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Popkultur

The Rolling Stones – Die Geschichte hinter der Zip Code-Tour

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Wie jeder weiß, sind die Rolling Stones weltweit vor mehr Menschen aufgetreten als irgendeine andere Band. Ihre Liebelei mit dem amerikanischen Publikum begann im Juni 1964 während ihrer ersten Amerikatour – es war allerdings zunächst ein schleppender Anfang.

Heute behaupten einige Leute die Stones auf ihrer ersten US-Tour gesehen zu haben. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie die Touren verwechseln und sie erst auf der zweiten oder dritten Tour tatsächlich live erlebten, denn im Juni 1964 spielte die Band nur neun Shows in acht Städten und die Publikumszahlen waren eher in den Hundertern als den Tausendern anzusiedeln.

2015 werden es Hunderttausende sein, die Mick, Keith, Charlie und Ronnie auf ihrer Zip Code-Tour sehen … aber warum ‚Zip Code’? Das liegt daran, dass die Neuveröffentlichung des Albums Sticky Fingers zeitgleich zur Tour stattfindet – das Album mit dem funktionstüchtigen Reißverschluss auf dem Cover

Es war der 1. Juni 1964, der Tag vor Charlies 23. Geburtstag, als die Stones in New York City ankamen. 500 kreischende Fans begrüßten sie am Flughafen und ebenso Rufe wie „Lasst Euch mal die Haare schneiden!” und „Seid Ihr die Beatles?” (die kamen natürlich nicht von den Fans, sondern von Passagieren und Flughafenpersonal). Zwei der Städte, die sie auf dieser ersten Tour besuchten, stehen auch diesen Sommer, bei der Zip Code-Tour, wieder auf dem Plan: Minneapolis und Pittsburgh.

In Minnesota sind es fast auf den Tag genau 51 Jahre seit dem ersten (aber natürlich nicht letzten) Rolling Stones Gig, aber diesmal spielen sie im Minneapolis TCF Bank Stadium, einer Open Air-Arena auf dem Campus der University of Minnesota in Minneapolis, die 2009 eröffnete und 50.000 Zuschauern Platz bietet. 1964 traten sie in Big Reggie’s Danceland im Excelsior Amusement Park, etwas über 30 km außerhalb von Minneapolis, auf. Ungefähr 400 Leute kamen damals, um sie zu sehen – was den Raum nicht mal zur Hälfte füllte. Sie spielten Route 66, Not Fade Away, I Wanna Be Your Man, High Heel Sneakers, I’m Alright und I Just Wanna Make Love To You.

Letztes Jahr erzählte Gary Reins von Excelsior einem lokalen TV-Sender: „Da sollte diese neue englische Band spielen – The Rolling Stones. Naja, alle waren von der Beatlemania infiziert! Also dachten wir, was soll’s, gehen wir hin. Und es war wirklich schlecht besucht. Es war kein großes Konzert. Es war sehr klein und die Leute fuhren auch nicht wirklich drauf ab.” Die Zeiten haben sich geändert.

Fünf Tage später spielten die Stones im West View Park in Pittsburgh und das Publikum war ungefähr dreimal so groß und begeistert. 2015 werden im Heinz Field, Heimat der Pittsburgh Stealers, über 50.000 Leute anwesend sein.

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Zwischen diesen beiden Terminen im Juni 1964 spielten die Stones am 14. Juni in Detroit, im Olympia – einer Location mit einer Kapazität von 12.000 Leuten, in der normalerweise das Detroit Red Wings Hockey Team zuhause ist. Auch hier waren gerade mal 1.000 Leute gekommen um sie zu sehen (manche sagen sogar, dass es eher wie 500 aussah). 1964 berichtete die Detroit Free Press: „Ihre Platten verkaufen sich schlecht und die DJs spielen sie nur hin und wieder. Die Band sagte: ‚Wir werden wieder kommen und wenn es soweit ist, wird man uns kennen‘. Vielleicht kommen sie mit mehr Promotion zurück, aber die Reaktionen bleiben abzuwarten.” Wie die Reaktionen 2015 aussehen werden, können wir uns vorstellen – im ausverkauften Comerica Park in Downtown Detroit vor 40.000 Fans.

