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Popkultur

„The Metallica Blacklist“: Elton John, Dave Gahan & mehr sprechen über ihre Metallica-Cover

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The Metallica Blacklist Cover

Zum 30-jährigen Jubiläum des Schwarzen Albums covern über 50 Künstler*innen der verschiedensten Genres und Generationen die Metallica-Klassiker dieses Releases – darunter auch Legenden wie Dave Gahan und Elton John, Rock-Schwergewichte wie Volbeat und Pop-Sensationen wie St. Vincent und Sam Fender. Hier erzählen sie von ihrer Verbindung zu Metallica und einem der ikonischsten Metal-Alben der Geschichte.


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Was ist die schönste Erinnerung, die du mit Metallica verbindest? Ist es ein Konzertbesuch, der erste Kontakt mit ihrer Musik – oder das Covern bzw. Interpretieren ihrer Songs?

Michael Poulsen (Volbeat): Nun, das sind ehrlich gesagt ganz schön viele Erinnerungen, schließlich waren wir ziemlich häufig mit Metallica auf Tour, und dafür bin ich ihnen bis heute sehr dankbar. Das war jedes Mal großartig, und dementsprechend viele tolle Erinnerungen habe ich. Wenn ich aber eine davon auswählen müsste, dann würde ich wohl den Madison Square Garden nehmen, weil das echt etwas ganz Besonderes war. Was für ein legendärer, ikonischer Ort: Madison Square Garden! Ich bin ein riesiger Fan von Boxkämpfen, und zusammen mit meinem Vater habe ich mir all die Aufzeichnungen der großen Kämpfe angeschaut. Wir sahen Muhammad Ali und Tyson, sahen Kämpfe von Larry Holmes, Evander Holyfield und Lennox Lewis. All die ganz, ganz Großen waren schon da, auch Elvis Presley und Johnny Cash. Ja, und plötzlich stand ich da also auch – auf dieser Bühne im Madison Square Garden. Und dann auch noch zusammen mit der größten Heavy-Rockband aller Zeiten – Metallica. Das ist schon eine ganz besondere Erinnerung.

„Viele Erinnerungen und Anekdoten aus den letzten 40 Jahren“

Dave Gahan: Ja, die gibt’s, und ehrlich gesagt sind das viele Erinnerungen und Anekdoten aus den letzten 40 Jahren, in denen wir uns irgendwo begegnet sind, sich unsere Pfade gekreuzt haben – einfach, weil wir im selben Hotel untergebracht waren oder am Ende des Abends in derselben Bar gelandet sind. Da kamen immer mal wieder unterschiedliche Mitglieder meiner Band mit den Jungs von Metallica zusammen. Aber wir waren mal bei diesem Festival, ich kann nicht mal mehr sagen, wo genau das war, ist auf jeden Fall ein paar Jahre her. Den einen Abend waren Metallica die Headliner, den anderen waren wir Headliner, und dann standen darunter noch unzählige andere Bands auf dem Plakat. Wir hatten echt viel Spaß da im Backstage-Bereich, haben richtig abgehangen. Eigentlich ist das ja so ein Ort, wo man am wenigsten damit rechnet, dass man sich da mit anderen Künstler*innen anfreundet. Denn eigentlich haben wir doch alle dasselbe Ziel mit unserer Musik: Wir wollen an diesen Punkt kommen, dort oben diesen einzigartigen Moment kreieren, wo du spürst, dass du etwas im Studio Erschaffenes auf die Bühne übertragen hast – und da nun plötzlich die Fans live dabei zuhören, entsteht etwas ganz Besonderes. Es gibt ja so viele Festivals, und man hört in dem Rahmen auch immer wieder andere Leute. In diesem Fall war es toll, bei einem Festival zu sein und im Hintergrund die ersten Töne von Enter Sandman zu hören: So ein ikonisches Riff, das aus dieser riesigen PA-Anlage dröhnt! Ja, ich würde also sagen: Wahrscheinlich im Backstage-Bereich, wie ich ihre Musik von der Garderobe aus mitverfolge, weil wir auf derselben Bühne auftreten.

Elton John: Als ich ihnen zum ersten Mal begegnet bin, haben wir so eine Sache für die Billboard Awards gemacht. Ich traf also James Hetfield, was ich extrem aufregend fand – persönlich einen der Jungs von Metallica zu treffen! Ich liebe all ihre Alben. Derartige Erinnerungen sind durch ihre Songs für immer Teil meines Lebens… aber James zum ersten Mal zu begegnen, das war wirklich unglaublich beeindruckend.

