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Popkultur

10 Dinge, die ‘Sgt. Pepper’ von den Beatles möglich gemacht haben

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Sgt. Pepper nimmt einen ganz besonderen Platz im Katalog der Beatles und im kollektiven Gedächtnis der Leute ein. Egal welche Musik Sie bevorzugen, niemand kann den gewaltigen Einfluss dieses Albums auf die Musik und Kultur im Allgemeinen bestreiten. Im Grunde kann man die Geschichte sogar in ein Zeitalter vor und nach Pepper unterteilen.

Für die, die die erste Veröffentlichung von Sgt. Pepper nicht live miterlebt haben, ist das Album nur Altvertrautes. Was einmal als extrem experimentell und bahnbrechend galt, wird jetzt als “Classic Rock” bezeichnet. Aber dank Sgt. Pepper wurde Rockmusik zu einer respektierten Kunstform und die Nachwirkungen sind in den folgenden Jahrzehnten deutlich zu sehen. Sgt. Pepper wäre in keinem anderen Jahr als 1967 möglich gewesen. Um das zu verstehen, muss man die wichtige, symbiotische Beziehung zwischen Kultur und Musik erkennen. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums seit Erscheinen von Sgt. Pepper wollen wir Ihnen hier einige der Umstände näherbringen, die zum gefeiertsten Werk der Beatles führten.

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Hört euch hier das The Beatles Album Sgt. Pepper’s Lonley Hearts Club Band an und lest weiter:


1. Die Gegenkultur der 60er Jahre

 

Der Geist der Gegenkultur war schon lange vor Sgt. Pepper spürbar. Bob Dylan hatte sein beeindruckendes Doppelalbum Blonde On Blonde bereits veröffentlicht und Brian Wilson arbeitete gemeinsam mit den Beach Boys an Pet Sounds. Es schien, als würden die Künstler aus allen Rohren feuern und die Geschwindigkeit, mit der innerhalb dieses einen Jahres Platten auf den Markt kamen, war atemberaubend. Sowohl in den USA als auch Großbritannien war unter den Künstlern ein kreativer Austausch zu beobachten – sie inspirierten sich gegenseitig und erschufen so ständig etwas Neues.

Laut John Lennon haben die Beatles die Gegenkultur nicht begründet, aber sie waren natürlich ihr sichtbarstes Symbol. “So heißt es ja z. B., wir hätten die Haarmode geprägt. Aber auch wir hatten unsere Einflüsse … nämlich alles, was gerade so passierte”, erklärte Lennon. “Wir waren ein Teil der 60er und die sind halt einfach passiert. Uns fiel nunmal die Rolle zu, dieser allgemeinen Atmosphäre ein Gesicht zu geben.” Sgt. Pepper verkörperte zwar nicht die Anti-Establishment Stimmung der Kultur der 60er, prägte aber definitiv ihre Offenheit in Bezug auf die Musik, die Optik und die bildhaften Texte. Vom Vaudeville-inspirierten Being For The Benefit Of Mr Kite! bis zu dem gesprochenen Text auf Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band und einem kompletten Orchester auf ‘A Day In The Life’ verwischten sie die Grenzen zwischen Avantgarde-Kunst und Popmusik.

 


2. Psychedelische Bandnamen aus Kalifornien

Paul McCartney war fasziniert von der Szene der amerikanischen Westküste, insbesondere von San Francisco, und ihm war aufgefallen, dass die Bandnamen in letzter Zeit zunehmend länger und origineller wurden. Man hieß nicht mehr The Beatles, The Byrds oder The Kinks, sondern Lothar And The Hand People, Big Brother And The Holding Company oder, wie Lennon vorschlug, “Fred And His Incredible Shrinking Grateful Airplanes”. Und als die Band sich immer mehr lustige, neue Namen einfallen ließ, entstand auch die Idee, sich von “The Beatles” zu verabschieden und sich eine neue Identität zu kreieren.


