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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.1.1975 gibt es Ärger zwischen Deep Purple und AC/DC.

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Foto: Bob King/Redferns/Getty images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.1975.

von Christof Leim

Als Deep Purple am 25. Januar 1975 bei einem australischen Open Air auftreten, kommt es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit einer noch unbekannten Band namens AC/DC…

Hier könnt ihr euch das damals aktuelle Deep-Purple-Album Stormbringer anhören:

Mitte der Siebziger gehören Deep Purple zu den großen Rockbands der Erde. Deshalb werden sie sogar ans andere Ende der Welt eingeladen, um den Headliner beim australischen Sunbury Pop Festival zu geben, das 30km nordwestlich von Melbourne stattfindet. Zu diesem Zeitpunkt hat die Band gerade Stormbringer draußen, das zweite Album mit der neuen Mark-3-Besetzung, also mit David Coverdale und Glenn Hughes.

Stars der Siebziger: Deep Purple Mark 3 – Coverdale, Hughes, Paice, Blackmore, Lord

Die Veranstaltung läuft da zum vierten Mal und konnte sich in der australischen Rockszene etablieren. Nur leider haben die Organisatoren diesmal Pech, vor allem mit dem Wetter. Es regnet pausenlos, unter anderem erscheinen deswegen nur 16.000 Fans – nur ein Drittel so viel wie in früheren Jahren.

Vom Pub zum Open Air

Am gleichen Tag spielt eine erst in ihrer Heimat halbwegs bekannte Band um zwei gitarrenspielende Brüder in einer Kneipe: AC/DC. Die zukünftigen Weltstars stehen da noch am Anfang, ihr erstes Album, die australische Variante von High Voltage, lässt noch gut drei Wochen auf sich warten, und sie haben nicht mal einen festen Bassisten.

Aber sie erhalten einen Anruf mit der Bitte, auf dem Sunbury zu spielen, wie Angus Young später erzählt. Man befürchtet, dass Deep Purple womöglich nicht auftreten, was für großes Missfallen unter den anwesenden Rockern und Rockerinnen sorgen könnte. Ein zumindest halbwegs beliebter Ersatz für den Fall des Falles muss her. Also lassen sich AC/DC zum Gelände fahren, zumindest soweit, wie der Fahrer den Matsch zu tolerieren gewillt ist, und schleppen ihre Ausrüstung dann eigenhändig zur Bühne – über anderthalb Meilen und durch die Leute. Als Aushilfsbassisten haben sie einen älteren Young-Bruder dabei: George Young, ehemaliger Star der Easybeats und zukünftiger Produzent der Band. Schließlich fahren ein paar Rolls Royce vor: Deep Purple sind im Haus. Also kann das Festival nach Plan laufen, AC/DC sollen danach ran. Aber so einfach geht es nicht…

Direkter Meinungsaustausch

Wie genau die Klopperei losgeht, scheint heute keiner mehr so genau zu wissen. Angus jedenfalls behauptet, ein Crewmitglied von Deep Purple habe dem AC/DC-Manager eine reingehauen. Und weil weltreisende Straßenköter in Rock’n’Roll-Bands solche Dinge üblicherweise nicht ergebnisoffen ausdiskutieren, sondern unmittelbare physische Konfliktlösungsstrategien bevorzugen, gibt es, genau, auf’s Maul. Wenig überraschend schmeißt sich Bon Scott, der alte Radaugeselle, selbst ins Getümmel und nimmt nach Angus’ Erinnerung einen Gegner in den Schwitzkasten. Der dreht sich im Kreis, um den nicht gerade groß gewachsenen Sänger abzuschütteln, aber Bon ruft nur: „Keine Sorge, Jungs, ich habe ihn!“ Angus wiederum fordert die ersten Reihen auf, die Absperrung zu überklettern: „Wir brauchen ein bisschen Hilfe hier oben!“