Fünf Monate nach ihrem ersten Besuch in Nordamerika kehrte die Band für eine größere und besser organisierte Tour zurück. Diesmal waren die Publikumszahlen im Allgemeinen größer, aber nicht überall, wie der Auftritt in San Diego, auch eine der Stationen der Zip Code-Tour zeigt. Am 24. Mai 1964 spielten sie im Balboa Park Bowl, einer in den 1930ern gebauten Open Air Bühne ähnlich dem Hollywood Bowl. Am Nachmittag traten sie in der Long Beach Arena vor 13.000 Leuten auf. Aber im Balboa Park kamen nur 300 Fans in eine Location, die Platz für über 4.000 Personen bietet.

Zehn Tage später stand die Band im Milwaukee Auditorium in Wisconsin auf der Bühne und wie das Milwaukee Journal am nächsten Tag berichtete, spielten die Stones „vor 1.274 Fans im Milwaukee Auditorium. Obwohl Brian Jones mit Fieber im Chicago Hospital lag, trat der Rest der Band auf. Vermutlich haben nur wenige der anwesenden Zuschauer seine [Jones] jaulende Mundharmonika vermisst. Das Kreischen aus den zahlreichen Kehlen wurde nur von den lautesten Passagen der elektronischen Kakophonie und zweiarmigen Schlägen des Drummers Charlie Watts übertönt. Wenn es nicht noch jemand schafft, Schimpansen das Gitarrespielen beizubringen, dann haben die Rolling Stones das visuelle Maximum erreicht. Mit schulterlangem Haar und hochhackigen Stiefeln sahen sie weiblicher aus als ihre Fans. Verglichen mit den Stones wirken die Beatles wie Chorknaben. Man denkt, das muss eine Art Parodie sein – aber die kleinen Mädchen in der ersten Reihe hatten 5,50 Dollar für einen Platz bezahlt.” Dieses Jahr spielen die Stones beim Milwaukee Sommerfest im Marcus Amphitheater vor 25.000 Zuschauern.

Drei der Städte, die bei der Zip Code-Tour auf dem Plan stehen, besuchten die Stones erstmalig im November 1965 – auf ihrer vierten US-Tour. Das war ihre bis dahin größte Tour und sie spielten 37 Konzerte in 38 Tagen vor insgesamt über einer viertel Million Menschen. Diese Leistung zeigte das außergewöhnliche Durchhaltevermögen der Band.

2.-Reynolds

Am 10. November 1965 traten die Stones im Reynolds Coliseum auf dem Campus der North Carolina State Univesity, Raleigh, auf. Karten kosteten zwischen 2,50 Dollar und 4,00 Dollar. 2015 kehrt die Band an die North Carolina State University zurück, aber statt der Basketball Arena, mit einer Kapazität von 12.000 Leuten, spielen sie diesmal im Carter-Finlay Football Stadion, in dem 50.000 Zuschauer Platz finden werden.

Sechs Tage später besuchten die Stones zum ersten Mal Nashville und traten vor 2.000 Leuten im Municipal Auditorium, in der Heimat der Countrymusik, auf. Das Konzert 2015 findet im LP Field vor über 55.000 Leuten statt.

Am 21. November 1965 waren die Stones zum ersten Mal in Dallas; das war allerdings nicht ihr erster Besuch in Texas – der führte sie bereits im Rahmen ihrer ersten US-Tour nach San Antonio. Am Sonntagnachmittag (21. November) spielten sie im Will Rogers Stadium in Fort Worth und am selben Abend im Memorial Auditorium in Dallas. Es war ein ausverkauftes Konzert vor 6.500 Fans und 2015 wird die Band im AT & T Stadion gastieren, welches 80.000 Zuschauern Platz bietet.

Sieben Monate später kehrten die Rolling Stones nach Amerika zurück und da in der Zwischenzeit drei Top 10 Singles erschienen waren, war der Andrang auf die Tickets riesig. Es war ihre fünfte US-Tour und am 28. Juni 1966 spielten sie vor 7.000 Fans im Buffalo Memorial Auditorium; das Wilson Stadium, wo sie 2015 auftreten, fasst etwa 60.000 Leute.

Am 4. Juli 2015 helfen die Stones der Stadt Indianapolis, den Nationalfeiertag gebührend zu begehen. Ihr erster Auftritt dort liegt fast exakt 49 Jahre zurück. Am 9. Juli 1966 standen sie im Indiana State Fairground Coliseum vor 10.000 Fans auf der Bühne; 2015 wird das Publikum im Indiana Motor Speedway um einiges größer sein.

