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Popkultur

Little Steven: „Wir brauchen mehr Licht, mehr Hoffnung!“

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Jordi Vidal/Redferns

Die Energie von Steven Van Zandt, besser bekannt als Little Steven, ist unbedingt ansteckend: Kein Wunder, dass er mit seinem ausgelassenen neuen Album ein klares Statement gegen kollektives Trübsal-Blasen und Kopf-in-den-Sand-Stecken macht. Summer Of Sorcery heißt der sommerliche Longplayer, den er mit seiner Band The Disciples Of Soul aufgenommen hat, und der seit Anfang Mai 2019 im Handel ist.

von Martin Chilton

Bis auf den Earl Grey, den der 68-Jährige in einem kleinen Straßencafé in Covent Garden bestellt, ist nichts an diesem Mann grau oder düster: Grell leuchtende Farben von Kopf bis Fuß, ein Bandana, sein Markenzeichen, auf dem Kopf, und auch der Schmuck glitzert im Sonnenlicht, während er mit uDiscover Music über sein neuestes Werk spricht. Die Themenpalette ist groß: Es geht um Blues- und Jazz-Musiker, um Schauspielerei und Politik, auch um inspirierende Kids und seine Erinnerungen an einen außergewöhnlich verbitterten Kollegen.

Hört hier Summer Of Sorcery während ihr weiter lest:

Diesen jüngsten London-Stopp macht der US-Musiker im Rahmen seiner gleichnamigen Summer Of Sorcery-Tour, die ihn wieder einmal um den gesamten Globus führt. Wie also kam es zu dem neuen Album, dem Nachfolger zu Soulfire und Soulfire Live! aus dem Jahr 2018?

„Wir brauchen etwas Licht, etwas mehr Hoffnung“

„Ich fragte mich: Woran mangelt es denn nun in einer Welt wie unserer?“, holt Little Steven aus. „Und mein Gott, wie finster sich das alles anfühlt! Wir sind an einem sehr, sehr, sehr, sehr düsteren Punkt der Zivilisation angelangt – das ist wohl das Schlimmste, was ich in meinem Leben mitbekommen habe, ja, wahrscheinlich das Schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg. Man wird in der Zukunft von einem weiteren dunklen Zeitalter sprechen, wenn man an diese Jahre zurückdenkt. Klar, Vietnam war auch finster, aber das hier ist noch düsterer. Also fasste ich den Entschluss, etwas Aufmunterndes zu schreiben. Ich dachte mir: Wir brauchen etwas Licht und etwas mehr Hoffnung.“


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„Ich wollte nicht bloß ein neues Album machen, sondern in eine ganz neue Richtung gehen“, berichtet er weiter. „Jedes meiner bisherigen Alben war entweder autobiografisch oder politisch – beides wollte ich diesmal also ausklammern. Nur fragte ich mich: Was bleibt dann noch von mir? Wer bin ich überhaupt? Keine Ahnung… aber genau das wollte ich herausfinden. Ich war einfach neugierig, wo ich damit landen würde. Danach war alles ein komplett organischer Prozess, ganz ohne Planung. Letztlich bin ich mit den Disciples Of Soul bei mir selbst und bei meinem musikalischen Kern gelandet: einer Mischung aus Rock und Soul. Und dabei will ich ab jetzt auch bleiben.“

„Letztlich bin ich bei meinem Kern gelandet: einer Mischung aus Rock und Soul.“ Foto: Courtesy of Little Steven

„Meine Idee war, mein Leben als Fiktion zu präsentieren – wie 12 kleine Filmchen.“

Little Steven, der sich schon in der E Street Band einen Namen machte, hat eine Schwäche für Konzeptalben, wie er sagt. Dieses Mal war das Konzept „Musik, die das Gefühl des Sommers wieder einfängt.“

„Ich mochte dieses ganze Sommerthema: Dass alles aufblüht, die Idee, wieder jung zu sein, gerade aus der Schule und frisch verliebt – verliebt in die Liebe, in die Möglichkeiten und die ganzen grenzenlosen Abenteuer, die vor einem liegen. Es war ganz einfach, dieses Gefühl einzufangen, weil ich glaube, dass wir es alle in uns tragen… es schlummert direkt unter der Oberfläche. Der Sommer hat so etwas Befreiendes. Er ist symbolisch, nicht wirklich fassbar: pure Fantasie. Ein Verlangen, das man in sich spürt, und das nie wirklich befriedigt werden konnte.“

Nun hieß es also, diesen konzeptuellen Rahmen in Songs zu übersetzen. „Und dafür war meine Idee, mein Leben in Fiktionen zu verwandeln – wie in 12 kleine Filme. Und ich spiele in jedem eine andere Rolle.“

Stücke wie Love Again, World Of Our Own, Party Mambo!, Soul Power Twist und Superfly Terraplane dürften jeden Sommerabend in eine Party verwandeln. Der Titelsong hingegen erinnert schon eher an Van Morrison. „Ich fasste den Entschluss, dass ich endlich mal Van Morrison besuchen musste, schließlich war ich schon immer ein Riesenfan von Astral Weeks“, so Little Steven. „Ich liebe alles an ihm. Wo er herkommt, dann die Domino-Phase, später dann die R&B- und Soul-Sachen. Ich kann mich mit den Phasen seiner Karriere gut identifizieren.“

„Das Album geht wirklich komplett aufs Konto dieser Band.“

Dazu gibt es noch weitere Inspirationen und indirekte Verneigungen, die auf Summer Of Sorcery durchschimmern. „Normalerweise lande ich irgendwann bei Sam Cooke und Smokey Robinson, aber dieses Mal wollte ich das Ganze erweitern. Dieser Kern aus Rock-trifft-auf-Soul ist also schon mal da, aber dann ging ich mehr in Richtung James Brown, bezog auch Sachen wie Tito Puente und Sly And The Family Stone ein, um mehr Nuancen reinzubringen. So etwas wie Sly And The Family Stone fehlt momentan sowieso. Und was Tito Puente angeht, hat mich dieses Latin-Ding schon immer fasziniert – keine Ahnung, ehrlich gesagt, woher ich das hab. Vielleicht liegt’s an Stücken wie La Bamba, Tequila, Twist And Shout oder auch Going To A Go-Go von Smokey Robinson. Aber so krass durchgezogen wie auf Party Mambo! hab ich das noch nie zuvor!“

Es ist nicht besonders schwer, diese verschiedenen Einflüsse im Geiste zu kombinieren. Sie jedoch wirklich zusammenzubringen, und zwar so, dass alles hinterher aus einem Guss klingt, ist eine ganz andere Sache: Dafür braucht man Topmusiker. Leute, die flexibel sind, mit allen Wassern gewaschen. „Das ist überhaupt der Schlüssel. Schließlich willst du die Subgenres so einbeziehen, dass die Elemente immer noch authentisch klingen – und daraus dann etwas Eigenes machen. Ich habe keine Angst, dass ich irgendwen nachmachen könnte: Dafür bin ich nicht mal gut genug. Aber wenn ich meinem Schlagzeuger Richie Mercurio zurufe, ‘Gib mir mal Hal Blaine!’, dann weiß er sofort, was ich hören will.“

Auf dem Track Gravity sind ein paar grandiose Bläser-Passagen zu hören – ebenfalls aufgenommen von Topleuten: Ron Tooley spielte seine Trompete schon für James Brown und Mel Tormé, Ravi Best sein Instrument für Blue-Note-Legende Sam Rivers. Der Tenorsaxofonist Stan Harrison hat mit David Bowie und Talking Heads im Studio gearbeitet, Baritonsaxofonist Eddie Manion hingegen mit Diana Ross und Robert Cray. „Dieses Album geht wirklich komplett aufs Konto dieser Band“, so Little Steven.

„Diesen unglaublichen Miles Davis konnte ich doch nicht einfach so rumliegen lassen, verdammt?!“

Mit einem der größten Bläser der Musikgeschichte hat Little Steven dabei schon 1985 gearbeitet, als er Artists United Against Apartheid organsierte und dafür sogar den „furchteinflößenden“ Miles Davis gewinnen konnte. „Miles war brillant. Ein Vorbild für jeden Künstler“, findet der 68-Jährige. „Genau genommen haben wir uns nicht mal besonders lange unterhalten, als er kam, um Sun City aufzunehmen. Schließlich war es schon ein Wunder, dass er überhaupt aufgetaucht war; da wollte ich nicht alles riskieren, indem ich noch groß ein Interview mit ihm führe. Ich war so froh, und es war so wichtig für das ganze Album damals“, so Van Zandt über die Sessions in den Achtzigern.

Wie war es denn nun, den als mindestens unbequem geltenden Jazz-Superstar damals im Studio anzuleiten? „Ich hatte die Aufnahmen von Miles fürs ruhige Intro geplant, und später sollte mehr davon in der Mitte des Songs zu hören sein“, erzählt er. „Es ging schließlich zunächst nur um eine Single. Ich brauchte ein 20-Sekünder-Intro für einen Dreieinhalbminutensong. Er spielte so um die fünf Minuten lang, und dann bat ich ihn, noch eine Version davon mit Dämpfer zu spielen. Ich hatte also diese unglaublichen Miles Davis-Aufnahmen rumliegen. Sechs bis acht Minuten von ihm, wie er über einen Schlagzeug-Part spielt. Und das lässt man doch nicht einfach so rumliegen, verdammt?! Ich wollte jede verdammte Sekunde davon benutzen. Also holte ich Herbie Hancock (Klavier), Ron Carter (Bass) und Tony Williams (Schlagzeug) dazu; sie sollten etwas einspielen zur Aufnahme von Miles. Und so wurde daraus ein ganzes Album.“

Die Weichen für ein derartiges Albumprojekt waren schon gut zwei Jahrzehnte zuvor gestellt worden, als der damals 12-jährige Steven die Beatles in der Ed Sullivan Show sah – wie 73 Millionen andere US-Amerikaner übrigens auch. „Das war der wichtigste Moment meines Lebens“, sagt er rückblickend über den 9. Februar 1963. „Meine ganze Generation hat das geprägt. Als ob eine fliegende Untertasse im Park um die Ecke gelandet wäre – nein, es war sogar noch umwerfender, schließlich hatte man fliegende Untertassen schon in Filmen gesehen. Etwas wie die Beatles hatten wir noch nie gesehen.“

Foto: Björn Olsso

In den Jahren danach ließ er kein Konzert ausfallen und studierte die Legenden jener Tage aus nächster Nähe: Die Beatles, Sinatra, Elvis Presley, The Who mit Keith Moon, Jeff Beck mit Rod Stewart, auch die jungen Rolling Stones. „Die eigentlichen Bühnenhelden waren damals Leute wie James Brown, Jackie Wilson und Joe Tex. Mick Jagger war insofern eine echte Ausnahmeerscheinung, weil er der einzige weiße Typ war, der abgesehen von Elvis richtig abging auf der Bühne. Die schwarzen Sänger*innen waren halt bessere Performer, da konnten die Weißen einfach nicht mithalten. Jagger imitierte sie so gut er konnte – und das funktionierte auch. Weiße Typen, die schwarze Typen nachmachen und dabei grandios scheitern – das ist doch die Geschichte des Rock & Roll, oder etwa nicht? Die Stones waren das beste Beispiel dafür. Die Freiheit, die in den wilden Bewegungen Jaggers zum Ausdruck kam, das war die ultimative Synthese aus Schwarz und Weiß.“

Auch der Blues seiner Landsleute hatte es ihm angetan: „Muddy Waters war ein wichtiger Einfluss. Auch Little Walter, Sonny Boy Williamson, Howlin’ Wolf, Elmore James… die Jungs aus dem Süden von Chicago. Ich mochte Buddy Guy und Junior Wells. Albert King war mir lieber als B.B. King – aber nicht Freddie King. Ich hatte vor langer, langer Zeit mal eine unschöne Begegnung mit Freddie King, und er war einfach unausstehlich. Deshalb taucht sein Name nie in meinen Listen auf.“

„Ich habe wenig Toleranz, was Rumgezicke und Drama angeht“

Auf ihrer aktuellen Tournee haben Little Steven & Co. gelegentlich auch Coversongs eingestreut, etwa von Etta James (Blues Is My Business) oder James Brown (Down And Out In New York City). Erst im April 2019 gesellte sich sogar Bruce Springsteen zu ihnen auf Bühne, als sie beim Asbury Park Music & Film Festival in New Jersey die Songs Tenth Avenue Freeze-Out, Sun City und I Don’t Want To Go Home präsentierten. Er genieße die Auftritte und das Tourleben, so der Musiker, was auch der guten Beziehung zu seiner Band geschuldet sei. „Ich habe wenig Toleranz, was Rumgezicke und Drama angeht – dafür bin ich einfach zu alt“, sagt er. „Angeblich wird man ja toleranter mit dem Alter. Bei mir trifft eher das Gegenteil zu.“

Gibt es denn auch Konzerterlebnisse, die als besonders unschön in Erinnerung geblieben sind? Abende, an die man ungern zurückdenkt? Little Steven, der eher schnell spricht, sehr eloquent ist, denkt länger nach. Dann erzählt er von einem Gig, den er zusammen mit Springsteen und Chuck Berry für die Rock & Roll Hall of Fame im September 1995 gespielt hat. An dem Punkt hatte er schon über 10 Jahre nicht mehr in der Band von Springsteen gespielt…

„Chuck war mies drauf. Einfach immer mies drauf.“

„Es war echt eine Ausnahme, aber ich fand das ganz schön unangenehm nach der Auflösung der E Street Band. Ich war ja schon eine ganze Weile nicht mehr dabei gewesen. Wir sollten nun wieder zusammen auftreten, für die Eröffnung der Hall of Fame, sollten Chuck Berry und Jerry Lee Lewis begleiten. Und ich weiß noch, wie schräg ich den Auftritt fand, so unglaublich schräg. Bruce hatte sich so verändert. Die Zeit davor war wohl die längste Phase überhaupt, in der wir keinen Kontakt hatten. Es war einfach unangenehm. Wir fühlten uns nicht länger wie Freunde, waren nicht dicke genug, um zusammen auf der Bühne zu stehen. Denn ich kenne das nur so, dass ich mit Freunden auf der Bühne bin.“

Auch die Tatsache, dass Chuck Berry beteiligt war, machte die Sache nicht besser. Im Gegenteil: „Chuck war der wichtigste Rock & Roller aller Zeiten, das steht fest. Und es ist einfach nur traurig, dass er dermaßen verbittert durchs Leben gehen musste. Ich habe nie einen Menschen getroffen, der dermaßen übellaunig war. Er war einfach nur sauer auf die Welt, weil er abgezockt worden war“, so Little Steven. „Und er hatte auch keine Freunde, die zu ihm hätten sagen können: ‘Lass uns die Sache doch mal anders betrachten: Am Anfang werden doch alle abgezockt. Das ist falsch, aber andererseits haben die Chess-Brüder dich verdammt noch mal berühmt gemacht! Du hast an fünf Tagen die Woche je 10.000 Dollar in deinem Gitarrenkoffer mit nach Hause genommen, und das 60 Jahre lang! Rechne es doch mal durch!’ Aber nein: Chuck war mies drauf. Einfach immer mies drauf. Das machte die Sache also auch nicht besser… und es war einfach ein seltsamer Auftritt.“

„Eine meiner größten Leistungen überhaupt“

Unvergessen als Silvio Dante in der HBO-Serie The Sopranos, ist Little Steven besonders stolz auf seine Rolle in der norwegisch-US-amerikanischen Serie Lilyhammer, in der er Frank „The Fixer“ Tagliano spielt. „Eine meiner größten Leistungen überhaupt, weil ich alles, was ich bei den Sopranos gelernt hatte, auf diese Serie übertragen konnte. Ich habe einen Großteil der Songs beigesteuert, mich überhaupt um die Musik gekümmert, war Co-Autor der Serie, Co-Produzent und sogar Regisseur der letzten Folge.“

„Milliarden werden da in symbolischen Mist investiert, der überhaupt nicht funktioniert“

Es gibt sogar noch mehr Gebiete, in denen Little Steven quasi als Quereinsteiger sehr erfolgreich werden sollte: Für sein TeachRock-Programm wurde ihm sogar der Ehrendoktortitel der Rutgers University verliehen. Er selbst sei damals zwar nicht gerade ein fleißiger Schüler gewesen („Ich war schlimm, was das angeht… eigentlich mache ich das alles nur als Wiedergutmachungsversuch.“), doch zwei Dinge seien ihm wichtig: Er will etwas gegen die Kürzungen im Bereich Musikunterricht machen – und dagegen, dass so viele Schüler vor ihrem High-School-Abschluss das Handtuch werfen. Das Programm, das kostenlose und interdisziplinäre Stunden anbietet, wird von 25.000 Lehrern unterstützt, die immerhin zwei Millionen Kinder unterrichten.

„Nach meinen ersten Besuchen in verschiedenen Schulen wusste ich, dass alles immer noch genauso lief wie damals: ‘Lern das hier, das wird dir irgendwann mal nützlich sein.’ Mir war klar, dass das nicht mehr funktionieren konnte. Nicht bei der heutigen Generation.“

„Also mussten wir eine neue Methode entwickeln. Schließlich stehen die Kinder voll auf Musik! Anstatt sie also zu unseren Themen zu schleifen, mussten wir auf sie und ihre Themen zugehen. ‘Auf wen stehst du persönlich? Beyoncé. Also gut: Beyoncé bezieht sich auf Aretha Franklin, und die bezieht sich auf den Sound der Stadt Detroit – darüber können wir auch noch reden. Ja, und dann war Aretha auch viel in der Kirche: Gospel! Hier noch ein wenig dazu. Außerdem hatte sie was mit der Bürgerrechtsbewegung zu tun, also sprechen wir am besten da auch noch drüber.’ Es ist eine Art Reise durch die Zeit. Die Kids machen voll mit. Sobald wir uns auf ihr Terrain begeben, können sie damit etwas anfangen.“

Was die Beschaffung der Mittel für TeachRock angeht, wirkt jedoch auch Little Steven etwas frustriert: „Milliarden werden da für irgendwelchen symbolischen Mist ausgegeben, der überhaupt nicht funktioniert. Das hier ist aber nicht bloß symbolisch. Es ist echt. Die Leute sollten sich darum reißen, uns ihr Geld geben zu dürfen.“

„Ich habe Hoffnung für die Generation der Millennials“

Unpolitisch war Little Steven noch nie. Und so kommen wir auch an diesem 24. Mai 2019 auf das Thema – jener Tag, an dem Theresa May ihren Rückzug ankündigen sollte. Nur was macht ihn so optimistisch? „Ich glaube, die Grünen sollten sich auf das konzentrieren, was die Kids umtreibt. Diese ganze Bewegung wird immer größer und größer. Deshalb habe ich auch Hoffnung für diese Generation der Millennials.“

„Ich glaube, diese junge Generation ist einfach smarter, schneller, und Grün ist für sie eine ganz natürliche Wahl“, sagt er abschließend. „Sie sind gegen Schusswaffen, was gerade für uns Amerikaner wichtig ist, und sie haben keine Vorurteile. Sie verstehen nicht mal mehr, weshalb Kategorien wie schwul, hetero, schwarz, weiß und so eigentlich existieren – weil es ihnen scheißegal ist. Für sie ist das wirklich unbegreiflich, so à la ‘Wovon redet ihr da eigentlich?’ Ich find das grandios. Sie sind keine Nationalisten. Jeder Zweite von ihnen ist jetzt schon Veganer. Sie sind quasi wie eine höherentwickelte Spezies, und das ist die Sache, die mich für die Zukunft hoffen lässt. In vielleicht fünf oder 10 Jahren könnte sich dadurch alles zum Guten wenden. Bis dahin werden wir uns wohl noch mit diesem verdammt düsteren Zeitalter arrangieren müssen, wie’s aussieht.“

Ziemlich düstere Aussichten für die nächsten Jahre also – aber zum Glück gibt es ein Gegenmittel: Es heißt Summer Of Sorcery

„Sun City“: Wie Little Steven die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf das Apartheid-Problem lenkte

Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.1959 erscheint „Kind Of Blue“ von Miles Davis.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.1959.


von Timon Menge und Christof Leim

Kind Of Blue gehört zu den schlichtesten Aufnahmen der Musikgeschichte, aber auch zu den wichtigsten und schönsten. Am 2. März und am 22. April 1959 spielen Miles Davis und seine sechs Mitmusiker die Platte ein, am 17. August 1959 erscheint sie. Werfen wir zum Geburtstag einen Blick auf das Jahrhundertwerk des Jazz.

Hier könnt ihr euch Kind Of Blue anhören:

Ende des Jahres 1958 gehören Miles Davis und seine Bandmitglieder zu den gefragtesten Jazzmusikern New Yorks. Die Gruppe spielt einerseits Klassiker des Bebop, andererseits ein Repertoire von Popsongs. Wie im Jazz üblich, reichern die Künstler ihre Nummern mit Improvisationen an, die zu den Akkordfolgen der Stücke passen. Wie viele andere Musiker stört sich allerdings auch Davis zunehmend an den engen Grenzen der Richtung — und schlägt einen anderen Weg ein.

Diese fünf Musiker wurden erst etwas später berühmt

Die Aufnahmen zu Kind Of Blue finden an zwei Tagen in den 30th Street Studios in New York City statt. Am 2. März 1959 spielen Davis und seine Band, zu der auch Jazzlegende John Coltrane gehört, die Songs So What, Freddie Freeloader und Blue In Green ein. All Blues und Flamenco Sketches folgen am 22. April. Entgegen der landläufigen Meinung, das Album sei während nur eines einzigen Versuchs entstanden, befindet sich wahrheitsgemäß kein einziger sogenannter „First Take“ auf der Platte.

Vor den Sessions haben Davis’ Mitmusiker beinahe keine Gelegenheit zum Üben. Sie wissen noch nicht einmal so genau, was sie überhaupt einspielen sollen. In den Liner Notes kann man nachlesen, dass der Bandleader im Vorfeld gerade einmal grobe Skizzen mit einigen Tonleitern und Melodieabläufen verteilt. Als sich die Instrumentalisten im Studio einfinden, gibt Davis ihnen eine kurze Einweisung zu den einzelnen Songs, und die Aufnahme eines der wohl wichtigsten Jazzalben aller Zeiten beginnt. 

An dieser Stelle in das weite Feld der Kirchentonarten, Halbtonschritte und Modi einzusteigen, würde den Rahmen sprengen. Halten wir daher Folgendes fest: Mit Kind Of Blue entfernen sich Davis und seine Mitmusiker von den seinerzeit üblichen Dur-/Moll-Tonleitern und greifen auf eine wesentlich umfangreichere Trickkiste zurück. Dadurch schaffen sie nicht nur deutlich mehr Abwechslung, was die grundlegenden Songstrukturen betrifft, sondern vor allem jede Menge Raum für vielfältige Improvisation.

Bis heute behält Kind Of Blue seinen Legendenstatus. Ob im Jazz, in der Klassik oder im Pop: Die meisten Experten teilen die Meinung, dass Miles Davis mit seinem größten Erfolg die Musikwelt umgekrempelt hat. Mehr als sechs Millionen Mal geht das Werk über die Ladentheke, in den USA genießt das Album vierfachen Platinstatus, ein sagenhafter, fast pop-esquer Maßstab.

Miles Davis 1984 – Foto: David Gahr /Getty Images

Zeitsprung: Am 8.11.1985 spielt Miles Davis den Bösen bei „Miami Vice“.

 

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Popkultur

Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TCB darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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