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Popkultur

Die 15 besten Clips aus den Achtzigern: Diese frühen Videomeilensteine haben das Jahrzehnt geprägt

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Foto: Screenshot von Youtube

In den Achtzigerjahren begann der Siegeszug des Musikvideos – weil die bahnbrechenden Clips immer neue Mode- und Trendwellen lostreten und aufregende Impulse in den Mainstream bringen sollten. Aus einem visuellen Nebenprodukt entstand so eine vollkommen neue Kunstform.

von Laura Stavropoulos

In den 1980ern begann eine neue Ära

Während davor einzig und allein die Radiosender darüber entschieden hatten, ob ein*e Künstler*in für immer unbekannt bleiben oder aber riesengroß werden sollte, begann in den frühen Achtzigern die Ära des Musikfernsehens – und damit auch der Siegeszug des Musikvideos als eigenständige Kunstform. Mit MTV und VH1 hatte die nächste Generation ihre visuelle Jukebox gefunden, und die dort ausgestrahlten Videos waren schon bald sehr viel mehr als ein bloßes Nebenprodukt: Sie avancierten zu einem integralen Bestandteil des Images eines Künstlers bzw. einer Künstlerin.

Da das alles in jenen Tagen so wahnsinnig neu war, gab es zunächst noch überhaupt keine Regeln, keine Konventionen: Es war wie im Wilden Westen, musikalisch und visuell war alles erlaubt, kein Experiment war zu verrückt. Sicher waren die technischen Mittel noch ziemlich begrenzt, aber dem begegneten die Regisseur*innen mit umso mehr Kreativität und Experimentierfreude. Starten wir also unsere Zeitreise in eine Ära, in der alle irgendwie etwas braungebrannter als heute waren – und alle etwas reicher, ärmer, verrückter und überdrehter. Unsere Top-15 der größten Musikvideos aus den Achtzigern.

15. Dire Straits: Money For Nothing (1985)

Obwohl sie selbst bekanntermaßen nichts mit Musikvideos anfangen konnten, hievten Dire Straits die junge Kunstform schon sehr früh aufs nächste Level – indem sie Meta-Musikvideos ablieferten. Im Clip zu Money For Nothing sind zwei computeranimierte Männer aus der Arbeiterklasse zu sehen (jene Art von Typen, die auch den Songtext inspiriert haben), die den Rock & Roll-Lifestyle der Band allenfalls mit Verachtung quittieren. Die Band flankierte ihre Single mit einem Hybrid aus Live-Action und Animation, wobei sie, wie auch a-ha (Take On Me) und Michael Jackson (Billie Jean), auf den Regisseur Steve Barron vertrauten. Kein Wunder also, dass auch dieser Clip wie eine Bombe einschlagen und Dire Straits weltbekannt machen sollte.

14. Run-DMC & Aerosmith: Walk This Way (1986)

Im Video zu dieser bahnbrechenden Zusammenarbeit von Aerosmith und Run-DMC wird sehr schön sichtbar, was auf der musikalischen Ebene vor sich ging: Die Mauer zwischen Hip-Hop und Rock war damit durchbrochen – und so durfte Steven Tyler tatsächlich eine Studiomauer einreißen. Ein absolutes Novum, saß Rick Rubin bei diesem Rap-Rock-Schulterschluss hinter den Reglern, womit Aerosmith schlagartig wieder in aller Munde waren – und es auch das Hip-Hop-Phänomen endgültig bis in die nobleren Vorstadtviertel geschafft hatte. Bevor in den Neunzigern etliche solcher Songs entstehen sollten, zogen wenig später Public Enemy nach, die zusammen mit Anthrax den Song Bring The Noise aufnahmen.

13. N.W.A: Straight Outta Compton (1988)

Während ein Großteil der Achtziger-Videos den Zuschauer*innen phosphoreszierende Fantasiewelten präsentierte, sah die Welt im Hip-Hop schon damals ganz anders aus, vor allem dank N.W.A und deren Trademark-Hit Straight Outta Compton. Die Pioniere des Gangsta-Rap wollten, wie der Titel schon sagt, damit die Fahne für ihren Heimatort hissen, weshalb sie der ganzen Welt exklusive Einblicke ins Treiben von Compton gewährten und ganz ungeschönt zeigten, was an den Straßenecken im Großraum L.A. so alles abging.

