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Popkultur

Die musikalische DNA der Beatles

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Es ist doch verblüffend, wie wenig Zeit es manchmal braucht, um die gesamte Welt zu verändern. Die Beatles zumindest schafften es in nur einem Jahrzehnt. 1960 als bescheidene Skiffle-Band gegründet, die ihre ersten Erfolge im Hamburger Nachtleben feierte, wurde aus den vier Pilzköpfen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, der 1962 Pete Best am Schlagzeug ablöste, die größte Band der Welt. Wenn nicht sogar die größte Band aller Zeiten. Das alles wäre aber wohl kaum möglich gewesen, hätten die Fab Four nicht auch ihre eigenen Vorbilder genau studiert. So genau, dass es auch mal Plagiatsvorwürfe hagelte. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA einer Welt, die in nur zehn Jahren Geschichte für Jahrhunderte schrieb und heute selbst auf den Dancefloors nachhallt.


Zieh dir hier die Playlist in deinen Account und lies weiter:


 1. Buddy Holly And The Crickets – That’ll Be The Day

Die ersten vierzig ihrer Songs seien von Buddy Holly beeinflusst gewesen, gab Paul McCartney einst zu Protokoll. Das erstreckte sich nicht allein auf stilistische Aspekte. „Buddy Holly war der erste aus England, von dem wir mitbekamen, dass er zugleich sang und spielte – nicht nur Geschrammel, richtige Licks!“, sagte John Lennon einst. Er selbst lernte als erstes einen Buddy Holly-Song, den 1957 veröffentlichten „That’ll Be The Day“, welcher zugleich der erste von den Beatles aufgenommene Song war. Oder richtiger: Der erste von den Quarrymen, wie sich die Gruppe damals noch nannte, aufgenommene Song. Buddy Hollys Band The Crickets übrigens haben wir auch den Namen Beatles zu verdanken: So wie der nämlich eine Doppelbedeutung hat, einerseits ein Insekt bezeichnet und andererseits auf einen britischen Lieblingssport verweist, machten die Käfer aus Liverpool klar, was ihre Musik ausmacht: Beat, Beat, Beat!


2. Carl Perkins – Blue Suede Shoe

Ähnlich wichtig für die Existenz der Beatles war selbstverständlich Elvis Presley. Vielleicht sogar ein bisschen wichtiger als selbst Buddy Holly. „Ohne Elvis gäbe es die Beatles nicht“, sagte John Lennon einmal. Auf den King konnten sich die Fab Four geschlossen einigen, den Rockabilly-Sänger Carl Perkins liebten sie indes nicht weniger. Der schrieb „Blue Suede Shoe“, ein Rock’n’Roll-Standard, das von Elvis Presley ins Fernsehen gebracht wurde. Besonders an dem Song war die unerhörte Mischung aus Blues-, Country- und Pop-Elementen. Angeblich hat Presley seine weitaus erfolgreichere Cover-Version aufgenommen, um Perkins nach einem Unfall aus der Patsche zu helfen. Mit Erfolg, denn „Blue Suede Shoe“ bleibt bis heute der erfolgreichste Song des stets elegant gekleideten Musikers, der im Jahr 1998 verstarb. Letztlich sagte Paul McCartney über Perkins sogar dasselbe wie Lennon über Elvis: „Gäbe es Carl Perkins nicht, die Beatles würden nicht existieren!“ Zwei gute Existenzgründe, möchten wir meinen.


