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Popkultur

Die musikalische DNA von ZZ Top

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Die Geschichte von ZZ Top ist lang und länger sind wohl nur ihre Bärte. Zumindest die von Dusty Hill und Billy Gibbons, denn ausgerechnet Drummer Frank Beard tritt in der Regel mehr oder weniger rasiert in Erscheinung. Ein bartloser Beard: Damit wäre schon alles über das ulkige Understatement der Band gesagt, die gut ein halbes Jahrhundert die Evolution des Blues Rocks geprägt hat wie kaum eine andere. Denn nicht allein der genreuntypische Humor, sondern auch die stilistischen Finten des Trios, das seit 1970 in dieser Formation gemeinsam Studio und Bühne teilt, machen sie zu einer besonderen Band. Ihr Song Flyin’ High vom Album La Future wurde 2011 sogar vom Astronauten Mike Fossum auf eine Spritztour zur ISS mitgenommen. „Die Band kann jetzt bestätigen, dass space wirklich der place ist“, hieß es dazu trocken in einem Interview.


Hört hier in die musikalische DNA von ZZ Top rein:

Für die anze Playlist klickt auf das Spotify-Logo.

Fans mögen ZZ Top dennoch vor allem ihrer Bodenständigkeit wegen. Noch bis heute gilt Tres Hombres in den entsprechenden Kreisen als ihr bestes, unübertroffenes Werk. Ihre größten kommerziellen Erfolge, vor allem die LP Eliminator, werden da schon kritischer beäugt. Das allerdings sagt schon viel über die Drei aus: So sehr sie auch manchmal mit ihrer Musik oder aber ihren Texten polarisieren, sie haben sich in fünf Jahrzehnten immer weiterentwickelt. Wie viele andere Blues Rock-Bands werfen schon ein Ohr auf die örtliche Rock-Szene? Eben, nur ZZ Top, die ihrer Heimatstaat Texas ebenso treu geblieben sind wie ihren stilistischen Wurzeln – aller Experimente mit Keyboards und sogar Hip Hop zum Trotz. Ein Blick auf die musikalische DNA von ZZ Top ist dementsprechend ein irrwitziger Trip durch musikalische Einflüsse, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren. Aber keine Sorge, so penibel das auch klingt: Es gibt garantiert auch was zu lachen.


1. B.B. King – You Upset Me, Baby

Wo anfangen? Beim Namen natürlich. Wo der herrührt, ist allgemein bekannt: Gibbons fiel in der Band-WG auf, dass viele Musiker nur ihre Initialen vor sich her trugen, wie beispielsweise Z.Z. Hill oder B.B. King. Da lag es doch nahe, ZZ King draus zu machen. Zu nahe allerdings, so ganz zufrieden war das Trio – damals waren neben Gibbons noch Lanier Greig und Dan Mitchell dabei – noch nicht. Wo aber findet ein waschechter König seinen Platz? Na logo, ganz oben, auf der Spitze – on the top! Zugegebenermaßen allerdings wäre AA Top ein in kommerzieller Hinsicht noch besserer Name gewesen. Denn wer fängt schon im Plattenladen beim Diggen im Alphabet ganz hinten an?

B.B. King übrigens lieh ZZ Top mehr als nur die Inspiration für den Namen. „Ich hatte Glück. Mein Vater war Musiker und nahm mich in die Studios von Houston mit“, erinnerte sich Gibbons, das Sprachrohr des Trios, an seine Kindheit. „Da gab es diese wilden Country-Künstler und Typen, die scharfe Hillbilly-Musik spielten. Das hat mich umgehauen. Und eines Tages gingen wir in die ACA Studios und sahen uns B.B. King an. Ich war da gerade mal sieben Jahre alt!“ Ein prägendes Erlebnis. Bis heute nennt er Kings Debüt-LP Singin’ the Blues als eines seiner allerliebsten Alben überhaupt. „Es wird gerne gesagt, dass Billy mit einem Ton mehr ausdrücken konnte als andere mit hundert und ich schätze mal, dass es so für mich angefangen hat.“


2. Robert Johnson – I Believe I’ll Dust My Broom

Selbst der King of the Blues, wie King nicht allein in Anspielung auf seinen Nachnamen genannt wird, hatte jedoch seine eigenen Vorbilder. Robert Johnson ist eines davon. Dass der Einfluss des Königs der Delta-Blues-Sänger nicht an ZZ Top vorbeiging, versteht sich da nur von selbst. Zudem der Mythos, nach welchem der mysteriöse Musiker angeblich seine Seele an den Teufel verkauft hätte, glatt auf ihrem Mist gewachsen sein könnte… Dabei gibt es aber nur das Original, wie auch Gibbons betonte. „Du kannst dir dieselbe Gitarre holen, sein altes Hotelzimmer mieten, doch abzuliefern, wie R.J. es 1936 gemacht hat – vergiss es! Nie und nimmer.“

