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Popkultur

Die Zauberer von Oz: 10 essentielle Kansas-Songs

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Neben der tapferen Dorothy, die von einem Wirbelsturm nach Oz gefegt wird, ist der 34. US-Staat vor allem für die Band bekannt, die sich einfach mal nach ihm benannt hat. Zur Einstimmung auf die kommende Platte resümieren wir hier noch mal zehn unvergessliche Kansas-Songs aus einer nicht immer einfachen Karriere.

von Björn Springorum

Einfach, treffend, einprägsam

Auch wenn ihr Name an Einfallslosigkeit nicht zu überbieten ist, hat er ja schon irgendwie was: Kansas, einfach Kansas nennen sich 1973 ein paar Typen aus Topeka, als sie zwei Bands zusammenlegen und ihren ersten Plattenvertrag einfahren. Einfach ist das, aber zweifellos treffend und einprägsam. Bis zum Ende des Jahrzehnts ist aus ihnen eine der größten Prog-Rock-Bands des Landes geworden, maßgeblich geprägt von Robby Steinhardts Geigenspiel. Mit Dust In The Wind und Carry On Wayward Son liefert sie zwei große Heartland-Klassiker und Radio-Dauerbrenner ab. Danach folgt die wenig glückliche Wandlung zur christlichen Bombast-Rock-Band und eine ziemlich lange Durststrecke ohne nennenswerte Beiträge zum großen Buch des US-amerikanischen Rock‘n‘Roll. Seit 2016, als The Prelude Implicit erscheint, sieht das schon wieder besser aus – ein vorsichtig gutes Omen für The Absence Of Presence, das voraussichtlich im Juni erscheint.

1. Journey From Mariabronn

Album: Kansas (1974)

Das Kansas-Debüt ist durchwirkt von mythischen und spirituellen Themen. Alles kulminiert im ambitionierten Achtminüter Journey From Mariabronn, der Hermann Hesses Narziss und Goldmund in ein mittelalterlich durchwehtes Prog-Rock-Kunststück kleidet. Da hätte man von einer Band, die sich so nennt wie ihr Heimatbundesstaat und ihrem ersten Album gleich noch denselben Namen gibt, eher weniger zugetraut.

2. Song For America

Album: Song For America (1975)

Kein Jahr später sind Kansas schon mit dem Nachfolger zurück. Diesmal nehmen sich die aufstrebenden und durchaus originären Prog-Emporkömmlinge gleich das Wesen Amerikas vor und nach der Kolonisierung vor. Ziemlich ausladend, wieder mal ziemlich ambitioniert. Zehn Minuten und zwei Sekunden später ist einer ihrer frühen Klassiker fertig – aufwallend, dramatisch und episch wie die Geschichte der USA.

3. Mysteries And Mayhem

Album: Masque (1975)

Nur ein halbes Jahr später, im September 1975, erscheint Album Nummer drei. Es ist eine beispiellose Periode der Kreativität für Kansas, die sich auf Masque schon wieder ein Stück gereifter und virtuoser, aber auch rockiger zeigen. Offenkundig wird das vor allem in Mysteries And Mayhem, einem der härtesten Songs im Kansas-Repertoire, der mancher Prog-Metal-Band der Achtziger durchaus als Blaupause gedient haben dürfte.

4.  The Pinnacle

Album: Masque (1975)

Ein etwas sperriger, aber durch seine Vielschichtigkeit und düsteren Untertöne doch packender Song, der vor allem als indirekter erster Teil zu Dust In The Wind seine Daseinsberechtigung in dieser Liste hat.

5. Carry On Wayward Son

Album: Leftoverture (1976)

Wieder vergeht nur ein Jahr. Und wieder sind Kansas eine andere Band geworden. Leftoverture vollzieht die Wandlung von Prog-Fricklern zu Arena-Rockern. Wer ein Album mit einem Song wie Carry On Wayward Son eröffnet, der muss sich zumindest nicht wundern, dass die Bühnen plötzlich deutlich größer werden. Das Album ist bis heute ihr erfolgreichstes. Und dieser Song einer der ewigen Radio-Klassiker.