Irgendwann wird der „Meinungsaustausch“ aber beendet, Deep Purple spielen ihr Set – und lassen danach das Equipment abbauen. Der Veranstalter beschwert sich, AC/DC beschweren sich, und schwupps startet eine neue „Argumentationsrunde“. Die Deep-Purple-Musiker bekommen davon vermutlich nicht viel mit. Coverdale jedenfalls wird zitiert mit einer anders lautenden Erinnerung: „Anscheinend ist da eine junge australische Band auf die Bühne gesprungen, hat sich in unsere Amps eingestöpselt und losgespielt! Nach allem, was ich so gehört habe, brach deshalb die Hölle los. Unsere Roadies, allesamt ziemlich bullige Typen, kämpften mit der Band, damit sie unser Equipment in Ruhe lassen und von der Bühne verschwinden. Es folgte Chaos und ein lustiges Durcheinander.“

David gegen Goliath

Wer da jetzt angefangen hat und ob es wirklich zweimal Geklatsche-ohne-Applaus gab, scheint in den Jahrzehnten etwas unscharf geworden zu sein, aber fest steht: Die „junge australische Band“ reist unverrichteter Dinge ab. Allerdings berichten am nächsten Tag die Zeitungen vom Kampf zwischen AC/DC und Deep Purple. Das stimmt zwar nicht so ganz, weil lediglich die Purple-Roadcrew beteiligt war, aber als gute Werbung und Bonus für die „Street Cred“ taugt das allemal – der von AC/DC, wohlgemerkt.

Zeitsprung: Am 31.12.1973 spielen AC/DC in Sydney ihr erstes Konzert.

 

Popkultur

Prince, Madonna und die Rolling Stones: Die besten Super-Bowl-Halbzeitshows aller Zeiten

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Prince
Foto: Jonathan Daniel/Getty Images

Ein Auftritt im Rahmen der Super-Bowl-Halbzeitshow gleicht einem popkulturellen Ritterschlag, nirgendwo ist das TV-Publikum größer. Vielen Sternchen wurde diese Ehre in den vergangenen Jahrzehnten bereits zuteil. Von U2 bis hin zu den Rolling Stones: Diese zehn Halbzeitshows finden wir besonders gelungen.

von Timon Menge

10. The Blues Brothers, ZZ Top, James Brown (1997)

Wenn der Super Bowl in einer Blues-Metropole wie New Orleans stattfindet, muss natürlich auch eine Blues-orientierte Halbzeitshow her. Mit Everybody Needs Somebody To Love und Soul Man gaben die Blues Brothers am 26. Januar 1997 zwar vor allem Soul-Klassiker zum Besten, genau wie James Brown im Anschluss; doch spätestens ZZ Top versorgten das Publikum mit reichlich Bluesrock. Eine coole Sonnenbrillen-Party zwischen zwei Halbzeiten!

9. U2 (2002)

Den Iren U2 wurde am 3. Februar 2002 eine ganz besondere Verantwortung zuteil. Die Terroranschläge von 11. September 2001 lagen noch kein halbes Jahr zurück, da sollten Bono und Co. bei der größten Unterhaltungsveranstaltung der Welt auftreten – übrigens erneut in New Orleans. Doch U2 wurden ihrem Auftrag gerecht, lieferten ein hervorragendes Set ab und gedachten auf einer riesigen Leinwand all jenen, die am 11. September ums Leben gekommen waren.

8. The Rolling Stones (2006)

Auf eine große Bombast-Show verzichteten die Rolling Stones bei ihrem Auftritt am 5. Februar 2006 in Detroit. Doch ganz ehrlich: Wenn Mick Jagger und seine jahrzehntelangen Weggefährten eine Bühne betreten, braucht es keine Schnörkel und kein Chichi. In wenigen Minuten rockten sich die Stones durch große Hits wie Start Me Up und (I Cant Get No) Satisfaction. Einen Luxus gönnten sich die Briten dann allerdings doch: eine Bühne in Form einer riesigen roten Zunge.

