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Popkultur

Die musikalische DNA von Iggy Pop

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»Musik ist Leben und das Leben ist kein Business!«, schmetterte James Newell Osterberg Jr., besser bekannt als Iggy Pop, dem versammelten Publikum entgegen, als er 2010 für seine Band The Stooges die Auszeichnung für eine Aufnahme in die Rock’n’Roll Hallf Of Fame annahm. Viel Geschäftssinn hat Pop Zeit seiner Jahrzehnte in der Musikindustrie nie an den Tag gelegt, dafür aber fehlendes Kalkül mit hitziger, menschlicher Leidenschaft wettgemacht. Gegen Oberbekleidung ist er immer noch allergisch und auch die Schwerkraft kann ihm wenig ausmachen, wenn er erstmal auf der Bühne steht. Doch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch musikalisch war Iggy Pops Karriere eine Achterbahnfahrt. Beständig aber blieb Pop in seinem Erneuerungswillen, der sich auch in der breiten Palette von Einflüssen zeigt, die mit Blick auf seine musikalische DNA zu sehen sind!


Höre dir hier die musikalische DNA von Iggy Pop in einer Playlist an und lies weiter:


1. Bo Diddley – Mona

Der Weg ins Rampenlicht ist lang und aller Anfang klein. Für James Osterberg begann alles in High School-Bands und das etwa nicht hinter dem Mikrofon am Bühnenrand, sondern hinter der Schießbude. Als Drummer spielte er etwa bei den Iguanas, deren Karriere als Band sich recht bescheiden gestaltete. Osterberg hatte die Gruppe im Jahr 1963 mit seinem Kumpel Jim McLaughlin in seiner Heimat, Ann Arbor in Michigan, gegründet und schon bald konnten sie in der regionalen Szene einige Erfolge erzielen. Sogar eine Handvoll Songs nahm die Band auf, unter ihnen mit Again & Again die erste bekannte Eigenkomposition des Mannes, der später als Iggy Pop Geschichte schreiben sollte. Ein rumpeliger Song mit gebrüllten Versen – eine Blaupause für den explosiven Sound der Stooges! Ihren eigenen Vorbildern zollte die Band allerdings ebenso Tribut: Unter den wenigen Veröffentlichungen war auch eine Coverversion des Bo Diddley-Klassikers »Mona«. Und nicht nur seine ersten Erfolge, sondern auch einen neuen Namen nahm der junge Osterberg mit: Aus dem Iguanas-Mitglied wurde Iggy!


2. Johnny & The Hurricanes – Red River Rock

Vom Rock’n’Roll sollte sich der junge Jim aber noch früher anstecken lassen. 1960 zog der damals 13jährige mit dem Kapital von einem US-Dollar zur nächsten Mall und kaufte sich das Album Red River Rock von Johnny & The Hurricanes. Darauf gebracht hatte ihn sein Kumpel McLaughlin, Fortbildung erhielt der junge Rock-Fan durch das örtliche Radio, wo er mit neuer Musik versorgt wurde. »Du konntest die Beatles, die Stones, die Ronnettes, die Wailers, Booker T, frühen Motown, Jackie Wilson, die Kinks und anderen guten Kram auf dem Detroiter Sender CKLW hören«, erinnerte er sich einmal. »Aber du musstest echt geduldig sein und viel Scheiß über dich ergehen lassen, wie etwa Peter and Gordon, Freddie and the Dreamers, Leslie Gore, Frankie Avalon. Erst dann konntest du hören, was du wirklich mochtest.« Immerhin: Abneigungen zu haben, schärft den eigenen Geschmack! Und Pops wurde nicht allein dann Johnny & The Hurricanes sogar messerscharf.