St. Vincent: Ich weiß noch, wie ich ihren Sound zum ersten Mal gehört habe. Und schon bevor diese Kiste mit CDs wie durch ein Wunder in unserem Vorgarten aufgetaucht ist, hab ich bis zum Abwinken MTV geschaut, und ich weiß noch, wie ich das Video zu Enter Sandman gesehen hab. Einfach immer und immer wieder, es lief wohl bei 120 Minutes oder wie das hieß. Und bei mir löste das einfach mal richtige Angstzustände aus! Ja und heute, oh Mann, heute liebe ich dieses Gefühl, Musik zu hören, die es wirklich schafft, einen derart in Angst und Schrecken zu versetzen. Nur weckt sie zwar einerseits diese Angst, aber zugleich denkt man auch: ‘Hmm, darüber möchte ich doch eigentlich gerne noch etwas mehr erfahren.’ Man weiß nicht so genau, weshalb, aber man spürt ganz klar diese eigentümliche Anziehungskraft.

„Ich muss Metalhead werden!“

Sam Fender: Ich glaube, meine schönste Metallica-Erinnerung stammt aus meiner High-School-Zeit. Mit elf Jahren war ich eher so der Typ Schweinchen Dick, echt kein bisschen cool, aber immerhin lernte ich damals Gitarre. Es gab da diesen älteren Jungen, er hieß Sam Rowland, glaube ich, der hatte so eine lange Lockenmähne und eine extrem hübsche Freundin. Ich sagte mir: Wow, eines Tages, wenn ich erst ein richtig guter Gitarrist bin, dann werde ich wie er – und vielleicht habe ich dann auch eine Freundin. Vielleicht muss ich dann nicht für den Rest meiner Tage der absolute Verlierer sein. In derart schmalen Bahnen bewegen sich nun mal die Gedanken eines Elfährigen, der obendrein auch noch ein bisschen dicklich ist. Ich lief von der Schule nach Hause und konnte ihn aus der Ferne erkennen: Er ging die Straße runter – und hatte seine Gitarre dabei. Das war eine Flying V oder etwas Ähnliches, und er lief damit einfach so die Straße runter, ohne Gitarrenkoffer. Ich sagte mir nur: Scheiße, der Typ ist eine Legende! Und dann noch diese langen Locken dazu! Er sah aus wie jemand, der bei Metallica mitspielt, und ich bin ihm dann einfach gefolgt, immer schön auf meinem Roller hinter ihm her, bis zu einer Kirche. Ich sah also, dass er in diese Kirche ging, die bei mir gleich um die Ecke war, und von drinnen hörte man einfach nur [imitiert ultralaute Heavy-Metal-Schlagzeugsounds]. Ich dachte nur: Was zur Hölle ist das bitte?! Ich rollerte also zum hinteren Fenster, ging schließlich rein, und da waren sie: Ballerten die härtesten Metallica-Songs raus – und ich weiß noch wie ich dachte: ‘Wow, so muss man also abgehen, wenn man richtig hart rüberkommen will.’ Na ja, also ging ich nach Hause und brachte mir erst mal die Chugging-Spieltechnik bei. Das ist wahrscheinlich meine früheste Metallica-Erinnerung. Ich kann nicht mal mehr sagen, was sie da genau gemacht oder gespielt haben, vielleicht war’s etwas von Master of Puppets oder so… aber jedenfalls sagte ich mir: ‘Yeah, das will ich auch machen.’ Er beherrschte auch so krasse Solos, so Picking-Sachen, und ich wusste ab da: ‘Heilige Scheiße, so krass abrocken will ich irgendwann auch!’ Und dazu vielleicht noch ein bisschen abnehmen und nicht mehr so ein kleines Schweinchen Dick sein! Ich muss Metalhead werden! Tja, und heute sehen wir ja, was daraus geworden ist – ich mache softe Indie-Mucke.

Warum habt ihr gerade diesen Song von Metallica ausgewählt und aufgenommen?

