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Popkultur

Machine Head: Drei Stunden Metal und „Burn My Eyes“ komplett

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Foto: Thorsten Seiffert/ RocknRoll Reporter

"Robb Flynn hält Kurs: Nach Ausstieg der halben Band und gemischten Reaktionen auf das letzte Album Catharsis (2018) spielen Machine Head dieser Tage Drei-Stunden-Shows vor vollen Häusern. Dabei feuert zunächst ein neues Line-up die Greatest Hits raus, dann spielen die Urmitglieder von einst das Debüt Burn My Eyes zu seinem 25. Geburtstag. Zu wenig Metal gab es am 14. Oktober 2019 im Bochumer Ruhrcongress jedenfalls nicht…

von Christof Leim

Hier könnt ihr euch Burn My Eyes anhören:

Seit Jahren spielen Machine Head um Sänger/Gitarrist Robb Flynn ohne Vorgruppe, dafür länger. Wesentlich länger. „An evening with…“ heißt die Veranstaltung dann und gibt den Musikern die Gelegenheit, auch abwegige oder vernachlässigte Schätzchen auszupacken. Das Konzept führt der Kapitän 2019 fort, aber mit einem Schlenker:

Die längjährigen Mitstreiter Phil Demmel (Gitarre) und Dave McClain (Drums) hatten die Band im September vergangenen Jahres verlassen. Für sie sind Wacław “Vogg” Kiełtyka von den polnischen Todesmetallern Decapitated dabei und Matt Alston, Trommler von Devilment und bereits als Techniker mit Machine Head auf Tour gewesen. Beide erweisen sich als hochkompetente Musiker, die von den Fans mit Applaus aufgenommen werden. Mit ihnen spielen Robb Flynn und der langjährige Bassist Jared MacEachern Stücke von allen Alben ihrer Karriere. 

Ambitionierter Plan

Das Debüt Burn My Eyes, mit dem Machine Head 1994 schwungvoll in der harten Szene aufgeschlagen sind (alles dazu hier), findet sich sogar in voller Länge auf der Setlist. Dabei stehen neben Flynn und MacEachern zwei Urmitglieder von damals auf der Bühne: Gitarrist Logan Mader und Schlagzeuger Chris Kontos. Lediglich Bassist Adam Duce ist nicht mit von der Partie. Drei Viertel des Burn My Eyes-Line-ups sind also am Start, und Machine Head gehen an diesen Abenden mit zwei Besetzungen ins Rennen. Ambitioniert. Das zieht nicht wenige Fans alter Schule in die Hallen: Der Ruhrcongress in Bochum mit seinen 5.000 Plätzen ist zwar nicht voll, aber gut gefüllt. Andere Termine der Rundreise in kleineren Hallen sind ausverkauft.

 

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Um fünf nach acht geht es brachial los mit Imperium: Die Besetzung aus Flynn, MacEachern, Vogg und Alston ballert gut eingespielt, Anlaufschwierigkeiten gibt es offensichtlich keine. Die erste halbe Stunde bleibt es hart: Take My Scars, Now We Die, Beautiful Mourning, ein Brett folgt dem nächsten, der Sound tönt wuchtig, aber zu laut, Flynn brüllt vor allem, die Riffs fliegen, und wer die Songs nicht wirklich gut im Ohr hat, wird von ihrer Komplexität schier erschlagen. Die Musiker haben damit keine Probleme, und was die beiden Gitarristen hier veranstalten, muss man als erstklassig bezeichnen. 

 

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Schon früh starten die Fans Chöre zwischen den Songs, die bis zum Ende des Abends immer wieder erklingen: „Machine Fuckin’ Head! Machine Fuckin’ Head!“ Offensichtlich hat die Truppe aus Kalifornien immer noch und weiterhin viele Freunde in Europa, wo ihre Karriere damals erst richtig losgegangen war.

Durchgeballert. Gut oder schlecht?