7. Katy Perry (2015)

Zugegeben, für hartgesottene Rocker*innen klingt der Sound von Katy Perry etwas ungewohnt. Doch mindestens zwei Dinge kann ihr keiner nehmen: hervorragende Popsongs und einen mehr als nur gelungenen Auftritt am 1. Februar 2015. In Sachen Show macht den größten Pop-Sternchen einfach niemand etwas vor, wie wir auch im weiteren Verlauf unserer Liste feststellen werden. Als Gäste durfte Perry Hip-Hop-Legende Missy Elliott und Gitarrengott Lenny Kravitz begrüßen.

6. Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar & 50 Cent (2022)

Diese Halbzeitshow ist noch nicht lange her, setzte am 13. Februar 2022 aber völlig neue Standards. Zum ersten Mal in der Geschichte des Super Bowl durfte sich die Hip-Hop-Welt nach Herzenslust präsentieren. Das Line-up des Abends liest sich wie ein Who‘s who: Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar … Sie alle waren dabei und setzten dem Sprechgesang ein etwa 15-minütiges Popkultur-Denkmal. Als Gaststars tauchten 50 Cent und Anderson .Paak auf.

5. Madonna (2012)

Wenn die „Queen Of Pop“ eine Halbzeitshow gestaltet, darf man einiges erwarten. Und wie so oft wurde Madonna den Erwartungen am 5. Februar 2012 vollständig gerecht. Als griechische Göttin verkleidet, ließ sie sich von ihren Spartaner-Tänzern über die Bühne tragen und manifestierte ihren Status als größte Popkünstlerin aller Zeiten. Unterstützung erhielt sie unter anderem von Cee Lo Green, Nicki Minaj, M.I.A. und LMFAO. Den Abschluss der Show markierte ein Gospelchor, mit dem Madonna Like A Prayer zum Beten … äh … zum Besten gab.

4. Lady Gaga (2017)

Als die Verantwortlichen der NFL den Vertrag mit Lady Gaga unterzeichneten, dürften ihnen durchaus ein paar Schweißperlen auf der Stirn gestanden haben. Schließlich kann man bei der exzentrischen Künstlerin nie so genau wissen, mit welchen Show-Einlagen sie ihr Publikum überrascht. (Wir erinnern uns an das Rindfleischkleid von 2010.) Bei der Super-Bowl-Halbzeitshow am 5. Februar 2017 ging die Musikerin allerdings auf Nummer sicher und legte einen unfassbaren Auftritt hin. Die Performance ihrer LGBTQ-Hymne Born This Way ließ sich Gaga trotzdem nicht nehmen.

3. Michael Jackson (1993)

Zu den Eigenheiten der Super-Bowl-Halbzeitshow zählt unter anderem der enge Zeitplan. Selten stehen für die Performance mehr als 15 Minuten zur Verfügung; meist wird jede Sekunde davon genutzt. Michael Jackson ging das Ganze im Januar 1993 ein wenig anders an. Länger als eine Minute blieb er vor seiner fulminanten Show still auf der Bühne stehen, als sei er eine Statue – und wurde dafür auch noch bejubelt. Das sagt einiges über seinen damaligen Stand des „King Of Pop“ aus.

2. Beyoncé & Destiny’s Child (2013)

Die Super-Bowl-Halbzeitshow 2013 war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, dass mit Beyoncé eine der hochkarätigsten Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts das Programm gestaltete. Nein, es kam auch zur lange erwarteten Reunion von Destiny’s Child, denn Kelly Rowland und Michelle Williams waren ebenfalls mit von der Partie. An jenem Abend dürften Beyoncé und ihre Kolleginnen viele Frauen und Mädchen sehr glücklich gemacht haben. Im Anschluss an ihren Auftritt fiel allerdings für mehr als eine halbe Stunde der Strom aus.

1. Prince (2007)

Der Auftritt von Prince im Rahmen der 41. Super-Bowl-Halbzeitshow ist nichts anderes als eine Lehrstunde in Sachen Rockstar-Perfektion. Scheinbar mühelos fegte der gerade einmal 1,57 Meter große Musiker am 4. Februar 2007 über die Bühne in Form seines Logos. Keine Sekunde verging, ohne dass er das Publikum fest im Griff hatte. Prince und eine Blaskapelle? Oh ja. Prince spielt Purple Rain im Regen? Absolut. Ein Abend für die Geschichtsbücher!