Michael Poulsen (Volbeat): Nun ja, wir waren so oder so gerade im Studio, und dann kam plötzlich die Anfrage von Q Prime und Metallica rein, was echt eine riesengroße Ehre für uns ist. Und dann haben wir uns eigentlich nur darauf geeinigt, dass wir keinen der großen Hits von diesem Album angehen wollten – was echt verdammt schwierig ist, denn irgendwie sind das ja alles Hits. Aber zu hören, wie wir einen der ganz großen Hits interpretieren, war für uns uninteressant, also haben wir ein Stück von diesem Album ausgewählt, das man sonst etwas weniger häufig zu hören bekommt. Am wichtigsten war dabei, einen Song auszuwählen, den wir in einen Volbeat-Song verwandeln konnten, und Tread On Me hatte genau die passende Energie dafür. Da war dieser Schwung, den ich sehr gut in den Schwung von Volbeat übersetzen konnte – und es ist auch wirklich großartig geworden.

„Unsere Version sollte sich filmischer und großformatiger anfühlen als Metallicas Original“

Dave Gahan: Es ging um die Idee, dass ich einen Song auswählen und ihn dann für ein Album aufnehmen sollte, das Teil der Jubiläums-Edition von Metallicas Black Album sein würde, was ja auch schon vor 30 Jahren entstanden ist, wie ich überrascht feststellen musste. Tja, wir alle sind halt schon eine ganze Weile dabei. Also befasste ich mich wieder intensiv mit diesem Album, das ich natürlich kannte; ich hab’s damals gehört, als es gerade rauskam. Wie auch davor schon, war es wieder der Song Nothing Else Matters, der für mich sofort herausstach. Danach bestand die eigentliche Herausforderung gar nicht mal darin, diesen Song oder die Aufnahme irgendwie zu verbessern, sondern eine Antwort auf die Frage zu finden, was zu diesem Stück passt – und einfach anders klingt. Das war also die Aufgabe. Gewählt habe ich diesen Song, weil ich darin so ein Gefühl der Einsamkeit und so eine Intimität entdeckt habe, nur ist es das Gefühl eines Menschen, der in Wirklichkeit von einem ganzen Raum voller Menschen umgeben ist. Allerdings ist da eben trotzdem diese Einsamkeit. Das hörte ich raus aus dem Song, und damit konnte ich mich richtig gut identifizieren… besonders mitten in der Pandemie, wo wir alle zu Hause im Lockdown saßen. Ich hatte das Glück, dass ich in New York mein eigenes kleines Studio nutzen konnte. Da Kurt Uenala, ein guter Freund von mir, mit dem ich sonst immer arbeite, gerade nicht da war, sprang dessen Freund Adrian ein, und wir trafen uns mit Maske im Studio: Er schickte mich in die Kabine und machte die Aufnahme. Der Rest des Songs entstand daraufhin genau genommen in Island, wo Kurt zusammen mit ein paar anderen Musikerinnen und Musikern lebt, in Reykjavik. Sie kreierten dort so eine Stimmung, an der wir dann hier in New York weiter feilten, aber die Nummer war damit immer noch nicht fertig. Wir hatten jetzt die Richtung definiert, denn unsere Version sollte sich filmischer und großformatiger anfühlen als Metallicas Original auf dem Black Album. Also arbeiteten wir weiter daran, schickten uns die Sachen hin und her, bis wir schließlich bei exakt derjenigen Version ankamen, die uns vorschwebte. Und ja, ich finde, diese Version klingt wirklich ganz anders, und ich fühle mich sehr geehrt, dass ich überhaupt gefragt wurde – ein wirklich tolles Kompliment ist das. Also, ich hoffe, mein Song gefällt euch!

Elton John: Ich wurde von Andrew Watt, dem Produzenten des Tracks, gefragt, ob ich dafür das Klavier einspielen könnte. Die Originalversion von Nothing Else Matters beginnt ja mit einer Gitarre, und er hatte nun folgende Vision: ‘Ein Klavier ganz allein, damit würde ich gerne anfangen, und am Schluss beenden wir den Song wieder mit dem Klavier, wieder ohne Beiwerk.’ Also war ich dabei und machte von London aus mit, über Zoom. Ich hatte sehr viel Spaß dabei, weil ich diesen Song schon immer geliebt habe, allein der Gesang und das alles, und dann dieser Track, wer da alles mitgewirkt hat! Ich habe meinen Part als Vorletzter beigesteuert, und als ich meinen Teil dann fertig hatte und das alles so wunderbar funktionierte, fragte er auch noch Yo-Yo Ma, um das Solo im Mittelteil und den Schluss gemeinsam mit mir aufzunehmen. Ja, er lag damit goldrichtig; seine Vision war unglaublich, wenn man bedenkt, wie unfassbar gut das alles zusammen funktioniert.

