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Popkultur

Die musikalische DNA der Beatles

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Es ist doch verblüffend, wie wenig Zeit es manchmal braucht, um die gesamte Welt zu verändern. Die Beatles zumindest schafften es in nur einem Jahrzehnt. 1960 als bescheidene Skiffle-Band gegründet, die ihre ersten Erfolge im Hamburger Nachtleben feierte, wurde aus den vier Pilzköpfen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, der 1962 Pete Best am Schlagzeug ablöste, die größte Band der Welt. Wenn nicht sogar die größte Band aller Zeiten. Das alles wäre aber wohl kaum möglich gewesen, hätten die Fab Four nicht auch ihre eigenen Vorbilder genau studiert. So genau, dass es auch mal Plagiatsvorwürfe hagelte. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA einer Welt, die in nur zehn Jahren Geschichte für Jahrhunderte schrieb und heute selbst auf den Dancefloors nachhallt.


Zieh dir hier die Playlist in deinen Account und lies weiter:


 1. Buddy Holly And The Crickets – That’ll Be The Day

Die ersten vierzig ihrer Songs seien von Buddy Holly beeinflusst gewesen, gab Paul McCartney einst zu Protokoll. Das erstreckte sich nicht allein auf stilistische Aspekte. „Buddy Holly war der erste aus England, von dem wir mitbekamen, dass er zugleich sang und spielte – nicht nur Geschrammel, richtige Licks!“, sagte John Lennon einst. Er selbst lernte als erstes einen Buddy Holly-Song, den 1957 veröffentlichten „That’ll Be The Day“, welcher zugleich der erste von den Beatles aufgenommene Song war. Oder richtiger: Der erste von den Quarrymen, wie sich die Gruppe damals noch nannte, aufgenommene Song. Buddy Hollys Band The Crickets übrigens haben wir auch den Namen Beatles zu verdanken: So wie der nämlich eine Doppelbedeutung hat, einerseits ein Insekt bezeichnet und andererseits auf einen britischen Lieblingssport verweist, machten die Käfer aus Liverpool klar, was ihre Musik ausmacht: Beat, Beat, Beat!


2. Carl Perkins – Blue Suede Shoe

Ähnlich wichtig für die Existenz der Beatles war selbstverständlich Elvis Presley. Vielleicht sogar ein bisschen wichtiger als selbst Buddy Holly. „Ohne Elvis gäbe es die Beatles nicht“, sagte John Lennon einmal. Auf den King konnten sich die Fab Four geschlossen einigen, den Rockabilly-Sänger Carl Perkins liebten sie indes nicht weniger. Der schrieb „Blue Suede Shoe“, ein Rock’n’Roll-Standard, das von Elvis Presley ins Fernsehen gebracht wurde. Besonders an dem Song war die unerhörte Mischung aus Blues-, Country- und Pop-Elementen. Angeblich hat Presley seine weitaus erfolgreichere Cover-Version aufgenommen, um Perkins nach einem Unfall aus der Patsche zu helfen. Mit Erfolg, denn „Blue Suede Shoe“ bleibt bis heute der erfolgreichste Song des stets elegant gekleideten Musikers, der im Jahr 1998 verstarb. Letztlich sagte Paul McCartney über Perkins sogar dasselbe wie Lennon über Elvis: „Gäbe es Carl Perkins nicht, die Beatles würden nicht existieren!“ Zwei gute Existenzgründe, möchten wir meinen.


