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Popkultur

Seht hier die Kurzdoku „Iggy Pop – The Passenger“

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IGGY POP
Foto: Christian Alminana/Getty Images

Iggy Pop. Der Godfather of Punk. Der Mann aus Draht. Ein Meter einundsiebzig sehnige Anarchie, seit über 50 Jahren eine unkaputtbare Konstante, ein Leuchtturm der abseitigen Rockmusik. Obwohl ihm nie besonders großer kommerzieller Erfolg vergönnt war, wird sein Einfluss von wenigen übertroffen. Er gilt als Architekt des Punk, als Wegbereiter einer ganzen Armada von Ikonen. Bands wie The Smiths, Nirvana oder Joy Division wären ohne ihn schlicht nicht vorstellbar.

In den späten Sechzigern wird Iggy Pop von der Rockmusik gepackt: ein Konzert der Doors lässt in ihm den Wunsch keimen, auch so ein Rockstar zu werden wie Jim Morrison. Das wird er. Erst als Frontmann der Proto-Punk-Pioniere The Stooges, ab Mitte der Siebziger als Solitär, immer wieder an der Seite von anderen legendären Musiker*innen.

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Die Drogen bringen ihn mehrmals fast um, seine unberechenbare Bühnenshow wird schnell zu seinem wüsten Markenzeichen. Manche sagen sogar, er habe das Stagediven erfunden. Mit David Bowie versinkt er in den Siebzigern in Berlins Schatten und schenkt der Stadt ihren bis heute prägendsten Soundtrack, auch die Achtziger und Neunziger übersteht er. Mit Josh Homme von den Queens Of The Stone Age revitalisiert er schließlich 2016 seine Karriere.

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der das Leben bis auf den letzten Tropfen auswringt.

Seht hier unsere Kurzdoku über Elton John (Textversion weiter unten):

Die Anfänge des Iggy Pop

Wie nähert man sich einem Künstler, der größer scheint als das Leben selbst? Der personifizierte Popkultur ist, ein wandelndes Bestiarum des Rock’n’Roll? Vielleicht über dieses eine Zitat: „Music is life. And life is not a business.“ Iggy Pop ist nicht des Geldes wegen dabei. Er ist dabei, weil er nicht anders kann. Ein Getriebener, ein Advokat des Lärms, ein Punk-Schamane. Ein lebendes Stück Rock’n’Roll-Mythos, drahtig, oben ohne, unangepasst.

Am 21. April 1947 kommt er als James Newell Osterberg Jr. in der Fischerstadt Muskegon am Lake Michigan zur Welt. Die Mutter war früher Englischlehrerin, der Vater ist Baseball-Trainer. Sie leben in einem Trailerpark und erziehen ihren Sohn zu einem braven, normalen Teenager, der weder raucht noch trinkt oder Drogen nimmt.

In der fünften Klasse drischt er erstmals auf ein Schlagzeug ein, wird früh von den Eltern gefördert. Er bekommt sogar ihr Schlafzimmer, weil es das einzige Zimmer in ihrem Trailer ist, in das sein Drumkit passt. Die Hingabe der Eltern zahlt sich aus: Erst spielt der junge Osterberg in High-School-Bands wie den Iguanas, dann heuert er bei den Bluesern von The Prime Movers an. Die nennen ihn von Anfang an Iggy – wegen seiner Zeit bei den Iguanas. Die Band entfacht sein Interesse an Politik, Kunst und Avantgarde, bis heute drei Grundpfeiler seines Schaffens.

The Stooges – die Erfindung des Punk

Osterberg verfällt dem Blues, verlässt seine Heimatstadt deswegen in Richtung Chicago. Mit Dave Alexander und den Brüdern Ron und Scott Asheton gründet er dort 1967 The Psychedelic Stooges – getrieben von seinen Vorbildern MC5 und The Doors. Seinen drei neuen Kollegen verdankt er seinen Nachnamen Pop, in Anlehnung an eine lokale Berühmtheit mit diesem Namen. Ihr erster Auftritt findet standesgemäß an Halloween statt, bald nennen sie sich nur noch The Stooges.

So wirklich wissen die vier jungen Herren auf einer Bühne aber noch nichts mit sich anzufangen. Zwei Schlüsselerlebnisse ihres Frontmanns Iggy Pop ändern das nachhaltig und radikal: Das erste ist der Besuch eines The-Doors-Konzerts an der Universität von Michigan und insbesondere das Auftreten von Jim Morrison; als nicht weniger wichtig erweist sich aber auch ein Konzert der All-Girl-Band The Untouchable in New York.

Die frühen Auftritte der Stooges sind von hypnotisierender, avantgardistischer Schwere. Bei den Aufnahmen experimentiert Iggy Pop mit Staubsaugern und Mixern. Ihre ersten beiden Alben, The Stooges und Fun House, sind kommerziell unauffällig. Von ihren Live-Shows kann man das nicht behaupten: Die Band erarbeitet sich einen notorischen Ruf, Iggy Pop wächst schnell in die Rolle des wahnsinnigen Priesters. Er schmiert sich mit Fleisch und Erdnussbutter ein, ritzt sich mit Glasscherben, zieht vor dem Publikum blank und macht das Stagediven populär.

