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Popkultur

Die musikalische DNA der Rolling Stones

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Würde man die musikalische DNA der Rolling Stones durch ein Mikroskop betrachten, sie würde blau leuchten. Nicht kobaltblau und blau, sondern warm und beseelt. Denn obwohl die Band am anderen Ende der Welt und ein paar Jahre später gegründet wurde, spricht aus jedem Gitarrenlick wie noch dem kleinsten Drumfill der Vibe des Delta Blues.

Der Teufelspaktler Robert Johnson ist aber nicht der einzige, der auf den Sound seinen Einfluss ausübte: Mainstream-Pop, Disko und sogar religiöse marokkanische Musik haben die Stones zu der Naturgewalt gemacht, die sie bis heute geblieben sind – und sich ihrerseits in ganz andere Musikstile einschrieb. Zoomen wir also etwas weiter rein und schauen genau hin! Es ist ja nicht alles Blues, was bläulich glänzt.


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 1. Muddy Waters – Rollin’ Stone (Single Version)

Es soll ja immer noch Leute geben, die denken, die Rolling Stones hätten sich nach Bob Dylans Beleidigungsarie gegenüber Andy Warhol benannt, dem „Napoleon in rags“, der übrigens später das Cover von Sticky Fingers gestaltete. Das ist allerdings unwahrscheinlich, Steine rollen für gewöhnlich doch vorwärts, nicht aber rückwärts durch der Zeit: Dylan schrieb den Song 1965, die Rolling Stones –genauer: Brian Jones – hingegen fanden ihren Namen drei Jahre früher auf dem Rücken einer Single von Muddy Waters: Rollin’ Stone hieß dessen 1950 veröffentlichte Interpretation des klassischen Delta-Blues-Stücks Catfish Blues. Was man eben auf die Schnelle sagt, wenn die Presse anruft und der Bandname eigentlich noch nicht feststeht.

„A rolling stone gathers no moss“ lautet das englische Sprichwort in voller Länge und Ähnliches lässt sich wohl über die Band oder die Gesundheit eines Keith Richards sagen. Der verstand sich übrigens auf Anhieb deshalb so prächtig mit Mick Jagger, weil die beiden sich auf eben jenen Muddy Waters einigen konnten. Noch vor der telefonischen Schnelltaufe der Rolling Stones – die sich bis zur Umbenennung von Manager Andrew Loog Oldham noch Rollin’ Stones schrieben – firmierten die beiden gemeinsam mit Dick Taylor sowie Alan Etherington und Bob Beckwith 1961 unter dem Namen The Blue Boys. Jones’ effektiver Schnellschuss scheint da eindeutig die bessere Wahl.

2. Ernesto Lecuona – Malagueña

Keith Richards ist nicht nur ein medizinisches Weltwunder, sondern auch ohne Zweifel einer der besten Gitarristen des letzten Jahrhunderts. Allein, auch er fing mal klein an – ob nun mit dem Konsum diverser Substanzen oder dem Musizieren. Und zwar klein im wahrsten Sinne des Wortes: Der Legende nach platzierte Richards’ Großvater – ein Jazz-Musiker mit dem klangvollen Namen Augustus Theodore „Gus“ Dupree – eine Gitarre auf einem Regal ab. Außerhalb der Reichweite des kleinen Keith, versteht sich.

Der Deal: Wenn der Jungspund drankäme, dürfe er das Instrument behalten. Der baute sich einen Stapel aus Büchern und konnte so bald seine erste Gitarre sein eigen nennen. Das erste Stück, das der Großvater ihm beibrachte, war ein kubanischer Standard namens Malagueña, der von Ernesto Lecuona komponiert wurde. Eine gute Wahl: Einerseits trägt das Stück bereits die Melancholie der späteren Stones-Balladen in sich, andererseits treffen in ihm die jazzige Melodik und mitreißende Rhythmik zusammen, welche Richards als Gitarristen bis heute auszeichnen.

3. Robert Johnson – Stop Breakin’ Down Blues

Heutzutage wollen alle über Soundcloud entdeckt werden, früher war noch mehr Aufwand nötig: Ein Deal mit dem Teufel musste es schon sein. Den ging der Legende nach Robert Johnson ein, der erst mit einer Neuauflage seiner LP King of the Delta Blues Singers im Jahr 1961 postum zum, na ja, König der Delta-Blues-Sänger wurde. Johnson ist eine mythische Gestalt, von dem so gut wie nichts bekannt ist und von welchem nur wenige verifizierte Fotos existieren.

