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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.9.1990 verkünden Stevie Nicks & Christine McVie ihren Ausstieg von Fleetwood Mac.

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Fleetwood Mac 1990 - Foto: Time Life Pictures/DMI/The LIFE Picture Collection via Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.9.1990.

von Jürgen Ehneß und Christof Leim

Bei Fleetwood Mac hat sich das Besetzungskarussell schon seit der Gründung rasant gedreht. Doch als Stevie Nicks und Christine McVie am 12. September 1990 ihren Ausstieg ankündigen, geht eine Ära zu Ende, die 1975 begonnen hat und von musikalischen Geniestreichen ebenso geprägt war wie von Dramen, Drogen und Gewalt.

Hier könnt ihr euch das damals aktuelle Album Behind The Mask anhören:

Kaum eine Band hat sich im Laufe der Jahre dermaßen verändert wie Fleetwood Mac – sowohl personell als auch musikalisch, inklusive eines mehrstufigen Totalumbaus von einer britischen Bluesband zu einer kalifornischen Popgruppe. Und auch das Fundament ist anders verortet als bei gewöhnlichen Truppen: Während sich im Rockzirkus traditionell oft Schlagzeughocker als Schleudersitze erweisen, sind bei Fleetwood Mac tatsächlich die namensgebenden Mick Fleetwood (Drums) und John „Mac“ McVie (Bass) die Konstanten.

Und wieder einer weg …

Als die beiden Frauen des Quintetts am 12. September 1990 verkünden, künftig nicht mehr mit von der Partie zu sein, markiert das einen gewaltigen Einschnitt in der Bandhistorie – und gleichzeitig ein Ereignis in einer langen Reihe ähnlicher Vorfälle. Die Gründe für das Ausscheiden der ehemaligen Bandmitglieder sind dabei so verschieden wie die Charaktere selbst. Blicken wir zurück.

Der ursprüngliche Bandleader/Gitarrist Peter Green bleibt 1970 auf einem LSD-Trip hängen, den er ausgerechnet bei den Münchener Schicki-Kommunarden Uschi Obermaier und Rainer Langhans eingeworfen hat, und will sein Leben daraufhin radikal ändern. Sein Mitstreiter Jeremy Spencer (Gitarre) tritt zum 1971er-Tourauftakt in Los Angeles spontan der Sekte Children Of God bei, verschwindet für fünf Tage spurlos und ist danach dermaßen gehirngewaschen, dass ein Weitermachen bei den Macs völlig ausgeschlossen ist. Der Dritte des ursprünglichen Gitarrentrios, Danny Kirwan, wird auf Grund seines alkoholbedingten unberechenbaren Verhaltens aus der Band geworfen. 

Zündstoff fürs Überalbum

Doch das ist nur der Anfang: Nachdem die Band in Richtung Pop steuert und auf Anraten des Green-Nachfolgers Bob Welch nach Kalifornien übersiedelt, wird sie grundlegend umgebaut: Lindsey Buckingham (Gitarre, Gesang) und Stevie Nicks (Gesang), musikalisch und privat zu dieser Zeit ein Paar, geben dem Sound eine völlig neue Richtung und Qualität – und der Bandgeschichte eine neue interne Ausrichtung. Noch mehr Zündstoff entsteht durch die Tatsache, dass das zweite Paar der Gruppe – Christine McVie (ehemals Christine Perfect, Keyboard und Gesang) und John McVie (Bass) – vor der Trennung steht.

Bereits vor dem alles überragenden kommerziellen wie künstlerischen Erfolg des Überalbums Rumours im Jahr 1977 setzt eine Seifenoper ein, die selbst im Pop-/Rock-Business einzigartig sein dürfte und sich im Plattentitel (deutsch: „Gerüchte“) widerspiegelt. Amouröse Verwicklungen sorgen dabei für nachhaltiges Konfliktpotenzial. So hat etwa Stevie Nicks, in ihrer On-Off-Beziehung noch nicht ganz von Lindsay Buckingham getrennt, eine Liaison mit Mick Fleetwood, der wiederum noch mit Jenny Boyd verheiratet ist – der Schwester von Pattie Boyd, die George Harrison schließlich für Eric Clapton verlässt. Jenny selbst hat zuvor eine Affäre mit dem Fleetwood-Mac-Gitarristen Bob Weston. Christine McVie, nun frisch von Basser John geschieden, pflegt wiederum ein Verhältnis mit einem Crew-Mitglied.

Dramen für Superstars

Alkohol und Kokain spielen eine zunehmend dominierende Rolle bei allen Bandmitgliedern, und man hat es sich zur Gewohnheit gemacht, sich ordentlich die Kante zu geben, bevor man spätnachts die Arbeit im Studio beginnt. Im benebelten Zustand sind massive Wutausbrüche und körperliche Gewalt an der Tagesordnung. Christine und Stevie klinken sich zunehmend aus der Studioarbeit aus und tauchen irgendwann nur noch für ihre Overdubs auf. 