Mit Bite The Bullet gibt es ein einen „Jungfernflug“, denn die Nummer steht zum ersten Mal auf dieser Reise auf dem Programm. Ansonsten fliegen Machine Head durch alle Platten, mit einem Schwergewicht (pun intended) auf Unto The Locust und The Blackening. Sogar die vergleichsweise experimentellen Supercharger und The Burning Red, von der konservativen Fraktion als Nu Metal verschrien, finden Beachtung. Catharsis ist mit einem Song dabei, dem Titelstück.

 

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Fast zwei Stunden haut uns das Quartett in diesem Greatest-Hits-Teil harten, gut gespielten Metal um die Ohren; einmal darf Vogg ein zwar nicht grundsätzlich mitreißendes, aber technisch versiertes Solo vom Stapel lassen. Große Überraschungen im Sinne von stilistischen Querschlägern gibt es allerdings nicht, obwohl hier ja ein Reiz der „An Evening With…“-Konzert liegt. Vor allem in Anbetracht der angekündigten Überlänge wäre mehr Abwechslung wünschenswert, denn wir haben noch 55 Minuten Burn My Eyes vor uns. Kurz gesagt: Es zieht sich. Lediglich Darkness Within setzt einen Kontrapunkt: Robb Flynn kommt mit einer Akustikgitarre auf die Bühne und hält eine sympathische, lebensbejahende Rede über die Kraft der Musik, worauf der Song seinen epischen Charakter umso stärker entfaltet. Große Nummer. Auch Ten Ton Hammer und das abschließende Mosh-mit-Melodie-Fest Halo schlagen ordentlich ein. Dann gibt es erstmal zehn Minuten Pause. Puh.

Begegnung auf „Herren“

Natürlich sind die Interaktionen auf der nächsten, weil obligatorischen Zwischenstation des Abends, der Toilette nämlich, statistisch nicht aussagekräftig. Aber nicht wenige der Wasserabschlagenden lassen beim fröhlichen Plausch am Urinal durchklingen, dass sie sich vor allem auf den nächsten Teil freuen. Was lernen wir: Die Party passiert immer in der Küche, Konzertkonversation auf dem Pott. Vor allem: Die erste Platte wird immer noch geliebt, deswegen sind viel hier, wie die späteren Reaktionen auch zeigen werden.

 

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Auf der Bühne wird derweil ein neues Backdrop mit dem ikonischen Cover von Burn My Eyes gehisst. Schön auch: Heute Abend gibt es sogar seitliche Vorhänge mit Logo, was in der ansonsten nüchternen Halle gewissermaßen eine optische Machine-Head-Welt schafft. Nicht schlecht.

Zeitreise

Und dann geht’s los: Real Eyes, Realize, Real Lies ertönt als Intro vom Band, gleich darauf das mächtige Davidian, der größte Hit im Katalog unserer Helden. Die spielen die Scheibe also womöglich wirklich von vorne nach hinten! (Nicht wie Metallica, die die Reihenfolge des Black Albums 2012 einfach umgedreht hatten, damit die dicken Dinger wie Enter Sandman am Ende stehen). Natürlich knallt Davidian der Song wie nix Gutes, natürlich feiern die Headbanger.

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Posted by Machine Head on Tuesday, October 8, 2019

Es folgen erwartungsgemäß Old, A Thousand Lies und None But My Own, allesamt endfett groovend und gerade vielleicht wegen ihrer relativen Einfachheit effektiver als manche neue Nummer. Flynn und MacEachern legen auch bei ihrer zweiten Schicht noch ordentlich Energie an Tag, Logan Mader und Chris Kontos ballern frisch und ohne Tadel. Eingerostet wirkt hier niemand. In diesem Teil des Sets darf dann auch der Pyrotechniker ran, unzählige Flammensäulen schießen in die Luft. Kennen wir alle, wirkt immer. 