Eine kleine Hommage konnte sich die Band natürlich dennoch nicht verkneifen. Dust My Broom vom 1979 erschienenen Album Degüello ist eine Neuinterpretation von I Believe I’ll Dust My Broom und nicht wenige der ZZ Top-Hits haben sich von Johnsons nur spärlich dokumentiertem Schaffen inspirieren lassen. Es blieb bei vorsichtigen Verneigungen, denn Gibbons, Hill und Beard wussten immer: Die spezielle Johnson-Magie lässt sich reproduzieren. Gibbons selbst fällt es schwer, die Anziehungskraft des früh verstorbenen Blues-Pioniers in Worte zu fassen. „Das war nur ein einziger Typ“, sagte er. „Fleisch auf Metal auf Holz. Aber was mitbrachte, war heftig.“


3. Jimmy Reed – Blue Blue Water

Was Johnson mitbrachte? Den Blues. Oder brachte der Blues ihn mit? Denn was der Blues eigentlich sei, das versuchte Gibbons folgendermaßen zu beschreiben: „Der Blues ist eine lange, mächtige Straße. Oder vielleicht doch eher ein Fluss mit vielen Biegungen und Schnellen, der in einem Meer von unbegrenzten musikalischen Möglichkeiten mündet.“ Poetische Worte… Aber geht das auch bündiger? Klar! „Der Blues ist das Leben selbst.“ Damit können wir doch arbeiten.

Die lebensnotwendige Injektion des Blues kam für ihn, so verriet Gibbons, von Jimmy Reed. Wenige Jahre nachdem der Knirps B.B. King live erleben durfte, trieb er bei seiner Suche nach neuem Stoff ein massives Doppelalbum: Jimmy Reed at Carnegie Hall. „Ein ziemlich hochtrabender Albumtitel, der aber irreführend ist, weil das Album nicht in der Carnegie Hall aufgenommen wurde“, schmunzelte Gibbons. „Ich schätze mal, das Label wollte, dass die Leute denken: ‚Wow, Carnegie Hall! Der muss echt wichtig sein!‘ Was er ja tatsächlich war.“ Nicht nur für Gibbons, versteht sich.


4. Lightnin‘ Hopkins – Moving Out Boogie

In der Musik von ZZ Top schlagen sich allerdings nicht allein die globalen Helden der Blues-Geschichte mit ihrem Sound nieder. Die Drei wissen als Texaner genauso, was der Klang ihrer Heimat wert ist. Als Texas Blues wird eine Stilrichtung beschrieben, die mit Swing- und Jazz-Elementen angereichert ist. Einer ihrer Vertreter ist Lightnin‘ Hopkins, ein musikalischer Sturkopf und einzigartiges Talent, wie Bassist Hill hautnah erleben durfte. „Hey Lightnin‘, du spielst echt in komischen Taktarten“, soll er ihm bei einer gemeinsamen Aufnahmesession zugerufen haben. „Eine Strophe sind acht Takte, die nächste dann wieder zehn!“

Was der darauf antwortete? „Is‘ wurscht. Lightnin‘ macht‘s, wie Lightnin‘ es will.“ Das ist doch mal eine Attitüde, mit der sich was anfangen lässt! Ähnliches lässt sich schließlich auch von ZZ Top sagen. Ein Song wie Hopkins‘ Moving Out Boogie war für ihren Stil definitiv maßgeblich, und sei‘s nur wegen der lässigen Vortragsweise wegen. „Er redet sich durch das Stück, Singen lässt sich das ja nicht nennen, aber die Gitarre könnte Tote zum Leben erwecken“, so Gibbons. „Was er da in zweieinhalb Minuten auf seinem Instrument anstellt, ist genug, um dich dazu zu bringen, deine Fuzz- und Wah Wah-Pedale wegzuschmeißen.“


5. Jimi Hendrix – Foxey Lady

Aber Moment mal! Bitte nicht. Denn ein paar Effekte dürfen durchaus mal sein, ohne dass es gleich in Effekthascherei endet. Das verstanden ZZ Top, die im Laufe ihrer Karriere unter anderem auch mal auf Synthesizer zurückgriffen, genauso wie andere vor ihnen. Wer sich nämlich als Trio Gehör verschaffen will, muss und darf manchmal etwas tricksen. Was, ihr seid anderer Meinung? Dann müsst ihr euch mit Cream anlegen. Das vielleicht wichtigste Blues Rock-Trio der Musikgeschichte war das lauteste seiner Zeit und ein maßgeblicher Einfluss für ZZ Top, die Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker 1993 sogar in die Rock and Roll Hall of Fame einführen durften.