3. Them – Gloria

Eine Offenbarung bedeuteten für den jungen Teenager die Band Them. Im Jahr 1963 als Trio gegründet, wurde aus Them ein Jahr später ein Quartett, als ein ganz besonderer Musiker hinzustieß: Der junge Van Morrison wagte mit der Band seine ersten Schritte und verfeinerte mit seinem charakteristischen Gesang den Sound der Band, die auf der anderen Seite des Ozeans auch von Osterberg entdeckt wurde. »Ich schätze mal, dass ich von Them zuerst ‘Gloria’ gehört habe«, erinnerte er sich. »Als ich das Album kaufte, war es die amerikanische Version und zwar dasselbe Album, dafür aber mit einem hässlichen orangenen Cover, auf dem nicht mehr als Them stand. Jetzt habe ich eine Kopie des Originals auf Vinyl. Es haut mich immer noch um. Ich habe wieder und wieder und wieder und wieder Mystic Eyes und One Two Brown Eyes gehört. Die zwei Stücke haben meine Idee davon, wie The Stooges sein könnten, total beeinflusst.«


4. The Doors  – Light My Fire

Der Sound war da, es fehlte zur Pop-Revolution also nur noch die aufregende Stage-Persona! Inspiration für sein rabiates Bühnenverhalten fand Iggy Pop nicht bei Van Morrison, obwohl ihn auch der bei einem Konzert um das Jahr 1970 herum schwer beeindruckte. »Er wirkte sehr streng und seine Bandmitglieder standen kränklich im Hintergrund. Er war echt cool! Das Beste, was er machte: Er hob einen Stuhl mit einer Hand hoch und ließ ihn über seinem Kopf rotieren während er schrie!« Gut drei Jahre vorher aber sah Iggy an der Universität von Michigan einen anderen Morrison, Jim mit Vornamen, der ihn als Frontmann von The Doors in seinen Bann zog. »Sie hatten gerade Light My Fire veröffentlicht und das Album ging gut ab«, erzählte Pop. »Und da ist dieser Typ auf Acid, ganz in Leder gekleidet und mit gelocktem, geöltem Haar. Die Bühne war winzig und ziemlich niedrig, es wurde sehr schnell konfrontativ. Das war echt interessant.« Vor allem aber bleibt ein Gedanke zurück: »Das war so ein ‘Hey, ich kann das auch!’-Ding«. Es wurde ein ‘Hey, er kann’s noch wilder!’-Ding. Das Feuer war entfacht.


5. David Bowie – Station To Station

Kein Wunder also, dass zwischen all der Wildheit die Zeiten auch mal nicht so gut für Pop standen und er sich hin und wieder verbrannte. Immer aber an seiner Seite: David Bowie, der den Musiker nicht nur von Anfang an förderte und mit seinem Arbeitsethos beeindruckte, sondern der auch später Pops Mitbewohner werden sollte. »Er hat mich wiedererweckt«, gab ein sichtlich mitgenommener Pop zu Protokoll, als ihn im Januar 2016 die Nachricht von Bowies Tod ereilte. »Er hat keine Mühen gescheut, mir ein bisschen gutes Karma zukommen zu lassen.« Viele hätten sich Anfang der siebziger Jahre für Pop interessiert, erinnerte sich Pop weiter, nur einer aber sei ihm selbst ähnlich genug gewesen: Bowie. Für das Magazin Stereogum listete er im August 2016 seine Lieblingssongs des verstorbenen Freundes auf. Nicht die großen Hits, sondern seine ganz persönlichen Favoriten. Sound And Vision etwa wurde auf Low veröffentlicht, das zeitgleich mit Pops legendärer LP The Idiot erschien, an der die  beiden zusammen gearbeitet hatten. Kein Wunder also, dass Pop das Stück von einem von Bowies radikalsten Alben in guter Erinnerung behielt.