Gute Laune, Doublebass

Vor The Rage To Overcome gibt Kontos ein kleines Drumsolo, dann kommen Death Church und A Nation On Fire, die allerdings weniger einschlagen. Nicht alle Songs können Hits sein. Dafür funktioniert die Hardcore-Breitseite von Blood For Blood bestens. Die Musiker sind bestens gelaunt, Kontos grinst viel, und Bodybuilder Mader wirft sein Shirt von sich. 

 

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Nach I’m Your God Now amüsieren sich der Drummer und der Frontmann ein bisschen: Kontos spielt das Intro zu Metallicas …And Justice For All, Flynn versucht mitzuspielen. Klappt so mittel, also ballert er das Riff zu Blackened raus, los geht der nächste Jam. Anschließend werden wir erinnert, dass Machine Head vor 25 Jahren zum ersten Mal nach Europa kamen als Vorgruppe der „mächtigen, mächtigen Slayer“. Also gibt’s jetzt noch ein bisschen South Of Heaven. Geht ja immer, alle freuen sich, schöne Sache.

Das Stinkegesicht

Ob wir noch einen Song wollen? Klar. Es fehlt ja noch einer: Block a.k.a. „Fuck it all“. Also ein letztes Mal volles Pfund voraus, mit allem was dazugehört: Dicke Dropped-Tuning-Riffs, quietschende Obertöne, Gebrüll und Groove. Und ob der funktioniert, sieht man bekanntermaßen immer dann am besten, wenn man dazu ein Gesicht machen muss, als würde es stinken. Und Stinkegesichter gibt’s es heute einige in Bochum. Machine Head stehen dann noch lange auf der Bühne, alle sechs, und verteilen Plektren und Drumsticks. Es fällt auf, dass vor allem Chris Kontos richtig viel Applaus erhält.

Posted by Machine Head on Monday, October 7, 2019


Mittlerweile ist es nach 23 Uhr, und wir sind alle müde. Bei aller Liebe, bei aller Kompetenz, bei allen tollen Songs: Drei Stunden von der gleichen Band ist eine Menge Holz, einen Spannungsbogen zu schaffen, keine leichte Aufgabe. Deshalb hatte der Abend durchaus seine Längen. Aber grundsätzlich muss man sagen:

Machine Head haben abgeliefert. Und wir dürfen gespannt sein, wie und mit welcher Mannschaft Robb Flynn weitermacht.

SETLIST:

Imperium
Take My Scars
Now We Die
Beautiful Mourning
Bulldozer
Bite The Bullet
Locust
This Is The End
I Am Hell (Sonata In C#)
Aesthetics Of Hate
Guitar Solo Vogg
Darkness Within
Catharsis
From This Day
Ten Ton Hammer
Is There Anybody Out There?
Halo

Davidian
Old
A Thousand Lies
None But My Own
Drum Solo
The Rage To Overcome
Death Church
A Nation On Fire
Blood For Blood
I’m Your God Now
Jam
Block

Metallica mit Orchester: S&M2 im Kino

Popkultur

Brennende Betten, brennender Tommy und ein verhedderter Fallschirm: 5 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Tommy Lee stammen können

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Tommy Lee
Foto: Emma McIntyre/Getty Images for SiriusXM

Nur fünf Anekdoten aus dem Leben von Tommy Lee? Es gäbe wahrscheinlich mindestens 5.000 zu erzählen. Diese finden wir besonders unterhaltsam, tragisch oder schockierend.