Bei dreiviertel der Daten der Zip Code-Tour waren die Stones schon im Rahmen einer dieser ersten fünf Tourneen in den 1960ern in den betreffenden Städten zu Gast. Für den ersten Auftritt in Kansas City müssen wir sechs Jahre vorwärtsspulen – zum 22. Juni 1972.

Es war ihre siebte Tour in Nordamerika und sie war gigantisch. Die Band spielte vor einer dreiviertel Million Menschen und wenn man die Nachfrage nach Tickets berücksichtigt, hätten es wohl doppelt so viele werden können. Dies war auch die Tour auf der die meisten amerikanischen Fans Tracks vom Album Sticky Fingers live zu hören bekamen; natürlich hörten sie auch Tracks des aktuellen Albums Exile on Main St. 1972 spielten die Stones Brown Sugar, welches sie nur wenige Tage, nachdem sie es in den Muscle Shoals Sound Studios aufgenommen hatten, in Altamont zum allerersten Mal live spielten. Bei den meisten Daten dieser Tour spielten sie auch Bitch und an einem Abend Dead Flowers.

Auf der Tour 1972 traten die Stones im ausverkauften Municipal Auditorium in Kansas City auf. Die komplette Tour mit 51 Konzerten auf 32 verschieden Bühnen war ausverkauft. 2015 werden weit über 60.000 Fans im Arrowhead Stadium, Heimat der NFL Kansas City Chiefs, erwartet.

Das andere ‘erste Date’ in den 1970ern war am 30. Juli 1975 in Atlanta. Es war die Tour of The Americas, Ronnie Woods erste Tour mit den Rolling Stones. Die Show in Atlanta fand vor über 15.000 Fans im Omni Coliseum statt. Fast 40 Jahre später wird es das geschichtsträchtige Bobby Dodd Stadium am Georgia Institute of Technology in Atlanta sein, das die Band und 40.000 Fans willkommen heißen wird.

1981-US-tour

Streng genommen fand das erste Konzert der Stones in Orlando, Florida, am 24. Oktober 1981 im Tangerin Bowl statt. Allerdings hatten sie drei Jahre zuvor schon einmal im Lakeland Center auf halber Strecke zwischen Orlando und Tampa gespielt. 1981 eröffneten die Henry Paul Band und Van Halen den Abend, bevor die Rolling Stones schließlich vor 60.000 Leuten auftraten. Es war Bill Wymans 45. Geburtstag. Dieses Jahr kehrt die Band dorthin zurück, auch wenn der Name jetzt The Citrus Bowl ist – es werden ungefähr genauso viele Leute erwartet.

Bis zu ihrem ersten Konzert in Columbus, Ohio, dauerte es bis zur ‘Bridges To Babylon’-Tour 1997. Damals traten die Stones im Ohio Stadium auf, wohin sie ihr Weg auch 2015 führt. Schon auf ihrer zweiten Tour spielten sie ganz in der Nähe, in Cleveland, Ohio, und wie schon erwähnt in Pittsburgh, im Rahmen der ersten Tour. Ohio ist also beinahe eine zweite Heimat für sie. Im Januar 1998, gegen Ende der nordamerikanischen Termine ihrer ‘Bridges To Babylon’-Tour, besuchten die Stones erstmalig Quebec und spielten im Colisee de Quebec. Diesen Sommer treten sie beim Festival D’Ete De Quebec unter freiem Himmel auf. Es wird der letzte Termin der ‘Zip Code‘-Tour sein.

Nachdem Brown Sugar erstmalig in Altamont präsentiert worden war, spielten die Stones diesen Song, sowie You Gotta Move und Dead Flowers auch im Herbst 1970 auf ihrer Europatour. Auf der Stones Farwell to Britain-Tour im März 1971 strichen sie You Gotta Move zugunsten von Bitch. Bei der Amerikatour 1972 spielten sie Brown Sugar und Bitch, und einmal auch Dead Flowers. Seither fehlte Brown Sugar bei kaum einer Show. Aber bei einigen anderen Songs dauerte es Jahre, und manchmal Jahrzehnte, bis sie zum ersten Mal live gespielt wurden. Wir entwirren die komplexe Geschichte der Sticky Fingers-Liveperformances…