12. Cyndi Lauper: Girls Just Wanna Have Fun (1983)

Ein unmissverständliches Plädoyer für mehr Spaß und mehr Lebensfreude, erfand Cyndi Lauper hiermit gewissermaßen die Girl-Gang und avancierte selbst zu einem der ersten Stars der MTV-Ära. Im Video zu Girls Just Wanna Have Fun rebelliert sie gegen ihre Eltern (gespielt übrigens von ihrer Mutter und dem Profi-Wrestler Captain Lou Albano), wobei der Clip mindestens so ausgelassen ist wie der Song: So wie Cyndi es vormacht, will man sofort aufspringen und einfach durch die Straßen der Lower East Side tanzen.

11. Duran Duran: Hungry Like The Wolf (1983)

Auch wenn wir heute natürlich von einem Klassiker sprechen, gab es auch eine Zeit, in der noch nicht jede*r dieses „Do do do do do“ mitsingen konnte. Um endlich einen Fuß in den US-Markt zu bekommen, konnten Duran Duran ihr Label dazu bewegen, sie nach Sri Lanka zu fliegen, um dort ein wirklich extravagantes Video zu produzieren. Der Plan ging auf: Es war der Startschuss für ihre Weltkarriere – und wenig später Blaupause für viele andere Clips. Obwohl man hier sicher in die Tiefe gehen und problematische Themen (Stichwort: Exotisierung) ansprechen könnte, war der Clip schon deshalb ein Meilenstein, weil Duran Duran ausnahmsweise nicht auf eine Performance, sondern eher auf eine narrative Ästhetik wie im Film setzen. Unbedingt anschauen – schon allein wegen der Indiana-Jones-Cosplay-Szenen oder den legendären „Umblätter“-Effekten.

10. Genesis: Land Of Confusion (1986)

In der klassischen Bildsprache der Achtziger tauchen einige Merkmale immer wieder auf: parodistisch-überzogene Einlagen, erste Animationsversuche, Live-Performances – und auch Puppen? Dieses fünfminütige Werk von Genesis fühlt sich an wie ein Fiebertraum von Ronald Reagan, gespickt mit reichlich Gastauftritten. Während die politische Botschaft unmissverständlich war, wurden die Puppen, die aus der britischen TV-Show Spitting Image stammten, von den Kids am Bildschirm ehrlich gesagt als ganz schön bedrohlich wahrgenommen. So oder so war das Satire-Video ein Riesenhit bei MTV, und es gibt echt  unendlich viele Details zu entdecken.

9. Prince: Raspberry Beret (1985)

An psychedelischen Elementen und Puffärmeln mangelt es gewiss nicht in diesem animierten Mash-up-Clip von Prince: Im Wolkenanzug und frisch fri- bzw. rasiert, hustet der Sänger noch vor dem ersten Ton („Ich wollte nur ein wenig krank wirken, weil ich etwas machen wollte, das sonst keiner macht.“), woraufhin Prince And The Revolution für ein paar Tanzwütige spielen. Angeblich soll Prince als Regisseur zunächst ein komplettes Video gemacht haben, um parallel dazu aber auch den japanischen Animationskünstler Drew Takahashi zu beauftragen – weshalb dann diese surreal anmutende Mischform entstehen konnte. Wer genau hinschaut, wird sogar Pat Smear von Nirvana (kleiner Tipp: Dreadlocks) in einer Statistenrolle erkennen!

8. Madonna: Like A Prayer (1989)

„Life is a mystery“ – das Leben mag unerklärlich sein, der immense Erfolg von Madonnas kontrovers diskutierter Auseinandersetzung mit dem Thema Katholizismus ist es sicher nicht. Schließlich zieht sie hier alle Register: brennende Kreuze, Wundmale, selbst die Verführung von Heiligen darf nicht fehlen. Der Aufschrei kam denn auch von allen Seiten zugleich: Die Chefs bei Pepsi waren alles andere als erfreut (sie sponserten damals ihre Tournee), und auch der Papst hatte schon bessere Laune gehabt. Aber Madonna war schon in den Achtzigern eine Meisterin des bewegten Bildes: Indem sie das recht junge Medium Video perfekt einsetzte, um ihre neueste Inkarnation greifbar zu machen, nutzte sie MTV als Sprungbrett und setzte so zu einem Höhenflug an, der bis heute anhält.

