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Popkultur

5 Wahrheiten über Kurt Cobain

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Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und prüfen gängige Klischees und Falschannahmen der Musikwelt… Einfach weil wir es können bzw. einfach weil es so viel mehr Vorurteile gibt  als alle Beatles, Rolling Stones und Queen-Singles zusammenaddiert (lies: sehr viele). Wir nehmen uns also ein Genre oder einen Künstler und schauen wie stichhaltig die gemeinhin als richtig wahrgenommenen Annahmen sind. Zieht eure kugelsicheren Westen an, der Beschuss mit gängigen Klischees erfolgt diesmal zu einer Künstler, der das Genre des Grunge maßgeblich mit geprägt hat: Kurt Cobain!


Hört euch hier einen Vorgeschmack unserer Playlist zum Artikel an, zur ganzen kommt ihr über den “Listen”-Button:


Kurt Cobain war mit Sicherheit keine einfache Person, aber zweifelsohne ein Über-Musiker. Mit seinen destruktiven Texten, seiner Attitüde und seinem mehr als exzentrischem Leben wurde er zum Märtyrer einer ganzen Generation. Schon im Alter von 14 Jahren soll er zu einem Schulfreund gesagt haben, dass er irgendwann zum Superstar werden wird, in Reichtum und Ruhm schwimmt, dann Suizid begeht, um sich so, genau wie Jimi Hendrix, unsterblich zu machen. Er sollte Recht behalten und ist seitdem ein Teil des „Club 27“, der mit Cobains Tod 1994 erneut eher zweifelhaften Ruhm erlangte und zu dem bereits einige prominente Musikergrößen zählen wie Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin oder Amy Winehouse.

Um seinen Lebensstil, die Eskapaden mit seiner Frau Courtney Love oder ungeklärtes über seinen Tod soll es hier aber nicht gehen. Vielmehr haben wir fünf Wahrheiten aus dem Leben von Kurt Cobain aufgegriffen, die zum einen nicht ganz so bekannt sind, zum anderen verdeutlichen wie er war, was ihn inspiriert hat und was für ein Ausnahmemusiker er in Wirklichkeit war.



1. Die Wipers waren einer seiner musikalischen Haupteinflüsse

Die Wipers waren eine Punk-Band aus Portland/Oregon, die mehr oder weniger in immer unterschiedlicher Besetzung auftraten. Eigentlich hätte man sie auch eher als Soloprojekt bezeichnen können. Von wem? Von Gitarrist und Sänger Greg Sage, der die Band 1977 gründete und mit dem Debüt-Album Is this real!? direkt in den Independent Himmel schoss.

Mit Youth of America und Over the Edge brachten sie fleißig im Zwei-Jahrestakt Alben heraus, die zwar nicht mehr so gehyped waren wie der Erstling, aber eine solide Basis zur Identifikation für die kommende Generation darstellten. Das gab auch Cobain zu verlauten, der sie als einen seiner musikalischen Haupteinflüsse betitelte. Mit Nirvana coverte er gleich zwei Songs von den Wipers: D-7 und Return of the Rat.



2. Kurt Cobain und die Melvins

Cobain war ein guter Freund von Buzz Osbourne, dem Frontmann der Melvins, mit dem er auch zur High School ging. Oft liest man, wie viel Zeit sie miteinander verbrachten. Man kann sich die beiden und ihre Clique als einen Haufen junger Musiker vorstellen, die tagtäglich aufeinander hingen und mehr oder weniger ihr Leben miteinander verbrachten. Musik war der einzige Inhalt, der zählte. So war Krist Novoselić ab und an der Fahrer der Melvins, die bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten, und Kurt half auch mal beim Instrumente schleppen.

Bezüglich diverser Gerüchte, laut denen Kurt der Roadie der Kelvins gewesen wäre, beteuert Buzz: „I always think it’s funny that people say he roadied for us. Look at him! He couldn’t lift himself out of bed. You think he could roadie for someone? But we all hung out a lot. Krist Novoselic drove for us for a while. But roadie? We didn’t have a roadie.“ (Dt.: „Ich finde es immer witzig, wenn Leute behaupten, Kurt sei unser Roadie gewesen. Schau ihn dir mal an! Er konnte kaum alleine aus dem Bett aufstehen. Glaubst du, er könnte Instrumente schleppen und beim Auf- und abbau helfen? Aber wir alle hingen viel zusammen ab. Krist Novoselic hat uns eine Zeit lang gefahren. Aber Roadie? Wir hatten gar keinen Roadie.”)

Das sich hartnäckig haltende Gerücht, Kurt habe bei ihnen vorgespielt, muss Ozzbourne wohl bei jeder Frage diesbezüglich mit einem leichten Mundwinkel zucken abtun. Gemeinsames jammen – ja, aber ein richtiges Vorspielen – nie. Man war sich wohl einfach zu sicher, dass das einfach nichts werden kann. Zu unterschiedlich oder wahrscheinlich auch zu gleich waren die Charaktere.



