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Popkultur

Sklaven, Stalker, Suizid: Das steckt wirklich hinter unseren Lieblingssongs!

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Foto: Showtime/Courtesy of Getty Images

Dass Lucy In The Sky With Diamonds trotz seiner Anfangsbuchstaben rein gar nichts mit LSD zu tun hat, mussten die Beatles jahrelang erklären. Es ist aber nur eines von unzähligen Beispielen, wie viele unvergessene Klassiker der Rock- und Pop-Welt wir immer noch falsch verstehen (wollen). Eine Chronik des Irrtums in zehn Kapiteln.

von Björn Springorum

Police – Every Breath You Take

Seit die Police-Nummer 1983 erschien, hat sie unzählige Eröffnungstänze auf Hochzeiten vertont. Recht denkwürdig – für eine Nummer, die aus der Perspektive eines manischen Stalkers erzählt wird! „Der Song ist wirklich fies und hässlich“, sagte Sting selbst dazu, „doch die Leute denken noch immer, es sei ein sanftes Liebeslied. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall.“

Bruce Springsteen – Born In The U.S.A.

Man wird es Donald Trump noch tausendmal erklären können: Trotz seines patriotischen Titels ist Born In The U.S.A. so gar kein Hohelied auf die USA. 1984 veröffentlicht, ist es Springsteens ganz persönliche, beißend zynische und unverhohlen desillusionierte Antwort auf den fatalen Vietnamkrieg der Amerikaner. Hätte Trump aber auch selbst herausfinden können – bei einer Textzeile wie Sent me off to a foreign land – To go and kill the yellow man. Aber Ironie und Zynismus sind ja nun nicht gerade seine Stärke.

Vampire und Scheidungen

Bonnie Tyler – Total Eclipse Of The Heart

Wagnerianischer Pathos, Achtziger-Bombast, Monumentalpop: Total Ecplise Of The Heart ist vieles. Es ist aber auch ein Song über Vampire! Ursprünglich sollte die Nummer sogar den furchtbaren Titel Vampires In Love tragen, verriet Komponist Jim Steinman mal. Und irgendwie ließ ihn das Thema mit den spitzen Zähnen nicht los: Im Musical Tanz der Vampire gibt es ein Wiedersehen mit der Nummer.

Phil Collins – In The Air Tonight

Eine urbane Legende besagt, dass Phil Collins diesen Song schrieb, nachdem er einen Mann dabei beobachtet hat, wie der einen Menschen willentlich ertrinken lässt. Alles Quatsch, sagt Collins: Es geht um seine erste Scheidung. Der Text dazu soll ihm spontan im Studio eingefallen sein. Das ikonische Drum-Break etwa auch?

Van Halen – Jump

Ein richtiger Feelgood-Rocksong, oder? Nicht ganz: David Lee Roth verriet einmal, dass ihm die Idee zu dieser Nummer kam, als er in den Nachrichten einen Typen sah, der sich von einem Hochhaus stürzen wollte. „Die Menschen am Boden riefen immerzu: Spring nicht, spring nicht! Und ich dachte mir nur: Spring!“ Puh, David, das rückt die ganze Nummer in ein ziemlich heftiges Licht.

Sklaverei und Sex

KISS – Detroit Rock City

Detroit Rock City dreht sich nur indirekt um Detroit. Stattdessen wurde die Party-Hymne von einem Fan inspiriert, der aus Angst, zu spät zum KISS-Konzert zu kommen, so schnell fuhr, dass er einen tödlichen Unfall baute. Bis heute wird in den nerdigen Bereichen der KISS Army leidenschaftlich darüber debattiert, ob die Story auf einer wahren Geschichte beruht oder nicht. So oder so gilt: Viel mit Party ist da nicht.

Rolling Stones – Brown Sugar

Bei dieser Nummer ist es besonders tragisch, dass niemand mehr so richtig zu wissen scheint, wovon Mick Jagger hier eigentlich singt. Nein, ihr lieben Männer, Brown Sugar dreht sich nicht um einen Weißen, der Sex mit einer Schwarzen genießt. Es dreht sich um eine Bande verkommener weißer Sklavenhändler in New Orleans, die ihre Sklavinnen vergewaltigen.

John Lennon – Imagine

Das ultimative Friedensmanifest? Durchaus. Ein Song mit derselben Strahlkraft wie die Nationalhymne? Irgendwie schon. Dennoch war John Lennon immer schon zu clever für derart einfache Schlussfolgerungen. Er packt gleich sein gesamtes kommunistisches Manifest in die 22 Zeilen des vielleicht wichtigsten Songs seiner Karriere – und verpackt sie in die Botschaft universellen Friedens.

Bryan Adams – Summer Of ’69

Bryan Adams wird 1959 geboren. In dem von ihm nostalgisch heraufbeschworenen Summer Of ’69 war er also gerade mal zehn Jahre alt und damit deutlich zu jung für die Dinge, über die er in diesem Song singt. Stattdessen geht es, tadaa, um Sex im Sommer und um eine gewisse Stellung.

The Clash – London Calling

Beißend, politisch, kritisch: The Clash haben sich oft und gern am Zustand Großbritanniens abgearbeitet. Ihr vielleicht ikonischster Song hat aber eher damit zu tun, zu ertrinken: 1979 verbreitete sich Angst in London, als es hieß, die Themse könnte über die Ufer treten und London fluten. Irgendwann entschied man sich dann aber doch noch, die Nummer nicht nur von einem Hochwasser, sondern von einer Art kollektiven Flut handeln zu lassen. „Wir waren der globalen Erwärmung ziemlich voraus, was?“, feixte Joe Strummer später.

Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von KISS stammen können

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