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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.5.1988 veröffentlicht Prince das kurzfristig aufgenommene „Lovesexy“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.5.1988.

von Christof Leim

Mit seinem zehnten Album will Prince Positives in die Welt tragen – und stampft düstere Ideen kurzerhand ein. Auf dem in kurzer Zeit entstandenen Lovesexy singt er am liebsten über Gott und Sex.

Hier könnt ihr in Lovesexy reinhören:

An Ideen hat es Prince nie gemangelt: Nach dem Erfolg von Sign O’The Times (1997) hat der hochbegabte Musiker ziemlich schnell das neue The Black Album im Kasten. Das fällt jedoch vergleichsweise düster und negativ aus, so dass der Meister kurz vor Veröffentlichung die Reißleine zieht: „Ich war damals sehr oft ziemlich wütend, und das hört man auch“, erzählt er 1990 dem Rolling Stone. „Dann wurde mir plötzlich klar, dass wir alle jeden Moment sterben können – und an dem gemessen werden, was wir als letztes hinterlassen haben. Ich wollte nicht, dass es dieses verbitterte, wütende Ding wird.“

Schnell ein neues Album

Also verschwindet The Black Album unveröffentlicht in der Versenkung, obwohl bereits ein paar Hundert Promokopien verschickt wurden (und prompt als Bootlegs auftauchen). 1994 erscheint das Werk schließlich doch noch, aber Ende 1987 steht Prince erstmal ohne neue Platte da. Das wird dem Label nicht gefallen haben, außerdem wartet die Welt ja auf neuen Stoff.

Also haut Prince in anderthalb Monaten ein neues Album raus. Das ist nicht viel Zeit, selbst wenn man annehmen darf, dass der produktive Vielschreiber ein paar coole fertige Nummern aus der Schublade ziehen kann. Vielleicht erledigt der damals 29-jährige Multiinstrumentalist deshalb die meisten Aufnahmen gleich selber, als das Album zwischen dem 11. Dezember 1987 und 31. Januar 1988 in seinen Paisley Park Studios entsteht. Lediglich auf der ersten Nummer Eye No spielt seine ganze Band, Sheila E. trommelt auf etwa der Hälfte der Tracks, und die Bläsersektion darf auch hier und da noch reintröten. Ansonsten gibt es den Chef solo an allen Instrumenten

Jetzt dann mal mit guter Laune

Thematisch behandelt Prince hier zwar den inneren Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Tugend und Sünde, klingt dabei aber positiver als auf dem Black Album. Er selbst nennt Lovesexy eine „Gospel-Platte“ und singt viel von Positivität, Gott, Spiritualität und Sex.

Der Künstler nackig auf einer Blume: In den USA war das ein Problem.

Zur Veröffentlichung am 10. Mai 1988 gibt es erstmal Ärger wegen des Covers: Darauf sitzt der Meister nackig auf einer Blume, die Hand an der Brust, und die Pflanze links von ihm sieht aus wie eine Penisspitze. Ach Gottchen. In den Vereinigten Staaten bekommen einige Leute davon aber Schnappatmung, also weigern sich manche Läden und Ketten, die Scheibe zu verkaufen. Sie wird deshalb mitunter in eine schwarze Hülle gesteckt, also genau so, wie das Black Album geplant war.

Alles ein Song?

Der Meister selber wünscht sich außerdem, dass die ziemlich knackigen und tanzbaren Funk-Pop-Songs als eine durchlaufende Sequenz gehört werden. Deshalb gibt es auf jeder LP-Seite nur ein langes Stück, die ersten CD-Pressungen kommen mit einem einzigen Track aus. Der ist dann 45 Minuten lang – und ziemlich unpraktisch.

Daran alleine wird es vermutlich nicht liegen, dass die US-Fans Lovesexy nicht ganz so lieb gewinnen wie den Vorgänger. Die Single Alphabet St. wird zwar im Frühling 1988 zum Hit, die Nachfolger Glam Nation und I Wish U Heaven schaffen es aber nicht mehr in die Top 100. Das Album klettert zwar bis auf Platz 11, kann an die Megaverkaufszahlen von Sign O’The Times nicht anknüpfen. Anders sieht es in Europa aus: In Großbritannien und einigen anderen Ländern landet Prince zum ersten Mal auf der Pole Position, in Deutschland auf Platz vier, alle Singles verkaufen sich bestens. Im Video zu Alphabet St. versteckt sich übrigens eine Botschaft des Künstlers: Kurz nach dem Ende der ersten Strophe („She’ll want me from my head to my feet“) erscheint für einen Sekundenbruchteil der Satz „Don’t buy The Black Album, I’m sorry.”

Dicke Hose auf Tour

Vom 8. Juli 1988 bis 13. Februar 1989 läuft schließlich die Lovesexy-Tour durch Europa, Nordamerika und Asien. Fast alle Termine sind ausverkauft, die Resonanzen fallen durchweg positiv aus. Das liegt auch an der aufwändigen Produktion der Zwei-Stunden-Shows, bei denen unter anderem ein Basketball-Korb, ein Brunnen und ein Ford Thunderbird auf der Bühne stehen. Das kostet Geld, erst bei den finalen Terminen in Japan im Februar 1989 kommt die ganze Unternehmung in die schwarzen Zahlen. Das Konzert am 9. September 1988 in den Dortmunder Westfalenhallen wird mitgeschnitten, im Fernsehen übertragen und als Homevideo veröffentlicht. Die Show kann sich sehen lassen, die Band groovt wie nichts Gutes, und auch an Anzüglichkeiten lässt es der Meister nicht mangeln (siehe 16:01 Min.). Schon ein Jahr nach Lovesexy legt Prince das erneut in allen Belangen megaerfolgreiche Album Batman nach, und jedweder Einbruch in der Zuschauergunst ist vergessen. Aber das ist eine andere Geschichte…

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Zeitsprung: Am 7.6.1993 ändert Prince seinen Namen in ein unaussprechliches Symbol.

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