• Altamont • Europatour 1970 • UK-Tour 1971 • 1972 Nordamerika-Tour • 1973 Australasia-Tour • 1973 Europatour • 1975 Tour of the Americas • 1976 Tour of Europe & Knebworth • 1977 El Mocambo, Toronto • 1978 Nordamerika-Tour • 1981 US-Tour • 1982 Europatour • 1989 Steel Wheels Tour • 1990 Urban Jungle Tour • 1994 Voodoo Lounge Tour • 1997/8 Bridges to Babylon Tour • 1999 No Security Tour • 2002 Licks Tour • 2005 A Bigger Bang Tour • 2012 Paris Club • 2012 O2 & NY • 2013 50 & Counting, Glastonbury & Hyde Park • 2014 14 On Fire Tour

Sway (24. September 2005)

• Geprobt für 2002 Licks Tour, aber nicht gespielt • Premiere in der Nationwide Arena Columbus OH 2005 A Bigger Bang Tour • 2013 50 & Counting

 

Wild Horses (4. März 1971)

• Premiere in der Newcastle City Hall, UK-Tour 1971 • 1975 Tour of the Americas • Knebworth 1976 • 1994 Voodoo Lounge Tour • 2002 Licks Tour • 2005 A Bigger Bang Tour • 2012 London O2 & NY • 2013 50 & Counting & Glastonbury • 2014 14 On Fire Tour

Can’t You Hear Me Knocking (4. März 1971)

• Premiere in der Newcastle City Hall, UK-Tour 1971 • Geprobt für die Nordamerika-Tour 1972, aber nicht gespielt • 1994 geprobt für die Voodoo Lounge Tour, aber nicht gespielt • 2002 Licks Tour • 2013 50 & Counting & Glastonbury

You Gotta Move (8. November 1969)

• Premiere in Los Angeles, California, Inglewood Forum, 1969 Nordamerika-Tour • Europatour 1970 • 1976 Tour of Europe • Geprobt fürdie 2002 Licks Tour

Bitch (4. März 1971)

• Premiere in der Newcastle City Hall, UK-Tour 1971 • 1972 Nordamerika-Tour • 1973 Australasia Tour • 1973 Europatour • 1989 Steel Wheels Tour • 1990 Urban Jungle Tour • 1997/8 Bridges to Babylon Tour • 1999 No Security Tour • 2002 Licks Tour • 2005 A Bigger Bang Tour, •2013 50 & Counting & Hyde Park • 2014 14 On Fire Tour

I Got The Blues (26. März 1971)

• Premiere im Marquee Club, London Show gefilmt für TV • 1994 geprobt für die Voodoo Lounge Tour, aber nicht gespielt • 1999 No Security Tour

Sister Morphine (25. März 1997)

• Premiere in Chicago im Soldier Field beider 1997/8 Bridges to Babylon Tour

Dead Flowers (30. August 1970)

• Premiere in Malmö, Schweden, auf der Europatour 1970 • UK-Tour 1971 • 1972 Nordamerika-Tour (eine Show) • 1973 Australasia-Tour • 1976 Knebworth • 1989 Steel Wheels Tour • 1990 Urban Jungle Tour, 1994 Voodoo Lounge Tour • 1997/8 Bridges to Babylon Tour • 1999 No Security Tour • 2002 Licks Tour • 2005 A Bigger Bang Tour • 2012 NY • 2013 50 & Counting • 2014 14 On Fire Tour

Moonlight Mile (25. Januar 1999)

• Geprobt für die Steel Wheels Tour 1989, aber nicht gespielt • 1994 geprobt für die Voodoo Lounge Tour, aber nicht gespielt • Premiere in der Oakland Arena, Kalifornien auf der No Security Tour 1999 • Geprobt für 50 & Counting 2013, aber nicht gespielt

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.11.1974 wird es ungewöhnlich ernst auf „Slade In Flame“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.11.1974.


von Timon Menge und Christof Leim

Als Slade die Arbeit an ihrem fünften Album aufnehmen, gehört ihnen die Welt. Na gut, Großbritannien. Gleich zwei Nummer-eins-Platten haben die Glam-Rocker dort hinter sich. Nun möchten sie vom Thron aus neue Wege einschlagen und beginnen mit der Arbeit an einem Film inklusive Soundtrack. Doch mit dem Ergebnis Slade In Flame stoßen sie ihre Fans gehörig vor den Kopf.