3. Chuck Berry – You Can’t Catch Me

„Gitarrengruppen sind auf dem absteigenden Ast, Mr. Epstein“, lautete die Absage des Labels Decca an den Beatles-Manager Brian Epstein. Die Musikgeschichte bewies das Gegenteil, der letzte Lacher gehörte einer kleinen Gitarrengruppe aus Liverpool, die weltberühmt wurde. Ihr Gitarrensound wäre sicher nichts ohne Chuck Berry gewesen, der von den Fab Four nahezu religiös verehrt wurde. So sehr, dass sich dessen Anwälte zu einer Klage genötigt sahen. Nicht etwa, weil die Beatles den US-amerikanischen Rocker gestalkt hätten, sondern weil „Come Together“ von ihrem Album Abbey Road sich großzügig bei dessen „You Can’t Catch Me“ bedient hatte, einerseits musikalisch und andererseits mit den Lyrics („Here come ol’ flattop, he come groovin’ up slowly“, heißt es bei den Beatles, „Here come a flattop, he was movin’ up with me“ bei Berry.) Nicht die einzige Leihgabe, die John Lennon im Song unterbrachte: Der Titel ist dem Slogan der Gouverneurskampagne des berühmten Psychologen und LSD-Psychonauten Timothy Leary entnommen, für den Lennon das Stück ursprünglich komponiert hatte.


4. Rory Storm & The Hurricanes – Bye Bye Love

Rory Storm & The Hurricanes sind nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Wie die Beatles waren des 1972 verstorbenen Rory Storm eine Skiffle-Band aus Liverpool, sie spielten ebenso wie die Beatles im Rahmen einer Hamburg-Residency im legendären Kaiserkeller und veröffentlichten Anfang der sechziger Jahre ein paar nur mäßig erfolgreiche Singles. Ein rumpliger Mitschnitt eines Auftritts der Band aus dem Jahr 1960 bei der Partyreihe Jive Hive in der St. Luke’s Hall in Crosby wurde dennoch 2012 erstmals veröffentlicht. Warum? Weil es bei diesen oberflächlichen Parallelen nicht blieb: Derjenige, der hier so ungelenk zu The Everly Brothers‘ „Bye Bye Love“ – ein Favorit der Fab Four – auf das Schlagzeug eindrischt, sollte 1962 den vorigen Beatles-Drummer Pete Best ersetzen: Ringo Starr. Ein bisschen konnte er sich in den Folgejahren schon verbessern.


5. The Byrds – The Bells Of Rhymney

In der relativ kurzen Liste weltberühmter Akkorde dürfte der Auftakt von „A Hard Day’s Night“ wohl noch vor dem Wagnerschen Tristanakkord stehen. Zu seiner Zusammensetzung hat sich eine Art kleine Beatles-Foschung entwickelt, obwohl das Geheimnis mittlerweile als gelüftet gelten kann. Seine klanglichen Qualitäten verdankt er einer 12-saitigen Rickenbacker-Gitarre, die George Harrison mit Wucht anschlägt. „A Hard Day’s Night öffnete uns ziemlich die Augen“, erinnerte sich das The Byrds-Mitglied Chris Hillman im Jahr 2003. Vor allem, weil Bandkollege Richard McQuinn die Gitarre Harrisons sah und seine 12-saitige Gibson sofort gegen eine Rickenbacker umtauschte. „Der Rest ist Geschichte, wie es so schön heißt“, notierte Hillman dazu. Die schrieb sich auch bei den Beatles weiter, die die Byrds als beste US-amerikanische Band ihrer Zeit priesen und sich sogar ein paar Ideen von ihnen liehen. Ein McGuinn-Riff aus dem Song „The Bells Of Rhymney“ ließ Harrison auf Rubber Soul im Stück „If I Needed Someone“ wieder auftauchen.


6. Ravi Shankar – Raga Madhu-Kauns

Einen noch entschiedeneren Einfluss auf die Beatles hatte McQuinns Faible für die indische Sitar. Harrison drückte mit dem Instrument Songs wie „Norwegian Wood (This Bird Has Flown)“, „Love You To“ oder „Within You, Without You” seinen unverkennbaren Stempel auf. 1966 reiste er sogar für sechs Wochen nach Indien, um sich vom Maestro Ravi Shankar im Sitarspiel unterrichten zu lassen. Indische Musik und Philosophie prägte die Beatles so maßgeblich, dass sie sich vor White Album-Zeiten sogar einen Guru suchten: Maharishi Mahesh nahm die vier für drei Monate in seinem Ashram unter seine Fittiche. Eine produktive Zeit, in welcher viele Songs des selbstbetitelten Albums geschrieben wurden. Na gut, Starr hielt es nur für zehn Tage und McCartney immerhin einen ganzen Monat dort aus, eine wichtige Zeit war es dennoch, nicht allein in musikalischer Hinsicht.