Und da war ja noch Jimi Hendrix. „Jimi war ein echter Freund, der uns zeigte, was sich mit einer elektrischen Gitarre alles so anstellen ließ, weit über das hinaus, wozu sie eigentlich gedacht war“, so Gibbons. Die Jimi Hendrix Experience gemeinsam mit Drummer Mitch Mitchell und Bassist Billy Cox fand sich erst kurz vor Hendrix’ Tod zusammen, Gibbons war aber schon vorher mit dem begnadeten Gitarristen auf Tour, damals noch mit seiner alten Band The Moving Sidewalks. Lehrreiche Zeiten, das Geheimnis hinter Hendrix’ Sound ist Gibbons aber immer noch nicht auf die Schliche gekommen. Auf die Frage hin, welchen Song er gerne selbst geschrieben hätte, konnte er sich dann auch nicht zwischen Muddy Waters‘ Mannish Boy und Foxey Lady entscheiden.


6. 13th Floor Elevators – Reverberation

Das Faible der Band für den Breitwandsound von Cream und die entgrenzten Pedaleinsätze eines Jimi Hendrix kommt nicht von ungefähr. ZZ Top lieben ihren Rock auch gerne mal psychedelisch. So ist es dann auch kein Wunder, dass sie erklärte Fans der 13th Floor Elevators und deren Masterminds Roky Erickson sind. Texaner halten eben zusammen! Denn Erickson kommt schließlich aus Dallas, seine Band gründete sich in Austin. Mit The Psychedelic Sounds of the 13th Floor Elevators legten sie 1966 ein Debütalbum ab, in dem zum ersten Mal in der Rock-Geschichte überhaupt das Wort „psychedelisch“ verwendet wurde.

Die 13th Floor Elevators gehören eher der Kategorie „die-Lieblingsband-deiner-Lieblingsband“ an. Selbst kurz vor Ausbruch der Hippie-Revolution war ihre Musik bahnbrechend und transgressiv, ihre Ästhetik krass und die Texte rätselhaft. ZZ Top aber gefiel eben genau das. „Wir haben ungefähr einmal pro die Chance, mit Roky auf der Bühne in Austin oder sonstwo in der Welt zu stehen“, erzählte Gibbons stolz in einem Interview. „Er ist einfach saucool. Einer der größten Erneuerer aller Zeiten. Die 13th Floor Elevators haben viele beeinflusst.“ ZZ Top natürlich explizit mit eingeschlossen! 1990 coverten sie für die Tribute-Compilation Where the Pyramid Meets the Eye: A Tribute to Roky Erickson das Stück Reverberation.


7. Sam & Dave – I Thank You

ZZ Top mögen‘s gerne neben der Spur. Mehr noch suchen die drei Musiker wieder und wieder ihre Inspiration in angrenzenden und manchmal weit entfernten Genres auf. Als sie 1979 ihr Album Degüello veröffentlichten, überraschten sie mit einem Cover von I Thank You, das ursprünglich vom Soul-Duo Sam & Dave – Sam Moore und Dave Prater – 1967 auf der gleichnamigen LP veröffentlicht wurde. Wer allerdings beim Original genau hinhört, wird schnell verstehen, was genau ZZ Top an dem Stück reizte. Das Fundament ist ein knalliger Rhythm and Blues-Groove, die Orgel pfeift psychedelisch und eine Prise Gospel ist schließlich nie verkehrt.

Der Einfluss von Soul-Musik – obwohl eher in raueren Variante, wie sie das Label Stax prägte – auf das Schaffen von ZZ Top kann kaum unterschätzt werden. Denn obwohl die I Thank You-Interpretation unter ihren Händen eine ganz andere Klangfarbe annehmen sollte, so steht Soul doch zwischen Blues, Rhythm and Blues beziehungsweise Rock and Roll und Gospel. Ein Dreieck, in dem sich die Band stets gerne rumtrieb. Auch, als Soul zunehmend elektronischer wurde. In Songs wie Rough Boy vom Album Afterburner aus dem Jahr 1985 steckt immer auch ein kleines Quäntchen Soul mit drin. Auch wenn es manchen Fans vor Nummern wie diesen graut…