Hier könnt ihr euch Slade In Flame anhören: 

1974 befinden sich Slade auf dem Zenit ihrer Karriere. Mit Slayed? (1972) und Old New Borrowed And Blue (1974) haben die britischen Glam-Rocker zwei mehr als starke Alben im Rücken, nun soll nachgelegt werden. Wiederholen möchte sich die Gruppe nicht, sondern lieber etwas neues ausprobieren. Und genau deshalb entsteht das ambitionierte Film- und Soundtrackprojekt Slade In Flame.

Schluss mit Lustigsein

Der Vorschlag, sich mal an einem Film zu versuchen, kommt von Manager Chas Chandler. Slade finden die Idee super, möchten sich aber von ihrem fröhlichen Image entfernen. Stattdessen portraitieren die Musiker im Film den Aufstieg und Fall einer Gruppe namens „Flame“. Der Clou: Das Drehbuch basiert auf wahren Begebenheiten, die entweder Slade selbst oder Bands aus ihrem Umfeld in den Wirren des Musikgeschäfts tatsächlich passiert sind.

Slade 1974 von links nach rechts: Noddy Holder, Dave Hill, Don Powell und Jim Lea – Pic: Jorgen Angel/Redferns/Getty Images.

Um den Streifen entsprechend zu untermalen, setzen sich die beiden Hauptsongschreiber Noddy Holder (Gesang) und Jim Lea (Bass) direkt an den entsprechenden Soundtrack. Dafür wagen sie sich an neue Stile und orientieren sich stärker an den Sechzigern als üblich. Das passt, denn in jenem Jahrzehnt spielt auch der Film. Obwohl Slade auf Slade In Flame nicht unbedingt klingen wie sie selbst, erscheint der Soundtrack zunächst als fünftes Album der Gruppe.

Ist das jetzt zu düster?

Bereits die erste Single Far Far Away landet auf Platz zwei der UK-Charts. Mit dem Album gelingt anschließend Platz sechs. Kaum zu glauben, doch für Slade bedeutet das zu jener Zeit einen Misserfolg: Mit Slayed? und Old New Borrowed And Blue schaffte die Gruppe den Sprung auf die Pole Position der Hitparade.

Im Januar 1975 flimmert dann auch der dazugehörige Film über die britischen Leinwände. Der stößt damals auf gemischte Gefühle. Mit so viel Ernsthaftigkeit hatte niemand gerechnet, denn während der düsteren britischen Siebziger gelten Slade eher als Spaßmacher der Nation. Den Blick in tiefe Abgründe erwartet man von Noddy Holder und Co. nun wirklich nicht.

Nach Veröffentlichung des Films sinken die Verkaufszahlen der Glam-Rocker in den Keller. Der britische Komponist, Produzent, Jazzpianist und Autor Chris Ingham bringt es in den Liner-Notes zu Slade In Flame auf den Punkt: „Großbritanniens Liebesaffäre mit Slade endete mit Flame.“ Alben veröffentlicht die Gruppe zwar weiterhin, doch die großen Erfolge bleiben ab Mitte der Siebziger aus.

Zeitsprung: Am 15.2.1974 erscheint „Old New Borrowed And Blue“.

 

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Popkultur

Matt Cameron wird 60: 10 Dinge, die du über die Grunge-Legende noch nicht wusstest

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Matt Cameron
Foto: Lloyd Bishop/NBCU Photo Bank/NBCUniversal via Getty Images

Matt Cameron als Grunge-Legende zu bezeichnen, wäre einerseits eine Untertreibung, würde den wandlungsfähigen Musiker aber auch zu sehr auf ein Genre festnageln. Liest man aber die Namen jener Bands, bei denen er Mitglied ist oder war, stellt man schnell fest: Mehr Seattle-Legendenstatus geht schwer… und das, obwohl er gar nicht aus Seattle kommt. Er spielte bei Soundgarden, er war bei Temple Of The Dog und er ist immer noch Mitglied bei Pearl Jam. Cameron ist nicht nur Drummer, sondern auch Songschreiber und Multiinstrumentalist. Zu seinem 60. Geburtstag werfen wir einen Blick auf 10 Fakten aus seinem Leben.

von Markus Brandstetter

1. Er spielte in der 1978 erschienenen Horrorkomödie Attack of the Killer Tomatoes (deutscher Titel: Angriff der Killertomaten mit).