6. Magnum Opus

Album: Leftoverture (1976)

Leftoverture kann mehr als Heartland-Rock. Magnum Opus zeigt mit seinen verschiedenen Unterkapiteln und dem regelrecht monumentalen Soundtrack-Auftakt, dass man das Faible für große, ausufernde, kunstfertige Epen nicht verlernt hat. Bis heute eine ihrer spannendsten Nummern mit Pink-Floyd-Flair.

7.  Dust In The Wind

Album: Point Of Know Return (1977)

Das Wortspiel im Albumtitel Point Of Know Return ist zum Davonlaufen. Gut, ihr größter Hit Dust In The Wind auch, aber man darf eines nicht vergessen: Der Song ist eine grandiose Ballade. Und kann ja wohl am allerwenigsten dafür, totgespielt worden zu sein. Denkwürdig ist dennoch, dass eine derart untypische Nummer ausgerechnet ihr größter Erfolg wird.

8. Point Of Know Return

Album: Point Of Know Return (1977)

Prog mögen Kansas 1977 immer noch. Der Opener und Titeltrack Point Of Know Return zeigt das und bringt rekordverdächtig viel Material in etwas über drei Minuten unter. Da waren sie noch da, die zündenden Ideen.

9 .Eleanor Rigby

Album: Always Never The Same (1998)

Ja, es hat Gründe, weshalb zwischen diesem und dem letzten Song in dieser Liste 21 Jahre liegen. Gute Gründe. 1998 erscheint Always Never The Same, eine Art Rework alter Stücke unter Zuhilfenahme des London Symphony Orchestra. Soweit, so unnötig, aber immerhin bestückt mit einem wirklich gelungenen Cover von Eleanor Rigby. Man muss sich auch über die kleinen Dinge freuen.

10.The Voyage Of Eight Eighteen

Album: The Prelude Implicit (2016)

Noch mal 18 Jahre später – und Kansas haben tatsächlich ein hörenswertes Album veröffentlicht. Auf The Prelude Implicit besinnen sie sich auf ihre Kernkompetenzen der Siebziger, gönnen sich endlich mal eine angenehm moderne Produktion – und liefern mit dem hymnischen The Voyage Of Eight Eighteen ihren vielleicht besten Song der letzten 40 Jahre.

Zeitsprung: Am 18.9.1949 kommt Kansas-Chef Kerry Livgren auf die Welt.

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Zeitsprung: Am 2.12.1969 nehmen die Rolling Stones drei Klassiker auf.

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Foto: Stroud/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.12.1969.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 02. Dezember 1969 verschlägt es die Rolling Stones auf ihrer US-Tour in die Muscle Shoals Sound Studios nach Alabama. Die drei Songs, die sie dort in nur drei Tagen aufnehmen, fangen nicht nur perfekt den Country-, Blues- und Roots-Vibe des amerikanischen Südens ein, sondern bilden auch den ersten Grundstock an künftigen Klassikern für das im April 1971 veröffentlichte Album Sticky Fingers

Hier könnt ihr euch Sticky Fingers anhören:

Dass die Stones ein ausgemachtes Faible für die musikalische Ursuppe der USA hegen und somit eine große Liebe zu (Rhythm and) Blues, Country und Soul verspüren, hatten sie bereits auf Platten wie Beggars Banquet  (1968) und Let It Bleed (1969) mit ihrer Adaption des Ami-Sounds eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deshalb wäre es unverzeihlich gewesen, ein paar freie Tage während der US-Tour Ende 1969 nicht zu nutzen, um in den heiligen Hallen des Muscle Shoals Sound Studios Station zu machen.

