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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.9.1974 debütieren Judas Priest mit „Rocka Rolla“

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Judas Priest Rocka Rolla Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.9.1974.

von Maximilian Blom und Christof Leim

In den Siebzigern bildet ohne Zweifel England den Nabel der gerade erst entstehenden Metal-Welt. Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple feiern von der Insel aus bereits weltweit große Erfolge, als sich im Jahr 1974 eine Band namens Judas Priest von Birmingham auf den Weg nach London macht, um ihr Debüt Rocka Rolla einzuspielen.

Trotz eines namhaftem Produzenten und eines Covers, das eigentlich für die Rolling Stones gedacht war, kommt der große Erfolg erst später. Vielleicht steckt einfach noch nicht genug Metal drin. Einen wichtigen Baustein für eine der einflussreichsten Karrieren des Genres gibt die Platte trotzdem ab. Am 6. September 1974 kommt sie in die Läden.

Hier könnt ihr euch die erste Priest anhören:

Die Entstehungsphase von Judas Priest gestaltet sich wie bei vielen Bands ihrer Generation eher verworren: 1969 gründet Gitarrist K.K. Downing zusammen mit seinem Schulkumpel Ian Hill am Bass die Band Freight, John Ellis spielt Schlagzeug. Als sich Ende 1970 dann die lokale Gruppe Judas Priest auflöst, übernehmen die Jungs nicht nur deren Sänger Al Atkins, sondern auch den Namen. In dieser Besetzung – nur der Drumhocker wird bis zum Debüt noch mehrfach neu besetzt – tourt die Band über die Insel und spielt unter anderem im Vorprogramm von Budgie und Thin Lizzy.

Der Bruder der Freundin soll singen

In den Jahren 1973 und 1974 findet sich dann das Line-Up des Debütwerkes: Nachdem Al Atkins die Mannschaft verlässt, kommt auf Empfehlung von Ian Hills Freundin Sue Halford ihr Bruder Robert in die Band, welcher wiederum für den Drummerposten John Hinch von seiner Ex-Band Hiroshima mitbringt. Als das Plattenlabel Gull Records, bei dem die Buben im April 1974 einen Vertrag unterschreiben, einen zweiten Gitarristen fordert, macht Glenn Tipton die Truppe zu Beginn der Albumaufnahmen komplett.

https://twitter.com/Quemar12/status/1141700524200333313?s=20

Diese finden im Juni und Juli bei Rodger Bain statt, der Anfang des Jahrzehnts die ersten drei Black-Sabbath-Alben betreut hat. Wie für den Produzenten üblich, spielt die Band die Songs komplett live ein. Um Kosten zu sparen, finden die Aufnahmen außerdem in der Nacht statt. „Tagsüber haben wir in unserem Tour-Van geschlafen, der in der Gasse neben dem Studio in der prallen Sonne stand“, erinnert sich Rob Halford später, „Gegen acht Uhr Abends torkelten wir dann wie die Vampire ins Studio, um bis zum Sonnenaufgang zu arbeiten.“

Irgendwo zwischen Prog-Rock und Metal

Zehn Songs aus den Sessions finden sich letztendlich auf Rocka Rolla, wobei die Nummern Winter, Deep Freeze und Winter Retreat eigentlich eine zusammenhängende Suite bilden und das abschließende Caviar And Meths nur das Intro eines 14-minütigen Monumentalstückes darstellt, welches aber nie vollständig aufgenommen wird. (Eine siebenminütige Fassung findet sich auf dem 1998er-Album Victim Of Changes von Ex-Sänger und Mitkomponist Al Atkins, der außerdem bei Winter und Never Satisfied als Co-Komponist Erwähnung findet.) Großes Mitspracherecht gibt es für die Band bei dieser Auswahl nicht, spätere Konzertfavoriten wie The Ripper, Tyrants oder Genocide streicht der Produzent vorab von der Tracklist, weshalb sie erst für beim Nachfolger Sad Wings Of Destiny (1976) Verwendung finden.

Vielleicht auch wegen dieser Umstände wirkt das Album unausgegoren. Songs wie der Opener One For The Road und der Titeltrack liebäugeln zwar schon mit Metal-Elementen, vornehmlich bietet Rocka Rolla aber progressiven Hard Rock mit dem ein oder anderen Spurenelement aus dem Blues. Eine Grundlage des Priest-Sounds findet sich allerdings schon, nämlich der charakteristische Gesang von „Bob Halford“, wie es auf der Plattenrückseite zu lesen steht. Der Leder-und Nieten-Look kommt allerdings erst später auf; bei ihrem ersten Fernsehauftritt in der BBC-Sendung The Old Grey Whistle Test 1975 tragen die fünf Musiker bunte Hippie-Klamotten.

Hungernde Musiker

Als die Scheibe im September des gleichen Jahres erscheint, passiert… nicht viel. Trotz des sehenswerten Covers von John Pasche, das dieser ursprünglich für die Rolling Stones angefertigt hat, wechseln nur einige tausend Exemplare den Besitzer. Das beschert den Musikern wiederum einige hungrige Monate, in denen sie sich auf ein Essen pro Tag beschränken, um über die Runden zu kommen.

Trotzdem gehen Judas Priest auf Europatournee und spielen erstmals Gigs in den Niederlanden und Deutschland. Gut ein Jahr später zieht es sie schon wieder ins Studio, um Sad Wings Of Destiny einzuspielen. Rocka Rolla ist seitdem zumindest live das vergessene Kind des Backkatalogs, denn seit Mitte der Siebziger wurde nur Never Satisfied im Rahmen der Epitaph Tour 2011 nochmal von der Band auf die Bühne gebracht.

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