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Popkultur

10 Alben mit Konzept und Überlänge, in die man sich vertiefen kann

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Foto: Cover

Das Album-Format ist tot. Heutzutage bestimmen Playlisten und einzelne Songs das Geschehen, maximal EPs!

von Michael Döringer

Überlängen sind typisch im Rock

So hört man es zumindest. Dagegen wehren wir uns jeden Tag und stehen weiterhin leidenschaftlich zur LP als Gesamtkunstwerk. Nur ist es eben auch so, dass selbst wir nicht immer Zeit haben, uns einer Platte in voller Länge zu widmen. Vor allem nicht denjenigen, die weit über die magischen 40-50 Minuten hinausgehen. 90+ Minuten, 3-LP-Alben oder sogar 2-CD-Werke sind keine Seltenheit in der Rockgeschichte. Falls ihr also gerade ein paar ruhige Stunden habt, bald in Pension geht oder mit gebrochenem Bein auf dem Sofa liegt: Gute Besserung und viel Spaß mit den besten längsten Alben aller Zeiten!

Grateful Dead – Live Dead (1969)

Die vierte LP-Veröffentlichung von Grateful Dead war zugleich die erste Live-Aufnahme der Psychedelic-Legenden. Und da es immer heißt, dass sich die Magie der Dead vor allem auf den ausgedehnten Jams auf der Bühne entfaltet hat, ist diese Platte auch für einen Einstieg ins Werk der Hippie-Ikonen die richtige Wahl: sieben Stücke ausgedehnt auf 75 Minuten, mitgeschnitten im Jahr 1969 bei Live-Auftritten in San Francisco. Zum Vergleich, auch wenn er hinkt: Das White Album erschien ein Jahr zuvor mit fast 30 Songs. Grateful Dead standen für den hypnotischen Sog der Improvisation und ausgedehnte Jams. Man kann das nur nachempfinden und wertschätzen, wenn man sich dieser expressiven Urgewalt in voller Länge aussetzt.

The Who – Tommy (1969)

Klar kennst du Tommy, aber wann hast du es zuletzt komplett gehört, wenn überhaupt schon mal von Anfang bis Ende? Die „Rock-Oper“ ist ein geflügeltes Wort, letztendlich ist sie nichts anderes als ein stringent erzähltes Konzeptalbum. Tommy ist einerseits ein weniger komplexes Gegenstück zu fast überambitionierten Konzeptalben wie Sgt. Pepper, andererseits Vorbild für viele spätere Progressive-Platten. Mod-Hymnen, typisch weitläufiger Rock sowie kurze Interludes und Zwischenstücke, die das Gesamtgebilde stützen, mit dem Pete Townshend seine Kindheit und Jugend aufarbeitet. Es lohnt sich, hier nicht nur zwischen den bekannteren Songs wie I’m Free oder Pinball Wizzard hin- und her zu skippen.

George Harrison – All Things Must Pass (1970)

Für viele ist das hier natürlich Pflichtprogramm und ein ganz essenzielles Werk, das ist klar. Aber vielleicht habt ihr euch dem ersten wirklich guten Soloalbum von Herrn Harrison auch schon länger nicht mehr gewidmet – immerhin ein Dreifach-Album mit über zwei Stunden Spielzeit. Allen anderen sei gesagt: Das hier ist wohl die beste Post-Beatles-Platte, denn sie steckt im Prinzip voller Beatles-Songs, die der stille George gegen John und Paul nicht durchsetzen konnte. Hier durfte er sie alle nacheinander machen, und dementsprechend ausufernd wurde das Projekt.

Genesis – The Lamb Lies Down On Broadway (1974)

Noch eine Platte aus der offensichtlichen Kategorie, aber auch eine, für die man wirklich Zeit und Muse braucht: das Genesis-Album schlechthin, neben Selling England By The Pound. Ein konzeptuelles Prog-Meisterwerk wie es im Buche steht, ein Album, das vielleicht stellvertretend für ein ganzes Genre stehen kann. Obwohl es so komplex-kompliziert angelegt ist, geht The Lamb Lies Down On Broadway wunderbar ins Ohr, was vor allem Peter Gabriels Verdienst ist. Er dachte sogar daran, aus der Geschichte einen Film zu machen. Gut, dass daraus nichts wurde, werden manche Kritiker*innen sagen. Denn die Story vom puerto-ricanischen Hustler Rael in New York City ergibt leider nie so wirklich komplett Sinn. Nimm dir die 92 Minuten und versuch des nachzuvollziehen. Wie bei 2001 von Stanley Kubrick lohnt sich hier jeder neue Versuch.

