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Popkultur

Gitarrengott: Muddy Waters

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Wie die meisten großen Elektro-Blues-Musiker der Nachkriegszeit stammte der Bandleader, Songwriter, Gitarrist, Sänger, Interpret und Haupt-Impulsgeber der Elektro-Blues-Szene in Chicago ursprünglich aus dem Mississippi-Delta. Muddy Waters war nicht nur ein bedeutender Musiker, sondern auch ein großzügiger Mensch, der zahlreiche jüngere oder weniger erfolgreiche Kollegen förderte, wie diese später bezeugten. Vor allem aber ist und bleibt er der unangefochtene König des Chicago Blues.

„Nein, ich bin kein Millionär, aber ich hatte viele Manager, die zu Millionären wurden.“ – Muddy Waters

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Seinen Spitznamen Muddy Waters (wörtlich: „Schlammige Gewässer“) soll ihm die Großmutter nach dem Bach verpasst haben, in dem er als Kind gerne spielte. Unter diesem Namen hat er weit über die Grenzen des Blues hinaus Musikgeschichte geschrieben. Mit seiner Behauptung „Der Blues bekam ein Baby; sie nannten es Rock’n’Roll“ hatte er zweifellos recht, und unter den jungen weißen Möchtegern-Blues-Musikern genoss er ein so hohes Ansehen wie kein Zweiter. Jene junge britische Band, die später als „größte Rock’n’Roll-Band der Welt“ Weltruhm erlangen sollte, benannte sich 1962 nach einem Song, der auf dem Album The Best of Muddy Waters (1958) veröffentlicht wurde.


Digging deeper…

McKinley Morganfield verlor seine Mutter im Alter von ungefähr drei Jahren und zog zur Großmutter auf die Stovall-Plantage. Als Erwachsener arbeitete er zunächst dort als Landarbeiter und lernte zunächst Mundharmonika und später auch Gitarre zu spielen. Seine ersten Auftritte hatte er ab etwa 1935 in afro-amerikanischen Kneipen, den sogenannten Juke Joints, bei Partys und Tanzveranstaltungen in der Umgebung von Clarksdale.

Im Sommer 1941 nahm der Folklore- und Musikforscher Alan Lomax Muddy Waters im Rahmen seines Forschungsprojekts für die Library of Congress auf der Stovall-Farm mit den Stücken Country Blues und Burr Clover Country Blues auf. Howard Stovall, dessen Familie die Farm bis heute gehört, erzählte: „Er war zuständig für den Burr Clover, den Geknäulten Klee, eine Zwischenfrucht, die gesät wurde, um den Boden mit Stickstoff anzureichern. Das ist echte Plackerei, man muss es mit der Hand harken und in Säcke füllen und dann die Samen auf dem Feld verteilen, um die Bodenfruchtbarkeit für die nächste Ernte zu verbessern. Ich hatte die Ehre, das mal einen Sommer lang zu machen, und Muddy war davon offenbar ähnlich begeistert wie ich, er konnte es nur wortgewandter zum Ausdruck bringen.“


Schaut euch hier eine Live Version von Muddy Waters Hoochie Coochi Man an:


1943 zog es Waters gen Norden; wie viele andere vor ihm nahm er den Zug nach Chicago, wo er zunächst in einer Papierfabrik Arbeit fand. Bald nach seiner Ankunft in der Stadt begann er für Trinkgelder auf der Maxwell Street zu spielen; mit Unterstützung von Big Bill Broonzy gelang es dem Landjungen, die Großstadt zu erobern. Er spielte in Clubs, stand mit Eddie Boyd auf der Bühne und begleitete Sonny Boy Williamson bei Auftritten im Plantation Club. Der Wechsel von der Akustik- zur E-Gitarre im Jahr 1944 erwies sich als absoluter Glücksgriff. Er spielte auch weiterhin im traditionellen Bottleneck-Stil des Mississippi-Deltas, doch die E-Gitarre erschloss ihm neue Klangwelten und trug entscheidend zur „Erfindung“ des Chicago Blues der Nachkriegszeit bei. Die Aufnahmen, die er 1946 mit der Chicago-Blues-Koryphäe Lester Melrose einspielte, blieben unveröffentlicht. Erst im folgenden Jahr war Waters als Begleitgitarrist für Sunnyland Slim erstmals auf einer Platte zu hören.


