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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.5.1985 entsteht „Stars“ für Ronnie James Dios Hear ‘N Aid-Projekt.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.5.1985.

von Christof Leim

Als Mitte der Achtziger verheerende Hungersnöte auf dem afrikanischen Kontinent grassieren, will die Musikwelt helfen. Mit Band Aid und USA For Africa spielen große Namen aus Pop und Rock dringend benötigte Hilfsgelder ein, Live Aid sollte noch folgen. Ronnie James Dio und seine Bandkollegen finden, dass die harte Musik zu wenig tut – und starten Hear ‘N Aid. Und so stehen am 20. Mai 1985 fast 40 Metal-Musiker für die Aufnahmen von „Stars“ in einem Studio in Los Angeles…

Hier könnt ihr euch das Hear ‘N Aid-Album anhören:

Vermutlich müssen Ronnie James Dio, sein Gitarrist Vivian Campbell und Bassist Jimmy Bain einfach nur ihre Kumpels anrufen, um die hochkarätige Besetzung für die Session zusammenzutrommeln. Die Namensliste liest sich jedenfalls wie die Heldengalerie des Achtziger-Metal. Auch der Songs Stars aus der Feder von Bain/Campbell/Dio klingt volles Programm nach der Ära und ein bisschen nach dem damals aktuellen Dio-Album The Last In Line.

Heldentreffen

Los geht es am 20. Mai 1985 in den Sound City Studios, am nächsten Tag zieht die Operation um in den großen Saal der A&M Records Studio, wo schon We Are The World entstanden war. Die Lead-Vocals teilen sich neben Meister Ronnie solche Helden wie Rob Halford (Judas Priest), Eric Bloom (Blue Öyster Cult), Don Dokken, Geoff Tate (Queensrÿche), Kevin DuBrow (Quiet Riot), Dave Meniketti (Y&T) und Paul Shortino (Rough Cutt).

Als Band agieren neben den Dio-Muckern noch die beiden Iron-Maiden-Klampfer Dave Murray und Adrian Smith, die eigens von der globusumspannenden World Slavery Tour eingeflogen werden. Bei den Backing Vocals kommt dann richtig Ferienlagerstimmung auf: Es singen Leute mit von Ozzys Band, Night Ranger, Giuffria, W.A.S.P., Mötley Crüe, Twisted Sister, Journey, Dokken, Rough Cutt, Vanilla Fudge und sogar Spinal Tap.

Dideldudeldidel, wie es sich gehört

Und weil es in den Achtzigern eisernes Gesetz ist, möglichst viel (tolles) Gitarrengeniedel abzuliefern, besteht der Song zu großen Teilen aus Soli. Sicher, wenn Neal Schon, George Lynch, Yngwie Malmsteen, Craig Goldy und so weiter die Finger fliegen lassen, dann rappelt es im Karton, aber in der Rückschau muss man sagen: Das war vielleicht etwas zu viel des Guten. Man hätte zumindest mal die Akkorde variieren können, aber hey, wir wollen nicht meckern.

Frauen finden sich in dieser Aufzählung übrigens nicht, sieht man von Wendy Dio als Kapitänin im Management ab. Das wundert historisch gesehen kaum, weil der Hard Rock der Achtziger von wenigen Ausnahmen abgesehen wenige weibliche Protagonisten aufweist. Klingt doof, war aber so. Lita Ford, Lee Aaron oder Joan Jett hätte man aber vielleicht mal anrufen können.

Metal hilft

Natürlich wird eine Dokumentation gedreht (und laut Frau Dio gibt es bis heute jede Menge unveröffentlichtes Material). Veröffentlicht wird Stars als Single, zudem gibt es ein Compilation-Album mit dem Titel Hear ‘N Aid (An All-Star Album For Famine Relief). Dort finden sich rare Liveaufnahmen von Bands, die, so heißt es, nicht an der Sause in L.A. teilnehmen konnten, unter anderem von Accept, Motörhead, Rush, Kiss und den Scorpions.

Leider wird der schöne Plan ausgebremst, weil bürokratischer Hickhack und Lizenzierungs-Gewurschtel die Veröffentlichung bis zum Januar 1986 verzögern. Trotzdem spielt Hear ’N Aid in kurzer Zeit über eine Million Dollar ein. Damit hat sich der Einsatz der Metal-Gemeinde gelohnt – und wir haben ein herrliches Dokument einer goldenen Zeit der Krachmusik. Ach ja: All hail Ronnie James Dio. Sowieso.

Zeitsprung: Am 16.5.2010 verstirbt der große Ronnie James Dio.

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