6. Ryuichi Sakamoto – Merry Christmas Mr. Lawrence

Nicht allein mit The Idiot – zum Teil von Fjodor Dostojewskijs gleichnamigem Roman beeinflusst – suchte Pop seine Inspiration außerhalb der Musik. Als er 1987 mit dem japanischen Pianisten Ryuichi Sakamoto für das Stück Risky kollaborierte, hätte die Liste der Referenzen vermutlich in ein ganzes Buch gepasst. Das Video zur Single orientierte sich an den transhumanistischen Theorien von FM-2030 (was der Name eines Menschen und nicht etwa eines Roboters ist) und verzichtete darauf, Iggy Pop zu zeigen (der ein Mensch ist, aber von einem Roboter ersetzt wurde). Entlang FM-2030s Gedanken von einer »Nostalgie für die Zukunft« vermählte der Clip einen Roboter mit einem Modell des surrealistischen Künstlers Man Ray und zog des Weiteren Schriften des französischen Medientheoretikers Jean Baudrillard, ein Gemälde von Edvard Munch und Roland Barthes’ bahnbrechenden Aufsatz Der Tod Des Autors hinzu. Die Lyrics’ von Pop sind dabei nicht minder rätselhaft. Immerhin jedoch gehen die beschwingten, mit funkigen Untertönen ausstaffierten Beats ohne Umwege durchs Denkstübchen sofort ins Ohr. Obwohl Sakamoto mit seiner Band Yellow Magic Orchestra wie auch mit seinen Solo-Alben noch viel mehr futuristische Themen erforschte, wurde er vor allem mit sanften Klaviertönen bekannt. Merry Christmas Mr. Lawrence etwa ist sein bekanntestes Stück. Eine gewisse, mit Pop verwandte Wildheit lässt sich daraus allerdings schon ablesen.


7. Edit Piaf – Les Feuilles Mortes

Bei Anspielungen auf Dostojewskij sollte es in Pops Karriere nicht bleiben. Wusstet ihr, dass die Lyrics von Lust For Life etwa vom Schriftsteller William S. Burroughs – seinerseits ein Vorbild für Generationen von Musikern wie etwa auch Kurt Cobain – beeinflusst waren? Oder dass er 2016 noch mit der deutschen Post-Rock-Band Tarwater und dem Produzenten Alva Noto (der wiederum oft mit Ryuichi Sakamoto zusammengearbeitet hat) Texte des Dichters Walt Whitman vertonte? Die Liste ließe sich ewig fortführen, einen aber haben wir noch: Das 2009 veröffentlichte Album Préliminaires wurde von Michael Houellebecqs Roman Die Möglichkeit einer Insel inspiriert. Auch musikalisch unterschied es sich vom Gros seiner Diskografie, indem es Pops Jazz-Vorliebe in den Vordergrund rückte. Fantastisch vor allem seine stilgerecht auf Französisch abgelieferte Interpretation des Standards Les Feuilles Mortes, das vor allem durch die große Edith Piaf bekannt wurde. Der chaotische Iggy Pop hat eben nicht nur ein Faible für die schöngeistigen Künste, sondern unter der steinharten Schale einen weichen Kern.


8. Peaches – Fuck The Pain Away

Musikalische Wahlverwandtschaften gab es in Pops Karriere einige, bisweilen animierten ihn sogar diejenigen, denen er selbst ein Vorbild war. Die US-Amerikanerin Peaches zog es wie Pop nach Berlin, wo sie bis heute geblieben ist. Dort auch feierte sie Anfang des Jahrtausends ihre ersten Erfolge mit dem Album The Teaches Of Peaches, das unter anderem die recht explizite Single Fuck The Pain Away enthielt. Damit stieß sie den Electroclash der mittleren Nullerjahre an und überzeugte auch Pop von ihren Qualitäten, die ihn vielleicht an seine wildesten Phasen erinnerten. Aus der gegenseitigen Wertschätzung wurden gleich zwei Kollaborationen geboren: 2003 erschien Peaches neben anderem – vergleichsweise – jungen Gemüse wie Green Day, Sum 41 und The Trolls auf Pops Album Skull Ring. Er wiederum revanchierte sich im Folgejahr mit einem Auftritt auf der Single »Kick It« von Peaches’ Album Fatherfucker. Da hatten sich ganz offensichtlich zwei gefunden, und das nicht allein in ihrer Vorliebe für enge Lederklamotten!