7. The Beach Boys – God Only Knows

1966 war ein entscheidendes Jahr für die Popmusik und insbesondere die Kunst des Pop-Albums. Mit Revolver von den Beatles und Pet Sounds von The Beach Boys erschienen zwei bahnbrechende LPs, die das Genre revolutionieren und Maßstäbe setzen sollten. „God Only Knows“, der achte Track auf Pet Sounds, wird auch heute noch in vielen Listen als der beste Song aller Zeiten geführt. Dabei war er zu seiner Zeit alles andere als gewöhnlich: Vom Titel – 1966 wurde Gott nicht gern in der säkulären Popmusik erwähnt – über die irrwitzige Instrumentierung mit unter anderem Cembalo, Glocken und einer Kontrapunkt spielenden Streichersektion war „God Only Knows“ sogar ziemlich unkonventionell – und damit eine Inspiration für die Beatles, welche Pet Sounds als direkten Einfluss auf Sgt. Pepper’s Lonvely Hearts Club Band nannten. Eine produktive Konkurrenz, die umgekehrt genauso Früchte trug: Beach Boys-Mastermind Brian Wilson schaute sehr genau auf das Treiben der experimentierwütigen Pilzköpfe. Für Pet Sounds nämlich stand die Beatles-LP Rubber Soul aus dem Vorjahr Pate.


8. Bob Dylan – Rainy Day Women #12 & 35

„And when I touch you, I feel happy inside / It’s such a feeling that my love / I get high / I get high / I get high”, singen die Beatles auf “I Want To Hold Your Hand”. Dachte zumindest Bob Dylan im Jahr 1964 und musste von einem verschüchterten John Lennon korrigiert werden: „I can’t hide“, heißt es natürlich. Nachdem die Beatles zu Hamburger Zeiten ziemlich unbeeindruckt von Marihuana waren, brachte sie Dylan beim ersten gemeinsamen Treffen in einer wilden gemeinsamen Nacht aber auf den Geschmack. Paul McCartney war von der Erfahrung tief beeindruckt.


Schaut euch hier eine Live-Version an und lest weiter:


 

„Zum ersten Mal habe ich denken können, richtig denken“, sagte er später dazu. „Everybody must get stoned“, forderte Dylan auf seinem Durchbruchsalbum Blonde On Blonde wohl also nicht zu Unrecht. Mit dem High-Sein machte die Band bekanntermaßen noch mehr Erfahrungen. Im Folgejahr mischte der Zahnarzt John Riley seinen Gästen Lennon und Harrison LSD in den Kaffee. Kein Wunder, dass die Musik der Fab Four danach zunehmend psychedelischer wurde.


9. Karlheinz Stockhausen – Gesang der Jünglinge

Einer Legende zufolge lernte John Lennon Yoko Ono durch eine ihrer Ausstellungen kennen und Ono hatte nicht den blassesten Schimmer, wer der neugierige Engländer oder gar seine Band waren. Einer anderen Legende nach kannte sie die Beatles sehr gut und fragte für ein Buchprojekt bei Paul McCartney handgeschriebene Lyrics an. So oder so: Der Rest ist Geschichte, über die selbst heute noch viel diskutiert wird. Ob Lennon ohne Ono die Beatles verlassen oder gar noch am Leben wäre hin oder her: Beeinflusst von der Japanerin, welche selbst an den Aufnahmen beteiligt war, wandte sich die Band mit „Revolution 9“ der Avantgarde zu. Neben musique concrète und Edgar Varèse gaben sowohl Lennon als auch McCartney – der bereits auf „Tomorrow Never Knows“ wild experimentiert hatte – die Tape-Manipulationen Karlheinz Stockhausens als Inspiration an. Sein „Gesang der Jünglinge“ stand maßgeblich Pate für die verqueren Vocal-Cut-Ups von „Revolution 9“.