3. Kurt Cobain – Designer der Fender Jagstang

Selten kommt es vor, dass ein Musiker direkt mit seinem Instrument verbunden wird. Ok, ein paar Beispiele gibt es. So sind Jimi Hendrix und Eric Clapton direkt mit der Fender Stratocaster verbunden, oder Rudolf Schenker von den Scorpions mit der Flying-V von Gibson. Kurt Cobain spielte eigentlich die Fender Mustang, schwörte aber auch auf einige Eigenschaften der Fender Jaguar. Warum also nicht die Vorzüge beider vereinen? Genau dies sprach er in einem Interview an. Fender ließ sich nicht lange bitten und ging auf ihn zu. Das Anliegen: Bitte erkläre uns mal, wie man sich so ein Instrument vorzustellen habe. Er nahm einen Polaroid Fotoapparat, knipste die Gitarren, schnitt die Bilder auseinander und klebte sie wieder zusammen. Zurück bei Larry Brooks und Mark Wittenberg von Fender sagte Cobain: „So stelle ich sie mir vor!“ Die Gitarre wurde entwickelt und veröffentlicht – zum Klassiker wurde sie allerdings nicht. Seine eigene Sonic Blue Jag-Stang schenkte Courtney Love nach Cobains Tod dem R.E.M.-Gitarristen Peter Buck.


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4. Dave Grohl hat die MTV Unplugged Session fast gesprengt

Am 18. November 1993 wurde das wohl bekannteste Konzert der Band um Kurt Cobain aufgenommen. Die Ausstrahlung erfolgte etwa einen Monat später, am 16. Dezember. Jeder, der Nirvana kennt, hat dieses Konzert wohl vor Augen. Sehr auffällig ist, wie Dave Grohl mit zurückgebundenen Haaren, fast wie ein Schuljunge, am Schlagzeug sitzt. Seine Aufregung konnte jeder erahnen – und sie hatte zuvor für Probleme bei der Produktion der Aufzeichnung gesorgt: Er hatte seine Kraft nicht unter Kontrolle und lieferte den typischen, lauten, kraftbetonten Schlagzeug-Sound, der aber im Rahmen einer Unplugged-Session überhaupt nicht passte. Cobain drohte Grohl sogar noch vor der Session mit dem Rauswurf, weil er zu hart spielte. Alex Coletti, Producer der Show reagierte sofort und schickte seinen Assistenten los, der dem Nirvana Schlagzeuger Brush-Sticks als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk organisierte. Brush-Sticks sind, wie der Name schon suggeriert, besenartige Sticks, die hauptsächlich im Jazz vorkommen. Mit ihnen erklingen Snares und Drums wesentlich leiser. Grohl spielte daraufhin die Brush-Sticks. Der Rest ist Geschichte.


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5. Krist Novoselić beerdigte den Grunge in München

Am 01. März 1994 sollte der Grundstein für das Ende des Grunge gelegt werden. Cobain kam mit einer Bronchitis in Bayern an und ordnete an, einen „ruhigeren“ Einstieg in den Abend zu finden. Sie begannen mit einem Cover der Cars My best Friend und steigerten sich langsam bis als vierter Titel Come as you are erklang. Über den Abend machte sich eine komische Stimmung auf der Bühne breit. Irgendwann nahm Krist Novoselić das Mikrophon und erklärte dem Publikum: Were not playing the Munich Enormodome tonight. Cos our careers are on the wane. Were on the way out. Grunge is dead. Nirvanas over. . . our next records going to be a hip-hop record!” (Dt.: “Wir spielen heute nicht im Münchener Enormodome. Weil unsere Karrieren auf dem absteigenden Ast sind. Wir sind auf dem Weg nach draußen. Grunge ist tot. Nirvana ist aus und vorbei… unser nächstes Album wird eine Hip Hop-Platte!”)

Mit der 23-Song Tracklist spielten sie das kürzeste aller Konzerte der „In Utero“-Europatour. Am nächsten Tag sagten sie alle weiteren Termine ab. Ein damaliger Konzertbesucher, den wir befragt haben, ist heute noch verblüfft, wenn er an den Abend zurück denkt: Am nächsten Tag, als wir hörten, dass das zweite Konzert abgesagt ist, wurde uns schlagartig bewusst, was wir für ein Glück hatten. Uns war auf einmal klar, dass es Nirvana nicht mehr lange geben wird. Aber, dass wir tatsächlich das letzte Konzert gesehen haben. Damit hat keiner gerechnet.

Einen Monat später, am 5. April 1994 erschoss sich Kurt Cobain in seinem Haus in Seattle. Der Abschiedsbrief endete mit einem Zitat von Neil Young: “It’s better to burn out than to fade away.“



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Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

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