1973 erscheint das dritte Album Raw Power. Es ist das erste gemeinschaftliche Projekt von Iggy Pop und David Bowie, die sich kurz zuvor angefreundet hatten. Bowie produziert das Album, das bis heute als einflussreichste Stooges-Platte und als Herold des Punk gilt. Zugleich ist es der Schwanengesang für die Stooges. Am 9. Februar 1974 geht die Band in Michigan zum letzten Mal auf die Bühne. Das Konzert endet standesgemäß: In einer wüsten Prügelei mit Bikern.

Bowie & Pop – Die Berlin-Jahre

Iggy Pops Drogenkonsum ist da bereits außer Kontrolle geraten. Um vom Heroin loszukommen, zieht er 1976 mit Bowie nach West-Berlin, genauer gesagt in die Hauptstraße 155 in Schöneberg.  Aus popkultureller Sicht haben wir es hier mit dem wahrscheinlich bedeutendsten Umzug aller Zeiten zu tun. „Mit Bowie und seinen Freunden unter einem Dach zu wohnen, war interessant“, äußerte sich Pop mal. „Der Höhepunkt der Woche war Donnerstagabend. Jeder, der noch am Leben war und zum Sofa krabbeln konnte schaute ‚Starsky & Hutch’.“

Die Berlin-Jahre sind für beide Künstler prägend und wichtig. Gemeinsam mit Bowie erschafft Pop hier seine beiden einflussreichsten Solo-Werke The Idiot und Lust For Life. Sie leben, sie arbeiten, sie gehen aus, sie schreiben Songs zusammen – darunter auch China Girl, das beide veröffentlichen werden.

Das Album Lust For Life verpasst nur knapp die Top 20 der UK Album Charts. Der gleichnamige Albumtrack sowie sein Song The Passenger werden Begleiter auf Lebenszeit: Immer wieder werden Werbespots, Kinofilme und Jahres-Best-Of-Listen die Iggy Pop Klassiker ins Bewusstsein einer neuen Öffentlichkeit katapultieren.

Doch zurück in die späten 1970er: Wirklich gut geht das Zusammenleben in der Sieben-Zimmer-Wohnung natürlich nicht. Pop futtert zu oft Bowies Kühlschrank leer, der schmeißt ihn kurzerhand raus. Reumütig zieht Pop ins Hinterhaus, befreundet bleiben die beiden dennoch.

Wie sein Drogenkonsum, bewegt sich auch seine Karriere in Wellen. Mit Soldier und Party kassiert er zu Beginn der Achtziger zwei heftige Flops, wird von seinem damaligen Label Arista vor die Tür gesetzt. Warum Iggy Pop zu diesem Zeitpunkt noch kein Superstar ist, der in Geld schwimmt, wundert auch Andy Warhol. „Ich weiß nicht, warum er nie den Durchbruch geschafft hat“, schreibt der im Vorwort zu Pops erster Biografie I Need More. „Er ist doch so gut.“

Zwischen den Generationen

Die Achtziger übersteht Iggy Pop nur mit Ach und Krach: Mit finanzieller Unterstützung von David Bowie gönnt er sich eine Pause, um endgültig clean zu werden, nimmt Schauspielunterricht, ist aber auch weiterhin in zahlreichen Projekten involviert. Brick By Brick, sein neuntes Album, beschert ihm 1990 mit Candy dann seinen ersten Top-40-Hit in den USA.

Die erste Hälfte der Neunziger widmet er sich dann zahlreichen Soundtrack-Arbeiten für Filme wie Arizona Dream oder schauspielerischen Auftritten in Filmen wie Jim Jarmuschs Dead Man bevor sein Song Lust For Life von 1977 durch den Kultfilm Trainspotting von einer komplett neuen Generation entdeckt wird.

Pop-Ikone Iggy

Das neue Jahrtausend bringt uns einen Iggy Pop, der mehr denn je auf Kollaborationen setzt. Sein Album Skull Ring nimmt er 2003 mit Green Day und Peaches auf, bei Madonnas Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame 2008 covert er mit den wiedervereinten Stooges auf ziemlich unvergessliche Weise ihren Song Ray Of Light. Er versucht sich im Jazz, gastiert auf Slashs erstem Soloalbum, setzt sich bei PETA für mehr Tierwohl ein. Längst macht Iggy Pop das, worauf er Lust hat.

2010 zieht er als Teil der Stooges in die Rock and Roll Hall of Fame ein. Noch im selben Jahr verkündet er traurig, das Stagediven aufzugeben. Seine Rastlosigkeit und sein Drang, sich neu zu erfinden leiden darunter nicht: 2016 liefert er gemeinsam mit Josh Homme von den Queens of the Stone Age sein vielleicht bestes Album Post Pop Depression – ein besessenes und bewegendes Werk über Tod, Sex und das, was von uns bleibt.

Bei den Grammys erhält er 2020 den Preis für sein Lebenswerk – überfällig, wie viele finden. Denn Iggy Pop ist längst Rock’n’Roll-Mythos. Er hat das Rollenbild des Punk geschaffen und geprägt wie kein anderer und ist der Vorreiter vieler großer Legenden der Rockmusik. Er ist Künstler wider Willen und selbst durch und durch Kunst. Was Iggy Pop tut und sagt, hat Gewicht. Er ist Kult. Auch wenn ihn selbst das nie interessiert hat. Er bleibt für immer unbestechlich und frei. „Music is life. And life is not a business.“

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Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Rockin’ Movies: Die 15 besten Filmsoundtracks

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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