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Popkultur

Die musikalische DNA der Beatles

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Es ist doch verblüffend, wie wenig Zeit es manchmal braucht, um die gesamte Welt zu verändern. Die Beatles zumindest schafften es in nur einem Jahrzehnt. 1960 als bescheidene Skiffle-Band gegründet, die ihre ersten Erfolge im Hamburger Nachtleben feierte, wurde aus den vier Pilzköpfen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, der 1962 Pete Best am Schlagzeug ablöste, die größte Band der Welt. Wenn nicht sogar die größte Band aller Zeiten. Das alles wäre aber wohl kaum möglich gewesen, hätten die Fab Four nicht auch ihre eigenen Vorbilder genau studiert. So genau, dass es auch mal Plagiatsvorwürfe hagelte. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA einer Welt, die in nur zehn Jahren Geschichte für Jahrhunderte schrieb und heute selbst auf den Dancefloors nachhallt.


Zieh dir hier die Playlist in deinen Account und lies weiter:

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 1. Buddy Holly And The Crickets – That’ll Be The Day

Die ersten vierzig ihrer Songs seien von Buddy Holly beeinflusst gewesen, gab Paul McCartney einst zu Protokoll. Das erstreckte sich nicht allein auf stilistische Aspekte. „Buddy Holly war der erste aus England, von dem wir mitbekamen, dass er zugleich sang und spielte – nicht nur Geschrammel, richtige Licks!“, sagte John Lennon einst. Er selbst lernte als erstes einen Buddy Holly-Song, den 1957 veröffentlichten „That’ll Be The Day“, welcher zugleich der erste von den Beatles aufgenommene Song war. Oder richtiger: Der erste von den Quarrymen, wie sich die Gruppe damals noch nannte, aufgenommene Song. Buddy Hollys Band The Crickets übrigens haben wir auch den Namen Beatles zu verdanken: So wie der nämlich eine Doppelbedeutung hat, einerseits ein Insekt bezeichnet und andererseits auf einen britischen Lieblingssport verweist, machten die Käfer aus Liverpool klar, was ihre Musik ausmacht: Beat, Beat, Beat!


2. Carl Perkins – Blue Suede Shoe

Ähnlich wichtig für die Existenz der Beatles war selbstverständlich Elvis Presley. Vielleicht sogar ein bisschen wichtiger als selbst Buddy Holly. „Ohne Elvis gäbe es die Beatles nicht“, sagte John Lennon einmal. Auf den King konnten sich die Fab Four geschlossen einigen, den Rockabilly-Sänger Carl Perkins liebten sie indes nicht weniger. Der schrieb „Blue Suede Shoe“, ein Rock’n’Roll-Standard, das von Elvis Presley ins Fernsehen gebracht wurde. Besonders an dem Song war die unerhörte Mischung aus Blues-, Country- und Pop-Elementen. Angeblich hat Presley seine weitaus erfolgreichere Cover-Version aufgenommen, um Perkins nach einem Unfall aus der Patsche zu helfen. Mit Erfolg, denn „Blue Suede Shoe“ bleibt bis heute der erfolgreichste Song des stets elegant gekleideten Musikers, der im Jahr 1998 verstarb. Letztlich sagte Paul McCartney über Perkins sogar dasselbe wie Lennon über Elvis: „Gäbe es Carl Perkins nicht, die Beatles würden nicht existieren!“ Zwei gute Existenzgründe, möchten wir meinen.


3. Chuck Berry – You Can’t Catch Me

„Gitarrengruppen sind auf dem absteigenden Ast, Mr. Epstein“, lautete die Absage des Labels Decca an den Beatles-Manager Brian Epstein. Die Musikgeschichte bewies das Gegenteil, der letzte Lacher gehörte einer kleinen Gitarrengruppe aus Liverpool, die weltberühmt wurde. Ihr Gitarrensound wäre sicher nichts ohne Chuck Berry gewesen, der von den Fab Four nahezu religiös verehrt wurde. So sehr, dass sich dessen Anwälte zu einer Klage genötigt sahen. Nicht etwa, weil die Beatles den US-amerikanischen Rocker gestalkt hätten, sondern weil „Come Together“ von ihrem Album Abbey Road sich großzügig bei dessen „You Can’t Catch Me“ bedient hatte, einerseits musikalisch und andererseits mit den Lyrics („Here come ol’ flattop, he come groovin’ up slowly“, heißt es bei den Beatles, „Here come a flattop, he was movin’ up with me“ bei Berry.) Nicht die einzige Leihgabe, die John Lennon im Song unterbrachte: Der Titel ist dem Slogan der Gouverneurskampagne des berühmten Psychologen und LSD-Psychonauten Timothy Leary entnommen, für den Lennon das Stück ursprünglich komponiert hatte.