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„California Love“: Die musikalischen Höhepunkte der Super-Bowl-Halbzeitshow

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Popkultur

50 Jahre „Raw Power“: Als die Iggy Pop und die Stooges in 34 Minuten den Punk erfinden

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Iggy Pop
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

33 Minuten und 57 Sekunden. Solange brauchen Iggy Pop und die Stooges, um den Punk in die Welt zu würgen. Vor 50 Jahren erscheint das lärmende, schrille Manifest Raw Power. Und ist auch ein halbes Jahrhundert die Rockplatte mit dem passendsten Namen.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Raw Power anhören:

Ende der Sechziger tut sich was in Ann Arbor. Mitten in einer mittelgroßen Stadt in Michigan gründen James Newell osterberg (den alle nur Iggy Pop nennen) und die  Asheton-Brüder Ron und Scott The Stooges. Sie lieben die Doors und eine wenig bekannte Girl-Group namens The Untouchable, ihr neuartiger, bizarrer, fast schon aufdringlich aggressiver Mix aus Blues, R&B, Jazz und altmodischem Rock’n’Roll verstört, ihre Live-Konzerte haben schnell den Ruf, psychedelische Dröhnexzesse zu sein. Das beschert ihnen in einem auserwählten Kreis Kultstatus; der Erfolg, der bleibt bei den ersten beiden Platten The Stooges (1969) und Fun House (1970) jedoch weitgehend aus.

Flucht nach England

Die Band trennt sich kurzzeitig, Iggy Pop kümmert sich zunächst gründlich um seine Heroinsucht. Kostet ja auch Zeit und Geld. Wie ein rettender Engel schwebt David Bowie in sein Leben. Der bringt ihn bekanntermaßen mehr als einmal von den Drogen weg und nimmt ihn mit zu sich nach England, wo die beiden gemeinsam Musik machen. Was eigentlich Iggy Pops Solodebüt werden soll, wird dann im Vereinigten Königreich aber doch irgendwie zur Reunion der Stooges: Nachdem Iggy Pop und sein Stooges-Gitarrist James Williamson, den er bei sich haben wollte, keine geeignete Rhythmussektion in „ganz England“ finden, wie man wenig glaubhaft versichert, fliegen sie halt doch wieder die Asheton-Brüder ein.

Die Stooges sind wieder vereint, die Solopläne Pops zunächst mal vom Tisch. Ganz ohne Spuren bleibt der kurze Riss in der Stooges-Historie aber nicht: Fortan firmiert man als Iggy And The Stooges. Und will es noch mal wissen. Warum auch nicht? Während die Welt in ihrer Frühphase ganz eindeutig nicht bereit war für diese Art von Musik, von innigem Krach und sinnlicher Kakophonie, ist in der Musikwelt mittlerweile natürlich eine Menge passiert. Die New York Dolls sind auf den Plan getreten, The Velvet Underground haben in Sachen lauter Avantgarde so ziemlich alles gesagt.

Die härteste Gitarre weit und breit

Hochmotiviert schreiben Iggy Pop und James Williamson Songs für ein Album, das als ein Meilenstein auf der Reise zum Punk in die Annalen eingehen wird. Die Musik klingt deutlich härter und kohärenter, was vor allem an Williamsons aggressivem Spiel liegt. Muss sogar Ron Asheton einsehen, der grummelnd von der Gitarre zum Bass wechselt und Williamson das Feld überlässt.

1972 entstehen in London Songs, die beim Management der Band praktisch ohne Ausnahme für blankes Entsetzen sorgen. Die Plattenfirma Columbia zwingt die Band dazu, wenigstens zwei Balladen auf dieses rohe, blutige Stück Fleisch zu packen – wahrscheinlich in einem verzweifelten Versuch, die Ecken abzuschleifen. Gimme Danger und I Need Somebody gehen auf dieses Diktat zurück. Auch nicht gerade Tränendrüse-Nummern, aber offensichtlich okay für Columbia. Und für spätere Generationen eh ein Glücksgriff: Beide Songs sind herrliche Exempel für torkelnde Trinkerballaden.

