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Popkultur

Zeitsprung: Am 23.11.1998 bedroht Marilyn Manson einen Journalisten und versteckt sich.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 23.11.1998.

von Christof Leim

Natürlich müssen Künstler nicht immer einverstanden damit sein, was die Medien oder Fans über sie so sagen. Doch am 23. November 1998 übertreibt Marilyn Manson es ein wenig: Zumindest erzählt der Journalist Craig Marks vom Magazin Spin, dass der Schockrocker ihn mit dem Tode bedroht und von zwei Bodyguards ziemlich hart anpacken ließ. Zunächst bestreitet Manson das, später erzählt er, sich sogar im Prunkturm eines gewissen Donald T. vor der Polizei versteckt zu haben…


Hört hier in die besten Manson-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Der letzte US-Termin der Mechanical Animals-Tour führt Marilyn Manson und seine Band nach New York in den Hammerstein Ballroom. Nach der Show bestellt er den Musikjournalisten Craig Marks, leitender Redakteur des Magazins Spin, zu einer Unterredung in seine Garderobe. Ein freundliches Schwätzchen wird daraus nicht, denn es kommt zum Streit, weil das Heft Manson nicht oder nicht alleine auf das Titelbild gepackt hat.

Nach der Schilderung von Marks verliert der Sänger mit Schwung die Contenance und lässt seinen Besuch wissen: „Ich kann dich töten, deine Familie auch und alle, die du kennst.“ Anschließend packen zwei Bodyguards den Schreiber am Hals und drücken ihn an eine Wand, bis er keine Luft mehr bekommt und starke Schmerzen erleidet. Manson sieht zu und erklärt anschließend: „Das passiert, wenn du mich nicht respektierst“. Wieder freigelassen, muss sich Marks im Krankenhaus behandeln lassen.

Anderthalb Monate später, am 4. Januar 1999, reicht der Journalist deshalb eine Klage ein auf mehrere Millionen Dollar Schadensersatz und Schmerzensgeld. Manson streitet die Vorwürfe – natürlich – ab und spricht lediglich von einer „Unterhaltung“ über das „unreife Geschäftsverhalten“ des Magazins. „Ich habe ihm erklärt, dass mir egal ist, was sie über mich drucken oder ob ich auf den Titel komme. Ich wollte einfach nicht mehr mit ihm oder dem Heft zusammenarbeiten.“



Keine zwei Wochen darauf, am 16. Januar, legt der Musiker, der im echten Leben Brian Warner heißt, sogar Gegenklage wegen Verleumdung ein. Den Vorfall selbst bestreitet er darin nicht, aber das Ganze habe „nur zwei Sekunden gedauert“. Der Musiker und seine Anwälte behaupten, die Aufpasser hätten nur eingegriffen, weil der Journalist plötzlich die Hände aus den Taschen gezogen habe. Zur Verhandlung kommt es nicht, man einigt sich außergerichtlich. Damit ist die Gelegenheit juristisch vom Tisch.

Interessanterweise scheint Marilyn Manson offen darüber sprechen zu können – und erzählt fast 20 Jahre später gegenüber Rolling Stone und Alternative Press sinngemäß: „Ich habe dem Chefredakteur von Spin eine Knarre in den Mund gesteckt und mich vor der Polizei im Trump Tower versteckt.“



Wir merken an, dass von einer Waffe bisher nie die Rede gewesen war und Manson auch nicht verhaftet worden ist. Das klingt zwar Angeberei, aber nicht nach einem Dementi. Im Gegenteil, der Rocker, ehemals selbst Musikjournalist, bringt das Thema in beiden Interviews selbst zur Sprache. Sollte er also wirklich vor lauter gekränktem Ego ausfällig geworden sein? Man weiß es nicht, darf sich aber wundern. Selbst wenn man es seiner Musik nicht immer anhört, ist Marilyn Manson eigentlich schlauer.

Und was hat der Mann eigentlich mit Donald Trump zu tun? Ein Fan des US-Präsidenten scheint er nicht zu sein, wenn man sich die Figur des geköpften Mannes im Video zu Say10 ansieht. 2012 wählt er Barack Obama, wie die Washington Post schreibt, 2016 gibt er keine Stimme ab. Warum Manson sich also 1998 im Trump Tower verstecken durfte, ob das überhaupt stimmt und ob (oder wie sehr) er sich damals in New York daneben benommen hat, bleibt mysteriös.



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