4. Rory Storm & The Hurricanes – Bye Bye Love

Rory Storm & The Hurricanes sind nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Wie die Beatles waren des 1972 verstorbenen Rory Storm eine Skiffle-Band aus Liverpool, sie spielten ebenso wie die Beatles im Rahmen einer Hamburg-Residency im legendären Kaiserkeller und veröffentlichten Anfang der sechziger Jahre ein paar nur mäßig erfolgreiche Singles. Ein rumpliger Mitschnitt eines Auftritts der Band aus dem Jahr 1960 bei der Partyreihe Jive Hive in der St. Luke’s Hall in Crosby wurde dennoch 2012 erstmals veröffentlicht. Warum? Weil es bei diesen oberflächlichen Parallelen nicht blieb: Derjenige, der hier so ungelenk zu The Everly Brothers‘ „Bye Bye Love“ – ein Favorit der Fab Four – auf das Schlagzeug eindrischt, sollte 1962 den vorigen Beatles-Drummer Pete Best ersetzen: Ringo Starr. Ein bisschen konnte er sich in den Folgejahren schon verbessern.


5. The Byrds – The Bells Of Rhymney

In der relativ kurzen Liste weltberühmter Akkorde dürfte der Auftakt von „A Hard Day’s Night“ wohl noch vor dem Wagnerschen Tristanakkord stehen. Zu seiner Zusammensetzung hat sich eine Art kleine Beatles-Foschung entwickelt, obwohl das Geheimnis mittlerweile als gelüftet gelten kann. Seine klanglichen Qualitäten verdankt er einer 12-saitigen Rickenbacker-Gitarre, die George Harrison mit Wucht anschlägt. „A Hard Day’s Night öffnete uns ziemlich die Augen“, erinnerte sich das The Byrds-Mitglied Chris Hillman im Jahr 2003. Vor allem, weil Bandkollege Richard McQuinn die Gitarre Harrisons sah und seine 12-saitige Gibson sofort gegen eine Rickenbacker umtauschte. „Der Rest ist Geschichte, wie es so schön heißt“, notierte Hillman dazu. Die schrieb sich auch bei den Beatles weiter, die die Byrds als beste US-amerikanische Band ihrer Zeit priesen und sich sogar ein paar Ideen von ihnen liehen. Ein McGuinn-Riff aus dem Song „The Bells Of Rhymney“ ließ Harrison auf Rubber Soul im Stück „If I Needed Someone“ wieder auftauchen.


6. Ravi Shankar – Raga Madhu-Kauns

Einen noch entschiedeneren Einfluss auf die Beatles hatte McQuinns Faible für die indische Sitar. Harrison drückte mit dem Instrument Songs wie „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)“, „Love You To“ oder „Within You, Without You” seinen unverkennbaren Stempel auf. 1966 reiste er sogar für sechs Wochen nach Indien, um sich vom Maestro Ravi Shankar im Sitarspiel unterrichten zu lassen. Indische Musik und Philosophie prägte die Beatles so maßgeblich, dass sie sich vor White Album-Zeiten sogar einen Guru suchten: Maharishi Mahesh nahm die vier für drei Monate in seinem Ashram unter seine Fittiche. Eine produktive Zeit, in welcher viele Songs des selbstbetitelten Albums geschrieben wurden. Na gut, Starr hielt es nur für zehn Tage und McCartney immerhin einen ganzen Monat dort aus, eine wichtige Zeit war es dennoch, nicht allein in musikalischer Hinsicht.



7. The Beach Boys – God Only Knows

1966 war ein entscheidendes Jahr für die Popmusik und insbesondere die Kunst des Pop-Albums. Mit Revolver von den Beatles und Pet Sounds von The Beach Boys erschienen zwei bahnbrechende LPs, die das Genre revolutionieren und Maßstäbe setzen sollten. „God Only Knows“, der achte Track auf Pet Sounds, wird auch heute noch in vielen Listen als der beste Song aller Zeiten geführt. Dabei war er zu seiner Zeit alles andere als gewöhnlich: Vom Titel – 1966 wurde Gott nicht gern in der säkulären Popmusik erwähnt – über die irrwitzige Instrumentierung mit unter anderem Cembalo, Glocken und einer Kontrapunkt spielenden Streichersektion war „God Only Knows“ sogar ziemlich unkonventionell – und damit eine Inspiration für die Beatles, welche Pet Sounds als direkten Einfluss auf Sgt. Pepper’s Lonvely Hearts Club Band nannten. Eine produktive Konkurrenz, die umgekehrt genauso Früchte trug: Beach Boys-Mastermind Brian Wilson schaute sehr genau auf das Treiben der experimentierwütigen Pilzköpfe. Für Pet Sounds nämlich stand die Beatles-LP Rubber Soul aus dem Vorjahr Pate.