Im Film sang er sogar einen Song — und zwar das Stück Puberty Love. Cameron war damals 16 Jahre alt.

2. Er spielte als Teenager in einer KISS-Coverband.

Die hieß ebenfalls Kiss (kleingedruckt stand unter dem Namen „imitation“). Das Management der echten KISS fand das weniger lustig — und drohte der Gruppe mit einer Klage. Die Band löste sich daraufhin auf.

3. Sein Spitzname war Foo.

Das hat aber nichts mit den Foo Fighters zu tun — sondern mit seinem Bruder Pete, der seinen Namen Matthew als „Ma Foo“ aussprach. So nannte sich der Drummer früher Foo Cameron.

4. Er war zur selben Zeit aktives Mitglied bei Soundgarden und Pearl Jam.

Nämlich, als Soundgarden 2010 eine Reunion feierten. Bei Soundgarden spielte er übrigens ab 1986 und ist auf allen Alben der Band zu hören. Zu Pearl Jam stieß er 1998, als diese einen Satz für Schlagzeuger Jack Irons suchte. Im Jahr davor hatten sich Soundgarden aufgelöst. „Ich bekam aus heiterem Himmel einen Anruf von Mr. Ed Ved, Stoney und Kelly (Curtis, Pearl Jam’s Manager). Ich wurde überfallen. Es war wirklich sehr kurzfristig. Er rief an und fragte: ‚Hey, was machst du diesen Sommer?’“. Kurze Zeit später wurde Cameron fixes Mitglied von Pearl Jam.

5. Er gehörte zur ersten Live-Besetzung von Queen Of The Stone Age.

Als sich die legendären Wüstenrocker Kyuss auflösten, gründete Bandchef Josh Homme 1996 die Band Queens Of The Stone Age. Weil der ursprüngliche Drummer Victor Indrizzo nur ein Jahr dabei blieb, brauchte die Band für ihre ersten Konzerte einen Drummer. Wer’s wurde, könnt ihr euch denken: Cameron trat 1997 mit ihnen auf.

6. Eddie Vedder bezeichnet ihn als besten Schlagzeuger der Welt.

Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder spricht in höchsten Tönen über Matt. „Matt Cameron schreibt Songs, und wir rennen los, um Tritthocker zu finden, um sein Niveau zu erreichen, … was für ihn selbstverständlich ist, lässt uns mit gesenktem Kopf zurück, wie die verwirrten Hunde, die wir sind, … bis wir es schließlich verstehen. Haben wir schon erwähnt, dass er der beste Schlagzeuger der Welt ist?“, schreibt Eddie Vedder in den Linder Notes zu Lost Dogs.

7. Er schrieb zahlreiche Songs für Pearl Jam und Soundgarden. 

Bei vielen Songs ist er als Co-Autor gelistet, einige Stücke stammen zur Gänze aus seiner Feder. Die Liste ist lang, einige Beispiele sind aber Jesus Christ Pose und New Damage vom Soundgarden-Album Badmotorfinger, das er mitschrieb — oder Drawing Flies vom selben Longplayer, bei dem die Musik zur Gänze von ihm stammte. Auch bei Pearl Jam gehen manche Songs auf sein Konto — etwa Get Right von Riot Act oder Into The Moonlight von Lost Dogs, bei denen er sowohl die Musik als auch den Text schrieb.

8. Er mag auch Jazz und Prog.

Das zeigt sich in Camerons Nebenprojekten, wie der (längst wieder aufgelösten) Gruppe Tone Dogs. Anspieltipp: deren Album Ankety Low Day aus dem Jahr 1990.

9. Er arbeitete mit Nickelback-Frontmann Chad Kroeger

Ihr erinnert euch sicher noch an den Song Hero von Nickelback-Chef Chad Kroeger und Ex-Saliva-Frontmann Josie Scott — den Soundtrack des 2002 erschienenen Films Spider-Man. Am Schlagzeug: unser Geburtstagskind. 

10. Seinen größten Hit nahm er gleich doppelt auf.

Er spielte zwölf Jahre nach der Veröffentlichung des Soundgarden-Hits Black Hole Sun noch einmal ein — für Rocklegende Peter Frampton und dessen Album Fingerprints im Jahr 2006… und zwar als Instrumentalversion.

Ihr wollt mehr über Matt Cameron erfahren?

