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Popkultur

Andy Summers (The Police) im Interview: „Wir waren wirklich eine Einheit und haben aufeinander aufgepasst“

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ANDY SUMMERS
Fin Costello/Redferns/Getty Images

Vierzig Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen veröffentlichen The Police ihren längst vergriffenen Tourfilm „Around The World“ neu. The Police: Around The World Restored & Expanded, so der ganze Titel der Reissue, zeigt die Band nicht nur bei ihrer ersten Welttournee, die sie unter anderem auch nach China, Indien und Ägypten führte — sondern auch in dem Moment, als sie zu einer der wichtigsten Bands ihrer Zeit (und zu globalen Superstars) wurden.

 von Markus Brandstetter

Wir sprachen mit The-Police-Gitarrist Andy Summers über die Veröffentlichung — und die wesentliche Phase von Sting, Stewart Copeland und ihm. Außerdem plauderte Summers auch über seinen Gitarrenstil und seine Liebe zur Fotografie.

Andy, vor 40 Jahren haben The Police „Around The World“ veröffentlicht. Hast du dir den Film den letzten vier Jahrzehnten mal wieder angesehen — ich meine bevor du an seiner Wiederveröffentlichung gearbeitet hast?

Das ist eine witzige Geschichte. Die Produktion dieser Wiederveröffentlichung hat ungefähr fünf Jahre in Anspruch genommen. Es war ursprünglich meine Idee. Vor etwa fünf Jahren dachte ich mir, dass „Around The World“ irgendwie unter den Radar fiel, nie wirklich gesehen wurde. Der Film war lost, er kam zwar auf Videokassette raus, verschwand dann aber irgendwann. Niemand hat dagegen etwas unternommen. Ich dachte aber immer, dass der Film ziemlich gut ist. Also habe ich mit einem Anwalt gesprochen. Um eine lange Geschichte mal eben abzukürzen: Ich musste den Film zuerst irgendwo auftreiben. Ich fand ihn schlussendlich im Internet als Laserdisc. So nahm das seinen Lauf. Dann schickten wir es an Universal und so kam Bewegung in die ganze Sache. Universal fand das originale Filmmaterial — die 16-mm-Filmrolle. So wurden die Aufnahmen rekonstruiert. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich den ganzen Film bis jetzt noch gar nicht im Ganzen wieder angeschaut habe. Sollte ich mal tun.

Around The World zeigt The Police in ihrer wichtigsten Phase: Jung, hungrig, auf dem Weg, eine der großen Bands ihrer Zeit zu werden. Was ging euch zu dieser Zeit durch den Kopf?

Wir versuchten immer, etwas anders zu machen als die anderen Bands. Das beinhaltete die Musik, das Image mit diesen drei blonden Typen, die Albumtitel wie Outlandos D’Amour oder Regatta de Blanc, die man so nicht gehört hatte. Wir wollten anders sein. Es ist so schwer, im Showbusiness etwas zu erreichen — und wir dachten, wir könnten uns auf der ganzen Welt Konzerte organisieren und die mitfilmen. Wir waren in Ägypten, Griechenland, Indien, China — das haben wir tatsächlich geschafft. So wurde das Ganze ein echt interessanter Film. Keine Rockband hat zu dieser Zeit so etwas gemacht.

Du giltst als einer der einflussreichsten Gitarristen der Pop- und Rockmusik. Als The Police durchstarteten, Anfang der 80er-Jahre, waren aber alle total auf dem Sologitarren-Trip, während du die Rhythmusgitarre in den Vordergrund gestellt hast, Soli waren eher sekundär.

Das hatte damit zu tun, dass The Police zur Geburtsstunde der Punk-Szene in London groß wurden. Diese Punkszene ordnete Gitarrensoli als „Alte Schule“ ein. Ich war zwar durchaus ein Virtuose und sehr guter Sologitarrist, aber das war damals einfach nicht erlaubt. Besonders bei The Police war es glasklar, dass wir sowas nicht machen wollten. Aber das war in Wahrheit auch gut so, denn so musste ich mir etwas ganz Neues ausdenken. Einen neuen Gitarrenstil, der anders klang. Den ich aber sowieso in mir hatte. Es klang nicht nach Punk und es klang auch nicht nach altem Blues-Rock.

Was ich immer faszinierend fand, ist, wie klanglich dicht und auch definiert eure Klangarchitektur als Trio war. War das etwas, das natürlich kam oder musstet ihr das erst ausarbeiten?