Das erfolgreiche Siebziger-Line-up: Fleetwood, Nicks, McVie, McVie, Buckingham – Foto: Sam Emerson/Warner/Promo

Durch den Megaerfolg von Rumours läuft alles noch mehr aus dem Ruder: Knapp zehn Millionen verkaufte Alben im ersten Jahr lassen die fünf Stars förmlich abheben. Unzählige weitere Dramen folgen, bis Buckingham 1987 schließlich die Band verlässt – woraufhin seine ehemalige Lebensgefährtin mit der Absicht auf ihn losgeht, ihn ins Jenseits zu befördern.

Die Damen schmeißen hin

Damit kommen wir zu den Ereignissen des Jahres 1990: Die beiden Nachfolger des Gitarristen, Rick Vito und Billy Burnette, glänzen hauptsächlich durch Unauffälligkeit, und das erste und einzige Album mit den beiden, Behind The Mask, enttäuscht. Veröffentlicht wird es am 9. April 1990, und wie üblich soll eine Tour folgen, um das Album zu bewerben (damals lief das so, denn das Geld kam tatsächlich über Plattenverkäufe herein). Die Absätze laufen recht ordentlich, und in Großbritannien ergibt das sogar die Spitzenposition der LP-Charts samt Platinauszeichnung. 

Fleetwood Mac 1988 – Foto: Neal Preston/Promo

Wie es um die allgemeine Zufriedenheit bestellt ist, zeigt jedoch der 12. September 1990: Christine McVie, immerhin seit 1970 festes Mitglied bei Fleetwood Mac und wichtige Songschreiberin, und Stevie Nicks, seit 1975 mit an Bord, ziehen beiden die Reißleine und verkünden ihren Ausstieg direkt nach der noch laufenden Tour. Zumindest wollen sie nicht mehr mit den drei Herren unterwegs sein.

Das Ende

Das versetzt nicht den Fans nur einen Schock, sondern markiert zugleich das Ende einer einzigartigen Konstellation, die sich zwar später wieder zusammenrauft, aber nie mehr einen auch nur annähernd ähnlichen künstlerischen Höhenflug hinlegen wird. Christine McVie versucht zu trösten: „Fleetwood Mac wird es immer geben, solange Mick und John dabei sind.“ Doch natürlich ist Stevie Nicks der Publikumsliebling und das Aushängeschild der Band.

Am 7. Dezember steht das finale Konzert der Tour an, danach soll’s ernst werden, auch wenn Mrs. Nicks unter Tränen gesteht: „In meinem Herzen glaube ich nicht, dass das die letzte Show ist.“ Und nicht nur Stevie dürfte feuchte Augen haben, als sie sich von den Fans in Los Angeles mit einer Bomben-Setlist  verabschiedet. Für zusätzliche Rührseligkeit sorgt Lindsey Buckingham, der für drei Songs auf die Bühne gebeten wird – unter anderem für Go Your Own Way, das bereits zu Rumours-Zeiten programmatisch gedacht war und nun eine neue Bedeutung bekommt.

Hin und her und her und hin

Im Falle Christine McVie entpuppt sich das Ausstiegsbekunden als halbes Lippenbekenntnis. Vielleicht liegt es am Mangel an Alternativen, jedenfalls bleibt die Britin der Truppe zunächst noch einige Jahre treu und mischt auch bei der Nachfolgeplatte Time mit. Stevie Nicks jedoch nimmt tatsächlich ihren Hut und macht sich in den folgenden Jahren rar, nicht zuletzt wegen ihrer Sucht nach Klonopin, einem Beruhigungsmittel. Ein eher verhaltenes Lebenszeichen erscheint 1994 in Form ihres fünften Soloalbums Street Angel

Doch 1997 haben die Fans Grund zum Jubeln: Zu einem Reunionkonzert kommen sowohl Stevie als auch ihr Ex-Lover Lindsey wieder an Bord, anschließend tourt die Band in der Rumours-Besetzung durch Nordamerika – danach will Christine McVie erneut aussteigen, wirkt aber bis 2003 noch gelegentlich mit, bevor endgültig Schluss ist. Doch Fleetwood Mac wären nicht Fleetwood Mac, wenn’s das schon gewesen wäre. 2014 steigt Frau McVie nämlich wieder ein. Lindsey Buckingham dagegen macht sich vier Jahre später zum zweiten Mal vom Acker. Wir wiederum warten sehnsüchtig auf die nächste Staffel der Seifenoper.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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