David Bowie muss retten

Vom 10. September bis zum 6. Oktober 1972 wird das Album in den Londoner CBS Studios aufgenommen. Und dass David Bowie hier überhaupt als Co-Produzent mit an Bord geholt wird, ist tatsächlich auf einen Fauxpas von Iggy Pop selbst zurückzuführen. Der besteht darauf, die Platte selbst aufzunehmen und zu mixen, mischt aber versehentlich die Instrumente in den einen Stereokanal und den Gesang in den anderen. Mehr Punk geht echt nicht!

Und weil Iggy Pop eben Iggy Pop ist, besteht er darauf, dass Bowie zwar an den Mix gelassen werden darf; der Opener Search And Destroy soll davon aber unberührt bleiben. Was sich Bowie dabei wohl gedacht hat? Eine Menge! „Ich kam mit meinem 24-Spur-Rekorder und wir schlossen ihn an. Er hatte die Band auf einer Spur, die Leadgitarre auf einer zweiten und die Band auf der dritten. Von 24 Spuren benutzte er nur drei und er sagte: ‚Sieh mal zu, was du damit anfangen kannst!“

Als würde man einen Baumstamm verprügeln

Das sorgt für einen ganz speziellen Sound, der so keineswegs gewünscht wurde, aber zur Einzigartigkeit dieses seltsamen Albums beiträgt. Einen Tag, mehr hatte Bowie aufgrund des knappen Budgets nicht zum Mixen. Und was er rausholt, ist eine der ikonischsten Produktionen aller Zeiten. Pop selbst erinnert sich in diesem Zusammenhang an ein Zitat von Bowie: „Er sagte mir: ‚Ihr seid so primitiv, euer Schlagzeuger sollte klingen, als würde er einen Baumstamm verprügeln.“ Und irgendwie tut er das auch! Bis heute sind die verschiedenen Mixe des Albums der Stoff für Legenden: Iggy Pop selbst hat mehr als einmal seine Fassung der Songs ausgegraben und als alternative Fassung veröffentlicht, zuletzt dieses Jahr.

Der große Erfolg bleibt dennoch aus. Fürs konservative Rock-Radio sind die laut gellenden Rock-Orgien immer noch viel zu brutal, das Album macht kaum Eindruck in den Charts. Die bittere Quittung: Management und Label lassen die Stooges fallen, nach einem weiteren Jahr auf Tour löst sich die Band endgültig auf.

Rohe Kraft

Heute sind wir natürlich schlauer. Heute wissen wir, dass es eigentlich keine Rock-Platte gibt, die einen passenderen Namen trägt. Raw Power. Damit ist alles gesagt. Pop und die Stooges reduzieren den Rock auf sein urtümliches Grundgerüst, kochen ihre Musik ein auf eine Ursuppe aus schreienden Gitarren, polternden Drums und Schreie aus dem Wald. So einfach. Und doch so effektiv.

Schon damals jubelt die Presse, doch heute ist man sich selten einig: Raw Power ist das Album, ohne das es Punk erst später gegeben hätte. Steve Jones von den Sex Pistols lernte Gitarre zu diesem Album, Johnny Marr von The Smiths nennt es seine absolute Lieblingsplatte, ebenso erweisen sich Thurston Moore von Sonic Youth und Kurt Cobain als riesige Fans dieses rohen Manifests. Nicht ganz übel für knapp 34 Minuten Musik, die kommerziell vor 50 Jahren ganz fürchterlich floppen.

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45 Jahre „Lust For Life“: Iggy Pop verlässt den Schatten von David Bowie

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Popkultur

Zeitsprung: Ab dem 7.2.1980 setzen Pink Floyd neue Maßstäbe mit der„The Wall“-Tour.