Die Stones legten selbst immer eine Menge „Sympathy For The Devil“ an den Tag und coverten auf Exile On Main Street – in den Ohren vieler ihr bestes Werk – Johnsons Stop Breakin’ Down Blues. Im nie enden wollenden Wettrennen zwischen den Stones und den Beatles wurde schließlich nicht ohne Grund oft daraus verwiesen, dass die Stones eben mehr Blues und Sex Appeal mitbrächten als die Pilzköpfe aus Liverpool. Übrigens: Das mit Teufelspakt war durchaus metaphorisch gemeint und auf die säkulären Inhalte von Johnsons Lyrics bezogen. Wenn diese Leute gewusst hätten, was später einmal aus Mick Jaggers Mund kommen sollte…

4. The Beatles – I Wanna Be Your Man

Es ist allerdings nicht unbedingt so, als sei die damalige „British Invasion“ ebenso gespalten gewesen wie ihre jeweiligen Fanbases. Nein, auch die Stones zollten den Beatles mal Respekt – und das sehr früh in beider Karrieren. Das Rolling-Stones-Cover von The Beatles’ I Wanna Be Your Man wurde sogar vor dem zweiten Album der Pilzköpfe veröffentlicht: Die Rolling Stones veröffentlichten ihn als Single am 1. November 1961, With The Beatles drei Wochen später.

Die Stones in den 1960ern.
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Wie es dazu kam? John Lennon und Paul McCartney trafen auf einem Streifzug durch London zufällig Mick Jagger und Keith Richards und wurden nach neuem Material gefragt, da die beiden gerade im Studio waren, es aber nicht recht flutschen wollte. Lennon und McCartney konnte nur eine rohe Skizze anbieten, schrieben das Stück aber kurzerhand unter Jaggers und Richards‘ Augen fertig. Ein Geniestreich? Nicht unbedingt: Der Song war extra schlicht gehalten, damit ein gewisser Drummer ihn besser singen konnte…

5. Ray Charles – I Got A Woman

Ahmet Ertegun – nie gehört? Tatsächlich handelt es sich um einen der einflussreichsten Player der Pop-Geschichte. Was ihn nicht daran hinderte, ein Nickerchen zu halten, während Mick Jagger ihm gerade erzählte, dass die Stones bei Erteguns Label Atlantic unterschreiben würden. Der Jet Lag, der ganze Alkohol seien schuld gewesen, heißt es dazu in einer Biografie Erteguns. Das war 1969 und die Rolling Stones bereits Superstars – nur sah es finanziell ziemlich mies aus. Die Entscheidung für Atlantic fiel aber nicht nur aus Geldgründen, sondern auch weil dort viele der Stones-Helden groß wurden.

Ertegun nahm 1952 Ray Charles unter Vertrag und ließ ihn unter seinen Augen und Ohren die Eigenkomposition I Got A Woman aufnehmen, eine damals ungewöhnliche Mischung Gospel, Jazz und Blues. Soul war geboren, der Song schrieb Musikgeschichte. „You know, I got a woman / And she lives in the poor part of town“, heißt es im Stones-Song Fool To Cry auf Black And Blue, ihrem fünften Album für Atlantic. Lyrics, die sich wie die etwas zotigere Fortsetzung von Charles’ Klassiker lesen. Ertegun übrigens hatte sein letztes Konzerterlebnis mit den Rolling Stones: Im Alter von 83 Jahren besuchte er im Jahr 2006 ihre Show im New Yorker Beacon Theater, stürzte schwer und wachte nach anderthalb Monaten aus dem Koma nicht mehr auf.

6. Chic – Le Freak

Mick Jagger ist ja vieles. Unter anderem ist er ein Ritter. Ja, richtig: 2003 wurde der Stones-Sänger im Jahr  von der Queen mit einem Schwert abgeklatscht, um seine Verdienste in Sachen Pop-Musik zu würdigen. Das sprichwörtliche weiße Pferd aber überließ er 1977 seiner damaligen Frau Bianca, die ihren dreißigsten Geburtstag im legendären Studio 54 feierte und sich dort auch für ein Foto auf einen Schimmel setzte. Nein, stellte sie im Nachhinein klar, sie sei nicht in den New Yorker Club eingeritten, sondern hätte ihn zusammen mit dem Gatten ganz bürgerlich zu Fuß betreten.

Weniger Glück hatten da Nile Rodgers und Bernard Edwards, die am Silvesterabend desselben Jahres trotz persönlicher Einladung von Grace Jones nicht hereingelassen wurden und sich stattdessen mit ein paar Muntermachern im Studio einschlossen und kurzerhand einen neuen Song komponierten, der Disco-Geschichte schrieb. Den Refrain allerdings änderten sie vor Veröffentlichung des Stücks ab: „Freak out!“ klingt ja doch etwas besser als „Fuck off!“, zumindest in den Ohren der Sittenwächter. Der Sound Chics übrigens ging auch an den Stones nicht spurlos vorbei. Siehe beispielsweise Miss You vom Album Some Girls, welches nur wenige Monate nach der Veröffentlichung von Le Freak erschien.