„Ein zähes, fleischiges Stampfen im Sumpf“

St. Vincent: Ich habe Sad But True aufgenommen, weil der Song einfach schon immer zu meinen absoluten Lieblingsstücken von Metallica zählt. Das Tempo dieses Songs: Es fühlt sich an wie ein zähes, fleischiges Stampfen im Sumpf.

Sam Fender: Ich habe Sad But True aufgenommen, weil ich einfach wusste, dass ich ihn auf gar keinen Fall mit einer Band nachspielen oder überhaupt in irgendeiner Form versuchen konnte, ihn wie Metallica klingen zu lassen – denn das hätte einfach mal richtig Scheiße geklungen. Andererseits wusste ich, dass man einen großartigen Song komplett verändern und ihn auf ganz andere Art spielen kann – und es wird immer noch ein großartiger Song sein. Obwohl ich ja eigentlich kein Klavierspezialist bin, habe ich mich dann fürs Piano entschieden und darauf eine Akkordfolge herausgearbeitet. Und es stimmt: Es ist immer noch ein verdammt großartiger Song, selbst wenn man ihn am Klavier spielt und ihn in eine ziemlich schräge Ballade verwandelt. Für mich war das eine echt magische Erfahrung, und der Auslöser war wohl, dass dieser Song eines meiner absoluten Lieblingsriffs vom ganzen Album enthält. Auch wenn ich es hinterher gar nicht nachgespielt habe, gab’s zwischendurch schon eine Version, in der nach dem Schluss noch dieses [singt das zentrale Gitarrenriff] kam. Ist dann zwar rausgeflogen, aber ursprünglich war das für mich das Riff, ich liebe es schon seit Ewigkeiten – und deshalb ist meine Wahl wohl auch auf diesen Song gefallen. Nur dann habe ich das Stück eben doch noch mal komplett umgebaut.

Welche Bedeutung hat Metallicas Black Album für dich?

Michael Poulsen (Volbeat): Also, das ist mal ein historisches Werk, ein wirklich extrem wichtiges Album, finde ich. Im Bereich Heavy Metal hat es Geschichte geschrieben, und im Rockbereich genauso. Und nun hat es sich schon so lange immer wieder als Klassiker bewährt – und wird das auch bis in alle Ewigkeit tun. Dass wir an so einem Albumprojekt wie diesem mitmachen können, ist wirklich eine riesige Ehre. Es bedeutet uns extrem viel, und wir sind sehr stolz, an einem derartigen Projekt mitwirken zu dürfen.

