außerhalb der Musik. Als er 1987 mit dem japanischen Pianisten Ryuichi Sakamoto für das Stück Risky kollaborierte, hätte die Liste der Referenzen vermutlich in ein ganzes Buch gepasst. Das Video zur Single orientierte sich an den transhumanistischen Theorien von FM-2030 (was der Name eines Menschen und nicht etwa eines Roboters ist) und verzichtete darauf, Iggy Pop zu zeigen (der ein Mensch ist, aber von einem Roboter ersetzt wurde). Entlang FM-2030s Gedanken von einer »Nostalgie für die Zukunft« vermählte der Clip einen Roboter mit einem Modell des surrealistischen Künstlers Man Ray und zog des Weiteren Schriften des französischen Medientheoretikers Jean Baudrillard, ein Gemälde von Edvard Munch und Roland Barthes’ bahnbrechenden Aufsatz Der Tod Des Autors hinzu. Die Lyrics’ von Pop sind dabei nicht minder rätselhaft. Immerhin jedoch gehen die beschwingten, mit funkigen Untertönen ausstaffierten Beats ohne Umwege durchs Denkstübchen sofort ins Ohr. Obwohl Sakamoto mit seiner Band Yellow Magic Orchestra wie auch mit seinen Solo-Alben noch viel mehr futuristische Themen erforschte, wurde er vor allem mit sanften Klaviertönen bekannt. Merry Christmas Mr. Lawrence etwa ist sein bekanntestes Stück. Eine gewisse, mit Pop verwandte Wildheit lässt sich daraus allerdings schon ablesen.


7. Edit Piaf – Les Feuilles Mortes

Bei Anspielungen auf Dostojewskij sollte es in Pops Karriere nicht bleiben. Wusstet ihr, dass die Lyrics von Lust For Life etwa vom Schriftsteller William S. Burroughs – seinerseits ein Vorbild für Generationen von Musikern wie etwa auch Kurt Cobain – beeinflusst waren? Oder dass er 2016 noch mit der deutschen Post-Rock-Band Tarwater und dem Produzenten Alva Noto (der wiederum oft mit Ryuichi Sakamoto zusammengearbeitet hat) Texte des Dichters Walt Whitman vertonte? Die Liste ließe sich ewig fortführen, einen aber haben wir noch: Das 2009 veröffentlichte Album Préliminaires wurde von Michael Houellebecqs Roman Die Möglichkeit einer Insel inspiriert. Auch musikalisch unterschied es sich vom Gros seiner Diskografie, indem es Pops Jazz-Vorliebe in den Vordergrund rückte. Fantastisch vor allem seine stilgerecht auf Französisch abgelieferte Interpretation des Standards Les Feuilles Mortes, das vor allem durch die große Edith Piaf bekannt wurde. Der chaotische Iggy Pop hat eben nicht nur ein Faible für die schöngeistigen Künste, sondern unter der steinharten Schale einen weichen Kern.


8. Peaches – Fuck The Pain Away

Musikalische Wahlverwandtschaften gab es in Pops Karriere einige, bisweilen animierten ihn sogar diejenigen, denen er selbst ein Vorbild war. Die US-Amerikanerin Peaches zog es wie Pop nach Berlin, wo sie bis heute geblieben ist. Dort auch feierte sie Anfang des Jahrtausends ihre ersten Erfolge mit dem Album The Teaches Of Peaches, das unter anderem die recht explizite Single Fuck The Pain Away enthielt. Damit stieß sie den Electroclash der mittleren Nullerjahre an und überzeugte auch Pop von ihren Qualitäten, die ihn vielleicht an seine wildesten Phasen erinnerten. Aus der gegenseitigen Wertschätzung wurden gleich zwei Kollaborationen geboren: 2003 erschien Peaches neben anderem – vergleichsweise – jungen Gemüse wie Green Day, Sum 41 und The Trolls auf Pops Album Skull Ring. Er wiederum revanchierte sich im Folgejahr mit einem Auftritt auf der Single »Kick It« von Peaches’ Album Fatherfucker. Da hatten sich ganz offensichtlich zwei gefunden, und das nicht allein in ihrer Vorliebe für enge Lederklamotten!