8. Tito Puente – Oye Como Va

Die Transformation, die ZZ Top Anfang und Mitte der achtziger Jahre durchlief, bleibt umstritten. Nicht wenige finden den Einsatz von Synthesizern bei der Band komplett daneben, andere wiederum kennen die Drei vor allem für ihre glattpolierten Stadion-Rock-Hits aus dieser Phase – und lieben sie genau so. Doch wer ZZ Top wirklich schätzen will, muss das in all ihren Facetten tun. „Wir haben Synthesizer als Werkzeug verwendet“, sagte Hill in einem Interview. „Und das Tolle war ja, dass wir wirklich keine Ahnung hatten, was überhaupt wir da machten. Wir hatten keine Vorgaben. Und das ist genau, wie wir die Dinge angehen. Das Einzige, was uns sagt, wo‘s lang geht, ist die Musik selbst.“

Manchmal landen die Drei auf ihren Reisen dennoch in der direkten Nachbarschaft. Was dann wiederum ganz anders als erwartet klingen kann. Als Texaner ist für Gibbons, Hill und Beard nicht weit nach Mexiko und die Musik von Latein- und Südamerika gehört definitiv zu ihren Interessen. Nicht allein die spanische Sprache zieht sich als ein Leitmotiv durch ihr Werk, auch musikalisch holten sie sich immer wieder Inspiration aus dem Süden. Vor allem die Rhythmussektion, aber auch Gibbons, der für sein Solo-Album Perfectamundo sogar beim Mambo-Meister Tito Puente in die Lehre ging. „Tito hatte das unglaubliche Talent, den Rhythmus dezent nach vorne zu bringen, um so die letzte Reihe in Bewegung zu versetzen“, schwärmte er über den 2000 verstorbenen Sohn puerto-ricanischer Eltern. „Er brachte uns eine wertvolle Lektion bei: ‚Spielt, was ihr hören wollt.‘“


9. DJ DMD, Lil’ Keke and Fat Pat – 25 Lighters

Und was ZZ Top hören wollten, das überraschte ihre Fanbase nicht selten. Als die Band ihr Album La Futura enthüllte, verblüfften sie mit der Cover-Version eines Stücks, von dem viele zuvor noch gar nicht gehört hatten. I Gotsta Get Paid ist eine bluesige Neuinterpretation von 25 Lighters, einem Hit von DJD DMD, Lil’ Keke und Fat Pat – einem Produzenten und zwei Rappern also! Kein Wunder allerdings, denn bei La Futura saß Rick Rubin als Produzent hinter den Reglern. Rubin ist seit jeher der Vermittler zwischen Rap und Rock, der uns unter anderem Walk This Way von Aerosmith und Run DMC beschert hatte.

Aber allein an Rubin lag es nicht, dass ZZ Top 2012 eine längst verstaubte Rap-Nummer ausgruben. Gibbons nannte fröhlich Sängerinnen wie die Texanerin Beyoncé als Einfluss und wies vor allem gerne drauf hin, dass seine Truppe in den neunziger Jahren das Rap-Geschehen in ihrer Heimat Houston genauestens verfolgte. Die Szene um den innovativen Produzenten DJ Screw, der mit seinen entschleunigten Beats den sogenannten „Chopped and Screw“-Sound des Dirty South erfand, ging im Mastering-Studio von John Moran ein und aus – wie auch ZZ Top. „Es kam da eine sehr lockere Durchmischung zustande und wenig überraschend brachte uns der erweiterte Austausch auch dem Chopped-and-Screwed-Phänomen nahe“, erklärte Gibbons. Sachen gibt‘s!


10. Wyclef Jean – Rough Boy

Überrascht es da noch weiter, dass die Hip Hop-Szene selbst ein Interesse an ZZ Top entwickelte? Wohl kaum. Auf der 2011 veröffentlichten Tribute-Compilation ZZ Top – A Tribute From Friends tummelten sich nicht allein Bands wie Wolfmother, Mastodon oder Nickelback. Auch Wyclef Jean – genau, der von den Fugees – trug ein Stück bei, eine Reggaeton-inspirierte Interpretation von Rough Boy. Solche Querverweise kann sich niemand ausdenken, so sieht allein die irrwitzige Realität von ZZ Top aus!

Überhaupt: Ähnlich divers wie die Einflüsse von ZZ Top ist auch die Wirkung, welches das Trio auf die Musikgeschichte hatte. Für ihr Album Mescalero wurden angeblich die Pop-Sängerin P!nk, der Soft Rocker Dave Matthews und die Indie-Nerds von Wilco für eine Kollaboration in Betracht gezogen, selbst ein Urgestein wie Jeff Beck ist ein erklärter Fan und gern gesehener Bühnenpartner. ZZ Top können eben mit allen und alle mit ihnen! Warum, das haben wir gesehen: Die Band scheut keine Experimente und blieb sich, ihrer Heimat und dem Blues doch aber immer treu.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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