Join us

Platten

10 Songs, die Progressive Rock geprägt haben

Published on

Zehn Songs, über 140 Minuten – so und nicht anders muss eine waschechte Prog-Playlist aussehen. Von Ende der 1960er- bis Ende der 1970er-Jahre war Progressive Rock das spannendste, was moderne Musik zu bieten hatte. Rockmusik entwickelte sich zu einer ungeahnten Kunstform, die mit den größten Werken der Hochkultur konkurrieren wollte. Wir haben uns auf die Suche nach den Anfängen des Genres gemacht und zehn der wichtigsten Songs zusammengetragen, die Progressive Rock an die Grenzen des Machbaren und in ungeahnte ästhetische Sphären trieben.


Hört euch hier alle 10 Songs, die Progressive Rock geprägt haben in einer Playlist an und lest weiter:

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

1. The Moody Blues – Nights In White Satin

Progressive Rock hat viele Vorläufer, vom psychedelisch angehauchten Pop der Beach Boys und der Beatles über die frühen Rock-Abenteuer von Pink Floyd bis zu allerlei Experimental-Musik à la Frank Zappa und Captain Beefheart. Auch The Moody Blues zählen zur ehrwürdigen Riege der Proto-Prog-Gruppen, und ihr sinfonischer Evergreen Nights In White Satin ist eine Blaupause für das, was viele ambitionierte Prog-Bands später auf die Spitze treiben sollten: Ein pompöser und ausufernder Song, voller Wendungen und Schnörkel.


2. King Crimson – The Court Of The Crimson King

Als eines der ersten wirklich reinrassigen Progressive-Alben – und garantiert auch eines der besten aller Zeiten – gilt King Crimsons Debütalbum aus dem Jahr 1969. Diese Platte ist die reinste und perfekt umgesetzte Essenz der Prog-Idee. Kommerzielle Gedanken konnte die Band um Robert Fripp mit diesen hochkomplexen und vor feingeistiger Schönheit strahlenden Kompositionen wohl kaum haben. Es ging hier um nicht weniger als um erhabene Kunst, deshalb muss dieses Album unbedingt in einer Reihe mit den größten Kunstwerken der Geschichte stehen, von Literatur bis Malerei.


3. Genesis – The Return Of The Giant Hogweed

King Crimson hatten also direkt mit einem Meisterwerk die Prog-Ära eingeleitet. Doch das schüchterte die Konkurrenz nicht ein, sondern spornte sie an. Eine weitere britische Band, die Progressive Rock definieren sollte, waren Genesis, die spätestens mit ihrem dritten Album Nursery Cryme (1971) den Dreh raus hatten. Es war die große Zeit von Peter Gabriel, der die musikalische Vielseitigkeit seiner Band mit einem unglaublichen inhaltlichen Einfallsreichtum ergänzte. Der Kreativität waren da keine Grenzen gesetzt. Genesis sollten noch einige weitere Prog-Meilensteine veröffentlichen, bevor Gabriel die Band Mitte der 1970er verließ.


4. Emerson, Lake & Palmer – Tarkus

Zu den ganz großen Prog-Giganten gehören natürlich auch ELP. Das Trio hat den Ausdruck „Bombast-Rock“ quasi erfunden. Mit ihrem zweiten Album Tarkus (1971) zeigten die Briten, in welche ungeahnten Dimensionen man mit Rockmusik vordringen kann und führten gleichzeitig ein Millionenpublikum an Progressive Rock heran. Der starke Einfluss von Klassik in ELPs Musik ging manchem Rocker zwar zu weit, doch musikalisch und technisch übertrumpften diese Ausnahmekünstler die besten Metal- und Hardrock-Bands des Jahrzehnts mit Leichtigkeit.