3. Alter EgosBeatles---UMg-News---Sgt-Pepper---s-Lonely-Heart-Club-Band

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Popularität der Beatles noch nie dagewesene Ausmaße angenommen und die Beatlemania erstickte die eigentliche Musik. Die Band wollte sich weiterentwickeln – über ihr Pilzkopfimage hinaus – und so begannen sie, mit Alter Egos zu experimentieren. McCartney erinnerte sich später: “Ich fand, es wäre schön, wenn wir unsere Identität abstreifen und uns als eine neue Fantasieband ausgeben könnten”. Und so entstand Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Die Vorstellung einer nicht festgelegten Identität gefiel den jungen Leuten der Gegenkultur; wenn ihre Herkunft nicht mehr ihre ganze Zukunft bestimmen würde und man sich neu erfinden könnte.


4. Pet Sounds von den Beach Boys

 

George Martin und Paul McCartney sind bekanntermaßen beide große Fans von Pet Sounds und sprechen auch in Interviews darüber, welchen Einfluss das Album auf Sgt. Pepper hatte. Martin sagte, wenn Brian Wilson und die Beach Boys dieses legendäre Album nicht herausgebracht hätten, “hätte es Sgt. Pepper nie gegeben”. Und McCartney erinnerte sich: “Die Musik war so unglaublich innovativ! Das war für mich wirklich überwältigend und mir war eigentlich klar, dass das das beste Album aller Zeiten war. Was sollten wir da noch erreichen?” So lief Pet Sounds eigentlich ununterbrochen, als die Beatles mit Sgt. Pepper im Studio waren. Andererseits wäre auch Pet Sounds ohne den Einfluss des Beatles-Albums Rubber Soul so nicht möglich gewesen. Und so schließt sich der Kreis.


5. Freak Out! von Frank Zappa And The Mothers of InventionFrank-Zappa---UMG-News

Dem Popappeal der Platte merkt man deutlich den Einfluss von Brian Wilson an, aber Frank Zappa inspirierte die Beatles zu mehr Experimentierfreude. 1966 erschien mit Freak Out! das Debütalbum von Frank Zappa And The Mothers of Invention und es war absolut außergewöhnlich und unvergleichlich. Mit neoklassischer Orchestrierung, Improjazz und politischen Statements der Gegenkultur vollzog sich hier die Entwicklung des Longplayers zu einem Konzeptmedium. Pet Sounds und Freak Out! Hatten gezeigt, dass Rockmusik nicht nur die Spielwiese eines Musikproduzenten sein konnte, sondern auch eine Art Performance Kunst. Wenn man Freak Out! als Manifest der Freakkultur von Los Angeles sieht, dann stellt sich der vornehme Sgt. Pepper hinter die Hippie-Subkultur San Franciscos.


6. Keine Tourneen mehr

 

Noch vor ihrer Entscheidung, sich ein Alter Ego zuzulegen, hatten die Beatles bereits beschlossen, dass sie nicht mehr auf Tour gehen würden. Mal davon abgesehen, dass es einfach anstrengend war, war es für die Band mit der Zeit tatsächlich gefährlich geworden – zum einen wegen der Fans, die sich nicht im Griff hatten, zum anderen aber auch wegen einiger nicht ganz so begeisterter Besucher, die sich an John Lennons als blasphemisch aufgefassten Bemerkungen über die christliche Religion störten. Abgesehen von ihrem legendären Auftritt auf dem Dach des Apple-Gebäudes im Jahr 1969, war ihr Konzert in Candlestick Park in San Francisco am 29. August 1966 das letzte ihrer Karriere.


 


Danach fand jeder der vier Musiker seine eigene Rückzugsmöglichkeit und als sie im November 1966 wieder zusammenkamen, machten sie den Schritt von einer aktiven Band zu einem Konzept, einer “Idee”. Bei den Songs, wo Gesang und Instrumente nicht demokratisch aufgeteilt werden mussten, konnte die Band sich frei, entsprechend ihrer Stärken, entfalten und so lange spielen, bis das Ergebnis an Perfektion grenzte. In dem Buch Anthology fasste Ringo die Überlegungen der Band folgendermaßen zusammen: “Nachdem klar war, dass wir nicht mehr auf Tour gehen würden, war uns eigentlich alles egal. Und wie man auf Revolver und Rubber Soul hören kann, hatten wir im Studio eine Menge Spaß. Wir wurden nicht mehr aus dem Studio gezerrt, um auf Tour zu gehen, sondern konnten wirklich Zeit dort verbringen und uns entspannen.”