9. Madonna – Ray Of Light

Etwas überschwänglicher noch gestaltete sich Pops Verhältnis zu Madonna. Ebenfalls im Jahr 2004 spielte er als Support-Act auf ihrer großer Reinvention-Tour und trat – inklusive der Stooges! – vier Jahre später sogar bei der Zeremonie anlässlich ihrer Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall Of Fame auf. Nachdem die Band in typischer Manier unter dem begeisterten Lachen der Sängerin die Songs Burning Up und Ray Of Light gecovert hatten, hauchte Pop ihr die Worte »You make me feel shiny and new, like a virgin, touched for the very first time« zu – ein Zitat aus ihrer Hit-Single Like A Virgin. Der Respekt Pops vor Madonna mag oberflächlich betrachtet überraschen, wurde aber uneingeschränkt erwidert: Stooges-Gitarrist Ron Asheton berichtete nachher, dass Madonna sie um einen Auftritt an ihrer Stelle gebeten hätte, weil die Stooges trotz mehrmaliger Nominierungen nicht in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen worden sein. Ein Fehler, der erst 2010 behoben wurde.


10. Underworld – Born Slippy (Nuxx)

»I FUCKING HATE THAT FUCKING TECHNO SHIT!«, schrie ein aufgebrachter Iggy Pop nach einem Festivalauftritt in eine Fernsehkamera. »It’s fake! Fake! FAKE!« Dabei verbindet selbst ihn als Freund von Gitarrenmusik einiges mit wummernder Dance Music, allem voran der Film Trainspotting. Der verhalf 1996 nicht allein Lust For Life zu einer zweiten Renaissance, sondern versammelte auf seinem Soundtrack auch einige Techno-Hits. Underworlds Born Slippy fasste auf hart hämmernden Beats die Lebensphilosophie einer versoffenen Nacht zusammen und war damit vielleicht gar nicht mal so weit von dem entfernt, was Pop selbst verkörperte: harten, schnellen Exzess ohne Kompromisse. Was Pop vielleicht gefreut haben wird: Auf ihrem Anfang 2016 erschienenen Comeback-Album Barbara Barbara, We Face A Shining Future zeigten sie sich wesentlich song- und gitarrenorientierter als noch auf ihrem Megahit zwei Jahrzehnte vorher. Gemeint hat er wohl sowieso eher den aufgeplusterten EDM-Sound von David Guetta und Konsorten, an dem Underworld allerhöchstens ein bisschen Mitschuld tragen.


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Zeitsprung: Am 5.2.1935 kommt Alex Harvey zur Welt.

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Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Besonders geradlinig verläuft die Karriere von Alex Harvey und seiner Sensational Alex Harvey Band nicht. Dennoch gehört der schottische Musiker zu den bekannteren Gesichtern der britischen Rockmusik der Siebziger. Heute hätte er Geburtstag gefeiert. 

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Alex Harvey anhören: 

Das Licht der Welt erblickt Alexander James Harvey am 5. Februar 1935 in einem Arbeiterstadtteil von Glasgow. Bevor er seinen Weg als professioneller Musiker einschlägt, jobbt er unter anderem als Kellner und als Dachdecker. Zeitweise graviert er sogar Grabsteine. Zu Beginn der Fünfziger begeistert er sich für Dixieland-Jazz und Skiffle, bevor er ab 1954 selbst die Bühnenbretter betritt.

Im Vorprogramm der Beatles

Ab 1958 reist Harvey mit seiner Big Soul Band durch England und Deutschland. Schnell entwickelt er sich zu einem der Aushängeschilder der britischen R&B-Szene, obwohl er auch Rocksongs zum Besten gibt. So spielt er am 20. Mai 1960 mit seiner Big Beat Band im Vorprogramm von Johnny Gentle And His Group. Hinter dem Kürzel „His Group“ verbirgt sich niemand Geringeres als die späteren Beatles, die zu jener Zeit noch aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Tommy Moore bestehen. Es handelt sich um den ersten Termin einer siebentägigen Schottland-Tour.

Hier tourt Alex Harvey mit. Eigentlich heißen die Beatles zu jener Zeit aber noch The Silver Beetles. Wer hat George sofort erkannt?, Foto: Buchcover

Gegen Ende der Sechziger versucht er es als Solokünstler, doch der Durchbruch bleibt aus. Der folgt dann zu Beginn der Siebziger, nach einem kleinen Umweg als Session-Musiker für die Londoner Inszenierung des Musicals Hair. Denn jetzt gründet er die Sensational Alex Harvey Band.