„Sie wollten eine Platte machen, die größer und besser als alles Bisherige war“

Dave Gahan: Nun, dieses Album ist vor 30 Jahren erschienen, was ungefähr jene Zeit ist, in der unsere Band Depeche Mode auch richtig durchstartete. Ich glaube, wir haben in jenen Tagen unser Album Songs of Faith and Devotion veröffentlicht. Das war eine Phase, in der wir gerade die Spitze erobert und wirklich ganz, ganz oben angekommen waren. Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem wir schon viel mehr erreicht hatten, als wir je erträumt hätten. Ich denke mal, dass Metallica an einem ähnlichen Punkt standen: Auch sie wollten eine Platte machen, die größer und besser als alles Bisherige war. Die einfach anders war. Die den ganzen Herausforderungen gerecht wird, denen man sich immer wieder selbst stellt – weil man schließlich weiß, dass man noch einen Schritt weitergehen und alles geben muss, um etwas zu kreieren. Gewiss hat man seine Einflüsse, die man immer in sich trägt, aber zugleich versucht man eben auch Neuland zu entdecken. Dieses Album war riesig, als es in jenen Tagen herauskam. Ich glaube, sie waren endlos lang damit auf Tour, ganz ähnlich wie wir mit Songs of Faith and Devotion auch. Und wahrscheinlich haben sich unsere Pfade damals ganz häufig gekreuzt, nur haben wir eben jeweils unser eigenes Ding gemacht. In den Jahren danach gab’s ja auch noch Begegnungen, und zum Glück haben wir uns da auch häufiger mal hallo gesagt und ein wenig Zeit miteinander verbracht. Das war echt supernett. Ich habe wahnsinnig viel Respekt für Metallica, denn es gehört wirklich eine ganze Menge dazu, so eine Band über einen dermaßen langen Zeitraum zusammenzuhalten. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn man das nämlich durchhält, ist man immer wieder überrascht darüber, was da um einen herum so alles passiert – zumindest, wenn man es schafft, sich lange genug bedeckt zu halten, einfach Teil einer Sache zu sein, anstatt immer diesem Gefühl nachzujagen, unbedingt der Anführer oder ‘Frontmann’ oder so sein zu müssen. Ich bin mir sicher, dass James genau versteht, was ich damit sagen will. Aber ja, das Black Album war für mich ganz klar der Punkt, an dem Metallica ihren großen Moment erreicht hatten. Sie haben da also ihr größtes Album abgeliefert, aber was macht man dann als nächstes? Weißt du, sie sind immer noch da, machen immer noch Alben, sind immer noch auf Tour, und ich bin mir sicher, dass viele Songs von diesem Album Teil ihres Kernrepertoires sind, das sie bei ihren Konzerten spielen. Genau wie bei uns und den Hits, die auf Violator und Songs of Faith and Devotion vertreten waren. Es gibt eben so gewisse Anker, die man im Verlauf seines Live-Sets immer wieder setzt, an denen führt auch gar kein Weg vorbei: Ich bin mir sicher, dass Nothing Else Matters ein solcher Song ist, und ich schätze mich wirklich glücklich, dass ich meine eigene Version von diesem Stück aufnehmen durfte.

St. Vincent: Metallica und das Black Album… nun, ich habe diese Musik gehört, da war ich noch keine 10 – und ich weiß noch sehr genau, wie sich das anfühlte: ‘Wow, das Zeug ist richtig gefährlich,’ dachte ich nur. Es fühlte sich aufregend an und unheimlich, und doch wollte ich unbedingt mehr darüber wissen.

„Es war für mich gewissermaßen die erste Ausfahrt nach Shredding

Sam Fender: Also, das Black Album ist mit absoluter Gewissheit eines der allergrößten und großartigsten Rock/Metal-Alben aller Zeiten. Ganz klar in der obersten Liga, das kann man schon mal festhalten. Und als ich persönlich diese ganzen Heavy-Sachen für mich entdeckte, so mit 12, 13, als ich gerade Gitarre lernte, da war es für mich gewissermaßen die erste Ausfahrt nach Shredding. Nicht, dass ich in den Jahren danach besonders viele derart harte, schnelle Sachen gespielt hätte, aber es war ganz klar eines von diesen Alben, aus denen man als Gitarrist ein paar zentrale Skills mitnimmt – Techniken, die ich wohl nie gelernt hätte, wäre ich nicht so krass auf diese LP abgegangen. Und natürlich war ich in diesem Alter, in dem man alles zum Kotzen findet, und gerade deshalb war es so großartig, ja, und ich glaube, damit fing das alles eigentlich erst an. All die ganzen harten Sachen, die ich mit 12, 13 gehört habe, die einem diese Energie und diese Aggression gaben, diesen Willen, ein noch besserer und noch wütenderer Gitarrist zu werden – so etwas in der Art muss es wohl gewesen sein. Ich und mein Freund Jack hatten das Black Album und St. Anger, und natürlich haben wir uns als Kids auch den Dokumentarfilm angeschaut und uns immer wieder gestritten, weil wir schließlich in einer Band waren… ich weiß noch, wie sich Jack eines Tages umdrehte und einen auf Lars Ulrich machte: Er machte seine ‘Deine Riffs sind so megakrass’-Imitation, über die wir heute noch manchmal lachen. Denn jedes Mal, wenn es in irgendeiner Form Streit gibt, sagt irgendwer ‘your fucking riffs are stark, man’ – und das bezieht sich auf einen Ferientrip aus einer Zeit, als wir echt noch richtig junge Kids waren. Diese ganze Zeit war wirklich unglaublich… eine magische Zeit, als die Musik nichts als so ein großer, mit ganz viel Ehrfurcht verbundener Traum war. Insofern sage ich: Danke, Metallica!

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„The Metallica Blacklist“: 53 Künstler*innen covern Metallicas „The Black Album“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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Wie fast Guns N‘Roses statt Queen in „Wayne‘s World“ gelandet wären

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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