muddy waters


Waters und der Bassist Big Crawford nutzten die Gelegenheit, um zwei weitere Stücke aufzunehmen, die Leonard Chess jedoch nicht genügend überzeugten, um sie zu veröffentlichen. Ein Jahr versuchten die beiden Musiker es noch einmal, und Chess’ Label Checker brachte I Can’t Be Satisfied und Feel Like Going Home heraus. Bei ersterer Nummer handelte es sich um eine geänderte Version von I Be’s Troubled, einem Stück, das Waters 1941 für Lomax aufnahm und oft bei Live-Auftritten spielte. Feel Like Going Home war eine umgearbeitete Version des Walking Blues von Son House, einem Musiker, den Waters ungemein schätzte – auch dies eine Nummer, die Waters vor dieser Aufnahme wohl schon unzählige Male gespielt hatte. Die Platte war innerhalb eines einzigen Tages ausverkauft und stieg im September 1948 auf den 11. Platz der R&B-Charts auf; Waters erinnerte sich später, dass er sogar selber Schwierigkeiten hatte, ein Exemplar zu ergattern. Obwohl Waters mittlerweile eine eigene Band hatte, hielt Chess an dem einmal bewährten Erfolgsrezept fest und bestand darauf, dass Waters und Big Crawford auch bei weiteren Aufnahmen als Duo oder mit dem Gitarristen Leroy Foster spielten.

Ende der 40er Jahre bestand Waters‘ Band aus Leroy Foster an der Gitarre oder am Schlagzeug, Big Crawford an der Bassgitarre, Jimmy Rogers an der Gitarre oder Mundharmonika, bald darauf kam Little Walter Jacobs als Gastmusiker auf der Mundharmonika hinzu. Schon mit Anfang dreißig galt Waters als Patriarch der Blues-Szene in Chicago. In den fünfziger Jahren rissen sich die besten Musiker der Stadt geradezu darum, in seiner Band spielen zu dürfen. 1951 erschien die erste Plattenaufnahme der Muddy Waters Blues Band, die den kantigen, treibenden Elektro-Blues aus Chicago als Fundament dessen, was wir heute als Rock-Musik bezeichnen, aufs Schönste verkörperte.


Muddy Waters


1951 bescherte „Louisiana Blues“ Waters den zweiten von insgesamt sechzehn Chart-Hits in Folge, darunter Klassiker wie I’m Your Hoochie Coochie Man, Just Make Love to Me, Mannish Boy oder Forty Days and Nights. Daneben nahm der Mann aus Rolling Fork/Mississippi Rollin’ and Tumblin, Rollin’ Stone und They Call Me Muddy Waters auf. Wenn er sich in letzterem Song selber als „the most bluest man in this whole Chicago town“ bezeichnet, gibt es wohl kaum jemanden, der ihm widersprechen würde. In jeder einzelnen dieser Aufnahmen kommt die eigentliche Essenz des Chicago Blues der 50er zum Ausdruck.



 

Unter dem Titel Muddy Sings Big Bill erschien 1959 Waters‘ Tribut an seinen einstigen Mentor, der ein Jahr zuvor verstorben war. Dass der Mann, den Waters als „Vater der Country-Blues-Sänger“ verehrte, ihn als jungen Mann unter seine Fittiche nahm, dürfte zu den wichtigsten Erfahrungen in Waters‘ Leben gezählt haben. Zudem werden auch die Ähnlichkeiten im Gesangsstil der beiden Musiker deutlich. Auf dem Album wird Waters von seiner damaligen Band begleitet, mit James Cotton an der Mundharmonika, Pat Hare an der Gitarre und dem großartigen Otis Spann am Klavier. Ihre Version von „Just a Dream“ ist ein Zeugnis der Seelenverwandtschaft zwischen zwei großen Musikern – obzwar Waters sich den Song auf souveräne Weise zu Eigen macht, klingt der Einfluss seines Mentors und Vorbilds doch unüberhörbar durch.