Die großen Erfolge

Mit der Gruppe bleibt Harvey während der gesamten Siebziger erfolgreich, steigt von 1976 bis 1978 allerdings kurzzeitig aus. Schon auf dem Debüt Framed (1972) liefert die Band Granaten wie Midnight Moses und den Titelsong Framed aus der Feder des Songschreiber-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller ab. Zeitgleich erobert der Glam Rock das Vereinigte Königreich und später auch den Rest Europas. Harvey und seine Mitmusiker greifen den Stil auf. So entdeckt er zu jener Zeit sein legendäres, schwarz-weiß-gestreiftes Shirt. Gitarrist Zal Cleminson setzt noch einen drauf und tritt in Pantomime-Schminke und gelb-grünem Overall auf.

Mit einer Coverversion des Tom-Jones-Songs Delilah landet die Band 1975 einen Top-Ten-Hit, auch der Song The Boston Tea Party (1976) feiert große Erfolge. 1978, kurz nach Harveys Rückkehr, erscheint mit Rock Drill das letzte Album der Band. Im Anschluss veröffentlicht er zwei weitere Soloplatten und geht ab 1979 wieder auf Tour. Doch leider stirbt Alex Harvey am 4. Februar 1982 einen Tag vor seinem 47. Geburtstag an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Söhne, einen aus jeder seiner beiden Ehen.

Zeitsprung: Am 9.1.1975 endet die Geschichte der Beatles offiziell

 

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Popkultur

10 Songs von Alice Cooper, die man kennen sollte

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Alice Cooper
Foto: Grant Lamos IV/Getty Images

Schock-Schminke, Schauer-Schlangen und schreckenerregende Songtexte: Alice Cooper hat den Schockrock zwar nicht erfunden, doch er hat ihn als erster auf die Spitze getrieben. Seit knapp 60 Jahren steht er nun auf der Bühne. Diese zehn Songs gruseln uns bis heute — auf die gute Art!

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Alice Cooper anhören:

Ob Vincent Damon Furnier schon bei seiner Geburt am 4. Februar 1948 geschminkt war, ist nicht überliefert — doch wir gehen davon aus. Die Geschichte seiner ersten großen Band Alice Cooper reicht bis ins Jahr 1964 zurück. „In der Highschool haben uns alle gehasst“, erinnert er sich in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Sehr lange Zeit mochte uns wirklich niemand.“ Das ändert sich Anfang der Siebziger, denn mit ihrer Single I’m Eighteen gelingt Alice Cooper der Durchbruch. In Windeseile erobert die Gruppe die Musikwelt; ab Mitte der Siebziger spielt Furnier seine Rolle als Alice Cooper solo weiter. „Ich wollte einen Charakter spielen, der so ist, wie ich mir den besten Rockstar aller Zeiten vorstelle“, erzählt er. „Also habe ich Alice so kreiert, wie ich das wollte: ein bisschen böse, lustig, total gruselig, aber auch elegant. Alice ist mein allerliebster Rockstar.“ Unserer auch! Das sind seine zehn besten Songs.

1. I’m Eighteen (1970)

„I’m eighteen and I like it“ — Selten wurde die Volljährigkeit mit mehr Begeisterung besungen. Ursprünglich handelte es sich bei I’m Eighteen um eine achtminütige Jam-Session, doch Produzent Bob Ezrin überredete Alice Cooper dazu, den Song auf drei Minuten einzudampfen. Zum Glück — acht(zig)minütige Jam-Sessions gab es in den Sechzigern nun wirklich genug.

2. Under My Wheels (1971)

Bei Under My Wheels handelt es sich um die erste Single vom vierten Alice-Cooper-Album Killer (1971). Seitdem hat er das Stück auf wirklich jeder(!) Tour zum Besten gegeben, weshalb Under My Wheels Platz drei von Coopers meistgespielten Live-Songs belegt. 1988 nahm Cooper die Nummer übrigens noch einmal auf, und zwar mit Guns N’ Roses. Im Gegenzug ist Cooper auch in The Garden von Use Your Illusion I zu hören.