10. Paul McCartney & Wings Vs. Timo Maas & James Teej – Nineteen Hundred And Eighty Five (Radio Edit)

Kaum eine Band, die nicht die Beatles als Einfluss zitieren würde. Doch selbst abseits des Pop- und Rock-Geschehens ist das Erbe der Fab Four nach wie vor präsent. Im März 2016 tauchte zum Record Store Day eine mysteriöse, auf 100 Stück limierte Platte im Londoner Plattenladen Phonica auf, welche im Internet mittlerweile für hunderte von Euros gehandelt wird und sogar ein offizielles Release erfahren hat.


Schaut euch hier das offizielle Video an:


 

Darauf zu hören ist der Edit eines Paul McCartney-Stücks, welches dieser 1974 mit seiner Band Wings aufgenommen hatte. Eine Dancefloor-Interpretation von einem Post-Beatles-Stück? Unwahrscheinlich, eigentlich aber genau richtig: Der Beat war schließlich schon immer essentieller Bestandteil ihrer Musik, die Solo-Unternehmungen mit eingeschlossen. Warum nicht also auch ein House-Beat? Wie alle vier Beatles nach der Auflösung der Band im Jahr 1970 ihre eigenen Wege gingen, so hört auch ihr Werk nicht auf zu wirken – und zwar überall!


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Zeitsprung: Am 29.11.1974 wird es ungewöhnlich ernst auf „Slade In Flame“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.11.1974.


von Timon Menge und Christof Leim

Als Slade die Arbeit an ihrem fünften Album aufnehmen, gehört ihnen die Welt. Na gut, Großbritannien. Gleich zwei Nummer-eins-Platten haben die Glam-Rocker dort hinter sich. Nun möchten sie vom Thron aus neue Wege einschlagen und beginnen mit der Arbeit an einem Film inklusive Soundtrack. Doch mit dem Ergebnis Slade In Flame stoßen sie ihre Fans gehörig vor den Kopf.

Hier könnt ihr euch Slade In Flame anhören: 

1974 befinden sich Slade auf dem Zenit ihrer Karriere. Mit Slayed? (1972) und Old New Borrowed And Blue (1974) haben die britischen Glam-Rocker zwei mehr als starke Alben im Rücken, nun soll nachgelegt werden. Wiederholen möchte sich die Gruppe nicht, sondern lieber etwas neues ausprobieren. Und genau deshalb entsteht das ambitionierte Film- und Soundtrackprojekt Slade In Flame.

Schluss mit Lustigsein

Der Vorschlag, sich mal an einem Film zu versuchen, kommt von Manager Chas Chandler. Slade finden die Idee super, möchten sich aber von ihrem fröhlichen Image entfernen. Stattdessen portraitieren die Musiker im Film den Aufstieg und Fall einer Gruppe namens „Flame“. Der Clou: Das Drehbuch basiert auf wahren Begebenheiten, die entweder Slade selbst oder Bands aus ihrem Umfeld in den Wirren des Musikgeschäfts tatsächlich passiert sind.

Slade 1974 von links nach rechts: Noddy Holder, Dave Hill, Don Powell und Jim Lea – Pic: Jorgen Angel/Redferns/Getty Images.

Um den Streifen entsprechend zu untermalen, setzen sich die beiden Hauptsongschreiber Noddy Holder (Gesang) und Jim Lea (Bass) direkt an den entsprechenden Soundtrack. Dafür wagen sie sich an neue Stile und orientieren sich stärker an den Sechzigern als üblich. Das passt, denn in jenem Jahrzehnt spielt auch der Film. Obwohl Slade auf Slade In Flame nicht unbedingt klingen wie sie selbst, erscheint der Soundtrack zunächst als fünftes Album der Gruppe.