7. Master Musicians Of Jajouka – War Song/Standing + One Half (Kaim Oua Nos)

Nicht nur Blues in allen seinen Formen und Farben (oder sagen wir eher: Blauschattierungen) oder etwa Disco sogen die Stones in ihre DNA auf. Sondern auch Klänge, die nicht der westlichen Pop-Tradition entsprangen. Das mit einer indischen Sitar gespielte Haupt-Lick von Paint It Black schließlich lässt für sich genommen eher an den Orient als an den Mississippi denken! Verantwortlich dafür ist erneut Brian Jones, dessen Verehrung für das von Bachir Attar angeführte Kollektiv Master Musicians Of Jajouka schließlich in einem ambitionierten Projekte gipfelte.

Brian Jones Presents The Pipes Of Pan at Jajouka erschien 1971 auf dem Label der Stones und versuchte gar nicht erst, sein Publikum mit sogenannter World Music zu überzeugen, wie etwa Paul Simon das seinerzeit tat. Stattdessen wird der Sound des wichtigsten Feiertags der Stadt Sidi-Kacem hörbar, wie ihn Jones dort zum ersten Mal im Jahr 1968 erlebt hatte. Jones schloss die Produktion an den vor Ort gemachten Aufnahmen zwar vor seinem Tod durch Ertrinken im Jahr 1969 ab, erlebte die Veröffentlichung allerdings nicht mehr. Auch die Stones hätten in den Folgejahren sicherlich anders geklungen, denn der Gitarrist wollte den Sound der Meistermusiker Jajoukas mehr in den der eigenen Band integrieren. Interessant wäre das ohne Frage gewesen!

8. Miles Davis – Decoy

Um es mal vorsichtig zu formulieren: Die neunziger Jahre waren nicht nur in modischer Hinsicht eine schwierige Zeit. Für viele Helden vergangener Dekaden bedeuteten sie eine echte Zerreißprobe. Das 1994 veröffentlichte Album Voodoo Lounge kam ein Statement gleich: Ja, unser Bassist ist weg. Ja, wir – Keith und Mick – waren auf Solo-Pfaden unterwegs (und es lief eher geht so). Aber verdammt, ja, wir wollen es immer noch wissen. Während der neue heiße Scheiß im Flanellhemd aus Seattle herüber schlürfte, betrieben die Stones Graswurzelarbeit. Fokussiert sollte das auf Barbados aufgenommene Album werden.

Sie holten sich als Ersatz für das Gründungsmitglied Bill Wyman dennoch ausgerechnet einen Jazzer an Bord: Auf Vorschlag von Schlagzeuger Charlie Watts wurde Wyman von Darryl Jones am Bass abgelöst. Was der drauf hatte, bewies er bereits auf den – zugegeben nicht unbedingt populären – Miles Davis-Alben Decoy und You’re Under Arrest. Insbesondere aber auf dem Titelstück des 1984 veröffentlichten Decoy zeigte Jones, dass er in Sachen Coolness selbst dem Prince of Darkness das Wasser reichen konnte. Eine gute Wahl auch für die Stones, für die der Schritt zurück mehr Standfestigkeit in unruhigen Zeiten bedeutete.

9. The Righteous Brothers – You’ve Lost That Loving Feeling

Produzenten-Legende und Vollzeitweirdo Phil Spector ist zwar gemeinsam mit Barry Mann und Cynthia Weil als der eigentliche Mastermind hinter You’ve Lost That Loving Feeling zu nennen, Brian Jones aber war bei der Aufnahme ebenfalls anwesend. Produzent Brian Stone gab später zu Protokoll, dass eine der Background-Sängerinnen besonders hervorstach: „Es sangen dreißig Menschen im Hintergrund, aber Cher hatte diese Killer-Stimme. Wir haben sie fünfzig Fuß vom Mikrofon entfernt aufgestellt, aber alles, was zu hören war, war sie. Nach der Session nahmen wir sie noch in derselben Nacht ins Büro mit und schlossen einen Vertrag ab.“

So traten Sonny & Cher buchstäblich über Nacht aus dem Hintergrund ins Rampenlicht. Genau dort zollten ihnen die Stones später auch Tribut: Gemeinsam mit Manager Andrew Loog Oldham und der Fernsehmoderatorin Cathy McGowan machten sie zu den Klängen von Sonny & Chers Überhit I Got You Babe in McGowans Sendung Ready Steady Go! allerhand Faxen.