3. Chuck Berry – You Can’t Catch Me

„Gitarrengruppen sind auf dem absteigenden Ast, Mr. Epstein“, lautete die Absage des Labels Decca an den Beatles-Manager Brian Epstein. Die Musikgeschichte bewies das Gegenteil, der letzte Lacher gehörte einer kleinen Gitarrengruppe aus Liverpool, die weltberühmt wurde. Ihr Gitarrensound wäre sicher nichts ohne Chuck Berry gewesen, der von den Fab Four nahezu religiös verehrt wurde. So sehr, dass sich dessen Anwälte zu einer Klage genötigt sahen. Nicht etwa, weil die Beatles den US-amerikanischen Rocker gestalkt hätten, sondern weil „Come Together“ von ihrem Album Abbey Road sich großzügig bei dessen „You Can’t Catch Me“ bedient hatte, einerseits musikalisch und andererseits mit den Lyrics („Here come ol’ flattop, he come groovin’ up slowly“, heißt es bei den Beatles, „Here come a flattop, he was movin’ up with me“ bei Berry.) Nicht die einzige Leihgabe, die John Lennon im Song unterbrachte: Der Titel ist dem Slogan der Gouverneurskampagne des berühmten Psychologen und LSD-Psychonauten Timothy Leary entnommen, für den Lennon das Stück ursprünglich komponiert hatte.


4. Rory Storm & The Hurricanes – Bye Bye Love

Rory Storm & The Hurricanes sind nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Wie die Beatles waren des 1972 verstorbenen Rory Storm eine Skiffle-Band aus Liverpool, sie spielten ebenso wie die Beatles im Rahmen einer Hamburg-Residency im legendären Kaiserkeller und veröffentlichten Anfang der sechziger Jahre ein paar nur mäßig erfolgreiche Singles. Ein rumpliger Mitschnitt eines Auftritts der Band aus dem Jahr 1960 bei der Partyreihe Jive Hive in der St. Luke’s Hall in Crosby wurde dennoch 2012 erstmals veröffentlicht. Warum? Weil es bei diesen oberflächlichen Parallelen nicht blieb: Derjenige, der hier so ungelenk zu The Everly Brothers‘ „Bye Bye Love“ – ein Favorit der Fab Four – auf das Schlagzeug eindrischt, sollte 1962 den vorigen Beatles-Drummer Pete Best ersetzen: Ringo Starr. Ein bisschen konnte er sich in den Folgejahren schon verbessern.


5. The Byrds – The Bells Of Rhymney

In der relativ kurzen Liste weltberühmter Akkorde dürfte der Auftakt von „A Hard Day’s Night“ wohl noch vor dem Wagnerschen Tristanakkord stehen. Zu seiner Zusammensetzung hat sich eine Art kleine Beatles-Foschung entwickelt, obwohl das Geheimnis mittlerweile als gelüftet gelten kann. Seine klanglichen Qualitäten verdankt er einer 12-saitigen Rickenbacker-Gitarre, die George Harrison mit Wucht anschlägt. „A Hard Day’s Night öffnete uns ziemlich die Augen“, erinnerte sich das The Byrds-Mitglied Chris Hillman im Jahr 2003. Vor allem, weil Bandkollege Richard McQuinn die Gitarre Harrisons sah und seine 12-saitige Gibson sofort gegen eine Rickenbacker umtauschte. „Der Rest ist Geschichte, wie es so schön heißt“, notierte Hillman dazu. Die schrieb sich auch bei den Beatles weiter, die die Byrds als beste US-amerikanische Band ihrer Zeit priesen und sich sogar ein paar Ideen von ihnen liehen. Ein McGuinn-Riff aus dem Song „The Bells Of Rhymney“ ließ Harrison auf Rubber Soul im Stück „If I Needed Someone“ wieder auftauchen.


6. Ravi Shankar – Raga Madhu-Kauns

Einen noch entschiedeneren Einfluss auf die Beatles hatte McQuinns Faible für die indische Sitar. Harrison drückte mit dem Instrument Songs wie „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)“, „Love You To“ oder „Within You, Without You” seinen unverkennbaren Stempel auf. 1966 reiste er sogar für sechs Wochen nach Indien, um sich vom Maestro Ravi Shankar im Sitarspiel unterrichten zu lassen. Indische Musik und Philosophie prägte die Beatles so maßgeblich, dass sie sich vor White Album-Zeiten sogar einen Guru suchten: Maharishi Mahesh nahm die vier für drei Monate in seinem Ashram unter seine Fittiche. Eine produktive Zeit, in welcher viele Songs des selbstbetitelten Albums geschrieben wurden. Na gut, Starr hielt es nur für zehn Tage und McCartney immerhin einen ganzen Monat dort aus, eine wichtige Zeit war es dennoch, nicht allein in musikalischer Hinsicht.



7. The Beach Boys – God Only Knows

1966 war ein entscheidendes Jahr für die Popmusik und insbesondere die Kunst des Pop-Albums. Mit Revolver von den Beatles und Pet Sounds von The Beach Boys erschienen zwei bahnbrechende LPs, die das Genre revolutionieren und Maßstäbe setzen sollten. „God Only Knows“, der achte Track auf Pet Sounds, wird auch heute noch in vielen Listen als der beste Song aller Zeiten geführt. Dabei war er zu seiner Zeit alles andere als gewöhnlich: Vom Titel – 1966 wurde Gott nicht gern in der säkulären Popmusik erwähnt – über die irrwitzige Instrumentierung mit unter anderem Cembalo, Glocken und einer Kontrapunkt spielenden Streichersektion war „God Only Knows“ sogar ziemlich unkonventionell – und damit eine Inspiration für die Beatles, welche Pet Sounds als direkten Einfluss auf Sgt. Pepper’s Lonvely Hearts Club Band nannten. Eine produktive Konkurrenz, die umgekehrt genauso Früchte trug: Beach Boys-Mastermind Brian Wilson schaute sehr genau auf das Treiben der experimentierwütigen Pilzköpfe. Für Pet Sounds nämlich stand die Beatles-LP Rubber Soul aus dem Vorjahr Pate.


8. Bob Dylan – Rainy Day Women #12 & 35

„And when I touch you, I feel happy inside / It’s such a feeling that my love / I get high / I get high / I get high”, singen die Beatles auf “I Want To Hold Your Hand”. Dachte zumindest Bob Dylan im Jahr 1964 und musste von einem verschüchterten John Lennon korrigiert werden: „I can’t hide“, heißt es natürlich. Nachdem die Beatles zu Hamburger Zeiten ziemlich unbeeindruckt von Marihuana waren, brachte sie Dylan beim ersten gemeinsamen Treffen in einer wilden gemeinsamen Nacht aber auf den Geschmack. Paul McCartney war von der Erfahrung tief beeindruckt.


Schaut euch hier eine Live-Version an und lest weiter:


 

„Zum ersten Mal habe ich denken können, richtig denken“, sagte er später dazu. „Everybody must get stoned“, forderte Dylan auf seinem Durchbruchsalbum Blonde On Blonde wohl also nicht zu Unrecht. Mit dem High-Sein machte die Band bekanntermaßen noch mehr Erfahrungen. Im Folgejahr mischte der Zahnarzt John Riley seinen Gästen Lennon und Harrison LSD in den Kaffee. Kein Wunder, dass die Musik der Fab Four danach zunehmend psychedelischer wurde.


9. Karlheinz Stockhausen – Gesang der Jünglinge

Einer Legende zufolge lernte John Lennon Yoko Ono durch eine ihrer Ausstellungen kennen und Ono hatte nicht den blassesten Schimmer, wer der neugierige Engländer oder gar seine Band waren. Einer anderen Legende nach kannte sie die Beatles sehr gut und fragte für ein Buchprojekt bei Paul McCartney handgeschriebene Lyrics an. So oder so: Der Rest ist Geschichte, über die selbst heute noch viel diskutiert wird. Ob Lennon ohne Ono die Beatles verlassen oder gar noch am Leben wäre hin oder her: Beeinflusst von der Japanerin, welche selbst an den Aufnahmen beteiligt war, wandte sich die Band mit „Revolution 9“ der Avantgarde zu. Neben musique concrète und Edgar Varèse gaben sowohl Lennon als auch McCartney – der bereits auf „Tomorrow Never Knows“ wild experimentiert hatte – die Tape-Manipulationen Karlheinz Stockhausens als Inspiration an. Sein „Gesang der Jünglinge“ stand maßgeblich Pate für die verqueren Vocal-Cut-Ups von „Revolution 9“.



10. Paul McCartney & Wings Vs. Timo Maas & James Teej – Nineteen Hundred And Eighty Five (Radio Edit)

Kaum eine Band, die nicht die Beatles als Einfluss zitieren würde. Doch selbst abseits des Pop- und Rock-Geschehens ist das Erbe der Fab Four nach wie vor präsent. Im März 2016 tauchte zum Record Store Day eine mysteriöse, auf 100 Stück limierte Platte im Londoner Plattenladen Phonica auf, welche im Internet mittlerweile für hunderte von Euros gehandelt wird und sogar ein offizielles Release erfahren hat.


Schaut euch hier das offizielle Video an:


 

Darauf zu hören ist der Edit eines Paul McCartney-Stücks, welches dieser 1974 mit seiner Band Wings aufgenommen hatte. Eine Dancefloor-Interpretation von einem Post-Beatles-Stück? Unwahrscheinlich, eigentlich aber genau richtig: Der Beat war schließlich schon immer essentieller Bestandteil ihrer Musik, die Solo-Unternehmungen mit eingeschlossen. Warum nicht also auch ein House-Beat? Wie alle vier Beatles nach der Auflösung der Band im Jahr 1970 ihre eigenen Wege gingen, so hört auch ihr Werk nicht auf zu wirken – und zwar überall!


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Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

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Popkultur

Pinke Stromgitarren für den Weltfrieden: Barbie And The Rockers

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Barbie And The Rockers

„"Blonde Haare, ein pinkes Traumhaus und ein noch pinkeres Cabrio: Seit mehr als sechs Jahrzehnten gehört Barbie zu den beliebtesten Spielzeugfiguren der Welt. Der erste Film mit der populären Puppe erschien am 27. September 1987 auf Videokassette. Der Name des Streifens: Barbie And The Rockers: Out Of This World. Ja, wirklich.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einen Ausschnitt aus Barbie And The Rockers anschauen:

Ihr habt richtig gelesen: Mitte der Achtziger gründet Barbie ihre eigene Band. Der Hintergrund: Spielzeughersteller Mattel möchte dem Konkurrenzprodukt Jem And The Holograms aus dem Hause Hasbro etwas entgegensetzen und schickt Barbie in die Welt der Krachmusik. „Barbie And The Rockers“ heißt die neue Reihe; in Europa erscheint sie unter dem Namen „Barbie And The Rock Stars“. E-Gitarren, ein Drumkit, sogar eine Bühne: Kinder, die mit der blonden Puppe Rock’n’Roll spielen möchten, haben ab 1985 die freie Wahl. Und nicht nur das: Die lautstarke Spielzeugreihe läutet auch Barbies Filmdebüt ein. Am 27. September 1987 erscheint die allererste Fernsehsendung der Puppe auf Videokassette.

Zugegeben, die Handlung von Barbie And The Rockers: Out Of This World klingt ein wenig albern. In dem Film wird Barbie aufgrund ihrer weltweiten Berühmtheit zur Botschafterin für den Weltfrieden ernannt. Als die Gruppe ihre Welttournee beendet hat, sagt Barbie, sie habe etwas ganz Besonderes geplant, das „nicht von dieser Welt“ sei. Selbst ihre Band weiß noch nicht, worum es geht. Eines Tages bekommt Barbie eine Einladung von der Weltfriedensorganisation. Zu ihren Ehren soll ein Ball veranstaltet werden. Sie bittet Ken darum, sie zu begleiten, und geht mit ihren Freundinnen shoppen. Auf dem Ball verkündet Barbie dann die große Neuigkeit: Sie möchte mit ihrer Band ein Konzert im Weltall geben.

Barbie And The Rockers: Soundtrack von den Beatles und Lovin’ Spoonful

Anfangs sind ihre Bandmitglieder wenig begeistert von der Idee, stimmen aber schließlich zu. Später fliegt die Rockgruppe mit einem pinken Space Shuttle zum „Interstar Amphitheater“, wo sie von einem Herrn namens Dr. Leonard begrüßt wird. Ein kleines Publikum wartet auch schon auf die Rockerinnen. Der anschließende Auftritt von Barbie und Co. wird weltweit im Fernsehen übertragen und die Band stellt sogar einen neuen Song vor, den sie extra für die Show geschrieben hat. Zum Schluss der Show erklärt Barbie, dass dies der erste Tag des Weltfriedens sei, und dass es nicht der letzte sein wird, wenn alle das genug wollen. Leichte Kost, also. Für den Soundtrack des Streifens covert Barbie unter anderem die Beatles und Lovin’ Spoonful.

Heute gibt es unzählige Barbie-Filme; ein weiterer soll nächstes Jahr anlaufen. Falls wir euch mit unserem Artikel angefixt haben, müssen wir euch allerdings enttäuschen: Barbie And The Rockers: Out Of This World ist ausschließlich auf gebrauchten Videokassetten und einigen wenigen DVDs erhältlich. Einer Neuauflage scheinen vor allem die Coversongs im Weg zu stehen, die für eine erneute Veröffentlichung noch einmal lizensiert werden müssten. Vielleicht klappt das ja eines Tages. Es wäre sogar ein Box-Set möglich. Mit Barbie And The Sensations: Rockin’ Back To Earth gibt es nämlich noch eine Fortsetzung von Barbies Rockstar-Abenteuern. Im Sequel kehrt die Puppe mit ihrer Band auf die Erde zurück — und steckt auf einmal im Jahr 1959 fest. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Popkultur

Die 10 größten Meat-Loaf-Hymnen

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Meat Loaf
Foto: Sony Music Archive via Getty Images/Terry Lott

Er war ein gewaltiger Rockstar im Wortsinn: Die Musikwelt trauert um den großen Meat Loaf. Wir erinnern uns an den legendären Koloss des Hard Rock und blicken auf seine unvergesslichsten Songs zurück.

 von Björn Springorum

Auch wenn er natürlich viel mehr gemacht hat: Am ehesten bringt man Meat Loaf mit seiner Bat-Out-Of-Hell-Trilogie in Verbindung. Mehr als 65 Millionen Mal haben sich diese drei Alben verkauft, das erste und erfolgreichste geht bis heute rund 200.000 Mal jährlich über den Ladentisch. Kein Wunder: Das Meisterwerk von 1977 ist ein stellarer Moment des theatralischen Hard Rock, eine Art Broadway-Musical mit harten Gitarren.

Seine Stimme und das kompositorische Genie seines langjährigen Partners Jim Steinman nehmen eine Ausnahmestellung im Kanon des Rock‘n‘Roll ein. Hier kommen zehn seiner mächtigsten, emotionalsten, größten Songs.

1. I’d Lie For You (And That’s the Truth) (1995)

Meat Loaf hat sich nicht immer auf die Kompositionen von Jim Steinman verlassen. Schon zwei Jahre nach dem Erfolg von Bat Out of Hell II: Back Into Hell kommt Meat Loaf mit Welcome To The Neighborhood um die Ecke, einem Album, das auch ohne Steinman so klingt, als hätte er es geschrieben. Der erfolgreichste Song daraus wurde von Diane Warren komponiert, die zur damaligen Zeit eine unaufhaltsame Hitmaschine war. Die Power-Ballade wird dann auch zu seinem letzten großen Hit.

2. Rock And Roll Dreams Come Through (1993)

So ziemlich jeder Song auf der Fortsetzung von Bat Out Of Hell zeigt, dass weder Meat Loaf noch Jim Steinman die Pause von 16 Jahren geschadet hat. Ursprünglich für Steinmans 1981er Soloalbum aufgenommen, wird es durch Meat Loaf zu einem weiteren großen Epos aus Herzschmerz und einem Refrain, der so heute einfach nicht mehr gemacht wird. Ganz großes Kitschkino.

3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (On A Hot Summer Night) (1977)

Als erster Beitrag seines legendären Gamechangers Bat Out Of Hell steht hier You Took The Words Right Out Of My Mouth, ein wahrgewordener Hard-Rock-Traum mit gotischem Video, grandioser Hook und allem, was den Rock‘n‘Roll der Siebziger so größenwahnsinnig machte. Besser wird‘s auch auf der größten Bühne nicht.

4. Two Out Of Three Ain’t Bad (1977)

Eigentlich könnte hier ja einfach das gesamte Bat Out Of Hell stehen, fertig. Es gibt einfach keinen Filler auf diesem Album. Auch Two Out Of Three Ain’t Bad ist ein echter Killer: Eine große, große Ballade, die Meat Loaf auf einem absoluten Höhepunkt zeigt und zugleich eins der besten Beispiele für Steinmans kompositorisches Genie ist. So was nennt man dann wohl perfekte Chemie.

5. Bat Out Of Hell (1977)

Allen Ernstes, wer sein Debüt mit einem Paukenschlag wie diesem eröffnen kann, der hat schon alles geschafft, ehe er überhaupt so richtig angefangen hat. Fast zehn Minuten nimmt sich der ausladende Opener Zeit und zieht auf dieser Langstrecke gleich mal alle Register: die Ouvertüre zu diesem unfassbaren Musiktheater, ein Start mit Feuerwerk, Kanonen und massiver Produktion. Übrigens: Als musikalische Gäste mischen hier Todd Rundgren sowie Roy Bittan und Max Weinberg von der E Street Band mit. Es heißt schon was, wenn man sagt, dass es die echt nicht gebraucht hätte.

6. Hot Patootie – Bless My Soul (1975)

Natürlich darf die Rocky Horror Picture Show hier nicht fehlen. Meat Loaf gibt in diesem schrägen Stück Rock‘n‘Roll den dusseligen Biker Eddie, der den Laden gehörig aufmischt. Sicherlich nicht seine Sternstunde. Aber allein aus popkultureller Sicht erwähnenswert.

7. Read ’Em And Weep (1981)

Kurioserweise wird nicht alles, was Meat Loaf und Jim Steinman gemeinsam angingen, zu Gold. Dead Ringer, der schwierige Nachfolger zu Bat Out Of Hell, leidet unter dem enormen Erfolg des Vorgängers, hat aber einige Perlen zu bieten. Read ’Em And Weep zum Beispiel, eine stimmungsvolle Ballade, die aber erst zwei Jahre später durch Barry Manilow zu einem gewaltigen Erfolg wird. Muss man manchmal nicht verstehen.

8. Objects In The Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are (1993)

Am besten waren Meat Loaf und Jim Steinman immer zusammen. Das zeigt auch Bat Out Of Hell II: Back Into Hell, das Album, das 1993 eine zwölfjährige Funkstille beendet. Da ist sie wieder, diese theatralische, dramatische Magie und diese unfassbare Energie. Wir wiederholen uns, aber: Niemand schreibt solche Refrains!

9. I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) (1993)

Sein wahrscheinlich größter Hit stammt ebenfalls vom zweiten Teil seiner definierenden Trilogie: I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) ist eine der größten Rock-Balladen aller Zeiten – obwohl bis heute eigentlich niemand so recht weiß, worum es in der Nummer eigentlich geht. Egal, die Musik ist so unfassbar spektakulär, dass Meat Loaf auch nur summen könnte und die Nummer wäre immer noch unsterblich.

10. Paradise By The Dashboard Light (1977)

Wenn wir uns festlegen müssten, würden wir diesen Song als absolutes Karrierehoch von Meat Loaf wählen. Unterteilt in drei Kapitel und über acht Minuten lang, dennoch als Single veröffentlicht: Für Meat Loaf und Jim Steinman gelten damals andere Regeln. Der Song ist ein Überbleibsel aus Steinmans Neverland-Musical und bringt Meat Loaf mit der Hauptrolle Ellen Foley zusammen. Ziemlich irre ist er auch: Inhaltlich dem Thema Sex im Auto verschrieben, gibt es im Video eine wilde Rummachszene, geschnitten in ein Baseballspiel.

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