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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.4.1950 kommt Peter Frampton zur Welt.

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.4.1950.

von Frank Thießies und Christof Leim

Sein Livealbum Frampton Comes Alive! hat sich seit 1976 so oft verkauft, dass man sich in den Second-Hand-Grabbelkisten fast von ihm verfolgt fühlt. Doch Soft-Rock-Superstar und Talkbox-Ikone Peter Frampton kann dank seiner Vergangenheit bei Humble Pie und hochkarätigen Kollaborationen eine Menge mehr vorweisen. Am 22.4. feiert der Sänger, Songschreiber und Gitarrist Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Frampton Comes Alive! anhören:

1950 wird der zukünftige Star als Peter Kenneth Frampton im Londoner Stadtteil Beckenham als Sohn von Mutter Peggy und dem kunstbeflissenen Lehrer Owen geboren. Mit sieben Jahren entdeckt der junge Peter seine Leidenschaft für Musik. Auslöser ist ein Dachbodenfund bei der Großmutter: eine Banjolele, ein Hybrid aus Banjo-Korpus und Ukulele-Hals. Nur ein Jahr später kommt Frampton als Gitarren- und Pianoschüler in den Genuss klassischen Unterrichts. 

Banjolele und Bowie

Erste Banderfahrungen sammelt das junge Multitalent zu Schulzeiten mit einer Gruppe namens The Little Ravens. In dieser Phase macht er auch Bekanntschaft mit einem drei Jahre älteren, ebenfalls musikbegeisterten Mitschüler: David Bowie. Beide verbringen fortan ihre Mittagspausen gemeinsam – und zwar mit dem Spielen von Buddy-Holly-Songs. 

Doch dabei soll es nicht lange bleiben. Schon im zarten Alter von 16 Jahren ist Frampton Sänger und Gitarrist der recht erfolgreichen Teenie-Rocker The Herd. Gerade mal volljährig gesellt sich Frampton 1969 zu Small-Faces-Sänger und -Gitarrist Steve Marriott, der unter anderem mit Spooky-Tooth-Bassist Greg Ridley die Band Humble Pie gründet, eine der frühen Supergroups der späten Sechziger. Nach vier Studioalben mit den hart arbeitenden und rockenden Humble Pie sowie netzwerkförderlichen Sessionjobs (unter anderen für Harry Nilsson, Jerry Lee Lewis und John Entwistle), entscheidet sich Frampton schließlich für den Solopfad. Doch dieser gestaltet sich anfangs mühsam, steinig und vor allem langwierig. Erst als der Musiker nach vier mauen Studiowerken 1976 das Livealbum Frampton Comes Alive! veröffentlicht, beginnt sein kometenhafter Aufstieg.

Das große Erwachen

Den New Yorker Schminkrockern Kiss und ihrem Alive!-Coup nicht unähnlich, begründet auch Frampton seine Solokarriere mit einem Konzertmitschnitt auf Doppel-LP. Allein die Singlehits Show Me The Way, Do You Feel Like We Do und Baby, I Love Your Way sind bis zum heutigen Tage Dauergäste in den Playlisten der US-amerikanischen Classic Rock-Sendelandschaft. Die Veröffentlichung mausert sich – Größen wie Fleetwood Mac schlagend – schließlich zur bestverkauften Platte des Jahres 1976. Bis heute bringt es die Scheibe auf elf Millionen verkaufte Einheiten, eine fast inflationäre Zahl, die in der Rockmusik-Komödie Waynes World 2 herrlich aufs Korn genommen wird. Darin behauptet Schöpfer und Schauspieler Mike Myers Charakter Wayne Campbell nämlich, dass jeder in der Welt ein Exemplar von Frampton Comes Alive! besäße, da es jedem Vorstadtbewohner zusammen mit einer Waschmittelprobe in den Briefkasten gesteckt worden sei. Was das Ganze noch lustiger macht, ist die Tatsache, dass Myers selbst Teil des Konzertpublikums an einem der Abende war, an denen das Livealbum aufgenommen wurde.

Der gefällig-melodische Soft Rock des Briten Frampton trifft jedenfalls genau den richtigen Nerv eines (amerikanischen) Millionenpublikums Mitte der Siebziger. Die Gitarrennerds darunter dürften sich indes an dem ausgiebigen Einsatz des für Frampton inzwischen charakteristischen Talkbox-Effekts erfreut haben. Dabei handelt es sich um eine Gerätschaft, bei der der Gitarrenton durch einen Schlauch im Mund moduliert wird, was den Eindruck erwecken kann, die Klampfe würde förmlich singen oder sprechen. Ein gutes Beispiel für ihren Einsatz findet sich in Livin’ On A Prayer von Bon Jovi.

Zaghafte Zugaben

Mit einem Megaerfolg wie Frampton Comes Alive! kann alles danach natürlich nicht mithalten. Das Folgealbum I’m In You von 1977 wirft immerhin mit dem Titelsong noch einen Hit ab und erlangt Platinstatus, aber schon Framptons Auftritt zusammen mit den Bee Gees im Komödienflop Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band sind Anzeichen des Abstiegs. Ein fast tödlicher Autounfall auf den Bahamas im Jahre 1978 trägt zusätzlich dazu bei, dass unser Mann erstmal von der Bildfläche verschwindet. Mitte der Achtziger kann der Sänger und Gitarrist nach langer Durststrecke dann ein Comeback für sich beanspruchen – zwar nicht als Solokünstler, aber als Leadgitarrist auf Bowies 1987er Album Never Let Me Down. Im Anschluss ist Frampton auch Teil der Liveband seines alten Schulfreunds auf dessen Glass Spider Tour

Während sämtliche Veröffentlichungen aus der Solokarriere des Sänger  – das unvermeidliche Frampton Comes Alive! II aus dem Jahr 1995 inklusive – am gigantischen Erfolg seines Livedebüts nicht mal kratzen, nimmt Frampton bis heute weiterhin Alben auf. Das fahrende Musikerleben gedenkt er in jüngster Zeit jedoch auch aufgrund seiner Erkrankung an einer Muskelschwäche alsbald zu beenden. Beweisen muss er, der sich mit nur einer Platte auf ewig ins kollektive Popkulturbewusstsein eingebrannt hat, im hohen Alter ohnehin niemanden mehr etwas.

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