Ist das jetzt zu düster?

Bereits die erste Single Far Far Away landet auf Platz zwei der UK-Charts. Mit dem Album gelingt anschließend Platz sechs. Kaum zu glauben, doch für Slade bedeutet das zu jener Zeit einen Misserfolg: Mit Slayed? und Old New Borrowed And Blue schaffte die Gruppe den Sprung auf die Pole Position der Hitparade.

Im Januar 1975 flimmert dann auch der dazugehörige Film über die britischen Leinwände. Der stößt damals auf gemischte Gefühle. Mit so viel Ernsthaftigkeit hatte niemand gerechnet, denn während der düsteren britischen Siebziger gelten Slade eher als Spaßmacher der Nation. Den Blick in tiefe Abgründe erwartet man von Noddy Holder und Co. nun wirklich nicht.

Nach Veröffentlichung des Films sinken die Verkaufszahlen der Glam-Rocker in den Keller. Der britische Komponist, Produzent, Jazzpianist und Autor Chris Ingham bringt es in den Liner-Notes zu Slade In Flame auf den Punkt: „Großbritanniens Liebesaffäre mit Slade endete mit Flame.“ Alben veröffentlicht die Gruppe zwar weiterhin, doch die großen Erfolge bleiben ab Mitte der Siebziger aus.

Zeitsprung: Am 15.2.1974 erscheint „Old New Borrowed And Blue“.

 

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Matt Cameron wird 60: 10 Dinge, die du über die Grunge-Legende noch nicht wusstest

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Matt Cameron
Foto: Lloyd Bishop/NBCU Photo Bank/NBCUniversal via Getty Images

Matt Cameron als Grunge-Legende zu bezeichnen, wäre einerseits eine Untertreibung, würde den wandlungsfähigen Musiker aber auch zu sehr auf ein Genre festnageln. Liest man aber die Namen jener Bands, bei denen er Mitglied ist oder war, stellt man schnell fest: Mehr Seattle-Legendenstatus geht schwer… und das, obwohl er gar nicht aus Seattle kommt. Er spielte bei Soundgarden, er war bei Temple Of The Dog und er ist immer noch Mitglied bei Pearl Jam. Cameron ist nicht nur Drummer, sondern auch Songschreiber und Multiinstrumentalist. Zu seinem 60. Geburtstag werfen wir einen Blick auf 10 Fakten aus seinem Leben.

von Markus Brandstetter

1. Er spielte in der 1978 erschienenen Horrorkomödie Attack of the Killer Tomatoes (deutscher Titel: Angriff der Killertomaten mit).

Im Film sang er sogar einen Song — und zwar das Stück Puberty Love. Cameron war damals 16 Jahre alt.

2. Er spielte als Teenager in einer KISS-Coverband.

Die hieß ebenfalls Kiss (kleingedruckt stand unter dem Namen „imitation“). Das Management der echten KISS fand das weniger lustig — und drohte der Gruppe mit einer Klage. Die Band löste sich daraufhin auf.

3. Sein Spitzname war Foo.

Das hat aber nichts mit den Foo Fighters zu tun — sondern mit seinem Bruder Pete, der seinen Namen Matthew als „Ma Foo“ aussprach. So nannte sich der Drummer früher Foo Cameron.

4. Er war zur selben Zeit aktives Mitglied bei Soundgarden und Pearl Jam.

Nämlich, als Soundgarden 2010 eine Reunion feierten. Bei Soundgarden spielte er übrigens ab 1986 und ist auf allen Alben der Band zu hören. Zu Pearl Jam stieß er 1998, als diese einen Satz für Schlagzeuger Jack Irons suchte. Im Jahr davor hatten sich Soundgarden aufgelöst. „Ich bekam aus heiterem Himmel einen Anruf von Mr. Ed Ved, Stoney und Kelly (Curtis, Pearl Jam’s Manager). Ich wurde überfallen. Es war wirklich sehr kurzfristig. Er rief an und fragte: ‚Hey, was machst du diesen Sommer?’“. Kurze Zeit später wurde Cameron fixes Mitglied von Pearl Jam.