10. Death In Vegas – Aladdin’s Story

Vermutlich haben die Stones den Namen Richard Maguire noch nie gehört und womöglich wissen sie überhaupt nichts von seinem Sample-Tribut an So Divine (Aladdin’s Story) vom Album The Contino Sessions, welches Maguire gemeinsam mit seinem damaligen Partner Tim Holmes unter dem Namen Death In Vegas im Jahr 1999 veröffentlichte. Maguire würde ihnen aber sicher gefallen: Der Brite steht ebenso wie die Stones für einen zukunftsorientierten Sound, der zugleich seine Traditionen ehrt.

Aus dem psychedelisch angehauchten und elektronischen Rock-Sound des Duos wurde spätestens seit dem Weggang Holmes‘ weiter geschraubt. Zuletzt erschien mit Transmission ein Album, für das sich Maguire die ehemalige Porno-Darstellerin Sasha Grey vors Mikrofon holte. Die Stones-Referenz von damals war übrigens sicherlich netter gemeint als der Projektname: Zuerst nannten sich Maguire und Holmes Dead Elvis, bevor die Anwälte eines gewissen Mr. Presley Einspruch erhoben. Vielleicht nicht das Schlechteste: Auch die Stones hätten vielleicht ganz anders geheißen.

„Midnight Rambler“: Die Geschichte hinter der düsteren Mini-Blues-Oper der Rolling Stones

Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.1959 erscheint „Kind Of Blue“ von Miles Davis.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.1959.


von Timon Menge und Christof Leim

Kind Of Blue gehört zu den schlichtesten Aufnahmen der Musikgeschichte, aber auch zu den wichtigsten und schönsten. Am 2. März und am 22. April 1959 spielen Miles Davis und seine sechs Mitmusiker die Platte ein, am 17. August 1959 erscheint sie. Werfen wir zum Geburtstag einen Blick auf das Jahrhundertwerk des Jazz.

Hier könnt ihr euch Kind Of Blue anhören:

Ende des Jahres 1958 gehören Miles Davis und seine Bandmitglieder zu den gefragtesten Jazzmusikern New Yorks. Die Gruppe spielt einerseits Klassiker des Bebop, andererseits ein Repertoire von Popsongs. Wie im Jazz üblich, reichern die Künstler ihre Nummern mit Improvisationen an, die zu den Akkordfolgen der Stücke passen. Wie viele andere Musiker stört sich allerdings auch Davis zunehmend an den engen Grenzen der Richtung — und schlägt einen anderen Weg ein.

Diese fünf Musiker wurden erst etwas später berühmt

Die Aufnahmen zu Kind Of Blue finden an zwei Tagen in den 30th Street Studios in New York City statt. Am 2. März 1959 spielen Davis und seine Band, zu der auch Jazzlegende John Coltrane gehört, die Songs So What, Freddie Freeloader und Blue In Green ein. All Blues und Flamenco Sketches folgen am 22. April. Entgegen der landläufigen Meinung, das Album sei während nur eines einzigen Versuchs entstanden, befindet sich wahrheitsgemäß kein einziger sogenannter „First Take“ auf der Platte.

Vor den Sessions haben Davis’ Mitmusiker beinahe keine Gelegenheit zum Üben. Sie wissen noch nicht einmal so genau, was sie überhaupt einspielen sollen. In den Liner Notes kann man nachlesen, dass der Bandleader im Vorfeld gerade einmal grobe Skizzen mit einigen Tonleitern und Melodieabläufen verteilt. Als sich die Instrumentalisten im Studio einfinden, gibt Davis ihnen eine kurze Einweisung zu den einzelnen Songs, und die Aufnahme eines der wohl wichtigsten Jazzalben aller Zeiten beginnt. 

An dieser Stelle in das weite Feld der Kirchentonarten, Halbtonschritte und Modi einzusteigen, würde den Rahmen sprengen. Halten wir daher Folgendes fest: Mit Kind Of Blue entfernen sich Davis und seine Mitmusiker von den seinerzeit üblichen Dur-/Moll-Tonleitern und greifen auf eine wesentlich umfangreichere Trickkiste zurück. Dadurch schaffen sie nicht nur deutlich mehr Abwechslung, was die grundlegenden Songstrukturen betrifft, sondern vor allem jede Menge Raum für vielfältige Improvisation.

Bis heute behält Kind Of Blue seinen Legendenstatus. Ob im Jazz, in der Klassik oder im Pop: Die meisten Experten teilen die Meinung, dass Miles Davis mit seinem größten Erfolg die Musikwelt umgekrempelt hat. Mehr als sechs Millionen Mal geht das Werk über die Ladentheke, in den USA genießt das Album vierfachen Platinstatus, ein sagenhafter, fast pop-esquer Maßstab.

Miles Davis 1984 – Foto: David Gahr /Getty Images

Zeitsprung: Am 8.11.1985 spielt Miles Davis den Bösen bei „Miami Vice“.

 

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Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TCB darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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