7. Talking Heads: Once In A Lifetime (1980)

Ein Paradebeispiel postmoderner Ästhetik, zeigte dieses Video der Talking Heads vor allem eines: Innovation war auch für ein überschaubares Budget möglich. Indem sie die Choreografin Toni Basil (Mickey) als Co-Regisseurin ins Boot holten, begegnen wir einem bebrillten David Byrne, genauer gesagt seinem Bekehrer-Avatar, der auf afrikanische Stammesmitglieder einredet und sich dabei wie eine digitale Marionette bewegt. Auch deshalb steht der Name Talking Heads wie kaum ein anderer für die (manchmal etwas spinnerte) kreative Energie, die viele Videoklassiker aus den Achtzigern bis heute so sehenswert macht.

6. Grace Jones: Slave To The Rhythm (1985)

Wer ein komplexes, vielschichtiges Stück wie Slave To The Rhythm bebildern will, darf nicht an visuellen Ebenen und Referenzen sparen: So geschehen im schillernd-karnevalesken High-Art-Kabinett des Grafikers und Regisseurs Jean-Paul Goude, der die entsprechenden Effekte und Fashion-Inszenierungen im Programm hat. Jones und Goude waren davor jahrelang ein Paar gewesen; auch hatten sie davor schon etliche gemeinsame Projekte gestemmt – und die so gewachsene Chemie bildete hier das Fundament für ein extrem schlüssiges Bilderfeuerwerk.

5. Guns N’ Roses: Welcome To The Jungle  (1987)

Obwohl ihr ganzes Auftreten wie fürs Fernsehen gemacht war, standen Guns N’ Roses beim Sender MTV nicht immer hoch im Kurs. Als Appetite For Destruction veröffentlicht wurde, sah man so gut wie nichts von ihnen – bis dann dieses Video erstmals ausgestrahlt wurde: Mit Welcome To The Jungle wurden Guns N’ Roses schlagartig Superstars, und das mit Filmreferenzen gespickte Video selbst zählt seither zu den größten Sternstunden der Achtziger. Die drei Kernszenen: Axl, der gerade erst aus dem Bus ausgestiegen ist; Axl als Rockstar und schließlich Axl nach dem Nervenzusammenbruch, der mit einer Bilderflut-Technik (Nachrichtenbilder) gefoltert wird – A Clockwork Orange von Stanley Kubrick lässt grüßen.

4. a-ha: Take On Me (1985)

Das Video zu diesem Synthiepop-Superhit von a-ha besticht nicht nur mit eindrucksvollen Falsett-Einlagen, sondern auch mit einer Reihe von Spezialeffekten. Überhaupt bringt es das Jahrzehnt visuell ziemlich gut auf den Punkt: Die Rick-Astley-Frisur, die romantischen Kapriolen, dazu Pop-Art-Elemente wie aus dem Comic. Viel Liebe zum Detail steckt in diesen gut vier Minuten, die als einer der ersten Clips aus dem letzten Jahrhundert auch bei YouTube die 1-Milliarde-Marke knacken konnten: Mike Patterson, der Illustrator, soll allein gut 3.000 Skizzen abgeliefert haben. Der Trend zu Animationsvideos oder zumindest animierten Elementen sollte danach 10 Jahre lang nicht abreißen.

3. Janet Jackson: Rhythm Nation (1989)

Kurz vor Ende des Jahrzehnts sorgte Janet Jackson mit diesem Video dafür, dass plötzlich alle Mitglied ihrer Rhythm Nation sein wollten. Regisseur Dominic Sena, der schon zwei Jahre zuvor für den visuellen Part zu Let’s Wait Awhile beigesteuert hatte, erweckte hier eine dystopische Tanz-Vision zum Leben – mit einem Video, in dem Janet eine sexy Truppe von tanzenden Paramilitärs in eine extrem stylische Zukunft führt. Mehr Attitude, mehr Killer-Choreographie geht nicht. Für die folgenden Jahre lag die Choreografie-Latte jedenfalls wahnsinnig hoch.