5. Er gehörte zur ersten Live-Besetzung von Queen Of The Stone Age.

Als sich die legendären Wüstenrocker Kyuss auflösten, gründete Bandchef Josh Homme 1996 die Band Queens Of The Stone Age. Weil der ursprüngliche Drummer Victor Indrizzo nur ein Jahr dabei blieb, brauchte die Band für ihre ersten Konzerte einen Drummer. Wer’s wurde, könnt ihr euch denken: Cameron trat 1997 mit ihnen auf.

6. Eddie Vedder bezeichnet ihn als besten Schlagzeuger der Welt.

Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder spricht in höchsten Tönen über Matt. „Matt Cameron schreibt Songs, und wir rennen los, um Tritthocker zu finden, um sein Niveau zu erreichen, … was für ihn selbstverständlich ist, lässt uns mit gesenktem Kopf zurück, wie die verwirrten Hunde, die wir sind, … bis wir es schließlich verstehen. Haben wir schon erwähnt, dass er der beste Schlagzeuger der Welt ist?“, schreibt Eddie Vedder in den Linder Notes zu Lost Dogs.

7. Er schrieb zahlreiche Songs für Pearl Jam und Soundgarden. 

Bei vielen Songs ist er als Co-Autor gelistet, einige Stücke stammen zur Gänze aus seiner Feder. Die Liste ist lang, einige Beispiele sind aber Jesus Christ Pose und New Damage vom Soundgarden-Album Badmotorfinger, das er mitschrieb — oder Drawing Flies vom selben Longplayer, bei dem die Musik zur Gänze von ihm stammte. Auch bei Pearl Jam gehen manche Songs auf sein Konto — etwa Get Right von Riot Act oder Into The Moonlight von Lost Dogs, bei denen er sowohl die Musik als auch den Text schrieb.

8. Er mag auch Jazz und Prog.

Das zeigt sich in Camerons Nebenprojekten, wie der (längst wieder aufgelösten) Gruppe Tone Dogs. Anspieltipp: deren Album Ankety Low Day aus dem Jahr 1990.

9. Er arbeitete mit Nickelback-Frontmann Chad Kroeger

Ihr erinnert euch sicher noch an den Song Hero von Nickelback-Chef Chad Kroeger und Ex-Saliva-Frontmann Josie Scott — den Soundtrack des 2002 erschienenen Films Spider-Man. Am Schlagzeug: unser Geburtstagskind. 

10. Seinen größten Hit nahm er gleich doppelt auf.

Er spielte zwölf Jahre nach der Veröffentlichung des Soundgarden-Hits Black Hole Sun noch einmal ein — für Rocklegende Peter Frampton und dessen Album Fingerprints im Jahr 2006… und zwar als Instrumentalversion.

Ihr wollt mehr über Matt Cameron erfahren?

Sein wahrscheinlich bestes Interview gab er vor kurzem übrigens YouTuber Rick Beato. Das knapp 55-minütige Video bietet großartige Anekdoten über Camerons Karriere und geht musikalisch ziemlich ins Detail.

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10 Grunge-Empfehlungen für den Einstieg

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Zeitsprung: Am 28.11.1978 veröffentlichen die Blues Brothers ihr Debütalbum.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.11.1978.

von Max Röbel und Christof Leim

Es ist eines dieser Alben, die man auch dann kennt, wenn man sie noch nie richtig gehört hat. Am 28. November 1978 erscheint das Debütalbum der Blues Brothers und wird aus dem Stand zum Klassiker. Als Jake und Elwood Blues landen die Comedians Dan Aykroyd und John Belushi mit Briefcase Full Of Blues einen Welthit.