9. Madonna – Ray Of Light

Etwas überschwänglicher noch gestaltete sich Pops Verhältnis zu Madonna. Ebenfalls im Jahr 2004 spielte er als Support-Act auf ihrer großer Reinvention-Tour und trat – inklusive der Stooges! – vier Jahre später sogar bei der Zeremonie anlässlich ihrer Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall Of Fame auf. Nachdem die Band in typischer Manier unter dem begeisterten Lachen der Sängerin die Songs Burning Up und Ray Of Light gecovert hatten, hauchte Pop ihr die Worte »You make me feel shiny and new, like a virgin, touched for the very first time« zu – ein Zitat aus ihrer Hit-Single Like A Virgin. Der Respekt Pops vor Madonna mag oberflächlich betrachtet überraschen, wurde aber uneingeschränkt erwidert: Stooges-Gitarrist Ron Asheton berichtete nachher, dass Madonna sie um einen Auftritt an ihrer Stelle gebeten hätte, weil die Stooges trotz mehrmaliger Nominierungen nicht in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen worden sein. Ein Fehler, der erst 2010 behoben wurde.


10. Underworld – Born Slippy (Nuxx)

»I FUCKING HATE THAT FUCKING TECHNO SHIT!«, schrie ein aufgebrachter Iggy Pop nach einem Festivalauftritt in eine Fernsehkamera. »It’s fake! Fake! FAKE!« Dabei verbindet selbst ihn als Freund von Gitarrenmusik einiges mit wummernder Dance Music, allem voran der Film Trainspotting. Der verhalf 1996 nicht allein Lust For Life zu einer zweiten Renaissance, sondern versammelte auf seinem Soundtrack auch einige Techno-Hits. Underworlds Born Slippy fasste auf hart hämmernden Beats die Lebensphilosophie einer versoffenen Nacht zusammen und war damit vielleicht gar nicht mal so weit von dem entfernt, was Pop selbst verkörperte: harten, schnellen Exzess ohne Kompromisse. Was Pop vielleicht gefreut haben wird: Auf ihrem Anfang 2016 erschienenen Comeback-Album Barbara Barbara, We Face A Shining Future zeigten sie sich wesentlich song- und gitarrenorientierter als noch auf ihrem Megahit zwei Jahrzehnte vorher. Gemeint hat er wohl sowieso eher den aufgeplusterten EDM-Sound von David Guetta und Konsorten, an dem Underworld allerhöchstens ein bisschen Mitschuld tragen.


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Popkultur

40 Jahre „Nebraska“: Als Bruce Springsteen durch Zufall zum einsamen Cowboy wurde

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Bruce Springsteen
Foto: Bill Marino/Getty Images

Vor 40 Jahren nimmt Bruce Springsteen Demos auf, die er eigentlich mit seiner E Street Band einspielen will. Er entscheidet sich dagegen – und veröffentlicht mit Nebraska sein vielleicht bestes Album.

von Björn Springorum

 

Hier könnt ihr euch Nebraska von Bruce Springsteen anhören:

Die Fabeln der Arbeiterklasse und der Mythos Amerikas sind Tropen, ohne die Bruce Springsteens Kanon auseinanderfallen würde. Immer schon haben ihn die Geschichten der vermeintlich einfachen Leute mehr interessiert als alles andere. Die Folklore der Menschen, die die Vereinigten Staaten von der Ostküste westwärts erschlossen und aufgebaut haben, die Arbeiter an den Docks, den Schienen, in den Minen.

Im Oktober 1980 veröffentlicht der Boss mit The River ein vielbeachtetes Doppelalbum voller jener Themen. Ein ganzes Jahr ist er damit auf Tour, vor allem in den USA, taucht auf den langen Fahrten über die Highways erneut tief ein in den Mythos des Wilden Westens. Die Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen inspirieren ihn in seinem Zuhause in New Jersey zu neuer Musik. Er verwendet vor allem die akustische Gitarre, eine Mundharmonika oder ein Tambourin für die Demo-Aufnahmen, die er als Grundlage für die eigentliche Studioarbeit mit seiner E Street Band nutzen will.