3. School’s Out (1972)

Keinen Song hat Alice Cooper häufiger live gespielt: Mehr als 2.900(!) Mal war School’s Out auf den Konzerten des Schockrockers zu hören, also quasi acht Jahre lang jeden Tag einmal. Dass Cooper und sein Publikum so viel Freude an dem Stück haben, überrascht nicht. Schließlich hat er selbst einmal gesagt: „Die beiden schönsten Zeiten des Jahres sind der Weihnachtsmorgen und der Beginn der Sommerferien.“

4. No More Mr. Nice Guy (1973)

Wer hinter diesem Titel Autobiografisches vermutet, ist auf dem richtigen Weg. In No More Mr. Nice Guy beschäftigt sich Cooper mit den Reaktionen der Kirchengruppe seiner Mutter auf seine mitunter okkult-gruseligen Bühnenauftritte. „Jetzt gibt es keinen Weg zurück“, meint er mit dem Titel. Gut so! Was hätten wir in den vergangenen Jahrzehnten bloß ohne unsere Tante Alice gemacht.

5. He’s Back (The Man Behind The Mask) (1986)

Ganze 13 Jahre liegen zwischen dem vierten und dem fünften Song unserer Liste. 13 Jahre, in denen Alice Cooper erfolgreich solo durchstartete, aber auch heftig abstürzte. An manche seiner Alben aus den Achtzigern kann er sich aufgrund seines Drogen- und Alkoholkonsums noch nicht einmal erinnern. Dieser Titel passt also zu seinem Mini-Comeback 1986 — und zum Soundtrack des Films Freitag der 13. Teil VI – Jason lebt.

6. Poison (1989)

Wann immer es um die größten Rockhymnen aller Zeiten geht, darf dieser Song nicht fehlen. In den Achtzigern hatte sich Alice Cooper durch seine Alkohol- und Drogeneskapaden beinahe selbst ins Aus geschossen, doch mit seinem 18. Studioalbum Trash gelang ihm der große Sprung zurück in den Mainstream. Bis heute handelt es sich um seine erfolgreichste Platte — und das nicht zuletzt aufgrund großer Hits wie Poison.

7. Bed Of Nails (1989)

Auch Bed Of Nails stammt von Coopers Über-Album Trash und geriet gleich hinter Poison zum zweiterfolgreichsten Song der Platte. Komponiert hat Cooper das Stück zusammen mit seinem Ex-Bassisten Kane Roberts, seinem Produzenten Desmond Child sowie mit Diane Warren, die nicht nur für Rockgrößen wie Elton John, Tina Turner und Aerosmith tätig war, sondern auch für Popstars wie Whitney Houston und Britney Spears.

8. Hey Stoopid (1991)

Hey Stoopid gehört nicht nur zu Alice Coopers berühmtesten Songs, sondern der Meister des Schockrock begrüßte für das Stück auch jede Menge Gaststars im Studio. Slash, Ozzy Osbourne, Steve Vai, Joe Satriani: Sie alle geben sich in der Nummer die Klinke in die Hand und unterstützen ihren Kumpel Alice bei seinem Rock’n’Roll-Auftrag. Die Botschaft des Songs: „Hey Dummerchen, lass das mit den Drogen doch einfach sein …“.

9. Snakebite (1991)

Wie oft Alice Cooper im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere von Schlangen gebissen wurde, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Doch wir wissen, dass es sich bei Snakebite um einen seiner allerbesten Songs handelt! Inhaltlich ist die Nummer quasi vertonter Machismo. „My face is tattooed in your shoulder / Your name is scratched into my bike“, singt Cooper darin. Na dann …

10. Feed My Frankenstein (1991)

Wer den Rockfilmklassiker Wayne’s World kennt, liebt bestimmt auch Feed My Frankenstein von Alice Cooper. Vor der legendären „Wir sind unwürdig!“-Szene besuchen die beiden Chaoten Wayne und Garth in dem Streifen nämlich ein Konzert des Schockrockers und kommen in den Genuss seiner damals brandneuen Single. Heute gehört die Nummer zu Coopers späten Klassikern — aus gutem Grund!

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Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von Alice Cooper stammen können

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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