2. Peter Gabriel: Sledgehammer (1986)

Wer in sehr jungen Jahren in den Genuss dieses Videos gekommen ist, wird sich gewiss daran erinnern, wie Peter Gabriel von einer animierten Spielzeugeisenbahn umrundet und dann von einem Obstgesicht ersetzt wird – während etwas reifere Semester noch das Intro vor Augen haben dürften, in dem alles andere als subtil gewisse Verkettungen gezeigt werden. Beides beweist vor allem, dass der Clip zu Sledgehammer bahnbrechend und absolut einzigartig war. In der MTV-Ära wurde denn auch kein anderes Video häufiger gezeigt als dieses.

1. Michael Jackson: Thriller (1983)

Ein anderes Video auf Platz 1 dieser Liste wäre undenkbar und Ketzerei: Michael Jacksons Thriller stammt zwar schon aus dem Jahr 1983, aber es zählt bis heute zu den größten Musikvideo-Meilensteinen, weil Jackson zusammen mit dem Regisseur von American Werewolf das ganze Format zu einer Art (Horror-)Kurzfilm ausweitete. Das einstige Engelchen aus dem Hause Motown hatte damit seine dunkle Seite zeigen wollen, und da er auch über das entsprechende Budget verfügte, konnte er sich auch so richtig schön austoben. So war sein Thriller-Video hinterher auch der erste Musikclip, der sogar ins nationale Filmregister der Library of Congress aufgenommen wurde.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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Popkultur

15 Jahre Kapitulation: Tocotronics „Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur“

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Tocotronic
Foto: Jakubaszek/Getty Images

Mehr Musiktheater als Musik: Mit Kapitulation legen Tocotronic 2007 den zweiten Teil ihrer Berlin-Trilogie vor. Und zementieren ihren Ruf als magische Gitarrenvisionäre der Gesellschaftstheorie.

von Björn Springorum

hier könnt ihr euch Kapitulation anhören:

Nach dem Klassiker Pure Vernunft darf niemals siegen gönnen sich Tocotronic 2006 eine Pause von sich selbst. Seit dem Debüt Digital ist besser 1995 haben sie sieben Platten veröffentlicht, ein hohes Tempo, dazu Konzerte, Festivals in halb Europa und den USA. Urlaub steht dennoch nicht Agenda für die Propheten der Hamburger Schule: Sänger und Prediger Dirk von Lowtzow, Bassist Jan Müller und der recht neue Gitarrist Rick McPhail vollenden Soloplatten, verwirklichen sich abseits der mittlerweile gefestigten Pfade von Deutschlands wichtigster Rockband.

Der ahnungsvolle Geist der Rockmusik

Diesen Ruf hat man sich mit viel harter Arbeit und unglaublicher Musik erarbeitet. Spätestens seit K.O.O.K. (1999) sind die Diskursrocker von der lauten, verzerrten Schrammelband zum ahnungsvollen Geist geworden, zu beschwörenden Gitarrenalchemisten, deren Musik eine tiefe Magie entströmt und deren Texte eher vergeistigte Mantren im Geiste eines Michel Focault sind, durchzogen von griffigen Slogans, die die Band auf zahlreiche Tattoos oder Jutebeutel gebracht hat.

2007 setzen sie im Studio Chez Chèrie in Berlin-Neukölln ihre mit Pure Vernunft darf niemals siegen begonnene Berlin-Trilogie fort – eine Hommage an David Bowie freilich, eine Verbeugung vor den ganz großen Denkern der Rockmusik. Zu denen zählen Tocotronic auch. Aus der einstigen Studi-Band mit Cordhose, Trainingsjacke und Seitenscheitel ist ein Phänomen geworden, ein gesellschaftliches Ereignis. Einige Jahrzehnte nach Ton, Steine, Scherben gibt es wieder eine deutsche Band, die weiß, wo die Wunden der Gesellschaft liegen, und zielgenau den Finger hineinlegt.