Drei Akkorde für ein Halleluja

Doch der folkloristische, pure, rohe Charme der oftmals mit drei Akkorden auskommenden Stücke bringt etwas in ihm zum Schwingen. Zwar arbeitet er im April 1982 mit seiner Band an Rock-Versionen dieser Song; das Ergebnis, das sagt ihm jedoch nicht zu. Für ihn fehlt den Songs im Bandkontext der verwunschene Americana-Kontext, die Seele des Landes, aus dem er sie schöpfte. Er und sein Manager Jon Landau entscheiden, diese spärlich instrumentierten Songs vom Rest zu trennen und aus ihnen eine Springsteen-Soloplatte mit Namen Nebraska zu machen. Aus den als Electric Nebraska bekannten Sessions sollen dennoch acht Songs für den Nachfolger Born In The U.S.A. von 1984 hervorgehen. Unproduktiv ist echt anders.

Eine magische Nacht

Im Grunde ist Nebraska somit ein Album, das am 3. Januar 1982 erschaffen wird. In den Abend- und Nachtstunden nimmt Bruce Springsteen wie entfesselt 15 Demos auf. Die meisten davon landen auf Nebraska. „Ich war immer nur so lang im Studio, weil das Komponieren so viel Zeit brauchte“, so sagte Springsteen mal. „Deswegen besorgte ich mir einen kleinen Vierspurrekorder, um schon mal grobe Songs aufzunehmen, die ich dann der Band zeigen würde. Ich hatte also dieses Tape wochenlang mit mir dabei, bis ich merkte: Das ist kein Demo, das ist das Album.“

Bis heute ist Nebraska ein einnehmendes, sehnsüchtiges Fernweh-Folk-Album voller Antihelden, tragischer Geschichten und amerikanischer Weite. Es lebt vom kargen Charme und von einem Schwermut, den man in dieser Intensität noch nicht von Springsteen vernommen hat. Passt zu den Themen: Die Songs drehen sich um einfache Menschen, vom Pech verfolgt oder in die Kriminalität abgerutscht. Im Titelsong geht es um den Mörder Charles Starkweather auf dem Weg zum elektrischen Stuhl, im abschließenden Reason To Believe brechen zumindest vereinzelte Sonnenstrahlen durch die tiefhängenden Wolken über den Great Plains.

Hommage an Atlantic City

Keine Inspiration braucht er natürlich für Atlantic City, Ode und Brandbrief an die einstmalige Casino- und Strandhochburg am Atlantik. Die Stadt ist wie ein pars pro toto für den Mythos der untergegangenen USA, ein einstmals glanzvoller Boardwalk, jetzt weitgehend verlassen, heruntergekommen. Im Song singt Springsteen mit Verzweiflung in der brechenden Stimme von einem Liebespaar, das nach Atlantic City flüchtet, wo er aufgrund seiner Schulden in der organisierten Kriminalität versinkt. Es sind Songs wie dieser, von dem sich die Killers zu ihrem Akustikalbum Pressure Machine inspirieren lassen.

Nebraska ist auch 40 Jahre später ein Monument und Springsteens wahrscheinlich bestes Album. Bis Western Stars (2019) ist es das einzige Album, das nicht auf einer eigenen Tournee vorgestellt wird. Es war ihm wohl immer zu düster.

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Zeitsprung: Am 4.6.1984 erscheint „Born In The U.S.A.“ von Bruce Springsteen.

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Popkultur

Review: „The End, So Far“ verschafft Slipknot neun neue Leben

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Slipknot
Foto: Venla Shalin/Getty Images

Das verflixte siebte Studioalbum wird bei Slipknot zur Wasserscheide: Nach zuletzt eher homöopathischen Änderungen im brachialen Soundbild stellen Corey Taylor und seine Maskencrew mit The End, So Far die Weichen für die Zukunft. Ihre beste Platte ist es nicht. Aber zweifellos eine beeindruckende.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch The End, So Far anhören:

Das Ende naht. Vielleicht nicht für Slipknot als Band. Aber definitiv für die Strukturen, in denen sich die Seelenstripper aus Iowa bisher bewegten: The End, So Far ist das letzte Album der Band für ihr Label Roadrunner und trägt das Ende der 25-jährigen Partnerschaft bereits im Titel.

