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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.4.1959 wird Buddy Hollys Brille in Iowa gefunden

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.4.1959.

von Christof Leim und Andrea Hömke

 

„Wo ist Buddy Hollys Brille jetzt?“ Als Die Ärzte 1985 diese Frage stellen, sind die markanten Gläser der Rock’n’Roll-Legende zwar längst gefunden, doch tatsächlich gelten sie zuvor rund 20 Jahre als verschollen. Dabei wird das bekannte Horngestell bereits zwei Monate nach dem tödlichen Flugzeugabsturz in einem verschneiten Maisfeld in Iowa entdeckt. Damit taucht Buddy Hollys Brille am 7. April 1959 auf. Oder besser: sie taut auf…


Hört hier in die besten Buddy Holly-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.


Eigentlich will Charles Hardin Holley keine Brille tragen. Zu uncool, zu hässlich, passt nicht zum Image eines Musikers. Doch seine starke Kurzsichtigkeit (-6 Dioptrien) und eine Hornhautverkrümmung lassen ihm keine andere Wahl. Ein Versuch mit damals noch sehr dicken und extrem unangenehmen Kontaktlinsen scheitert, also beugt sich Buddy Holly, wie er sich als Künstler nennt, schließlich dem Rat seines Augenarztes Dr. J. Davis Armistead: Er trägt Brille. Zum Glück möchte man heute sagen, denn wohl kein Prominenter – abgesehen vielleicht von Harry Potter – hat die Sehhilfe so zu seinem Markenzeichen gemacht wie der Rock’n’Roll-Star.

Fortan trägt der Musiker seine Sehhilfe also auch auf der Bühne und bemerkt schnell, dass alle Sorgen unbegründet waren. Die Fans stehen drauf, und Buddy greift schließlich sogar vom nicht ganz so auffälligen Halbrahmen-Modell zur dicken, schwarzen Hornbrille. Die trägt er auch bei seinem letzten Konzert am 2. Februar 1959 bei der Winter Dance Party im Surf Ballroom in Clear Lake, Iowa. Dort tritt er unter anderem mit Ritchie Valens und J. P. „The Big Bopper“ Richardson auf und soll nachts noch mit ihnen zum nächsten Konzert fliegen. Doch am frühen Morgen des 3. Februar stürzt das Flugzeug kurz nach dem Start ab und zerschellt in einem verschneiten Maisfeld. Alle Insassen sterben, der traurige Tag geht als „The Day the Music Died“ in die Geschichte ein. (Die ganze Geschichte dazu findet ihr hier.)


Das zerstörte Flugzeug an der Absturzstelle in Iowa (Pic: Civil Aeronautics Board/Wiki Commons)


Zwar werden die Trümmerteile in den Folgetagen eingesammelt, doch die Brille von Holly bleibt vorerst verschwunden. Anders als im Die Ärzte-Song beschrieben wird der junge Musiker folglich auch nicht mit ihr begraben. Erst 21 Jahre später, am 29. Februar 1980, durchsucht Sheriff Jerry Allen vom Cerro Gordo County alte Unterlagen und stößt auf einen hellbraunen Umschlag, der mit den Worten „Charles Hardin Holley, rec’d April 7, 1959“ beschriftet ist. Allen schaut rein und findet die bekannte schwarze Hornbrille. Der Rahmen ist vom Unfall stark zerkratzt, die Gläser sind herausgebrochen, ein Bügel ist beschädigt. Weil es sonst keine Aufzeichnungen über den Fund gibt, gehen die Ermittler davon aus, dass ein Farmer die Brille einige Monate nach dem Absturz gefunden hat, als der Schnee taute.


Da ist sie: Buddy Hollys Brille (Pic: John W. Schulze/Wiki Commons)

Der Sheriff informiert die Familie des Sängers, Eltern und Ehefrau streiten sich im Anschluss ein Jahr lang um das Markenzeichen des Verstorbenen, bis ein Gericht sie im März 1981 Buddys Ehefrau Maria Elena zuspricht. Siebzehn Jahre später verkauft sie das Erinnerungsstück für angeblich 80.000 Dollar an das Buddy Holly Center in der Heimatstadt ihres verstorbenen Mannes, Lubbock in Texas. Bis heute liegt sie dort in einer Vitrine. Und da ist Buddy Hollys Brille jetzt…



Titelfoto: Buddy Holly Brunswick Records/Wiki Commons


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