Sein wahrscheinlich bestes Interview gab er vor kurzem übrigens YouTuber Rick Beato. Das knapp 55-minütige Video bietet großartige Anekdoten über Camerons Karriere und geht musikalisch ziemlich ins Detail.

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10 Grunge-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.11.1978 veröffentlichen die Blues Brothers ihr Debütalbum.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.11.1978.

von Max Röbel und Christof Leim

Es ist eines dieser Alben, die man auch dann kennt, wenn man sie noch nie richtig gehört hat. Am 28. November 1978 erscheint das Debütalbum der Blues Brothers und wird aus dem Stand zum Klassiker. Als Jake und Elwood Blues landen die Comedians Dan Aykroyd und John Belushi mit Briefcase Full Of Blues einen Welthit.

Hier könnt ihr euch Briefcase Full Of Blues anhören:

Wie aus Bienen Brüder werden: 1976 hatten sich Aykroyd und Belushi in New York am Set der noch jungen Comedy-Show Saturday Night Live (damals noch unter dem Namen NBC’s Saturday Night) kennengelernt. Als Geburtsstunde der Blues Brothers gilt ein SNL-Sketch aus diesem Jahr, in dem die späteren Weltstars im Bienenkostüm den Slim-Harpo-Klassiker I’m A King Bee darbieten. Wenn man sich die alte Aufzeichnung anschaut, wird trotz alberner Aufmachung schnell klar, dass es dem Komikerduo mitnichten bloß um müde Witze geht. Ganz im Gegenteil: Die Bluesbrüder machen ernst. Ein schweißbenetzter John Belushi schreit sich am Mikrofon die Seele aus dem Leib, während Dan im Hintergrund wie besessen die Harp bearbeitet – zwar nicht virtuos, aber mit Innbrunst.

John Belushi und Dan Aykroyd 1976 als Blues-Bienen bei „Saturday Night Live“

Entfachte Liebe zum Blues

Wie in der schreibenden Zunft üblich, trifft sich die Belegschaft im Anschluss an die Aufzeichnungen regelmäßig in einer einschlägigen Kneipe ein paar Blocks weiter. Die mit R&B-Klassikern beladene Jukebox des von Aykroyd angemieteten Etablissements zeigt Wirkung, ebenso die eilig angeschaffte Grundausstattung an Verstärkern und Instrumenten. Als Belushi, der spätere “Jake Blues”, 1977 bei Dreharbeiten auch noch den Soulsänger und Mundharmonikaspieler Curtis Salgado kennenlernt und der ihm einen Stapel Bluesplatten leiht, ist es endgültig um ihn geschehen. O-Ton: „Das hat mein Leben verändert. Als weißer Junge aus der Vorstadt ging man einfach nicht in die Viertel, wo der Blues war. Disco mochte ich nicht, und Rock wurde mir langweilig. Wie viele Rod-Stewart-Alben kann schon man kaufen?” SNL-Bandleader Howard Shore (richtig gelesen, der von Herr der Ringe) schlägt kurzerhand vor, die beiden Nachwuchsmusiker mögen sich doch einfach “The Blues Brothers” nennen –  und so kommt es dann auch.

Mit der Hilfe von SNL-Pianist Paul Shaffer stellen Aykroyd und Belushi eine Allstar-Truppe zusammen, die sich gewaschen hat. Neben Lou Marini und Tom Malone, die damals ebenfalls zur Hausband von Saturday Night Live gehören, engagieren die Blues Brothers mit Gitarrist Steve Cropper, Bassist Donald Dunn und Drummer Willie Hall drei Stax-Records-Veteranen, die zu diesem Zeitpunkt bereits mit Booker T., Elvis, Isaac Hayes und Otis Redding zusammengearbeitet hatten. An der Leadgitarre gewinnt das Allstar-Projekt mit Matt “Guitar” Murphy (Howlin’ Wolf, Etta James, Buddy Guy) ein echtes Mississippi-Original. Komplettiert wird das Line-up von Saxofonist Tom Scott und Trompeter Alan Rubin.