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Foto: Denis O'Regan/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.2.1980.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 7. Februar 1980 legen Pink Floyd mit ihrer Tour zu The Wall los. Dass die Konzertreihe eine tatsächliche Mauer enthält und auch sonst alle Maßstäbe umkrempelt, was wir als gute Show definieren, ahnt da keiner. Natürlich geht bei der Kiste aber auch etwas schief. Schauen wir zum Jahrestag des ersten Konzerts in die Pläne und Probleme der Unternehmung.

Hört zur Einstimmung Is There Anybody Out There?, das Livealbum zur Tour: 

„Es war verdammt schwer umzusetzen, aber wir hatten ein paar wirklich gute Leute dabei, die es möglich gemacht haben“. Diese Aussage von Roger Waters fasst das Konzept der „Tour“ zu The Wall recht gut zusammen. Wobei man sicher aufpassen muss, das Unterfangen als Tour zu bezeichnen, immerhin gastiert das Schauspiel nur in vier Städten weltweit. Dafür dürfen sich Los Angeles, die Kleinstadt Uniondale bei New York, London und Dortmund dann gleich über insgesamt 31 Shows freuen. Los geht’s am 7. Februar 1980 in Los Angeles.

Feurige Stimmung, feurige Show

Dort brennt im Memorial Sport Auditorium die Hütte, und zwar wortwörtlich: Der Opener In The Flesh? soll mit einem Feuerwerk starten. Dieses steuert jedoch zielsicher auf einen Vorhang der Arena zu und sorgt bei der Folgenummer Empty Spaces bereits für Ascheregen. Die dystopische Szenerie wirkt geplant, doch spätestens als die Band das Konzert zum Löschen unterbricht, schwant dem Publikum die Panne. Dass es innerhalb der Gruppe ohnehin schwelt, bleibt hinter den Kulissen. Beim ausufernden Konzept der Shows scheint es mehr Glück als Verstand zu sein, dass sich das Feuer zu keinem Inferno ausbreitet und auch sonst niemand zu Schaden kommt.

Roger Waters verarbeitet auf dem Album Motive der Entfremdung und fehlender Verbindung und will diese auch auf der Bühne transportieren. Das Resultat: Eine beinahe zehn Meter hohe Mauer, die während des Konzerts aus papiernen „Steinen“ zusammengesetzt und wieder eingerissen wird. Abstürzende Flugzeuge und überlebensgroße aufblasbare Puppen füllen das Bühnenbild. Mal fungiert die Mauer als Leinwand, mal singt David Gilmour auf ihr Comfortably Numb.

Überdimensionale Erlebniswelt

Plötzlich ergibt es Sinn, dass diese Produktion nicht täglich den Standort wechselt. Waters erinnert sich: „Ich wusste immer, dass es ein facettenreiches Projekt werden würde – eine Platte, gefolgt von den Shows in ausgesuchten Städten und einem Film. Wir konnten damit gar nicht reisen, es hätte ein Vermögen gekostet, das alles zu bewegen. Es war allem im Rock’n’Roll Lichtjahre voraus, und die Arbeit, die in jedes Detail floss, hatte es so noch nie gegeben.“

Ist da jemand: Das Cover zum Livealbum der „The Wall“-Tour zeigt die Masken der „falschen Pink Floyd“, die zu Beginn der Konzerte das Publikum täuschen sollten.

Eigentlich eine Schande, dass letztlich so wenig des bei den Shows gefilmten Materials an die Öffentlichkeit gelangt. Nur mäßig ausgeleuchtete Probeaufnahmen teilt man; in den geplanten Film schaffen es gerade einmal 20 Minuten der Liveaufzeichnungen.

Noch immer ein Wunderwerk

Weitere zwei Male lässt der Bassist das Epos wieder auferstehen, 1990 zur Feier der deutschen Wiedervereinigung und 2010 als dreijährige Tour. Wieder gelingt der Zauber. Die Presse titelt: „Die Tourversion von Pink Floyds ‚The Wall‘ ist eine der ehrgeizigsten und komplexesten Rockshows, die jemals auf die Bühne gebracht wurden.“

Zeitsprung: Am 31.5.1984 sorgt „The Wall“ von Pink Floyd für eine Entlassung.

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