Musik gegen den Optimierungswahn

Tocotronic tun das auf Kapitulation indes keineswegs laut, markig oder aufbrausend. Konträr zur militärischen Symbolik in Albumtitel und vielen Texten nehmen die Musiker in wenigen Tagen ein Album gegen den Optimierungswahn unserer Zeit auf – live und in fiebrigen Sessions. Kapitulation als Ultima Ratio gegen Pragmatismus und Effizienz. „Kapitulation ist eine Verführung zur Geistesabwesenheit“, wird die Zeit dazu sagen. Von Lowtzow konkretisiert das 2007 in einem Interview mit der taz: „Es ist in Vergessenheit geraten, dass es einmal eine künstlerische Strategie gab, nichts zu tun. Und die möchten wir formulieren als Antithese zu diesem Leistungsimperativ, der neuerdings in dieser Gesellschaft herrscht. Das Unproduktive wird unterschätzt.“

Wie Herman Melvilles Bartleby sind auch Tocotronic im Müßiggang zuhause – bei aller gefühlten Effizienz ihrer vielen Alben und Touren mache man als Band anscheinend „nur ein Fünftel von dem, was andere machen.“ Das Mantra „Ich möchte lieber nicht“ geistert auch durch dieses Album, eine kurze griffige Geste der Entsagung. Musikalisch indes möchten sie. Und wie: Tocotronic verwandeln sich auf Kapitulation weiter in diese entrückte Rock-Band, der ein schwer fassbarer, beschwörender, kafkaesker Zauber innewohnt. Zwölf Songs, zwölf Indie-Schmuckkästchen, denen man sich auch heute nur schwer entziehen kann. Zeitlos im besten Sinne ist das, was Tocotronic hier machen, längst in einer ganz eigenen Liga und nicht nur in Deutschland einzigartig. Das hypnotische Mein Ruin, der Befehl Verschwör dich gegen dich, die zarte Antithese zu glücklichen Pärchen-Eskapismus-Balladen, Harmonie ist eine Strategie oder der wüste Ausbruch Sag alles ab, der dann natürlich mit einer Extraportion Trotz als Single ausgekoppelt wird: Hier kann man einer der schlausten Bands Deutschlands in den Kopf schauen. Musik als Unterricht.

Immer noch Punk

Da ist der Wechsel vom dichtgemachten Hamburger Indie-Label L’Age D’Or zum Major Vertigo nur konsequent: Diese Band ist längst viel zu wichtig, um sie nicht größtmöglich zu inszenieren. Punks bleiben Tocotronic im Herzen dennoch. Sie zielen gegen das System, klinken sich aus aus den Erwartungshaltungen, die man an das Individuum stellt. Zudem möchte Vordenker und Texter von Lowtzow Kapitulation auch als „Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur“ verstanden wissen. Gejammer gibt es bei den Hamburgern nicht. Punk ist das schon eher. Wenn auch 2007 längst nicht mehr mit Tempo, Geschwindigkeit und Schrammeleien.

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Popkultur

45 Jahre „Slowhand“: Eric Claptons furioses Comeback nach Heldensturz und Heroin

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Eric Clapton
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Wer ein Album mit einem Hattrick aus Cocaine, Wonderful Tonight und Lay Down Sally eröffnet, hat ein Comeback verdient: Vor 50 Jahren feuert Eric Clapton seine Karriere neu an und liefert mit Slowhand den definierenden Moment seiner Laufbahn als Solitär.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Slowhand anhören:

Das Blöde an Gitarrenhelden und musikalischen Heiligen ist ja: Sie weilen derart hoch oben in himmlischen Sphären, dass so ein Fall ganz schön tief sein kann. In den Siebzigern passiert genau das Eric Clapton. Nachdem er ab 1963 erst durch die Yardbirds, dann durch die Bluesbreakers, Cream, Blind Faith und Derek And The Dominoes zu einem der fleißigsten, besten und berühmtesten Gitarristen der Sechziger wurde, versucht er es 1970 solo. Muss ja so kommen, viel mehr kann Clapton im Bandkorsett nicht erreichen.