Auf die Bühne

Die nunmehr unter den Namen Jake und Elwood Blues firmierenden Frontmänner der Truppe tragen fortan Wayfarer-Sonnenbrillen (wie der immercoole John Lee Hooker) und gehen ausschließlich im Cab-Calloway-Gedächtnisanzug auf die Bühne. Zunächst probiert sich die Band weiterhin bei Saturday Night Live aus, zum ersten Mal am 22. April 1978. Bald gehört das Projekt zum festen Repertoire der Sendung und erfreut sich größter Beliebtheit erfreut. Am 9. September 1978 spielen die Blues Brothers dann eine Show als Opener für Steve Martin im Universal Amphitheater in Los Angeles. Bei diesem Konzert wird Briefcase Full Of Blues mitgeschnitten.

Anfänglich begegnen die Medien der aufstrebenden Supergroup noch mit Skepsis. Vielerorts fragt man sich, wie ernst es die beiden Komiker mit der Musik wirklich meinen. Manch einer fühlt sich von der Band mit der erfundenen Biografie und den Akrobatikeinlagen sogar auf den Arm genommen. Doch zunehmend lösen sich die Zweifel in Luft auf. Wie es scheint, lieben Aykroyd, Belushi und Co. einfach ihren Job. Hinzukommt, dass die Truppe durchweg aus Spitzenmusikern besteht. “Am Ende war es eine der besten Ansammlungen von Bluesmusikern, die ich je gesehen habe”, resümiert Gitarrist Steve Cropper 2014.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Auch an persönlichem Engagement mangelt es den Blues Brothers nicht. Als der Vorschuss des Labels aufgebraucht ist, steuern Belushi und Aykroyd 50.000 US-Dollar aus eigener Kasse bei, um die Produktionskosten des Albums zu decken. Der Einsatz zahlt sich aus: Briefcase Full Of Blues landet unglaublicherweise auf Platz eins der Billboard Charts und knackt sogar zweimal die Platinmarke. Prompt greift in den USA das Blues-Brothers-Fieber um sich. 

Die Blues Brothers live 1978 – Pic: Richard McCaffrey/ Michael Ochs Archive/ Getty Images

Zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres Albumdebüts erscheint der gleichnamige Kultfilm, in dem Jake und Elwood “die Band wieder zusammenbringen müssen”, um mithilfe eines Benefizkonzert das nötige Kleingeld für die Grundsteuerrechnung ihres ehemaligen Waisenheims zu erspielen. Neben einem immensen Budget für demolierte Polizeiwagen, antifaschistischem Widerstand im Straßenverkehr und der ikonischen Fahrstuhlszene glänzt der Film mit zahlreichen Gastauftritten bekannter Musiker und Musikerinnen, etwa Aretha Franklin, Ray Charles und Cab Calloway).

Gerechte Lizenzen

Daran, dass die Blues Brothers faktisch eine Coverband sind, scheint sich kaum jemand zu stören. Im Gegenteil: Mit ihrem sprudeligen Livesound setzt das Projekt einen willkommenen Kontrastpunkt zu den zunehmend synthlastigen Pop-Releases der späten Siebziger. Doch es gibt eine weitere Gruppe, die von dem Phänomen Blues Brothers profitiert. Vor der Veröffentlichung von Briefcase Full Of Blues, schlägt die Plattenfirma Atlantic zunächst vor, den ursprünglichen Songschreibern fünfzig Prozent der Lizenzeinnahmen anzubieten. John Belushi und Aykroyd bestehen jedoch darauf, die Tantiemen in Gänze an die Urheber gehen zu lassen. Lediglich die Abgaben für ihre Live-Auftritte behalten sich die Blues Brothers vor. “Uns hätte ein Anteil an der Musik gehören können, aber wir haben keinen genommen. Das gehört sich nicht”, kommentiert Dan Aykroyd später im Interview.

Die Geste kommt an. Dank des Erfolgs der Neuauflagen erhalten Bluesveteranen wie Floyd Dixon, von dem Hey, Bartender stammt, auf einmal Schecks in bisher ungekannter Höhe. Einige Jahre nach John Belushis Tod an einer Überdosis 1982 trifft Harp-Spieler und Blues-Brothers-Inspiration Curtis Salgado den Songwriter beim Chicago Blues Festival. Man unterhält sich über die Band und kommt auf den unverhofften Geldsegen zu sprechen . Auf die Frage, was er mit dem Geld angestellt habe, antwortet Dixon: “Ich habe alles auf Pferderennen verwettet. Ich hatte eine wundervolle Zeit, Mann.“

Zeitsprung: Am 22.4.1978 treten die Blues Brothers zum ersten Mal auf.

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