7. Studioexperimente und George Martingeorge-martin2-6-2001

Mit ihren Studiosessions in der Abbey Road ließ die Band die Beatlemania endgültig hinter sich und öffnete ein neues Kapitel: Die sogenannten “Studio Years”. Jahrelang war Rock- und Popmusik vor allem so geschrieben worden, dass man sie gut live spielen konnte. Und auch bei der Studioarbeit ging es oft darum, eine Liveperformance auf Band festzuhalten. Aber Martin und die Jungs wollten dieses Konzept auf den Kopf stellen. George Martin dazu: “Wir nahmen Sachen auf, die wirklich nur im Studio passieren konnten.” Er war mehr als nur ein Produzent. Für die Beatles war er der Architekt ihres Sounds und brachte sie mit den avantgardistischeren Klängen und Ideen in Berührung, die ihren Horizont dermaßen erweiterten.


8. Die Grenzen der technischen Möglichkeiten

 

Es ist erstaunlich, was Martin und die Band mit der damaligen Studiotechnik erreicht haben – das ist einer der Umstände, die Sgt. Pepper so beeindruckend machen. Wie bei allen anderen großartigen Entwicklungen führten die Widrigkeiten zu genialen Lösungen. Mehrspuraufnahmeverfahren waren 1967 schon der Standard, aber 8-Spur-Tonbandgeräte hatten sich zwar in den USA schon durchgesetzt, waren aber bis Ende 1967 in Großbritannien nicht so leicht zu bekommen. Viele der psychedelischen Soundeffekte auf dem Album entstanden durch kreatives Zusammenkleben und indem an fast jedem Gegenstand im Raum Mikrophone angebracht wurden. Auch Kopfhörer wurden zu Mikrophonen umfunktioniert und das war noch nicht das Ende ihres Einfallsreichtums.


9. Östliche Mystik

 

Genau wie der Rest der westlichen Welt hatten auch die Beatles die Musiktradition, Spiritualität und Kultur Indiens entdeckt und waren vollkommen fasziniert. Seit Norwegian Wood auf Rubber Soul war dieser Einfluss zu spüren gewesen und insbesondere auf Revolver, dank George Harrisons Song Love You To. Für Harrison wurde aus dem Interesse an indischer Musik eine Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte. Bevor die Band für Sgt. Pepper ins Studio ging, flog Harrison nach Bombay und nahm bei Ravi Shankar Sitarunterricht. Das Ergebnis hört man auf dem östlich-angehauchten ‘Within You Without You’ und den atmosphärischen Hintergrundklängen von Lucy In The Sky With Diamonds.


10. Branchentrends ignorierenThe-Beatles-umg-News---Love

1966 hatten die Beatles schon eine beachtliche Reihe von Hits vorzuweisen, so waren z. B. vom Album Revolver bis 31. Dezember 1966 allein in den USA 1.187.869 Exemplare verkauft worden. Dank dieses Erfolges waren sie in der Lage, beim Songwriting und Instrumentierung ein wenig abenteuerlustiger zu sein. Mit jedem Album hatten sie die allgemein akzeptierte Definition von “Rockmusik” erweitert und da ihre Fans in allen möglichen Genre beheimatet waren, konnten sie mit Stilen und Instrumenten experimentieren und trotzdem den Mainstream ansprechen. Sie mussten sich nicht an kurzlebigen Trends orientieren und tanzbare oder radiotaugliche Singles produzieren. Stattdessen hoben sie Rockmusik auf eine neue Ebene und bereiteten den Boden für den sich später entwickelnden Progressive Rock und Art Rock.

Die Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band Reissue erscheint am 26. Mai.