5. Yes – Close To The Edge

In Sachen Komplexität und Konzeptverliebtheit ließen ELP alle bisher gekannten Dämme brechen und bereiteten damit den Weg für diesen riesigen Erfolg von Yes. Besonders in den frühen 1970er-Jahren waren Yes vielleicht die innovativste unter allen Prog-Bands. Man fühlt sich bei ihnen oft wie in der Oper – so richtig verstehen tut man das alles nicht, aber man spürt, dass hier etwas wichtiges passiert. Und man fühlt es, es berührt einen, egal ob man den Worten und den Strukturen folgen kann. Ihr Meisterwerk Close To The Edge erreicht ein Maß an Transzendenz, von dem andere Bands nur träumen konnten.


6. Jethro Tull – The Poet And The Painter

Noch eine Legende – und eine, die man sofort erkennt, wenn Ian Anderson mit seiner berüchtigten Querflöte einsetzt. Mit Thick As A Brick (1972) und vielen anderen Alben haben Jethro Tull Musikgeschichte geschrieben und Progressive Rock um viele sehr markante Stücke reicher gemacht.


7. Mike Oldfield – Tubular Bells, Pt. II

Auch wenn wir uns hier im Bereich der großen Bands bewegen, wollen wir ein Einzelgenie nicht unerwähnt lassen: Mit seinem Mammutwerk Tubular Bells (1973) dachte Multiinstrumentalist Mike Oldfield Prog um einige Ecken weiter, brachte Folk und Elektronik mit ins Spiel und lieferte damit die Grundlage dafür, was später einmal zu New Age werden sollte. Da wurde es dann mitunter recht kitschig, aber was Oldfield hier leistete, war im absoluten Wortsinn progressiv.


8. Rush – 2112

Als Mitte der 1970er-Jahre allen anderen großen Prog-Bands langsam die Ideen auszugehen schienen, kamen Rush mit diesem Klassiker ums Eck – einer Hymne, die alle Dimensionen des Genres abdeckte und einen kernigen Sound auferstehen ließ, den man sonst eher bei Led Zeppelin oder Pink Floyd bekam. Kein Wunder, dass Rush nach 2112 (1976) zu einer der größten Rockbands der kommenden Jahre wurden, die neben guten Riffs auch ein spannendes Narrativ von Science Fiction bis zu fast alberner Mystik in ihr Werk einbauten.


9. Novalis – Medley: Sommerabend

Die deutsche Prog-Szene wollen wir natürlich nicht außen vorlassen. Mit Krautrock hatte sich zwar eine ganz spezielle Art von experimentellem Rock in Deutschland entwickelt, doch es gab auch klassische Prog-Rocker wie Grobschnitt, Eloy oder eben Novalis. Ganz im Stile des namensgebenden Dichters schrieben die Hamburger verträumte und lyrische Rockepen, von denen Sommerabend (1976) wahrscheinlich das zeitloseste ist. Der Einfluss von King Crimson ist hier nicht zu überhören.


10. The Mars Volta – Cicatriz ESP

Wie wir alle wissen, sind Ende der 1970er-Jahre die Punks angetreten, um die alten Rock-Dinosaurier von der Bildfläche zu putzen. Das haben sie auch geschafft – die Tage von Progressive Rock waren nun erst mal gezählt. Aber vor allem in den 1990er-Jahren formierten sich neue Post-Prog- und Neo-Progressive-Bands, die ihre Songs wieder auf gute zehn Minuten und mehr anschwellen ließen. The Mars Volta waren definitiv einer der besten Gruppen auf diesem Terrain, weil sie nicht nur epigonenhaft alte Stile aufwärmten, sondern Prog ins moderne Zeitalter führten und mit einer Prise Metal würzten. Da bekommt man doch direkt wieder Lust auf das nächste Revival.