Den Fans dürfte das egal sein. Für Slipknot geht dennoch eine Ära zu Ende. Und anstatt ein halbgares neues Album oder gar eine Best-Of auf den Markt zu werfen, um aus dem Vertrag zu kommen, geht man richtig in die Vollen. The End, So Far ist zwar nicht das brutalste, das heftigste, das härteste Album, das Slipknot jemals gemacht haben; das muss es aber auch gar nicht sein, dafür warne schließlich Iowa und Co. Zuständig.

Synthies, Chöre, klarer Gesang

Die siebte Platte porträtiert eine Band, die älter geworden ist. Und das endlich auch selbst anerkennt. Man umkreist solangsam die 50, da muss man nicht mehr so tun, als sei man 28. Deutlich wird das sofort: Der Opener Adderall ist der vielleicht untypischste Slipknot-Song aller Zeiten: Getrieben von flirrenden Synthies, Chören und durchgehend klarem Gesang, erinnert die Nummer eher an David Bowie oder an Tool.

Slipknot achten sorgfältig und gewissenhaft auf Dynamik, auf Songreihenfolge und Stimmungsbilder. Sie sind eine Albumband, groß geworden in Zeiten, in denen man Platten noch ganz hörte. Dem werden sie auch mit The End, So Far gerecht. Mehr denn je breiten Slipknot ihre irisierenden Flügel aus, decken so viele musikalische Gefilde ab wie nie zuvor. Klar ist die Platte auch brutal, in einem Song wie H377 sogar so durchgehend, kompromisslos und nervenzerfetzend knallhart wie auf ihrem tollwütigen Exorzismus Slipknot. Überwiegend steht jedoch eine Balance zwischen abgründiger Härte und trostspendenden Momenten auf der Agenda.

Grunge-Gefühle

Slipknot wissen längst, wie man Dynamik ausschöpft und präzise einsetzt. Die tosenden, grollenden Abriss-Monumente wirken wenn überhaupt, dann noch heftiger als auf früheren, eher durchgebolzten Werken. Melancholische, schwebende Momente wie die Alternative-Rock-Nummer De Sade zeigen zwischendrin aber eben immer wieder, dass man Dämonen und mentalen Horror auch ohne durchgehendes Metal-Inferno verhandeln kann. Hölle, bei Acidic kommen sogar Grunge-Gefühle auf!

Das Vermächtnis der Toten

Einen mehr als ordentlichen Job macht der neue Percussionist und Drummer Jay Weinberg. Er versucht gar nicht erst, in die XXL-Fußstapfen von Joey Jordison zu trommeln, füllt sein dynamisches, tightes Spiel aber dennoch mit mancher Referenz an den 2021 verstorbenen Drummer – voller Respekt und Demut. Es ist der sensible und richtige Weg, die tragische Geschichte einer Band zu verhandeln und weiterzutragen: Nach Paul Gray ist Joey Jordison schon das zweite Mitglied, das Slipknot zu Grabe tragen mussten.

Das Vermächtnis der Toten lebt auch auf The End, So Far fort. Ein Album voller Schatten, gespenstischer Melodien und gurgelnder Härte. Nicht alle Songs sind Treffer, manche verlieren sich in Post-Rock-Wolkengebilden und unpassenden Ausbrüchen. Unterm Strich bleibt aber eine knappe Stunde eindrucksvolles Flexen von einer Band, die ungebrochen vor Evolution, Kreativität und Aufbruchstimmung steht. Und endgültig keine Lust mehr hat, Konventionen zu pflegen oder Erwartungen zu erfüllen.

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Slipknot: Von Masken-Weirdos zu globalen Superstars

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Popkultur

30 Jahre „Küssen verboten“: Als die Prinzen zu Königen wurden

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Die Prinzen
Foto: Hulton Archive/Getty Images

Sie gründen sich noch zu DDR-Zeiten und werden gleich nach der Wende zu gesamtdeutschen Popstars: Vor 30 Jahren verkünden die Prinzen mehrstimmig: Küssen verboten! Ohrwurm in drei, zwei eins…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch das Küssen verboten anhören:

Alles beginnt im Knabenchor. Mehr oder weniger alle späteren Mitglieder der Prinzen singen sich erst mal in ostdeutschen Chören die Seele aus dem Leib – Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk sowie Henri Schmidt etwa im weltweiten Leipziger Thomanerchor. Was man eben so macht in der DDR. Daraus entsteht eine erste Band mit dem unglücklichen Namen Die Herzbuben. Der Versuch: Mit A-capella-Stücken erfolgreich werden.