Während der gesamten fünfziger bis Anfang der sechziger Jahre fungierte Waters‘ Band als wichtigste Studioband der Stadt als eine Art Blues-Akademie für aufsteigende Nachwuchstalente. Zu denen, die diese Schulung durchliefen, zählten u.a. die Gitarristen Jimmy Rogers, Luther Tucker und Earl Hooker; die Mundharmonikaspieler Junior Wells, Big Walter Horton und James Cotton, der Bassist Willie Dixon; die Klavierspieler Memphis Slim, Otis Spann und Pinetop Perkins sowie der Schlagzeuger Fred Below. Nicht zu vergessen Buddy Guy, der auf Waters‘ unverzichtbarem Album von 1964, Muddy Waters Folk Singer, spielte – ein weiterer Musiker, der Waters eine Menge zu verdanken hatte.


Schaut euch hier eine Live Version von  Muddy Waters & The Rollings Stones mit dem Song Baby Please Don’t Go an:


 

„Nach dem Schlaganfall meiner Mutter verließ ich am 25. September 1957 Baton Rouge/Louisiana und ging nach Chicago. Eigentlich suchte ich bloß einen ganz normalen Job, um meiner Mutter zu helfen, geriet aber in eine missliche Lage. Ich konnte keine Arbeit finden, niemand wollte mich einstellen. Erst spielte ich auf der Straße, und eines Tages packte mich dieser Typ und schleifte mich in einen Club. Dort spielte Otis, und der Typ sagte ihm, er solle mich auf die Bühne holen. Ich spielte ‚Things I Used to Do‘, und jemand rief Muddy an. Ich war ziemlich hungrig, denn ich hatte seit drei Tagen nichts mehr gegessen. Muddy kam rein und schlug mir auf die Schulter und sagte, Wart mal, ich hab von dir gehört, die haben mich angerufen und aus dem Bett geholt. Er sagte, Haste Hunger, ich sagte, Du bist Muddy Waters, ich hab keinen Hunger, ich bin satt, weil ich dich kennenlernen durfte.“



 

Wie viele zeitgenössische Musiker tourte Waters in den 60ern im Rahmen der American Folk Blues Festivals durch Großbritannien, wo er auf weitaus bessere Resonanz stieß als bei seinem vorherigen Besuch im Jahr 1958, damals auf Einladung des Jazz-Posaunisten Chris Barber. In den 50ern wurde die Blues-Flamme auf der Insel vor allem von Jazz-Liebhabern am Leben gehalten, die sich darüber empörten, dass Waters mit Verstärker spielte – ihrer Überzeugung nach musste der Blues akustisch gespielt werden, um authentisch zu sein. Glücklicherweise hatten sich die Zeiten mittlerweile geändert. Im Mai 1964 nahm Otis Spann in den Londoner Decca-Studios mit dem Produzenten Mike Vernon eine Single auf. Bei den Stücken Pretty Girls Everywhere und Stirs Me Up wurde Spann von Waters als Rhythmus- und Eric Clapton als Lead-Gitarristen begleitet. Letzterer erinnerte sich Jahre später, dass „sie beide sehr nett zu mir waren und wunderschöne seidene Anzüge trugen, mit sehr weiten Hosen!“

Nachdem in den späten 60ern sowohl die Beliebtheit der Blues-Musik als auch Waters‘ Laufbahn einen Einbruch erlitt, war er in den 70ern wieder sehr gefragt und praktisch ständig auf Tournee. 1977 nahm ihn CBS Records unter Vertrag. Für das in Zusammenarbeit mit Johnny Winter entstandene Album Hard Again wurde er im gleichen Jahr mit einem Grammy ausgezeichnet. Ein weiteres Album folgte unter dem Titel I’m Ready, und im Rahmen seiner US-Tournee trat Waters auf Wunsch des neuen Präsidenten Jimmy Carter sogar im Weißen Haus auf.

In den frühen 80ern spielte Waters noch live mit Johnny Winter. 1983 verstarb er mit 68 Jahren an einem Herzinfarkt. Mit der Aufnahme in die Rock & Roll Hall of Fame im Jahr 1987 wurde ein Musiker geehrt, der die Entwicklung der Rockmusik entscheidend mitgestaltet hatte und die Wertschätzung ihrer weltweiten Fangemeinde genoss.


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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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