Das könnte dir auch gefallen:

10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 1

Das Kraut-Rock-Label „Brain“ wird mit Label-Retrospektive gewürdigt

Die musikalische DNA von Cream

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Platten

Zeitsprung: Am 11.1.1967 nimmt die Jimi Hendrix Experience „Purple Haze“ auf.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.1.1967.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Januar 1967 nimmt Jimi Hendrix Purple Haze auf, eine der bedeutendsten Singles seiner Karriere. Bis heute weiß der Song zu begeistern und darf auf keiner Classic Rock-Zusammenstellung fehlen. Das Stück wirft allerdings auch Fragen auf…

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in Are You Experienced rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Für viele Musikliebhaber dürfte Purple Haze den Erstkontakt zur Jimi Hendrix Experience markieren. Zwar veröffentlicht die Gruppe mit Hey Joe bereits einige Monate zuvor ihre Debütsingle, doch erstens handelt es sich dabei nicht um ein Stück aus Hendrix’ eigener Feder, zweitens belegt Purple Haze die Pole Position auf der US-amerikanischen Variante von Are You Experienced, dem ersten Album der Gruppe. Hey Joe läuft erst an dritter Stelle.



Als die Experience den Song am 11. Januar 1967 in den Londoner De Lane Lea Studios aufnimmt, überrascht Hendrix Schlagzeuger Mitch Mitchell und Bassist Noel Redding mit dem neuen Material. „Er kam herein, summte uns die Melodie vor und zeigte Noel alle Akkorde und Übergänge“, erinnert sich Mitchell in einem Interview. „Ich hörte mir alles an und wir legten los. Wir haben drei Versuche gebraucht, wenn ich mich richtig erinnere.“

Der Alptraum einer jeden Haarbürste: Mitch Mitchell, Jimi Hendrix und Noel Redding von der Jimi Hendrix Experience – Pic: MCA/Promo

Der Hendrix-Akkord: ein E7#9. Tut nicht weh, versprochen. – Pic: Drew Von Buseck/Wikimedia Commons

Als der Song im Kasten ist, verfeinern Hendrix und Produzent Chas Chandler ihn zu zweit. Moderne Mehrspurrekorder machen’s möglich. So ergänzt Chandler die Aufnahme um experimentelle Sounds, die er erzeugt, indem er Aufnahmen über einen Kopfhörer abspielt und ihn um das Mikrofon herumbewegt. Das Ergebnis: ein abgefahrener Echo-Effekt, den man so noch nicht kannte. Für das Gitarrensolo kommt erstmals ein Octaver zum Einsatz, den Toningenieur Roger Mayer gemeinsam mit Jimi Hendrix entwickelt habe. Ebenfalls legendär: die Premiere des Hendrix-Akkords, ein E7#9.

Mit ihrer Veröffentlichung am 17. März 1967 tritt die Single eine Welle des Erstaunens los. Der Song stürmt weltweit die Charts, im Fernsehen läuft er rauf und runter. Sogar Beatles-Bassist Paul McCartney, ein früher Unterstützer der Jimi Hendrix Experience, zeigt sich begeistert und veröffentlicht eine erstklassige Rezension im Melody Maker.

Zahlreiche Mythen ranken sich um den Text des Stückes. Auch Hendrix selbst äußert sich diesbezüglich höchst ambivalent. So soll der Song ursprünglich Purple Haze – Jesus Saves heißen. In einem Interview verrät der Gitarrist allerdings, der Text erzähle von einem Traum, in dem er unter Wasser gelaufen sei. Nach Veröffentlichung des Songs liefert behauptet er außerdem, es handele sich um ein Liebeslied. Hendrix-Biograf Harry Shapiro hält für wahrscheinlich, dass es sich bei Purple Haze um ein „Potpourri an Ideen“ handelt.


Bis heute zählt Purple Haze zu den Klassikern der Gitarrenmusik. So landet der Song nicht nur auf Platz zwei der „100 Greatest Guitar Songs Of All Time“ im Rolling Stone, sondern auch auf der Liste „500 Songs That Shaped Rock And Roll“ der Rock And Roll Hall Of Fame. Sogar die Klassikwelt hört hin und interessiert sich für das außergewöhnliche Arrangement. Man darf gar nicht darüber nachdenken, welch großartige Songs das Gitarrengenie Hendrix uns noch hätte bescheren können, wenn er nicht so früh verstorben wäre.

Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Platten

Zeitsprung: Am 6.1.1984 veröffentlichen Anthrax ihr Debüt „Fistful Of Metal“.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.1.1984.

von Christof Leim und Tom Küppers

Die frühen Achtziger werden gerne zum goldenen Zeitalter des Heavy Metal erklärt. Was dahingehend stimmt, dass Pioniergeist und der frische Wind in der Hartmusikszene einer Band schnell ungeahnte Möglichkeiten eröffnen konnten. Während Slayer und Metallica an der kalifornischen Westküste ihr Unwesen treiben, werden Anthrax in ihrer Heimat New York zur ersten Adresse in der gerade losbrechenden Thrash-Welle.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier rein in Fistful Of Metal:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

1981 gründen die zwei Schulfreunde Scott Ian und Dan Lilker eine Band. Sie begeistern sich für Iron Maiden, Motörhead und die „New Wave of British Heavy Metal“, also soll es heftig zur Sache gehen. Wie üblich dauert es eine Weile, bis sich ein halbwegs stabiles Line-up gefunden hat; irgendwann sind Schlagzeuger Charlie Benante, Leadgitarrist Dan Spitz und Sänger Neil Turbin am Start.

Ein erstes, von Manowar-Gitarrist Ross The Boss produziertes Demo bringt 1983 direkt den Plattenvertrag mit dem brandneuen Label Megaforce, das sich gerade anschickt, den legendären Metallica-Einstand Kill ’Em All zu veröffentlichen. Nachdem Anthrax von ihrer ersten Single Soldiers Of Metal noch im gleichen Jahr 3.000 Exemplare unter die Leute bringen können, wartet die Headbangerschaft auf das Debütalbum.

Anthrax in früher Besetzung: Spitz, Bello, Turbin, Benante, Ian

Ende 1983 geht es dann in die Pyramid Studios von Alex Perialas. Kill ’Em All-Produzent Paul Curcio muss aus Zeitgründen absagen, also bietet sich The Rods-Drummer Carl Canedy an. Seine einzige Empfehlung: Er hätte auch mal Bock, eine Band zu produzieren. Ganz einverstanden sind Anthrax mit der Wahl nicht, dafür aber hervorragend eingespielt. Einige der Songs stammen sogar noch aus den Anfangstagen und werden mit entsprechender Routine auf das Band genagelt. Deswegen reichen drei Wochen, um die zehn Songs von Fistful Of Metal einzuhämmern.  

Songs wie Deathrider und das treibende Howling Furies erinnern noch ziemlich deutlich an den klassischen Metal von Iron Maiden und Judas Priest, ansonsten glänzen Anthrax mit unerhörter Energie und Geschwindigkeit. Das Stück Metal Thrashing Mad gerät sogar zum Taufpaten für ein ganzes Musikgenre, weil der Journalist Malcolm Dome vom britischen Kerrang! im Zuge einer Erwähnung dieses Songs erstmalig den Begriff Thrash Metal verwendet. Wie ihre Kumpels Metallica und Exodus beziehen Anthrax ihre Einflüsse aus klassischem Heavy Metal, hochenergetischem Punk Rock und dem neuen Metal aus England. Daraus brauen sie einen neuen, härteren Stil, der anfangs als Speed Metal oder Power Metal bezeichnet wird.

Beim Alice Cooper-Cover I’m Eighteen verzichtet Scott Ian übrigens aus Protest auf eine aktive Teilnahme. Zwar steht er der Idee, einen fremden Song neu aufzulegen, durchaus positiv gegenüber, findet aber diese Auswahl nicht repräsentativ für seine Band. Dan Spitz spielt die Gitarren alleine ein. Der Rest der Aufnahmen verläuft überaus glatt, nur beim Mix müssen sich die Musiker auf Canedy verlassen – und werden enttäuscht. Bis heute zeigt die Band sich unzufrieden mit dem Klang der Platte.