The Clash – Sandinista! (1980) 

Auch die Punkrock-Legenden The Clash können Langstrecke. Die Band um Joe Strummer hatte sich schon früh von eindimensionalem Punk verabschiedet und war in Richtung Soul und Blues, Dub und Reggae ausgeschweift. Im Jahr nach London Calling erschien mit Sandinista! ein Dreifach-Album, das manchen Kritiker*innen zu weit ging, zu wirr war. Die Band mischte alle Genres, warf Songskizzen zwischen Dub-Experimente, lieferte viel Material ab und war lange nie so greifbar wie auf dem Album zuvor. Es lohnt sich dennoch, den Charme des Unfertigen und Überladenen zu entdecken – alleine wegen den darin versteckten Klassikern wie Hitsville U.K. oder Police On My Back.

Hüsker Dü – Zen Arcade (1984)

Der Einfluss von Hüsker Dü und speziell dieser Platte auf den US-Alternative-Rock der 80er kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dieser Post-Hardcore-Klassiker brach damals mit vielen Regeln, allein schon dadurch, dass es sich um ein extensives Konzeptalbum handelte. Es erzählt von den Erfahrungen eines jungen Mannes, der sein erstes Jahr weg von zu Hause verbringt. Viel wichtiger ist allerdings der Sound dieses Albums, der sich für Pop öffnete, ohne Punk-Ideale zu opfern. Zen Arcade steht tatsächlich ganz in der Tradition von Punk und Hardcore, ohne sich davon formell einschränken zu lassen.

Smashing Pumpkins – Mellon Collie & The Infinite Sadness (1995)

Mit dem beachtlichen und stolzen Nachfolger von Siamese Dream schossen Billy Corgan und Co. endgültig durch die Decke. In den über zwei Stunden und 28 Songs versuchte Corgan, zeitgenössischen Alternative Rock mit den Platten der 70er zu verschmelzen, die er liebte. Das Ergebnis konnte sich hören lassen, das Bombastische und Überambitionierte passte irgendwie ganz gut zum Sound der Pumpkins – vor allem, wenn dank Hits wie 1979 oder Bullet With Butterfly Wings eigentlich nie anstrengende Längen entstehen.

Drive-by Truckers – Southern Rock Opera (2002)

Der Titel ist Programm: Southern Rock Opera ist ein Muss für alle Southern-Rock-Fans und alle, die es werden wollen. Das ist nicht schwer, denn die Musik der Drive-by Truckers ist unglaublich direkt und packend. Auf diesem über 90-minütigen Meisterwerk geht es um Lynyrd Skynyrd, die größte Inspiration der Band, und die Lebensverhältnisse im Süden. Ein hochambitionierter Song-Zyklus, der dem Genre selbst den Spiegel vorhält, als Tribut an Skynyrd gedacht ist und sich zugleich nicht hinter deren mächtigen Einfluss verstecken muss.

Sufjan Stevens – Illinois (2005)

Gute und substanzielle Konzeptalben sind selten geworden, im Pop sowieso. Sufjan Stevens ist ein Künstler, dessen endlose Kreativität immer zwangsläufig zu interessanten Konzepten führt. Ob das nun ganze Alben über seine Eltern oder über Bundesstaaten der USA sind, wie Illiois von 2005. Americana von heute oder doch US-Nostalgie? Das muss man selbst entscheiden. Auch hier läuft die Uhr über 90 Minuten und 25 Songs.

The Beach Boys – Smile Sessions (2011)

Das legendärste Artefakt des Sixties-Pop: das letzte Album-Projekt von Brian Wilson respektive der Beach Boys. Begonnen 1966 und nie fertig gestellt. Und doch gab es stundenlanges Aufnahmematerial. 2004 schon veröffentlichte Wilson ein Soloalbum, das auf den SMiLE-Aufnahmen basierte, hier werden die Aufnahme-Sessions aus einem leicht anderen Blickwinkel präsentiert. Wie hätte der Nachfolger von Pet Sounds klingen können? Mit den Smile Sessions kann man sich das in 141 Minuten selbst ausmalen.

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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