Der Sound des Südens

Der Mythos des Örtchens Muscle Shoals geht bereits auf die frühen Sechziger zurück, als in den programmatisch benannten FAME Studios Stars wie Wilson Pickett, Percy Sledge, Etta James oder Aretha Franklin etliche Hits einspielen. Begleitet werden sie bei diesen Sessions von einer höchst patenten Backing-Band, der Muscle Shoals Rhythm Section, bestehend aus Keyboarder Barry Beckett (Keyboards), Schlagzeuger Roger Hawkins, Gitarrist Jimmy Johnson und Bassist David Hood (Vater des Drive-By Truckers-Bandleaders Patterson Hood). Diese Koryphäen sollten später auch als die Swampers bekannt und in Lynyrd Skynyrds Sweet Home Alabama mit den schönen Zeilen „Now Muscle Shoals has got the Swampers/And they’ve been known to pick a song or two“ bewundernd besungen werden. 1969 hatten sie just beschlossen, sich selbstständig zu machen und ihr eigenes Tonstudio zu gründen: die Muscle Shoals Sound Studios

Tradition verpflichtet

Als die Stones dort am 2. Dezember aufschlagen, fehlt von Produzent Jimmy Miller jede Spur, weshalb man kurzerhand Swamper Jimmy Johnson als Tontechniker vor Ort verpflichtet. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, geht es ans Eingemachte: You Gotta Move, das Cover eines alten Spirituals, welches erst 1965 vom Blueser Mississippi Fred McDowell gecovert wurde, ist in dieser Umgebung natürlich Pflicht.

An den zwei darauffolgenden Tagen schließt sich die Kür an, zunächst in Form des kompositorisch hauptsächlich Mick Jagger zuzuschreibenden Brown Sugar, eine verschmitzt verschwitzte, funkige Ode an Heroin und die holde Weiblichkeit gleichermaßen. Für den finalen Abend der Aufnahmen glänzt Keith Richards mit einem weiteren künftigen Klassiker im Stones-Katalog – dem akustischen Wild Horses

Bis heute eine Reise wert

Während Wild Horses von Keith-Kumpel und Country-Rock-Vorreiter Gram Parsons und dessen Band, den Flying Burrito Brothers, bereits auf deren Album Burrito Deluxe (1970) unorthodoxerweise –  als bis dato unveröffentlichter Stones-Song gecovert wird, soll es noch bis zum April 1971 dauern, bis alle drei Stücke der Südstaaten-Session der Stones in voller Muscle-Shoals-Pracht auf dem Album Sticky Fingers erstrahlen. Nach den Stones machen in den Folgejahren unter anderen noch Rod Stewart, Bob Seger, Lynyrd Skynyrd und die Black Keys in den Studios halt. Und auch nach den Restaurationsarbeiten und der Wiedereröffnung 2017 nehmen in der Hausnummer 3614 Jackson Highway, die tagsüber zur Touristenattraktion und nachts abermals zum Tonstudio mutiert, heute wieder junge Rockhoffnungsträger wie jüngst die Rival Sons oder die Allman Betts Band auf.

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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Popkultur

Komplex, überraschend, mitreißend: „Octopus“ der Prog-Legenden Gentle Giant wird 50!

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Gentle Giant
Foto: Jorgen Angel/Getty Images

Am 1.12.1972 veröffentlichten Gentle Giant ihr Album „Octopus“ — ein grandioses Werk zwischen Komplexität, Überraschung und Eingängigkeit.

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch Octopus anhören:

Es gibt Alben, die schwere Geburten sind. Und es gibt Alben, bei denen von Anfang an alles rundzulaufen scheint — die Ideen, der Vibe, die Stimmung im Studio. Als Gentle Giant am 24. Juli 1972 ins Tonstudio gingen, um ihr viertes Album aufzunehmen, war zweiteres der Fall. „Ich erinnere mich, dass wir uns ziemlich sicher fühlten, als wir dieses Album aufnahmen”, erinnert sich  Gitarrist Gary Green in den Liner Notes der Neuauflage des Albums. „Wir hatten einen guten Haufen Melodien und unsere Studiotechnik (besonders die von Ray) wurde mit jeder Platte besser. Wir experimentierten weiter mit Instrumentenkombinationen, Sounds und Effekten und tauschten unsere Ideen mit dem Tontechniker Martin Rushent aus, der unsere verrückten Ideen voll und ganz unterstützte“.

Großes Selbstvertrauen, große Inspiration

Die Inspiration war so groß wie das Selbstvertrauen, die Band brauchte nicht lange, um dorthin zu kommen, wo sie hin wollte: Am 5. August 1972 waren die Aufnahmesessions schon wieder zu Ende. Herausgekommen ist in diesen wenigen, höchst kreativen Tagen dabei eines der komplexesten, vielschichtigsten und bemerkenswertesten Alben der Prog-Geschichte. Wohin die Reise auf Octopus gehen würde, macht bereits der Opener The Advent Of Purge klar. Extrem vielschichtig, vertrackt, überbordend vor Ideen und Richtungen. Octopus geht seinen eigensinnigen Weg zwischen Prog, Jazz und Klassik. Manchmal meint man auch, etwas Folk-Einflüsse durchzusehen. Es setzt auf Gesangsschichtungen, Kontrapunkte und überraschende  Wendungen, auf das Spiel mit Dissonanzen und Brüchen — nur um wenige Sekunden später wieder plötzlich völlig eingängig daherzukommen.

Literarische und philosophische Inspirationen

Natürlich musste das nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch Anspruch und einen roten Faden haben. So ließ man sich von literarischen und philosophischen Werken inspirieren — unter anderem von den französischen Schriftsteller François Rabelais und Albert Camus. Die Band selbst war zufrieden mit dem Ergebnis. „Octopus war wahrscheinlich unser bestes Album, mit Ausnahme von Acquiring the Taste vielleicht“, erklärte Gründungsmitglied und Multiinstrumentalist Ray Shulman einmal.

Zur Genese des Albums erzählt er: „Wir begannen mit der Idee, einen Song über jedes Mitglied der Band zu schreiben. Ein Konzept im Kopf zu haben, war ein guter Ausgangspunkt für das Schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber trotz des Einflusses von The Who’s Tommy und Quadrophenia wurden Konzeptalben fast über Nacht plötzlich als langweilig und prätentiös empfunden.“ Dass die Platte Octopus heißt, soll der Ehefrau von Shulmans Bruder und Bandkollegen Phil Shulman geschuldet sein. Die brachte Octopus als Anspielung auf die Zahl acht (die Anzahl der Tracks) und das Wort Opus ins Spiel.

Ein geniales gut gealtertes Werk

Oft ist es bei Alben, die zu jener Zeit als avantgardistisch gelten ja so, dass man Jahrzehnte später bemerkt, dass sie irgendwie schlechter gealtert sind oder anachronistisch klingen. Bei Octopus ist dies nicht der Fall — das kreative Wagnis von Garry Green, Kerry Minnear, Derek, Ray und Phil Shulman sowie John Weathers klingt heute sogar noch überraschend frisch. Octopus quillt nur so über voller musikalischer Abenteuerlust — und klingt bei aller Raffinesse und allem Intellekt nie verkopft. Im Gegenteil: Manchmal, wie in „Dog’s Life“ geht es textlich geradezu leichtfüßig zur Sache.

2015 hat sich Prog-Superstar Steven Wilson der Platte angenommen und den Mix überarbeitet — so erstrahlte Octopus in Wilsons Remix/Remaster noch besserer Soundqualität. Aber in welcher Version auch immer: Octopus ist ein mitreißendes Abenteuer, das im Plattenregal jedes Prog-Fans stehen sollte. Octopus zeigt auch den besonderen Status, den Gentle Giant in der Proggeschichte haben. Sie wurden keine Superstars wie andere ihrer Kollegen und Kolleginnen — leider! — aber gelten als wichtiger Einfluss für viele Bands, die danach kamen.

Eine großartige Platte und eine unbedingte Empfehlung!