Ich denke, wir hatten unseren Weg schon ganz am Anfang gefunden. Das ergab sich aus praktischen Umständen. Am Anfang mochte uns niemand, weil wir wir keine Hardcore-Punks waren. Wir hatten nicht viele Shows. So probten wir in den Keller Londons und hatten Zeit, unseren Stil zu finden. Wir erschufen Songs wie Roxanne — und wir fanden einen Weg, wie man diese auch spielen konnte. Wie sich herausstellte, hatte Sting da die richtigen songwriterischen Fähigkeiten dazu. Im Grunde waren wir ein Trio, in dem jedes Bandmitglied einen grundverschiedenen Stil hatte. Das machte diese einzigartige Chemie zwischen uns aus — und so kamen wir auf diese Sachen. Einfach weil wir anders klingen wollten — und diese Art, Gitarre zu spielen, wurde dann für viele andere Bands prägend.

Fin Costello/Redferns/Getty Images

Du warst bereits in deinen Dreißigern, als The Police berühmt wurden, Sting und Stewart Copeland in ihren Zwanzigern. Glaubst du, du bist mit dem Ruhm anders umgegangen als deine Kollegen — einfach, weil du schon mehr Erfahrung im Ärmel hattest?

Das ist eine gute Frage. Ja, ich denke schon — ich hatte ja tatsächlich mehr Erfahrung als sie. Meine Erfahrung war eigentlich ziemlich merkwürdig: Ich begann in Bands in London, zog dann nach Kalifornien, ging dort aufs College und lebte ein paar Jahre von der Hand aus dem Mund. Als dann das mit dem Ruhm losging, habe ich wirklich jeden Aspekt davon genossen, aber es hat mich nicht zerstört. Manche Leute werden berühmt und können damit nicht umgehen. Was auch dazukommt: Bei The Police waren wir wirklich eine Einheit. Viele Leute sagen heute: „Oh, die haben sich doch gehasst!“ Aber weißt du was? Wir waren wirklich eine Einheit, ein Team — und wir haben aufeinander aufgepasst und geschaut, dass wir durch all das durchkommen, ohne zu hinzufallen.

Du bist als Fotograf ein wichtiger Chronist deiner eigenen Band – hat dir das eine andere Perspektive auf die eigene Karriere gegeben?

Ja, in gewisser Weise hat es das. All das festzuhalten war mir sehr wichtig. Denn bei all der ganzen Verrücktheit, dem ganzen Wahnsinn der damit einherging, dass The Police zu einer der größten Rockbands der Welt wurden und die Leute ausrasteten, gab mir das Fotografieren eine Art von Balance. Ich habe das Fotografieren immer sehr genossen. Wenn ich zurückdenke, weiß ich auch, wo das herkommt. Mein Bruder war immer schon sehr an Fotografie interessiert gewesen. Ich bin mit all diesen Arthouse-Filmen aufgewachsen, Kurosawa, Bergmann, Fellini. Diese großartigen Schwarz-Weiß-Filme, mit denen ich aufgewachsen bin, haben mich sehr beeinflußt. Das hat bei mir als Kind immer sehr viele Emotionen evoziert — gemeinsam mit der Musik, die ich hörte. Als ich also das erste Mal eine Kamera in die Hand nahm, ging ich an diesen emotionalen Ort zurück, den ich bereits früh kennengelernt hatte. Ich verliebte mich regelrecht in die Fotografie — also dokumentierte ich das Leben der Band. Woher rufst du eigentlich an?

Aus Deutschland.

Ah, Deutschland! Da habe ich demnächst einige Solo-Shows — am 29. Oktober spiele in Berlin, davor in München und Hamburg.

 

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Erzähl doch etwas über diese Shows.

Das werden Fotografie-Performances, eine Art One-Man-Show-Multimedia-Show, bei der ich auf einer Kinoleinwand mit vielen verschiedenen Arten von sehr exotischen fotografischen Sequenzen spiele. 

Wird es auch Stücke deines letzten Albums Harmonics of the Night zu hören geben?

Ja, das könnte definitiv passieren. Ich habe diese Art von Show in etwa zehnmal gespielt – und dann wurde wegen COVID alles lahmgelegt. Jetzt gilt es also, alles wieder hochzufahren, alles wieder zu proben. Ich habe mein ganzes Gitarrenequipment in meinem Studio in Los Angeles, dort habe ich auch einen Projektor, mit dem ich alles auf die Wand projiziere und dazu spiele. Ich muss mich in dem Programm wieder einfinden.

Andy, ich danke dir fürs Interview.

Danke, es war nett mit dir zu plaudern!

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The Police: „Around The World Restored & Expanded“ erstmals auf DVD, BluRay & Co.

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

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