Als Fistful Of Metal am 6. Januar 1984 erscheint, überraschen die Verkaufszahlen alle Beteiligten im positiven Sinne. „Ich hatte die Tape Trader-Szene ganz vergessen“, erklärt Ian Jahre später. Schon das Demo konnte sich in kürzester Zeit durch internationale Tauschringe auf dem ganzen Globus verbreiten. „Es gab deswegen sehr viele Leute, denen wir bereits ein Begriff waren, und die auf unsere Platte gewartet haben.“

Unfassbar bleibt aber das trashige (ohne „h“) Artwork, das die Tradition der Low Budget- Gruselbildchen von Metallica und Slayer weiterführt. „Es ist fürchterlich“, befindet Scott Ian heute. „Die Idee stammt von Neil Turbin, gemalt hat es ein Typ namens Kent Joshpe. Wenn man genau hinguckt, sieht man sogar, dass das zwei linke Hände sind.“ Immerhin gestaltet Joshpe auch das Logo, das die Band heute noch benutzt.

Anthrax liefern hier eine der ersten und damit einflussreichsten Thrash Metal-Platten neben Kill ‘Em All und Hell Awaits (Slayer) ab. Mit Fistful Of Metal haben Anthrax ihren typischen Stil allerdings noch nicht gefunden. Der sollte sich erst mit neuem Sänger Joey Belladonna und neuem Bassisten Frank Bello auf Spreading The Disease (1985) einstellen…


Zeitsprung: Am 23.2.1992 treffen Anthrax auf Al Bundy.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Platten

Zeitsprung: Am 4.1.1984 veröffentlichen Judas Priest ihr „Defenders Of The Faith“.

Published on

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.1.1984.

von Christof Leim und Tom Küppers

Im Laufe ihrer Karriere haben Judas Priest einige Wandlungen sowie daraus resultierende Höhen und Tiefen durchlaufen. Ihr am 4. Januar 1984 veröffentlichtes Defenders Of The Faith markiert einen dieser Wendepunkte, weil es von einer Ära in eine andere überleitet. Die Briten liefern hier ihr letztes klassisches Achtziger-Album.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in den Judas Priest-Klassiker rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ende der Sechziger fängt die Truppe aus West Bromwich als vergleichsweise konventionelle Rockband an. Auf ihren frühen Alben Rocka Rolla (1974) und Sad Wings Of Destiny zwei Jahre später haben sich schon härtere Gitarren eingeschlichen, mit Sin After Sin von 1977 und vor allem dem Überflieger British Steel (1980) helfen Judas Priest, den Heavy Metal in seine heute bekannte Form zu gießen. Denn da wo sich andere Zeitgenossen wie Led Zeppelin oder AC/DC strikt dieser Klassifizierung verwehren, zelebrieren Judas Priest den Metal mit Lederjacken, Nietenarmbändern und Hymnen wie Metal Gods.

Zwei Jahre später steigen Priest (wie Insider die Band fachmännisch abkürzen) mit Screaming For Vengeance dann in die Riege der Superstars auf. Ein Meisterwerk des Heavy Metal, das nicht nur mit amerikanischem Doppelplatin ausgezeichnet wird, sondern mit You’ve Got Another Thing Comin’ und (Take These) Chains, eine Fremdkomposition von Bob Halligan Jr., zwei Radio-Volltreffer abwirft.


Die Verteidiger des musikalischen Edelstahls: Judas Priest – Pic: Geoff Thomas/CBS


Somit gelingt Priest als einer der ersten Heavy Metal-Bands der Durchbruch in den Mainstream, selbst das legendäre US Festival 1983 kommt nicht ohne das metallische Quintett aus. Doch der Nachfolger steht längst in den Startblöcken: „Damals haben wir beinahe im Jahrestakt neue Platten veröffentlicht“, blickt Sänger Rob Halford irgendwann zurück. Wie man das neben den endlosen Tourneen überhaupt geschafft hat, ist ihm heute rätselhaft. „Aber wenn es mal läuft, dann musst man als Band die Gelegenheit einfach beim Schopfe packen.“

Also begibt sich die Band mit Screaming For Vengeance-Produzent Tom Allom in die Ibiza Sound Studios auf der gleichnamigen spanischen Insel, um ihr neuntes Album Defenders Of The Faith in Form zu gießen. Im Anschluss spielen spielen Judas Priest im Dezember 1983 auf dem legendären Rock Pop In ConcertFestival in der Dortmunder Westfalenhalle und präsentieren die erste Singleauskopplung aus dem kommenden Album: das rasante Freewheel Burning.


