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Popkultur

Polit-Pläne, Hip-Hop-Experimente und die Red Hot Chili Peppers: 7 Anekdoten aus Malcolm McLarens Leben

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Malcolm McLaren
Foto: Martyn Goodacre/Getty Images

Für viele gilt er als einer der Gründerväter und ästhetischen Architekten des Punk, für andere wiederum ist er sein kommerzieller Totengräber. Eines steht fest: Malcolm McLaren ist eine der interessantesten Figuren der Populärkultur. McLaren, der die Sex Pistols konzipierte und sowohl die Band als auch deren Narrativ managte, starb am 8. April 2010. Zum Gedenken an den Künstler, Modeschöpfer und Visionär erinnern wir uns an sieben Anekdoten aus seinem Leben.

 von Markus Brandstetter

Bereits vor dem Punk rebellierte er gegen Hippies.

McLaren trotzte nicht nur mit seinem maßgeblichen Anteil am Punk der Hippie-Bewegung: Zuvor hatte er sich schon, gemeinsam mit seiner Partnerin Vivienne Westwood, dem Stil der Teddy Boys verschrieben – einer britischen Jugendbewegung, die ihren Ursprung in den 1950er-Jahren hatte.  „Ich tat das als Revolte gegen die Hippies. Ich schneiderte mir einen blauen Anzug, versuchte, das Cover einer alten Elvis-Presley-Platte zu kopieren und ging die Kings Road runter und versuchte etwas aus meinem Leben zu machen“, erinnerte er sich im Interview mit dem US-amerikanischen Magazin Vice.

Malcolm McLaren

Foto: John Minihan/Evening Standard/Getty Images

Er versuchte, den New York Dolls seine Handschrift aufzudrücken.

Was McLaren später mit den Sex Pistols schaffen sollte, gelang ihm mit den New York Dolls nicht wirklich. Er konzipierte für die Band ein provokantes Image mit Hammer-und-Sichel-Symbol – und das zu Zeiten des Vietnamkriegs und für einen amerikanischen Markt. Aufgegangen ist dieser Plan nicht: Die Band löste sich auf, McLaren zog aus den USA zurück nach London.

Die Geschichte der Sex Pistols trug dann aber wirklich seine Handschrift.

Es war rockhistorisch gesehen die größte Leistung in seinem Leben: Malcolm McLaren war dafür verantwortlich, dass die Sex Pistols in ihrer ersten Besetzung zueinander fanden. Zur Kundschaft seines Geschäfts gehörten der Schlagzeuger Paul Cook und der Gitarrist Steve Jones, die damals noch gemeinsam mit dem Sänger und Gitarristen Wally Nightingale probten. McLaren riet den beiden eindringlich, Nightingale loszuwerden. Außerdem stellte er ihnen den Bassisten Glen Matlock vor – der zu jener Zeit McLarens Assistent war. Fehlte nur noch einer: Denn als Nightingale-Ersatz sprang schließlich ein weiterer Kunde des Ladens ein – ein gewisser John Lydon, aus dem bald schon Sex-Pistols-Frontmann Johnny Rotten wurde. Der Name Sex Pistols ist ebenfalls McLarens Vorschlag. Er war schließlich auch der Manager der Band – und ein Großteil der Sex-Pistols-Historie trug seine Handschrift.

Er kandidierte (fast) als Bürgermeister von London.

Ex-Oasis-Manager Alan McGee, der mit McLaren befreundet war, erinnerte sich gegenüber dem Guardian: „Eine meiner liebsten Malcolm-Stories ist, als ich ihn überzeugen konnte, als Bürgermeister von London zu kandidieren.“ Diesen Vorschlag habe McGee eigentlich „halb im Spaß“ gemacht. „Er hat mich am nächsten Tag angerufen und gesagt: ‘Okay, lass uns das machen’. Ich hatte meinen Deal mit Sony noch nicht beendet, also ging ich hin und bekam einen Scheck über 20.000 Pfund von ihnen. Sie fragten, warum wir diese Kampagne machen würden und ich erklärte ihnen, dass das ein Kunst-Statement sei, also haben sie es finanziert.“ Es sah laut McGee sogar ganz vielversprechend aus – allerdings überzeugte er seinen Freund schlussendlich, sich aus dem Rennen zu nehmen, um dem Kandidaten Ken Livingstone (dem ersten direkt gewählten Bürgermeister Londons) keine Stimmen wegzunehmen.

Er wollte die Red Hot Chili Peppers umkrempeln.

1985 hatte McLaren kurzzeitig Interesse daran, das Management der Red Hot Chili Peppers zu übernehmen. So ganz dürfte ihn ein Liveset der Band dann aber doch nicht überzeugt haben – denn Anthony Kiedis erinnert sich, dass McLaren „deutlich unbeeindruckt“ gewesen sei. McLarens Vorschlag: Die Band solle sich völlig neu erfinden, sich in Neon-Klamotten kleiden und extrem reduzierten Rock’n’Roll spielen – mit Kiedis im alleinigen Scheinwerferlicht. Die Band verneinte höflich: „Es war so, als hätte der Zauberer von Oz mit uns gesprochen, und was er sagte, war einfach zu grotesk, um es ernst zu nehmen.“

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Er kämpfte mit John Lydon vor Gericht.

Malcolm McLaren behielt lange Zeit die Vertragsrechte der Sex Pistols – sehr zum Missfallen von Lydon. Der zerrte seinen Ex-Manager in den 1980er-Jahren vor Gericht – und gewann. McLaren musste die Rechte abgegeben und ausstehende Zahlungen leisten. Zwischen Lydon und McLaren herrschte lange Animosität und Funkstille. Allerdings fand Lydon bei McLarens Tod 2010 versöhnliche Worte:  „Für mich war Malc immer unterhaltsam, und ich hoffe, Sie erinnern sich daran. Zu allererst war er ein Entertainer, ich werde ihn vermissen und das sollten Sie auch tun.“

Er war Hip-Hop-Pionier.

 1983 veröffentlichte McLaren das Album Duck Rock, für das er unter anderem mit New Yorker Hip-Hop-DJs zusammenarbeitete. Duck Rock war ein bunter stilistischer Mix – ein wesentlicher Bestandteil war neben World Music auch Scratching und Hip-Hop – damit leistete McLaren Pionierarbeit für das noch junge Genre.

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