8. Bob Dylan – Rainy Day Women #12 & 35

„And when I touch you, I feel happy inside / It’s such a feeling that my love / I get high / I get high / I get high”, singen die Beatles auf “I Want To Hold Your Hand”. Dachte zumindest Bob Dylan im Jahr 1964 und musste von einem verschüchterten John Lennon korrigiert werden: „I can’t hide“, heißt es natürlich. Nachdem die Beatles zu Hamburger Zeiten ziemlich unbeeindruckt von Marihuana waren, brachte sie Dylan beim ersten gemeinsamen Treffen in einer wilden gemeinsamen Nacht aber auf den Geschmack. Paul McCartney war von der Erfahrung tief beeindruckt.


Schaut euch hier eine Live-Version an und lest weiter:


 

„Zum ersten Mal habe ich denken können, richtig denken“, sagte er später dazu. „Everybody must get stoned“, forderte Dylan auf seinem Durchbruchsalbum Blonde On Blonde wohl also nicht zu Unrecht. Mit dem High-Sein machte die Band bekanntermaßen noch mehr Erfahrungen. Im Folgejahr mischte der Zahnarzt John Riley seinen Gästen Lennon und Harrison LSD in den Kaffee. Kein Wunder, dass die Musik der Fab Four danach zunehmend psychedelischer wurde.


9. Karlheinz Stockhausen – Gesang der Jünglinge

Einer Legende zufolge lernte John Lennon Yoko Ono durch eine ihrer Ausstellungen kennen und Ono hatte nicht den blassesten Schimmer, wer der neugierige Engländer oder gar seine Band waren. Einer anderen Legende nach kannte sie die Beatles sehr gut und fragte für ein Buchprojekt bei Paul McCartney handgeschriebene Lyrics an. So oder so: Der Rest ist Geschichte, über die selbst heute noch viel diskutiert wird. Ob Lennon ohne Ono die Beatles verlassen oder gar noch am Leben wäre hin oder her: Beeinflusst von der Japanerin, welche selbst an den Aufnahmen beteiligt war, wandte sich die Band mit „Revolution 9“ der Avantgarde zu. Neben musique concrète und Edgar Varèse gaben sowohl Lennon als auch McCartney – der bereits auf „Tomorrow Never Knows“ wild experimentiert hatte – die Tape-Manipulationen Karlheinz Stockhausens als Inspiration an. Sein „Gesang der Jünglinge“ stand maßgeblich Pate für die verqueren Vocal-Cut-Ups von „Revolution 9“.



10. Paul McCartney & Wings Vs. Timo Maas & James Teej – Nineteen Hundred And Eighty Five (Radio Edit)

Kaum eine Band, die nicht die Beatles als Einfluss zitieren würde. Doch selbst abseits des Pop- und Rock-Geschehens ist das Erbe der Fab Four nach wie vor präsent. Im März 2016 tauchte zum Record Store Day eine mysteriöse, auf 100 Stück limierte Platte im Londoner Plattenladen Phonica auf, welche im Internet mittlerweile für hunderte von Euros gehandelt wird und sogar ein offizielles Release erfahren hat.


Schaut euch hier das offizielle Video an:


 

Darauf zu hören ist der Edit eines Paul McCartney-Stücks, welches dieser 1974 mit seiner Band Wings aufgenommen hatte. Eine Dancefloor-Interpretation von einem Post-Beatles-Stück? Unwahrscheinlich, eigentlich aber genau richtig: Der Beat war schließlich schon immer essentieller Bestandteil ihrer Musik, die Solo-Unternehmungen mit eingeschlossen. Warum nicht also auch ein House-Beat? Wie alle vier Beatles nach der Auflösung der Band im Jahr 1970 ihre eigenen Wege gingen, so hört auch ihr Werk nicht auf zu wirken – und zwar überall!


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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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