Heldensturz und Heroin

Die Karriere läuft einigermaßen an, wird aber von Drogen und gebrochenen Herzen torpediert. Er verfällt zu gleichen Teilen George Harrisons Frau Pattie Boyd und dem Heroin, zieht sich zurück, macht einen desolaten Auftrott bei Harrisons Concert For Bangladesh. Einer der strahlenden, mythischen Helden der Sechziger, so scheint es, wurde gestürzt. 1974 kämpft er sich aus der Dunkelheit zurück und veröffentlicht, jetzt mit Boyd an seiner Seite, sein Comeback 461 Ocean Boulevard. Der Trick: Mehr Songs, weniger Experimente.

Der Plan geht auf, doch die Nachfolgewerke There’s One in Every Crowd (1975) und No Reason To Cry (1976) sind wieder vergleichsweise ziellos und aufgebläht. Merkt er selbst und verschanzt sich mit seiner fast durchgehend US-amerikanisch besetzten Liveband im Mai 1977 in den Londoner Olympic Studios, wo sein fünftes Soloalbum Slowhand entsteht. Es soll sein definierendes Kapitel als Solitär werden. Und das hat direkt mit seinen Mitmusiker*innen zu tun: Sie bringen den originär amerikanischen Blues und Soul, dem Clapton seit Tag eins nacheifert, auf sein Album – mühelos, authentisch und mit unkompliziertem Groove. „Ich als Engländer kann mich diesem Sound nur annähern“, sagt Clapton mal dazu. „Doch die Band ist eine Tulsa-Band. Die kann gar nicht anders.“

Clapton und der Anti-Drogen-Song

Slowhand, benannt nach dem Spitznamen, den er 1964 vom Yardbird-Manager Giorgio Gormelsky bekam, beherzigt die Lektionen von 461 Ocean Boulevard, gibt sich eingängig, radiofreundlich und bleibt mit Ausnahme des Neunminüters The Core in allen Songs unter der Fünf-Minuten-Marke. Außerdem wagt Clapton deutlich mehr Eigeninitiative und packt viel weniger Cover-Songs als sonst auf die Platte. Einer wird dann aber gleich zu seinem infamen Signature-Song: Seine Interpretation von J.J. Cales Cocaine wird in Argentinien zensiert und in Folge vieler negativer Stimmen in den nächsten Jahren sehr selten live gespielt. Irgendwie konnte Eric Clapton niemanden davon überzeugen, dass wir es hier mit einem Antidrogensong zu tun haben. Na ja… „If your day is gone, and you want to ride on, cocaine – don’t forget this fact, you can’t get it back, cocaine“ klingt jetzt nicht gerade sehr kritisch.

Unaufdringlich virtuos

Was Slowhand auszeichnet, ist diese unaufdringliche Virtuosität. Clapton muss niemandem mehr etwas beweisen und macht einfach das, was er kann: Die Gitarre zum Strahlen bringen. Mit Wonderful Tonight spendiert er dem Album zudem einen seiner bekanntesten Songs – eine Ode an Pattie Boyd, inspiriert von ihrem gemeinsamen Besuch eines Paul-McCartney-Konzerts 1976. Sweet. Die dritte große Nummer nach Cocaine und Wonderful Tonight ist natürlich der Country-Kracher Lay Down Sally, den Clapton gemeinsam mit Backgroundsängerin Macy Levy und Gitarrist George Terry schreibt. Gemeinsam formen sie das Triptychon, das Slowhand eröffnet und fast eigenmächtig zum Erfolg führt.

Slowhand inszeniert eine Band, die ganz genau weiß, was sie tut. Die ganz genau weiß, dass sie starkes Material in einigen hellen Momenten im Studio eingespielt hat. Der lockeren Klasse der Songs schadet nicht mal, dass Clapton laut Produzent Glyn Johns fast durchgehend alkoholisiert war. Aufrecht erhalten kann Slowhand dieses gute Blatt jedoch nicht: Die nächsten Platten sind allesamt halbherzige Versuche. Erst mit dem von Phil Collins produzierten August (1986) geht es langsam wieder bergauf, gekrönt von MTV Unplugged (1992), das ihn endgültig konsolidierte.

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