Bestellen könnt ihr Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band in den verschiedenen Versionen unter folgenden Links:

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Amazon: 6 Disc Boxset


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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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The Ronettes: 6 wegweisende Songs der legendären Girlgroup

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The Ronettes
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 12. Januar 2022 starb Ronnie Spector, die Leadsängerin der geschichtsträchtigen The Ronettes. Die Girlgroup aus New York war in den 1960er-Jahren eine wegweisende Popgruppe, die sich in Sachen Sound und Image deutlich vom Durchschnitt abhob.

von Markus Brandstetter

Ab 1963 arbeitete die Gruppe mit der Produzentenlegende (und dem späteren verurteilten Mörder) Phil Spector zusammen, den die Sängerin auch heiratete. Unseren Nachruf auf Ronnie Spector findet ihr hier. Zu Ehren der Sängerin wollen wir uns heute durch die größten Hits und wichtigsten und wegweisenden Songs von The Ronettes hören und ein wenig ihre Historie und den Hintergrund der Stücke beleuchten.

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1. Good Girls

Good Girls war die letzte Single von The Ronettes, die die Band über ihr altes Label Colpix Records veröffentlichte. Die Single schaffte keinen Platz in den Charts, die Band  war deswegen schwer enttäuscht und trennte sich von ihrem alten Label. Neue Geschäftsmöglichkeiten taten sich auf, die Gruppe unterschrieb bei Phil Spectors Label Philles Records. Der kommerzielle Erfolg konnte damit beginnen. Good Girls, die Single vor dem Erfolg, war vielleicht nicht so wegweisend, wie das, was unter Spectors Produktion folgen sollte — ist aber dennoch ein eingängiger, erinnerungswürdiger  Song.

2. Be My Baby

Be My Baby stammt aus der Feder von Phil Spector, Jeff Barry und Ellie Greenwich und ist der größte Hit der Band. Wobei: Spector hat im Grunde nur deswegen einen Songwriting-Credit, weil seine Produktion eben Kernstück des Songs ist. Be My Baby wurde am 15. August 1963 als Single veröffentlicht und schaffte es auf Platz zwei der US-Popcharts. Darauf zu hören ist die Creme de la Creme der damaligen Studiomusiker*innen-Szene — unter anderem spielt die großartige Carol Kaye (gemeinsam mit Ray Pohlmann) Bass, dazu sind mit Tommy Tedesco, Billy Strange, Barney Kessel und Bill Pitman gleich vier Gitarristen zu hören. Und weil ein Keyboard für eine Wall of Sound nicht reicht, sind auch vier Keyboarder mit dabei.

 3. Baby I Love You

Nachdem Be My Baby ein Erfolg wurde, war in Phil Spector der Ehrgeiz geweckt, nachzulegen. Allerdings gab es da ein Problem: The Ronettes sollten eigentlich touren. Ronnie blieb bei Phil im Studio, Estelle und Nedra gingen auf Tour, mit Verstärkung der Cousine Elaine. Weil man aber weitere Stimmen beim Aufnehmen brauchte, halfen Bekannte aus: So übernahmen Cher, Sonny Bono und Darlene Love die Backing Vocals auf dem Stück. Am Piano: der große Leon Russell.

 4. (The Best Part Of) Breakin’ Up

„Wenn Phil einen Song so sehr liebte wie (The Best Part of) Breakin’ Up, konnte er tagelang daran arbeiten, ohne jemals müde zu werden. Er verbrachte Stunden damit, die Harmonien mit Nedra und Estelle auszuarbeiten, und sprang jedes Mal auf und ab, wenn er etwas hörte, das ihm gefiel“, erinnerte sich Ronnie Spector in ihrer Autobiografie an die Aufnahmen zu  (The Best Part Of) Breakin’ Up.

 5. Do I Love You?

Junge Liebe – davon handelt Do I Love You?, das die Ronettes 1964 mit dem Song Bebe And Susu als B-Seite veröffentlichten. Geschrieben wurde der Song von Phil Spector, Pete Andreoli and Vini Poncia.

6. Walkin’ In The Rain (1964)

Walkin’ In The Rain — geschrieben von Barry Mann, Phil Spector und Cynthia Weil, wurde im Laufe der Jahre oft gecovert — unter anderem von The Walker Brothers und Jay & The Americans. The Ronettes, für die der Song geschrieben wurde, landeten 1964 damit auf Platz 23 der Billboard Top 100 Song, in den Billboard R&B Charts war sogar Platz 8 drin.

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