Hier könnt ihr euch Andro von Tommy Lee anhören:

1. Als er auf der Girls, Girls, Girls-Tour einen Drogendealer hinter sich herfahren ließ.

Über die Drogeneskapaden von Mötley Crüe wurde schon so viel geschrieben, dass es nahezu unmöglich ist, noch eine neue Geschichte aufzustöbern. Wir haben uns deshalb für eine der unterhaltsamsten entschieden. „Die Girls, Girls, Girls-Tour von 1987 gehört zu den geilsten Erlebnissen meines Lebens“, erzählt Schlagzeuger Tommy Lee im Interview mit dem britischen Guardian. „Zumindest glaube ich das, denn ich erinnere mich an nichts, außer an jede Menge verschwommenen Wahnsinn. Wir hatten einen mächtig großen Jet, endlos viel Kohle und konnten machen, was immer wir wollten.“

Spätestens seit der Mötley-Crüe-Bandbiografie The Dirt wissen wir alle: Egal, welche Ausschweifungen man sich so ausmalt … Tommy Lee und Co. setzen immer noch einen drauf. „Eine Zeit lang hatten wir sogar unseren eigenen Drogendealer, der in einem Luxus-Oldtimer hinter unserem Tourbus hergefahren ist“, berichtet Lee weiter. „Auf seinem Kennzeichen stand: DEALER. Wann immer wir aus dem Bus ausgestiegen sind, ist er mit seiner diamantbesetzten Rolex, seinen Goldketten und ein paar Bitches in jedem Arm aufgetaucht und hat der Band und der Crew ganze Bündel voller Koks zugeworfen. Er war der pimphafteste Dealer aller Zeiten und hatte immer seinen Partyhut auf.“ Doch die Plattenfirma von Mötley Crüe bekommt kalte Füße. Schließlich könnte die Polizei bei einem auffällig gekleideten Drogendealer in einem Luxusauto mit dem Kennzeichen „DEALER“ stutzig werden. Die Band muss sich von ihrem hauseigenen Rauschmittelhändler verabschieden. In Versorgungsnot geraten die Musiker während der Tour aber wohl trotzdem nicht.

2. Als er mit einer Leuchtfackel in einem Hotelzimmer herumspielte und das Bett in Brand steckte.

In den Siebzigern und Achtzigern gehört das Zerstören von Hotelzimmern für viele Rockstars schlicht und ergreifend dazu. Das gilt (natürlich) auch für Mötley Crüe. Als die Band 1986 durch die Schweiz tourt, nimmt sie ihren Auftrag durchaus ernst. Nicht nur, dass Schlagzeuger Tommy Lee und Frontmann Vince Neil in ihrem Hotelzimmer ein paar Leuchtfackeln anzünden. Nein, das Duo Infernale steckt damit auch gleich das Bett in Brand. Als wäre das nicht genug, zerstört die Band im gleichen Hotel auch noch die Glasfenster der Aufzüge.

3. Als sich sein Fallschirm beinahe nicht geöffnet hätte.

Sein Leben hat Tommy Lee im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufs Spiel gesetzt. Doch mit einem Vorkommnis hat er wohl selbst nicht gerechnet. So verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine die gefährlichste Situation, in der er sich je befand: „Das ist etwas, was du nicht hören willst, wenn du gerade einen Fallschirmsprung machst“, steigt er in die Erzählung ein. „Ich mache gerade einen Tandemsprung, bin an einen Lehrer geschnallt, er ist mit dem Fallschirm auf meinem Rücken und höre: ‚Oh, fuck!‘ Ich schaue nach oben und der Fallschirm hat sich verheddert. Er zerrt daran und kämpft mit den Seilen und ich denke: ‚Das war’s, ich bin am Arsch, es ist vorbei.‘ Aber dann hatte ich eine spirituelle Erfahrung und dachte: ‚Ich kann nichts tun. Ich werde den freien Fall einfach genießen, bis ich auf dem Boden aufschlage.’ Als ich gerade losgelassen hatte, ging der Fallschirm auf einmal auf. Nicht cool.“

4. Als er sich in Wyoming an der Pyrotechnik verbrannte.

Am 12. Oktober 2005 spielen Mötley Crüe im Casper Events Center (heute: Ford Wyoming Center) — und dabei geht einiges schief. Laut Ultimate Classic Rock habe sich Tommy Lee an jenem Abend an einem Seil zwischen verschiedenen Drumsets hin und her geschwungen, wobei er in einen Funkenregen geraten sei. Dabei habe er „oberflächliche Verbrennungen and seinen Armen und im Gesicht erlitten“ und versucht, die Show noch zu Ende zu bringen. Doch man habe auf Nummer sicher gehen wollen, wie Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil im Interview mit People verrät: „Er sah nicht gut aus, als die Sanitäter ihn hinter der Bühne behandelt haben, also haben wir uns dazu entschieden, ihn ins Krankenhaus zu schicken.“ Zum Glück sehen die Verbrennungen schlimmer aus als sie sind: Schon zwei Tage später sitzt Lee in Bismarck (North Dakota) wieder am Schlagzeug.

5. Als er ein Dickpic in den sozialen Medien postete.

Als hätte nicht sowieso schon ein ungleich großer Teil der Weltbevölkerung Tommy Lees Penis gesehen, musste der Schlagzeuger am 11. August 2022 noch einen draufsetzen — und postete in den Social Media ein Foto von seinem Gemächt. „Vor einigen Wochen hatten wir eine etwa zweiwöchige Tourpause“, erklärt der Trommler das Dickpic später im Rahmen eines Konzerts. „Und ich habe mich abgeschossen, Alter. Mich volllaufen lassen. Ich war so voll, dass ich mich ausgezogen und Bilder von meinem Schwanz gepostet habe. Dabei bin ich eigentlich ein Mann der Brüste. Ich sehe gerne Brüste. Aber ich dachte: Das ist die Nacht der gleichen Möglichkeiten. Ich wollte in dieser Nacht jedermanns Ding sehen. Komm schon, hol deinen Schwengel raus!“ Ah ja … Bei Facebook und Instagram wurde das Foto schon längst wieder gelöscht. Bei Twitter kann man sich Lees gesamte Herrlichkeit noch immer anschauen. Haben wir gehört.

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5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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Für alle Insider*innen, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger*innen: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch fünf Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler*in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jede*r Autor*in jemals könnte.

In dieser Woche dreht sich alles um den 3. Oktober 1990, jenen Tag, an dem aus West und Ost wieder ein gemeinsames Deutschland wurde. Knapp ein Jahr zuvor, am 9. November 1989, war die innerdeutsche Mauer gefallen. Ein Ereignis, das auch in der Musik stattfand. Wir liefern fünf Wahrheiten über den Sound der deutschen Einheit.

1. Pink Floyd und die wahrgewordene Utopie

Noch im Juli meinte Roger Waters von Pink Floyd, dass es nur einen einzigen Anlass geben würde, aus dem er das bandeigene Riesenspektakel The Wall noch einmal inszenieren würde – und zwar den Fall der Berliner Mauer. Waters sah dieses Ereignis in so weiter Ferne, dass er sogar in Erwägung zog, dafür seinen Ex-Bandkollegen David Gilmour mit auf die Bühne zu holen. Knapp vier Monate später fiel die Mauer tatsächlich und im Juli 1990 wurde Waters Gedankenspiel Realität: The Wall wurde am Potsdamer Platz noch einmal aufgeführt – zwar ohne David Gilmour, aber dafür mit vielen Auftritten anderer Stars.

2. Der Boss in Ostberlin

Auftritte von westlichen Künstler*innen in der DDR waren rar gesät. 1988 etwa trat Bruce Springsteen in Ostberlin auf. Weil der SED-Zentralrat das Konzert als gute Möglichkeit der massenpolitischen Arbeit der FDJ ansah, wurde Bruce Springsteen eine Auftrittsgenehmigung für die DDR erteilt. Rund 200.000 Bewunder*innen des Bosses kamen zur Radrennbahn Weißensee, wo Springsteen seinem Wunsch Ausdruck verlieh, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden sollen. Der Satz wurde aus der Übertragung des Konzertes geschnitten – änderte aber nichts daran, dass sein Wunsch gut anderthalb Jahre später Wirklichkeit wurde.

3. Das David-Hasselhoff-Gate

Auch gut 30 Jahre nach dem Mauerfall hält sich das Gerücht wacker, David Haselhoff sei mitverantwortlich für dieses geschichtliche Großereignis, da er wenige Wochen nach der Maueröffnung dort seinen Hit Looking for Freedom sang und sich Menschen aus West- und Ostdeutschland dazu in den Armen lagen. Aber: weit gefehlt. „Ich hatte nie etwas damit zu tun und habe das auch nie gesagt. Niemals“, äußerte sich der Baywatch-Star unlängst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

4. Das Eigenleben von Freiheit

Wer an Musik und Mauerfall denkt, hat sicherlich auch Freiheit von Marius Müller-Westernhagen im Sinn. Aber: Nicht nur, dass MMW den Song schon drei Jahre vor dem Mauerfall schrieb, nein, er hatte den Fall der Mauer nicht Mal im Sinn. Die Live-Version von Freiheit entwickelte vor dem Hintergrund des Mauerfalls allerdings ein Eigenleben und wurde zur Hymne des Herbstes. „Freiheit zeigt, dass künstlerische Produkte ein Eigenleben annehmen können. Wenn es in diesem Fall dazu gedient hat, dass der Song Menschen Kraft und Hoffnung gegeben hat, ist das ein glücklicher Umstand, der mich natürlich sehr freut“, sagte Marius Müller-Westernhagen gegenüber der TZ.

5. Wind Of Change ist ein rechtlich geschützter Begriff

Klar, Wind Of Change gilt unangefochten als die Hyme der Wende schlechthin. „Mein Gedanke war: Die ganze Welt in einem Boot und alle sprechen eine Sprache – Musik. Im September entstand Wind Of Change in Deutschland und im November fiel die Berliner Mauer. Der Song drückte ein Gefühl der Hoffnung aus, dass wir alle in der Zukunft in einer friedlicheren Welt leben können“, erklärte Klaus Meine mal gegenüber dem Fernsehsender VOX. Der Song machte die Scorpions binnen kürzester Zeit zu Weltstars. Nur logisch, dass Klaus Meine und Rudolf Schenker seitdem Inhaber der Wortmarke Wind Of Change sind.

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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Popkultur

10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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Foto: Sean Gallup/Getty Images

Am 3. Oktober 1990 war es offiziell: West- und Ost-Deutschland gehören wieder zusammen, die Berliner Mauer fiel schon ein Jahr vorher, der Eiserne Vorhang begann sich nach und nach zu lüften. Wir schauen zurück auf dieses historische Ereignis mit Songs, die damals und in der folgenden Zeit zum Soundtrack des wiedervereinigten Deutschlands wurden.

1. Scorpions – Wind Of Change

Los geht’s mit offensichtlichsten Song: Die sogenannte „Hymne der Wende“ ist auf jeden Fall der kitschigste, aber auch emotionalste und bekannteste Klassiker, den Mauerfall und Wiedervereinigung im Nachhinein hervorgebracht haben. Ein Jahr nach der Maueröffnung und kurz nach dem Zusammenschluss von BRD und DDR war Wind Of Change mit seinem Plädoyer für das Ende der Ost-West-Trennung die perfekte musikalische Untermalung für das, was gerade vor sich ging. So schreibt man Geschichte mit.

2. Westernhagen – Freiheit

Auch wenn dieser Song schon ein paar Jahre vorher veröffentlicht wurde, ist er ganz fest mit der deutschen Einheit verknüpft. Natürlich wegen des programmatischen Titels. Aber auch weil Westernhagen einer der vielen Künstler*innen war, die beim „Konzert für Berlin“ in der Deutschlandhalle auftraten, ein paar Tage nach dem Fall der Mauer. Dass Freiheit in diesem Setting eine extrem emotionale Rolle zukam, versteht sich von selbst.

3. Udo Lindenberg – Horizont

Allerallerspätestens mit dem Musical Hinterm Horizont ist Udo Lindenberg zu einer Galionsfigur für das geteilte Berlin und die Menschen geworden, die trotz aller gemauerten Widerstände zusammen sein wollten. Horizont ist die Liebesballade, die im Zentrum des Musicals steht. Und obwohl Sonderzug nach Pankow die politisch stärkere Hymne ist, berührt einen Horizont doch ein wenig mehr.

4. Die Prinzen – Millionär

Mauer weg, Invasion der Ossis. Für viele Westdeutsche (und natürlich auch ehemalige DDR-Bürger*innen) war die Wiedervereinigung eine mindestens zweischneidige Sache. Auch musikalisch war das Land jetzt vereint, und Die Prinzen wurden zu den ersten neuen gesamtdeutschen Popstars. Millionär war ihr erster putziger Hit.

5. WestBam / Dr. Motte – Sunshine

Techno und House gelten als inoffizieller Soundtrack der Wende – zumindest in Berlin. Mauerfall und Wiedervereinigung fielen eher zufällig mit dem Aufkommen der neuen Jugendkultur zusammen, aber es hätte nicht besser passen können: Auf großen Raves, in neuen Clubs und Events wie der Loveparade feierte Berlin seine neue Zusammengehörigkeit, mit einer Musik, die sich nicht um Ost oder West schert. Dr. Motte und Westbam waren zwei der damaligen Protagonisten, die regelmäßig neue Hymnen für die „ravende Gesellschaft“ produzierte.

6. Tocotronic – Aber hier leben, nein danke

Das neue Deutschland, genau so wie die zwei alten, war für viele nicht unbedingt etwas, mit dem man sich identifizieren konnte oder wollte. Egal, welche politische Meinung man hier hat – besonders die Deutschland-Kritiker*innen aus dem linken Spektrum haben ihre Vorbehalte immer in tolle Musik verpackt. So wie Tocotronic hier. Zwar ist der Titel ziemlich eindeutig, der Text allerdings sehr kryptisch und der Song unglaublich gut.

7. Slime – Deutschland

Andere waren da schon deutlicher: Dieser deutsche Punk-Klassiker stammt zwar aus den 80ern, ist aber bis heute ein Dauerbrenner. Vor allem wenn es darum geht, unserem Land auch mal die Meinung zu geigen. Das muss es schließlich aushalten.

8. Rocko Schamoni – Mauern

Und auch hier muss man ein bisschen ironische Skills mitbringen: Denn unser liebster Hamburger Lebenskünstler Rocko Schamoni empfiehlt bei zu viel sozialen Spannungen, einfach eine Mauer zu bauen. Kennt man ja. Aber ist natürlich auch nicht ganz so ernst gemeint. Die Satire-Partei Die Partei tut allerdings sehr überzeugend so, als würde sie ihre radikalen Forderungen ernst meinen – zum Beispiel, tatsächlich wieder eine Mauer in Deutschland zu errichten. Natürlich wurde Schamonis Song zur ihrer Wahlkampf-Hymne.

9. Pink Floyd – Another Brick In The Wall, Pt. 2

Auch dieser Rock-Klassiker handelt von einer Mauer, aber nur im übertragenen Sinne von der Berliner. Seit Pink Floyd 1988 aber ein Konzert direkt an der Mauer gespielt haben, ist der Song wie der gleich folgende untrennbar mit der Wiedervereinigung verknüpft.

10. David Hasselhoff – Looking For Freedom

Ein bisschen Spaß muss sein, ne? Denn in Expertenkreisen weiß man, dass es vor allem The Hoff war, die die Mauer zu Fall brachte. Looking For Freedom muss man heute schon mit sehr viel Augenzwinkern hören, doch damals war es ein Mega-Hit. Und wenn man sich die Begeisterung bei Hasselhoffs Mauer-Auftritt im Jahr 1989 ansieht, dann kann man schon verstehen, wieso The Hoff so von seiner historischen Leistung überzeugt ist.

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