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Popkultur

10 Hits der 80er, die heute niemand mehr kennt

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Für manche sind die 1980er-Jahre der pure Horror, für die anderen das größte Pop-Jahrzehnt aller Zeiten. Aber selbst die härtesten Gegner müssen zugeben: Keine Dekade kann so viele Kult-Hits aus allen möglichen Genres vorweisen. Auch wenn die 80s so komplett erforscht und kompiliert erscheinen, gibt es aber einige Hits von damals, die durch die Bodenritzen der Geschichte gefallen sind, Songs, die zu völlig zu unrecht in Vergessenheit geraten sind. Wir haben zehn verschollene Hits aufgespürt, die man unbedingt mal wieder auflegen sollte.


Hört hier in unsere 10 Hits der 80er, die heute niemand mehr kennt, rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

1. GTR – When The Heart Rules The Mind

Wenn sich Supergroups zusammenschließen, klingt das zwar immer sehr spannend, aber oft funktioniert die Sache einfach nicht. Schließlich müssen sich mehrere Stars miteinander arrangieren. GTR war ein erfolgreiches, aber kurzlebiges Supergroup-Experiment zwischen Steve Howe (Yes, Asia) und Steve Hackett (Genesis), die dem synthetischen Sound der 1980er-Jahre wieder mehr Gitarren entgegensetzen wollten. Obwohl beide für virtuosen Prog-Rock stehen, schlugen sie mit GTR eine gemäßigte Mainstream-Rock-Richtung ein und landeten mit ihrem Debütalbum und der Single When The Heart Rules The Mind (1986) auch große Hits. Doch die Partnerschaft von Howe und Hackett hielt nicht lange, GTR lösten sich 1987, nach nur zwei Jahren wieder auf.


2. Swing Out Sister – Breakout


Die 80er gelten als das Pop-Jahrzehnt schlechthin. Unfassbar viele Klassiker entstanden damals – so viele, dass nicht für alle ein prominenter Platz in der Erinnerung reserviert sein kann. Ein wunderbares Beispiel ist Breakout (1987) von der englischen Pop-Band Swing Out Sister, klanglich irgendwo zwischen der Synthie-Disco von The Human League und jazzigem R&B-Pop. Der Song war ein Chart-Hit in unzähligen Ländern, kletterte auch in Deutschland bis auf Platz 27. Viel zu smooth, um im Archiv zu verstauben.


3. Baltimora – Tarzan Boy

Wenn man Glück hat, hört man diese Nummer in obskuren 80s-Shows im Radio. Oder in einem angesagten Club – denn nicht selten spielen viele House-DJs diesen skurrilen Track, wenn sie in ihren Sets Richtung Italo Disco abdriften. So dämlich Tarzan Boy in mancher Hinsicht auch sein mag, vom Video über den Text bis zu den Jodeleinlagen, eines ist gewiss: Auf dem Dancefloor ist der Track unschlagbar. Guter Groove macht gute Laune. Sowohl in Deutschland als auch Großbritannien war Tarzan Boy im Jahr 1985 übrigens ein Top-3-Hit.


4. Ollie & Jerry – Breakin’…There’s No Stopping Us

Ein weiterer fast verschollener Club-Klassiker ist Breakin’, ein elektronischer Disco-Hit aus dem Jahr 1984. Die Parallelen zu Funk und frühem Hip-Hop à la Afrika Bambaataa sind unüberhörbar. Bis heute ist der Song eine Breakdance-Hymne, schließlich wurde er für den Soundtrack zum B-Boy-Film Breakin (ebenfalls 1984) produziert. Es existieren auch einige Coverversionen, etwa von Ice-T und der großen Chaka Khan.


5. Frida – I Know There’s Something Going On

Unverwechselbar, diese Stimme. Auch Kindern der 2000er dürfte dieser Song vage bekannt vorkommen: 2002 coverte die finnische Electro-Band Boomfunk MC’s diesen Hit aus dem Jahr 1982 unter dem Titel (Crack It!) Something Goin’ On. Das Original stammt natürlich von niemand geringerem als Anni-Frid Lyngstad alias Frida von ABBA. Schon während ihrer Zeit mit der größten schwedischen Band aller Zeiten startete sie nebenbei eine Solokarriere, doch so richtig erfolgreich wurde sie damit erst 1982, pünktlich zur Auflösung von ABBA: Ihr Album Something’s Going On (produziert von Phil Collins) verkaufte sich dank Hits wie dieser Single blendend.


6. The Other Ones – Holiday

Die meisten deutschen Pop-Künstler der 80er werden noch heute wie Götter verehrt, aber manche hat man schlicht und ergreifend vergessen. Wer kennt noch die australisch-deutsche Berliner Band The Other Ones? Holiday war ein Sommerhit im Jahr 1987, mit dem es die Band sogar in den USA in die Top 30 schaffte und für ihren Durchbruch sorgte. Nun ja, Durchbruch ist vielleicht zu viel gesagt, denn danach verschwanden die Other Ones sehr schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit. Trotzdem: Holiday funktioniert auch heute noch.


7. Kim Carnes – Voyeur

Kim Carnes aus Kalifornien hat zwar eine lange Karriere seit den frühen 1960er-Jahren vorzuweisen (sie war unter anderem Teil der Folkband New Christy Minstrels), doch die meisten werden bei ihrem Namen erst mal stutzen – Kim wer? Na, wir alle kennen doch die putzige Pop-Nummer Bette Davis Eyes aus dem Jahr 1981, ein Nummer-Eins-Hit in aller Herren Länder. Diesen Erfolg konnte sie leider nie toppen, auch wenn ihre folgenden Singles auch stabile Hits waren, zum Beispiel Voyeur. Mit Carnes’ markanter Stimme und dem treibenden Beat hat der Song alles, was ein lost gem braucht.


8. Prefab Sprout – The King Of Rock ’N’ Roll

Ach ja, Paddy McAloon und Prefab Sprout – die beste Band er 80er, die eigentlich niemand kennt, zumindest wenn man hierzulande den sporadischen Musikhörer fragt. Seit ihrem genialen Debüt Steve McQueen (1985) haben Prefab Sprout aus Newcastle zwar millionenfach Platten verkauft, trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass es sich hier um eine seit jeher völlig unterbewertete Band handelt. Ihr größter Hit The King Of Rock’n’Roll hat alles, was diese Band so besonders machte.


9. The Cars – Hello Again

Die Erinnerung an The Cars leidet unter ihrem Megahit Drive – die Leute wollen heute offenbar nichts anderes mehr von den New-Wave-Rockern aus Boston hören außer ihrer wunderbaren Schnulze. Dabei definierten sie den Sound von damals noch mit vielen anderen großartigen Songs wie Hello Again (1984), der wie Drive auf ihrem insgesamt fünften Album Heartbeat City (1984) zu finden ist. Bitte zur Playlist „80er-Perlen“ hinzufügen!


10. Adam & The Ants – Stand And Deliver

Neben all den Ramones und Sex Pistols bleibt oft kein Platz in der allgemeinen Punk-Historie für all die anderen Pioniere. Adam Ant schlug schon früh den Bogen zu New Wave und klang auf den Platten mit seiner Band Adam and the Ants wirklich einzigartig. Ein Song wie Stand And Deliver (1981) war damals sogar in Deutschland ein Top-Ten-Hit, kaum zu glauben! Aber wer außer den Fans von damals oder ernsthaften Punk-Connaisseuren kennt dieser Nummer schon noch? Jetzt vielleicht wieder ein paar Leute mehr. Gern geschehen!


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Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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