Die Besucher hören einen klassischen Metal-Song in allerbester Priest-Manier – offenbar haben die Musiker den eingeschlagenen Kurs ganz zur Freude ihrer Fans nicht verlassen. Als Defenders Of The Faith dann am 4. Januar 1984 schließlich veröffentlicht wird, sind die Kritiker jedoch überwiegend skeptisch; ihnen klingt das Ganze dem Vorgänger viel zu ähnlich. Und spätestens ab hier lässt sich vortrefflich über dieses Thema debattieren.



Oberflächlich betrachtet nutzen Priest tatsächlich die gleiche Formel: Die Refrains sind griffig und zum Mitsingen geeignet, die Riffs hart und metallisch, gelegentlich wird sogar auf frühes Speed Metal-Tempo beschleunigt. Mit Some Heads Are Gonna Roll ist auch wieder ein Titel von Bob Halligan, Jr. vertreten. Warum etwas ändern, wenn es gut läuft? Auf der anderen Seite lässt sich anführen, dass die Band nun ihren Stil etabliert hat und lediglich verfeinert, kurzum: dass Judas Priest nun mal genau so klingen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen Screaming und Defenders auch schon.

Denn zum einen verpasst Tom Allom den neuen Songs einen etwas glatteren Sound als bisher, der schon die kommende Turbo-Ära andeutet, mit der sich Priest ab 1986 aufgrund klanglicher Änderungen bei manchen Fans in die Nesseln setzen werden. Zum anderen fehlt 1984 ein Single-Überflieger wie You’ve Got Another Thing Comin’. Allerdings ist Defenders Of The Faith als Gesamtkunstwerk ziemlich eindrucksvoll gelungen. In den Charts macht das fast keinen Unterschied, Judas Priest gehören nach wie vor zu den Zugpferden im Metal-Zirkus. In Deutschland schafft es die Platte auf Platz 21.

Ein Artwork fällt doch ein bisschen aus dem Rahmen: Die Single “Love Bites”.

Auf der Platte finden sich gleich mehrere Priest-Klassiker, etwa The Sentinel und Jawbreaker. Für eine mittelschwere Kontroverse sorgt dann Eat Me Alivedas die Initiative PMRC in ihre „Filthy Fifteen“-Liste mit 15 ihrer Meinung nach jugendgefährdenden Musiktiteln aufnimmt. Anführerin Tipper Gore, Ehefrau des späteren US-Vizepräsidenten Al Gore, behauptet gar, Judas Priest würden in diesem Lied mit gezogener Waffe erzwungenen Oralsex propagieren. Dass sich sein Song mit dem Thema Sex befasst, streitet Rob Halford gar nicht erst ab. Er gibt aber zu bedenken, das alles sei so überzeichnet, das der parodistische Charakter des Textes doch klar erkennbar sein sollte.



Kurz nach Erscheinen der Platte begeben sich Priest auf die achteinhalb Monate andauernde Metal Conqueror-Tour, auf der alle neuen Songs live gespielt werden – mit Ausnahme von Eat Me Alive. Das holen Judas Priest erst 2008 nach. Im Anschluss an die Konzerte legt die Band dann erstmal eine einjährige Bühnenpause ein. Ihren Platz auf dem Olymp des klassischen Heavy Metal haben sie da schon verdient.

Rob Halford, K.K. Downing und Glenn Tipton am 3. Februar 1984 im spanischen San Sebastián – Pic: Fernando Catalina Landa/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 16.7.1990 stehen Judas Priest wegen versteckter Botschaften vor Gericht.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss