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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.12.1984 erscheint „Last Christmas“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.12.1984.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Ist überhaupt Heiligabend, wenn man nicht mit mindestens einem Familienmitglied über Last Christmas diskutiert? Bei der Wham!-Nummer gibt es keine zwei Meinungen: Entweder man hasst oder liebt den Weihnachtshit. Am 3. Dezember 1984 erscheint die Single. Warum sie zumindest musikalisch durchaus Respekt verlangt, untersuchen wir im heutigen Zeitsprung.

Moderne Weihnachtslieder gibt es wie Schnee unterm Baum, das Weihnachtsalbum gehört für jedes Sternchen der Populärmusik zum guten Ton. Doch nicht viele dieser Songs zeigen sich kommerziell und popkulturell so beständig wie Last Christmas von Wham!, noch weniger provozieren eine ähnliche Hassliebe während der beginnenden Wintermonate, und kaum einer erfüllt sogar Ansprüche komplexen Songwritings. Wenn im Spätherbst die ersten Synthesizer-Klänge des Liedes durch die Supermarktgänge hallen, kräuseln sich dennoch bei vielen die Fußnägel

Vorvorletzte Weihnacht

Die Entstehungsgeschichte des Hits liest sich dabei durchaus sympathisch: George Michael besucht mit Kollege Andrew Ridgeley seine Eltern und schreibt die Nummer in seinem ehemaligen Kinderzimmer. Ridgeley weiß schon früh, dass Michael mit dem Material ins Schwarze trifft und lässt ihn machen. Im August 1984 gehen Wham! dann ins Studio. Um dabei die sommerliche Stimmung zu unterbinden, müssen Girlanden und weihnachtliche Lichterketten her und so ziemlich alles andere (inklusive Personal) raus. Michael reißt ohne viel Federlesen die Kontrolle über die Produktion an sich und spielt sämtliche Instrumente selbst.

Cover der Neuauflage von 1985.

Rechtzeitig zu Weihnachten, am 3. Dezember, erscheint dann die Single, schafft es verblüffenderweise in Großbritannien nie auf Platz eins der Charts, was man zumindest im Jahr der Veröffentlichung der Konkurrenz von Band Aid und dem ähnlich zuckrigen Do They Know It’s Christmas? zuschreiben darf. (Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.) Auch da singt George Michael mit, ebenso fließen die Tantiemen zum Wham!-Titel im ersten Jahr in den gleichen wohltätigen Topf. In Deutschland schafft es die Nummer auf Rang drei, weltweit unzählige Male unter die ersten zehn.

Komplexe Komposition

So ganz ohne Kontroversen kommt das Werk seinerzeit nicht aus: Das Lied Can’t Smile Without You, das unter anderem Barry Manilow und die Carpenters berühmt machen, weist einige Parallelen zum Refrain von Last Christmas auf. Für ein Plagiatsurteil reicht es nicht, jedoch sorgt ein außergerichtlicher Vergleich für die erwähnte Spende der Einnahmen. Über drei Dekaden später klingen die Achtziger-Glocken der Wham!-Aufnahme weniger frisch, auch der Weichzeichner-Frontalangriff des Videos altert nicht wirklich gut. Hört man allerdings in die Komposition, offenbart sich eine überraschend komplexe Struktur.

Im Schwierigkeitsgrad unterscheiden sich Strophen und Refrain dabei enorm. Letzterer klingt eingängig und simpel, bleibt daher auch besonders hartnäckig im Ohr. In den Versen hingegen variiert Michael bei gleichbleibenden Harmonien im Hintergrund die Gesangsmelodie von Strophe zu Strophe sehr, macht große Tonsprünge und ändert die Reimstruktur, wie Die Welt in einer überraschenden Analyse ausführt. Musikwissenschaftlich darf man hier von einem „durchkomponierten“ Stück sprechen, „dessen innere Stabilität nicht allein auf Wiederholung begründet ist, sondern das sich durch motivisch-thematische Arbeit weiterentwickelt“. Zu deutsch: Das war wohl doch ganz gut durchdacht.

„Tell me, baby, do you recognise me?“

So oder so, der beispiellose Erfolg der Single lässt sich nicht wegdiskutieren. In Deutschland schafft es das Stück seit 1997 jedes Jahr in die Charts und läuft Ende des Jahres ständig im Radio. Wenn man bedenkt, dass pro Abspielen laut Gema zwischen 1,30 € (auf privaten Sendern) und 10,00 € (auf öffentlich-rechtlichen Sendern) fällig werden, kommt eine stattliche Summe zusammen. Von geschätzten neun Millionen Euro ist die Rede – pro Jahr. Zählt man dazu international erfolgreiche Coverversionen von Whigfield, Jimmy Eat World, Taylor Swift oder Gwen Stefani, schnellt die Hand freudig Richtung Glühwein. 

In Deutschland bleibt Last Christmas das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten und ja, verdammt, wir singen inbrünstig mit. Und wer am heutigen 3. Dezember noch nicht genug von der schönen Schmonzette hat, kann sich hier ein paar ausgesuchte Coverversionen genehmigen. Frohes Fest.

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 8.8.2004 ist bei der Dave Matthews Band die K**ke am Dampfen.

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WMG

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.8.2004.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Sommer 2004 tourt die Dave Matthews Band durch die USA. Als die Gruppe in Chicago gastiert, schicken die Musiker ihren Fahrer Stefan Wohl alleine Richtung Hotel. Der kommt auf die Idee, das Busklo über dem Chicago River zu entleeren. Nur fährt unter der Brücke gerade ein Ausflugsschiff…

Hier könnt ihr euch Busted Stuff von der Dave Matthews Band anhören: 

Die Polizei von Chicago staunt nicht schlecht, als sie es am 8. August 2004 mit dem Tourbus der Dave Matthews Band zu tun bekommt. Schlagen sich die Gesetzeshüter im Bezug auf Rockbands üblicherweise mit den typischen „Berufskrankheiten“ wie Drogendelikten oder leichter Körperverletzung herum, hat sich der Fahrer der amerikanischen Jam-Rocker an jenem Tag einen ganz besonderen Fauxpas geleistet, der mehr als 100 Leuten einen echt beschissenen Tag beschert. Leider im Wortsinn… 

Zur Tatzeit befinden sich Dave Matthews und seine Musiker nicht im Bus, Fahrer Stefan Wohl ist alleine unterwegs. Als er sich dazu entscheidet, das Busklo über dem Fluss zu leeren, hat er nicht im Blick, dass gerade das Ausflugsschiff Chicago’s Little Lady unter der Kinzie Street Bridge entlangfährt. Mit voller Wucht erwischt die Ladung die über 100 Touristen.

Für die Betroffenen gibt es auf dem engen Gefährt keine Möglichkeit, dem Sturzbach aus 400 Kilo Fäkalien auszuweichen. Später beschreiben die Passagiere die Masse als „Regen aus faulig riechendem, braungelbem Schlamm“. Als Folge erkranken einige von ihnen, andere müssen mindestens ihre Kleidung entsorgen. „Keiner der Touristen leidet an irgendwelchen Folgeschäden“, stellt Staatsanwalt Robert Egan 2005 im Tribune klar.

Dave Matthews selbst zeigt sich umgehend engagiert und spendet jeweils 50.000 US-Dollar an die Friends Of The Chicago River und den Chicago Park District. „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen, um all unsere Fragen bezüglich des Zwischenfalls zu beantworten“, erklärt die Band in einem Statement. „Wir möchten jetzt nur, dass der Heilungsprozess beginnen kann.“

Fahrer Stefan Wohl streitet seine Tat zunächst ab. Erst als er mit den Aufnahme einer Überwachungskamera konfrontiert wird, räumt er ein, die Ladung von der Brücke abgeworfen zu haben. Anschließend wird er zu 18 Monaten Bewährung verurteilt, muss 150 Sozialstunden leisten und eine Strafe von 10.000 US-Dollar zahlen. Die Stadt behält den Vorfall als „Poopgate“ in Erinnerung. 

Zeitsprung: Am 4.6.1997 treibt der Leichnam von Jeff Buckley im Mississippi.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.8.1954 heiraten Johnny Cash und Vivian Liberto.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.8.1954.

von Timon Menge und Christof Leim

Üblicherweise denkt man in Bezug auf das Liebesleben von Johnny Cash an seine Ehefrau June Carter Cash. Doch der „Man in black“ war bereits vorher einmal verheiratet – mit Vivian Liberto. Zunächst tauschen die beiden mehrere hundert Seiten Liebesbriefe aus. Cash leistet zu jener Zeit seinen Wehrdienst in Deutschland. Am 7. August 1954, also direkt nach seiner Entlassung, heiratet das Paar. Die Ehe hält zwölf Jahre, doch 1966 reicht Liberto die Scheidung ein.

Hier könnt ihr euch die wichtigsten Songs von Johnny Cash anhören: 

Der Startschuss für die Liebesbeziehung zwischen Vivian und Johnny fällt am 18. Juli 1951, als Cash sich gerade in einem Trainingsprogramm der Air Force befindet. Auf einer Rollschuhbahn in San Antonio lernt er die 17-jährige Vivian Liberto kennen. Drei Wochen lang treffen sich die beiden — doch dann wird Cash von der Armee für drei Jahre nach Deutschland geschickt, um sowjetische Botschaften zu entschlüsseln. Damals soll er sogar die Geheimnachricht von Tod Stalins aufgespürt haben.

Während seiner Abwesenheit schickt sich das Paar mehrere hundert Seiten Liebesbriefe. Im Juli 1954 feiert Cash seine Entlassung, nur einen Monat später heiratet er seine Vivian, ebenfalls in San Antonio. In den Jahren danach bekommen die beiden vier Kinder: Rosanne, Kathy, Cindy und Tara. Später zieht das frisch verheiratete Paar nach Memphis, wo Cash seine zukünftigen Kollegen Luther Perkins (Gitarre) und Marshall Grant (Bass) kennenlernt. Gemeinsam spielen die Musiker erste Aufnahmen für Sun Records ein, das Label, das auch Elvis Presley zu Bekanntheit verhalf. So ergeht es auch Cash, seine Karriere geht durch die Decke. Leider macht ihm der zunehmende Ruhm auch zu schaffen, er greift zu Alkohol und Pillen. Vivian sorgt sich um ihren Mann. Der schreibt zu ihrer Beruhigung den Song I Walk The Line.

1961 siedelt die Familie nach Kalifornien um, wo Cash den Johnny Cash Trailer Park betreibt. Aber: Sein Alkoholismus bringt ihn wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Am 4. Oktober 1965 erreichen die Eskapaden einen ihrer traurigen Höhepunkte, als der Musiker an der Grenze von New Mexico verhaftet wird — mit unglaublichen Mengen an Aufputsch- und Beruhigungsmitteln in einem Gitarrenkoffer. Noch in der selben Nacht landet er im Gefängnis und wird zwei Monate später schuldig gesprochen. Er kommt allerdings mit einem verzögerten Urteil und einer Strafe von 1.000 US-Dollar davon.

Startet zuerst bei Sun Records durch, genau wie Elvis Presley: Johnny Cash

Doch die Verhaftung zieht noch ganz andere Probleme nach sich. Einen Tag nach der Gerichtsverhandlung landet ein Foto von Cash und seiner Vivian in sämtlichen Zeitungen — und viele Leser denken, dass die italienischstämmige Frau an Cashs Seite schwarz ist. In den Monaten danach erhält der Musiker nicht nur Hassbriefe, sondern auch Morddrohungen, vor allem aus dem Süden der USA. Die Auswüchse dieses Alltagsrassismus sind erschreckend.

In der Ehe läuft es davon abgesehen leider auch nicht gut: 1966 reicht Liberto die Scheidung ein und gibt als Grund den Drogen- und Alkoholmissbrauch ihres Mannes an. Außerdem sei er immer unterwegs gewesen, habe sie mehrfach betrogen und bereits während der Ehe eine enge Beziehung zu June Carter gepflegt. 

Einer von Vivian Libertos Gründen, sich von Johnny Cash scheiden zu lassen: seine Beziehung zu June Carter

June Carter lernt Johnny Cash auf Tour kennen, sie zieht gemeinsam mit der Carter Family durch die Lande. 1968 macht der Musiker seiner späteren Frau auf der Bühne einen Heiratsantrag. Sie sagt „Ja“ und hilft Cash dabei, seine Dämonen zu besiegen. Doch das ist wieder einmal eine andere Geschichte.

Zeitsprung: Am 12.9.2003 stirbt Country-Legende Johnny Cash im Alter von 71 Jahren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.8.1996 spielen die Ramones ihre letzte Show

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Ramones
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.8.1996.

von Christof Leim

Nach über 20 Jahren und 2263 Shows ist Schluss: Die Ramones spielen am 6. August 1996 ihr letztes Konzert im Palace in Hollywood, Kalifornien.

Hört hier das letzte Studioalbum ¡Adios Amigos! der Ramones:

Über die Wichtigkeit der Band für den Rock’n’Roll müssen wir vermutlich nicht viele Worte verlieren. Es gibt kaum einen Akteur der wilden Spielarten der Musik, der nicht irgendwann mal einen der einfachen, aber damit umso effektiveren Punk-Rock-Songs der vier Lederjackenhelden aus New York geschmettert hat. Ramones-Cover gibt es von Metallica, Rob Zombie, Kiss, den Chili Peppers und unzähligen anderen. Motörhead haben der Kapelle sogar einen eigenen Song gewidmet.

Berühmt und erfolglos

Zum Zeitpunkt der letzten Show zeichnet sich das Ende schon ab: Die Band darf sich 1996 zwar berühmt und einflussreich nennen, aber entsprechend erfolgreich ist sie nicht. Auch die letzte Tour passiert noch im Van. Das geht irgendwann an die Substanz, und nicht um jedermanns Gesundheit steht gut. Vor allem sprechen Joey und Johnny Ramone schon seit Jahren kein Wort mehr miteinander, trotz Abertausenden an gemeinsam abgesessenen Kilometern, seit sie sich wegen einer Dame (die später Johnnys Ehefrau wurde) gestritten haben.

Am 6. August 1996 kommt dann das Ende, das finale Konzert von insgesamt 2263. Es findet statt im Palace in Hollywood in Kalifornien, wo Bandboss/-diktator Johnny Ramone mittlerweile wohnt – und damit fern von der Heimat in New York. Beim Abschied stehen einige Gäste mit auf der Bühne, darunter Chris Cornell, Eddie Vedder und Lemmy. Der sagt später: „Wenn das die letzte Show der Ramones war, dann ist das eine Beleidigung für die Intelligenz der Welt und eine Schande für den Rock’n’Roll. Sie sind eine der besten Bands, die es gibt.“

An diesem Abend spielen die Ramones 32 Songs, die finale Nummer ist das Dave-Clark-Cover Anyway You Want It. Ein Mitschnitt erscheint am 18. November unter dem Titel We’re Ramones Were Outta Here CoverOutta Here!. Zum letzten Aufgebot gehören neben Joey und Johnny noch Bassist C.J. und Drummer Marky. Ihre Wege trennen sich nach dem Konzert, die Musiker verabschieden sich nicht mal voneinander.

Fünf Jahre später, 2001, stirbt Sänger Joey an Krebs, ohne dass der Streit mit Johnny jemals beigelegt worden wäre. Der erliegt 2004 ebenfalls einem Krebsleiden. 2002 fällt Ur-Bassist Dee Dee einer Heroin-Überdosis zum Opfer. Der erste Schlagzeuger Tommy stirbt 2014, auch an Krebs. Damit weilen die originalen Vier nicht mehr unter uns, die Ramones sind endgültig Geschichte.

 

Zeitsprung: Am 24.8.1979 läuft der Ramones-Film „Rock’n’Roll High School“ an.

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