Hier könnt ihr euch Briefcase Full Of Blues anhören:

Wie aus Bienen Brüder werden: 1976 hatten sich Aykroyd und Belushi in New York am Set der noch jungen Comedy-Show Saturday Night Live (damals noch unter dem Namen NBC’s Saturday Night) kennengelernt. Als Geburtsstunde der Blues Brothers gilt ein SNL-Sketch aus diesem Jahr, in dem die späteren Weltstars im Bienenkostüm den Slim-Harpo-Klassiker I’m A King Bee darbieten. Wenn man sich die alte Aufzeichnung anschaut, wird trotz alberner Aufmachung schnell klar, dass es dem Komikerduo mitnichten bloß um müde Witze geht. Ganz im Gegenteil: Die Bluesbrüder machen ernst. Ein schweißbenetzter John Belushi schreit sich am Mikrofon die Seele aus dem Leib, während Dan im Hintergrund wie besessen die Harp bearbeitet – zwar nicht virtuos, aber mit Innbrunst.

John Belushi und Dan Aykroyd 1976 als Blues-Bienen bei „Saturday Night Live“

Entfachte Liebe zum Blues

Wie in der schreibenden Zunft üblich, trifft sich die Belegschaft im Anschluss an die Aufzeichnungen regelmäßig in einer einschlägigen Kneipe ein paar Blocks weiter. Die mit R&B-Klassikern beladene Jukebox des von Aykroyd angemieteten Etablissements zeigt Wirkung, ebenso die eilig angeschaffte Grundausstattung an Verstärkern und Instrumenten. Als Belushi, der spätere “Jake Blues”, 1977 bei Dreharbeiten auch noch den Soulsänger und Mundharmonikaspieler Curtis Salgado kennenlernt und der ihm einen Stapel Bluesplatten leiht, ist es endgültig um ihn geschehen. O-Ton: „Das hat mein Leben verändert. Als weißer Junge aus der Vorstadt ging man einfach nicht in die Viertel, wo der Blues war. Disco mochte ich nicht, und Rock wurde mir langweilig. Wie viele Rod-Stewart-Alben kann schon man kaufen?” SNL-Bandleader Howard Shore (richtig gelesen, der von Herr der Ringe) schlägt kurzerhand vor, die beiden Nachwuchsmusiker mögen sich doch einfach “The Blues Brothers” nennen –  und so kommt es dann auch.

Mit der Hilfe von SNL-Pianist Paul Shaffer stellen Aykroyd und Belushi eine Allstar-Truppe zusammen, die sich gewaschen hat. Neben Lou Marini und Tom Malone, die damals ebenfalls zur Hausband von Saturday Night Live gehören, engagieren die Blues Brothers mit Gitarrist Steve Cropper, Bassist Donald Dunn und Drummer Willie Hall drei Stax-Records-Veteranen, die zu diesem Zeitpunkt bereits mit Booker T., Elvis, Isaac Hayes und Otis Redding zusammengearbeitet hatten. An der Leadgitarre gewinnt das Allstar-Projekt mit Matt “Guitar” Murphy (Howlin’ Wolf, Etta James, Buddy Guy) ein echtes Mississippi-Original. Komplettiert wird das Line-up von Saxofonist Tom Scott und Trompeter Alan Rubin.

Auf die Bühne

Die nunmehr unter den Namen Jake und Elwood Blues firmierenden Frontmänner der Truppe tragen fortan Wayfarer-Sonnenbrillen (wie der immercoole John Lee Hooker) und gehen ausschließlich im Cab-Calloway-Gedächtnisanzug auf die Bühne. Zunächst probiert sich die Band weiterhin bei Saturday Night Live aus, zum ersten Mal am 22. April 1978. Bald gehört das Projekt zum festen Repertoire der Sendung und erfreut sich größter Beliebtheit erfreut. Am 9. September 1978 spielen die Blues Brothers dann eine Show als Opener für Steve Martin im Universal Amphitheater in Los Angeles. Bei diesem Konzert wird Briefcase Full Of Blues mitgeschnitten.