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Popkultur

„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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John Lennon und Yoko Ono

„And so this is Christmas“: Man könnte mit dem Zitieren des Textes hier aufhören und hätte seinem Gegenüber bereits einen Ohrwurm verpasst. Längst ist der Song aus der Feder von John Lennon und Yoko Ono ein Klassiker in Sachen Weihnachts- und Protestsong – normalerweise nicht unbedingt miteinander verwandte Genres.

von Markus Brandstetter

Dabei sah es zumindest bei der Erstveröffentlichung in den USA zunächst nicht danach aus, als hätte man es hier mit einem zukünftigen Klassiker zu tun. Denn als Happy Xmas (War Is Over) am 1. Dezember 1971 in den Vereinigten Staaten erschien, schaffte der Song zunächst nur mäßige Chartplatzierungen. Gut, der Platz drei bei den Billboard Christmas Singles Chart mal ausgenommen. Das hatte einerseits damit zu tun, dass man Weihnachtssongs, zumindest damals, für gewöhnlich mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf veröffentlichen sollte, andererseits schien auch die PR-Abteilung nur wenig motiviert.

Erfolg in Großbritannien

In Lennons Heimat Großbritannien sah das schon besser aus. Allerdings dauerte es bis zum Release dort eine ganze Weile. Aufgrund von einem Streit um Publishing-Rechte mit Northern Songs erschien der Song dort erst am 24. November 1972. Happy Xmas (War Is Over)  schaffte es bis auf Platz vier der Single-Charts, die Platte musste bald nachgepresst werden. Zunächst erschien der Song nur als Single, auf einem Album landete er erst 1975 – auf der Compilation Shaved Fish.

Ewiger Klassiker

Aber was macht Happy Xmas (War Is Over) so bemerkenswert und erinnerungswürdig? Den Slogan ansich hatten Lennon und Ono nicht erfunden, der tauchte bereits in anderen Stücken auf – bei The Doors und John Ochs. Lennon und Ono waren zu dem Zeitpunkt bereits bekannte Aktivist*innen, hatten mit den Bed-Ins, bei denen sie im Bett vor Medienvertreter*innen für den Weltfrieden demonstrierten, bereits für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Lennon und Ono ließen in zwölf großen Städten Plakate mit den Worten „WAR IS OVER! If You Want It – Happy Christmas from John & Yoko“ errichten.

Bei dem Stück trifft eine eingängige, durchaus weihnachtstaugliche Melodie auf Sozialkritik. Diese kommt aber nicht von oben herab, sondern eher mit besorgt-freundlichem, sanft optimistischen Ton. Lennon wollte Kitsch vermeiden, aber die soziale Message in etwas Eingängiges packen. Es war Lennons und Onos Statement gegen den Vietnamkrieg, der noch bis 1975 wütete und viele Opfer fordern sollte. Man könnte sagen, der Song setzte dort an, wo Give Peace A Chance 1969 aufgehört hatte. „And so happy Christmas / For black and for white / For yellow and red ones / Let’s stop all the fights / A very merry Christmas / And a happy New Year / Let’s hope it’s a good one / Without any fears“ heißt es darin. Unterstützt werden Lennon und Ono gesanglich vom Harlem Community Choir, den Lennon für die Aufnahmen leitete.

Eigenleben

Happy Xmas (War Is Over), produziert von Phil Spector, nahm über die Jahre ein Eigenleben an. Es kam immer wieder in die Charts – die höchste Platzierung erfuhr es nach der Ermordung Lennons 1980 mit Platz zwei der britischen Single-Charts (Platz eins ging damals an Imagine). Er wurde tausende Male gecovert – von Celine Dion und Neil Diamond, von Carly Simon und REO Speedwagon, von Laura Pausini und Miley Cyrus, von Jimmy Buffett, John Legend und Jessica Simpson.

Längst gehört Happy Xmas (War Is Over) in den Kanon der Weihnachtsklassiker – und jener der Protestsongs. Man kann den Fokus beim Hören legen wie man möchte. Happy Xmas (War Is Over) funktioniert als nachdenklicher, altruistischer Weihnachtssong, als Statement gegen Krieg – und als ewig gültige und stets nötige Hoffnung, dass sich die Welt vielleicht doch ein Stück bessert.

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„Imagine“: Wie der kontroverse Song von John und Yoko zur Friedenshymne wurde

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