Annette Humpe greift ein. Zum Glück

Das klappt zwar ganz gut, aber das große Problem ist: Immer wieder verlieren Die Herzbuben Mitglieder, weil sie sich aus der DDR absetzen. Es dauert also noch bis nach der Wende, bevor die Geschichte endlich Fahrt aufnehmen kann. Zu verdanken ist das übrigens Annette Humpe, die mit Ideal große Erfolge feiern konnte und mit Blaue Augen einen gewaltigen Hit komponiert hatte. Sie wird auf die Band aufmerksam, erkennt das Potential und verfrachtet sie im November 1990 zu Anselm Kluge für erste Aufnahmen in dessen Studio. Ihr ist auch zu verdanken, dass man den Namen Die Herzbuben ablegt und sich auf Die Prinzen einigt. Mit den Wildeckern wollte man dann auch nicht unbedingt verwechselt werden.

Danach geht es schnell: Schon die erste Single Gabi und Klaus wird 1991 zum Erfolg, das Debüt Das Leben ist grausam kann sich mehr als eine Million Mal verkaufen und bringt sie auf Tour mit Udo Lindenberg. Danach soll natürlich schnell ein Nachfolger her. Deutschland ist nach David Hasselhoffs Niedersingen der Mauer wiedervereint und dürstet nach deutschsprachiger Popmusik, die Prinzen sind als ostdeutsche Band in den alten und neuen Bundesländern der absolute Verkaufsschlager.

Auch Olli Dittrich mischt mit

Ihr Rezept – A-capella-Gesang trifft Pop mit teils hintersinnigen, teils albernen Texten – trifft den unbeschwerten Zeitgeist, der nach all dem Drama einfach mal eine gute Zeit haben will. Nur ein Jahr nach dem Erstling sind Die Prinzen mit Küssen verboten zurück. Diesmal produziert Annette Humpe gleich das komplette Album und hilft der Band beim Texten, zusätzliche Unterstützung bei den Lyrics kommt von Comedian Olli Dittrich – so etwa der Text zu Kleines Herz.

Aufgenommen wird im Frühjahr 1992 in den Boogie Park Studios im Hamburg, am 28. September erscheint das zweite Album der Prinzen. Und wird ein ähnlich großer Erfolg: Es verkauft sich über 800.000 Mal, was damals drei Goldene Schallplatten bedeutet. Neben dem großen Erfolg der Single Küssen verboten ist es vor allem der von Sebastian Krumbiegel verfasste Song Bombe, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Anders als die humorigen, leichten Songs der Leipziger postieren sich Die Prinzen mit fast schon punkiger Attitüde klar gegen Rechtsextremismus.

Gegen rechte Gewalt

Gemeinsam mit Annette Humpe spielen sie Bombe live beim „Heute die! Morgen du!“-Festivals gegen rechte Gewalt in Frankfurt vor 150.000 Zuschauern. Als der Song im Februar 1993 als Single erscheint, gehen viele besorgte Eltern auf die Barrikaden. So viel Sex und Kritik ist man von den Prinzen nicht gewohnt. Dem Erfolg schadet es nicht. Im Gegenteil: Die große Tournee zu Küssen verboten wird zum Durchmarsch, zu den fast 60 Konzerten in den größten Hallen des Landes kommen über 200.000 Besucher.

In nur zwei Jahren sind Die Prinzen von einer ostdeutschen A-Capella-Seltsamkeit zu einer der größten Popbands des Landes geworden. Wieder vergeht nur ein Jahr, bis sie diese Erfolgsgeschichte mit Alles nur geklaut fortsetzen werden. Nicht übel für so ein paar Typen aus dem Knabenchor…

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Zeitsprung: Am 31.10.1965 probt die DDR-Jugend den Beat-Aufstand.

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