Anfänglich begegnen die Medien der aufstrebenden Supergroup noch mit Skepsis. Vielerorts fragt man sich, wie ernst es die beiden Komiker mit der Musik wirklich meinen. Manch einer fühlt sich von der Band mit der erfundenen Biografie und den Akrobatikeinlagen sogar auf den Arm genommen. Doch zunehmend lösen sich die Zweifel in Luft auf. Wie es scheint, lieben Aykroyd, Belushi und Co. einfach ihren Job. Hinzukommt, dass die Truppe durchweg aus Spitzenmusikern besteht. “Am Ende war es eine der besten Ansammlungen von Bluesmusikern, die ich je gesehen habe”, resümiert Gitarrist Steve Cropper 2014.

Im Auftrag des Herrn unterwegs

Auch an persönlichem Engagement mangelt es den Blues Brothers nicht. Als der Vorschuss des Labels aufgebraucht ist, steuern Belushi und Aykroyd 50.000 US-Dollar aus eigener Kasse bei, um die Produktionskosten des Albums zu decken. Der Einsatz zahlt sich aus: Briefcase Full Of Blues landet unglaublicherweise auf Platz eins der Billboard Charts und knackt sogar zweimal die Platinmarke. Prompt greift in den USA das Blues-Brothers-Fieber um sich. 

Die Blues Brothers live 1978 – Pic: Richard McCaffrey/ Michael Ochs Archive/ Getty Images

Zwei Jahre nach Veröffentlichung ihres Albumdebüts erscheint der gleichnamige Kultfilm, in dem Jake und Elwood “die Band wieder zusammenbringen müssen”, um mithilfe eines Benefizkonzert das nötige Kleingeld für die Grundsteuerrechnung ihres ehemaligen Waisenheims zu erspielen. Neben einem immensen Budget für demolierte Polizeiwagen, antifaschistischem Widerstand im Straßenverkehr und der ikonischen Fahrstuhlszene glänzt der Film mit zahlreichen Gastauftritten bekannter Musiker und Musikerinnen, etwa Aretha Franklin, Ray Charles und Cab Calloway).

Gerechte Lizenzen

Daran, dass die Blues Brothers faktisch eine Coverband sind, scheint sich kaum jemand zu stören. Im Gegenteil: Mit ihrem sprudeligen Livesound setzt das Projekt einen willkommenen Kontrastpunkt zu den zunehmend synthlastigen Pop-Releases der späten Siebziger. Doch es gibt eine weitere Gruppe, die von dem Phänomen Blues Brothers profitiert. Vor der Veröffentlichung von Briefcase Full Of Blues, schlägt die Plattenfirma Atlantic zunächst vor, den ursprünglichen Songschreibern fünfzig Prozent der Lizenzeinnahmen anzubieten. John Belushi und Aykroyd bestehen jedoch darauf, die Tantiemen in Gänze an die Urheber gehen zu lassen. Lediglich die Abgaben für ihre Live-Auftritte behalten sich die Blues Brothers vor. “Uns hätte ein Anteil an der Musik gehören können, aber wir haben keinen genommen. Das gehört sich nicht”, kommentiert Dan Aykroyd später im Interview.

Die Geste kommt an. Dank des Erfolgs der Neuauflagen erhalten Bluesveteranen wie Floyd Dixon, von dem Hey, Bartender stammt, auf einmal Schecks in bisher ungekannter Höhe. Einige Jahre nach John Belushis Tod an einer Überdosis 1982 trifft Harp-Spieler und Blues-Brothers-Inspiration Curtis Salgado den Songwriter beim Chicago Blues Festival. Man unterhält sich über die Band und kommt auf den unverhofften Geldsegen zu sprechen . Auf die Frage, was er mit dem Geld angestellt habe, antwortet Dixon: “Ich habe alles auf Pferderennen verwettet. Ich hatte eine wundervolle Zeit, Mann.“

Zeitsprung: Am 22.4.1978 treten die Blues Brothers zum ersten Mal auf.

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